Geheimnisumwobener Auftakt voller Spaß, Spannung und Magie
Born of Salt and Storm„Born of Salt and Storm“ ist der Auftakt der Seakissed-Trilogie, die uns in eine Welt der Sagen und Legenden entführt, in eine Geschichte, in der Vorurteile und Hass überwunden werden müssen, um Gefahren ...
„Born of Salt and Storm“ ist der Auftakt der Seakissed-Trilogie, die uns in eine Welt der Sagen und Legenden entführt, in eine Geschichte, in der Vorurteile und Hass überwunden werden müssen, um Gefahren zu bannen …
Das Print ist wunderschön aufgemacht und enthält eine Karte, die der Orientierung dienlich ist. Sophia Reynard lässt sich Zeit, um den Lesenden ihre hier geschaffene Welt mit all den Missständen, Mythen und dem Magischen offenzulegen, was ein greifbares und detailreiches Eintauchen in die Gegebenheiten garantiert. Das Setting kam bildlich, gar faszinierend zur Geltung – maritime oder auch fantastische Geschichten, die sich um das Meer und deren Wesen drehen, sind meiner Ansicht nach viel zu selten. Dass die Autorin es geschafft hat, selbst dem unergründlichen Nass Lebendigkeit einzuhauchen, hat mich schnell an die Handlung, durch die wir mit Tavi gleiten, gefesselt.
Die junge Speerfischerin hat es in ihrer Heimat, der Hafenstadt Vindermer, nicht leicht, gilt sie doch als „Verrätertochter“. Als ihr ein Artefakt in die Hände fällt, gerät ihr einsames, oft unverstandenes Dasein vollkommen aus dem Lot. Denn nicht nur weckt das Seeglas unvorstellbare Kräfte in ihr, sondern zieht auch die Aufmerksamkeit von allerhand Feinden und Bedrohungen an. Und bürdet ihr eine tonnenschwere Aufgabe auf. Dass ihr gerade jemand wie Eero – für dessen Art ihr seit jeher Abneigung eingeimpft wurde – beisteht, wenn sie vor Meeresbestien flüchten und gegen Widrigkeiten kämpfen muss, ihr durch Stürme hilft, irritiert sie. Denn sind er und seinesgleichen nicht fürchterliche Bestien? Doch je mehr Schwierigkeiten Tavi und Eero zusammen überstehen, je mehr Rätsel sie lösen und sich Hintergründen uralter Legenden nähern, umso stärker wird das Band, das sie teilen. Umso größer werden ihre Gefühle, während die Mauern schwinden …
„Born of Salt and Storm“ hebt sich von den 0815-Romantasy-Storys, die den Markt überschwemmen und deren Ähnlichkeit unübersehbar ist, deutlich ab. Nicht nur stehen die „Mission“ und das Worldbuilding samt der verschiedenen Völker und deren Konflikte sowie die Erkundung der Charaktere und ihrer Veränderungen klar im Fokus, auch kreierte die Autorin eine einnehmende, dichte Atmosphäre und einen unterhaltsamen Plot.
Tavi ist nicht die Art Protagonistin, die binnen eines Kapitels von 0 auf 100 schwenkt, sondern eine, die Fehler macht, impulsiv handelt, sich durch Neugier in brenzlige Situationen manövriert und aus Misserfolgen und fatalen Entscheidungen, von denen einige warten, lernt. Lange bleiben ihr wahres Wesen und ihre wirklichen Empfindungen auch vor den LeserInnen verborgen, doch sobald die unnahbare Fassade fällt, zeigt sich ihre Verletzlichkeit. Eero sorgt hingegen für nie gänzlich abflachendes Misstrauen, sind die Motivationen des mythischen Wesens doch schwierig einzuordnen. Tatsache ist, dass beide Schatten mit – in – sich tragen. Wie ihre Beziehung entwickeln sich Tavi und Eero im Verlauf weiter, hinterfragen die ihnen eingeschärften Glaubenssätze und Vorurteile und offenbaren damit ungeahnte Vielschichtigkeit, während eine gewisse (An)Spannung bleibt. Mit den Nebenfiguren bereichert Reynard ihre Handlung zusätzlich. Diese sind keine blassen Schemen, sondern präsent integriert und wunderbar eigensinnig. Es war interessant, einzelne Wesen und Personen kennenzulernen und zu versuchen, sie zu durchschauen. Überrascht zu werden. Mehrfach wankt die Stimmung zwischen bedrohlich und euphorisch, zwischen gefährlich und spaßig, ernst und leicht – kurzum: Im Auftakt der Trilogie ist kein Platz für Monotonie oder Stillstand.
Ebenfalls gelungen war die Ausarbeitung der Sagenwelt, die mit Überlieferungen und Liedern Authentizität erhielt. Stilistisch bewegen wir uns einerseits in einem einfachen, klaren Terrain, andererseits sind es malerische Beschreibungen, nahegehende Emotionen, die der ereignisreichen Geschichte einen Feinschliff verleihen.
„Born of Salt and Storm“ endet mit einem Cliffhanger, der Band 2 auf jeden Fall auf der Must-Read-List platziert.