Nie wieder ist JETZT !
Der Fotograf von AuschwitzDie Menschen zu retten war für ihn unmöglich.
Zeugnis abzulegen unabdingtbar.
>>Mit meinem Beitrag möchte ich aufzeigen, was passiert ist, damit sich so etwas Schreckliches nicht noch einmal wiederholt.Nein, ...
Die Menschen zu retten war für ihn unmöglich.
Zeugnis abzulegen unabdingtbar.
>>Mit meinem Beitrag möchte ich aufzeigen, was passiert ist, damit sich so etwas Schreckliches nicht noch einmal wiederholt.<< Wilhelm Brasse
Warum?
Mit diesem Wort beginnen seit Wilhelm Brasses Ankunft in Auschwitz alle fragen. Warum dieses unfassbare Leid?
Warum greift niemand ein?
Als Häftling Nr. 3444 zum Erkennungsdienst abkommandiert, soll er die anderen KZ-Insassen fotografieren. Mit Mütze, ohne Mütze, im Profil.
Menschen, denen die Todesangst ins Gesicht geschrieben steht.
Menschen die kurze Zeit später in den Gaskammern verschwinden.
Als Brasse 1945 alle Fotos verbrennen soll, widersetzt er sich, um Zeugnis abzulegen von den unfassbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Reiner Engelmann hat Wilhelm Brasse noch kennengelernt und schreibt sein Leben auf. Ein erschütterndes Dokument - gegen das Vergessen.
Es ist nicht einfach, sich all die Verbrechen und das Leid der Nazidiktatur vor Augen zu führen, aber es ist wichtig, daß wir über diese Zeit aufklären. Denn so etwas darf einfach NIE WIEDER passieren.
Nie war dieses Thema aktueller wie gerade in den heutigen Zeiten, wo der Rechtsruck, Rechtspopulismus oder Autoritarsierung solch ein globales Phänomen ist und als "Konjunktur des Rechtspopulismus" bezeichnet wird. Man aus Frust und Protest, falsche Entscheidungen trifft und sich von falschen Parolen verführen lässt.
Wilhelm Brasses letzten Worte in diesem Buch sind folgende:
>>Nein, ich empfinde keinen Hass gegen die Deutschen, und ich hoffe, dass die Menschen von heute, nicht nur die Deutschen, sondern auch aus allen anderen Nationen, nicht noch einmal gedankenlos einem solchen Führer hinterherlaufen.
Wir müssen unsere Augen öffnen und das früh genug erkennen. In einem Gespräch, gerade mit jungen Menschen, möchte ich keinen Hass verbreiten, sondern aufzeigen, was passiert ist. Damit sich so etwas Schreckliches, wie wir es erleben mussten, nicht noch einmal wiederholt.<<
Damit ist alles gesagt.
Ich lese immer mal wieder Biographien aus der Kriegszeit, über die Nazidiktatur, den Holocaust, weil ich es einfach wichtig finde, davor nicht die Augen zu verschließen, sondern sich damit auseinander zu setzen, Toleranz zu Leben und Dinge zu hinterfragen.
Das Buch Beginnt mit einem Vorwort:
Es ist nicht einfach, über Auschwitz zu reden.
Auschwitz - dieser Ort sympolisiert und materialisiert all das, was an Verbechen gegen die menschlichkeit während der Zeit der nazidiktatur millionfach verübt wurde.
Auf den Holocaust folgte zunächst Schweigen. Die Überlebenden, die Zurückgekehrten, waren fassungslos.
Was hatten sie durchgemacht?
Was hatte man ihnen angetan?
Wer waren die Täter?
Waren es Menschen, waren es zivilisierte Menschen?
Hatten sie ein Gewissen?
Wer hat die Befehle erteilt?
Hätten sie sich den Befehlen widersetzen können?
Wo lebtebn die Täter danach, als es vorbei war?
Lebten sie mitten in der Gesellschaft? Mitten unter uns?
Würde man ihnen begegnen? Sie wiedersehen?
Oder standen sie alle nachweislich vor Gericht? Wurden sie verurteilt?
Welche Strafen hatte man ihnen zugedacht für das Unaussprechliche und doch Geschehene?
War es vorbei? War es wirklich vorbei?
Fragen die immer wieder neu gestellt werden müssen.
Nicht weil die Holocaust-Überlebenden nichts zu sagen gehabt hätten, sondern weil sie für das, was sie erlebt und vor allem überlebt hatten, keine Worte fanden. Welche Worte hätten sie finden müssen für die Demütigung, ihre Qualen, ihre Ängste und die ständige Konfrontation mit dem Tod?
Welche Worte für das Glück oder den Zufall, nicht selbst durch einen Spatenhieb bei der Zwangsarbeit, durch die willkürlich abgefeuerte Kugel eines SS-Mannes, bei "medizinischen Experimenten" oder in der Gaskammer umgebracht worden zu sein? Oder am Galgen, wie Freunde, denen man beim Sterben hatte zusehen müssen. Jegliche Grundwerte waren außer Kraft gesetzt und durch eine Perfektionierung industrieller Massenvernichtung ersetzt worden.
Zudem fand das Schicksal der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland wenig Beachtung. Wer hätte ihnen geglaubt in jenen ersten Jahren oder Jahrzehnten? Wie viel Kraft hätre es gekostet, über ihre menschenunwürdigen Erlebnisse vor einer Öffentlichkeit zu sprechen, die das entweder nicht ertragen oder das Unvorstellbare gar relativiert hätte.
Heute gibt es nicht mehr viele Menschen, die über diese Zeit reden können. Wilhelm Brasse war einer von ihnen, der bis wenige Monate vor seinem Tod am
23. Oktober 2012 besonders jungen Menschen als Zeitzeuge, als Gesprächspartner, als unermüdlicher Mahner zur Verfügung stand.
Umsowichtiger ist dieses Buch, das nicht nur an sein Leben erninnert, sondern auch an die Grauen und die Unmenschlichkeit der NS-Herrschaft.
Ich wünsche diesem Buch über das Leben von Wilhelm Brasse im Konzentrationslager Auschwitz sehr viele Leser, lange und ausführliche Diskussionen und das, was Brasse mit seinem Engagement hinterlassen hat:
Nie wieder Diktatur! Nie wieder Konzentrationslager!
Max Mannheimer Oktober 2014
🥺
Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Der Schreibstil dieser Biographie ist direkt und unverblümt. Am Ende findet man einige Kurzbiographien zu einzelnen Personen, für und mit denen Wilhelm arbeiten musste. Sowie einige Erklärungen zu speziellen Begriffen und Bezeichnungen aus dem KZ-Betrieb.
In dem Buch sind original Fotos von Wilhelm Brasse abgelichtet.
Als Wilhelm in Auschwitz ankommt, erkennt er ziemlich schnell, wie hart dort der tägliche Überlebenskampf ist. Als gelernter Fotograf wurde er dem Arbeitskommando Straßenbau zugewiesen. Doch Wilhelm war solche Arbeit nicht gewohnt und wusste, daß er das nicht lange überleben würde. Nach wenigen Wochen schlich er sich einfach in einem anderen Arbeitskommando ein. Das wiederholte Brasse einige Male und landete einige Monate später beim Erkennungsdienst um dort Porträtfotos von Häftlingen zu machen. Dadurch wurde er in einen besseren Block verlegt wo einiges "erträglicher" war. Irgendwann machte er nicht mehr nur Porträtfotos von Häftlingen, irgendwann kamen auch SS-Männer und wollten von Brasse fotografiert werden.