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Veröffentlicht am 18.05.2026

Sommerlich 'freshe' Backrezepte zum Versüßen des Sommers!

Sunny Baking Time
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Von Theresa Haubs erschien "Sunny Baking Time" im (sehr bekannten und ebenso sehr guten) GU-Verlag (HC, 159 S., 2026) in gelungenem Summercover-style.

Der UT sagt schon aus, worum es hier geht: Um 'sommerfreshe' ...

Von Theresa Haubs erschien "Sunny Baking Time" im (sehr bekannten und ebenso sehr guten) GU-Verlag (HC, 159 S., 2026) in gelungenem Summercover-style.

Der UT sagt schon aus, worum es hier geht: Um 'sommerfreshe' (Back)-Rezepte! Im Vorwort der jungen Autorin schildert sie, worauf es ihr ankommt bei den Rezepten: Es sind Familienrezepte von Generationen (bis zur italienischen Uroma), die sie mit allen Menschen teilen möchte, um sich den Sommer zu versüßen. Es handelt sich bereits um das zweite Backbuch von Theresa Haubs und die Rezepte sind wirklich einfach - die Backergebnisse lassen sich sehen (Rezeptfotos regen bereits den Gaumen an).

Einige Klassiker (auch abgewandelte) sind dabei und besonders gefiel mir, dass die Rezeptgruppierungen rund um das jeweilige Obst geordnet sind - so entfällt die Sucherei, wenn ich mal ein Rhabarberrezept ausprobieren möchte z.B. Alle Sunny-Rezepte sind sowohl direkt vorne im Buch als auch im Register (Anhang) leicht zu finden.

Folgende Obstsorten finden sich in den einzelnen Rezepten, die gut erklärt und step-by-step beschrieben sind:

Rhabarber, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Apriposen, Blaubeeren, Kirschen, Mirabellen, Stachelbeeren, Zitronen und - für den Spätsommer/Herbst die Zwetschgen.

Aber auch Banane-/Schoko-/Eierlikör- und Käsesahnerezepte fehlen nicht in diesem Backbuch; die schmecken ja auch ganzjährig :D .

Als großer Rhabarberfan mochte ich die speziellen Rezepte besonders gerne (Muffins und Rhabarber-Grumble), während meine Familie Beeriges und Zitroniges bevorzugt. Hier kommen also alle auf ihre Kosten! Auf das Nachbacken der leckeren Mirabellentarte und des Mirabellenslay freue ich mich noch - und das eine oder andere Dessert wir auch noch probiert (ganz oben Bienenstich im Glas und beerige Wolken z.B.)

An Bonis hat Theresa Haubs auch einiges zu bieten: Baking basics, Pannenhilfe, How to Biscuit und vegane Versionen (auf Wunsch laktose- und/oder glutenfrei) lässt sich jedes Rezept abwandeln. Eine Special Playlist zum Backen (per QR Code bei spotify) ergänzt die bunte Sommerrezept-Backsammlung.

Fazit:

Wer gerne backt (und es ist wirklich nicht schwer, das kann jeder, so die Autorin) und wem noch fruchtige, köstliche, leicht nachzubackende Sommerrezepte fehlen (so wie mir), der sollte hier unbedingt zugreifen! Auch als Geschenk für Backbegeisterte oder solche, die es werden wollen, absolut geeignet. Ich gebe gerne eine Empfehlung und wünsche gutes Gelingen sowie guten Appetit dieser süßen Leckereien! 5*

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Wenn zwei Welten aufeinanderprallen - und Liebe sich dazugesellt....

Solange ein Streichholz brennt
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"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber ist bisher mein Jahreshighlight 2026: Erschienen ist dieser mitreißende und wirklich gut geschriebene Roman, dem es an einer gewissen gesellschaftlichen ...

"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber ist bisher mein Jahreshighlight 2026: Erschienen ist dieser mitreißende und wirklich gut geschriebene Roman, dem es an einer gewissen gesellschaftlichen Authentizität nicht mangelt, bei dtv ((HC, 352 Seiten).

Bohm, obdachlos seit einigen Jahren, schnitzt Holzmäuse, die er auf Flohmärkten verkauft, um sich über Wasser zu halten, als ihn ein Mädchen auf die "one-Million-Dollar"-Maus anspricht (interessanter Hintergrund!) und ihm ein Hund zuläuft, dem das Mädchen sogleich einen Namen gibt: Fox. Dieser ist nun Bohms ständiger Begleiter und es ist offensichtlich, dass Bohm dies ebenso gut tut wie auch dem Hund.

