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Veröffentlicht am 24.04.2026

Leiser, unaufgeregter Krimi

Tainted Love
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Klirrende Hitze, ein scheinbar verschlafener Ort, dem nichts Böses etwas anhaben könnte, und ein wunderbarer 80er-Jahre-Flair machen Vincent Tals Krimiauftakt „Tainted Love“ aus.

Das Rauchverbot in Gaststätten ...

Klirrende Hitze, ein scheinbar verschlafener Ort, dem nichts Böses etwas anhaben könnte, und ein wunderbarer 80er-Jahre-Flair machen Vincent Tals Krimiauftakt „Tainted Love“ aus.

Das Rauchverbot in Gaststätten ist noch keine 20 Jahre in Kraft. Ich kann mich also sehr wohl daran erinnern, wie es war, in Lokalen genüsslich eine Zigarette zu rauchen, was die Figuren in Tals neuem Krimi auch zu jeder passenden Gelegenheit tun. Und trotzdem kam es mir vor, als würde man in eine völlig andere Welt eintauchen.

Als zwei Teenager in einem See einen alten, seltenen Oldtimer entdecken, der einst hier versenkt wurde, glaubt zunächst niemand auch nur im Entferntesten an ein Verbrechen. Doch irgendetwas an dem Auftauchen des Wagens lässt die Journalistin Christine und ihren Lebensgefährten Martin zweifeln. Auch wenn sie nicht genau wissen, was. Je näher Christine bei ihren Recherchen des Rätsels Lösung auf die Spur kommt, um so mehr gerät sie selbst in Lebensgefahr.

Tal schafft eine wunderbar andere Welt, die gar nicht in all zu weiter Vergangenheit liegt und trotzdem mitunter unwirklich scheint. Mir persönlich war es eine wahre Freude, ihm durch die Seiten zu folgen. Nur ganz langsam baut sich in diesem, für viele vielleicht untypischen Kriminalroman, die Spannung auf. Trotzdem ist „Tainted Love“ zu keiner Zeit auch nur im Ansatz langweilig. Lange ist nicht klar, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln soll. Und trotzdem, oder gerade deswegen, schafft es Tal, seine Leserschaft bei der Stange zu halten.

Dabei verwendet er von Zeit zu Zeit eine sehr bildhafte Sprache, die vielleicht nicht jedem gefallen mag, für mich aber absolut auf den Punkt gebracht war. Seine Figuren zeichnet er allesamt realistisch und glaubwürdig. Er spielt in der Gestaltung der einzelnen Charaktere mit Gegensätzen, die in ihrem Zusammenspiel einfach wunderbar harmonieren.

Leider kommt der Plot-Twist am Ende etwas schnell daher, so schlüssig er auch ist. Aber hier hätte man sich vielleicht auch einfach ruhig noch ein paar Seiten mehr nehmen können, um die Szenerie aufzulösen. Trotzdem: Tal hat eine wunderbare Art zu erzählen und strickt eine schlüssige Story, die von der ersten bis zur letzten Seite wohl durchdacht ist. Mich hat „Tainted Love“ absolut überzeugt!

Wäre dieser Krimi ein Stand-Alone, hätte es einige wenige Szenen, z.B. den unbekannten Beobachter am Waldrand oder die Story um Martins Vater, für mich nicht gebraucht. In dem Wissen, dass es sich um einen Krimiauftakt handelt, hoffe ich aber einfach darauf, dass diese wirklich klein gebliebenen, rätselhaften Handlungsstränge, die so viel Potenzial bieten, in den folgenden Bänden aufgegriffen und fortgeführt werden.

Fazit: „Tainted Love“ ist ein leiser, unaufgeregter Krimi. Aber genau das hat mir an diesem Buch so besonders gut gefallen. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, welche Kriminalfälle in Zukunft auf Martin und Christine warten. Wer es auch mal ruhiger mag, sollte diesen Krimiauftakt nicht verpassen! Von mir gibt es trotz kleiner Schwachstellen eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Verbindung aus persönlichem Drama und Gesellschaftskritik

Noch fünf Tage
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Lis ist Köchin bei der superreichen Familie Harman. Nach dem gemeinsamen Silvesteressen ist jedoch die gesamte Familie tot – vergiftet. Auch Lis selbst ist mit dem tödlichen Gift in Berührung gekommen. ...

Lis ist Köchin bei der superreichen Familie Harman. Nach dem gemeinsamen Silvesteressen ist jedoch die gesamte Familie tot – vergiftet. Auch Lis selbst ist mit dem tödlichen Gift in Berührung gekommen. Ihr bleiben nur noch etwa fünf Tage bis zu ihrem Tod. Fünf Tage, um die Zukunft ihrer Tochter zu regeln und um herauszufinden, wer für den Mord verantwortlich ist.

Das Thema des Romans ist von Beginn an äußerst spannend und emotional aufgeladen. Die Autorin schildert eindrucksvoll, mit welchen Gedanken, Ängsten und Entscheidungen sich Lis in den letzten Tagen ihres Lebens auseinandersetzen muss.

Zitat S. 6:
„Als die Wucht dessen, dass ich bald nicht mehr hier sein werde, zu mir durchsickert, ist da nur noch Angst. Nicht die Art von komfortabler Angst, die du hast, wenn du weißt, dass du noch eine Weile am Leben sein wirst, dass du Dinge wiedergutmachen oder es zumindest versuchen kannst. Nein, jegliche Möglichkeit fehlt und das ist der blanke Horror.“

Im Krankenhaus erzählt Lis ihrer Krankenschwester von ihrem Verhältnis zu den einzelnen Mitgliedern der Familie Harman. Dabei entblößt sich nach und nach die typische Machtposition von Reichen, die glauben, sich alles erlauben zu können. Diese Rückblicke sind nicht nur charakterzeichnend, sondern auch gesellschaftskritisch und zeigen, wie Abhängigkeit, Demütigung und Schweigen Teil des Alltags von Dienstpersonal werden können.

Gleichzeitig verfolgt Lis ein klares Ziel: Sie muss den Fokus auf jemand anderen legen, um weiterhin ihre Tochter sehen zu dürfen. Verdächtige mit einem möglichen Motiv gibt es einige, was die Spannung kontinuierlich aufrechterhält. Die letztliche Auflösung ist erschreckend und unerwartet.

Kritisch anzumerken ist jedoch der Mittelteil des Buches. Die ausführlichen Schilderungen der Dienste, die Lis den Harmans geleistet hat, ziehen sich stellenweise unnötig in die Länge. Die Detailtiefe ist teilweise so dominant, dass sie den Lesefluss hemmt und die emotionale Intensität abschwächt. Hier hätte eine stärkere Straffung der Handlung dem Roman durchaus gutgetan.

Das Ende hingegen überzeugt wieder deutlich. Es überrascht, wirkt authentisch und schließt die Geschichte emotional stimmig ab.

Fazit: Der Roman punktet mit einem starken Grundthema, einer glaubwürdigen Protagonistin und einer gelungenen Verbindung aus persönlichem Drama und Gesellschaftskritik. Trotz eines etwas zähen Mittelteils bleibt die Geschichte bis zum Schluss interessant und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Geht unter die Haut

The Only Witness
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„The Only Witness“ zieht den Leser hinein in eine Welt, in der Trauma kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein pulsierender, offener Nerv.

Fiona Kelly ist keine makellose Heldin – und genau darin ...

„The Only Witness“ zieht den Leser hinein in eine Welt, in der Trauma kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein pulsierender, offener Nerv.

Fiona Kelly ist keine makellose Heldin – und genau darin liegt die Wucht dieser Geschichte. Fiona ist getrieben, zerrissen, besessen. Ihr Leben wirkt weniger wie eine bewusste Entscheidung als vielmehr wie eine Konsequenz eines einzigen, unauslöschlichen Moments aus ihrer Jugend. Der klägliche Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen, kippt dabei immer wieder in Selbstzerstörung. Ihre Stärke beeindruckt, aber sie erschöpft auch. Denn man spürt, dass diese Frau nicht nur einen Killer jagt. Sie jagt sich selbst.

Der Täter bleibt lange ein Schatten, ein Flüstern zwischen den Seiten. Gerade das macht ihn so verstörend. Seine perfide Obsession, seine makabren Inszenierungen, die scheinbar kindliche Harmlosigkeit der Motive – all das erzeugt eine beklemmende Atmosphäre, die sich tief festsetzt. Die Idee, Grauen mit etwas so Unschuldigen wie Kinderreimen zu verweben, ist ebenso wirkungsvoll wie unerquicklich.

