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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2018

Ungewohnt anspruchsvoll

Der namenlose Tag
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Vor zwanzig Jahren nimmt sich das 17-jährige Mädchen Esther Winther in einem Park das Leben und erhängt sich. Anzeichen dafür gab es keine, denn sie war stets ein lebenslustiges, offenherziges und fröhliches ...

Vor zwanzig Jahren nimmt sich das 17-jährige Mädchen Esther Winther in einem Park das Leben und erhängt sich. Anzeichen dafür gab es keine, denn sie war stets ein lebenslustiges, offenherziges und fröhliches Mädchen. An dem Seil wurden unbekannte DNA-Spuren festgestellt, dennoch gingen alle Beteiligten von einem Selbstmord aus. Auch Kriminalkommissar Jakob Franck, der damals in diesem tragischen Fall ermittelte.

Selbst zwei Jahrzehnte später, sind den Eltern Doris und Ludwig Winther nie ruhende Zweifel geblieben. Sie sind davon überzeugt, dass ihre Tochter damals kaltblütig ermordet wurde. Und so steht der Vater, Ludwig, eines Tages vor der Tür des Kommissars und fordert neue und intensivere Untersuchungen. Jakob Franck, mittlerweile pensioniert, nimmt sich den Fall noch einmal vor. Nach und nach gelingt es ihm, den Nebel zu lichten und das Grauen zu entblößen, das sich damals zugetragen haben muss.


Fazit:

Friedrich Anis Name ist scheinbar fest mit seinem Ermittler Tabor Süden verknüpft. Die Romane rund um diesen Protagonisten kenne ich noch nicht (wird nachgeholt). Ich habe den Autor nun also zuerst mit seinem neuen Roman "Der namenlose Tag" kennenlernen dürfen.

Eine gewisse Melancholie und Schwere hat mich während des Lesens begleitet. Das war auch der Grund, warum mir das Abtauchen in diese Story Freude bereitet hat. Ich mag es einfach etwas düsterer.

Der pensionierte Kommissar Jakob Franck war mir auf Anhieb sehr sympathisch. Er ist stets mitfühlend und ohne Berührungsängste. So scheut er sich zum Beispiel nicht davor, eine Frau, der er eine Todesnachricht überbringen musste, zu umarmen. Das läßt ihn authentisch wirken. Das Bild des pensionierten Kriminalbeamten, der sich eines vergessenen Falles annimmt, ist fast schon klassisch. Dennoch oder gerade deshalb hat mir das Buch sehr gefallen.

Der ungewohnt anspruchsvolle Schreibstil fordert vollste Konzentration, um die teilweise kompliziert geschriebenen Sätze zu verstehen. Ich musste einige Stellen mehrmals lesen.

Das Cover finde ich ... ich weiß gar nicht, wie ich das nett umschreiben soll. Sagen wir so: Ich hätte das Buch nicht gekauft, wenn ich nur nach dem Cover gegangen wäre, was ich oft tue. Es ist langweilig und passt daher überhaupt nicht zum Inhalt. Sehr schade, meiner Meinung nach, denn ich befürchte, dass es viele andere LeserInnen mir gleich tun und viel Wert auf das Äußere legen. Daher gebe ich einen Punkt Abzug.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Mal etwas anderes

Totenhaus
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Dieses Buch ist der zweite Teil der "Totenfrau-Trilogie". Das erste habe ich leider noch nicht gelesen (irgendwie neige ich dazu, immer mittendrin in einer Reihe anzufangen, grummel), aber ich hatte dadurch ...