Alina Alev, eine junge Reporterin und Journalistin, bekommt beim Sender RTI, für den sie Reportagen macht, eine letzte Chance: Sie soll gemeinsam mit Jakob, der sie hierzu ins Boot holt, eine Mischung zwischen Magazin und Talkshow als Projekt entwickeln, das den Titel "Wie schnell entgleitet ein Leben?" trägt. Alina, deren Eltern sich hochgearbeitet haben in Deutschland, möchte, dass diese auf sie stolz sind und begibt sich auf die Recherche: Unter unzähligen Interview-KandidatInnen ist auch Bohm, der jedoch ihr Angebot (gegen entsprechende Bezahlung) erstmal rundweg ablehnt - wie all' die anderen auf der Straße lebenden Menschen auch.

Doch dann geschieht etwas, das Bohm dazu zwingt, Alinas Angebot doch anzunehmen: Fox wird bei einer Massenkeilerei in einer Spelunke schwer verletzt und mit dem Geld könnte Bohm für die Kosten der OP für seinen Hund aufkommen. Und so begleitet man als Leser Bohm und Alina eine Woche an verschiedenen Schauplätzen, an denen Bohm sich auch sonst aufhält (Suppenküche, Neubauten, in denen Bohm und Fox für eine Nacht sicher sind, aber auch der Tierklinik, von wo Bohm den gesundenden Fox wieder abholen kann und auf dem Jahrmarkt; wo es zu einer lustigen Szene kommt). Um dem Hund eine gute Nachsorge nach der überstandenen OP zu sichern, nimmt Alina Fox bei sich auf, als ihre Eltern zum Brunch kommen, was einmal monatlich Usus ist und wo es später zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen Bohm und Jakob kommen sollte. Auch nimmt man an einer Konferenz des Senders RTI (eine Persiflage auf RTL??) teil, wo karrieregeile Mitarbeiter auch über (Hunde)leichen gehen würden, damit das geplante Projekt durch die Decke geht und die Einschaltquoten sehr hoch sind: Jakob ist ein gutes Beispiel dafür, der auch darüber hinaus eine dunkle Seite hat, von der Alina nur durch Zufall erfährt - und das Weite sucht.

Der Vorname von Bohm wird erst ziemlich spät genannt; auch der Grund, weshalb ihm (und vor allem was) vor Jahren der Boden unter den Füßen gezogen wurde - und er wegrannte. Besonders der letzte (4.) Teil des Romans ist sehr aufschlussreich und spart nicht mit Sozialkritik, was mir persönlich sehr gefallen hat. Auch die titelgebenden "Streichhölzer" spielen im Romanverlauf eine durchaus wichtige Rolle - besonders mit Bohm's Erkenntnis, dass irgendwie "immer das Licht gefehlt hat".

Der Schreibstil des Autors sagt mir sehr zu: In kurzen, glasklaren und prägnanten Sätzen ist man sehr schnell mit Bohm und Alina sowie der Handlung vertraut und kann sich gut in beide hineinversetzen; in ihr Denken, Fühlen und Handeln. Beide Figuren werden so authentisch dargestellt, dass sie dem realen Leben wie entliehen scheinen; besonders gut ist das (unschöne) Leben von Bohm auf der Straße beschrieben und so hallt dieser Roman lange beim Leser nach: Gibt es nicht für jeden Menschen Katastrophen, die ihn aus der Bahn werfen können? Weshalb geht die Gesellschaft mit Obdachlosen so empathielos um, ohne die Hintergründe zu kennen? Ich für meinen Teil bin froh, dass es Orte und Plätze sowie Personen und soziale Einrichtungen gibt, die diesen Außenseitern der Gesellschaft zumindest nachts ein Dach über dem Kopf anbieten und eine warme Mahlzeit am Tag. Auch die Tatsache, dass bei Alina im näheren Kennenlernen Gefühle der Zuneigung zu Bohm entstehen, ist nicht abwegig: Unter der (zugegeben ungepflegten) Schale steckt ein toller Mensch "mit Gründen", die zur Obdachlosigkeit führten! In Rückblicken gestattet der Autor nun dem Leser, diese näher zu betrachten.

