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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.08.2025

Ein starkes Plädoyer für eine neue Jungen-Erziehung

Jungs von heute, Männer von morgen
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Eltern, die sich schon heute viele Gedanken über Gleichberechtigung, Erziehung und Rollenbilder machen, greifen mit ziemlicher Sicherheit eher zu einem Buch wie diesem. Schade eigentlich – denn „Jungs ...

Eltern, die sich schon heute viele Gedanken über Gleichberechtigung, Erziehung und Rollenbilder machen, greifen mit ziemlicher Sicherheit eher zu einem Buch wie diesem. Schade eigentlich – denn „Jungs von heute, Männer von morgen“ richtet sich genau an die, die solche Lektüre am dringendsten bräuchten. Aber für alle, die offen sind, Neues zu lernen und eigene Prägungen zu hinterfragen, ist dieses Buch eine echte Bereicherung.
Anne Dittmann – Spiegel-Bestsellerautorin, Journalistin und alleinerziehende Mutter eines Sohnes – gelingt mit diesem Buch ein inspirierender Mix aus persönlichen Einblicken, fundierter Recherche und gesellschaftlicher Analyse. Und das in einem angenehm zugänglichen, fast schon plaudernden Ton. Kein erhobener Zeigefinger, sondern ein offenes Gespräch auf Augenhöhe.
Von Gefühlen, Freundschaften, Rollenvorbildern und... Pornos.
Das Themenspektrum ist beachtlich: von ersten Wutanfällen im Kita-Alter bis zur Frage, wie man als Eltern mit dem Thema Sexualität, Medien oder Männlichkeitsbildern in den sozialen Netzwerken umgeht. Besonders gelungen fand ich die Interviews mit Expert:innen wie Susanne Mierau, Nicola Schmidt oder Patricia Cammarata – sie geben zusätzliche Perspektiven und ganz konkrete Impulse.
Was mir besonders aufgefallen ist:
📘 Das Buch ist nicht nur inhaltlich stark, sondern auch richtig schön gestaltet – übersichtlich, mit klugen Kapitelüberschriften, gut gesetzten Zitaten und hilfreichen Zusammenfassungen. Es lädt zum Wieder-reinlesen ein, zum Nachdenken und Reflektieren – nicht nur für Eltern, sondern für alle, die mit Jungs leben, arbeiten oder sie begleiten.
💬 Natürlich bin ich nicht in allen Punkten mit der Autorin einer Meinung – an einigen Stellen hätte ich mir mehr Tiefe oder eine differenziertere Betrachtung gewünscht. Doch gerade diese Reibung war spannend und hat zum Weiterdenken angeregt.
Fazit:
Anne Dittmann hat ein warmherziges, kluges und engagiertes Buch geschrieben, das Denkmuster aufbricht und neue Perspektiven eröffnet – ein starkes Plädoyer für eine empathische, offene Jungen-Erziehung, die jenseits von Klischees funktioniert.
4 von 5 Sternen – und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Literarische Inklusion

Klartext
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Stell dir vor, Hogwarts, aber ohne Zauberstäbe – dafür mit ganz viel echter Magie: Sprache, die man mit den Händen spricht, Emotionen, die ohne Worte knallen, und Teenies, die ganz schön viel zu sagen ...


Stell dir vor, Hogwarts, aber ohne Zauberstäbe – dafür mit ganz viel echter Magie: Sprache, die man mit den Händen spricht, Emotionen, die ohne Worte knallen, und Teenies, die ganz schön viel zu sagen haben. Willkommen an der River Valley School für Gehörlose, wo das Leben nicht leise, sondern einfach anders klingt.
👧 Charlie, neu an der Schule, rebellisch, unglücklich mit ihrem Cochlea-Implantat und bisher Außenseiterin in beiden Welten – weder hörend noch gehörlos so richtig angekommen. 🧑‍🎓Austin, Star der Schule, plötzlich aus der Bahn geworfen, als seine kleine Schwester „perfekt“ hören kann. Und 🧑‍🏫February Waters, Schulleiterin mit Herz, die versucht, ihre Ehe, die Schule und ihren inneren Frieden zusammenzuhalten, während alles um sie herum zerbröselt.
Was wie eine Coming-of-Age-Story beginnt, wird zu einem stillen Aufschrei: Was bedeutet es, gehört zu werden – in einer Welt, die dich ignoriert, weil du anders kommunizierst? Sara Nović, selbst gehörlos, bringt mit „Klartext“ eine Geschichte zu Papier, die nicht nur aufrüttelt, sondern richtig unter die Haut geht. Zwischen Drama, Identitätssuche und Solidarität webt sie leise, aber eindrücklich Themen wie Inklusion, kulturelle Zugehörigkeit und Selbstbestimmung ein.
✨ Besonders cool: Die kurzen Einschübe zu Gebärdensprache und Gehörlosengeschichte – kleine Wissensbonbons, die man beim Lesen aufschnappt und direkt weitererzählen will.
📚 Mein Fazit: „Klartext“ ist laut in seiner Wirkung, stark in seiner Aussage – und ein Buch, das jeder lesen sollte, dersich für echte Diversität interessiert. Dazu spannend, clever, emotional, manchmal witzig, manchmal hart – aber immer wichtig.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Urlaub vorbei, Sehnsucht bleibt – und Pierre Durand hilft!

