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Veröffentlicht am 22.11.2021

Statt Hygge: Politisch brisanter Ausflug nach Dänemark

SØG. Schwarzer Himmel
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Der zweite Teil der Nina-Portland-Trilogie "SØG - Schwarzer Himmel" übertrifft den ersten Teil bei Weitem. Ein am Anfang nicht so leicht zu durchschauender Hintergrund trifft auf aufwändig und lebendig ...

Der zweite Teil der Nina-Portland-Trilogie "SØG - Schwarzer Himmel" übertrifft den ersten Teil bei Weitem. Ein am Anfang nicht so leicht zu durchschauender Hintergrund trifft auf aufwändig und lebendig gestaltete Charaktere. Hier erkennt man den Autor der erfolgreichen Oxen-Reihe Jens Henrik Jensen gut wieder.

Zum Inhalt
Am Hafen von Esbjerg wird nach einem heftigen Gewitter die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden. Schnell bekommt er den Namen Kohlenmann und wird ein Rätsel für Nina Portland von der Polizei in Esbjerg. Seine Identität ist nicht so schnell zu ermitteln und wurde er ganz offensichtlich vor seinem Tod gefoltert. Mit ihren Kollegen stösst Nina schnell an ihre Grenzen. Auch weitere Todesfälle lassen das Geschehen zunächst im Dunkeln. Erst ihre Begegnung mit Ib Munsk, einem autistischen Vogelliebhaber, bringt Bewegung ins Spiel. Denn was er gesehen hat, erregt nicht nur Ninas Interesse, sondern eröffnet die Spielarena großer politischer Mächte und Geheimdienste in Europa.

Mein Eindruck
Jens Henrik Jensen ist vor allem bekannt durch die OXEN-Reihe. Eine "Trilogie", die im nächsten Jahr in die fünfte Runde geht. Mit der Nina-Portland-Reihe werden nun Geschichten neu aufgelegt, die bereits 2004 bis 2010 entstanden sind. Auch hierzulande waren die ersten beiden Teile bereits in den 2000ern im Piper Verlag erhältlich. Natürlich liegt es nahe, dass man hier auf der Erfolgswelle des Autors nachlegen möchte und "alten Kram" überarbeitet erneut veröffentlicht.
Letztlich kommt es aber auf die Geschichte an, die eben - fast schon historisch - vor rund 15 Jahren spielt und die politisch betrachtet von der Realität bereits überholt wurde. Dies im Hinterkopf ergibt sich aber ein schlüssiges und spannendes Gesamtbild.
Der zweite Teil dieser Trilogie ist spannend. Er übertrifft den ersten Teil "SØG - Dunkel liegt die See" in meinen Augen um Meilen. Die bereits bekannten Charaktere bekommen jetzt noch mehr Farbe und werden viel lebendiger. Sie agieren in einer Geschichte, die ausgeklügelt aufgebaut wird. Aus vielen Ecken und Winkeln schält sich aus einem (un-)gewöhnlichen Mord eine immer politischer werdende, spannende Entwicklung heraus. Als Leser reist man mit der Protagonistin gemeinsam nicht nur in ihre Heimat Dänemark, sondern auch in die Türkei und Deutschland. Die verleiht dieser Geschichte einen weiteren, besonderen Flair.
Die Charaktere, allen voran Nina Portland, sind toll gezeichnet. Als alleinerziehende Mutter hat sie in Ihrem Job natürlich ihre ganz besonderen Probleme, die nur durch starke familäre Verbindungen lösbar sind. Diesen Portland-Clan empfinde ich vom Autor sehr liebevoll beschrieben. Aber auch Ninas Kollegen und weitere Personen sind für den Leser gut greifbar, obwohl Nina vor allem eine Einzelgängerin mit ihren ganz eigenen Vorstellungen zur Polizeiarbeit agiert.
Die Ermittlungen in der Geschichte gehen zunächst nicht sehr schnell voran. Dennoch stellt sich nicht das Gefühl unendlicher Längen ein. Das Interesse wird durch Schreibstil und Kapitelaufbau durchgehend am Laufen gehalten.