Fazit:

Ich habe selten einen so erfrischenden, kritischen, unterhaltsamen und wirklich toll geschriebenen Roman mit sehr viel Tiefgang gelesen, der aufzeigt, wie schnell ein Leben haltlos kippen - und auch wieder aufgerichtet werden kann. Durch die Liebe und die Erkenntnis, dass man vor allem davonrennen kann; aber nicht vor sich selbst! Eine absolute Leseempfehlung und Buchtipp von mir mit 5* + sowie einem dankeschön an den Autor und an dtv!

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Blitzschnelles Backen - wenig Aufwand, großer Genuss!

Meine Lieblingsrezepte: Expressbacken
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"Expressbacken" von Dr. Oetker (UT Meine Lieblingsrezepte) erschien im Dr. Oetker-Verlag (2026, HC, 71 Seiten) und beinhaltet sehr leckere Kuchen- und Tarte- sowie Kleingebäckrezepte, die in Windeseile ...

"Expressbacken" von Dr. Oetker (UT Meine Lieblingsrezepte) erschien im Dr. Oetker-Verlag (2026, HC, 71 Seiten) und beinhaltet sehr leckere Kuchen- und Tarte- sowie Kleingebäckrezepte, die in Windeseile gebacken sind.

"Ob fruchtige Tartes, saftige Muffins oder schnelle Kuchen vom Blech - mit diesen Expressrezepten steht in maximal 30 Minuten alles bereit für den Ofen. So einfach war Backen noch nie! Dank klarer Schritt-für-Schritt-Anleitungen gelingen sowohl moderne Klassiker als auch kreative Neuentdeckungen im Handumdrehen. Perfekt für den Alltag, spontane Gäste oder die süße Pause zwischendurch - mit Dr. Oetker gelingt schnelles Backen garantiert und bringt im Nu frischen Genuss auf den Tisch."

(Quelle: Verlagstext Buchrückenseite)

Von Aprikosen-Mohn-Kuchen bis Nougat Popovers reihen sich hier Klassiker sowie tolle Obstkuchen und -torten, Blechkuchen, Rühr- und Käsekuchen sowie Kleingebäck verständlich erklärt und mit schönen Rezeptfotos der gebackenen Kuchenart aneinander. Mir hat die Mischung, zu der auch Klassiker zählen sowie die gute Nachbackbarkeit gut gefallen (bis auf die Zimtschnecken; statt Croissantteig bevorzuge ich hier doch das originale schwedische Rezept mit Hefeteig). Unsere bisherigen Favoriten sind der saftige Rührkuchen, in Kürze der Johannisbeer-Grieß-Kuchen, im Spätsommer die Brombeer-Tarte, die Mandel-Blondies und die Pfirsich-Streusel-Muffins. Wie man sieht, ist auch Obst am Start, so dass dieses Expressbackbuch zu allen Jahreszeiten entsprechende Rezeptideen liefert, die auch für spontane Anlässe oder kurzfristigen Besuch sehr geeignet sind. Insgesamt ein Backbuch, das für Menschen, die nicht immer Zeit für sehr aufwändige Backvorhaben besitzen und auch spontan sich und andere mit süßen Leckereien beglücken möchten, besonders geeignet ist.

Ich empfehle Expressbacken gerne weiter und vergebe 4 *

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein kleiner Hase sucht den Frühling - und den Anfang von Allem....

Du bist mein Anfang
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"Du bist mein Anfang" der holländischen Autorin und Illustratorin Octavie Wolters erschien 2026 im Verlag Freies Geistesleben; übersetzt aus dem Niederländischen hat es Eva Schweikart. Dieses Buch beeindruckt ...

"Du bist mein Anfang" der holländischen Autorin und Illustratorin Octavie Wolters erschien 2026 im Verlag Freies Geistesleben; übersetzt aus dem Niederländischen hat es Eva Schweikart. Dieses Buch beeindruckt bereits rein optisch durch seine Größe und das wunderschöne Cover, das mich auch neugierig auf diese Geschichte werden ließ.

Inhalt:

"Ein kleiner Hase ist auf der Suche nach dem Frühling, denn er will den Anfang von allem finden.

