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Owlmuffin

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2021

Berührend & echt.

Das Haus in der Claremont Street
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„Das Haus in der Claremont Street“ von Wiebke von Carolsfeld

ist die berührende Geschichte eines kleinen Jungen, der das unvorstellbarste Drama mitansehen musste, dass sich ein Mensch vorstellen kann ...


„Das Haus in der Claremont Street“ von Wiebke von Carolsfeld

ist die berührende Geschichte eines kleinen Jungen, der das unvorstellbarste Drama mitansehen musste, dass sich ein Mensch vorstellen kann und so plötzlich Waise wurde, dass er keine Worte mehr fand.

Nach der Tragödie, die das Leben von Tom nachhaltig verändert, wird er von den Geschwistern seiner Mom aufgenommen. Doch recht schnell ist klar, dass auch diese nicht an in herankommen. Aber wie könnten sie auch? Haben die Tanten Sonya und Rose sowie Onkel Will doch ganz eigene Probleme …

„Das Haus in der Claremont Street“ wird aus wechselnder Perspektive erzählt, sodass es dem Leser möglich wurde jeden der Charaktere genauer kennenzulernen, seine Trauer zu fühlen und Reaktionen nachzuvollziehen. Auch die Gedanken von Tom, seine Gefühle waren intensiv und einnehmend, regelrecht herzzerreißend. Das er nach dem Verlust seiner Eltern mit dem Sprechen aufhört und zum Bettnässer wird bleiben nicht die einzigen Auswirkungen auf die junge Psyche. Denn der Schmerz kehrt sich sichtbar nach außen … hier sollte evtl. ein möglicher SVV-Trigger erwähnt werden.

Die Verwandten, die sich Tom annehmen, sind grundverschieden: während Sonya nach Perfektion strebt und Struktur anbetet, sind Rose & Will Chaos pur. Letztere lockern die düstere Grundstimmung regelmäßig auf und sorgen mit ihrem unkonventionellen, lebensfrohen Verhalten für den nötigen Humor, die diese bedrückende Geschichte braucht, um nicht in Toms unvorstellbaren Schmerz vollkommen unterzugehen.

Doch die drei scheitern – und erst als Tom diesem bunten Trupp entrissen wird, merkt er, dass diese Menschen seine Familie sind, mit all ihren Macken.

Anhand dieser charakterlichen Vielfalt stellte die Autorin gekonnt den individuellen Umgang mit Trauer und Verlust dar. Wie in einem Film sah man die Geschichte in Gedanken ablaufen, konnte mitfühlen und verstehen.

Obgleich ich diesen aufwühlenden Roman wirklich empfehlen möchte, fand ich es schade, dass weitere Problematiken versuchten, den Fokus auf sich zu lenken: unter anderem ein unerfüllter Kinderwunsch, innere Unruhe oder die Spielsucht. Selbst wenn diese Themen den dramatischen Erlebnissen von Tom nicht den Rang stehlen konnten, empfand ich es als „zu viel“.

„Das Haus in der Claremont Street“ ist ein Buch voller Schrecken, Trauer und Schmerz. Zugleich zeigt Wiebke von Carolsfeld wie wichtig Familie und Zusammenhalt sind, schenkt Hoffnung und neuen Mut.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2021

Eine Fortsetzung, die sich gewaschen hat.

Askeria: Hüter des Seelenfeuers
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„Askeria: Hüter des Seelenfeuers“ von Juliet May

… für Fortsetzungen, die aufeinander aufbauen, eine spoilerfreie Rezension zu verfassen ist nicht unbedingt leicht. Aber soviel kann ich euch verraten: ...

„Askeria: Hüter des Seelenfeuers“ von Juliet May

… für Fortsetzungen, die aufeinander aufbauen, eine spoilerfreie Rezension zu verfassen ist nicht unbedingt leicht. Aber soviel kann ich euch verraten: Es geht ebenso spannend und interessant weiter!

Juliet May verliert weder ihre bildliche Schreibweise noch lüftet sie die geheimnisvolle Atmosphäre, dennoch gibt es Antworten auf Fragen die im Auftakt ihrer High Fantasy Reihe ungeklärt blieben, knüpft an Erlebnisse und Charaktere an und gibt weitere Einblicke in die Vergangenheit. Durch diese Art entsteht ein nachvollziehbares Gesamtes, dass dennoch nie konstant bleibt. Denn zusätzliche, neue Informationen verleiten dazu, den persönlichen Eindruck mehrfach zu revidieren und zu hinterfragen. Lücken, die man gar nicht wahrgenommen hat, füllen sich und es macht – plump gesagt – wahnsinnig viel Spaß.

In „Hüter des Seelenfeuers“ kommt wieder sehr deutlich zur Geltung, dass diese Welt einem komplett neu erdachtem System zugrunde liegt, dass mich auch im zweiten Teil wieder fasziniert und staunend durch die Seiten streifen ließ. Die Handlung wird auch in der Fortsetzung aus mehreren Perspektiven erzählt, neue Sichtweisen kommen hinzu und überraschen. Wirklich interessant und aufschlussreich empfand ich auch hier die Rückblenden, die zum Großteil Ineas Kindheit beleuchten und zu einem verstehen beitragen. Denn der „älteste“ der drei Geschwister kam im Auftakt nur bedingt zur Geltung und rückt nun in ein gänzlich neues Licht.

Obwohl sich Piara schon im ersten Band sichtlich entwickelte, wird dies auf den 588 Seiten nochmal deutlicher. Wir erfahren zudem etwas mehr über die Ceri, allen voran über Lia, der ich begeistert folgte. Die malerische und detaillierte Schreibweise von Juliet lässt all die Wunder vor den Augen auftauchen, doch ebenso die Schrecken.

Im zweiten Teil gab es viele, viele emotionale und berührende Schilderungen und Erkenntnisse, die mich Schlucken ließen. Aber auch wunderbare Neuigkeiten und alles verändernde Entdeckungen warten hier, die zeigen, dass es selbst in der dunkelsten Stunde Wunder – und Platz dafür – gibt.

Die Atmosphäre war der jeweiligen Situation angepasst, die Stimmungswechsel mitreißend und die Handlung lebendig, "Askeria“ steht nicht still, springt von einem Erlebnis zum nächsten ohne überladen zu wirken. Auf jeder Seite gibt es etwas zu entdecken und Juliet schöpft das Gefühlsspektrum genauso aus, wie die Möglichkeit einen wendungsreichen Verlauf zu kreieren.

In meinen Augen ist die Komplexität, der Welten -sowie Handlungsaufbau und das Facettenreichtum nicht zu übertreffen und steht Verlagsveröffentlichungen, großen Autoren oder vergleichbaren bekannten Geschichten in nichts nach. Im Gegenteil: die junge Autorin setzt mit ihrer durchdachten und vielschichtigen High Fantasy Reihe die Messlatte um ein ganzes Stück nach oben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2021

Ein wichtiges Thema!

DIE EIGENE SEELE BEFREIT
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„Manchmal fühlte ich mich allein. Da war irgendetwas was nicht so war, wie es sein sollte. Irgendetwas, das noch fehlte in meinem Leben. Irgendetwas an oder in mir, das anders sein sollte, als es war.“

„Die ...

„Manchmal fühlte ich mich allein. Da war irgendetwas was nicht so war, wie es sein sollte. Irgendetwas, das noch fehlte in meinem Leben. Irgendetwas an oder in mir, das anders sein sollte, als es war.“

„Die eigene Seele befreit“ ist die Geschichte von Jochen der zu Gabrielle wird, oder vielmehr schon immer war.

Gabrielle Bellerose möchte mit ihrem autobiografischen Roman unter anderem das, leider auch heute noch oft vermiedene, Thema der Transsexualität in den Fokus rücken und das Leid, die innere Zerrissenheit der Betroffenen widerspiegeln.

Beeindruckend fand ich Jochens Suche nach den Antworten, auf seine stumme Frage, und das Finden der Erkenntnis. Transgender, das Wissen, im falschen Körper geboren worden zu sein, sind Themen, die in die Kategorie Tabu gehören und weder im Familien- noch Freundes- oder Bekanntenkreis diskutiert werden, umso mutiger ist es, sich selbst, sein Inneres zu hinterfragen und nach Antworten zu suchen. Dass der Weg dorthin schwer und steinig war, ist durch die chronologische, wenn auch manchmal plötzliche, Abfolge der Geschehnisse ersichtlich. Jochens/ Gabrielles Gefühlswelt waren greifbar, die Einblicke, die Bellerose in diese zerflickte Seele gibt, sehr bewegend.

Den Schreibstil fand ich grammatikalisch und durch Fehler leider stellenweise schwierig und oft nur oberflächlich. Wenn der Leser auch gute Einblicke in die Protagonistin bekommt, so bleibt das Äußere leider nur eine Ahnung, gerade im Vergleich zu vorher-nachher wäre das sicher erwähnenswert gewesen. Auch die Fragen, wie es der Autorin heute geht, wie sie sich im Denken und Fühlen, im Umgang mit sich selbst verändert hat, wie ihre Mitmenschen heute reagieren bleiben leider unbeantwortet.

Trotz der Kritik steckt hinter diesem wichtigen Roman eine mutige, starke Persönlichkeit, die vollsten Respekt verdient hat, mit ihrem Weg, ihren Qualen an die Öffentlichkeit zu treten, und den Menschen, eine Stimme zu verleihen, die aus Scham, Angst und Verzweiflung schweigen!

Aufschlussreich, informativ und dazu gemacht, diese Geschichte samt der Gesellschaft, in der wir leben, zu hinterfragen, beschreibt „Die eigene Seele befreit“ wohl am besten. Ein Buch, das zeigt, wie niedrig Toleranz fernab der Norm auch heute noch ist und dazu aufruft, zu sich selbst zu stehen – scheiß auf den Standard!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.01.2021

**Für welches Team spielt Dein Herz?*

Throw in your Heart. Zwei Herzen, ein Team
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⚾️THROW IN YOUR HEART⚾️ aus dem Impress Verlag.

Von Anfang an konnte mich Sophie Fawn - Autorin gefangen nehmen und als ich nach vier Stunden das Buch beendete, war ich wirklich traurig - denn die Geschichte ...

⚾️THROW IN YOUR HEART⚾️ aus dem Impress Verlag.

Von Anfang an konnte mich Sophie Fawn - Autorin gefangen nehmen und als ich nach vier Stunden das Buch beendete, war ich wirklich traurig - denn die Geschichte von Leonie und Yannik ist wundervoll. Gerechnet hatte ich mit Teenie Zickereien, einem machohaften Player und einer grauen Bücherratte. Ja, ich vermutete Klischee Protagonisten. Doch weit gefehlt.
Ich bin froh, dass ich die Vorurteile genauso ausblenden konnte, wie die beiden auch, und mich in meine erste Sport-Romance vertiefte.

Leonie und ich sind eins, ihre Liebe für Bücher, für die Ruhe und das Einfache konnte ich absolut teilen. Alles an ihr war stimmig und authentisch, trotz ihrer eher stillen, kreativeren Hobbys zeigte das Mädchen Humor und Biss. Yannik war nicht der typische Team-Chef, der mit Siegen und Frauen prahlt, auch wenn er seine Leidenschaft voller Inbrunst vertreten hat. Man merkte der Sportskanone den Spaß an, nichts wirkte aufgesetzt oder erzwungen.

Das beide Katz-und-Maus waren, die Situation mehrfach zwischen Distanz und Annäherung wechselte, war interessant zu verfolgen, manche Missverständnisse einfach zum Schmunzeln.
Sophie bringt in ihrem Young Adult Roman atmosphärisch Abneigung und Anziehung unter, lässt die angespannten, verhaltenen Situationen genau so wie die einfachen und entspannten spürbar aufflackern, sodass ich manchmal regelrecht vorsichtig umblätterte, um die grade entstandene Leichtigkeit zwischen Leonie und Yannik nicht zu zerstören. Dass „THROW IN YOUR HEART“ aus beider Sicht erzählt wird, ermöglicht ein intensives Mitgehen und Eintauchen.

Sichtlich recherchierte Sophie für dieses Buch, um die Handball Szenen anschaulich, verständlich und realistisch beschreiben zu können - und auch ich, ebenso ein Sportmuffel wie die talentierte Bloggerin, kam nicht umhin interessiert diesen Details zu folgen. Ja, man könnte meinen, dass Yanniks Begeisterung für diesen Mannschaftssport nicht nur auf Leonie überging.
Auch die sorgsame Blog-Arbeit und das Zeichnen samt einhergehender (Selbst)Zweifel waren greif - und nachvollziehbar geschildert.
Auf den 300 Seiten gab es keine Ausschweifungen oder Längen, selbst während der Perspektivwechsel verzichtet die Autorin darauf, Geschehnisse zu wiederholen, sodass die Handlung immer fortläuft und nicht langweilig wurde - dafür aber öfter überraschend, gefühlvoll und witzig. Einige Reaktionen, Offenbarungen und Ereignisse trafen mich plötzlich, verliehen der Geschichte Wendungen und Tiefe, brachten mich zum Seufzen. Sehr cool war es, dass Sophie Fawn sogar Buchtitel und Autoren einbrachte, die nun meine Wunschliste füllen (ich interpretiere das als unterschwellige Empfehlungen).

Neben dem Sport - und dem Bücherfreak gab es noch einige andere wunderbare Charaktere, die sich stimmig in das Geschehen einbrachten, Auslöser für Gekreische, blutige Wunden oder einfach nur Hilfe waren. Ich konnte mir den gesamten Roman lebhaft vorstellen, fühlte mit, verstand und schmunzelte.

THROW IN YOUR HEART ist locker-leicht, voller Charme, wünschenswerter Freundschaften und tollen Charakteren. Ein Roman mit Tiefe und Gefühl, der mich vollkommen überzeugen konnte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.01.2021

Heiß, leidenschaftlich, ungeschönt.

Underground Princess
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Ich habe den ersten Teil der verruchten Dark-Romance Dilogie in wenigen Stunden gelesen, denn wie von Emily Key gewohnt gleicht auch „Underground Princess“ einem Sog.

Schnörkellos beginnt die sehr erotische ...

Ich habe den ersten Teil der verruchten Dark-Romance Dilogie in wenigen Stunden gelesen, denn wie von Emily Key gewohnt gleicht auch „Underground Princess“ einem Sog.

Schnörkellos beginnt die sehr erotische Geschichte von der erfolgreichen, kühlen Anwältin Scarlett Preston und dem charismatischen Cal Denton, den...ja, den was? Selbst in den Abschnitten, die aus seiner Sicht erzählt werden, umgibt den heißen Milliardär im gesamten Roman ein geheimnisvoller Schleier, der sich zwar im Verlauf stückchenweise lichtet und das eine oder andere Detail preisgibt, jedoch nicht so viel, dass ein vollständiges und schlüssiges Bild entsteht. Sicher ist jedoch, dass er in Vegas eine große Nummer ist, Frauen liebt und Gefahr bedeutet. Aber auch Scarlett ist durch ihren Facettenreichtum kein offenes Buch, sondern überrascht trotz einer professionellen, stolzen und unnahbaren Grundeinstellung mit emotionsgesteuerten Reaktionen, die nicht zu dem erwarteten Bild einer karriereorientierten und kontrollierten starken Frau passen. Ebenso wie die untypischen und ungeplanten gefühlvollen Gedankengänge von Cal lassen diese spontanen Regungen beide authentisch erscheinen. Aber auch durch die flüssige und echte Schreibweise von Emily Key wirkt das spannende Geschehen nicht überzogen und aufgesetzt.

Dass es gleich zu Beginn offen und heiß hergeht verspricht eine leidenschaftliche und intensive Handlung – und dieses Versprechen wird auf den 230 Seiten erfüllt. Wer schnell zur Schamröte neigt, Blümchensex bevorzugt oder vor expliziten Ausführungen scheut sollte die Finger von „Underground Princess“ lassen, denn die Autorin schreckt nicht vor direkten Schilderungen, saloppen Äußerungen und offensiven Details zurück. Während mir die Autorin ihre ausdrucksstarken Charaktere und malerischen Orte, sei es das New-Yorker Feeling, das traumhafte Hotel oder Vegas, vor Augen führte, konnte ich mich auch bildlich in die verschiedenen Situationen und die jeweilige Stimmung hineinversetzen.

Die gegenseitige Anziehung, das sprichwörtliche Funken sprühen und dieses unglaubliche Verlangen zwischen Scarlett und Cal ist allgegenwärtig. Die beiden verbindet mehr als nur Leidenschaft, Trieb und Sex, was Emily in Gedankengängen, Gesprächen und Gefühlsregungen sanft, und somit im starken Kontrast zu den lustvollen Szenen, mitschwingen lässt.
Während über der gesamten packenden Dark-Romance Story eine unbestimmte Gefahr schwebt, die taffe Anwältin eine dunkle Seite in sich trägt und alles um den dominanten Denson nach Bedrohung schreit, bekommt der Leser am Ende zumindest eine Ahnung darüber, was für ein Geheimnis sich hinter dem ersten Zusammentreffen, dass definitiv kein Zufall war, verbergen könnte – ob diese stimmt? Wer weiß.

Betörend, sinnlich und intensiv: „Underground Princess“ ist ein Strudel aus Gefühlen und Erotik mit interessanten Charakteren und einer spannungsgeladenen Story.

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  • Handlung
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