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Veröffentlicht am 01.04.2025

Das Leben ist kein Ballett

Chopin in Kentucky
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Das Leben ist kein Ballett…

„Chopin in Kentucky“ ist eine sehr bewegende Comming-of-Age –Geschichte, die in mir ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst hat.
Die zehnjährige Marie hat einen großen Traum: ...

Das Leben ist kein Ballett…

„Chopin in Kentucky“ ist eine sehr bewegende Comming-of-Age –Geschichte, die in mir ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst hat.
Die zehnjährige Marie hat einen großen Traum: Sie möchte eine Ballerina sein. Doch die Voraussetzungen dafür sind alles andere als gut. Sie wächst mit vielen Geschwistern in einer armen Familie auf, die schwer unter ihrem streng katholischen Vater zu leiden hat. - Themen wie Gewalt, Depressionen und Vernachlässigung spielen eine große Rolle in dem Buch. Teilweise waren die dargestellten Szenen für mich nur schwer zu ertragen und führten sogar zu Flashbacks.
Maries Überlebensstrategie kam mir sehr vertraut vor: Mit ihrer kindlichen Fantasie und Leichtigkeit erschafft sie sich einen Freund, der ihr hilft, das Erlebte zu ertragen. So wird der Geist des Komponisten Chopin zu ihrem inneren Helfer und Begleiter. Es entsteht eine humorvolle und sarkastische Stimmung, die zwar von Bitterkeit geprägt ist, aber auch einen Funken Hoffnung versprüht. Durch Chopin kann Marie ihre unterdrückten Gefühle zum Ausdruck bringen, denn der Komponist hat stets eine zynische Bemerkung parat und spendet dem jungen Mädchen so indirekt etwas Trost. Marie wirkt in ihrem Denken sehr erwachsen für ihr Alter, was aufgrund der Umstände jedoch verständlich ist.
Ich habe mich oft in Marie wiedergefunden und konnte ihre Gedanken und Emotionen absolut nachvollziehen. „Chopin in Kentucky“ ist definitiv keine leichte Kost, doch Elizabeth Heichelbech schafft es einen recht abstrakten Bewältigungsmechanismus von Kindern, die traumatischen Situationen ausgesetzt sind, greifbar zu machen. Ich bin begeistert von dem Buch und dem Schreibstil der Autorin.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Fremde neue Welt

Lyneham
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Die Erde ist unbewohnbar und so bleibt den Menschen nur der Weltraum. Auf Perm soll eine Kolonie angesiedelt werden, doch nichts läuft so wie geplant…
Das Buch hat mich total begeistert! Von der ersten ...

Die Erde ist unbewohnbar und so bleibt den Menschen nur der Weltraum. Auf Perm soll eine Kolonie angesiedelt werden, doch nichts läuft so wie geplant…
Das Buch hat mich total begeistert! Von der ersten Seite an, hat mich „Lyneham“ mehr und mehr in seinen Bann gezogen. Ich habe selten ein Buch mit einem so guten Worldbuilding gelesen! Alles ist in sich logisch, einzigartig, detailliert und gut durchdacht.
Während des Lesens war ich immer wieder hin und hergerissen: Einerseits würde ich wahnsinnig gerne die Welt Perms mit eigenen Augen sehen und erleben. Andererseits finde ich die Vorstellung, in einer solch toxischen, tristen Umgebung leben zu müssen, mehr als beängstigend. Denn der Mond „Perm“ birgt viele Gefahren…
Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt, die auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Nach und nach erfährt man, auf welche Herausforderungen die Menschen bei der Besiedelung des Mondes gestoßen sind. Dazu zählt auch die menschliche Hybris, die nicht nur die eigene Spezies gefährdet, sondern auch das Ökosystem des neuen Zuhauses zerstört. – Die Ereignisse entwickeln sich zunehmen dramatisch. Ich habe beim Lesen den Atem angehalten, so gespannt war ich.
Die Charaktere sind vielschichtig und einnehmend. Besonders Henry, Loy und der Nieren-Roboter Ronny sind sehr ans Herz gewachsen. Beeindruckt hat mich zudem Henrys Mutter Dr. Mildred Meadows: Als Wissenschaftlerin ist sie eine der Ersten auf Perm. Sie gibt alles, um die Zukunft – das Leben –  ihrer Familie zu sichern.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Verschenktes Potential

Our Infinite Fates
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Meine Erwartungen an das Buch waren wirklich hoch, da sich der Klappentext sehr spannend angehört hat. Doch leider konnte mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen:
Der Schreibstil ist recht einfach und ...