Er läuft und läuft, immer Richtung Osten, das haben ihm die Eltern empfohlen - denn da müsste der Frühling herkommen. Ganz allein läuft er am Ufer des Flusses entlang, der geheimnisvoll gluckert und Antworten zu plätschern scheint. Unterwegs begegnet der kleine Hase dem Dachs, dem Reh, dem Fuchs, dem Igel und anderen Tieren, erlebt den Lauf der Jahreszeiten und erkennt: Das Ende seiner Suche ist zugleich ein Anfang." (Buchrückseitentext des Verlages)

Meinung:

Die Reise des kleinen Hasen Hops beginnt, als noch Schnee im Tal liegt und er fragt sich, wo das Schneeglöckchen, die Fichte und der Kastanienbaum wohl herkommen. Seine kluge Mutter weiß: "Alles Lebendige kommt vom Frühling" und so macht sich der neugierige kleine Hops auf den Weg in den Osten. Auch der Fluss, dem er folgt und in dem er Antworten sucht, soll ihm den Weg zum Frühling weisen. Auf seinem Weg gen Osten begegnet er nun verschiedenen Tieren wie Dachsen, Rehen, Füchsen und Igel und erfährt mehr von den Jahreszeiten. Die Hauptmotive sind die Tiere und der Hase selbst, die wunderschön und aufwendig im Linolschnitt dargestellt werden: Diese Pracht, selbst wenn sie schwarz/weiss daherkommt, hat mich sehr beeindruckt und ist sehr kunstvoll und wunderschön anzusehen.

So erfährt der kleine Hase auf seinen Wanderstationen immer mehr vom Kreislauf des Lebens und kommt am Ende an dessen Ursprung - und seinem eigenen - an, wo bereits die Eltern auf ihn warten.

Fazit:

Ein Buch zum Nachdenken, zum Betrachten und Diskutieren, das sich aufgrund des Themas sowohl für Kinder als auch für Erwachsene sehr eignet. Der Linolschnitt bringt noch dazu etwas sehr Kunstvolles (vor dem ich großen Respekt zeige, da Linoldrucke sehr viel Genauigkeit und Zeit erfordern) hinzu, das diesem Buch etwas ganz Besonderes verleiht. Ich kann mir sehr gut z.B. Großeltern vorstellen, die mit den Enkelkindern diese wundervollen Bilder betrachten und die Fragen der Kinder beantworten. Ich schließe mich gerne der Autorin an, die jedem Kind z.B. einen Hoopsie oder Hoppel, einen Hops oder Ähnliches wünscht, "das bereits von Anfang an da ist" und gebe eine absolute Empfehlung sowie 5 * für Text und für die großartigen und sehr kunstvollen Linolschnitt-Abbildungen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Die Hüterinnen der Zukunft

Das Tränenhaus. Roman
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"Das Tränenhaus" von Gabriele Reuter erschien erstmals 1909 und ist ein vom Reclam-Verlag wiederentdeckter Roman einer Autorin, die um die Jahrhundertwende sogar in ihrer Auflagenstärke bei der Erstveröffentlichung ...

"Das Tränenhaus" von Gabriele Reuter erschien erstmals 1909 und ist ein vom Reclam-Verlag wiederentdeckter Roman einer Autorin, die um die Jahrhundertwende sogar in ihrer Auflagenstärke bei der Erstveröffentlichung Theodor Fontane (Effie Briest, zeitgleich erschienen) übertroffen hat und eine vielgelesene Autorin ihrer Zeit war, jedoch schon lange in Vergessenheit geriet. Ich denke, man kann den Roman zu einem der Vorläufer feministischer Frauenliteratur zählen, der auch heute lesenswert ist.

Die schwangere Schriftstellerin Cornelie Reimann (ein Alter ego von Gabriele Reuter) kommt in die Herberge der älteren Hebamme Frau Uffenbach, die damit Geld verdient, unverheirateten schwangeren Frauen in Schopfingen, Württemberg, Zimmer und Unterkunft zu vermieten. "Das Annerle", bereits zum 2. Male dort, kann den Kindsvater nicht heiraten, da der Mann jüdisch ist, ihr Vater jedoch Kaplan. Toni, eine blasse 17Jährige, ist an einen Abenteurer geraten, Mari, deren Kind kurz nach der Geburt verstirbt, ist aus dem Bayrischen und zwei weitere junge Frauen suchen "das Tränenhaus" auf, von denen eine so krank ist, dass sie noch vor der Geburt des Kindes verstirbt. "Die Uffenbacher" führt ein strenges Regiment und nachdem sie wieder einmal laut und polternd die Mädchen anschrie und beleidigte, sucht Cornelie das Gespräch mit ihr: So etwas wird Cornelie zukünftig nicht mehr dulden und falls dies wieder vorkommt, erwägt sie, dass sie für sich und alle anderen Mädchen im Hause der Uffenbacherin eine neue Herberge sucht. Da Cornelie aus eher intellektuellen Kreisen stammt, aus dem Ausland ständig Post erhält und die Hebamme (bei diesem Amt sehr sanft und einfühlsam) hier einlenken muss, ist das Zusammenleben fortan besser: Cornelie isst mit den anderen zusammen und die Gemeinschaft wächst zusammen, bis eine jede ihren Weg fortsetzt, nachdem ihr Kind geboren wurde.

