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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2022

Wohlfühl-Krimi rund um Chania

Kretische Feindschaft
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Auf einer herrlichen Insel braucht es auch passende Lektüre. Daher habe ich für unseren Kurztrip nach Kreta ‚Kretische Feindschaft: Ein Fall für Michalis Charisteas‘ mitgenommen. Es ist der Auftaktband ...

Auf einer herrlichen Insel braucht es auch passende Lektüre. Daher habe ich für unseren Kurztrip nach Kreta ‚Kretische Feindschaft: Ein Fall für Michalis Charisteas‘ mitgenommen. Es ist der Auftaktband der Michalis Charisteas Serie.
Ein klassischer Wohlfühl-Krimi für den Urlaub. Ich hatte großen Spaß ihn zu lesen, denn wir waren genau in der Gegend wo Michalis Charisteas und seine Familie lebt: Chania. Traumhaftes Städtchen und das wird auch genauso im Krimi transportiert. Klar, ein Krimi und es gibt einen Toten mit einer rasanten Suche nach dem Mörder, aber das Privatleben ist genauso wichtig wie die Ermittlung.
Michalis Charisteas ist Kommissar in Chania und untersucht mit seinem Partner den Tod des Bürgermeisters eines Ortes westlich von Chania. Er ist mit dem Auto die Klippen hinabgestürzt. Mord oder Unfall? Viele sind involviert und das man auf einer Insel anders ermitteln muss als in einer Großstadt wird auch schnell deutlich.
Michalis Familie besitzen ein Restaurant in Chania, wo er immer noch wohnt nachdem er seinen Dienst in Athen quittiert hatte. Er hat eine deutsche Freundin Hannah, die anreist und einige Wochen in Chania sein wird. Sehr gut ausgearbeitet sind die traditionellen Ansichten der kretischen Familie, aber auf liebevolle Weise.
Nikos Milonás ist ein Pseydonym eines Deutschen, Frank D. Müller. Er liebt Kreta heiß und innig und begann diese Reihe um Michalis Charisteas zu schreiben. Spannend geschrieben, Personen sind gelungen und die Landschaft und Orte sind sehr genau getroffen.
Fazit: Wer nach Kreta fliegt sollte diesen Krimi im Gepäck haben, erhöht die Entspannung ungemein!

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Veröffentlicht am 18.12.2022

Die Jahreslosung 2023

Du bist ein Gott, der mich sieht
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Wenn der Alltag vorbei rauscht und wenig Zeit bleibt um sich zu zentrieren, dann hilft auch schon mal der Griff zu Texten, die einen ruhen lassen, zur Ruhe kommen lassen und in denen man neue Kraft schöpft. ...

Wenn der Alltag vorbei rauscht und wenig Zeit bleibt um sich zu zentrieren, dann hilft auch schon mal der Griff zu Texten, die einen ruhen lassen, zur Ruhe kommen lassen und in denen man neue Kraft schöpft. Genau dafür konnte ich mit das schmale Bändchen ‚Du bist ein Gott, der mich sieht‘ aus dem edition chrismon Verlag nutzen. Es ist die Jahreslosung 2023, die drei sehr unterschiedliche Auto:innen in verschiedensten Texten erörtert und erspürt haben. Nicht ohne Grund steht als zweite Überschrift: Worte und Gedanken für ein ganzes Jahr.
Zum Auftakt ist die Bibelpassage von Hagar und Ismael (Genesis 16) abgedruckt in dem die Jahreslosung enthalten ist. Dann folgen kurze Texte, wie Briefe, Gedichte, Anekdoten, Gedanken und vieles andere von den drei Autor:innen: Ulrike Greim, Tobias Petzoldt und Andrea Schneider. Wirklich sehr kurzweilig und immer wieder zur Hand nehmbar, kein Band den man von Anfang bis Ende liest, das geht kreuz und quer, oft oder selten. Alles geht, nichts muss. Die Themenfelder erstrecken sich über eine bunte Auswahl die mit der Jahreslosung verbunden sind, wie „Sehnsüchte spüren“, das Herz öffnen, Nicht aufgeben, Unmögliches wagen, Du bist wertvoll, Auswege finden und verschiedene mehr.
Mich spricht dieses Buch auch noch an, weil es so wunderbar gut gestaltet und illustriert ist von Franziska Marielle Schatz. Wirklich eine wahre Freude hier in den Bildern zu versinken.
Fazit: Traut euch hier mal einen Blick hineinzuwerfen – es lohnt.

