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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2025

Unglaublich erschreckend und emotional ergreifend

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so sehr hat mich dieses Buch mitgenommen und aufgewühlt.
Nach dem 2. Weltkrieg lernen sich der kleine Hardy und die einige Jahre ältere Margret in einem Kinderheim ...

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so sehr hat mich dieses Buch mitgenommen und aufgewühlt.
Nach dem 2. Weltkrieg lernen sich der kleine Hardy und die einige Jahre ältere Margret in einem Kinderheim kennen. Auf einer anderen Zeitebene springen wir in die Zukunft und erleben die beiden als Urgroßeltern von Emily. In beiden Zeiten sehen wir die Kinder aufwachsen, jedes mit seinen ganz eigenen Problemen, die teilweise viel heftiger und erschreckender waren, als ich zu Beginn des Buches vermutet hätte.

Von daher hier zunächst eine ganz klare Warnung: Die Geschichte ist durchaus keine leichte Kost, immer wieder musste ich beim Lesen erstmal pausieren und alles verarbeiten. Dafür halte ich es aber auch für überaus wichtig, mehr über die Missstände der damaligen, aber auch unserer heutigen Zeit zu lernen. Die Geschichte zeigt gut die Konsequenzen des Schweigens auf, Traumata ziehen sich über Generationen hinweg.
Was mich besonders beindruckt hat: Die Tragödien dienen nicht dem Schockeffekt, alles wird ruhig und überzeugend erzählt und hinterlässt dadurch nur noch umso mehr Eindruck.

Generell wirkte alles sehr authentisch auf mich: Die Reaktionen und Verhaltensweisen der Charaktere, die Lebensumstände und zwischenmenschlichen Beziehungen und die Geschehnisse, ob alltäglich oder einschneidend.
Auch der lokale Aspekt ist der Autorin gelungen, Köln wird schön in die Geschichte eingebaut und die Charaktere erinnern oft an Nachbarn, Bekannte oder Personen, mit denen man beruflich zu tun hat.
Ebenfalls sehr gelungen fand ich auch die Darstellung der verschiedenen Zeitabschnitte: Die frühen 2000er waren eine persönliche Zeitreise, das Geschehen nach dem 2. Weltkrieg eine beeindruckende Geschichtsstunde, die gut recherchiert wirkte.

Der Lesefluss und Schreibstil bekommen von mir auch volle Punkte, man ist nie ewig in einer Szene drin, sondern erlebt in kurzen Abschnitten viele Momentaufnahmen des Lebens sowie kleine und große Ereignisse. Der Stil passt sich dabei immer der Perspektive der Person an, wir erleben die Welt quasi aus den Augen eines Kindes oder halt später auch mit dem Wissen von Urgroßeltern.
Auch der Symbolismus und die Methapern haben mir gefallen, es ist viel zwischen den Zeilen versteckt, aber auf eine angenehme und berührende Art.
Ein ganz besonderes Buch, das ich nur weiterempfehlen kann!

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2025

Familiäre Machtkämpfe und teuflische Prüfungen

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed
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Soras Familie beherrscht nicht nur ein Imperium in Südkorea, sondern auch die Magie für ganz spezielle Vorteile. Das Problem hierbei ist nur, dass sie keinen Funken Magie in sich trägt und so zur Außenseiterin ...

Soras Familie beherrscht nicht nur ein Imperium in Südkorea, sondern auch die Magie für ganz spezielle Vorteile. Das Problem hierbei ist nur, dass sie keinen Funken Magie in sich trägt und so zur Außenseiterin in der Familie wird - bis sie durch eine Verkettung der Ereignisse plötzlich in gefährlichen Prüfungen um den Sitz des Familienoberhauptes kämpfen muss.
Die Gestaltung des Buches macht einen hochwertigen Eindruck mit schönen Illustrationen, einer Karte und einer Playlist mit exklusivem Song.

Den Schreibstil empfand ich als angenehm zu lesen, nur manchmal musste ich für das bessere Verständnis nochmal zurückblättern.
Die Handlungsorte und Personen wurden gut beschrieben und ich konnte mir alles ohne Probleme vorstellen. Kleine Details haben das Worldbuilding immer wieder mal schön abgerundet. Auch von Busan bekam man einen ersten Eindruck, hier hätte ich jedoch gerne noch mehr über die Stadt und das dortige Leben gelesen.

