Nervenkitzel, Drama - und eine wichtige Botschaft
HimmelerdenblauZwanzig Jahre liegt es zurück: Julie Novak, Tochter einer wohlsituierten Familie, verschwindet über Nacht spurlos. Zwanzig Jahre konnte das mysteriöse Verschwinden der Jugendlichen nicht geklärt werden. ...
Zwanzig Jahre liegt es zurück: Julie Novak, Tochter einer wohlsituierten Familie, verschwindet über Nacht spurlos. Zwanzig Jahre konnte das mysteriöse Verschwinden der Jugendlichen nicht geklärt werden. Zwanzig Jahre, ein wunderbarer Zeitpunkt, um den Vermisstenfall in einem True Crime Podcast neu aufzurollen und alte Geister heraufzubeschwören, die besser auch weiterhin geruht hätten.
Romy Hausmann versteht es, Phänomenen unserer Zeit bewusst Raum zu geben, ohne dabei den Blick für unsere Gesellschaft und deren schwerwiegenden Probleme zu verlieren. Dabei fasziniert sie mich immer wieder mit ihrer klaren, schnörkellosen Sprache und ihrem Talent, eine unterschwellig schaurige Atmosphäre zu schaffen.
„Himmelerdenblau“ erzählt die Geschehnisse aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Figuren. Auch die Gegenüberstellung der strukturierten Recherchearbeit der Podcasterin Liv und Theos verzweifeltem Versuch, sich zu erinnern, schaffen einen Gegensatz, der die Dramatik der Story nur noch umso deutlicher unterstreicht.
Wirklich tief berührt hat mich Theo, mit all seinen Ecken und Kanten, vor allem mit seiner Demenz. Er ist ein authentisch gezeichneter Charakter, mit dem man bangt, der unglaublich niedlich ist und in seiner Verzweiflung die Leserschaft mit sich in eine tiefe Traurigkeit zieht. Romy Hausmann hat mit Theo eine Figur erschaffen, die man sofort ins Herz schließt - und auch lange nach Zuklappen der Buchdeckel nicht gehen lassen kann.
Bis kurz vor Schluss hatte ich keine Ahnung, worauf die Story eigentlich hinauslaufen soll. Ideen, wie das Ganze ausgehen könnte? Fehlanzeige! Ich wusste nur, wie es sehr wahrscheinlich nicht enden wird. Und mit diesen Vermutungen lag ich auch richtig. Tatasche ist, der Twist am Ende hat mich vollends geplättet! Gleichzeitig erzählt die Autorin so schlüssig und überzeugend, dass es nie anders hätte ausgehen können. Das ist Erzählkunst der Spitzenklasse!
Fazit: Spannung, Gänsehaut, eine emotionale Achterbahnfahrt - all das bietet „Himmelerdenblau“ und reißt dabei tiefe Wunden in die Seele. Ein Buch zum Nachdenken, Mitfühlen und Erschaudern. Wer es nicht liest, ist selber schuld!