Profilbild von SigiLovesBooks

SigiLovesBooks

Lesejury Star
offline

SigiLovesBooks ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SigiLovesBooks über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2026

Sprachurlaub oder die Reise zu sich selbst

Au revoir und tschüss
0

Bei "Au Revoir und Tschüss" von Gudrun Lochte handelt es sich um das Début der Autorin, die erst mit Ü60 begann, zu schreiben. Erschienen ist der Roman (in wirklich außergewöhnlich toller Aufmachung, hellblauer ...

Bei "Au Revoir und Tschüss" von Gudrun Lochte handelt es sich um das Début der Autorin, die erst mit Ü60 begann, zu schreiben. Erschienen ist der Roman (in wirklich außergewöhnlich toller Aufmachung, hellblauer Farbschnitt und ein buntes Blatt in der Buchmitte, das den Markt von Uzès zeigt) im Vani-Verlag, 2026 (HC, geb., 319 S.).

Worum geht's?

Caro ist seit über 20 Jahren mit Holger verheiratet; anfangs waren beide glücklich, doch mit den Jahren und dem Alltag (die beiden Jungs sind inzwischen erwachsen) hat sich vieles verändert; Holger machte mehr und mehr Überstunden und Familienzeit war Mangelware: Das Paar lebte sich auseinander, wobei Holger als Karrierehengst dargestellt wird, der es am liebsten mag "wenn seine Frau sich um alles Übrige kümmert" und zu Hause ist. Caro arbeitet halbtags in einer Bibliothek, merkt jedoch, dass ihr Leben stagniert - sie sich selbst aus den Augen verloren hat und bucht (Freundin Holly kann es kaum glauben) eine Reise nach Südfrankreich, das sie von vielen Urlauben kennt, einen Sprachurlaub in Uzès.

Auf Verständnis oder Freude stößt sie bei ihrem Ehemann dabei nicht, jedoch reagieren die Jungs sehr positiv. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Uzès angekommen, stellt sie fest, dass der charmante und gut aussehende Mann, der ihr in Paris die gestohlene Tasche zurückgab, ihr Lehrer ist, der sie nun vier Wochen darin unterrichten wird, ihr Französisch zu perfektionieren. So reist man mit Caro (die es genießt, "endlich einmal was für sich selbst zu tun" - ohne Rücksicht auf die Familie nehmen zu müssen) nach Uzès und folgt interessiert dem Sprachunterricht, der mit vielen Außenterminen verbunden ist und bei lockerer Atmosphäre allen internationalen SchülerInnen jeglichen Alters viel Spaß macht - dem Lehrer Armand einbegriffen - in eine Gewürzmanufaktur, in ein Bistro, in einen Olivenhain usw., wo sich herausstellt, dass Armand und Caro sich zueinander hingezogen fühlen: Wird Caro einen Urlaubsflirt zulassen, ihr früheres Leben ausklammern können?

Meine Meinung:

Thematisch geht es um Mut, Lebensfreude und Selbstvertrauen. Caros Leben wurde in ihrer erstarrten Ehe eintönig und wenig glücklich: Mit Mitte 40 merkt sie, dass sie eigene Träume immer hinten angestellt hatte, sich selbst verloren hatte, um die Bedürfnisse ihrer Familie zu erfüllen (etwas, was sehr realistisch ist und worin sich so manche Frau wiederfinden dürfte). Im Gegensatz zu ihrer Freundin Holly, die geradeheraus ist und ihren Traum, ein exquisites Blumengeschäft zu eröffnen, längst verwirklichte, ist Caro sehr überlegt und braucht eine Zeit, um Entscheidungen zu fällen: Die Buchung des Sprachurlaub bedeutet ihr viel und sie nutzt die Zeit, um sich eigener Träume und Möglichkeiten zu erinnern, die sie glücklich machen. So reift in ihr der Gedanke, zurück in Deutschland einen kleinen Laden zu eröffnen, in dem sie die wunderbaren französischen Produkte der Provence verkaufen kann. Die "Stationen" die die Lerngruppe aufsuchte, fand ich sehr schön (besonders Gustave und Camille in der Gewürzmanufaktur) und vom südfranzösischen Flair ist atmosphärisch viel in diesem leichten Sommerroman zu spüren.

