Profilbild von Recensio

Recensio

Lesejury Star
offline

Recensio ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Recensio über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2025

Unscheinbare Charaktere, langweilige Story

Die Witwe
0

Die Story wird aus Sicht von Evy erzählt, wobei wir kapitelweise diverse Zeitsprünge erleben. Meist sind es Monate nach Everlings Tod, aber es gibt auch Rückblicke auf das Kennenlernen der beiden vor sechsundvierzig ...

Die Story wird aus Sicht von Evy erzählt, wobei wir kapitelweise diverse Zeitsprünge erleben. Meist sind es Monate nach Everlings Tod, aber es gibt auch Rückblicke auf das Kennenlernen der beiden vor sechsundvierzig Jahren. Mal sind es drei Monate danach, mal zehn Tage davor, dann wieder sechs Monate danach ... boah! Ich persönlich empfand diese ständigen Zeitsprünge vor und zurück mehr als verwirrend und anstrengend (und weiß auch nach dem Ende nicht, warum die Autorin diese so gewählt hat).

Es fiel mir unglaublich schwer, einen Bezug zu Evy zu finden, auch wenn ich das immer und immer wieder versucht habe. Sie war mir einfach zu unnahbar und ich konnte ihr ständiges Gedankenwirrwarr nur schwer nachvollziehen.

Die Nebencharaktere, darunter die Kinder von Evy, sind leider ebenso schwach gezeichnet. Ich fand es schade, dass Helene Flood sich hier nicht mehr Zeit genommen und ihren Charakteren mehr Leben eingehaucht hat. Sämtliche Figuren blieben blass und oberflächlich.

Der Schreibstil ist leicht verständlich, wobei die Kategorie Psychothriller für dieses Buch meiner Meinung nach völlig unangemessen ist. Spannung gibt es nämlich so gut wie gar keine und auch sonst hat diese Geschichte mich zu keiner Zeit fesseln könne, was ich eigentlich von einem gut konstruierten Thriller erwarte. Aber hier hat der Klappentext bedeutend mehr versprochen, als tatsächlich geboten wird. Jammerschade! Und für mich tatsächlich irritierend, denn dass die Autorin super schreiben kann, hat sie mir mit „Die Affäre“ längst beweisen können. DAS Buch fand ich packend, kreativ, fesselnd. Doch dieses hier, puh, ne. Als wenn das eine andere Person geschrieben hätte.

Fazit: „Die Witwe“ ist wohl eher ein Familiendrama als ein Psychothriller. Unscheinbare Charaktere, eine langweilige Story und wenig bis gar keine Spannung haben dieses Buch für mich leider floppen lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2025

Cooles Setting, erschütternde Geschehnisse

The Surf House
0

Bea ist Model. Doch sie ist es leid, vor der Kamera gute Miene zu machen. Also wirft sie alles hin und will sich in Marokko noch ein schönes Leben machen. In einer brenzligen Situation eilt ihr Marnie ...

Bea ist Model. Doch sie ist es leid, vor der Kamera gute Miene zu machen. Also wirft sie alles hin und will sich in Marokko noch ein schönes Leben machen. In einer brenzligen Situation eilt ihr Marnie zur Hilfe und die beiden freunden sich an. Bea darf bei Marnie im Surfhouse einziehen und sich etwas dazu verdienen. Alles scheint perfekt - bis plötzlich Seth auftaucht. Seine Schwester Savannah kam vor einem Jahr ebenfalls ins Surfhouse und ist seither spurlos verschwunden. Bea bietet Seth ihre Hilfe bei der Suche nach Savannah an, merkt jedoch schnell, dass hier einiges nicht stimmt. Was hat es mit Savannahs Verschwinden auf sich? Und wem kann sie wirklich trauen?

Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Bea erzählt. Zwischendurch blicken wir auf die Erzählungen von Savannah vor einem Jahr zurück. Bea ist eine tolle und sympathische Frau. Ich habe sie dafür bewundert, dass sie ihren Model-Job einfach so an den Nagel hängt, um das Leben zu genießen und den Schattenseiten des Business den Rücken zu kehren. Mit dem Surfhouse stehen ihr alle Chancen offen, und sie lernt jede Menge neue Menschen kennen. Diese Nebencharaktere sind alle sehr geheimnisvoll dargestellt. Das hat sie so besonders gemacht und meiner Meinung nach der Story eine extra Portion Würze verliehen.

Den flüssigen und mitreißenden Schreibstil von Clarke fand ich sehr angenehm. Die Spannung hält sie konstant oben und fesselt ihre Leser damit an die Handlung. Sie entführt uns diesmal nicht nur ans Meer, sondern gewährt uns gleichzeitig Einblicke in die Welt des Surfens. Ich fand das einfach großartig! Durch ihre bildhafte Beschreibung konnte ich sehr gut nachempfinden, was für ein Freiheitsgefühl es sein muss, auf einem Surfboard zu stehen. Muss ich unbedingt selbst mal ausprobieren!

Zum Ende hin nimmt das Buch nochmal richtig an Fahrt auf und Clarke sorgt mit geschickten Perspektivwechsel für ordentlich Verwirrung. Hier passiert in den letzten Seiten so viel auf einmal, dass ich kaum Zeit zum Luftholen hatte. Ein grandioser Schluss einer vielfältigen Story, die mich von Anfang bis Ende in Schach gehalten hat.

Fazit: Ein durch und durch spannender Thriller, bei dem Freud und Leid nah beieinander liegen. Ein atemberaubendes Setting sorgt für Entspannung, während erschütternde Geschehnisse dem Leser das Blut in den Adern gefrieren lassen. Grandios umgesetzt und daher eine Leseempfehlung meinerseits!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2025

Bedrückend, grausam, emotional

Wenn das Wasser steigt
0

Hui, allein der Teaser macht richtig Lust auf das Buch, oder? Und da ich bereits etwas von der Autorin gelesen hab (und sehr mochte), musste auch dieses Werk unbedingt geschmökert werden!

Sommer 1983. ...

Hui, allein der Teaser macht richtig Lust auf das Buch, oder? Und da ich bereits etwas von der Autorin gelesen hab (und sehr mochte), musste auch dieses Werk unbedingt geschmökert werden!

Sommer 1983. Detective Noah Scott hat es endlich geschafft, den lange gesuchten Serienmörder John Bible zu verhaften. Doch die Freude währt nicht lange, denn mit dem Klicken der Handschellen erleidet Noah einen Herzinfarkt. Als er im Krankenhaus wieder zu Bewusstsein kommt, erfährt er, dass John geflohen ist. Da Noah mit den Folgen des Infarktes zu kämpfen hat, wird er vom Polizeidienst abgezogen. Für Noah bedeutet das aber nicht das Ende. Gerade weil ihm die Ärzte keine allzu lange Lebenserwartung mehr zusichern, hat Noah seiner Meinung nach nichts mehr zu verlieren. Er muss John unbedingt finden und ein für alle Mal wegsperren! Dafür macht er sich auf eigene Faust auf den Weg nach Bilbao, wo sich Johns letzte Spur verliert. Wird Noah ihn rechtzeitig finden, bevor seine eigene Zeit abläuft?

Noah Scott ist ein beeindruckender Protagonist. Mir ging sein persönliches Schicksal ziemlich nahe und ich konnte verstehen, warum ihm alles - abgesehen vom Fall - egal geworden ist. Das ist natürlich riskant, man wird nachlässig, unvorsichtig, geht Risiken ein, die man sonst meiden würde. Ich mochte Noah und seine lockere Art, hab mir jedoch gewünscht, er würde besser auf sich achten. Ich hatte stets seinen kritischen Gesundheitszustand im Hinterkopf und jedes Mal Angst, dass ihm gleich etwas passieren könnte. Wie er selbst mit seinem bevorstehenden Tod umgeht, hat mir einerseits unglaublich imponiert, mich andererseits ein wenig erschreckt.

Noch mehr konnte mich John faszinieren, der Unberechenbare, das personifizierte Böse. Mitzuverfolgen, wie er sein Opfer auswählt, welche Gedanken ihm durch den Kopf geben und was er dabei fühlt, zeigt deutlich, wie grausam ein Menschen sein kann. Ich habe einige Passagen, die seine Sicht darstellen, mit Ekel und Entsetzen gelesen, war aber trotzdem (oder deswegen) so an die Seiten gefesselt, dass ich das Buch viel zu schnell durch hatte.