Soras Charakter hat mir gut gefallen, sie ist keine perfekte Heldin und hat so einige Fehler, aber sie entwickelt sich weiter und ist selbstreflektiert. Die Ereignisse der Geschichte hinterlassen bei ihr auch Spuren, was alles authentischer gemacht hat.
Dafür trifft sie auch manche Entscheidungen, die etwas fragwürdig anmuten, aber auch dies hat sich noch im akzeptablem Rahmen bewegt.
Auch Love Interest Ran war mir sympathisch, seine Dynamik mit Sora war amüsant zu verfolgen und die Beziehung hat sich in einem angenehmen und realistischen Tempo entwickelt.
Manche der Nebencharaktere werden ebenfalls gut charakterisiert, andere hingegen blieben doch bis zum Ende hin eher blass oder leicht stereotypisch.

Die Geschichte selbst rund um die Familienpolitik und die Prüfungen war richtig spannend und sehr kreativ, eine tolle Mischung aus koreanischen Mythen und modernem K-Drama. Man konnte gut mitfiebern und sich von der Atmosphäre bezaubern oder erschrecken lassen. Kritisieren würde ich hier jedoch das Tempo, manche Prüfungen gingen einfach extrem schnell vorüber und manchmal hab ich nicht alles auf Anhieb verstanden.
Auch sind am Ende noch sehr viele Fragen offengeblieben, von denen man zumindest einige noch besser in diesem Band beantwortet hätte.
Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen bin ich jetzt sehr gespannt auf den Abschluss der Dilogie.

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  • Fantasy
Veröffentlicht am 07.10.2025

Lektionen der Rechtsmedizin

Mit kalter Hand
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Sabine Yao ist Rechtsmedizinerin und wird quasi jeden Tag mit neuen skurrilen Todesfällen konfrontiert. Für mich war es der erste Band der Reihe, jedoch sind die Fälle alle abgeschlossen und der Einstieg ...

Sabine Yao ist Rechtsmedizinerin und wird quasi jeden Tag mit neuen skurrilen Todesfällen konfrontiert. Für mich war es der erste Band der Reihe, jedoch sind die Fälle alle abgeschlossen und der Einstieg fiel daher leicht.
Lediglich zu Sabine selbst habe ich keine Verbindung aufbauen können, man hat nur kleine Bruchstücke aus ihrem Privatleben erfahren. Dies soll anscheinend in den vorherigen Romanen besser gewesen sein, daher würde ich vermutlich nicht mit diesem Buch anfangen, wenn man viel Wert auf die Charaktere legt.

Absolut positiv hingegen ist das geballte rechtsmedizinische Wissen, das man präsentiert bekommt. Die Fälle basieren auf wahren Begebenheiten und der Autor ist selbst Rechtsmediziner, authentischer geht es kaum.
Wenn man sich für diese Wissenschaft interessiert erwarten einen zahlreiche Erklärungen und Exkurse, quasi eine Vorlesung in Thrillerform.
Problematisch ist dies jedoch, wenn man eher viel Spannung und weniger lange medizinische Sachverhalte erwartet. Große Spannung ist hier eher nicht aufgekommen, auch konnte man kaum miträtseln im Sinne von "welcher Charakter ist verdächtig".

Dafür sind die Einblicke in den Arbeitsalltag super interessant, vor allem auch in die verschiedenen Abteilungen eines rechtsmedizinischen Instituts. Man erfährt nicht nur viel über die Arbeit am Seziertisch, sondern auch über die ganzen anderen Labore dort und auch über große Suchaktionen und Ermittlungsmethoden der Polizei.
Manches hat sich leider etwas wiederholt, insgesamt kann ich das Buch jedoch allen empfehlen, die sich für Rechtsmedizin und wissenschaftliche Erklärungen begeistern können.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Ein Gruß aus dem Jenseits

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Yeonhwa erbt eine Konditorei von ihrer Großmutter. Der Clou: Ihre Kunden sind bereits verstorben, die Süßigkeiten ein Abschied von dieser Welt und ein letzter Gruß an ihre Lieben.
Erzählt werden so verschiedene ...