Mein Fazit

Der zweite "SØG-Teil" ist eine gelungene Fortsetzung. Hier kommen tolle Charaktere und eine sich immer größer aufbauende, sehr gut konstruierte Handlung zusammen. Irritierend ist zunächst die zeitliche Einordnung, auf die man nicht vorbereitet wird. Trotzdem bliebt alles nachvollziehbar und ergibt insgesamt einen sehr ausgewogenen und empfehlenswerten Thriller.

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Veröffentlicht am 16.11.2021

Mit Begeisterung ins Netz gegangen

Teufelsnetz
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Das Teufelsnetz nimmt den Leser recht schnell gefangen und lässt ihn erst auf der letzten Seite wieder los. Max Seeck spinnt hier eine sehr spannende Geschichte, inklusive raffinierter Kniffe, toller Charaktere ...

Das Teufelsnetz nimmt den Leser recht schnell gefangen und lässt ihn erst auf der letzten Seite wieder los. Max Seeck spinnt hier eine sehr spannende Geschichte, inklusive raffinierter Kniffe, toller Charaktere und einer unerwarteten Auflösung.

Zum Inhalt

In Helsinki verschwinden zeitgleich die beiden erfolgreichen Blogger Lisa Yamamoto und Jason Nervander. Mit diesem Vermisstenfall wird Jessica Niemi aus dem Gewaltdezernat der Polizei in Helsinki beauftragt. Zusammen mit ihrem Partner Jusuf macht sie sich auf die Suche nach ersten Hinweisen. Sind die beiden Blogger vielleicht absichtlich für die eigene Publicity von der Bildfläche verschwunden ? Oder steckt doch ein Verbrachen dahinter und leben die beiden Vermissten überhaupt noch ?
Kurze Zeit später wird die Leiche einer jungen Frau am Strand gefunden. Sie ist wie ein Manga-Mädchen gekleidet und trägt ein rätselhaftes Brandmal. Jessica und ihre Kollegen vermuten bald einen Zusammenhang und stoßen dann auf ein skrupelloses, geheimes und gefährliches Netzwerk.

Mein Eindruck

Max Seeck konnte mich mit diesem Thriller rundum begeistern. Gleich zu Beginn stellen sich um die verschwundene Lisa Yamamoto viele Fragen, die sowohl Leser als auch die Protagonistin noch viele, viele Seiten lang beschäftigen werden. Mitunter sind es nur Kleinigkeiten, die einer verfahrene Situation wieder neuen Antrieb geben. Es sind aber auch die zahlreichen schwelenden Konflikte der toll gestalteten Charaktere, die Neugier wecken. Es gibt in jedem der kurzen Abschnitte etwas Neues oder Unerwartetes zu Entdecken.
Thematisch geht es um die kriminelle Machenschaften eines Menschenhändlerringes. Die hier beschriebenen Vorgehensweisen erscheinen letztlich so realistisch, dass selbst die bekanntesten Social-Media-Plattformen plötzlich als Vermittler für obskure und schreckliche Geschichten betrachtet werden könnten. Man muss also gar nicht mal immer nur an das Darknet denken, dem diese Rolle üblicherweise zufallen würde.
Jessica Niemi, die Protagonistin, ist eine Persönlichkeit mit einer sehr speziellen Vergangenheit und einer besonderen Lebenssituation, die mir bisher auch noch nicht untergekommen ist. Aber auch ihre Kolleginnen und Kollegen sind sehr gut gezeichnet. Alle polizeilichen Charaktere erhalten ihre ganz eigenen Momente und bekommen ihren ganz individuellen Anteil an der Geschichte, was mir sehr gefällt. Dabei ist dies keine Selbstverständlichkeit, denn das Zusammenspiel des Teams ist auf Grund der Konflikte gar nicht so einfach.
Die Sprache empfinde ich als sehr angenehm. Auch Erzähltempo und die eingestreuten Perspektivwechsel tragen zu einem tollen und mitfiebernden Leseerlebnis bei.
Wie ich feststellen durfte, ist "Teufelsnetz" der zweite Band der Jessica-Niemi-Reihe. Dies war mir zu Beginn der Lektüre noch gar nicht bewusst. Diese Geschichte kann aber vollkommen unabhängig gelesen werden. Sie macht Lust auf den ersten Teil und noch mehr auf sicher noch folgende Bände.

Mein Fazit

Diesem Thriller bin ich von der ersten bis zur letzten Seite ins Netz gegangen. Sowohl die raffiniert konstruierte Geschichte, die liebenswerten Charaktere, die Erzählsprache und -tempo sind hervorragend aufeinander abgestimmt und trifft hier zielgenau meinen Geschmack. Ich möchte diesen Thriller mit besten Wissen und Gewissen für Genreliebhaber empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.11.2021

Für mich weniger ein Mutmacher

Mut zur Lebensführung
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"So gehst Du in Deinem Leben in Führung". Peter Holzer möchte uns den Weg aus der "Lebens-Führungs-Krise" weisen und uns dazu bringen, wieder Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen. Die Menschen ...

"So gehst Du in Deinem Leben in Führung". Peter Holzer möchte uns den Weg aus der "Lebens-Führungs-Krise" weisen und uns dazu bringen, wieder Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen. Die Menschen würden oft nur rumjammern und in einer Opferrolle verharren.

Der Ratgeber "Mut zur Lebensführung" ist im GABAL - Verlag erschienen. Auf rund 250 Seiten beschreibt Autor Peter Holzer auf Basis seiner persönlichen Lebensgeschichte und seiner Tätigkeit als Coach und Berater von potenten Unternehmern, wie es aussehen kann, wenn man die Führung seines eigenen Lebens verliert. Er erläutert und beschreibt zunächst je sieben Todsünden und Todfeinde, die im Weg stehen können. Anschließend werden sieben Regeln für mutige Anführer aufgeführt und beschrieben, um gleich darauf mit je sieben Wegelagerern und Verbündeten in Kopf und Herz den Bogen weiter zu spannen.

Peter Holzer gelingt es, in einer klaren Sprache und klaren Thesen den Leser gut zu unterhalten. Das Buch ist von vorne bis hinten sehr eingängig zu lesen, ohne langweilig zu wirken. Die recht kurzen Unterabschnitte tragen zu einer hohen Übersichtlichkeit bei. Der Aufbau des Buches hat aber Fragen aufgeworfen. So kommen mir die Inhalte zusammengewürfelt und durcheinander vor. Mir fehlt der große rote Faden - die Leitlinie, die mich zielgerichtet durch den Ratgeber führt.

Inhaltlich hat mich dieser Ratgeber ebenfalls nicht überzeugen können. Das Buch verspricht Wege und Möglichkeiten, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, um gar nicht erst in eine "Führungs-Krise" zu geraten oder wieder herauszukommen. Abschließend betrachtet ist dieses Versprechen aber nicht erfüllt worden. Es gibt im Wesentlichen zwei Kernaussagen, die wirklich helfen können. Sich einen Horizont setzen, also sich bewusst darüber sein, in welche Richtung das eigene Leben laufen soll. Und die Konzentration auf das Hier-und-Jetzt. Also in der Gegenwart leben und alles daran zu setzen, dass es in der Gegenwart gut läuft.

Weitere wertvolle Hinweise kommen zu kurz oder besser gesagt gehen sie unter. Sie werden als kleine Zusammenfassungen in grauen Kästen am Ende jeden Unterabschnittes genannt und kurz beschrieben. Belegt und erklärt werden sie jeweils zuvor mit gesamtgesellschaftlichen Problemen und persönlichen Sichtweisen und Erfahrungen des Autors. Ich habe hier eher den Eindruck gewonnen, dass die Zielsetzung des Buches verloren gegangen ist und ein eigenes Meinungsbild niedergeschrieben worden ist. Als Leser fühlte ich mich nur wenig angesprochen und eingebunden. Ich hätte mir anstelle vorgefertigter Antworten und Gesichtspunkten, lieber viele offene Fragen an den Leser gewünscht. So könnte man sich viel intensiver - durch die eigene Brille sozusagen - mit dem Thema und den Aussagen des Autors auseinandersetzen.

Einige der Aussagen des Autors kann man letztlich auch unter "schon mal gehört" einordnen. Teilweise sind sie anderes verpackt, was hier und da ganz spannend ist. Andere Thesen sind aus einer anderen, ungewöhnlichen Richtung gedacht. Daher kann sich die Auseinandersetzung mit dem Buch durchaus lohnen.

Die Bewertung fällt mir hier zugegeben sehr schwer. Ich habe mich trotz aller hier aufgeführten Punkte sehr gut unterhalten gefühlt. Überzeugen oder begeistern konnten mich aber weder Autor noch Inhalt. Gut gemeinte drei Sterne halte ich daher für angemessen. Das ist natürlich meine ganz persönliche Einschätzung. Anderen Menschen wird dieses Buch vielleicht sehr viel mehr geben können.

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Veröffentlicht am 20.10.2021

Zwischen den Zeilen steht so viel mehr

Die Dornen der Stille
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"Die Dornen der Stille" von Astrid Korten ist ein Psychothriller, der den eigenen Kopf sowohl inhaltlich als auch tiefgründig zum Rotieren bringen kann. Eine beeindruckende, spannende und starke Geschichte ...

"Die Dornen der Stille" von Astrid Korten ist ein Psychothriller, der den eigenen Kopf sowohl inhaltlich als auch tiefgründig zum Rotieren bringen kann. Eine beeindruckende, spannende und starke Geschichte mit einer Auflösung, die sehr raffiniert um die Ecke kommt.

Zum Inhalt

Alexander Martin ist Drehbuchautor und 63 Jahre alt. Er geht zur Polizei in Vancouver und trifft dort auf Inspector Constable Abbott. Alexander möchte durch seine Aussage ein Verbrechen verhindern und hat sein Tagebuch mitgebracht. Hiermit beginnt eine unglaubliche Reise in Alexanders Vergangenheit. Wir erhalten zunächst einen Einblick in Alexanders Kindheit und Jugendtage, um dann seinen weiteren Werdegang und seine Beziehungen zum weiblichen Geschlecht zu verfolgen. Im Gespräch mit dem Inspector bleibt nicht lange verborgen, dass sein Weg gesäumt ist von Geheimnissen, Trauer und rätselhaften Ereignissen. Und irgendwie kreist alles auch um Alexanders Pflegebruder David.

Mein Eindruck

Astrid Korten hat in diesem Psychothriller eine spannende Lebensgeschichte verpackt. Die Geschichte verstrickt Alexanders wichtigsten Begegnungen mit einer dunklen Mischung aus Verbrechen und merkwürdigen Unglücksfällen. Der offenkundige Zusammenhang zum Pflegebruder ist allgegenwärtig, aber ganz und gar nicht greifbar. So bleibt die Geschichte für den Leser bis zum Schluss rätselhaft und spannend. Sie weckt Neugier und lässt den Leser nicht los. Jeder Abschnitt lädt aktiv zum Mitdenken und Miträtseln ein.
Einfach ist das Verfolgen der Geschichte aber nicht immer. Alexanders Leben mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Begegnungen und Charakteren, möchte hier beim Leser im Kopf geordnet werden. Hinzu kommen Geschehnisse und Ereignisse, die dann nach einer Lösung rufen. Man sollte möglichst am Ball blieben und auf grobe Ablenkungen ganz verzichten.
Nach ein paar Seiten der Eingewöhnung durfte ich feststellen, dass Astrid Korten sehr angenehm flüssig, verständlich und konkret schreibt. Sie bleibt immer nah am roten Faden und schweift auch nicht ab. Das hat das Lesen sehr unterstützt. Sie lässt Raum für eigene Spekulationen über die Handlung, aber vor allem auch Raum sich ganz eigene, tiefere Gedanken zu machen. Gedanken über Dinge, die unter der eigentlichen Story fast verborgen bleiben, aber den tieferen Sinn beinhalten. Gedanken über Menschen, deren Beziehungen, deren Handlungen und Nicht-Handlungen.