Dolores Redondo hat einen unglaublich einnehmenden und bildhaften Schreibstil, mit dem sie uns nach Bilbao entführt. Mit viel Fingerspitzengefühl und dem richtigen Maß an Drama und Tiefe erzeugt sie eine Atmosphäre, die düster und fesselnd zugleich ist. Die klug konstruierten Ereignisse sorgen immer wieder für Spannungsmomente, die die Autorin gekonnt in Szene setzt. Zu keinem Zeitpunkt wirkt der Plot überladen oder langweilig.

Fazit: Ein bedrückender und emotionaler Thriller über Rache und Tod, Verzweiflung und Hoffnung, der mich zum Nachdenken angeregt und mich bestens unterhalten hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2025

Hisst die Segel und auf geht's!

A Ship Of Bones And Teeth
0

Eine düstere Neuinterpretation von Arielle gemischt mit ein paar Fluch der Karibik-Vibes? Immer her damit! Denn die Disney-Klassiker bieten per se jede Menge Stoff, den es aufzuwirbeln gilt. Und das ist ...

Eine düstere Neuinterpretation von Arielle gemischt mit ein paar Fluch der Karibik-Vibes? Immer her damit! Denn die Disney-Klassiker bieten per se jede Menge Stoff, den es aufzuwirbeln gilt. Und das ist Karina Halle mit ihrem Werk wunderbar gelungen. Doch zunächst einmal muss ich ihr für die ausführlichen Triggerwarnungen zu Beginn des Buches danken. Es ist eine ziemlich düstere Geschichte, und die Autorin hat sich offensichtlich Gedanken darüber gemacht, wie sie ihre Leser auf das vorbereitet, was sie erwartet. Wenn ihr trotzdem weiterlest, solltet ihr also wissen, dass ihr euch auf eigene Gefahr ins halsbrecherische Abenteuer stürzt!

Prinzessin Maren ist eine faszinierende Protagonistin : jung, wild, hübsch - und garantiert keine Unschuldsflosse. Wenn ich so rückblickend über sie nachdenke, finde ich, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat. Das macht sie einerseits unberechenbar, andererseits fühlt man sich ihr trotzdem verbunden, denn mal ehrlich: Jeder von uns hat schon mal ein Geheimnis gehütet, right? Und Maren entwickelt sich im Laufe der Story vom naiven, misshandelten Mädchen zu einer starken, selbstbewussten Frau. Irgendwie hat mir das imponiert.

Anfangs war es etwas gewöhnungsbedürftig, die mir bekannte Geschichte anders dargestellt zu bekommen. Hier haben Helden und Antihelden die Rollen getauscht, so ist Prinz Erik (hier Aerik) gar nicht mehr der nette Märchenprinz, sondern ein richtiges Arsc*loch, das auch vor Missbrauch nicht zurückschreckt. Doch so befremdlich mir die Storyline vorkam, desto mehr hat sie mich in ihren Bann gezogen. Ehe ichs mich versah, war ich gefangen inmitten der Düsternis, der Rachegelüste und der finsteren Machenschaften der einzelnen Figuren. Mir gefiel besonders die Chemie zwischen dem Piraten Ramsay und Maren. Ich habe ihre Neckereien geliebt und fand diese sehr unterhaltsam. Und ey, die pikanten Szenen waren aaarrrrr!

Zitat S. 218:

"Seine Arme auf beiden Seiten von mir fangen an zu zittern und ich kann sehen, dass er darum kämpft, sich nicht zu bewegen, sein Atem kommt in kurzen Stößen durch die Nase, seine Augen sind vor Lust getrübt. Mein Körper brennt [...]"

Die Autorin hat ein Händchen für wunderschöne, tragische und erotische Formulierungen, die abwechselnd für Gänsehaut, Schockmomente und wohlige Schauer sorgten. In dieser Geschichte wird es nie langweilig. Auf den 467 Seiten passiert so viel, dass man ständig hin- und hergerissen ist zwischen seinen Emotionen. Hatte ich zunächst die Befürchtung, es hier mit irgendeiner Art Märchen-Abklatsch zu tun zu haben, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Das Buch punktet sowohl mit Actionszenen als auch mit Spannungselementen und einer Intensität, die ich hier nicht erwartet habe. Es geht - im doppelten Sinne - ganz ordentlich zur Sache.

