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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

Zuhause in Furcht

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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In „Welcome Home“ lässt Arno Strobel die heile Welt einer jungen Familie langsam in sich zusammenbrechen. Der Einzug in die lang ersehnte Neubausiedlung wirkt zunächst wie ein Aufbruch ins Glück, doch ...

In „Welcome Home“ lässt Arno Strobel die heile Welt einer jungen Familie langsam in sich zusammenbrechen. Der Einzug in die lang ersehnte Neubausiedlung wirkt zunächst wie ein Aufbruch ins Glück, doch der Schein trügt. Bereits in der ersten Nacht häufen sich unheimliche Vorfälle, bis der Vater im Nachbarhaus eine grausame Entdeckung macht. Die aufkommende Paranoia wird schnell zur Realität und das Gefühl von Sicherheit verwandelt sich in ein Geflecht aus Angst und Misstrauen.

Strobel gelingt es, den Alltag schleichend in einen Thriller zu verwandeln mit vertrauten Schauplätzen und nachvollziehbaren Figuren. Die Atmosphäre ist dicht, die Bedrohung subtil und doch spürbar. Besonders wirkungsvoll sind die eingeschobenen Passagen aus Täterperspektive, die zusätzliche Spannung erzeugen und einen psychologischen Tiefgang schaffen. Auch das Thema der Synästhesie wird klug eingebaut und verleiht der Geschichte einen ungewöhnlichen Reiz.

Sprecher Sascha Rotermund verleiht dem Hörbuch durch seine markante Stimme und facettenreiche Interpretation eine eindringliche Präsenz. Seine Lesung trägt maßgeblich dazu bei, die unterschwellige Bedrohung greifbar zu machen und die Charaktere zum Leben zu erwecken.

Trotz vieler gelungener Elemente bleibt ein kleiner Wermutstropfen. Einige Wendungen wirken leicht vorhersehbar oder etwas konstruiert. Das schmälert zwar nicht die Spannung insgesamt, lässt aber gelegentlich Tiefe und Überraschung vermissen. Wer viel im Genre liest oder hört, könnte früh ahnen, worauf es hinausläuft.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Wenn Anderssein verboten ist

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
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In dieser Story stolpere ich in eine Welt, in der Konformität keine Option ist, sondern Vorschrift. Die namenlose Protagonistin, schlicht „8“ genannt, lebt in Surdus, umgeben von Mädchen, die sich alle ...

In dieser Story stolpere ich in eine Welt, in der Konformität keine Option ist, sondern Vorschrift. Die namenlose Protagonistin, schlicht „8“ genannt, lebt in Surdus, umgeben von Mädchen, die sich alle gleich verhalten und aussehen. Ihre Einzigartigkeit, ihr Anderssein, macht sie zur Gefahr. Und genau das weckt eine unterschwellige Spannung, die sich durch das ganze Buch zieht. Der Auslöser ist simpel: Ein Blick von einem anderen Mädchen, und alles kippt. Die Flucht beginnt.

Der Roman setzt eher auf Atmosphäre als auf Action. Die Sprache ist knapp, fast lakonisch. Das schenkt dem Text eine gewisse Klarheit, lässt aber gleichzeitig vieles in der Schwebe. Gefühle bleiben diffus, Charaktere wirken eher angedeutet denn lebendig. Die dystopische Kulisse ist zwar stimmig, bleibt aber vage skizziert. Was jedoch besonders gelungen ist: die Frage, was es bedeutet, ein Einzelner zu sein – und wie viel Mut das kostet. Doch leider entspricht das Werk insgesamt eher einer zarten Andeutung als einem kraftvollen Aufbruch. Eine solide Lektüre, die neugierig macht, aber nicht ganz berührt.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Atmosphärisch dicht, emotional etwas abseits

Mein Name ist Emilia del Valle
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Isabel Allende entwirft in diesem Buch eine beeindruckende Lebensreise: von San Francisco in das politische Chile. Eine mutige Frau sucht nach der Wahrheit, ihren Wurzeln und der Liebe. Emilia steht im ...

Isabel Allende entwirft in diesem Buch eine beeindruckende Lebensreise: von San Francisco in das politische Chile. Eine mutige Frau sucht nach der Wahrheit, ihren Wurzeln und der Liebe. Emilia steht im Zentrum, eine junge Reporterin im Bürgerkrieg; selbstbestimmt und eigenwillig, jedoch nicht ohne Widersprüche.

Positiv hervorzuheben ist die atmosphärische Schilderung vergangener Zeiten: die Autorin vermag Szenen mit Eleganz und Feinsinn zu gestalten, die Landschaften spürbar, Emotionen greifbar. Die Ich-Erzählung bringt Nähe, die Recherche als Mittel der Selbstfindung wirkt inspirierend.

