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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2026

Krimi in ungewöhnlichem Stil

Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord
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Ein Krimi in einem Krimi: Eleanor ist Autorin und schreibt über ihren ehemaligen Urlaubsflirt Connor - aus einer kleinen Geschichte wird nur unerwarteterweise eine sehr erfolgreiche Buchreihe. Dazu erpresst ...

Ein Krimi in einem Krimi: Eleanor ist Autorin und schreibt über ihren ehemaligen Urlaubsflirt Connor - aus einer kleinen Geschichte wird nur unerwarteterweise eine sehr erfolgreiche Buchreihe. Dazu erpresst Connor sie auch noch seit Jahren, kein Wunder also, dass sie seine Buchfigur endlich um die Ecke bringen will. Dumm nur, dass jemand genau dies während einer Lesereise nach Italien auch anscheinend mit dem echten Connor plant...
Der Stil des Buches ist sehr ungewöhnlich: Zunächst gibt es laufend Fußnoten wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Dort schreibt Eleanor zusätzliche Informationen, Anmerkungen, Hinweise oder einfach nur weitere Gedanken hinein. Während ich dies zu Beginn noch interessant und ganz lustig fand, hat es mich später zunehmend genervt, da der Lesefluss immer wieder unterbrochen wurde, besonders bei teilweise drei Fußnoten auf einer Seite.
Dazu versucht Eleanor auf dieser Reise ihr nächstes Buch zu schreiben, dementsprechend gibt es immer wieder auch Auszüge aus ihren Überlegungen in Form eines Exposé. Diese fand ich doch eher überflüssig, vielleicht hat es meinen Humor auch nicht so getroffen.

Generell mochte ich die Idee einer Autorin, die ihr neues Buch plant und dabei in echte Ermittlungen verwickelt wird, das hatte so ein schönes Meta-Gefühl. Wirklich warm bin ich mit den Charakteren jedoch nicht geworden, viele von ihnen sind nur recht oberflächlich charakterisiert worden, sodass ich weder groß mitfühlen konnte, noch richtig miträtseln. Es gibt einige Hinweise, mit denen ich persönlich jedoch nicht so viel anfangen konnte und die meine Neugier dadurch eher nicht so geweckt haben. Statt viel Handlung gibt es streckenweise auch oft nur Dialoge - diese waren teilweise ganz witzig und unterhaltsam zu lesen, teilweise aber auch leicht verwirrend, gerade wenn fünf oder mehr Personen beteiligt waren.
Die Handlungsorte in Italien waren schön gewählt, hätten aber gerne noch mehr beschrieben werden können, damit man sich richtig urlaubsmäßig hineinfühlen kann, das war leider etwas knapp.
Insgesamt eine ganz witzige Geschichte mit ein wenig Spannung, die stilistisch jedoch nicht komplett meinen Geschmack getroffen hat.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Tagebuch der Zerissenheit

Zugwind
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Jeder kennt die Nachrichtenbilder des Ukrainekriegs, doch wenige werden die Menschen dahinter wirklich kennen, die Geflüchteten, aber auch die zuvor schon Ausgewanderten.
Was fühlen sie, welche Gedanken ...

Jeder kennt die Nachrichtenbilder des Ukrainekriegs, doch wenige werden die Menschen dahinter wirklich kennen, die Geflüchteten, aber auch die zuvor schon Ausgewanderten.
Was fühlen sie, welche Gedanken schwirren ihnen im Kopf rum, was lässt ihnen keine Ruhe, wie kommen sie in diesem neuen Leben klar?
Die Autorin erkundet diese Fragen in einer Geschichte, die sich sehr persönlich anfühlt und liest.
Die Gedanken der Protagonistin Mira, einer jungen Ärztin, die schon einige Jahre vor dem Krieg nach Deutschland gezogen ist, wirken so wie die Gefühle der Autorin selbst und sind dadurch besonders authentisch und bewegend.