Meine Meinung:

Diesen Roman sollte man unter dem Eindruck lesen, dass er 1909 erstmals erschien. Die Sprache ist etwas sperrig zu lesen und teils antiquiert, aber zeitgemäß; mehr forderte mich die depressive Stimmung von Cornelie, der Hauptprotagonistin dieses Romans, die lange erhalten bleibt. Dem Kindsvater möchte sie schwanger nicht unter die Augen treten und hegt eher Abneigung gegen ihn; aber auch die Suche nach einem selbstbestimnten Leben ist dieser Frau schon früh herauszulesen. Die Dialoge sind teils im Württembergischen behaftet und "Dischkretion" wird ganz groß geschrieben: Es war für Familien das gesellschaftliche Aus, wenn ein junges Mädchen schwanger wurde, das nicht verheiratet war - genau dagegen lehnt dieser Roman sich (zurecht) auf; allerdings wird der jeweilige Kindsvater immer geschont - auch bei den Frauen selbst, die dadurch jedoch auch zu einer großen Stärke fanden und teils ihr Kind alleine aufzogen. Im Falle der jungen Frau, die durch ihre Krankheit im späten Schwangerschaftsstadium verstarb, kam nach deren Tod der Bruder, um sich der Diskretion zu versichern, dass seine Schwester "in der Schweiz durch einen Unfall in den Bergen verstorben sei". Hier wird auch die Verlogenheit besonders höherer Gesellschaftsschichten aufs Korn genommen.

Humor entwickelt der Roman durch die Figuren der dicken Bäckerin und dem Bäck, die sich ihre Schulden persönlich bei der Uffenbacherin "abholen": Sie quartieren sich eine Weile ein und es gibt jeden Tag ein Festessen, bis die Schulden kleiner wurden oder beglichen werden konnten.

Die Deprimiertheit von Cornelie (auch durch das Zwischenmenschliche, den Zusammenhalt der jungen Frauen) weicht langsam, aber stetig einem Gefühl der Vorfreude auf das Kind, das sie ganz am Anfang auch hatte und sie kann alles Dunkel hinter sich lassen, als sie ihr Kind in den Armen hält (und wenig später abreist). Die Abschiedsszene mit Dr. Schwärzele und Ehefrau, die Cornelie ins Herz geschlossen hatten und all' die anderen ist sehr gelungen; das kurze Zusammentreffen mit dem Kindsvater fand ich enttäuschend kurz. Das Nachwort von Annette Seemann ist äußerst aufschlussreich und auch die Zeittafel der Autorin (1859 - 1941) ist eine große Hilfe, den Roman in seiner Zeitform zu verstehen.

Fazit:

Ein durchaus lesenswerter Roman, zu seiner Zeit provokant, der mit einer zeitgemäßen Sprache aufwartet und als Vorläufer der feministischen Literatur zählen kann. Die Hauptthemen sind Mutterschaft, weibliche Solidarität, Emanzipation und Selbstbestimmung - auch in prekären Lebenssituationen. Gewisse Parallelen zum Leben der Autorin Gabriele Reuter selbst sind sicher nicht von der Hand zu weisen, die eine Figur wie Cornelie Reimann erfand, um ein Vorbild für andere zu schaffen. Von einer Frau, die auf sanfte, kluge und unbeugsame Weise den Weg und die Entwicklung einer schwangeren Frau aufzeigt, die trotz allem willens ist, aus ihrem Leben dennoch das Beste zu machen. Erschwert hat mir das Lesevergnügen ein wenig die antiquierte Sprache, die den Text etwas sperrig machte. Dennoch werde ich mir das andere Werk der Autorin (Aus guter Familie) aus der Reclam-Reihe gerne näher ansehen.

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