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Veröffentlicht am 12.08.2025

Provokante Gesellschaftskritik

Das Beste sind die Augen
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Dies ist ein recht aussergewöhnlicher Roman, welcher auf der einen Seite Vorurteile und Diskriminierung verdeutlicht, welche leider noch immer in der Gesellschaft vertreten sind. Und zum Anderen reagiert ...

Dies ist ein recht aussergewöhnlicher Roman, welcher auf der einen Seite Vorurteile und Diskriminierung verdeutlicht, welche leider noch immer in der Gesellschaft vertreten sind. Und zum Anderen reagiert hier eine Frau anders, als es ebendiese Denkweisen über sie erwarten lassen.
Worum geht es hier genau? Die 18-jährige Ji-won lebt zwar im modernen Amerika, dennoch ist sie in einer Familie mit veralteter, traditioneller Rollenverteilung aufgewachsen. Dies hat deutliche Spuren in ihrem Charakter hinterlassen. Zu dieser anerzogenen Misogynie kommt nun die Objektifizierung als asiatische junge Frau hinzu, welche in den Köpfen einiger weißer Männer vorkommt und sie theoretisch noch kleiner, noch devoter macht. Durch die Verkettung diverser Umstände und das toxische Verhalten einiger Männer in ihrem Umfeld bricht die in ihr aufgestaute Wut darüber sich nach langer Zeit nach und nach Bahn und sie handelt auf eine Art, welche man von dem Bild der lieblichen, zurückhaltenden jungen Frau asiatischer Abstammung niemals erwarten würde. Oder anders gesagt: Niemand würde durch die vielen Vorurteile ihr gegenüber auf die Idee kommen, sie könne blutige Rache an den Männern üben.
Ich empfand es als recht gut beschrieben, wie für andere vielleicht gar nicht sichtbare Vorurteile auf die junge Frau einprasseln und vor allem, wie sie sich dabei fühlt. Auch die familiären Hintergründe finden ihren Weg in den Roman, die Vergangenheit der Eltern und deren Verhaltensweisen, welche für Ji-won und ihre Schwester prägend waren. Emotional schleicht sich von Kapitel zu Kapitel ein Wandel in Ji-won ein, die negativen, teils übergriffigen Erlebnisse ihr gegenüber als Person haben auch mich wütend gemacht. Da war es für mich leicht nachvollziehbar, unter welchem emotionalen Druck sie stehen muss. Wie diese Wut sich als female rage äussert ist einfach das komplette Gegenteil dessen, was ihr jahrelang als Verhaltensweise eingebläut wurde. Und das ist genau das, was den Standardrahmen sprengt, dass übliche Erwartungen an eine junge Frau komplett über den Haufen geworfen werden. Und genau dies macht das Buch so besonders: Es bricht mit den Erwartungen an eine doch bitte anpassungsfähige, liebliche junge Frau.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Leben Mythen- und Sagengestalten mitten unter uns?

Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse
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Willkommen im schönen Hohenburg, einer Kleinstadt mit Sandsteinhöhlen, alten Mythen und Sagen und einem überall auftauchenden Kaninchen mit Glöckchen am Halsband. Dazu gibt es einen lange verschollenen ...