Die Kapitel sind kurz, leicht und sehr eingängig zu lesen; jedoch bleibt vieles trivial und auch leider vorhersehbar: Mir fehlte Tiefgang in der Handlung und den Dialogen; auch die im Grunde sympathischen Charaktere blieben flach. Es handelt sich (auch wenn ich das Thema sehr gut gewählt finde - eine Frau auf dem Weg zu sich selbst) um keine anspruchsvolle Literatur, jedoch um einen Roman, der warmherzig und atmosphärisch geschrieben wurde. Mir persönlich war alles zu vorhersehbar; die oft aufgezählten Belanglosigkeiten gefielen mir weniger und der Unterhaltungsfaktor ist m.E. sehr hoch.

Empfehlen könnte ich ihn allenfalls Frauen in Caros Alter, die sich nicht zutrauen, neue und eigene Wege zu gehen: Den Mut zu haben, aus einem erstarrten und lieblosen Alltag oder einer Beziehung heraus neue Wege zu beschreiten. Die eigenen Bedürfnisse nicht zu vergessen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Da es der erste Roman der Autorin ist, sehe ich jedoch durchaus Luft nach oben - denn es ist auch mutig, relativ spät zu beginnen, Bücher zu schreiben! Von mir gibt es für den Sommerroman mit französischem Flair 3*.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2026

Eiskalter Mord an sonnengefluteter Côte d'Azur

Léon und die Frau im blauen Kleid
0

"Léon und die Frau im blauen Kleid" von Alexander Oetker ist der Auftakt einer neuen Krimireihe des Bestseller-Autors, der bereits mit der "Luc Verlain-Reihe" in der Leserschaft punkten konnte und erschien ...

"Léon und die Frau im blauen Kleid" von Alexander Oetker ist der Auftakt einer neuen Krimireihe des Bestseller-Autors, der bereits mit der "Luc Verlain-Reihe" in der Leserschaft punkten konnte und erschien im Atlantik Verlag (brosch., 301 S.) 2026.

Worum geht's?

Nizza, im Sommer – ausgerechnet hier, wo die Reichen und Schönen unter Palmen flanieren, prunkvolle Yachten ausfahren und den Apéro an der Promenade genießen, spült das Meer die Leiche einer jungen Frau in einem blauen Kleid an den Strand. Nachts gab es keinen Schiffsverkehr – was hat sich also auf dem Wasser zugetragen? Die Ermittlungen führen Commissaire Léon de Cavallier und seine zupackende Kollegin Nadia Bentaleb ins Innere der High Society, wo Geld und Macht eine unheilige Verbindung eingehen mit Sex, Drogen und Korruption. Bestsellerautor Alexander Oetker schickt ein neues Ermittlerduo, das gegensätzlicher nicht sein könnte, vor der mondänen, sonnengefluteten Kulisse der Côte d’Azur auf die Spur eines eiskalten Verbrechens. (Quelle: Verlagsklappentext)

Meine Meinung:

In dieser neuen Krimireihe entführt uns der Autor und Frankreichkenner (sowie Restaurantkritiker und Weinkenner, was man seinen Büchern durchaus entnehmen kann) an die Côte d'Azur, wo in Nizza Léon de Cavallier und sein Kollege Guillaume Hoche ermittelt haben; doch Hoche geht in Rente und statt Loic, einem bretonischen Kollegen (der mir mit die sympathischste Figur im Krimi war) wird Léon, der sich stets gut kleidet, teure Uhren sammelt und einen roten Ferrari fährt - vorzugsweise auch als Dienstwagen - und vor allem sein Image als Snob pflegt, mit Nadia Bentaleb konfrontiert: Die Commissaire aus Paris, die sich 'aus Gründen' in den Süden versetzen ließ und durch Abstammung und Ausbildung toughe Methoden und u.a. Durchsetzungsfähigkeit und Selbstbewusstsein mitbringt, kommt directement vom anderen Ende der sozialen Leiter: In den Pariser Banlieus aufgewachsen und mit dieser Welt vertraut, legte sie dort so manchem Kriminellen das Handwerk, stieg auf und wurde mit Bestnoten und Meisterin im Sprint Commissaire. Die "Welt der Reichen und Schönen" sowie altem Adel, dem Léon entstammt, ist ihr demzufolge gänzlich unbekannt, was sich nun in diesem ersten Fall, den die beiden sehr ungleichen Ermittler gemeinsam zu lösen haben, ändern sollte.... Spuren führen in oberste Kreise und bis nach Monaco, dem Steuerparadies, in dem sich die Superreichen gerne ansiedeln. Hier fand ich die Unterschiede im Polizeiwesen, die Oetker beschreibt, sehr interessant und dass es Hürden gibt für die französische Polizei, dort ermitteln zu dürfen. So besucht man z.B. ein Institut für Meeresforschung, erfährt von dem Bal de l'Été, dem Sommerball, dem Léon am liebsten fernbleiben würde, da selbst er den dort zur Schau getragenen Reichtum als dekadent empfindet und besuchen das Casino in Monaco, um am Spieltisch den Verdächtigen auflauern zu können... Wer hat mit dem Mord an der jungen Frau zu tun, deren Leiche am Strand von Nizza angespült wurde?

Der Stil des Autors ist durchaus unterhaltsam, die Dialoge humorvoll und die Handlung wie auch der Plot stimmig; zudem versteht es Oetker hervorragend, eine atmosphärische Beschreibung zu schaffen, die den Leser in der Tat in den (wunderschönen) Süden Frankreichs zieht: Mir persönlich war die Extravaganz in der Figurenbeschreibung Léons auf den fast ersten 100 Seiten fast zu viel; auch wurden immer wieder Klischees am Rande gestreift. Allerdings fehlt nicht (bei genauerem Hinsehen) eine gewisse Kritik an Polizeigewalt in Frankreich, Korruption von Polizisten und auch an denjenigen, die es sich überhaupt leisten können, den 'Bal de l'Été' besuchen zu dürfen:

"Die Reichen der Côte feierten einfach sich selbst und ihre Großartigkeit" (Zitat S. 217)

Nach dem ersten Drittel nahm der Kriminalroman dann auch an Spannung auf und konnte bei mir persönlich dann noch Punkte sammeln; die Wendungen sind nicht vorhersehbar und das Buch endet mit einem Cliffhanger, der Fans von Alexander Oetker bereits auf Band 2 gespannt sein lassen dürfte! Ein spannendes, da sehr gegensätzliches Ermittlerteam ist sozusagen die "Herznote" dieser neuen Krimireihe (um es mit den Worten eines Weinkenners zu sagen) :)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2026

Was vergessen war, kehrt zurück, wenn das Meer bereit ist (Zitat S. 60)

Das Geschenk des Meeres
0

"Das Geschenk des Meeres" (Original "The Fisherman's Gift") von Julia R. Kelly erschien 2025 im mareverlag. (HC, geb., 350 S.). Der Roman hat mich ob des tief berührenden Schreibstils der Autorin (und ...

"Das Geschenk des Meeres" (Original "The Fisherman's Gift") von Julia R. Kelly erschien 2025 im mareverlag. (HC, geb., 350 S.). Der Roman hat mich ob des tief berührenden Schreibstils der Autorin (und des wunderschönen Settings an einem kleinen Küsten, einem fiktiven Fischerdorf in Schottland) sehr begeistert!

