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Veröffentlicht am 23.01.2026

Nie wieder ist JETZT !

Der Fotograf von Auschwitz
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Die Menschen zu retten war für ihn unmöglich.
Zeugnis abzulegen unabdingtbar.

>>Mit meinem Beitrag möchte ich aufzeigen, was passiert ist, damit sich so etwas Schreckliches nicht noch einmal wiederholt.Nein, ...

Die Menschen zu retten war für ihn unmöglich.
Zeugnis abzulegen unabdingtbar.

>>Mit meinem Beitrag möchte ich aufzeigen, was passiert ist, damit sich so etwas Schreckliches nicht noch einmal wiederholt.<< Wilhelm Brasse

Warum?
Mit diesem Wort beginnen seit Wilhelm Brasses Ankunft in Auschwitz alle fragen. Warum dieses unfassbare Leid?
Warum greift niemand ein?
Als Häftling Nr. 3444 zum Erkennungsdienst abkommandiert, soll er die anderen KZ-Insassen fotografieren. Mit Mütze, ohne Mütze, im Profil.
Menschen, denen die Todesangst ins Gesicht geschrieben steht.
Menschen die kurze Zeit später in den Gaskammern verschwinden.
Als Brasse 1945 alle Fotos verbrennen soll, widersetzt er sich, um Zeugnis abzulegen von den unfassbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Reiner Engelmann hat Wilhelm Brasse noch kennengelernt und schreibt sein Leben auf. Ein erschütterndes Dokument - gegen das Vergessen.

Es ist nicht einfach, sich all die Verbrechen und das Leid der Nazidiktatur vor Augen zu führen, aber es ist wichtig, daß wir über diese Zeit aufklären. Denn so etwas darf einfach NIE WIEDER passieren.
Nie war dieses Thema aktueller wie gerade in den heutigen Zeiten, wo der Rechtsruck, Rechtspopulismus oder Autoritarsierung solch ein globales Phänomen ist und als "Konjunktur des Rechtspopulismus" bezeichnet wird. Man aus Frust und Protest, falsche Entscheidungen trifft und sich von falschen Parolen verführen lässt.
Wilhelm Brasses letzten Worte in diesem Buch sind folgende:
>>Nein, ich empfinde keinen Hass gegen die Deutschen, und ich hoffe, dass die Menschen von heute, nicht nur die Deutschen, sondern auch aus allen anderen Nationen, nicht noch einmal gedankenlos einem solchen Führer hinterherlaufen.
Wir müssen unsere Augen öffnen und das früh genug erkennen. In einem Gespräch, gerade mit jungen Menschen, möchte ich keinen Hass verbreiten, sondern aufzeigen, was passiert ist. Damit sich so etwas Schreckliches, wie wir es erleben mussten, nicht noch einmal wiederholt.<<


Damit ist alles gesagt.

Ich lese immer mal wieder Biographien aus der Kriegszeit, über die Nazidiktatur, den Holocaust, weil ich es einfach wichtig finde, davor nicht die Augen zu verschließen, sondern sich damit auseinander zu setzen, Toleranz zu Leben und Dinge zu hinterfragen.
Das Buch Beginnt mit einem Vorwort:
Es ist nicht einfach, über Auschwitz zu reden.
Auschwitz - dieser Ort sympolisiert und materialisiert all das, was an Verbechen gegen die menschlichkeit während der Zeit der nazidiktatur millionfach verübt wurde.
Auf den Holocaust folgte zunächst Schweigen. Die Überlebenden, die Zurückgekehrten, waren fassungslos.
Was hatten sie durchgemacht?
Was hatte man ihnen angetan?
Wer waren die Täter?
Waren es Menschen, waren es zivilisierte Menschen?
Hatten sie ein Gewissen?
Wer hat die Befehle erteilt?
Hätten sie sich den Befehlen widersetzen können?
Wo lebtebn die Täter danach, als es vorbei war?
Lebten sie mitten in der Gesellschaft? Mitten unter uns?
Würde man ihnen begegnen? Sie wiedersehen?
Oder standen sie alle nachweislich vor Gericht? Wurden sie verurteilt?
Welche Strafen hatte man ihnen zugedacht für das Unaussprechliche und doch Geschehene?
War es vorbei? War es wirklich vorbei?
Fragen die immer wieder neu gestellt werden müssen.
Nicht weil die Holocaust-Überlebenden nichts zu sagen gehabt hätten, sondern weil sie für das, was sie erlebt und vor allem überlebt hatten, keine Worte fanden. Welche Worte hätten sie finden müssen für die Demütigung, ihre Qualen, ihre Ängste und die ständige Konfrontation mit dem Tod?
Welche Worte für das Glück oder den Zufall, nicht selbst durch einen Spatenhieb bei der Zwangsarbeit, durch die willkürlich abgefeuerte Kugel eines SS-Mannes, bei "medizinischen Experimenten" oder in der Gaskammer umgebracht worden zu sein? Oder am Galgen, wie Freunde, denen man beim Sterben hatte zusehen müssen. Jegliche Grundwerte waren außer Kraft gesetzt und durch eine Perfektionierung industrieller Massenvernichtung ersetzt worden.
Zudem fand das Schicksal der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland wenig Beachtung. Wer hätte ihnen geglaubt in jenen ersten Jahren oder Jahrzehnten? Wie viel Kraft hätre es gekostet, über ihre menschenunwürdigen Erlebnisse vor einer Öffentlichkeit zu sprechen, die das entweder nicht ertragen oder das Unvorstellbare gar relativiert hätte.
Heute gibt es nicht mehr viele Menschen, die über diese Zeit reden können. Wilhelm Brasse war einer von ihnen, der bis wenige Monate vor seinem Tod am
23. Oktober 2012 besonders jungen Menschen als Zeitzeuge, als Gesprächspartner, als unermüdlicher Mahner zur Verfügung stand.

Umsowichtiger ist dieses Buch, das nicht nur an sein Leben erninnert, sondern auch an die Grauen und die Unmenschlichkeit der NS-Herrschaft.
Ich wünsche diesem Buch über das Leben von Wilhelm Brasse im Konzentrationslager Auschwitz sehr viele Leser, lange und ausführliche Diskussionen und das, was Brasse mit seinem Engagement hinterlassen hat:
Nie wieder Diktatur! Nie wieder Konzentrationslager!
Max Mannheimer Oktober 2014

🥺

Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Der Schreibstil dieser Biographie ist direkt und unverblümt. Am Ende findet man einige Kurzbiographien zu einzelnen Personen, für und mit denen Wilhelm arbeiten musste. Sowie einige Erklärungen zu speziellen Begriffen und Bezeichnungen aus dem KZ-Betrieb.
In dem Buch sind original Fotos von Wilhelm Brasse abgelichtet.
Als Wilhelm in Auschwitz ankommt, erkennt er ziemlich schnell, wie hart dort der tägliche Überlebenskampf ist. Als gelernter Fotograf wurde er dem Arbeitskommando Straßenbau zugewiesen. Doch Wilhelm war solche Arbeit nicht gewohnt und wusste, daß er das nicht lange überleben würde. Nach wenigen Wochen schlich er sich einfach in einem anderen Arbeitskommando ein. Das wiederholte Brasse einige Male und landete einige Monate später beim Erkennungsdienst um dort Porträtfotos von Häftlingen zu machen. Dadurch wurde er in einen besseren Block verlegt wo einiges "erträglicher" war. Irgendwann machte er nicht mehr nur Porträtfotos von Häftlingen, irgendwann kamen auch SS-Männer und wollten von Brasse fotografiert werden.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

"Als die Welt zerbrach" Teil II der Triologie

Ein Stück Erde
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Janina David, im März 1930 in Polen, als einizge Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Wuchs sie, wie sie in ihrem Buch "Ein Stück Himmel", Erinnerungen an eine Kindheit (9. bis 13. Lebensjahr) ...