Erzählerisch entfaltet sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das selten zur Ruhe kommt. Perspektivwechsel treiben die Spannung voran, Wendungen reißen den Boden unter den Füßen weg – manchmal vielleicht ein wenig zu oft. Gerade wenn man glaubt, das Muster erkannt zu haben, wird es wieder zerschlagen. Das ist mitreißend, ja, aber stellenweise auch anstrengend, fast überladen. Weniger hätte hier womöglich mehr Wirkung entfaltet.

Besonders interessant ist die Dynamik zwischen Fiona und Asa. Ihre gemeinsame Vergangenheit liegt wie ein Schatten über jeder Szene, jede Begegnung knistert vor unausgesprochenen Vorwürfen und unterdrückten Gefühlen. Diese emotionale Ebene verleiht der Geschichte zusätzlich Tiefe, wirkt aber nie dominant. Sie bleibt stets im Hintergrund eines größeren, düsteren Spiels.

So fesselnd der Roman ist, so sehr stolpert er gelegentlich über kleine Ungereimtheiten. Manche Entwicklungen wirken konstruiert, einige Entscheidungen der Figuren sind nicht ganz nachvollziehbar. Es sind keine Brüche, die alles zerstören, aber Risse, die man bemerkt, wenn man genauer hinsieht.

Fazit: Ein Thriller, der unter die Haut geht. Nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er sich traut, unbequem zu sein. Weil er seine Figuren leiden lässt. Und weil er zeigt, dass die gefährlichsten Geheimnisse nicht die sind, die wir vor anderen verbergen… sondern die, die wir vor uns selbst verstecken.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Zwischen Verlust, Sehnsucht und der Suche nach Wahrheit

Du musst mich vergessen
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Was als zarte Liebesgeschichte beginnt, entpuppt sich schleichend als ein Abgrund aus Erinnerungen, Zweifel und unbequemen Wahrheiten. Rosie Walsh lockt ihre Leser zunächst auf vertrautes Terrain: große ...

Was als zarte Liebesgeschichte beginnt, entpuppt sich schleichend als ein Abgrund aus Erinnerungen, Zweifel und unbequemen Wahrheiten. Rosie Walsh lockt ihre Leser zunächst auf vertrautes Terrain: große Gefühle, schicksalhafte Begegnungen, ein Versprechen von „für immer“. Doch wer sich darauf verlässt, wird überrascht und vielleicht auch ein wenig vor den Kopf gestoßen.
Denn lange wirkt alles beinahe zu harmlos. Der Einstieg zieht sich, fast trügerisch ruhig, als wolle der Roman testen, wie viel Geduld man aufzubringen bereit ist.

Carrie wirkt zunächst wie gefangen in einem Leben, das zwar sicher, aber auch seltsam gedämpft wirkt. Die einst leidenschaftliche Frau scheint hinter Alltag, Ehe und Mutterschaft zu verschwinden. Auch die Männer an ihrer Seite bleiben zunächst blass, fast austauschbar.

Doch dann kippt etwas ...

Mit einem Mal verschiebt sich der Ton. Aus einer vermeintlich klassischen Liebesgeschichte wächst ein Spannungsroman, der seine Fäden geschickt über zwei Zeitebenen spannt. Vergangenheit und Gegenwart beginnen sich zu verhaken, Erinnerungen werden brüchig, Gewissheiten lösen sich auf. Was damals geschah, ist längst nicht so eindeutig, wie es zunächst suggeriert wurde. Und genau hier entfaltet das Buch seine eigentliche Sogwirkung.

Die Rückblenden tragen eine intensive, fast schmerzhafte Nähe in sich. Eine Liebe, die sich unausweichlich anfühlt, aber gleichzeitig von Anfang an unter einem dunklen Vorzeichen steht. Die Gegenwart hingegen ist durchzogen von unterschwelliger Unruhe: ein Leben, das weiterging, obwohl etwas Entscheidendes nie abgeschlossen wurde. Dieses Spannungsfeld hält den Roman zusammen und treibt ihn unermüdlich voran.

Walsh versteht es, Emotion und Suspense miteinander zu verweben. Immer wieder streut sie Wendungen ein, die überraschen, manchmal auch irritieren. Nicht jede davon wirkt vollkommen überzeugend; an einigen Stellen scheint die Handlung fast bemüht, dramatischer zu sein, als sie es tatsächlich ist. Dennoch bleibt der Lesefluss erstaunlich stabil – getragen von der konstanten Frage: Was ist damals wirklich passiert?