Dieses Buch ist der zweite Teil der "Totenfrau-Trilogie". Das erste habe ich leider noch nicht gelesen (irgendwie neige ich dazu, immer mittendrin in einer Reihe anzufangen, grummel), aber ich hatte dadurch keine Schwierigkeiten.
Blum ist eine Bestatterin und hat Menschen auf dem Gewissen. Da ich dem Buch nicht spoilerhaft vorgreifen möchte, bleibe ich möglichst allgemein: Ist ein Mörder weniger schuldig, wenn er böse Menschen umbringt?
Brünhilde Blum hatte eine fragwürdige Kindheit, einen toten Mann und zwei kleine Mädchen. Sie wuchs in einem Heim ohne Erinnerung an ihre leiblichen Eltern und etwaiger Geschwiste auf. Sie fühlt sich oft einsam, allein und ist innerlich total ausgebrannt. Im Griechenland-Urlaub schlägt sie eines Tages eine deutsche Zeitschrift auf und sieht sich selbst auf einem Bild. Es ist ein großformatiges Foto einer Skulptur aus einer Münchner Ausstellung. Eine pinke Leiche, aufgeschnitten und inszeniert auf einem Zebra. Sie ist zutiefst schockiert. Doch auch die Neugier ist geweckt. Sie reist zu der Leichenausstellung und ist sich sicher: die tote Frau auf dem Zebra ist ihre Schwester. Zeitgleich werden bei einer Exhumierung auf einem Friedhof zwei Köpfe und vier Beine in einem Sarg gefunden. Das Chaos wirft viele Fragen auf und schließlich wird Blum zur Fahndung ausgeschrieben. Die Spannung steigt mit jeder Seite, bis es zum gnadenlosen Showdown kommt.

Fazit:

Von der ersten Seite an war ich in Bernhard Aichners eigenwilligen, durchaus lockeren Schreibstil vernarrt. Er benutzt meist kurze prägnante Sätze, was ich überhaupt nicht schlimm fand, denn so war an den richtigen Stellen die passende Dramatik aufgebaut. Bernhard Aichner kann mit fünf Wörtern das ausdrücken, wofür andere AutorInnen drei ganze Zeilen benötigen würden. Außerdem gibt es keine Anführungszeichen, nur Bindestriche, die ankündigen, dass nun die andere Person spricht. Ungewöhnlich, aber interessant.

Das Ende des Romans ist relativ offen gehalten. "Totenhaus" besticht vor allem durch psychologische Spannung und Tragik, die ich mit jeder Zeile spürte, und macht neugierig auf den dritten und somit letzten Band der Trilogie.

Die Charaktere waren sehr vielschichtig gestaltet, die Handlung blickdicht, düster und sehr emotionsgeladen. Die einzelnen Handlungsstränge waren gut dargestellt und der rote Faden zog sich durch das gesamte Buch.

Das Cover finde ich schlicht, jedoch keineswegs langweilig. Die Farben passen sogar irgendwie (Tod, Bestattung) zum Inhalt und verraten dennoch nichts.

Eine klare Kaufempfehlung für jeden, der mal "was anderes" probieren möchte.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Ein sehr gefühlvoller Roman

Für alle Tage, die noch kommen
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Das Schicksal eines kleinen Mädchens, das seine noch junge Mutter an eine schreckliche Krankheit verliert. Eine tieftraurige, aber dennoch absolut wunderschöne Geschichte über Liebe, Hoffnung, Mut und ...

Das Schicksal eines kleinen Mädchens, das seine noch junge Mutter an eine schreckliche Krankheit verliert. Eine tieftraurige, aber dennoch absolut wunderschöne Geschichte über Liebe, Hoffnung, Mut und Schmerz.