Yeonhwa erbt eine Konditorei von ihrer Großmutter. Der Clou: Ihre Kunden sind bereits verstorben, die Süßigkeiten ein Abschied von dieser Welt und ein letzter Gruß an ihre Lieben.
Erzählt werden so verschiedene kurze Lebensgeschichten der Kunden, jede davon ganz anders und doch gleich berührend.
Der Erzählstil passt sich jedes Mal ein wenig dem Kunden an, sodass die beschriebenen Gedanken und Gefühle durchgehend sehr authentisch gewirkt haben.
Man erlebt ihre Geschichten quasi direkt mit und bekommt sie nicht nur nacherzählt, wie man es vielleicht erwarten würde - ein gelungener Einsatz des Perspektivenwechsels.
Aufgrund der kurzen Form war es etwas schwierig, eine richtige emotionale Bindung zu den Charakteren aufzubauen, jedoch konnte man trotzdem generell ganz gut mitfühlen, besonders bei den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Gut gefallen hat mir weiterhin die Atmosphäre in der Konditorei, zu Beginn ist man noch recht ahnungslos wie Yeonhwa, möchte aber direkt mehr erfahren und die Geheimnisse dieses Jobs lüften.
Im ersten Teil fand ich die Mischung aus der Konditorei-Rahmenhandlung und den Geschichten der Kunden perfekt gelungen, später lässt dies jedoch etwas nach. Hier hätte ich einfach gerne mehr über die Konditorei etc. erfahren. Zwar wird alles zu einem runden Abschluss gebracht, manches wirkt jedoch etwas vorhersehbar und übereilt beendet.

Das koreanische Gebäck und die Süßigkeiten werden schön in die Geschichte eingebunden, gerade wenn man damit noch nicht vertraut ist, lernt man so einiges kennen.
Dazu kann man auch selbst aus den einzelnen Geschichten lernen: Wir bekommen kleine Lektionen für unser Leben, ohne dass das Buch aufdringlich oder belehrend dabei wirkt.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Japan-Liebe geht durch den Magen

Oishii!
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Oishii bedeutet lecker, und dies sind die hier vorgestellten Gerichte und Snacks zweifelslos.
Dies ist jedoch kein typisches Kochbuch und auch die Betonung der Izakayas ist meiner Meinung nach falsch gewählt.
Vielmehr ...

Oishii bedeutet lecker, und dies sind die hier vorgestellten Gerichte und Snacks zweifelslos.
Dies ist jedoch kein typisches Kochbuch und auch die Betonung der Izakayas ist meiner Meinung nach falsch gewählt.
Vielmehr erwartet einen hier ein kulinarischer Ausflug nach Japan, eine Mischung aus fotografischem Bildband, interessanten Kurztexten und Rezepten.
Die Fotos stehen hier mehr im Fokus als die Rezepte, daher kann ich das Buch niemandem empfehlen, der nur kochen möchte, aber wenig Interesse an der japanischen Kultur hat.

Falls man sich jedoch dafür begeistern kann, kommt man hier eher auf seine Kosten.
Man erlebt quasi einen Tag in Japan mit, unterteilt in morgens/mittags/abends, dazu Fotos dieser Tageszeit und passenden Gerichten.
Zwischendurch gibt es immer wieder Fun Facts zur japanischen (Essens-)Kultur und dem gesellschaftlichen Leben. Durch Abbildungen vieler Menschen fühlt man sich quasi mittendrin. Hier hätte ich es jedoch auch noch toll gefunden, wenn vereinzelt manche der Personen kurz vorgestellt werden - wer ist die alte Omi, die in der Küche steht?
Falls man selbst schon mal in Japan war werden viele Erinnerungen geweckt, es wirkt auch alles sehr authentisch. Auch die Atmosphäre in den Izakayas etc. wurde gut durch die Fotos eingefangen - hierbei mochte ich auch den Blick in die Küchen. Die Infos sind dafür nicht außergewöhnlich und richten sich wohl eher an Leser, die sich noch nicht so viel mit Japan beschäftigt haben.

Die Rezepte greifen einen Großteil der beliebten Gerichte auf. Ich mochte es auch, dass die japanischen Namen mit abgedruckt werden, denn gerade in Izakayas gibt es oft ja kein englisches Menü. Die Zutaten sind nicht zu exotisch, man sollte in jedem asiatischen Supermarkt fündig werden. Auch die Zubereitungsschritte werden leicht verständlich erklärt.
Immer wieder wird allerdings auf Grundrezepte verwiesen, diese hätten besser zu Beginn des Buches abgedruckt werden sollen und nicht am Ende oder mitten drin.

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