Willkommen im schönen Hohenburg, einer Kleinstadt mit Sandsteinhöhlen, alten Mythen und Sagen und einem überall auftauchenden Kaninchen mit Glöckchen am Halsband. Dazu gibt es einen lange verschollenen magischen Schlüssel, seltsame Monsterspuren und manchmal verschwinden Leute für einige Zeit spurlos. Dem wollen Irida und ihre Freunde auf die Spur gehen.
Irida und ihre Clique haben sich selbst Die Furchtlosen getauft, um gemeinsam gegen Andersartigkeit zusammen zu halten. Bei Irida sind es ihr Humpeln und ihr Stottern in Stresssituationen, welche ihr zu schaffen machen. Dafür ist sie immens stark. Die anderen haben ihre eigenen Besonderheiten, welche zu Beginn erläutert werden.
Angestoßen werden ihre Recherchen dank Iridas Onkel, der ebenfalls ein wenig aus der Rolle fällt und sich für magische Artefakte interessiert. Das Abenteuer erleben sie allerdings ohne ihn. Dank diverser Perspektivenwechsel verfolgt man neben den Abenteuern der Kinder auch eine verdächtige Versammlung im Ort sowie magische Wesen, deren Art zunächst unklar bleibt. Dadurch ergibt sich ein größeres Bild, deren Zusammenhänge es zu klären gilt, welche jedoch bis zum Ende nicht komplett aufgelöst werden. Trotzdem macht diese Abwechslung Spaß, auch das Rätseln, wer in welcher Beziehung zu wem stehen könnte.
Etwas befremdlich empfinde ich den wiederholten Fokus auf dem Aussehen der Kids, Kleidung und Frisuren werden, neben Essgewohnheiten, detaillierter beschrieben als deren Emotionen. Ein unglückliches Wägeverhältnis. Zumal die Kids manchmal erstaunlich abgebrüht wirken, wenn es um Gefahren geht. Auch kann ich Iridas fehlendes fehlendes Zugehörigkeitsgefühl in der Familie nicht nachvollziehen, welches sie wie ihre auffällige Stärke wiederholt betont, denn da herrscht ein sehr tolerantes Klima, welches mir beim Lesen positiv auffiel. Dafür wiederum hat der Autor auf veraltete Geschlechterklischees dankenswerterweise verzichtet, Irida steht den Jungen in nichts nach.
Andererseits gefällt mir der Bezug zum Ort, dass es die vorkommenden Sandsteinhöhlen wirklich gibt und dass das Gefühl der Andersartigkeit von verschiedenen Charakteren unterschiedlich gelebt wird. Ebenfalls werden gewisse Sagengestalten hier erfrischend anders dargestellt als gewohnt und bieten Stoff für Spekulationen. Was das Fantastische betrifft sehe ich hier definitiv Potential. Insbesondere Irida betreffend, ohne mehr verraten zu wollen. Stilistisch würde ich es begrüßen, wenn der Fokus etwas vom Oberflächlichen weg hin zu mehr Emotionen schwenken würde. Eine Anspielung, wohin es im zweiten Band gehen könnte, klingt ebenfalls vielversprechend.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Die Drei ??? agieren hier zu lange allein statt gemeinsam den Fall zu lösen

Die Auferstehung
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Die Abenteuer der drei Jugend-Detektive Justus Jonas (Erster Detektiv), Peter Shaw (Zweiter Detektiv) und Bob Andrews (Recherche und Archiv), auch bekannt als Die drei ??? (wir lösen jeden Fall), liegen ...

