Bildgewaltig, vielschichtig, etwas zu ausufernd
Lauter kleine Lügen„Lauter kleine Lügen“ von Kate Kemp hat mich direkt mit seinem bildhaften und atmosphärischen Schreibstil abgeholt. Man spürt förmlich die flirrende Hitze der australischen Vorstadt, hört das Getuschel ...
„Lauter kleine Lügen“ von Kate Kemp hat mich direkt mit seinem bildhaften und atmosphärischen Schreibstil abgeholt. Man spürt förmlich die flirrende Hitze der australischen Vorstadt, hört das Getuschel hinter Vorgärten und merkt schnell: Hier hat jede:r etwas zu verbergen. Der Stil ist wirklich stark – detailverliebt, lebendig, manchmal poetisch. Aber (und das ist mein kleiner Haken): An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, die Autorin hätte ein bisschen schneller auf den Punkt gefunden. Einige Absätze wirken beinahe zu ausschweifend, was es mir gerade nach Lesepausen schwer gemacht hat, wieder in die Story reinzufinden.
Die Figuren sind dafür umso überzeugender. Die Nachbarschaft strotzt nur so vor unterschiedlichsten Charakteren – von der verschlossenen Einzelgängerin bis zur neugierigen Power-Mutter ist alles dabei. Diese Vielfalt macht’s spannend, man hat das Gefühl, jede Figur könnte etwas Wichtiges wissen oder gar selbst Teil des großen Ganzen sein. Das sorgt für eine durchgehend präsente Grundspannung.
Insgesamt: Ein atmosphärisch dichter Roman mit Tiefgang, dessen Geschichte vielleicht ein paar Seiten weniger gutgetan hätten. Aber wer sich gern in gut erzählte, psychologisch fein gezeichnete Geschichten fallen lässt, ist hier genau richtig.