Janina David, im März 1930 in Polen, als einizge Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Wuchs sie, wie sie in ihrem Buch "Ein Stück Himmel", Erinnerungen an eine Kindheit (9. bis 13. Lebensjahr) beschreibt, überbehütet auf.
Janina David schrieb ihre Geschichte in einer Triologie - Ein Stück Himmel - Erinnerungen an eine Kindheit, Ein Stück Erde - Das Ende einer Kindheit,
Ein Stück Fremde - Erinnungen an eine Jugend

Teil II der Triologie - Ein Stück Erde-Das Ende einer Kindheit
>>...die Geschichte eines verfolgten Menschen, die auch deshalb so erschütternd ist, weil es sich um das Leben eines unschuldigen Kindes handelt, um ein Schicksal, das über die Geschichte der Judenverfolgung hinaus eine Bedeuteung erhält. Janina Davids Autobiographie ist auch ein Hohes Lied des Lebenswillens.<<
(Peter With im Westdeutschen Rundfunk)

Janinas Familie möchte wegen der drohenden Gefahr, daß Janina das Warschauer Ghetto verlässt und bei einer befreundeten Familie unterschlüpft. Doch auch dort kommt es bald zu Schwierigkeiten. Da Lydia, eine alte Freundin von Janinas Vater, ihren Mann betrügt und sich mit Deutschen Soldaten einlässt. Irgendwann verlässt Lydia die Familie und bringt alle in Schwierigkeiten bzw, besorgt allen Problemen. Erich der Ehemann von Lydia kümmert sich in all der Zeit um Janina, wie um seine eigene Tochter. Als ihm die ganze Sache dann aber auch zu heikel wird, bringt er Janina in ein Kloster, wo sie unter falschen Namen und Identität lebt.
Auch im Kloster hat sie ein hartes und sehr hungriges Leben, doch immerhin hat sie eine Chance zu überleben und erträgt auch dort jegliche Form von Erniedrigung und Gefühls- und Lieblosigkeit. Lernt die katholischen Regularien und saugt weiterhin alles an Wissen auf, was ihr zur Verfügung steht.
Sie findet Halt bei einer Nonne/Schwester Zofia und auch wieder in Form einer "Theatergruppe", in ihren täglichen Aufgaben und den katholisch Klösterlichen Ritualen und Gegebenheiten.
Irgendwann muss Janina in einem anderen Kloster, in Warschau untergebracht werden. Diese Kloster liegt direkt neben dem ehemaligen Warschauer Ghetto. Sie hofft natürlich dort ihre Eltern und andere Familienangehörige zu finden. Zufällig begegnet sie irgendwann ihrem Omkel den sie alle schon für Gefallen hielten. Doch von ihren Eltern gibt es weiterhin keine Lebenszeichen.
Janina geht in ihre alte Heimat nach Polen zurück und hofft, das auch ihre Familie irgendwann wieder zurück nach Kalisz kommt.
Sie geht viel ins Kino und schaut sich verschiedenes an. einmal achtet sie nicht genau auf den Kinoaushang und plötzlich sieht sie einen Film über die Konzentrationslager Auschwitz oder Majdanek und die Grausamkeiten die dort stattfanden. >>Die Haufen von nackten Leichen, die überfüllten Bunker, die mit Asche bestreuten Felder, die Gaskammern, die Öfen. Die Berge von Haaren, Brillen, Zähnen und Spielzeug. Die Militärärzte, wie sie diese lebenden Skelette untersuchten, die mit wilden, eingesunkenen Augen in die Kamera schauten, verständnislos, fragend, eine Antwort verlangend...<<
Irgendwann trifft sie einen Mann der sie fragt wie sie heißt, sie antwortet: Janina David. Der Mann sagt: Sie kennen mich nicht, aber ich kenne sie. Ich war mit ihrem Vater in Majdanek, im Frühling 1944, wir wollten mit mehreren fliehen, ihr Vater war zu Krank, er war zu schwach, aber er sprach so viel über sie, mit uns allen. Wir kannten sie alle. Er war so stolz auf sie. Er hofft sie würden überleben. Bevor wir gingen, bat er jeden von uns, nach dem Krieg nach Kalisz zu gehen und zu sehen ob sie hier wären....und ihnen zu sagen wie sehr er sie liebte, und das er bis zum Ende an sie gedacht hat.