Meine Erwartungen an das Buch waren wirklich hoch, da sich der Klappentext sehr spannend angehört hat. Doch leider konnte mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen:
Der Schreibstil ist recht einfach und so konnte ich gut in die Geschichte eintauchen. Allerdings zogen sich die ersten 300 Seiten (was 3/4 des Buchs ausmacht!) sehr. Die Protagonistin Evelyn stellt sich immer wieder die gleichen Fragen, ohne auf Antworten oder Hinweise zu stoßen. Alles dreht sich im Kreis und die Handlung geht einfach nicht voran. Zudem sind die Charaktere nur wenig ausgearbeitet und haben kaum Tiefe. Ich konnte nicht mit ihnen mitfiebern, was zum Teil auch daran gelegen hat, dass sich Evelyn und Arden nicht verlieben sondern sich magisch anziehen. Von der unsterblichen Liebe der beiden, habe ich leider nichts gespürt.
Was mir dagegen gut gefallen hat, waren die Rückblenden, in denen die vergangen Leben der beiden Hauptcharaktere im Ansatz geschildert wurden. Leider kamen auch hier kaum Emotionen rüber und das Mysterium rund um ihre verbundenen Schicksale blieb bestehen. Erst auf den letzten 100 Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Das Ende kam dann doch etwas überstürzt und hätte für meinen Geschmack mehr ausgearbeitet werden können.
Fazit:
Insgesamt hat die Geschichte viel Potential, welches leider zu oft nicht genutzt wurde. Die Handlung wirkte dabei zu konstruiert und es gelang der Autorin nicht, den Charakteren Tiefe zu verleihen, so dass ich nicht mit ihnen mitfiebern konnte. Zudem zieht sich das Buch durch die ständigen Wiederholungen und die stagnierende Handlung. Da wäre echt mehr drin gewesen…

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Schema F

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Die Grundidee des Krimi-Dinners, bei dem ein reales Verbrechen aufgeklärt wird, finde ich großartig und sehr originell. Die Handlung wird aus fünf Perspektiven und zwei Zeitebenen geschildert. Zudem gliedert ...

Die Grundidee des Krimi-Dinners, bei dem ein reales Verbrechen aufgeklärt wird, finde ich großartig und sehr originell. Die Handlung wird aus fünf Perspektiven und zwei Zeitebenen geschildert. Zudem gliedert sich das Buch in vier Gänge eines pikanten Menüs: Aperitif, Vorspeise, Hauptgericht und Dessert. Was für eine tolle Idee!
Der Einstig in das Buch ist mir wirklich gut gelungen: Man lernt die Protagonist*innen mehr und mehr kennen und entdeckt immer wieder Andeutungen, was damals zwischen den Freunden vorgefallen ist. Im Laufe der Handlung verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Charakteren jedoch. Zudem unterscheiden sie sich kaum in ihren Motiven oder ihrem Erzählstil.
Ab dem „Hauptgericht“ wirkte das Buch recht zäh auf mich, da die Geschehnisse aus allen Perspektiven, auf zwei Zeitebenen und wiederholt geschildert wurden. Auch inhaltlich konnten mich die Ereignisse nicht überzeugen: Die Charaktere wirkten durchweg triebgesteuert und waren stets durch Alkohol und andere Substanzen berauscht.
Die Auflösung mit ihren Wendungen kam für mich leider nicht überraschend. Alles folgte dem „Schema F“…
Der Schreibstil ist dafür flüssig und relativ einfach gehalten. Besonders gut haben mir die Menü-Seiten und die Darstellung des Settings gefallen.
Fazit:
Ein guter Thriller nach bewährtem Muster und einer sehr originellen Grundidee, die leider durch ihre platten, triebgesteuerten Charaktere und zahlreichen Wiederholungen etwas an Potential verschenkt hat.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Debüt-Roman

A Fairy Kingdom
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Mit „A Fairy Kingdom – Die Nynphia-Chroniken 1“ ist Sarah Blunck ein guter Debüt-Roman gelungen.
Lia lebt in einer Welt, in der die Existenz der Feen kein Geheimnis ist. Ihr Leben lang ist sie auf der ...

Mit „A Fairy Kingdom – Die Nynphia-Chroniken 1“ ist Sarah Blunck ein guter Debüt-Roman gelungen.
Lia lebt in einer Welt, in der die Existenz der Feen kein Geheimnis ist. Ihr Leben lang ist sie auf der Suche nach Zugehörigkeit und fragt sich, wieso sie so gar nicht zu den anderen Menschen passt. Vielleicht zögert sie auch deshalb nur kurz, als ihr die Fee Nymi eröffnet, dass Lia zu ihrem Volk gehört und das Königreich retten soll. - Mir persönlich ging diese Entwicklung jedoch zu schnell. Lia hinterfragt kaum, was Nymi ihr erzählt. Schlicht nimmt sie die Enthüllung auf und plant recht sachlich das weitere Vorgehen…
Man merkt dem Buch an, dass Sarah Blunck sich viel mit der deutschen Sprache auseinandergesetzt hat. Leider fehlt des dem Erzählstil dabei an Unbeschwertheit. Mich konnte die Handlung nicht wirklich mitreißen. Zu den Charakteren konnte ich keine richtige Bindung aufbauen und einige Szenen wirkten auf mich erzwungen.
Mir fehlte es zudem an Innenansichten; zu oft waren die Emotionen für mich nicht greifbar und die Handlungen nicht nachvollziehbar. Leider ist auch die Grundidee rund um den Hidden-Identity-Trope nicht besonders innovativ. Dennoch lässt sich das Potential der Autorin erkennen und das Buch ist gutes Debüt.

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