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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2025

Bildgewaltig, vielschichtig, etwas zu ausufernd

Lauter kleine Lügen
5

„Lauter kleine Lügen“ von Kate Kemp hat mich direkt mit seinem bildhaften und atmosphärischen Schreibstil abgeholt. Man spürt förmlich die flirrende Hitze der australischen Vorstadt, hört das Getuschel ...

„Lauter kleine Lügen“ von Kate Kemp hat mich direkt mit seinem bildhaften und atmosphärischen Schreibstil abgeholt. Man spürt förmlich die flirrende Hitze der australischen Vorstadt, hört das Getuschel hinter Vorgärten und merkt schnell: Hier hat jede:r etwas zu verbergen. Der Stil ist wirklich stark – detailverliebt, lebendig, manchmal poetisch. Aber (und das ist mein kleiner Haken): An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, die Autorin hätte ein bisschen schneller auf den Punkt gefunden. Einige Absätze wirken beinahe zu ausschweifend, was es mir gerade nach Lesepausen schwer gemacht hat, wieder in die Story reinzufinden.

Die Figuren sind dafür umso überzeugender. Die Nachbarschaft strotzt nur so vor unterschiedlichsten Charakteren – von der verschlossenen Einzelgängerin bis zur neugierigen Power-Mutter ist alles dabei. Diese Vielfalt macht’s spannend, man hat das Gefühl, jede Figur könnte etwas Wichtiges wissen oder gar selbst Teil des großen Ganzen sein. Das sorgt für eine durchgehend präsente Grundspannung.

Insgesamt: Ein atmosphärisch dichter Roman mit Tiefgang, dessen Geschichte vielleicht ein paar Seiten weniger gutgetan hätten. Aber wer sich gern in gut erzählte, psychologisch fein gezeichnete Geschichten fallen lässt, ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Mit jedem Song ein Stück näher an der Wahrheit

Sag mir, dass du mir vertraust
1

"Sag mir, dass du mir vertraust" hat mich mit einem richtig starken Konzept gepackt: Eine Thriller-Handlung, die sich anhand einer gemeinsamen Online-Playlist entfaltet – wie cool ist das denn bitte? Musik ...

"Sag mir, dass du mir vertraust" hat mich mit einem richtig starken Konzept gepackt: Eine Thriller-Handlung, die sich anhand einer gemeinsamen Online-Playlist entfaltet – wie cool ist das denn bitte? Musik als geheime Sprache zwischen zwei Menschen, und dann auch noch als Thriller-Element eingesetzt – das hat definitiv Stil.

Marissas Reise auf der Suche nach Ethan hat mich über weite Strecken gefesselt. Die Spannung ist fast durchgängig hoch, und die Wendungen kommen oft genau dann, wenn man denkt, man hat alles durchschaut. Der Schreibstil ist flüssig, modern, und trotz der ernsten Themen erstaunlich leicht zu lesen – ideal für ein Wochenende auf der Couch oder die nächste Bahnfahrt.

Was mich ein kleines bisschen gestört hat (und warum ich einen Stern abziehe): Manche Entscheidungen der Protagonistin wirkten auf mich etwas impulsiv und nicht immer ganz nachvollziehbar. Klar, sie steckt in einer Extremsituation – aber manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Reflektiertheit gewünscht. Vielleicht liegt’s daran, dass man als Leser:in den Überblick hat, den sie nicht hat – aber dennoch: ein, zwei Mal dachte ich mir "Warum jetzt das?"

Nichtsdestotrotz: ein gelungenes Debüt mit einer frischen Idee und viel Atmosphäre. Wer psychologische Spannung liebt und gern zwischen den Zeilen (oder in diesem Fall: zwischen den Songs) liest, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Spannender Plot, cooles Gimmick mit der Playlist, und ein paar kleinere Schwächen in der Figurenzeichnung – aber insgesamt absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Vom Feuer ins Verhängnis

Eine von uns
1

„Eine von uns“ hat mich ziemlich schnell gepackt – und auch wenn nicht jede Passage vor Spannung knistert, war ich insgesamt richtig gut unterhalten.

Der Einstieg ist stark: Das Haus brennt, Gina steht ...

„Eine von uns“ hat mich ziemlich schnell gepackt – und auch wenn nicht jede Passage vor Spannung knistert, war ich insgesamt richtig gut unterhalten.

Der Einstieg ist stark: Das Haus brennt, Gina steht plötzlich mit ihrer Familie vor dem Nichts – da kommt das Angebot ihrer alten Freundin Annie gerade recht. Ein wunderschön renoviertes georgianisches Haus, weit weg vom Chaos – klingt zu gut, um wahr zu sein. Und genau dieses Gefühl bleibt: Irgendwas stimmt hier nicht. Und irgendwas stimmt mit jemandem nicht – allen voran mit Mary, der Haushälterin, die auf einmal vor der Tür steht.

Die Geschichte lebt von einer unterschwelligen Spannung. Immer wieder gibt’s kleine Hinweise, seltsame Begegnungen und düstere Erinnerungen, die Stück für Stück ein größeres Bild ergeben – allerdings ohne alles gleich preiszugeben. Das hat mir besonders gut gefallen: Dieses ständige „Was ist hier eigentlich los?“ hält einen bei der Stange.

