Gute Idee, aber nicht ganz mein Buch – Zimmer 706 von Ellie Levenson
ZIMMER 706Zimmer 706 von Ellie Levenson hat mich vom Klappentext her sofort angesprochen: eine Ausnahmesituation, ein abgeschlossener Raum und eine Frau, die sich nicht nur mit der äußeren Gefahr, sondern auch mit ...
Zimmer 706 von Ellie Levenson hat mich vom Klappentext her sofort angesprochen: eine Ausnahmesituation, ein abgeschlossener Raum und eine Frau, die sich nicht nur mit der äußeren Gefahr, sondern auch mit ihrem eigenen Leben auseinandersetzen muss. Die Idee dahinter fand ich wirklich spannend – leider konnte mich die Umsetzung nicht ganz so abholen, wie ich es mir erhofft hatte.
Das Setting ist definitiv ein großer Pluspunkt. Ein Hotelzimmer während eines terroristischen Angriffs – das sorgt von Anfang an für eine bedrückende und intensive Atmosphäre. Dieses Gefühl von Eingeschlossensein und Unsicherheit wird gut transportiert, und ich hatte beim Lesen oft dieses unterschwellige Unbehagen, das man sich bei so einer Geschichte wünscht.
Auch die Grundidee finde ich nach wie vor stark. Die Kombination aus Thriller-Elementen und persönlichen Rückblicken, in denen die Protagonistin ihr eigenes Leben und ihre Entscheidungen hinterfragt, hat viel Potenzial. Gerade dieser Blick auf ihre Ehe, ihre Affäre und die damit verbundenen Gefühle bringt eine interessante emotionale Ebene in die Geschichte.
Allerdings lag hier für mich auch das Problem. Ich bin mit der Erwartung an einen eher spannungsgeladenen Thriller herangegangen, habe aber stattdessen eine sehr ruhige, stark auf die Innenwelt der Hauptfigur fokussierte Erzählung bekommen. Das ist an sich nichts Schlechtes – aber es war einfach nicht das, was ich mir erhofft hatte. Dadurch konnte mich die Geschichte emotional nicht ganz so packen, wie ich es mir gewünscht hätte.
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, lässt sich gut lesen und passt zur eher introspektiven Erzählweise. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sich einige Passagen ziehen und die Spannung nicht durchgehend gehalten wird.
„Manchmal sind es nicht die äußeren Gefahren, die uns am meisten bedrohen, sondern die Entscheidungen, die wir selbst getroffen haben.“
Dieses Zitat fasst für mich den Kern des Buches gut zusammen: Es geht weniger um den äußeren Thriller-Aspekt als um persönliche Konflikte, Schuld und Selbstreflexion.
Mein Fazit: Zimmer 706 ist kein schlechtes Buch – das Setting und die Idee sind wirklich gelungen. Für mich war es aber leider nicht das richtige, weil meine Erwartungen eher in Richtung Thriller gingen und die Geschichte einen anderen Fokus setzt. Wer ruhige, nachdenkliche Geschichten mit emotionaler Tiefe mag, könnte hier mehr Gefallen finden. Für mich insgesamt solide 3 Sterne.