Der Schreibstil ist dabei sehr poetisch, auf fast jeder Seite kann man schöne Zitate finden, die einen tief treffen und die man auch öfters lesen möchte.
Es wirkt teilweise ein wenig wie ein Tagebuch, als ob man all den Gefühlen im Kopf einen weiteren Raum geben möchte indem man sie auf Papier bannt.
Dabei lernt man natürlich Miras Sicht sehr eindrücklich kennen und kann gut nachvollziehen, wie es ihr mit der Situation und all den schlimmen Dingen geht.
Darf man noch glücklich sein, wenn in der Heimat Menschen sterben? Oder muss man es sogar? Wie soll man so seine Rolle als Mutter, Ehefrau oder Ärztin erfüllen?
Dazu erzählt sie zusätzlich noch von all den Menschen, die geflüchtet sind, von ihren kleinen und großen Problemen im neuen Alltag und der Kriegssituation.
Man fühlt sich den Ukrainer*innen mit jeder Seite näher, das was bisher in der Distanz war wird einem hier berührend nähergebracht.
Dies ist kein Buch, das man schnell nebenbei zur Unterhaltung liest, stattdessen ein wunderschön geschriebenes Werk voller Emotionen und Wortschätzen.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Fragile Familienbande

Summer Storms
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Eine unglaubliche reiche Familie, ein verstorbener Vater und diverse Aufgaben um das Erbe zu bekommen - was soll schon schiefgehen?
Alice trifft auf der Familieninsel nach Jahren ihre Mutter und Geschwister ...

Eine unglaubliche reiche Familie, ein verstorbener Vater und diverse Aufgaben um das Erbe zu bekommen - was soll schon schiefgehen?
Alice trifft auf der Familieninsel nach Jahren ihre Mutter und Geschwister wieder, dazu lernt sie Jack kennen, mit dem sie eine Nacht verbracht hat, ohne zu wissen, dass er die Aufgaben fürs Erbe überwachen wird.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive von Alice erzählt, zwischendurch gibt es jedoch auch einzelne Kapitel aus der Sicht der Geschwister. Diese haben mir immer sehr gut gefallen und ich hätte gerne noch mehr davon gehabt, da man so die Nebencharaktere noch besser kennenlernen und verstehen konnte.

Das Erzähltempo habe ich zu Beginn als sehr angenehm empfunden, jeder Charakter wird nach und nach einzeln eingeführt, sodass man sich alle gut merken kann und gleichzeitig in die Handlung eintaucht. Es werden einige Fragen aufgeworfen, die neugierig machen und ein wenig Spannung aufbauen. Im Mittelteil flacht diese jedoch dann etwas ab und ich fand es teilweise sogar leicht zäh. Es passiert nicht wirklich viel, dafür gibt es immer wieder sehr lange Dialoge. Einerseits lerne ich die Personen gerne so besser kennen, andererseits hätte man sie auch durch mehr Handlungen zusätzlich charakterisieren können.
Im Fokus standen hier regelmäßig auch die Familienbeziehungen und ich fand es schön, diese zu erkunden und ihre Entwicklung zu verfolgen, besonders bei den Geschwistern gab es hier viele kleine schöne Momente.
Gar nicht packen konnte mich hingegen die Liebesgeschichte - ich habs einfach nicht gefühlt. Zu Beginn hatte es Potential, aber im weiteren Verlauf war für mich die Chemie nicht wirklich vorhanden, daher würde ich es als "Sommerromanze" eher nicht weiterempfehlen.
Wer jedoch einen Einblick in die Welt der Superreichen werfen und dabei Geschwisterbande erkunden möchte, der wird hier gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Richtig guter Ansatz mit schwächerem Verlauf

Mit anderen Augen
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Manchmal fühlt man sich einfach nicht richtig gesehen oder direkt ganz unsichtbar - in der Welt des Romans ist dies wörtlich zu nehmen. Überwiegend Frauen über 50 Jahren können an Unsichtbarkeit erkranken, ...

Manchmal fühlt man sich einfach nicht richtig gesehen oder direkt ganz unsichtbar - in der Welt des Romans ist dies wörtlich zu nehmen. Überwiegend Frauen über 50 Jahren können an Unsichtbarkeit erkranken, nach und nach werden ihre Körperteile unsichtbar. Auch Tilda ist hiervon betroffen, doch sie will es nicht akzeptieren und macht sich auf die Suche nach der Heilung.