Auch wie Teil I, geht einem dieser Band sehr Nahe. Für mich ist es stellenweise kaum zu ertragen gewesen, welch ein Leid ein so junger Mensch ertagen kann/muss. In welchen einfachen Dingen man Freude und Trost findet. Wie sehr man sich nach Liebe sehnt und wege findet diese ein klein wenig zu "bekommen".
So traurig. So schrecklich. So grausam.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

"Als die Welt zerbrach" Teil III der Triologie

Ein Stück Fremde
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Janina David, im März 1930 in Polen, als einizge Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Wuchs sie, wie sie in ihrem Buch "Ein Stück Himmel", Erinnerungen an eine Kindheit (9. bis 13. Lebensjahr) ...

Janina David, im März 1930 in Polen, als einizge Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Wuchs sie, wie sie in ihrem Buch "Ein Stück Himmel", Erinnerungen an eine Kindheit (9. bis 13. Lebensjahr) beschreibt, überbehütet auf.
Janina David schrieb ihre Geschichte in einer Triologie - Ein Stück Himmel - Erinnerungen an eine Kindheit, Ein Stück Erde - Das Ende einer Kindheit,
Ein Stück Fremde - Erinnungen an eine Jugend

Teil III der Triologie - Ein Stück Fremde-Erinnerung an eine Jugend
>>Man muss Janina Davids Erinnerungen eines jüdischen Kindes neben den Tagebuchaufzeichnungen der Anne Frank lesen und nennen.<<
(Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)

Der Dritte und somit letzte Teil der Triologie erzählt und beschreibt, wie aus dem Kind Janina eine junge Frau wird. Über all ihre Selbstzweifel. Wie sie zu sich selber findet. Ihren eigenen Weg geht. Welchen Schaden ihr der Krieg und der Verlust von geliebten Menschen, angetan hat.
Sie lebt in Paris, fühlt sich dort aber überhaupt nicht wohl. Sie hasst Paris. Sie versteht und kann die Sprache nicht. Sie vermisst Polen, ihre Freunde, Rituale, bekanntes und vertrautes. Sie wird wieder in verschiedenen "Anstalten" (Einrichtungen) untergebracht, wo sie wirklich unter widrigen Umständen leben muss.
Sie fühlt sich von keinem geliebt und mehr als Belastung als ein Familienmitglied.
Ihr Onkel, der ihr finanziell hilft, ist aber sonst leider kein großer Unterstützer.
Keiner nimt sie und ihre Träume, die Schule, eine Uni zu besuchen und später Ärtzin zu werden ernst. Sie hört immer nur, daß sie Arbeiten muss und zu dumm, ungeschickt und viel zu "Alt" für die Schule ist.
Irgendwann setzt sie sich durch und entscheidet dem von ihr gehasstem Paris und allen Bevormundungen ihrer Familienmitglieder, den Rücken zu kehren und nach Australien auszuwandern. Sie besorgt sich Ein- und Ausreisepapiere und betritt irgendwann ein Schiff und macht sich auf den Weg nach Melbourne.
Auf dem Schiff lernt sie einen jungen Mann kennen, der ihr einen Heiratsantrag macht. Doch den kann Janina nicht annehmen. Sie hat Angst und kann schon die Vorstellung, wieder einen Verlust eines Menschen den sie mag und der ihr wichtig ist, kaum ertragen.
Kaum in Melbourne angekommen, gehen dort Bevormundungen und Lebensplanungen durch andere weiter. Plötzlich merkt sie wie sehr sie Paris vermisst, daß sie gerne nochmal in diese schöne Stadt zurück möchte und das Paris, sowas wie ihre Heimat war.
Irgendwann hat sie genug und sie sucht sich eine eigene Bleibe, zieht in ihr eigenes Zimmer und wird endlich auch von ihrem Onkel, was ihre Pläne, Träume und Wünsche betrifft, bestärkt daran festzuhalten. Er ermuntert sie, wenn sie bereit ist, alles zu geben, daß sie ihre Ziele erreichen kann.

