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Veröffentlicht am 08.05.2025

Eine helfende Hand, wenn Kuddelmuddel im Hirn herrscht

Wie Arbeit glücklich macht
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In seinem praxisnahen Sachbuch „Wie Arbeit glücklich macht“ widmet sich Prof. Dr. Claas Lahmann einem Thema, das nahezu jede arbeitende Person betrifft: Wie gelingt es, den eigenen Job als Quelle von Zufriedenheit ...

In seinem praxisnahen Sachbuch „Wie Arbeit glücklich macht“ widmet sich Prof. Dr. Claas Lahmann einem Thema, das nahezu jede arbeitende Person betrifft: Wie gelingt es, den eigenen Job als Quelle von Zufriedenheit und nicht von Frustration zu erleben? Der renommierte Arzt, Psychosomatiker und Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg greift dabei auf seine langjährige klinische Erfahrung und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der Arbeitspsychologie zurück. Das Ergebnis ist ein motivierendes Buch, das Leserinnen und Leser mit konkreten Strategien unterstützt, sich selbstwirksam mit ihrer beruflichen Situation auseinanderzusetzen.
Der Autor – Medizin und Mensch im Fokus
Prof. Dr. Claas Lahmann ist nicht nur ein profilierter Mediziner, sondern auch ein engagierter Forscher und praktizierender Psychotherapeut. Seine Arbeitsschwerpunkte – u.a. psychosomatische Störungen, Stressbewältigung und gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen – prädestinieren ihn für dieses Thema. Seine Stärke: die Verbindung von medizinischem Fachwissen mit einem klaren Blick für alltagspraktische Lösungen. Diese Haltung prägt auch Wie Arbeit glücklich macht, das sich nicht in Theorien verliert, sondern konkrete Hilfe zur Selbsthilfe bietet.
Inhalt und Struktur – Drei Wege zum besseren Arbeitsleben
Das Buch folgt dem bekannten Prinzip „Love it, Change it or Leave it“ – also: Akzeptiere und schätze deine Arbeit, gestalte sie aktiv um oder ziehe die Konsequenz und verlasse sie. Lahmann strukturiert das Buch entsprechend in drei Hauptabschnitte:
• Love it: Was macht ein gesundes Arbeitsumfeld aus? Hier geht es um Vertrauen, Sinn, Kollegialität und Wertschätzung – allesamt Faktoren, die wissenschaftlich nachweisbar zum beruflichen Wohlbefinden beitragen. Lahmann beschreibt, welche Rahmenbedingungen dazu nötig sind und wie man selbst zur positiven Gestaltung beitragen kann.
• Change it: Im zweiten Teil bietet der Autor konkrete Handlungsmöglichkeiten, wie man belastende Situationen verbessern kann. Kleine Veränderungen im Arbeitsalltag, Konfliktlösungsstrategien, bewusste Pausengestaltung oder Kommunikationstipps – viele Ansätze erscheinen machbar und direkt umsetzbar.
• Leave it: Wenn alle Veränderungsversuche scheitern, bleibt oft nur ein Ausstieg. Lahmann geht sehr sensibel mit dieser schwierigen Entscheidung um. Er liefert Hilfen zur Einschätzung, wann ein Jobwechsel sinnvoll ist, wie man mit Unsicherheiten umgeht und einen Neuanfang vorbereitet.
Stärken des Buches
Besonders positiv fällt der lebensnahe Stil auf. Lahmann bleibt nie abstrakt – Fallbeispiele aus seiner klinischen Arbeit machen die Themen greifbar, authentisch und oft auch emotional berührend. Wer selbst schon einmal am Rand eines Burnouts stand oder eine toxische Arbeitsplatzkultur erlebt hat, wird sich wiederfinden. Charts, Übersichten und Zusammenfassungen strukturieren den Text sinnvoll und erhöhen die Lesbarkeit.
Auch die Einordnung von Burnout ist bemerkenswert differenziert: Lahmann macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine Modeerscheinung oder bloße Erschöpfung handelt, sondern um ein ernstzunehmendes psychosomatisches Syndrom. Dabei bleibt er verständlich und einfühlsam.
Ein Buch für viele Lebenslagen
Wie Arbeit glücklich macht ist mehr als ein Ratgeber für berufliche Krisen. Es ist ein Begleiter in Zeiten des Wandels, ein Mutmacher bei Überforderung und eine Einladung zur Selbstreflexion. Lahmann vermittelt nicht die Illusion, dass jeder Job zur Berufung werden kann – aber er zeigt realistische Wege auf, wie man dem eigenen beruflichen Glück näherkommt.
Fazit
Prof. Dr. Claas Lahmann liefert mit Wie Arbeit glücklich macht einen gut strukturierten, fundierten und gleichzeitig sehr zugänglichen Ratgeber für alle, die sich mit ihrer beruflichen Situation auseinandersetzen wollen oder müssen. Das Buch hilft, Perspektiven zu entwickeln, Handlungsspielräume zu erkennen und sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren – egal ob man sich entscheidet, den Job zu lieben, zu verändern oder zu verlassen.
Mich persönlich hat das Buch nicht nur zum Nachdenken gebracht, sondern zum Handeln. Ich werde meinen Job wechseln – und freue mich unglaublich auf diesen Neuanfang! Lahmann hat mir geholfen, meine Situation klarer zu sehen und mutige Schritte zu planen. 

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Hilft beim Umgang mit dem Thema Gaming!

Zocken, aber gesund!
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In Zocken, aber gesund! liefert Dr. Alok Kanojia – besser bekannt als „Dr. K“ – einen praxisnahen Leitfaden für Eltern, die sich mit dem Thema Gaming bei ihren Kindern auseinandersetzen. Als Psychiater ...

In Zocken, aber gesund! liefert Dr. Alok Kanojia – besser bekannt als „Dr. K“ – einen praxisnahen Leitfaden für Eltern, die sich mit dem Thema Gaming bei ihren Kindern auseinandersetzen. Als Psychiater und ehemaliger Videospielsüchtiger bringt er eine einzigartige Perspektive mit, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch persönlich nachvollziehbar ist.
Das Buch beleuchtet, warum Computerspiele für Kinder und Jugendliche so faszinierend sind, und bietet gleichzeitig Strategien, um gesunde Spielgewohnheiten zu fördern. Dr. K geht dabei auf häufige Fragen ein, wie:
• Wie lange sollten Kinder spielen dürfen?
• Wie kann man sie für andere Aktivitäten begeistern?
• Wie erkennt man problematisches Spielverhalten?
Ein besonderer Mehrwert für Eltern liegt in den konkreten Ratschlägen und dem klaren Fahrplan, den Dr. K anbietet. Er ermutigt zu offenen Gesprächen, Verständnis und dem Aufbau einer starken Eltern-Kind-Beziehung, ohne dabei in Alarmismus zu verfallen.
Zocken, aber gesund! ist ein wertvolles Werkzeug für alle, die einen ausgewogenen Umgang mit digitalen Spielen in der Familie suchen. Es bietet nicht nur Einblicke in die Welt der Gamer, sondern auch praktische Lösungen für den Alltag.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Zwischen Ebbe und Flut: Kristine Bilkaus „Halbinsel“ ist ein leiser Triumph der Literatur

Halbinsel
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Kristine Bilkau ist eine Meisterin des Unaufgeregten. Mit Halbinsel hat sie einen Roman geschrieben, der nicht laut sein muss, um lange nachzuhallen. Er erzählt von einer Mutter und ihrer erwachsenen Tochter, ...

Kristine Bilkau ist eine Meisterin des Unaufgeregten. Mit Halbinsel hat sie einen Roman geschrieben, der nicht laut sein muss, um lange nachzuhallen. Er erzählt von einer Mutter und ihrer erwachsenen Tochter, von Nähe, Entfremdung, von Lebensbrüchen, Hoffnungen und dem Versuch, in einer brüchigen Welt nicht den Mut zu verlieren. Und all das verwebt sie mit solcher Feinheit und sprachlichen Eleganz, dass einem beim Lesen manchmal der Atem stockt.
Wir sind an der Nordsee, irgendwo zwischen Husum und dem Horizont, wo das Wattenmeer bei Ebbe mehr vom Leben preisgibt, als einem manchmal lieb ist. Dort lebt Annett, Bibliothekarin, Anfang fünfzig, allein, verwitwet, geerdet. Die Tochter Linn, Mitte zwanzig, war immer ihr Leuchten: klug, engagiert, voller Weltveränderungshunger. Doch jetzt ist Linn zurück – erschöpft, leergebrannt, ausgelaugt vom Daueranspruch, die Zukunft retten zu müssen. Was als Erholungswoche beginnt, dehnt sich aus zu einem Sommer der Schonungslosigkeit – und des Verstehens.
Bilkau gelingt das Kunststück, große Themen – Klimakrise, Leistungsdruck, Mutterrolle, Selbstverwirklichung, Systemkritik – ganz klein zu erzählen. Nichts ist platt oder symbolisch aufgeladen, alles durchdrungen von Alltag, Zweifel, leiser Ironie. Ihre Sprache ist präzise, manchmal fast scheu, dann wieder überraschend scharf: „Als stünde ich an einer Bahnschranke und ein Zug rast vorbei“ – solche Bilder hallen wie ein Glockenton nach. Sie trifft genau den Ton, in dem sich das Innerste einer Figur äußert, ohne Pathos, aber voller Tiefe.
Was Halbinsel so außergewöhnlich macht, ist seine erzählerische Luftigkeit. Es ist ein Roman der Lücken, des Unausgesprochenen, der zarten Andeutung. Die Figuren sind keine Heldinnen, sondern Menschen. Zwischen Annett und Linn öffnet sich eine Kluft, aber keine unüberwindbare. Es gibt Streit, Schweigen, Verletzungen – aber auch ein tastendes Zugehen, ein zögerliches Wiederfinden. Die innere Bewegung, die beide durchmachen, ist berührender als jeder dramatische Plot es je sein könnte.
Die Halbinsel, auf der alles spielt, ist mehr als Kulisse – sie ist Resonanzraum. Ihre flache Weite, die ständige Nähe von Wasser und Horizont, das Kommen und Gehen der Gezeiten spiegeln die Gefühlslage der Figuren. Wer einmal dort war, spürt sofort: Dieser Roman riecht nach Salzwasser und stillstehenden Tagen, nach Sand in den Schuhen und alten Sommern, die nie ganz vergangen sind.
Bilkau schreibt gegen das Vergessen und gegen das Vereinfachen. Ihr Blick auf die Welt ist zugleich zärtlich und klar. Sie urteilt nicht, sie zeigt. Zeigt, wie Menschen sich verlieren – und wie sie vielleicht wieder zueinanderfinden können, wenn sie bereit sind, sich selbst zu hinterfragen. Dass dabei auch noch ein feiner Humor aufblitzt, leise und entwaffnend, macht die Lektüre umso beglückender.
Halbinsel ist ein Roman, der ruhig daherkommt und doch alles trifft. Ein literarisches Kleinod, das mit minimalen Mitteln maximal bewegt. Wer Kristine Bilkau liest, liest nicht nur eine Geschichte – er erlebt ein Lebensgefühl. Und das ist selten genug.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Gabriel Ward, der neue Sherlock Holmes, gelungen.

Der Tote in der Crown Row
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Mit Der Tote in der Crown Row entführt uns Sally Smith ins London des Jahres 1901, genauer gesagt in den traditionsreichen Temple-Bezirk, der als Zentrum der englischen Rechtswelt ein Ort der Gesetze, ...

Mit Der Tote in der Crown Row entführt uns Sally Smith ins London des Jahres 1901, genauer gesagt in den traditionsreichen Temple-Bezirk, der als Zentrum der englischen Rechtswelt ein Ort der Gesetze, aber nicht des Verbrechens sein sollte – bis ein Mord die Grundfesten erschüttert.
Wer klassische Detektivgeschichten liebt, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Der Mord an Lordoberrichter Dunning sorgt für Aufruhr, und weil die Polizei im Temple-Bezirk keine Befugnisse hat, fällt die Aufklärung des Falls dem Anwalt Gabriel Ward zu. Als akribischer, analytischer Denker mit einer Prise Eigenbrötlertum erinnert Ward in seiner Herangehensweise an Sherlock Holmes – auch wenn er auf die legendäre Exzentrik verzichtet. Unterstützt wird er von einem Polizisten, mit dem er nicht immer einer Meinung ist, was für unterhaltsame Dynamik sorgt. Herrlich gut!
Die Ermittlungen sind klassisches Whodunit: Verdächtige gibt es reichlich, dunkle Geheimnisse schlummern hinter den ehrwürdigen Mauern, und die Leser;innen können wunderbar miträtseln. Sally Smith schafft es, Spannung aufzubauen, indem sie nach und nach Hinweise streut und dabei geschickt mit falschen Fährten arbeitet.
Ein Highlight ist das Setting. Smith gelingt es meisterhaft, das Flair des Temple-Bezirks einzufangen: altehrwürdige Bauten, verschlungene Gassen, eine von Regeln und Traditionen geprägte Gesellschaft. Ihre detailreiche Recherche zeigt sich nicht nur in der präzisen Beschreibung der Örtlichkeiten, sondern auch in der Darstellung der damaligen Zeit – von den sozialen Strukturen bis hin zu den Ermittlungspraktiken der Epoche, die noch weit entfernt von moderner Forensik sind.
Fazit: Der Tote in der Crown Row ist ein guter historischer Krimi mit klassischer Whodunit-Struktur, einem charismatischen Ermittler und einem wunderbar atmosphärischen Setting. Wer das Flair von Sherlock Holmes und das Miträtseln in einem gut konstruierten Fall liebt, wird hier bestens unterhalten. Hoffentlich bleibt es nicht der letzte Fall für Gabriel Ward!

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Eine Hommage an Magdeburg und wie es hätte kommen können

Schwebende Lasten
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Annett Gröschners Schwebende Lasten ist ein Roman, der auf weniger als 300 Seiten eine enorme Tiefe entfaltet. Im Mittelpunkt steht Hanna Krause, eine Frau, die das 20. Jahrhundert in all seinen Umwälzungen ...

Annett Gröschners Schwebende Lasten ist ein Roman, der auf weniger als 300 Seiten eine enorme Tiefe entfaltet. Im Mittelpunkt steht Hanna Krause, eine Frau, die das 20. Jahrhundert in all seinen Umwälzungen erlebt hat. Von der Floristin zur Kranführerin, vom Kaiserreich bis zur Nachwendezeit — Hannas Lebensweg ist geprägt von Brüchen, Verlusten und dem ständigen Versuch, in einer Welt voller Extreme anständig zu bleiben.
Gröschner gelingt es, historische Ereignisse und persönliche Schicksale auf eine Art zu verweben, die weder belehrend noch sentimental wirkt. Ihre Sprache ist klar und präzise, ohne dabei die Emotionalität der Figuren aus den Augen zu verlieren. Besonders beeindruckt hat mich, wie Gröschner die Perspektive einer ostdeutschen Arbeiterin authentisch einfängt und dadurch eine Geschichte erzählt, die oft im Schatten der großen Narrative bleibt.
Hannas Blick vom Kran auf die Fabrikhalle wird zu einem Sinnbild: eine Frau, die gezwungen ist, von oben auf die Welt zu schauen, distanziert und doch zutiefst verwoben mit den Schicksalen unter ihr. Diese Metapher verdeutlicht Hannas Lebenshaltung — pragmatisch, zäh, beobachtend, und dennoch voller Mitgefühl.
Die Stärke des Romans liegt für mich besonders in der stillen, unaufdringlichen Art, mit der Gröschner ihre Hauptfigur zeichnet. Hanna ist keine Heldin im klassischen Sinne, aber genau das macht sie so stark. Ihr Credo, "anständig bleiben", ist keine naive Floskel, sondern eine Haltung, die sie durch Diktaturen, Kriege und Enttäuschungen trägt.
Schwebende Lasten ist ein Buch für alle, die sich für die oft übersehenen Geschichten des 20. Jahrhunderts interessieren — für diejenigen, die mehr über das Leben derjenigen erfahren möchten, deren Stimmen im historischen Diskurs oft zu leise sind. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, lange nach der letzten Seite nachhallt und zeigt, dass auch das vermeintlich Unspektakuläre voller Kraft sein kann.

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