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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2026

Leben in Erinnerungen

Das Buch der verlorenen Stunden
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Eine Bibliothek der Erinnerungen und zwei Mädchen, die zu unterschiedlichen Zeiten dort zu Zeithütern werden. Diese entscheiden, welche Erinnerungen im Gedächtnis der Menschheit bestehen bleiben, eine ...

Eine Bibliothek der Erinnerungen und zwei Mädchen, die zu unterschiedlichen Zeiten dort zu Zeithütern werden. Diese entscheiden, welche Erinnerungen im Gedächtnis der Menschheit bestehen bleiben, eine ebenso faszinierende wie gefährliche Fähigkeit. Was folgt ist ein schöner Mix aus Ausflügen in vergangene Epochen, viel Fantasie und Emotionen, Politik und Spionage und zuletzt auch ein wenig Liebe.
Für mich lag die Stärke dieses Buches hauptsächlich in seiner Grundidee sowie der geschaffenen Atmosphäre. Es wird alles eher ruhig erzählt ohne "klassische" Spannung, mit einem leicht poetischen Schreibstil. Man kann gut in diese Welt der Erinnerungen und Bücher eintauchen, verliert dabei aber auch nie den Bezug zu der Realität und den uns bekannten historischen Ereignissen.
Dies führt jedoch auch dazu, dass manche Passagen dann doch etwas langsam erscheinen, dies hat mich jedoch nicht übermäßig gestört.

Das Grundkonzept war schön umgesetzt, allerdings war nicht immer alles sehr eindeutig, besonders hinsichtlich der magischen Elemente. Dies war vor allem zu Beginn des Buches manchmal noch etwas verwirrend und beim Lesen ging es mehr um die hervorgerufene Stimmung als um das komplette Verstehen.
Dafür hat die Geschichte gut zum Nachdenken angeregt, man konnte immer wieder mal innehalten und die Worte auf sich wirken lassen.
Eine schöne und interessante Geschichte, der jedoch noch das gewisse Etwas fehlt.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Durch Illusionen verborgen

Heir of Illusion
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Ivy ist eine talentierte Assassine und verfügt dazu noch über ganz besondere Illusionsmagie - und doch kann sie dem König nicht entkommen. Schuld daran ist ein Halsring, den niemand außer dem König entfernen ...

Ivy ist eine talentierte Assassine und verfügt dazu noch über ganz besondere Illusionsmagie - und doch kann sie dem König nicht entkommen. Schuld daran ist ein Halsring, den niemand außer dem König entfernen kann. Ein gestohlenes Schwert verspricht Erlösung, doch auch Seelenfänger Thorne sucht danach...
Zunächst muss ich die Gestaltung des Buches loben: Der Farbschnitt passt gut zum (ansonsten eher generischen) Cover, dazu gibt es eine farbige Karte sowie einige hübsche Illustrationen. Ein Personenregister wäre besonders am Anfang jedoch noch ganz nützlich gewesen, da man doch so einige Charaktere kennenlernt.

Die Welt und ihre verschiedenen Systeme fand ich von Anfang an echt interessant und spannend: Es gibt Götter, Göttererben, verschiedene Inseln mit unterschiedlicher Magie, dabei noch Unterarten der Magie, verzauberte Gegenstände... noch mehr Infos hierzu wären toll gewesen, hätten eventuell aber auch zu viel verraten, daher bekommen wir hierzu vermutlich im nächsten Band noch tiefere Einblicke.
Von Beginn an kann man auch gut miträtseln, es gibt viele offene Fragen und dann ist doch alles anders, als man denkt. Ich wurde schon lange nicht mehr von einem Buch so in die Irre geführt und überrascht, inklusive fiesem Cliffhanger.

In diesem ersten Band werden die Grundsteine für die folgende Handlung gelegt: Man lernt die Charaktere und die Welt kennen, lüftet schon einige Geheimnisse und trotzdem wird es nicht langweilig. Sehr spannende Szenen wechseln sich mit eher ruhigeren Momenten ab, Charaktere und ihre Beziehungen werden gleichzeitig mit der Handlung weiterentwickelt.
Ivy als Protagonistin mochte ich sehr, sie lässt sich nicht unterkriegen, hat aber auch ihre schwachen Momente, was zu schönen Interaktionen mit Thorne führt. Die Wortgefechte zwischen den Beiden waren immer amüsant zu lesen und man merkte richtig, dass da die Chemie stimmt.
Aber auch die Beziehungen zu den Nebencharakteren kamen nicht zu kurz, einige davon sind mir schon ein wenig ans Herz gewachsen.
Ein toller erster Band, ich kann die Fortsetzung kaum erwarten!