Und dann, wenn man sich vielleicht schon fast damit abgefunden hat, dass die Geschichte leise vor sich hinplätschert, kommt DER Moment, in dem alles explodiert. Geheimnisse brechen auf, Figuren zeigen plötzlich neue, dunklere Facetten, und die Spannung erreicht einen Punkt, an dem Aufhören keine Option mehr ist. Ich habe mich gefragt, warum das Buch so lange gebraucht hat, um dorthin zu gelangen.

Fazit: Vielleicht ist es weniger die Liebesgeschichte als vielmehr die Reise einer Frau, die sich ihrer eigenen Vergangenheit stellt und dabei gezwungen ist, sich selbst neu zu begegnen. Zwischen Verlust, Sehnsucht und der Suche nach Wahrheit entfaltet sich ein Roman, der nicht immer perfekt ist, aber genau darin seine Wirkung entfaltet: widersprüchlich, emotional und stellenweise unbequem.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Unterhält und regt zum Diskutieren an

Black Ties and White Lies
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Was als prickelnde, fast schon absurd überzogene Prämisse beginnt, entwickelt sich zu einer Geschichte, die gleichermaßen fesselt wie irritiert. Eine Frau, die plötzlich unter dem Kommando des Bruders ...

Was als prickelnde, fast schon absurd überzogene Prämisse beginnt, entwickelt sich zu einer Geschichte, die gleichermaßen fesselt wie irritiert. Eine Frau, die plötzlich unter dem Kommando des Bruders ihres untreuen Ex steht – und dieser Mann kauft kurzerhand eine ganze Firma, nur um ihr näherzukommen? Lächerlich? Absolut. Und genau darin liegt zunächst der Reiz.

Der Einstieg knallt. Die erste Begegnung knistert vor Spannung, Übertreibung und einem Hauch von Seifenoper. Doch je tiefer man in diese Welt aus Macht, Verlangen und Inszenierung eintaucht, desto mehr beginnt das Konstrukt zu wanken. Was anfangs wie ein cleveres Spiel mit bekannten Romance-Tropes wirkt, verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit. Entscheidungen erscheinen übereilt, Emotionen springen von einem Extrem ins nächste, und die Beziehung, die eigentlich das Herzstück sein sollte, wirkt stellenweise erstaunlich oberflächlich.

Dabei steckt im Kern so viel mehr: unterschwellige Eifersucht, unausgesprochene Sehnsüchte, ein Mann, der mehr fühlt, als er zugeben will. Und eine Frau, die sich verzweifelt dagegen wehrt, erneut verletzt zu werden. Gerade diese Dynamik hätte Tiefe verdient. Stattdessen wird sie oft von einer Flut körperlicher Anziehung überrollt, die schneller eskaliert, als es der Geschichte guttut. Die zahlreichen expliziten Szenen mögen für manche Leser ein Highlight sein, lassen aber wenig Raum für eine glaubwürdige emotionale Entwicklung.

Und doch kann man sich dem Ganzen schwer entziehen. Die Geschichte hat eine seltsame Sogwirkung. Vielleicht, weil sie genau weiß, welche Fantasien sie bedient – der mächtige, kontrollierende Mann, der alles riskiert, die Frau, die ihm widersteht, während zwischen ihnen längst ein gefährliches Spiel begonnen hat usw. bla blubb. Vielleicht auch, weil sie sich ihrer eigenen Übertreibung bewusst ist und diese fast genüsslich auskostet.

Besonders gelungen sind die kleinen Details am Rande: charmante Verweise auf andere Geschichten, spielerische E-Mail-Wechsel, die den Verlauf der Beziehung greifbarer machen, und Nebenfiguren, die für Momente echter Leichtigkeit sorgen. Gleichzeitig gibt es Szenen, die irritieren. Etwa wenn Grenzen überschritten werden und das Verhalten des männlichen Protagonisten eher kontrollierend als romantisch wirkt.

Persönliches Fazit: Am Ende bleibt ein widersprüchlicher Eindruck: eine Geschichte voller Potenzial, das nicht immer ausgeschöpft wird; voller Intensität, die manchmal zu schnell verpufft; voller Leidenschaft, die gelegentlich die Logik verdrängt. Vielleicht kein „gutes“ Buch im klassischen Sinne, aber zweifellos eines, das unterhält und zum Diskutieren anregt.

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