Bei Eleanor ist die Brustkrebserkrankung bereits zu sehr fortgeschritten. Entkräftet beschließt sie eines Tages, die Chemotherapie abzubrechen. Sie möchte die todbringende Krankheit so lange wie möglich vor ihrer kleinen 8-jährigen Tochter geheim halten. Kein Abschied, keine Gespräche über die Zeit nach ihrem Tod. Deshalb beschließt sie, ein Buch für Melissa zu schreiben. Rezepte, Tipps für alle möglichen Lebenssituationen, aufmunternde Worte für zwischendurch. Zeitsprung. 17 Jahre sind vergangen. Melissa erhält das Buch zu ihrem 25. Geburtstag. Eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt. Sie erfährt durch das Tagebuch viele schöne, aber auch verstörende Wahrheiten über ihre Kindheit und ihre Eltern. Zu dieser Zeit befindet sie sich selbst gerade in einer Phase ihres Lebens, welche von unzähligen Zweifeln und gar Zukunftsängsten bestimmt ist. Gerade erst hat sie den Heiratsantrag ihres Freundes abgelehnt, obwohl sie ihn liebt. Und so hat sie nicht nur mit ihrem eigenen Leben zu kämpfen, sondern auch noch mit den Gedanken ihrer Mutter.

Sehr schön empfand ich die Perspektivenwechsel: jedes Kapitel wird von einer anderen Person erzählt, und auch oft aus einer anderen Zeit. Die Geschichte wird so von mehreren Charakteren zusammen erzählt. Die Autorin schreibt in verständlichen, klaren Worten und hat dabei viele Emotionen in mir geweckt.
Ein Kaleidoskop menschlicher Empfindungen, feinfühlig und mit äußerst authentischer Sensibilität dargestellt. Das Thema Tod und Aufarbeitung wird realistisch beleuchtet. Der Leser lebt, liebt und leidet mit jeder einzelnen Hauptperson.

Das Cover ist auch ohne viel Schnickschnack eine Augenweide. Es bringt mich zum Träumen und läßt mich zum Himmel hinauf blicken. Daher passt es ganz wunderbar zum Inhalt des Buches ... ohne etwas zu verraten.

Fazit: Ein sehr gefühlvoller Roman, der zum Nachdenken anregt. Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der auch ernstere Themen mag und der etwas über das Leben und Abschiednehmen lesen möchte. Trotz der Tatsache, dass das Buch in einem Rusch zu lesen war, war die Geschichte sehr berührend, emotional und läßt mich noch Tage später leicht melancholisch daran zurückdenken. Insgesamt fand ich das Buch weniger bedrückend, als ich erwartet hatte.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Ein faszinierendes Hörspiel

Der Schatten des Windes
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Ein unbekannter Autor, dessen Werke radikal vernichtet wurden, sowie der Sohn eines Buchhändlers durchleben von der Zeit getrennt verschiedene schreckliche Ereignisse. Als der 10-jährige Daniel von seinem ...

Ein unbekannter Autor, dessen Werke radikal vernichtet wurden, sowie der Sohn eines Buchhändlers durchleben von der Zeit getrennt verschiedene schreckliche Ereignisse. Als der 10-jährige Daniel von seinem Vater in den "Friedhof der vergessenen Bücher" geführt wird, darf er sich aus den unzähligen dort befindlichen Büchern eines aussuchen und die Patenschaft dafür übernehmen. In einer einzigen Nacht taucht der Junge in das Werk ein, kann sich nicht mehr davon losreißen. Fasziniert von der ausgesuchten Geschichte, versucht er mehr über den Autor Julián Carax herauszufinden. Dabei stellt er fest, dass jede Ausgabe von "Schatten des Windes" verbrannt wurde. Außer seine eigene. Einige Jahre vergehen und Daniel hat das Buch schon fast vergessen. Er merkt nicht, dass ihm Unbekannte deswegen auf der Spur sind. Die Jagd beginnt, denn jemand versucht mit allen Mitteln, auch dieses letzte Buch zu vernichten. Geheimnisse, die wohlbehütet waren, werden aufgedeckt.

Dieses tolle Meisterwerk enthält alles, was ein Buch haben sollte. Es ist magisch, chaotisch, abenteuerlich, gruselig und unterhaltsam. Es ist deswegen sehr schwer, dem Buch ein bestimmtes Genre zuzuordnen.