Die Geschichte hat so gut begonnen, dann aber im Mittelteil und Ende leider wieder nachgelassen und ich finde es richtig schade.
Zu Beginn überzeugen die Protagonistin sowie die Nebencharaktere mit wunderbarer Selbstironie und tollem Humor, man findet sie direkt sympathisch und kann sowohl die Familienbande als auch die Freundinnenschaften echt feiern.
Dazu werden extrem wichtige gesellschaftskritische und feministische Themen auf eine gleichzeitig unterhaltsame und doch emotionale und leicht anklagende Art aufgegriffen, sodass man durch die Seiten fliegt und dabei noch viel Stoff zum Nachdenken findet. Genau wie Tilda kann man gut über sich selbst reflektieren und wertvolle Lektionen für das eigene Leben mitnehmen.

Irgendwann im Mittelteil hat mir der Wandel der Erzählung dann aber nicht mehr so gut gefallen: Es wirkt ein wenig wie ein Selbsthilferatgeber, dazu werden (für meinen Geschmack zu viele) Elemente der Meditation eingebaut und dies in Kombination als Wundermittel verkauft. Ich persönlich konnte damit nicht so viel anfangen und fands auch schade, dass sich Probleme viel zu einfach wieder lösen. Die Bezeichnung des Klappentextes als "Märchen" ist hier echt passend, auch wenn es ganz anders angefangen hat.
Eine andere Richtung hätte das Buch überragend machen können, so wird es mir leider nur als ganz nette Unterhaltung im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Obsessionen und Selbstfindung

Spielverderberin
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Auf zwei Zeitebenen bekommen wir einen kleinen Einblick in die Leben dreier Freundinnen: Sophie, Romy und Lotte stehen zunächst kurz vor dem Abi, vier Jahre später haben sich ihre Wege getrennt - doch ...

Auf zwei Zeitebenen bekommen wir einen kleinen Einblick in die Leben dreier Freundinnen: Sophie, Romy und Lotte stehen zunächst kurz vor dem Abi, vier Jahre später haben sich ihre Wege getrennt - doch was hält die Zukunft für sie parat, was verbirgt sich in der Vergangenheit?
Der Aufbau ist geschickt gestaltet, die beiden Zeitebenen wechseln sich in der Erzählung ab, während in beiden das Geschehen weiterläuft und in der Vergangenheitsebene auf die Auflösung des Geheimnisses hinsteuert.
Dieses wird immer wieder angedeutet, macht neugierig und baut leichte Spannung auf, drängt sich jedoch auch nicht in den Vordergrund wie bei einem Thriller, weshalb man am Ende auch keine krasse Auflösung benötigt.

Auch der Schreibstil hat mir gefallen, die Sätze sind überwiegend eher kurz, aber tragen Gewicht und können auch oft ohne große Worte viel Bedeutung vermitteln.
Passend dazu ist der Text in kurze Abschnitte gegliedert, die man so wunderbar wie kleine Häppchen konsumieren kann. Von daher ist dieses Buch eher keins, das man schnell wegliest, sondern eher eins, das man langsam liest und wirken lässt.
Hierbei wird dadurch auch eine besondere Atmosphäre vermittelt, es ist ein wenig bedrückend und angespannt, mit positiveren Unterbrechungen.
Die Gefühle der Charaktere, insbesondere Sophies, kommen dadurch umso besser rüber. Ich persönlich habe weniger mitgefühlt, dafür konnte ich als Beobachterin alles gut nachvollziehen.
Themen wie Obsessionen, Freundinnenschaften, Selbstfindung von jungen Erwachsenen, Verlorensein und dem Wunsch dazugehören zu wollen werden anschaulich dargestellt und authentisch beschrieben.
In einigen Dingen konnte ich mich auch selbst wiedererkennen, sowohl gefühlsmäßig als auch bei Punkten der Lebensgeschichten.
Die literarische Beschäftigung mit dem Thema Dorf-/Stadtkind fand ich daher sehr interessant, auch wenn ich vieles anders sehen würde als die Protagonistin.
Insgesamt ein eher ruhiges Buch mit versteckter Tiefe, das leicht poetisch anmutet und dem man daher Zeit geben sollte, um richtig zu wirken.

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