Inhalt:

"Schottland, Winter 1900. Am Strand von Skerry wird ein lebloser Junge angeschwemmt. Als der Fischer Joseph ihn ins Dorf trägt, erntet er ungläubige Blicke, denn das Kind ähnelt auf unheimliche Weise dem Sohn der Lehrerin Dorothy, der in einer längst vergangenen Nacht ans Meer ging und nie mehr gesehen wurde. Ausgerechnet Dorothy erklärt sich bereit, das rätselhafte Kind aufzunehmen, bis seine Herkunft geklärt ist. Doch die Anwesenheit des Jungen wühlt nicht nur Dorothy auf, sondern stellt die gesamte Dorfgemeinschaft vor Fragen. Weshalb war Joseph sowohl an dem Tag am Strand, als der fremde Junge angespült wurde, als auch in der Nacht, als Dorothys Kind verschwand? Worüber haben Dorothy und Joseph damals so erbittert gestritten? Und warum wurden sie nie ein Paar, obwohl sie sich für jedermann offensichtlich liebten?" (Quelle: Klappentext)

Meine Meinung:

Der Roman bewegt sich auf zwei Erzählebenen (damals, also 1900 und jetzt) und beleuchtet das Geschehen in dem kleinen Fischerdorf zum Zeitpunkt, als das Kind von Dorothy verschwand als auch die Zeit, als Joseph, ein von allen akzeptierter Fischer, einen Jungen zum Pfarrhaus bringt, der angeschwemmt wurde und noch am Leben ist.

Es ist ein Roman, der einen bereits auf den ersten Seiten durch die Atmosphäre und den eingängigen, glasklaren und unterhaltsamen sowie spannenden Stil der Autorin tief in die Handlung eintauchen lässt: Er wartet mit sehr sympathischen Figuren auf, allen voran Joseph und auch Dorothy wie auch Mrs. Brown, die den Dorfladen führt und über alle Geschehnisse im Dorf im Bilde ist: Es gibt Klatsch und Tratsch, dem Mrs. Brown jedoch zuweilen ein Ende bereitet; besonders mag sie es nicht, wenn man Joseph hinter vorgehaltener Hand vorwirft, etwas mit dem Tod von Moses, dem Sohn Dorothys, zu tun zu haben. Man begleitet die Protagonisten von ihrer Ankunft (Dorothy, die als Lehrerin ihre erste Stelle antritt und zuvor in Edinburgh mit ihrer Mutter lebte) an und nimmt an Schicksalsschlägen und Fehlentscheidungen teil, die zu erheblichen Umwegen führen: Diese sind so intensiv beschrieben (und jeweils aus verschiedenen Perspektiven), dass man mit den Figuren mitleidet, liebt und auch enttäuscht ist: Bei Dorothy fiel mir auf, wie sehr sie durch ihre lieblose Mutter, die sie sehr negativ prägte und ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstsicherheit bereits als Kind begraben hatte, diese negative Einstellung zu sich selbst, die zu Unsicherheit, Schroffheit und Misstrauen führte, lange in ihrem schicksalhaften Leben weiterführte. Sie lebte in Mustern, die nicht ihre waren - einzig Joseph verstand diese Unsicherheit und mochte ihre spröde Art auf seine Weise, verliebte sich in sie.

Eine andere Frau, Agnes, spielt in dem Beziehungsgeflecht und Vorstellungen eine erhebliche Rolle; träumt sie doch davon, dass Joseph ihr Ehemann wird, was ihre Mutter auf ihre Weise forciert. Daher gefällt Jeanie und Agnes sehr wenig, dass Joseph samstags ins Haus der Lehrerin geht, da er vom Pfarrer den Auftrag erhielt, die undichten Fenster dort zu reparieren. Es ist nicht zu überlesen, wie sehr sich beide, Joseph und Dorothy, zueinander hingezogen fühlen; doch in die Zeit um 1900 fällt auch die Unmöglichkeit, dass Lehrerinnen heiraten und ihren Beruf ausüben dürfen; doch dies ist hier nur ein Aspekt, denn Dorothy fällt in ihre alten Muster zurück und verlässt das Haus, um Joseph auszuweichen. Ob die beiden jemals zueinanderfinden werden?