Provenzalisches Licht
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Frisch zurück aus dem Frankreich-Urlaub, der noch nach Lavendel, Rosé und Baguette duftet, suchte ich Trost – und fand ihn in einem Krimi! Provenzalisches Licht von Sophie Bonnet war mein allererster Fall ...

Frisch zurück aus dem Frankreich-Urlaub, der noch nach Lavendel, Rosé und Baguette duftet, suchte ich Trost – und fand ihn in einem Krimi! Provenzalisches Licht von Sophie Bonnet war mein allererster Fall aus der mittlerweile elfteiligen Reihe rund um Pierre Durand, aber bestimmt nicht der letzte. Denn selten hat sich ein Mordfall so charmant und südfranzösisch angefühlt wie dieser.
Im malerischen Sainte-Valérie soll Ende Juni eine Modenschau des exzentrischen Designers Cyril Fontanel stattfinden. Zwischen glitzernden Stoffen, nervösen Models und grantelnden Dorfbewohnern sorgt Pierre für Sicherheit – bis eine Morddrohung die schillernde Fassade zum Bröckeln bringt. Der Fall führt ihn nicht nur ins benachbarte Tarascon, sondern auch zu einer Toten mit dunkler Vergangenheit – und natürlich zu jeder Menge provenzalischem Esprit.
Ja, es gibt viele Namen und noch mehr Verdächtige, aber gerade das hat mir Spaß gemacht: mitzurätseln, mich überraschen zu lassen, und dabei tief in eine Welt einzutauchen, in der Mode, Mord und Mistral aufeinandertreffen. Besonders spannend: das Thema Nachhaltigkeit in der Modebranche und die Geschichte der kunstvoll bedruckten „Indiennes“-Stoffe – ein unerwarteter, lehrreicher Bonus mitten im Krimi.
Und klar: Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz. Charlottes Restaurant warten mit köstliche Rezepte, die sofort Lust machen, die Urlaubsküche nach Hause zu holen.
Fazit: Ein Südfrankreichkrimi wie ein Teller Ratatouille: bunt, aromatisch, mit feinen Zutaten und einem Hauch Gefahr. Für mich der perfekte Lesegenuss nach dem Urlaub – und der beste Grund, direkt den nächsten Band zu lesen, aber diesmal fange ich wohl vorne in der Reihe an! Vive la Provence – et vive Pierre Durand!

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Liebe ja. Lovestory nein.

Hero
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Hero ist eine Frau, die irgendwie in uns allen steckt. Jeder hat Anteile von ihr in sich, die eine mehr, die andere weniger.
“Ich habe immer eine schlagfertige Antwort parat. Männer schleudern mir alberne ...

Hero ist eine Frau, die irgendwie in uns allen steckt. Jeder hat Anteile von ihr in sich, die eine mehr, die andere weniger.
“Ich habe immer eine schlagfertige Antwort parat. Männer schleudern mir alberne Beleidigungen entgegen, und ich pariere sie mit einem Blick oder einem Lachen, das sie ein bisschen aufrechter sitzen lässt. Ich bin ein Waldbrand, der die Leute zwingt, ihr Streichholz besonders sorgfältig aus-zublasen. Waldbrände sind irgendwie aufregend, oder? Und unberechenbar. Aber irgendein Idiot kommt immer auf die Idee, sein Feuerzeug aufzuklappen und es mir vors Gesicht zu halten. Irgendein Typ muss immer Öl ins Feuer gießen.
Im echten Leben habe ich mich schon oft verbrannt. Früher bin ich regelmäßig in Flammen aufgegangen, mein Inneres wurde immer empfindlicher.” (S 53)
Hero ist eine brutal schöne Frau, die keine gute Vergangenheit hat und sich bei Männern nicht unbedingt die Zeit nimmt, sie zu ergründen bevor sie mit ihnen im Bett landet.
Aber da ist der eine. Der will sie heiraten, aber will sie das? Es folgt kein rosarotes Ja, sondern eine Woche voller Gedanken und Gefühle. Wir sind hautnahe dabei.
Ein derbes Buch, aushaltbar, mit vielen Wahrheiten.
“Ich muss daran denken, wie ich einmal zu Two Shot sagte:
Ich hasse es, mich entscheiden zu müssen. Ich hasse es, dauernd irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen. Ich will wie ein Mann sein. Ich will alles haben können.
Wenn du zwischen ihm und deiner Karriere wählen müsstest, wie würdest du dich entscheiden?, fragte Two Shot.
Ich will mich nicht entscheiden müssen, sagte ich
Sie zog die Augenbrauen hoch.
Und ich will eine Million Dollar, sagte sie.”
(S 189)
Wenn man sich an den Schreibstil und die fehlende Indikation der wörtlichen Rede gewöhnt hat, dann saugt es einen förmlich ein. Mich hat diese Liebesgeschichte, die eigentlich eine Leidensgeschichte ist fasziniert. Sicherlich weil mir das Verhalten von Hero so fremd und kaputt erscheint, aber eben auch seine Berechtigung hat.
Und vielleicht genau deshalb bleibt das Buch so lange im Kopf: weil es keine Lösung anbietet, keine glatte Heldin und kein kitschiges Happy End. Stattdessen stellt es Fragen, die man nur für sich selbst beantworten kann. Wie viel Schmerz und Selbstzerstörung ist man bereit zu tragen, um Nähe zu spüren? Wie viel Freiheit darf Liebe kosten, ohne sich selbst zu verlieren? Hero zwingt einen, mitzudenken und mitzuleiden – und genau das macht es so besonders.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Ein Urknall im Hörsaal – und im Herzen

Das Gefühl von Unendlichkeit
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Was haben ein Hörsaal, ein Urknall und eine Chemie-Vorlesung gemeinsam? Ganz einfach: Das Gefühl von Unendlichkeit. Dieser Roman ist kein stiller Leseabend mit Kamillentee – das ist ein Leuchtfeuer aus ...

Was haben ein Hörsaal, ein Urknall und eine Chemie-Vorlesung gemeinsam? Ganz einfach: Das Gefühl von Unendlichkeit. Dieser Roman ist kein stiller Leseabend mit Kamillentee – das ist ein Leuchtfeuer aus Emotion, Wissenschaft und ganz großer Gefühlsexplosion.
Nicht Taylor Swift, die Sängerin – sondern Austin Taylor, die Autorin, hat mit diesem Debüt ein Werk geschaffen, das sich nicht in gängige Genres pressen lässt. Es ist Romance, ja – aber nicht süßlich. Es ist Wissenschaft, ja – aber nicht trocken. Und es ist Drama, aber eines mit echtem Tiefgang, das einen in Harvard absetzt und nicht eher loslässt, bis man auch selbst kurz davor ist, die Thermodynamik des Herzens zu berechnen.
Zoe ist klug, ehrgeizig, analytisch – aber dann kommt Jack. Auch er ist kein klassischer Bookboyfriend, sondern ein vielschichtiger Charakter mit Schatten und Substanz. Zwischen Vorlesungssaalsarkasmus, nächtelangen Gesprächen und einem intellektuellen Battle um die Gunst der Professorenschaft knistert es gewaltig. Und dann? Dann entdecken die beiden etwas, das nicht nur die Welt der Chemie auf den Kopf stellt, sondern bald auch ihr Leben.
Was Austin Taylor hier gelingt, ist nicht weniger als eine Explosion aus Intellekt und Intimität. Die Autorin bringt ihr eigenes Wissen ein – und ja, das merkt man. Manchmal wird es chemisch, manchmal wird es politisch, oft wird es persönlich.
Ja, das Buch hat Passagen, die etwas ausufern, und gegen Ende zieht ein dramatischer Nebel auf, der sich nicht ganz lichtet – aber das tut der Wucht der Geschichte keinen Abbruch. Statt Standard-Happy-End gibt’s Erkenntnisse, Reibung, Schmerz, Entwicklung. Genau das, was man sich von echter Literatur wünscht.
Mein Fazit:
Austin Taylor hat mit Das Gefühl von Unendlichkeit ein Debüt hingelegt, das sich nicht brav an Konventionen hält, sondern mit einem lauten Knall über die Seiten fegt. Für Leser:innen, die keine Angst vor Gefühl und Gehirn in Kombination haben und auch nicht klassiche Romance suchen.

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