Der Plot ist unterhaltsam und kreativ, flüssig und voller Abenteuer. Er zeichnet eine Welt, die genauso romantisch ist wie Disneys Märchen, wenn auch düsterer und definitiv nicht für Kinder gedacht. Von der ersten bis zur letzten Seite herrschte hier eine Atmosphäre vor, die mich sogartig mitgerissen hat. Eine eigenständige Geschichte, ohne nervige Cliffhanger, und alle losen Enden sind gut miteinander verknüpft.

Sprechen wir bitte noch kurz über die Aufmachung des Fantasy-Romans: wow! Umschlag und Farbschnitt passen einfach perfekt zum Inhalt - und in jedes Bücherregal. Mein Buchtipp an euch.

Hisst die Segel und auf geht's!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Greift wichtiges Thema auf

Dein Heimweg
0

Welche Frau kennt es nicht? Wir waren auf einer Party, im Kino, bei einer Freundin. Es ist spät geworden und nun steht der Heimweg bevor. Allein, im Dunkeln. Der Gedanke löst bei vielen ein Angstgefühl ...

Welche Frau kennt es nicht? Wir waren auf einer Party, im Kino, bei einer Freundin. Es ist spät geworden und nun steht der Heimweg bevor. Allein, im Dunkeln. Der Gedanke löst bei vielen ein Angstgefühl aus. Wie dankbar war ich, als der Taxifahrer vor der Hofeinfahrt in Berlin einfach stehen geblieben ist und darauf gewartet hat, dass ich sicher die Tür hinter mir geschlossen habe. Dieses Glück hatten Alana und Sophie in Hanna Essings Thriller „Dein Heimweg“ nicht. Denn sie bezahlen diesen Weg mit ihrem Leben.

Als an Emmys erstem Tag ihre neue Kollegin Alana nach Feierabend auf dem Firmenparkplatz ermordet wird, ist sie geschockt, denkt aber eher an einen unglücklichen Zufall. Zwei Monate später wird eine weitere Kollegin Opfer eines tödlichen Überfalls, ebenfalls auf dem Heimweg. Als Emmys Chef Aaron daraufhin mit einer App den Markt flutet, die den Heimweg für Frauen sicherer machen soll, und er aus der Situation Profit zu schlagen scheint, beginnt Emmy zu zweifeln. Sie recherchiert auf eigene Faust und riskiert dabei bald ihr Leben.

Sprachlich konnte mich Essing leider nicht immer überzeugen. Ehrlicherweise hat mich der Prolog dahingehend sogar im ersten Moment eher abgeschreckt. Für meinen Geschmack schreibt sie hier etwas zu weich und blumig. Aber dieser Eindruck bestätigt sich beim Lesen dann nicht weiter, auch wenn es mich einige Zeit gekostet hat, so richtig ins Geschehen einzusteigen.

Auch mit der Ich-Erzähler-Perspektive kann ich leider eher weniger anfangen. Das ist aber eine rein persönliche Vorliebe und tut der Story keinen Abbruch, denn eigentlich spiegelt sich darin erst richtig, mit welcher Angst Emmy stellvertretend für viele Frauen kämpfen muss.

Wirklich eindrücklich und realistisch sind besonders die zwischen den Kapiteln eingeworfenen Kommentare von Social-Media-Nutzerinnen, die ihre Erfahrungen mit der App beziehungsweise Erlebnisse auf ihrem Heimweg teilen.

Alles in allem liefert Hannah Essing einen guten Thriller, der vor allem Frauen einen unangenehmen Schauer über den Rücken jagen wird. Ich für meinen Teil habe Emmys Angst das ein oder andere Mal gefühlt!

Die Autorin schafft es, schnell eine Spannung aufzubauen, die sie dann auch auf hohem Maß hält und in einem gelungenen Twist zum Schluss noch einmal auf die Spitze treibt. Bis zuletzt war mir nicht klar, wer die Morde begangen hat und warum.

Fazit: „Mein Heimweg“ ist ein gelungener Thriller, den man (mit einigen Startschwierigkeiten) gut wegsuchten kann. Vor allem aber greift Essing ein wichtiges Thema auf. Vielen ist wahrscheinlich nicht bewusst, wie unwohl sich Frauen oft allein im Dunkeln fühlen. Dabei ist es ein Leichtes, beispielsweise die Straßenseite zu wechseln. Von mir gibt es alles in allem eine Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere