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Veröffentlicht am 30.08.2018

Eine große umfassende und blumige Familiengeschichte

Buskaschi oder Der Teppich meiner Mutter
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Eine große umfassende und blumige Familiengeschichte, die in ein Land entführt, welches man selten im positiven Licht sieht, hört oder liest.

Afghanistan.

Vorweg, wer sich an dieses Hörbuch wagt, muss ...

Eine große umfassende und blumige Familiengeschichte, die in ein Land entführt, welches man selten im positiven Licht sieht, hört oder liest.

Afghanistan.

Vorweg, wer sich an dieses Hörbuch wagt, muss über 25 Stunden Zeit haben. Zeit für all die vielen bunten, ausschweifenden und sehr detaillierten Beschreibungen der Familie, der Traditionen und des Lebens.

Der Autor packt so viele Personen, Orte und Erlebnisse in diese Geschichte, dass man zu tun hat ihm zu folgen. Es fiel mir schwer, mir die ganzen Namen und die Verwandtschaftsgrade zu merken. Leider hatte das Hörbuch kein Booklet mit einer kleinen Übersicht, was hier jedoch sehr hilfreich gewesen wäre.

Die Geschichte wird sehr opulent erzählt, d.h. der Autor erzählt nicht nur, sondern er malt Bilder für seinen Leser/Zuhörer und diese sind laut, bunt und exotisch. Sie sind sehr kraftvoll und beeindruckend, aber auch teilweise erschlagend und sehr ausschweifend. Häufig werden Figuren aus Sagen, alten Geschichten des Landes und zahlreiche Metaphern verwendet. Wer sich (wie ich) nicht so gut mit der Geschichte des Landes auskennt, könnte hier Probleme beim Nachvollziehen und Verstehen bekommen. Gerade in der Mitte des Hörbuches hatte ich ein kleines Tief, da ich die vielen Details nicht mehr aufnehmen konnte. Ich empfand es fast schon als anstrengend, obwohl mich gerade die ganzen Informationen über das Land, das Leben der Menschen und der Politik sehr interessiert haben.

Ich habe es nicht bereut mir die Zeit zu nehmen, um dieses Land, die Familie und die Traditionen kennenzulernen. Es hat dafür gesorgt, dass das Land von mir nicht mehr nur aus einem Blickwinkel gesehen wird.

Wer große Familiengeschichten mit vielen Charakteren in blumiger Sprache geschrieben, mag, sollte hier zugreifen.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Interessante Geschichte

Der Liebhaber meines Mannes
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Ende der 50er Jahre. Eine Frau und zwei junge Männer, die sich lieben, aber nicht gemeinsam leben können. Marion liebt Tom seit Jahren. Doch er weiß anfangs nichts von ihrer Liebe und Schwärmerei. Er mag ...

Ende der 50er Jahre. Eine Frau und zwei junge Männer, die sich lieben, aber nicht gemeinsam leben können. Marion liebt Tom seit Jahren. Doch er weiß anfangs nichts von ihrer Liebe und Schwärmerei. Er mag sie als Freundin, mit der man gut reden kann, aber Gefühle hegt er für Patrick, einen Museumsleiter. Für Tom sind die Gefühle neu und auch beängstigend, denn in den konservativen 50er Jahren galt der Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Personen als unzüchtiger Handlungsakt. So kommt es, dass Tom und Marion heiraten und Marion sich Tom teilen muss. Sie ahnt es, doch sie verdrängt es. Sie will es nicht wahrhaben. Und dann begeht sie einen schweren Fehler, der das Leben der drei Menschen beeinflusst.

Ich habe einige Seiten gebraucht, um mit der Geschichte und dem Schreibstil zu Recht zu kommen. Doch nach knapp 40 Seiten waren mir die Figuren vertrauter und verständlicher. Man muss sich beim Lesen immer die Zeit vor Augen halten, denn die Ansichten und Dialoge sind teilweise sehr steif und aus heutiger Sicht veraltet. Es ist kaum zu glauben, dass man wegen Homosexualität ins Gefängnis kommt, seinen Job verliert und Menschen sich abwenden. Auch das "Aberziehen" oder Therapieren der „Krankheit“ wird mit angesprochen (wenn auch nur kurz).

Bethan Roberts schafft es, dass man in die 50er versetzt wird. Die Dialoge, die Beschreibungen und Handlungen sind sehr realistisch. Die verschiedenen Erzählperspektiven waren interessant, doch war es nicht immer sofort erkennbar, aus wessen Perspektive gerade erzählt wird. Hier wären kleine Überschriften oder Initialen gut gewesen. Das Buch hat zum Ende zu seine kleinen Längen, jedoch finde ich es trotzdem lesenswert.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Der Funke sprang nicht so richtig über

Finstere Geschäfte
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Für die Sozialarbeiterin Lena kommt alles auf einmal. Sie erfährt von dem Selbstmord ihrer Arbeitskollegin und sie hat Liebesprobleme. Die Autorin lässt diese Handlungsstränge parallel laufen. Dazu kommen ...

Für die Sozialarbeiterin Lena kommt alles auf einmal. Sie erfährt von dem Selbstmord ihrer Arbeitskollegin und sie hat Liebesprobleme. Die Autorin lässt diese Handlungsstränge parallel laufen. Dazu kommen immer wieder Texte in kursiver Schrift, die mit den beiden Handlungssträngen scheinbar nichts zu tun haben. Diese Texte geben jedoch die gewalttätigsten Szenen wieder. Frauen werden entführt, misshandelt, missbraucht und verschleppt.

Auf der anderen Seite steht das Liebesleben von Lena. Zwei Frauen spielen eine wichtige Rolle in ihrem Leben, aber beide entfernen sich immer mehr von ihr. Dafür tritt ein Mann in ihr Leben, der ihr Gefühlskarussell zum Drehen bringt. Und nun kommt noch der Selbstmord der Kollegin hinzu. Lena kann es nicht glauben und versucht in Erfahrung zu bringen, was die letzten Arbeiten von Emilia waren. Deren Schwester Christine ist ebenfalls nicht von der Selbstmordtheorie überzeugt. Und tatsächlich stossen sie auf Ungereimtheiten.

Ich fand den Krimi trotz der vielen Handlungsstränge etwas zäh und schleppend. Die Geschichte brauchte fast 100 Seiten, um in Fahrt zu kommen. Trotz eines guten Schreibstils konnte mich Lena nicht so richtig packen und mitziehen. Zwar hat die Autorin die Charaktere gut beschrieben und auch etliche Ecken und Kanten bei ihnen mit eingebaut, jedoch blieb mir die Hauptfigur Lena irgendwie fremd. Die Szenen rund um den Menschenhandel waren schockierend und wirkten sehr realistisch und bedrückend. Auch die Verknüpfungen von Veruntreuung von Geldern, falschen Abrechnungen sowie Menschenhandel und Missbrauch fand ich gut, jedoch hatte es sich etwas gezogen. Die Auflösung der ganzen Stränge kommt recht spät in der Geschichte und dann folgten die Szenen Schlag auf Schlag. Die letzten Seiten wirkten wie Abarbeiten von noch offenen Punkten und standen damit im Gegensatz zum etwas zähen Anfang.

Insgsamt ist die Geschichte gut durchdacht und geschrieben. Auch die Themen sind nicht einfach und recht realistisch. Trotzdem sprang bei mir leider nicht der Funke über.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Lesenswerte Geschichte

Der Ruf der Bäume
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Tracy Chevalier nimmt den Leser diesmal mit auf die Reise durch die USA und zu den Bäumen. Es beginnt mit den Äpfelbäumen im Sumpfgebiet und der verzweifelte Kampf gegen den Sumpf, gegen den Tod, der ...

Tracy Chevalier nimmt den Leser diesmal mit auf die Reise durch die USA und zu den Bäumen. Es beginnt mit den Äpfelbäumen im Sumpfgebiet und der verzweifelte Kampf gegen den Sumpf, gegen den Tod, der durch die Mücken kommt und für die Äpfel und das Leben. Doch nicht jeder Kampf kann gewonnen werden, so dass sich Robert Goodenough von der Familie löst. Er reist von Station zu Station, macht verschiedene Jobs, fährt ein und dann trifft er auf einen Bäumesammler. Damit beginnt die Geschichte des Robert Goodenough.

Durch Tracy Goodenough lernt man viel über die größten Bäume in den USA. Man erfährt, wie man sie unterscheidet, verpackt und pflegt. Wie schon bei den "Zwei bemerkenswerten Frauen" schafft es der besondere Schreibstil von Tracy Chevalier, dass man wie gebannt weiterliest, obwohl man sich vielliecht nicht ganz so sehr für Bäume & Co. interessiert. Aber die Charaktere fordern das Weiterlesen und die Geschichte verliert durch ihre vielen kleinen Wendungen nicht an Spannung.

Ein lesenswertes Buch, welches zwar nicht so stark wie "Zwei bemerkenswerte Frauen" ist, aber trotzdem sehr gut unterhält und den Geist der Zeit gut widerspiegelt.

Veröffentlicht am 26.08.2018

Erschreckend flach und klischeebeladen.

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
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570 Seiten können wirklich lang sein. Besonders dann, wenn das Buch so klischeebeladen, kitschig und flach ist, dass man es am liebsten weglegen würde. Kennt ihr das? Man liest ein Buch und hat ständig ...


570 Seiten können wirklich lang sein. Besonders dann, wenn das Buch so klischeebeladen, kitschig und flach ist, dass man es am liebsten weglegen würde. Kennt ihr das? Man liest ein Buch und hat ständig das Gefühl, dass man die Story irgendwo schon einmal gelesen, gehört oder gesehen hat. Mir ging es hier so. Ich dachte mir immer wieder, das kennst du doch. Da das Buch noch nicht lange auf dem Markt ist, konnte ich es nicht schon gelesen haben. Also, woher nur? Mittlerweile weiß ich es und der Film wurde zu einem Dreiteiler. Das sollte man jedoch bei diesem Buch lassen.

Ich muss zugeben, dass es hier kaum eine Figur gab, die mich wirklich begeistert hat. Die Hauptcharaktere waren oberflächlich und farblos. Annika war mir zu egoistisch, wehleidig und wenig sympathisch. Sie drehte sich einfach zu oft um sich selbst und alle anderen mussten mit. Die Schule, die Schüler/innen und die AG waren nur schwer zu ertragen, da sie nur so vor Klischees strotzten. Natürlich spielte die Liebe (die einzig große und wahre Liebe, die Jugendliebe usw.) eine große Rolle und wurde dafür auch sehr auseindergezerrt. Leider gabe es keine Überraschungsmomente, denn man wußte schon recht früh, wie es ausgehen wird (inkl. der Verzögerungen am Ende).

Ich hatte mehr erwartet und hoffe, dass die anderen Bücher (liegen auf dem SUB) von Petra Hülsmann besser sind.