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Veröffentlicht am 16.12.2022

Nerdy, aber spannend

Begegnungen mit Euklid – Wie die »Elemente« die Welt veränderten
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„Seit dreiundzwanzig Jahrhunderten verändern die Elemente die Welt.“ (S.9)
Wer Mathematikunterricht nicht als Belastung ansieht oder sah, gar Spaß am Rechnen und sauberen definieren hat, der wird schon ...

„Seit dreiundzwanzig Jahrhunderten verändern die Elemente die Welt.“ (S.9)
Wer Mathematikunterricht nicht als Belastung ansieht oder sah, gar Spaß am Rechnen und sauberen definieren hat, der wird schon so manches Mal über Euklid gestolpert sein. Der griechische Mathematiker hat im 3. Jahrhundert vor Christus mit „Elemente“ eine fast formvollendete Abhandlung über die Arithmetik und Geometrie geschrieben. Das Erstaunliche ist die Herangehensweise wie exakt er definierte. Dieses Buch war ungelogen knapp 2000 Jahre lang ein globaler Megaseller (vor allem nachdem es gedruckt werden konnte) und in der wissenschaftlichen Szene ist es unangefochten das Urprinzip des Definierens, Postulierens und Herleitung von Axiomen für die Mathematik und andere Fachbereiche.
Benjamin Wardhaugh hat mit „Begegnungen mit Euklid“ seine Begeisterung für die alte Schrift in Worte gefasst. Wer eine staubige Abhandlung über einen zu alten Text erwartet, wird enttäuscht. Der Brite Benjamin Wardhaugh studierte unter anderem Mathematik in Cambridge und lehrt mittlerweile in Oxford. Dem Buch merkt man die Faszination an, die er Euklid entgegenbringt.
Es wird nicht nur mathematisches erläutert, sondern auch die historischen Umstände und Orte der damaligen Zeit, wenn er uns Bagdad in Szene setzt oder wie Euklid aus welchen Umständen wo landet . Wardhaugh setzt damalige Gegebenheiten ins Verhältnis, wenn er zum Beispiel erläutert, dass die ohnehin schon spezielle Schrift auf Papyrus nur einer geringen Minderheit auf der Welt zugänglich war und verständlich bei der Menge an Analphabeten.
Wirklich toll, wie Benjamin Wardhaugh den Bogen inhaltlich und historisch über diese lange Zeitspanne hinbekommt. Nicht ohne Grund, dass er im Jahr 2020 für dieses Buch für den London Hellenic Prize nominiert war.
Fazit: Wer auch nur einen Hauch an Interesse an Mathematik und Geschichte hat, lest dieses Buch, es bereichert sehr!

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Veröffentlicht am 15.12.2022

Fremdherrschaft über Ostafrika

Nachleben
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Was für ein sympathischer Mann der Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah ist! Ich habe ihn in diesem Jahr auf der Buchmesse (2022) zweimal erleben dürfen und er hat mich tief beeindruckt. Der dritte ...