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Vertraue niemandem

Das Signal
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Als großer Poznanski-Fan war ich echt gespannt, welches Thema sie diesmal als Grundlage für ihren Thriller gewählt hat und diesmal haben wir gleich zwei Schwerpunkte: Winzige GPS-Tracker und das Leben, ...

Als großer Poznanski-Fan war ich echt gespannt, welches Thema sie diesmal als Grundlage für ihren Thriller gewählt hat und diesmal haben wir gleich zwei Schwerpunkte: Winzige GPS-Tracker und das Leben, nachdem man ein Bein verloren hat.
Viola lebt zusammen mit ihrem Ehemann Adam das nach außen hin perfekte Leben, beide beruflich erfolgreich, attraktiv und im Auge der Öffentlichkeit. Dass Viola bei einem Unfall dann jedoch ihr Bein verliert und keinerlei Erinnerung mehr an den Vorfall hat, ruiniert dieses perfekte Bild dann allerdings doch ein wenig, auch wenn Adam sich viel Mühe zu geben scheint. Doch kann sie ihm wirklich noch trauen? Moderne GPS-Tracker könnten die Antwort liefern...

Der Schreibstil ist genauso gut wie immer, man fliegt quasi durch die Seiten. In scheinbar "normale" Abschnitte mischen sich gut gestreute kleine Hinweise, die man jedoch zuerst nicht wirklich zuordnen kann. Von Anfang an stellt man sich viele Fragen und die Neugier treibt einen immer dazu, doch einfach noch ein Kapitel zu lesen, typisch für Poznanski-Bücher.
Etwas schade fand ich hier jedoch, dass man mit ein wenig Fachwissen recht schnell erraten kann, worum es eigentlich geht, einiges ist doch etwas vorhersehbar. Die große Überraschung am Ende bleibt dadurch aus, trotzdem war es ganz spannend zu lesen, wenn auch mit vereinzelten Abschnitten, die sich ein wenig gezogen haben.
So tragen ständige Wiederholungen über die Schwierigkeiten mit einem Bein oder das Verfolgen der Mitmenschen über die Tracker zwar zur Grundstimmung und Violas mentalem Zustand gut bei, für den Leser ist es nach einer Weile jedoch nicht mehr sooo spannend.

Die Atmosphäre wird aber gut getroffen, man wird selbst beim Lesen misstrauisch und leidet mit. Eine überschaubare Anzahl Charaktere sorgt dafür, dass man leicht den Überblick behält und schnell eigene Verdächtigungen anstellen kann.
Auch fand ich es wieder toll, wie die Grundthemen eingearbeitet wurden, man erfährt viel über die Tracker und das Leben mit einem Bein. Dies wirkte auf mich auch gut recherchiert und somit zusätzlich informativ.
Aus meiner Sicht nicht ihr bestes Werk, aber trotzdem wie gewohnt gute Spannung!

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Die Freiheit im Himmel

Der letzte Sommer der Tauben
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Dieses Jahr ist Noahs Sommer nicht geprägt von ausgelassenen Spielen am Bach, bunten Kleidern und süßen Erfrischungen, sondern von Verboten, Angst und Unterdrückung.
Ähnlich wie damals im Irak wird auch ...

Dieses Jahr ist Noahs Sommer nicht geprägt von ausgelassenen Spielen am Bach, bunten Kleidern und süßen Erfrischungen, sondern von Verboten, Angst und Unterdrückung.
Ähnlich wie damals im Irak wird auch hier eine streng religiöse totalitäre Herrschaft ausgerufen, das Kalifat. Aus dem Nichts ist plötzlich alles anders: Frauen dürfen nur noch ihre Augen zeigen, alles Westliche wie Handys, Zigaretten oder Fernsehen ist verboten, wer sich widersetzt hat schlimme Konsequenzen zu befürchten.
Wir begleiten Noah in dieser Zeit des Wandels und erleben das Geschehen dadurch aus den Augen eines 14-jährigen Jungens - er kann nicht komplett begreifen, was passiert, aber versteht gleichzeitig auch viel mehr, als manche ihm zutrauen. Er wandelt zwischen Gehorsam und kleinen Rebellionen, ohne die Tragweite seiner Handlungen richtig abschätzen zu können.