Die verschiedenen Sprecher machen ihre Sache gut. Sie erzählen lebhaft und wortgewaltig. Das Zusammenspiel der Sprecher war großartig. Ich konnte mir alles gut vor Augen halten und dennoch meiner Fantasie freien Lauf lassen. Auch die Hintergrundgeräusche und Musikeinspielungen waren beeindruckend. Dieses Hörspiel ist mit Abstand eines der Besten, die ich je gehört habe. Empfehlung!

Das Cover ist ein Traum! Ich könnte es stundenlang betrachten. Es hat etwas Geheimnisvolles und verträumtes an sich.

Fazit: Ein faszinierendes Hörspiel mit zweienhalb Stunden Spannung und Romantik, für den perfekten Sonntagabend zu Hause auf dem gemütlichen Sofa. Insgesamt eine schöne und außergewöhnliche Geschichte, die jeder einmal gelesen oder gehört haben sollte.

Veröffentlicht am 15.03.2018

Interessantes Werk

Eine kurze Geschichte der Menschheit
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Ich war sehr gespannt auf dieses Buch. Mich interessiert Geschichte schon seit der Schulzeit. Leider durfte ich noch nicht viele wirklich informative Bücher diesbezüglich lesen. Bis ich dann auf dieses ...

Ich war sehr gespannt auf dieses Buch. Mich interessiert Geschichte schon seit der Schulzeit. Leider durfte ich noch nicht viele wirklich informative Bücher diesbezüglich lesen. Bis ich dann auf dieses hier gestoßen bin. In seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" erzählt Yuval Noah Harari, wie der Mensch es irgendwann schaffte, die Höhlen hinter sich zu lassen und die Welt zu erobern. Sein Einfluss auf den blauen Planeten in dieser Zeit ist sowohl beeindruckend als auch erschreckend. Seine Entwicklungsgeschichte ebenfalls. Schon vor 2,5 Millionen Jahren gab es menschenähnliche Tiere, deren Gehirne im Laufe der Zeit immer größer wurden und deren Gang sich nach und nach aufrichtete. Um Antworten zu finden, hat Harari die letzten 70.000 Jahre betrachtet und die Geschichte in drei Abschnitte unterteilt: die kognitive, die landwirtschaftliche und die wissenschaftliche Revolution. Dabei geht er sehr chronologisch vor. Er erklärt den Wandel des Menschen von einem fast unbedeutenden Wesen zum Herrscher des Planeten entlang einer Kette besonders geschichtsträchtiger Entwicklungssprünge. Dabei schreckt Harari nicht davor zurück, Aussagen zu treffen, die den Leser im ersten Moment verwirren. So schreibt er zum Beispiel, der Weizen hätte den Menschen domestiziert. Und der Kommunismus ist nicht nur eine Ideologie, sondern auch eine Religion. Mit einer beeindruckenden Übersicht führt er - ohne zu belehren - sowohl wiederkehrende Muster als auch Besonderheiten vor Augen. Das Thema ist trotz seiner hohen Faktendichte unterhaltsam aufbereitet und alles andere als langweilig beschrieben. Am Ende summiert sich ein nie nachlassender Fluss an intelligenten Beobachtungen und Schlüssen. Sozusagen ein Nachschlagewerk, das genau das liefert, was es verspricht: Eine kurze Geschichte der Menschheit. Ein Buch, das eine ganze Reihe außergewöhnlicher Reflexionen über das Werden des Menschen enthält.

Die abgebildeten Fotos fand ich klasse! So kann man sich viel mehr unter den gebotenen Daten und Fakten vorstellen.

Das Cover ist okay. Es ist nicht zu trist und schlicht, aber auch nicht wirklich hervorstechend. Müsste ich nur danach entscheiden, ob ich das Buch kaufen möchte, hätte ich es vermutlich liegen gelassen. Ein gutes Beispiel dafür, wie oft man sich als bloßer Betrachter irren kann.

Fazit: Man merkt schon nach wenigen Seiten, wie sinnvoll es ist, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Und mit diesem Werk macht es sogar richtig Spaß.