Ich habe diese Triologie gerne gelesen und ich fand den Einblick in Janinas leben sehr bewegent. All diese Umstände, Widrigkeiten, Ängste, Leid,.... . Sich jeden Tag aufs neues diesen Herausforderungen zu stellen und das in ihrem Alter.
Oft hat es mich sehr traurig gemacht, wie wenig Verständnis, Liebe, Aufmerksamkeit, Unterstützung ihre nächsten Verwanden für sie hatten. Das man sie überhaupt nicht Altersgerecht behandelt hat und viel zu oft, einfach zu viel von ihr verlangt und erwartet hat. Was aber mit Sicherheit in der Zeit so war. Denn für "Gefühlsduselei" war einfach kein Platz, bzw alle hatten zu viel Schmerz und Leid ertragen müssen. Jeder Einzelne wollte nur Überleben und musste einen Weg für ein Weiterleben für sich finden.🥺

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Veröffentlicht am 20.01.2026

"Als die Welt zerbrach" Teil I der Triologie

Ein Stück Himmel
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Janina David, im März 1930 in Polen, als einizge Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Wuchs sie, wie sie in ihrem Buch "Ein Stück Himmel", Erinnerungen an eine Kindheit (9. bis 13. Lebensjahr) ...

Janina David, im März 1930 in Polen, als einizge Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Wuchs sie, wie sie in ihrem Buch "Ein Stück Himmel", Erinnerungen an eine Kindheit (9. bis 13. Lebensjahr) beschreibt, überbehütet auf.
Janina David schrieb ihre Geschichte in einer Triologie - Ein Stück Himmel - Erinnerungen an eine Kindheit, Ein Stück Erde - Das Ende einer Kindheit,
Ein Stück Fremde - Erinnungen an eine Jugend

Teil I der Triologie - Ein Stück Himmel - Erinnerungen an eine Kindheit
>>Kindertheater: sieben Zwerge umtanzen mit Hingabe ihr dunkelhaariges Schneewittchen und singen dazu.Ein fröhliches Bild. Ich fange an zu heulen.
Die Szene spielt im Warschauer Ghetto 1941. Wir Zuschauer, 1982, bei der Pressevorführung der achtteiligen Fernsehserie >Ein Stück Himmel< wissen Bescheid. Alle diese begeisterten Winzlinge in ihren zusammengebastelten Kostümen wurden später in den Todeslagern von Treblinka und Majdanek vergast. Nur das Schneewittchen überlebte.
Ich habe diese Jahre in Berlin als junge Journalistin im Feuilleton der >Deutschen Allgemeinen Zeitung< miterlebt. Ich wußte viel, wir hatten dort geheime Informationen. Von den Gaskammern, in denen Millionen Juden umkamen, wußten wir allerdings erst gegen Ende des Krieges Genaueres.
Wie das Leben eines Kindes, eben dieses Schneewittchen, im Warschauer Ghetto ablief, konnte unsere Phantasie sich nicht vorstellen. Jdetzt kann sie es, seit es die Biographie Janina Davids gibt.<< (Ursula von Kardorff)

Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 floh ihre Familie von Kalisz nach Warschau und geriet in das Warschauer Ghetto, dessen schrecklichen Alltag Janina David in ihren Erinnerungen schildert. Ihre Kindheit und auch wie sich durch den Krieg die Lebensumstände der Juden verändert haben, aber auch Freundschaften und schöne Erinnerungen, sind von Janina sehr berührent zu Papier gebracht. Ebenso aber auch wie schrecklich, unverständlich und schnell diese Veränderungen abliefen.
Ihr Vater Marek wurde als Polizist beim jüdischen Ordnungsdienst des Ghettos eingesetzt. Dadurch blieb die Familie zunächst von der Deportation in ein Vernichtungslager verschont. Am Ende des Buches gelang es den Eltern, ihre Tochter aus dem Ghetto herauszuschmuggeln. Sie wurde zunächst von der Familie von Lydia Grabowski, einer früheren Freundin ihres Vaters, versteckt.
Ein Stück Himmel erzählt von der Zeit 1939 bis 1943.

Ich finde sehr bewegend wie Janina ihre Kindheit schildert. Wie sie Familie und Beziehungen erlebt und versteht. Sie ist durch und durch ein Papa-Kind und liebt ihren Vater über alles, er ist ihr Held. Sehr traurig finde ich, daß sie erst sehr spät, eine engere Beziehung zu ihrer Mutter aufbauen kann und sonst deren Beziehung miteinander sehr kühl ist.
Mich hat sehr berührt, wie groß ihr Drang nach Wissen und Büchern war aber auch als sie in einer schweren Zeit das Theaterspiel für sich entdeckt hat und wie sie Freundschaften geschlossen hat. In der Hoffnung, ihre beste Freundin Jola, mit der sie auf sehr anschauliche Weise eine Blutsbrüderschaft eingeht, ein Leben lang verbunden sein wird. Jola wird eines Tages vor den Augen der gemeinsamen Freundin Tosia auf offener Strasse erschossen.

Für mich ist diese Zeit absolut schrecklich und unverständlich und war nie aktuelller wie gerade jetzt. Diese Intoleranz und Menschen an Hand ihrer Religion, Sexualität, Herkunft und sonstigen "auszugrenzen" macht mich einfach nur wütend und fassungslos.
Wir in Deutschland leben absolut priviligiert und haben kaum, bis gar keine Gründe uns über unser Leben zu beklagen. Doch leider nimmt dies gefühlt immer mehr zu. Umso bescheidener macht es mich, aus der Zeit 1.- 2..Weltkrieg Erfahrungsberichte zu lesen und mehr über die Lebensumstände, die für uns kaum vorstellbar sind, zu erfahren. Eine Vorstellung zu bekommen, wie all die alltäglichen Schwierigkeiten zu bewältigen waren.
Es fällt mir nie leicht, solche Berichte zu lesen, aber ich bin der Meinung das man viel zu wenig über den Holocaust spricht. Für mich gehört dieses Thema viel mehr in die Schulen und in unsere Alltagsmedien.

Aufmerksam auf diese Triologie wurde ich, weil mein Mann in seiner Jugend die Fernsehserie Ein Stück Himmel gesehen hat. Welche, wie er heute noch betont, ihn Damals und bis Heute sehr geprägt und angefasst hat. Also hab ich mich im Internet auf die Suche gemacht ob ich diese Biographie in Buchform bekomme, da ich gerne erst das Buch lese und mir dann evtl. den Film oder die Serie dazu anschaue. Die Serie kann man bei YouTube sehen.

Ich habe den ersten Teil dieser Triologie mit sehr viel Respekt gelesen und es hat mich mehr als angefasst. Es hat mich berührt und ging mir unter die Haut. Es ist auf keinen Fall eine Leichte Lektüre.
Die beiden anderen Bände liegen auf meinem SUB und werde auch sie auf jeden Fall lesen und dann entsprechend mein Fazit erweitern.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

"Wenn Gebete im Blut ertrinken"

Blutige Stille
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Linda Castillo ist vor allem bekannt für ihre Thriller- und Krimireihe der Polizeichefin Kate Burkholder, die in Ohio im Milliue der Amishen ermittelt.
Linda Castillo schrieb zahlreiche Romantik-Thriller ...