Ich fand die atmosphärische Beschreibung des winterlichen Fischerdorfes, die Schicksale und Tragödien, die sich hier ereignen und die Fehlentscheidungen der ProtagonistInnen unglaublich berührend und von intensiver emotionaler Tiefe. Auch die Anspielung auf die schottische Mythologie in Form der "Wellenkinder", die mich an Selkies erinnerten; die Feste wie Ceilidh und das Kinderfest zu Hogmanay waren wunderschön und bildgewaltig beschrieben. Besonders Mrs. Brown mochte ich sehr, da sie trotz aller eigenen Schicksalsschläge andere stets so annahm, wie sie waren und der Dorothy, die lange Außenseiterin im Dorf war und auch in der Schule anfangs große Mühe hatte, sich durchzusetzen, schließlich ihr Herz öffnete und beide Frauen sich Halt in bitteren Zeiten gaben. Der Junge, der in Dorothys Leben trat und von dem nicht klar war, woher er stammte, versöhnte sie letztendlich mit ihrem schweren Verlust und sorgte letztendlich dafür, dass sie ihr Herz wieder öffnen konnte. Von diesem Prozess und dem Wunsch, wieder glücklich zu sein, handelt dieser Roman, der berührend um Verlust, Liebe, Enttäuschung, vorhandene Muster, Dorfleben und großen menschlichen Dramen handelt; das Größte davon ist wohl, ein Kind zu verlieren - und weiterleben zu können.

So sind die Aussprachen am Ende des Romans (zwischen Jane und Dorothy; aber auch anderen) sehr bewegend und berührend wie auch tragisch. Dorothy denkt über "Geheimnisse und Lügen nach und darüber, dass es an der Zeit ist, die Bürde abzulegen" (S. 321). Und so erfährt der geneigte Leser dieses wundervollen Romans nach und nach, was sich in jener Nacht, als Dorothys Sohn verschwand, wirklich ereignete...

Fazit:

Ein Roman, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht; voller emotionaler Tiefe und auch Menschlichkeit ist. Mit fein gezeichneten Charakteren aufwartet, die trotz Fehlentscheidungen (und teils -verhalten) sympathisch bleiben, da man die Hintergründe erfährt, die zum jeweiligen Handeln beitrugen. Julia R. Kelly hat hier ein Début vorgelegt mit einem Maß an emotionaler und auch tragischer Tiefe, das einem zuweilen den Atem raubt. Das Meer als weiterer Hauptprotagonist trägt das Seine dazu bei. Eine absolute Empfehlung von mir und ein Chapeau an die Autorin! Ich hoffe auf weitere Romane von ihr und vergebe 5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2026

Sommerlich 'freshe' Backrezepte zum Versüßen des Sommers!

Sunny Baking Time
0

Von Theresa Haubs erschien "Sunny Baking Time" im (sehr bekannten und ebenso sehr guten) GU-Verlag (HC, 159 S., 2026) in gelungenem Summercover-style.

Der UT sagt schon aus, worum es hier geht: Um 'sommerfreshe' ...

Von Theresa Haubs erschien "Sunny Baking Time" im (sehr bekannten und ebenso sehr guten) GU-Verlag (HC, 159 S., 2026) in gelungenem Summercover-style.

Der UT sagt schon aus, worum es hier geht: Um 'sommerfreshe' (Back)-Rezepte! Im Vorwort der jungen Autorin schildert sie, worauf es ihr ankommt bei den Rezepten: Es sind Familienrezepte von Generationen (bis zur italienischen Uroma), die sie mit allen Menschen teilen möchte, um sich den Sommer zu versüßen. Es handelt sich bereits um das zweite Backbuch von Theresa Haubs und die Rezepte sind wirklich einfach - die Backergebnisse lassen sich sehen (Rezeptfotos regen bereits den Gaumen an).