Mein Fazit

Eine großartig verzwickte Lebensgeschichte zum Mitdenken und einem tiefer gehenden Hintergrund. Angenehm aufbereitet und serviert. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 01.03.2019

Unglückliche Schicksale, der Tod und ein wenig Hoffnung

1793
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Schicksale, die Menschen verändern und Abgründe, die im Jahr 1793 offen an den Tag treten. Eindrucksvoll beschrieben, schonungslos inszeniert und unfassbar gut in einem Roman verpackt.

Zum Inhalt:

In ...

Schicksale, die Menschen verändern und Abgründe, die im Jahr 1793 offen an den Tag treten. Eindrucksvoll beschrieben, schonungslos inszeniert und unfassbar gut in einem Roman verpackt.

Zum Inhalt:

In den Fatburen, der Stadtkloake Stockholms im Jahre 1793, treibt ein Bündel mit grausamen Inhalt. Es ist ein Mann mit blonden Haaren, dem beide Arme und Beine fehlen. Statt seiner Augen hat er nur noch zwei leere Höhlen im Kopf.
Mickel Carrell, ein einarmiger, gerne betrunkener Krüppel ist es, der die Leiche aus dem abstossendem See fischt und in den nächsten Wochen mit Cecil Winge versucht, den Tod des blonden Mannes aufzuklären. Cecil Winge ist ein von der Tuberkulose gezeichneter Mann, der sich aber durch seine intelligenten Geist und Gerechtigkeitsliebe auszeichnet. In der Polizeikammer wird bereits auf sein Todesdatum gewettet.
Als beide feststellen, dass der Leiche ihre Gliedmaßen nicht mit Gewalt, sondern ganz bewusst und eines nach der anderen chirurgisch einwandfrei abgenommen wurde, steht das Schicksal dieses Toten im Mittelpunkt allen Interesses.

Mein Eindruck:

Niklas Natt och Dag erster veröffentlichter Roman hat es in sich. Er lässt sich nicht in eine einzige Schublade stecken und verblüfft mit Inhalten aus Krimi, Thriller und historischem Roman. So spielt die Geschichte in dem abgeschlossenem Jahr 1793 in Schweden. Reale Geschehnisse und seine Fiktion verschmelzen hier zu einem eindringlichen und spannenden Roman, erzählt in vier losen, aber zusammenhängenden Teilen.
Niklas Natt och Dag gelingt es die Schicksale seiner Figuren durch ihre bewegende Lebensgeschichten mehr als lebendig zu machen. Die Willkür und die Zufälle, die jeweils hinter seinen Figuren stehen, machen fassungslos. Alle Charaktere haben für sich ein schweres Los. Cecil Winge ist dem Tod geweiht, der Tote aus der Stadtkloake erzählt seine traurige Geschichte, genauso wie seine Peiniger. Dies macht diesen Roman - zusammen mit der beeindruckenden Art Geschichten zu erzählen - zu etwas ganz Besonderem.
Da der Autor seine Geschichte durch seine Figuren erzählt, wirkt hier alles sehr stimmig. Es gelingt ihm, ein sehr hohes Maß an Spannung aufzubauen, was zum einen an der unfassbaren Skrupellosigkeit oder an der unfassbaren Aussichtslosigkeit liegen mag. Mir persönlich gelang es beim Lesen nicht, in Lesepausen größeren Abstand zu dieser Geschichte zu gewinnen.
Der Schreibstil und die allgemeinen Beschreibungen der Handlungsorte und der Zeit lassen in das Jahr 1793 eintauchen. Die gesamte Geschichte wirkt vollkommen authentisch und natürlich. Lediglich die Auflösung am Schluss kann als etwas ausführlich erklärend etwas konstruiert wirken.

Fazit:

1793 ist ein lohnenswerter aber nicht ganz leicht verdaulicher Lesegenuss, der sich inhaltlich und handwerklich aus der Masse hervorheben kann. Der Einfluss mehrerer Genres ist für diesen Roman ein großer Gewinn.