Was für ein sympathischer Mann der Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah ist! Ich habe ihn in diesem Jahr auf der Buchmesse (2022) zweimal erleben dürfen und er hat mich tief beeindruckt. Der dritte Roman ist nun auch auf Deutsch erschienen: Nachleben. Eva Bonné hat ihn vortrefflich übersetzt und alle Feinheiten gemeistert!
Erzählt in klassischer Manier nimmt uns Gurnah mit auf eine Reise in die Vergangenheit und arbeitet die koloniale Besetzung Ostafrikas auf, besonders eine Gegend die sich heute in Tansania befindet. Eine Region aus der Gurnah selbst stammt. ‚ Nachleben‘ legt sein Augenmerkt auf die deutsche koloniale Besetzung von 1885 bis 1918 mit dem Umbruch während des 1. Weltkrieges und die folgende britische Verwaltung.
Gurnah entwirft ein Panorama an Geschichten, die erst lose wirken, aber alle ineinandergreifen. Vom jungen Mann Iilyas, der sich den Askari anschließt und mit den Deutschen kämpft. Er verschwindet und wird Jahre später in Deutschland aufgespürt. Er lässt eine Schwester zurück, die bei Khalifa unterkommt, einem indischstämmigen Banker. Und dann ist da noch eine wichtige Figur: Hamza, ein bildhübscher Junge, den sich ein deutscher Offizier als Assistent krallt.
Gurnah beschreibt und bildet ab, er urteilt nicht und gibt keine Meinungen wieder. Eine sanfte Art der Erzählung die eine vielschichte Art der Betrachtung zulässt. Der Blickwinkel der lokalen Unterjochten, es ist aus der Sicht der Afrikaner geschrieben. Es wird die ambivalente Grundeinstellung der kolonialen Mächte deutlich. Einerseits bringen sie Bildung, andererseits verheizen sie das Volk in ihren Kriegen.
Mich hat der Roman stark bereichert, war mir die Kolonialherrschaft der Deutschen in Ostafrika nicht so präsent und vor allem die Askari kein Begriff. Hervorragend erzählt und anregend sich mit den historischen Gegebenheiten auseinanderzusetzen.

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Veröffentlicht am 15.12.2022

Liebe zur Literatur als Abgrenzung zur Wirklichkeit

Simón
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Was ein schwieriges Buch! Ich habe mich sehr gefreut einen neuen spanischen Autor für mich zu entdecken, aber Miqui Otero ist leider nicht meins. So ganz und gar nicht.
Es geht wie der Titel des Romans ...

Was ein schwieriges Buch! Ich habe mich sehr gefreut einen neuen spanischen Autor für mich zu entdecken, aber Miqui Otero ist leider nicht meins. So ganz und gar nicht.
Es geht wie der Titel des Romans offenbart um Simón und dessen Lebensjahre 1992 bis 2018 in und um Barcelona.
„Wenn alles vorbei ist, wirst du weinen.“ Und genauso melancholisch wie dieser erste Satz ist das Scheitern, der Verfall und die Verschlechterung der Zustände ein immer wiederkehrendes Motiv im Roman.
Simón, Jahrgang 1984, der scheinbar der Erzählende ist, was aber nie so richtig aufgelöst wird und mich daher leicht ratlos zurücklasst, bekommt jeden Sonntag von seinem 10 Jahre älteren Cousin ein Buch geschenkt. Denn in Romanen kann man eintauchen und sich von der Realität abwenden und echte Freundschaft nachempfinden. Simóns Eltern betreiben eine Kneipe für die Übriggebliebene der Gesellschaft. Otero ergründet viele seiner erschaffenen Personen bis in die letzten Winkel und hat vor allem für gebrochene Charaktere etwas übrig.
Und eines kommt zum anderen, wenn der heißgeliebte Cousin von der Bildfläche verschwindet und Simón eine Lehre als Koch in einem noblen Restaurant beginnt und nicht sehr löblich behandelt wird.
Otero bettet seine Geschichte in zeithistorische Ereignisse ein, wenn beispielsweise Spanien in die wirtschaftliche Krise rutscht, aber trotzdem scheinen die Emotionen seiner Charaktere die dominante Hauptrolle zu spielen.
Schön sind die vielen Bilder die von Barcelona entstehen, liest man dieses Buch. Einer der wenigen Wehrmutstropfen, denn sonst lies mich das Buch doch an vielen Stellen irritiert zurück. Fast hatte ich das Gefühl beim Lesen, dass der rote Faden der erzählten Geschichte eine Nebensächlichkeit für Otero darstellte und die unfertigen Handlungen ein Teil seiner Schaffensfreiheit.
Fazit: Linksliberale Geschichte mit offenen Erzählsträngen und einer larmoyanten Grundstimmung, die mich nicht überzeugt hat.

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