Linda Castillo ist vor allem bekannt für ihre Thriller- und Krimireihe der Polizeichefin Kate Burkholder, die in Ohio im Milliue der Amishen ermittelt.
Linda Castillo schrieb zahlreiche Romantik-Thriller und Liebesromane, doch den internationale Durchbruch, schaffte sie mir dem ersten Teil der Kate Burkholder Reihe – Die Zahlen der Toten.
Inzwischen gibt es 17 Bände zu dieser Reihe.

Zum Buch – Blutige Stille - Klappentext
Sie töteten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden. Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt. Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painters Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?
Spannungsgeladen und aufregend: Auch der zweite Thriller mit Polizeichefin Kate Burkholder ist Nervenkitzel pur. Ein Thriller, der Gänsehaut garantiert!


Painters Mills ist nicht nur Ort des geschehens, sondern auch Kates Heimatort, wo sie selber als Amishe aufwuchs. Es gibt die sogenannte „Rumspringa“, eine Zeit in der Amishe sich für oder gegen den Glauben und somit für ihre eigene Lebensweise entscheiden. Kate hat sich gegen den Glauben und die Amishe Lebensform entschieden und ist Polzistin geworden. Dadurch das sie aber die Amishe Sprache spricht und deren Regeln und Ansichten kennt und achtet, gelingt es ihr die Ermittlungen gut zu führen und so auch mit den Angehörigen und Zeugen in Kontakt treten zu können.

Wer hat die Familie Plank ermordert? Die Mädchen Gefoltert und Misshandelt?
Die Taten und brutal, bestialischen Misshandlungen, werden sehr detailiert beschrieben. Was nichts für schwache Nerven oder als Einschlaflektüre geeignet ist. Bei mir hat es Gänsehaut und auch ein mulmiges Gefühl ausgelöst.
Was ist der Grund für die Taten? Was hat die Familie getan, das man ihr so etwas antut?
Die Familie ist bekannt in der Amishen Gemeinde und lebt nach deren Regeln und Bescheidenheit auf ihrer Farm. Findet Kate Burkholder irgendwelche Hinweise im Tagebuch der ältesten Tochter?
Kate brennt die Zeit unter den Nägeln, sie will den Täter schnellstmöglich fassen und versucht ihm eine Falle zu stellen. Plötzlich taucht ein Augenzeuge auf. Kann Kate den Fall nun lösen?

Während all den Ermittlungen, muss Kate sich aber auch immer ihren privaten Herausforderungen mit ihrer eigenen Familie stellen. Denn die leben als Amishe und es stehen immer noch Dinge zwischen den Geschwistern die in der Vergangenheit liegen und nie ausgesprochen wurden.
Dann gibt es da auch noch den Kollegen Tomasetti, mit dem Kate sich sehr gut versteht. Da sie beide ein ähnliches Schicksal teilen. Ist das vielleicht mehr zwischen ihnen?

Linda Castillo versteht es total gut von Anfang an Spannung aufzubauen und diese auch durchweg zu halten. Sie schreibt so detailiert und bildhaft, daß man sich mittendrin und fast dabei fühlt. Man wird als Leser förmlich dazu eingeladen, sich an den Ermittlungen und Verknüpfungen gedanklich zu beteiligen.

Fazit: Etrem Spannend! Nervenkitzel pur! Aufwühlend! Klare Leseempfehlung ür jeden Thriller und Krimifan. Es ist nicht zwingend notwendig, die Bücherreihenfolge einzuhalten, oder alle Teile zu lesen. Da es immer abgeschlossene Fälle sind, kann man jederzeit Ein- oder Aussteigen.
Ich habe nun völlig Feuer gefangen und werde bei jeder Gelegenheit die sich mir bietet, weitere Linda Castillo – Kate Burkholder Fälle lesen und verschlingen.

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