Die Abenteuer der drei Jugend-Detektive Justus Jonas (Erster Detektiv), Peter Shaw (Zweiter Detektiv) und Bob Andrews (Recherche und Archiv), auch bekannt als Die drei ??? (wir lösen jeden Fall), liegen lange zurück und sind dennoch vielen ein Begriff. Mittlerweile sind die damals Jugendlichen über 50 und leben getrennt voneinander ihre eigenen Leben. Die mutmaßliche Auferstehung einer vor sieben Jahren verschollenen Millionenerbin führt die drei jedoch über Umwege wieder zueinander.
Fragezeichen 1: Die Charaktere
Wer die Jungs von damals kennt hat deren Charaktere bestimmt noch im Kopf, für alle anderen werden diese vom Autor im Laufe des Romans deutlich. Bob Andrews ist glücklich verheiratet und bekommt als Literaturagent den Auftrag, aus dem Fall irgendwie einen Bestseller zu machen. Mit Bob wird man schnell warm, ein sympathischer und ausgeglichener Charakter. Justus Jonas lebt noch immer bei seiner Tante auf dem Schrottplatz. Ihn empfand ich als einen Typen, der nie erwachsen werden wollte und zu einem verbohrten Weltverbesserer und ewigen Junggesellen wurde. Zudem hat er sich vor Jahren mit Peter verkracht, einem Workaholic, der sich bei einem Bekannten Internet-Unternehmen hochgearbeitet und ausserhalb seines Jobs wenig Privatleben hat.
Fragezeichen 2: Der Fall
Zunächst weiß man nicht, ob die Rückkehr der Erbin zu Recht angezweifelt wird oder nicht. Denn die Auftraggeberin ist die Tante der besagten Verschollenen, die in der jungen Frau eine Erbkonkurrentin sehen könnte. Allerdings sprechen erste Hinweise für die Identität der jungen Frau. Doch das wäre zu einfach und dank diverser Zufälle kombiniert mit gewollter Recherchen ergibt sich bald ein neues Bild. Unnötig zu erwähnen, dass die Recherchen deutlich schneller verlaufen wären, hätten die drei ??? von Beginn an gemeinsam agiert.
Fragezeichen 3: Der Stil
Der Autor hat sich am Stil früherer Abenteuer orientiert, die Ähnlichkeit ist m.E. erkennbar. Erst gibt es einen unerklärlich wirkenden Fall, dann weitere Hinweise, ein wenig Gefahr und im gewohnten Auflösungs-Rhythmus geht es auf dem Umweg zum Happy End. Wer sich auf gemeinsame Recherchearbeit freut wird allerdings enttäuscht sein, dass die ehemaligen Detektive lange Zeit unabhängig voneinander agieren. Daran ist ein langjähriger Streit zwischen Justus und Peter nicht ganz unschuldig. Dieser wird irgendwann näher erklärt, allerdings hätte es mir gereicht, wenn das nur einmal thematisiert worden wäre statt zweimal, das wirkte etwas redundant. Jedenfalls dümpelt der Fall dadurch lange unnötig vor sich hin, auf Kosten der Spannung. Auch wurde mir die wiederholt eingeworfene Nostalgie irgendwann zuviel. Vom Anspruch her empfinde ich es wie ein Jugendbuch, da muss ich keine ü50 Männer haben, die sich gedanklich in ihre Jugend zurückversetzen. Das Cover ist ganz im Stil früherer Fälle gestaltet, schwarz mit den Fragezeichen-Farben rot/blau/weiß und als Motiv zwei sich ähnelnde Gesichter, stellvertretend für die Auferstandene.
Die Lösung: Meine Bewertung
Es macht definitiv Spaß zu erkunden, welche Wege die Leben der früheren Detektive genommen haben. Dass zwischen ihnen teilweise Funkstille herrscht macht es weniger geradlinig, leider bremst es den Fall bzw. die Ermittlungen aber auch zu lange unangenehm aus. Der Fall an sich ist gut gewählt, hätte jedoch deutlich schneller gelöst werden können, wenn die Männer mal miteinander geredet hätten. Stilistisch hätte ich mir weniger Nostalgie und weniger Jugendroman-Stil gewünscht. Für einen Jugendroman sind die Charaktere definitiv zu alt, für einen Erwachsenenroman ist der Stil stellenweise zu jugendlich.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Pseudo-Agentin wider Willen

Never Trust Your Fake Husband
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Sie: Ohne Erinnerungen wacht sie im winterlichen Paris auf. Sie hat keine Ahnung wer sie ist, von was der Typ neben ihr da redet oder warum sie irgendwelche Fremden plötzlich umbringen wollen.
Er: Endlich ...

Sie: Ohne Erinnerungen wacht sie im winterlichen Paris auf. Sie hat keine Ahnung wer sie ist, von was der Typ neben ihr da redet oder warum sie irgendwelche Fremden plötzlich umbringen wollen.
Er: Endlich hat er seine untergetauchte Agentenkollegin Alex efunden und mit ihr hoffentlich die gestohlenen Daten. Warum tut sie so, als würde sie ihn nicht erkennen? Und warum taucht sie nicht wie sonst vor dem Feind unter, der ihnen dicht auf den Fersen ist?
Der Anfang liest sich spannend-amüsant, da zunächst nicht klar ist, ob die Frau nur zur Tarnung so tut, als hätte sie ihre Erinnerungen verloren, oder tatsächlich völlig orientierungslos durch Paris irrt. Durch die Perspektivenwechsel zwischen den Beiden erfährt man so nach und nach mehr über die beiden bzw. ihre Hintergründe. Dass der geheimnisvolle Fremde tatsächlich ein Agent ist, wird den Lesenden somit schnell klar, ihre Rolle entschlüsselt sich hingegen nicht ganz so schnell.
Der Anfang bietet definitiv Potential, da ihnen diverse Parteien auf den Fersen sind und es um gestohlene Daten geht, die zunächst ebenfalls unauffindbar sind. Was mich mit der Zeit störte sind zwei Punkte: Zum Einen ziehen sich manche Szenen unnötig in die Länge, wodurch die Spannung sinkt. Zum Anderen wird sie zu oft unnötig dümmlich-naiv dargestellt, wie ein unbeholfenes oder trotziges Blödchen, was die Story mehrfach absurd wirken ließ. Zwar ist es eine Rom-Com (Romance-Comedy), trotzdem muss eine Frau dafür nicht derart kindisch dargestellt werden. Dadurch wird es keineswegs lustiger, im Gegenteil, das wirkte manchmal wie ein Teenieroman. Auch die Anziehung zwischen den beiden wirkte einfach nur unbeholfen.
Handlung und Auflösung, nunja, vieles war recht überzogen und konstruiert statt wirklich realistisch, wohl auch dem Rom-Com-Genre geschuldet. Im Großem und Ganzen zwar ganz unterhaltsam, nur eben stellenweise unnötig kindisch.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Neue Detektei ermittelt in perfiden Entführungsfällen

Mörderfinder – Das Muster des Bösen
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Es ist so weit: Fallanalytiker Max Bischoff und Psychologe Marvin Wagner gründen ihre eigene Detektei WaBi Investigations. Gleich der erste Fall hat es in sich, denn die Entführung des Sohnes eines Richters ...

Es ist so weit: Fallanalytiker Max Bischoff und Psychologe Marvin Wagner gründen ihre eigene Detektei WaBi Investigations. Gleich der erste Fall hat es in sich, denn die Entführung des Sohnes eines Richters weist Parallelen zu einer früheren Kindesentführung auf, dessen Täter allerdings hinter Gittern sitzt. Unerwartete Hilfe bekommen sie von einem Friseurmeister, der in dieser Strafvollzugsanstalt tätig ist. Gemeinsam wird ihnen schnell klar, dass ein größeres Ziel hinter dem Ganzen steckt.
Es war eine gute Entscheidung, Dr. Marvin Wagner in die Ermittler-Reihe mit aufzunehmen, da er mit seiner trockenhumorigen Art einen angenehmen Kontrast zu Max Bischoff liefert. Denn so schlau Max in seinem Fach auch sein mag, sobald es ans Handeln geht, lässt er leider viel zu oft alle Vorsicht ausser Acht. Was mir bereits einige Male missfallen hat und auch diesmal seine unnötige Schwachstelle ist. Der Fall selbst sowie die Hintergründe sind hingegen thematisch gut gewählt. Unterhaltsames Extra ist der Friseurmeister, ein unerwarteter Sidekick, den der Autor nach einer Aktion auf Wunsch basierend auf einer realen Person eingebaut hat. Dies wird im Nachwort kurz erläutert. Leider kam es zu Beginn zu einigen Längen, da die Detektei erst noch eröffnet werden muss, bevor die Handlung wirklich in Schwung kommt. Was sich zwar interessant las, jedoch wenig Spannung aufbaute. Das sollte beim nächsten Band, falls es einen geben wird, nicht mehr der Fall sein. Insgesamt empfand ich den Band als eine gelungene Entwicklung der Reihe.

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