Zugegeben, zwischendurch hätte die Geschichte ein kleines bisschen mehr Tempo vertragen können. Es gibt Passagen, die sich leicht ziehen – aber dann kommt wieder ein Twist, ein Rückblick oder ein Dialog, der alles auf den Kopf stellt, und man ist sofort wieder drin. Die Atmosphäre ist durchgehend gelungen – leicht unheimlich, geheimnisvoll und ein bisschen klaustrophobisch.

Fazit: „Eine von uns“ ist kein reißerischer Thriller mit Action an jeder Ecke – sondern eher ein schleichender, psychologischer Spannungsroman, der mit Atmosphäre, Wendungen und undurchsichtigen Figuren punktet. Ich vergebe sehr gerne 4,5 Sterne und empfehle das Buch allen, die gern miträtseln und sich langsam in eine dunkle Geschichte hineingleiten lassen wollen.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Ein Mord, ein Manuskript, ein Meisterwerk

Die unsichtbare Hand
1

„Die unsichtbare Hand“ von Julie Clark ist ein literarisches Meisterwerk, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. In diesem packenden Thriller entfaltet sich die Geschichte um Olivia Dumont, eine ...

„Die unsichtbare Hand“ von Julie Clark ist ein literarisches Meisterwerk, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. In diesem packenden Thriller entfaltet sich die Geschichte um Olivia Dumont, eine Ghostwriterin, die mit ihrem Vater, einem gefeierten Schriftsteller, ein fast fünfzig Jahre altes Verbrechen aufklären soll. Das Verbrechen, das die Kleinstadt Ojai in Kalifornien im Sommer 1975 erschütterte, wirft Fragen auf: Wurden die 14-jährige Poppy und der 17-jährige Danny von ihrem eigenen Bruder getötet?

Clark gelingt es meisterhaft, die düstere Atmosphäre der 70er Jahre einzufangen und mit der Gegenwart zu verweben. Der bildhafte Schreibstil lässt die Landschaft Kaliforniens lebendig werden, während die komplexen Charaktere und die geheimnisvolle Handlung den Leser in ihren Bann ziehen. Die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und gleichzeitig emotionale Tiefe zu vermitteln.

Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise, wie Clark mit Erinnerungen und Familiengeheimnissen spielt. Die Geschichte entfaltet sich wie ein Puzzle, bei dem jedes Teil mehr Licht auf die dunklen Ecken der Vergangenheit wirft. Die Protagonistin Olivia steht dabei nicht nur vor der Herausforderung, das Verbrechen aufzuklären, sondern auch, sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Dies ist ein Thriller, der nicht nur durch seine spannende Handlung überzeugt, sondern auch durch seinen tiefgründigen, emotionalen Kern. Die Autorin hat mit diesem Werk einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Für alle, die komplexe Geschichten mit Herz und Verstand schätzen, ist dieses Buch ein absolutes Muss.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Wenn Fitzek Comedy macht – leider kein Match

Horror-Date
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Ich bin eigentlich ein Fan von Fitzek – wenn er tut, was er am besten kann: packende Thriller schreiben, die einem den Schlaf rauben. Horror-Date ist das genaue Gegenteil davon – ein „Keinthriller“, wie ...

Ich bin eigentlich ein Fan von Fitzek – wenn er tut, was er am besten kann: packende Thriller schreiben, die einem den Schlaf rauben. Horror-Date ist das genaue Gegenteil davon – ein „Keinthriller“, wie es so schön heißt. Und leider trifft genau das auch auf meine Begeisterung zu: kein Treffer.

Die Grundidee ist durchaus kreativ: Ein Datingportal für Menschen mit wenig verbleibender Lebenszeit klingt nach einer spannenden Mischung aus Romantik und Tragik. Doch statt echter Tiefe bekommt man hier einen überdrehten Roman, der mit der Brechstange auf lustig macht. Mir war das alles zu gewollt, zu laut, zu überspitzt – von Situationskomik keine Spur, eher Klamauk mit Ansage.

Die Figuren? Leider Paradebeispiele für Klischees. Der smarte Startup-Bro mit dem Ego größer als sein Auto, die todkranke, aber übermoralische Traumfrau und der beste Freund als aufopferungsvoller Plotmotor. Leider viel zu durchschaubar.

Was das Hörbuch betrifft: Simon Jäger hat definitiv Talent, keine Frage. Als Sprecher von Matt Damon und Co. hat er gezeigt, was stimmlich geht. Hier allerdings war er mir persönlich viel zu drüber. Jede Figur bekam eine Extraportion Theatralik, als würde man einem Cartoon beim Speed-Dating zuhören. Weniger wäre hier mehr gewesen – und vielleicht ein zweiter Sprecher, um dem Ganzen etwas mehr Nuance zu verleihen.

Mein Humor war’s nicht – aber wer auf laute Pointen und überspitzte Dialoge steht, wird sicher seinen Spaß haben. Ich hingegen sage: Sebastian Fitzek, bitte geh zurück zum Thriller-Schreibtisch.

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