Die Schilderungen waren bedrückend, besondern wenn man bedenkt, dass dies von wahren Geschehnissen inspiriert wurde und es theoretisch auch immer wieder passieren kann.
Gleichzeitig hat Noahs Perspektive dafür gesorgt, dass es trotzdem noch irgendwie leicht zu lesen war. Hierbei möchte ich auch besonders den Schreibstil loben, kurze Kapitel und die leicht poetische Sprache haben den Roman zu einem echten Erlebnis gemacht.

Ebenfalls sehr gut gelungen ist die Verknüpfung von Familie und Gesellschaft. Wir bewegen uns viel auf der zwischenmenschlichen Ebene, während wir gleichzeitig auch die Welt außerhalb der Familie betrachten. Man lernt Menschen kennen, die sich gegen das Kalifat auflehnen, andere die es vollkommen unterstützen und schließlich diejenigen, die sich der Gehirnwäsche beugen.
Dazu erfährt man natürlich auch viel über die Taubenzucht und das Leben der Tauben, die durchgängig eine schöne Metapher darstellen.
Ein toller und wichtiger Roman, der ernste Themen wundervoll vermittelt.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Authentische Charaktere in leicht märchenhafter Geschichte

Hazel sagt Nein
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Hazel zieht zusammen mit ihrer Familie vor ihrem letzten Schuljahr nach Riverburg, wo ihr Vater einen besseren Job bekommen hat und die Familie sich ihren Traum vom eigenen kleinen Haus erfüllen will. ...

Hazel zieht zusammen mit ihrer Familie vor ihrem letzten Schuljahr nach Riverburg, wo ihr Vater einen besseren Job bekommen hat und die Familie sich ihren Traum vom eigenen kleinen Haus erfüllen will. Blöd nur, dass Hazels Schuljahr alles andere als traumhaft beginnt: Der Direktor eröffnet ihr, dass sie die diesjährige Auserwählte ist, die eine sexuelle Beziehung mit ihm eingehen "darf". Hazel hat verständlicherweise so gar keine Lust darauf, sagt Nein und so kommt der Stein ins Rollen...

Zunächst sollte erwähnt werden, dass ich dieses Buch nicht als super realistische Erzählung des doch so wichtigen Themas aufgefasst habe, sondern vielmehr als Geschichte, die Betroffenen Mut macht. So ist der Anfang durchaus sehr erschreckend und erinnert leider sehr an das, was bei ähnlichen Fällen in der Gesellschaft passiert. Mittelteil und Ende hingegen werden zunehmend märchenhafter, was im ersten Moment vielleicht etwas befremdlich wirken kann und sich als leichter Stilbruch darstellt. Die Autorin hat generell so einiges im Buch auf die Spitze getrieben, wodurch aber auch wiederum gut deutlich gemacht wird, wie sehr kleine Situationen eskalieren können.

Ich hatte öfters das Gefühl, dass meine Kritikpunkte an der Handlung und dem Schreibstil der Autorin durchaus bewusst waren, sie dies aber gezielt ignoriert hat als Stilmittel, um das Buch zu formen.
Hierzu gehörten das bereits erwähnte leicht übertriebene Geschehen, das teilweise Ignorieren des Grundsatzes "Show, don't tell" und die Fülle an Themen. Statt sich auf Hazel zu fokussieren, werden mehr und mehr Problematiken wie Cancel Culture oder Antisemitismus eingebracht, jedoch oft nur oberflächlich und man fragt sich, ob das jetzt noch sein musste.

Sehr gelungen waren dafür zweifelsohne die Charaktere bzw. die vier Familienmitglieder, aus deren Perspektiven wir die Geschichte verfolgen können. Ihre Gefühle, Handlungen und Reaktionen haben auf mich sehr authentisch gewirkt und man konnte recht gut mitfühlen. Dies gelingt auch vereinzelt bei Nebenfiguren, jedoch bleiben diese generell eher blass. Auch dem Direktor wird keine große Bühne gegeben, was mich überrascht hat, aber wiederum gut zum Ton des Buches passt. Das Wenige, was man von ihm mitkriegt, ist dafür nur leider auch erschreckend realistisch.
Insgesamt eine gut zu lesende Erzählung über ein wichtiges Thema mit kleineren Schwächen.

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