Einige Klassiker (auch abgewandelte) sind dabei und besonders gefiel mir, dass die Rezeptgruppierungen rund um das jeweilige Obst geordnet sind - so entfällt die Sucherei, wenn ich mal ein Rhabarberrezept ausprobieren möchte z.B. Alle Sunny-Rezepte sind sowohl direkt vorne im Buch als auch im Register (Anhang) leicht zu finden.

Folgende Obstsorten finden sich in den einzelnen Rezepten, die gut erklärt und step-by-step beschrieben sind:

Rhabarber, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Apriposen, Blaubeeren, Kirschen, Mirabellen, Stachelbeeren, Zitronen und - für den Spätsommer/Herbst die Zwetschgen.

Aber auch Banane-/Schoko-/Eierlikör- und Käsesahnerezepte fehlen nicht in diesem Backbuch; die schmecken ja auch ganzjährig :D .

Als großer Rhabarberfan mochte ich die speziellen Rezepte besonders gerne (Muffins und Rhabarber-Grumble), während meine Familie Beeriges und Zitroniges bevorzugt. Hier kommen also alle auf ihre Kosten! Auf das Nachbacken der leckeren Mirabellentarte und des Mirabellenslay freue ich mich noch - und das eine oder andere Dessert wir auch noch probiert (ganz oben Bienenstich im Glas und beerige Wolken z.B.)

An Bonis hat Theresa Haubs auch einiges zu bieten: Baking basics, Pannenhilfe, How to Biscuit und vegane Versionen (auf Wunsch laktose- und/oder glutenfrei) lässt sich jedes Rezept abwandeln. Eine Special Playlist zum Backen (per QR Code bei spotify) ergänzt die bunte Sommerrezept-Backsammlung.

Fazit:

Wer gerne backt (und es ist wirklich nicht schwer, das kann jeder, so die Autorin) und wem noch fruchtige, köstliche, leicht nachzubackende Sommerrezepte fehlen (so wie mir), der sollte hier unbedingt zugreifen! Auch als Geschenk für Backbegeisterte oder solche, die es werden wollen, absolut geeignet. Ich gebe gerne eine Empfehlung und wünsche gutes Gelingen sowie guten Appetit dieser süßen Leckereien! 5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.05.2026

Wenn zwei Welten aufeinanderprallen - und Liebe sich dazugesellt....

Solange ein Streichholz brennt
0

"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber ist bisher mein Jahreshighlight 2026: Erschienen ist dieser mitreißende und wirklich gut geschriebene Roman, dem es an einer gewissen gesellschaftlichen ...

"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber ist bisher mein Jahreshighlight 2026: Erschienen ist dieser mitreißende und wirklich gut geschriebene Roman, dem es an einer gewissen gesellschaftlichen Authentizität nicht mangelt, bei dtv ((HC, 352 Seiten).

Bohm, obdachlos seit einigen Jahren, schnitzt Holzmäuse, die er auf Flohmärkten verkauft, um sich über Wasser zu halten, als ihn ein Mädchen auf die "one-Million-Dollar"-Maus anspricht (interessanter Hintergrund!) und ihm ein Hund zuläuft, dem das Mädchen sogleich einen Namen gibt: Fox. Dieser ist nun Bohms ständiger Begleiter und es ist offensichtlich, dass Bohm dies ebenso gut tut wie auch dem Hund.

Alina Alev, eine junge Reporterin und Journalistin, bekommt beim Sender RTI, für den sie Reportagen macht, eine letzte Chance: Sie soll gemeinsam mit Jakob, der sie hierzu ins Boot holt, eine Mischung zwischen Magazin und Talkshow als Projekt entwickeln, das den Titel "Wie schnell entgleitet ein Leben?" trägt. Alina, deren Eltern sich hochgearbeitet haben in Deutschland, möchte, dass diese auf sie stolz sind und begibt sich auf die Recherche: Unter unzähligen Interview-KandidatInnen ist auch Bohm, der jedoch ihr Angebot (gegen entsprechende Bezahlung) erstmal rundweg ablehnt - wie all' die anderen auf der Straße lebenden Menschen auch.