Doch wirkt vieles auch vertraut: das Motiv der starken Frau in politischen Wirren wirkt diesmal weniger überraschend. Teils leicht melodramatisch, gelegentlich formelhafter. Die emotionale Tiefe erreicht nicht immer die Wirkung. Insgesamt ein stilistisch solides Buch, aber ohne den besonderen Funken.

Ein solider historischer Roman mit sympathischer Heldin und reichem Setting, aber ohne bleibende Wirkung.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Am Abgrund der Idylle (Hörbuch)

Heimat
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Die Story entfaltet sich leise und atmosphärisch, wie ein Instagram-Feed aus perfekt inszenierten Alltagsbildern, unter denen sich etwas Dunkles verbirgt. Die Protagonistin Jana ist hochschwanger mit dem ...

Die Story entfaltet sich leise und atmosphärisch, wie ein Instagram-Feed aus perfekt inszenierten Alltagsbildern, unter denen sich etwas Dunkles verbirgt. Die Protagonistin Jana ist hochschwanger mit dem dritten Kind und zieht mit ihrer Familie aufs Land. Es soll ruhiger, natürlicher, klarer werden, doch genau dort beginnt eine unterschwellige Veränderung.

Jana trifft auf Karolin – eine Frau, die sich selbstbewusst als Tradwife inszeniert: in klarer Rollenverteilung, voller Selbstfürsorge, aber auch in einem Netz konservativer, teils völkischer Ideale. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit genauem Blick beschreibt Lühmann, wie dieser Lebensstil in kleinen, fast beiläufigen Details normalisiert und attraktiv gemacht wird: durch Sprache, Rituale, Online-Auftritte und die Sehnsucht nach Ordnung und Zugehörigkeit.

Die große Stärke des Hörbuchs liegt in dieser Alltagsnähe. Der gesellschaftspolitische Stoff wirkt nie theoretisch, sondern schleicht sich ein, wie eine neue Routine. Jana ist dabei keine kämpferische Hauptfigur, sondern eher eine Suchende. Ihre Entwicklung bleibt oft schemenhaft, was zugleich irritiert und authentisch wirkt. Die Distanz lässt Raum zur Reflexion, gerade weil vieles nur angedeutet wird.

Der Stil ist präzise und fast nüchtern wodurch die unterschwellige Spannung umso stärker wirkt. Heike Warmuth liest das Hörbuch unaufgeregt, fast distanziert, was die Wirkung noch verstärkt: Man hört nicht einer Geschichte zu, sondern ist wie zufällig dabei, wie sich eine Ideologie in den Alltag einschleicht.

Einzig das Ende bleibt zu offen und das ist schade. So stark der Aufbau und das Thema sind, so abrupt endet die Geschichte. Vieles bleibt unbeantwortet, und was als leiser Nachhall gedacht sein mag, wirkt eher unfertig.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Zerrissen, poetisch, unvergesslich

Furye
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„Furye“ ist ein Hörbuch, das man nicht einfach nur hört, man fühlt es, man taumelt mit, man denkt lange darüber nach. Die Geschichte einer erfolgreichen Musikmanagerin, die aus ihrem scheinbar perfekten ...

„Furye“ ist ein Hörbuch, das man nicht einfach nur hört, man fühlt es, man taumelt mit, man denkt lange darüber nach. Die Geschichte einer erfolgreichen Musikmanagerin, die aus ihrem scheinbar perfekten Leben ausbricht und in ihre Vergangenheit zurückkehrt, entfaltet sich wie ein literarischer Sturm: intensiv, druckvoll und voller Sehnsucht. Der Titel ist Programm: Furye klingt wie eine Mischung aus Furie und Feuer, und genau das bekommt man auch.

Die nächtliche Reise zurück in die Stadt der Jugend bringt nicht nur Erinnerungen, sondern eine ganze Welle unausgesprochener Gefühle mit sich. Damals war sie Teil einer eingeschworenen Clique – Alec, Meg und Tess –, die als Furien durch einen einzigen, flirrenden Sommer tobten. Freundschaft, erste Liebe, Wut, Verlust, Identitätssuche ... alles kommt zurück, so roh und echt, als wäre es gestern gewesen.

Was das Hörbuch besonders macht, ist die Sprache: mal rau und direkt, mal poetisch und zart. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist nicht nur strukturell klug gemacht, sondern auch emotional präzise. Es geht um so viel mehr als nur um Nostalgie. Es geht ums Überleben, um das Sich-selbst-Wiederfinden, um das Durchbrechen alter Muster.

Die Sprecherin Alina Vimbai Strähler verleiht der Geschichte eine Stimme, die berührt. Mal zurückgenommen, mal explosiv, immer nuanciert. Ihre Interpretation trägt wesentlich dazu bei, dass man sich der Geschichte nicht entziehen kann. Jeder Satz wirkt ehrlich, jede Emotion sitzt.

„Furye“ ist kein Wohlfühlhörbuch, aber genau das ist seine Stärke. Es rüttelt auf, es schmerzt, es heilt ein bisschen. Es bleibt.

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