Doch dann geschieht etwas, das Bohm dazu zwingt, Alinas Angebot doch anzunehmen: Fox wird bei einer Massenkeilerei in einer Spelunke schwer verletzt und mit dem Geld könnte Bohm für die Kosten der OP für seinen Hund aufkommen. Und so begleitet man als Leser Bohm und Alina eine Woche an verschiedenen Schauplätzen, an denen Bohm sich auch sonst aufhält (Suppenküche, Neubauten, in denen Bohm und Fox für eine Nacht sicher sind, aber auch der Tierklinik, von wo Bohm den gesundenden Fox wieder abholen kann und auf dem Jahrmarkt; wo es zu einer lustigen Szene kommt). Um dem Hund eine gute Nachsorge nach der überstandenen OP zu sichern, nimmt Alina Fox bei sich auf, als ihre Eltern zum Brunch kommen, was einmal monatlich Usus ist und wo es später zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen Bohm und Jakob kommen sollte. Auch nimmt man an einer Konferenz des Senders RTI (eine Persiflage auf RTL??) teil, wo karrieregeile Mitarbeiter auch über (Hunde)leichen gehen würden, damit das geplante Projekt durch die Decke geht und die Einschaltquoten sehr hoch sind: Jakob ist ein gutes Beispiel dafür, der auch darüber hinaus eine dunkle Seite hat, von der Alina nur durch Zufall erfährt - und das Weite sucht.

Der Vorname von Bohm wird erst ziemlich spät genannt; auch der Grund, weshalb ihm (und vor allem was) vor Jahren der Boden unter den Füßen gezogen wurde - und er wegrannte. Besonders der letzte (4.) Teil des Romans ist sehr aufschlussreich und spart nicht mit Sozialkritik, was mir persönlich sehr gefallen hat. Auch die titelgebenden "Streichhölzer" spielen im Romanverlauf eine durchaus wichtige Rolle - besonders mit Bohm's Erkenntnis, dass irgendwie "immer das Licht gefehlt hat".

Der Schreibstil des Autors sagt mir sehr zu: In kurzen, glasklaren und prägnanten Sätzen ist man sehr schnell mit Bohm und Alina sowie der Handlung vertraut und kann sich gut in beide hineinversetzen; in ihr Denken, Fühlen und Handeln. Beide Figuren werden so authentisch dargestellt, dass sie dem realen Leben wie entliehen scheinen; besonders gut ist das (unschöne) Leben von Bohm auf der Straße beschrieben und so hallt dieser Roman lange beim Leser nach: Gibt es nicht für jeden Menschen Katastrophen, die ihn aus der Bahn werfen können? Weshalb geht die Gesellschaft mit Obdachlosen so empathielos um, ohne die Hintergründe zu kennen? Ich für meinen Teil bin froh, dass es Orte und Plätze sowie Personen und soziale Einrichtungen gibt, die diesen Außenseitern der Gesellschaft zumindest nachts ein Dach über dem Kopf anbieten und eine warme Mahlzeit am Tag. Auch die Tatsache, dass bei Alina im näheren Kennenlernen Gefühle der Zuneigung zu Bohm entstehen, ist nicht abwegig: Unter der (zugegeben ungepflegten) Schale steckt ein toller Mensch "mit Gründen", die zur Obdachlosigkeit führten! In Rückblicken gestattet der Autor nun dem Leser, diese näher zu betrachten.

Fazit:

Ich habe selten einen so erfrischenden, kritischen, unterhaltsamen und wirklich toll geschriebenen Roman mit sehr viel Tiefgang gelesen, der aufzeigt, wie schnell ein Leben haltlos kippen - und auch wieder aufgerichtet werden kann. Durch die Liebe und die Erkenntnis, dass man vor allem davonrennen kann; aber nicht vor sich selbst! Eine absolute Leseempfehlung und Buchtipp von mir mit 5* + sowie einem dankeschön an den Autor und an dtv!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere