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Veröffentlicht am 15.11.2019

Die Geisterfelder von Norfolk

Grabesgrund
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Nach "Allerheiligenfluch" konnte ich nun mit "Grabesgrund" von Elly Griffiths die Reihe der Kriminalromane um die forensische Archäologin Ruth Galloway endlich vervollständigen - und habe absolut nicht ...

Nach "Allerheiligenfluch" konnte ich nun mit "Grabesgrund" von Elly Griffiths die Reihe der Kriminalromane um die forensische Archäologin Ruth Galloway endlich vervollständigen - und habe absolut nicht bereut, alle Bände (Tipp: Am besten chronologisch lesen, wie bei jeder Krimireihe sehr empehlenswert) gelesen zu haben.

Wie die Vorgänger spielt auch "Grabesgrund" im beschaulichen und interessanten englischen Norfolk. Dieses Mal in der Nähe einer Ausgrabung zur Bronzezeit, in der Ruth auf verwertbares Material gestoßen ist. Unweit der Ausgrabungsstätte stößt ein Bagger, der eine große Fläche einebnen soll, um möglichst zügig so einige neue Wohnhäuser entstehen zu lassen (Seitenhieb auf die Gier der Immobilienhaie und Baukonzerne, die auch vor schützenswertem Land nicht Halt machen), auf Metall. Es ist ein Flugzeug der RAF aus dem 2. Weltkrieg und das Bizarre daran ist, dass der Pilot noch darin sitzt...

Daher treffen DCI Harry Nelson - Vater der inzwischen 5jährigen Tochter Kate von Ruth - und Ruth zusammen; es stellt sich heraus, dass die Leiche lange Zeit an einem anderen Ort vergraben worden sein musste, da ein früheres Mitglied der Blackstocks, eine wohlhabende Familie mit viel Landbesitz, die noch immer in der Nähe residiert, via DNA auf die Familie der Blackstocks hinweist. Damit tun sich Fragen auf - und sowohl Ruth als auch Nelson haben einiges damit zu tun, dieses Rätsel zu lösen, denn alle Zeichen weisen den Weg ins Herrenhaus der Blackstocks....

Die Autorin lässt wie immer ihre LeserInnen miträtseln und die Charaktere entwickeln sich stetig weiter. Auch Cathbad taucht wieder auf, der inzwischen mit Judy Johnson, der toughen Polizistin, liiert ist und Vater wird; zudem hat ein amerikanisches Filmteam großes Interesse, aus dem Fund in Norfolk eine Sendung über die Geschwader der Kampfflugzeuge der britischen RAF im 2. Weltkrieg zu zeigen, weshalb einige Filmleute mehrere Tage im Anwesen der Blackstocks wohnen sollen, um auch die Familie zu ihren Erinnerungen zu befragen. Damit stechen so einige Leute in ein Wespennest: Die illustre Familie wartet mit netten weiblichen Mitgliedern auf, die männlichen hingegen sind zuweilen das Gegenteil davon.... Was ist wirklich aus den Brüdern des alten George Blackstock geworden?

Diesen Fragen widmet sich auf unterhaltsame und höchst interessante Weise dieser Krimi, den ich aufgrund des stimmigen Inhalts und vor allem des Schreibstils von Elly Griffith absolut weiterempfehlen kann. Die Autorin versteht es, den Leser zu fesseln und die Spannung nicht nur zu halten, sondern gegen Ende hin noch zu steigern und gibt ihren Kriminalromanen eine sehr menschliche Note, in dem sie Ruth, die ihre kleine Tochter alleine erzieht, einerseits sehr mutig, andererseits aber alles andere als perfekt charakterisiert: Auch Harry Nelson mit seinen Sergeants Judy Johnson, David Clough (genannt Cloughie) und Tim werden sehr gut portraitiert. Für Cloughie freut man sich, dass er in Cassie Blackstock eine Seelenverwandte - und die Liebe gefunden hat. Auch weitere menschliche "Verwicklungen" sind natürlich nicht auszuschließen, die den Krimis von Elly Griffiths einen unnachahmlichen Charakterzug geben. Ich freue mich bereits auf weitere Übersetzungen ins Deutsche und hoffe doch sehr, die Übersetzerin Tanja Handels ist bereits "at work" damit - denn die Ruth Galloway-Reihe hat absolutes Suchtpotential ;) Von mir 4,5 * und 98° auf der "Krimi-Couch".

Veröffentlicht am 08.11.2019

Ein literarisches Denkmal für Edith Sitwell

Die Dame hinter dem Vorhang
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"Die Dame hinter dem Vorhang" von Veronika Peters erschien (HC, gebunden) 2019 im Verlag Wunderraum (Randomhouse) und ist in die Kategorie biografische Romane einzuordnen, da der Roman einer schillernden ...

"Die Dame hinter dem Vorhang" von Veronika Peters erschien (HC, gebunden) 2019 im Verlag Wunderraum (Randomhouse) und ist in die Kategorie biografische Romane einzuordnen, da der Roman einer schillernden Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts gewidmet ist, deren Lebensverlauf sich die Autorin annimmt und, wie sie im Anhang schreibt, zahlreiche Motive und Begebenheiten aus dem Leben der Dichterin und Schriftstellerin verwendete, sich aber auch alle Freiheiten der Literatur nahm, was in diesem Fall auf die Weise geschieht, dass sie

Edith Sitwell (1887-1964)

ein fiktives Dienstmädchen zur Seite stellt. Der Leser betrachtet nun "Dame Edith", die aus aristokratischem Hause kommend, bereits zu Lebzeiten durch ihr exzentrisches Auftreten, aber auch ihr dichterisches Können Furore machte, durch die Augen der Jane Banister, die bereits in der dritten Generation der Ladyschaft dient und deren Vater einst leitender Gärtner im Anwesen der Sitwells in Scarborough, Grafschaft North Yorkshire, England war.

Bereits als Kind entwickelt Edith, die Erstgeborene, einen expressiven Charakter, der sich (laut ihrer Mutter ist sie ein häßliches Baby) auch im Alter von 12 Jahren nicht durch einen sog. "Korrigierapparat", der sowohl die Nase als auch den schiefgewachsenen Rücken "begradigen" soll, verändern lässt und der sich später in einen messerscharfen Verstand und in eine Scharfzüngigkeit entwickelten, gepaart mit einem starken Drang und Willen zu einer Unabhängigkeit (in dieser Zeit für eine Frau eher die Ausnahme), die für ihren Erfolg im schriftstellerischen und dichterischen Bereich sorgen würden. Diese starken inneren Kräften von Dame Edith sind außergewöhnlich ausgeprägt und man kann sie dafür nur bewundern: Nachdem sie das Elternhaus verlassen konnte (im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern Osbert und Sachevell, denen sie sehr zugetan war und auch Stücke gemeinsam aufführte in London, hatte sie von ihren reichen Eltern nicht viel zu erwarten), empfand sie die erste Zeit in London als ungeheuer befreiend, "eine Erlösung für ihren sprühenden Geist, der sich fortan in die Dichtung stürzte", so berichtet sie Jane während ihrer Jahre in Paris, wohin sie mit Helen Rootham und Jane, der Dienstbotin und Erzählerin, übersiedelte. Es sollten Jahre skandalumwitterter Aufführungen, Lesungen und Vortragsreihen folgen (teils auch in Amerika) und die Meinungen der Kritiker waren geteilt. Ein Markenzeichen von Dame Edith war jedoch, dass sie sich gerne mit diesen stritt und recht unverblümt ihre Meinung kundtat.

Während man im Buch diese Jahre verfolgt, den Tatendrang teils auch in sehr bescheidenen Verhältnissen sowohl in London als auch später in Paris bewundert und ihr dichterisches Schaffen (im Krieg verfasste sie Gedichte, die zu ihren besten gehören sollten, in dem sie ihre Gedanken und Gefühle - wie sicher auch Ängste - "in Verse goss", begleitet man das Trio (Edith, Jane und Helen, die zur besten Freundin neben Jane von Edith wurde und der sie sehr verbunden war) auch nach Italien, da Helen schwer erkrankte und nach ihrem Tode stellt man als Leser fest, wie sehr Dame Edith um diese Freundschaft trauert. In Liebesdingen hat die Exzentrikerin, die sehr groß gewachsen ist und nicht dem "Schönheitsstandard" der damaligen Zeit entspricht, wenig Glück: Der Künstler Pavel Tchelitchew, den sie sehr fördert, nutzt sie aus und hier ist sie ausnahmsweise einmal eine recht willenlos "Ergebene", sonst überhaupt nicht ihrer Persönlichkeit entsprechend. Er sollte später nach Amerika auswandern, weshalb sie lange Zeit litt. Doch in Freundschaftsbeziehungen ließ sie niemals jemanden im Stich, der ihr freundschaftlich verbunden war, was mir Dame Edith sehr sympathisch machte. Auch war ihr Ton gegenüber Jane nie herrisch und das einander Brauchen schaut aus vielen Seiten hervor.

Etwas schade fand ich, dass die Persönlichkeit von Jane Banister so gut wie keine Rolle spielte; jedoch ließ die Autorin die Gefühlsregungen und Gedanken der Bediensteten von Dame Edith bewusst aus. So entstehen bei mir zwei vollkommen unterschiedliche Frauenbilder des 20. Jahrhunderts; während die eine ihre Neigungen und ihr schriftstellerisches Leben, ihre zahlreichen guten Kontakte auslebt, bleibt die andere - dienend bis zur Selbstaufgabe - im Hintergrund.

Fazit:

Ich nehme an, dass Edith Sitwell in England sehr bekannt ist; mir war die Dame zuvor nicht bekannt, doch ich konnte sie beim Lesen dieses sehr flüssig und atmosphärisch geschriebenen, tiefgründigen Romans ein wenig kennenlernen: Intelligent, eigenwillig und charakterstark trotz schwierigster Kindheit, verletzbar, selbstbewusst - entwickelte sich Edith nicht grundlos zur Exzentrikerin und genialen Schriftstellerin ihrer Zeit. Gesellschaftliche Hintergründe und der Zeitgeist, die Kriegsjahre und Politik fließen ebenfalls mit ein und werden aus Sicht der Familie Sitwell beleuchtet. Der Autorin gelingt so ein bildhaftes Portrait von Edith Sitwell, der sie damit ein Denkmal setzt. Lesenswert!

Veröffentlicht am 05.11.2019

Crime meets Mystery - eine tolle Krimireihe um die Forensikerin Ruth Galloway

Aller Heiligen Fluch
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Ich komplettiere gerade meine Elly Griffiths - bzw. Ruth Galloway-Reihe und habe "Aller Heiligen Fluch" als einen der bisher Spannendsten empfunden; der Krimi-Couch Rezensentin kann ich mich in keinem ...

Ich komplettiere gerade meine Elly Griffiths - bzw. Ruth Galloway-Reihe und habe "Aller Heiligen Fluch" als einen der bisher Spannendsten empfunden; der Krimi-Couch Rezensentin kann ich mich in keinem Punkt anschließen, da die Autorin ihre Krimis immer sehr gut recherchiert und der Plot hier durchaus stimmig wie auch spannend ist.


Da gerade "Allerheiligen" war, passte dies auch zeitlich zu meinem Konzept des "Nacharbeitens" zur Komplettierung der Reihe: Bei jedem weiteren Kriminalroman von Elly Griffiths werde ich zu einem größeren Fan von ihr, da sie sowohl den leitenden Ermittler Harry Nelson als auch die Forensikerin Ruth Galloway, die beruflich immer wieder mit dem Vater ihrer Tochter zu tun hat und Mutter der einjährigen Kate ist, sehr menschlich und keineswegs überzeichnet darstellt. Gerade dies finde ich im Genre Kriminalroman sehr wichtig und bei Griffiths kommt immer noch eine Portion "Mystery" hinzu, quasi als ihr Markenzeichen:


So auch in "Aller Heiligen Fluch", in dem es zum einen um die Sargöffnung eines längst verblichenen Geistlichen geht; ein Vorfahre des Aristokraten Danford Smith , seines Zeichens passionierter Rennstallbetreiber - und einer Drogenfahndung, die langwierig ist und es Nelson und seiner Truppe schwer macht, Ergebnisse zu erzielen (wobei Judy Johnson sich hier wirklich ihre Sporen verdient hat, Clough jedoch die Lorbeeren erntet - wie im richtigen Leben ;)

Auch die Sargöffnung des verblichenen Klerikers beginnt mit einem Toten: Neben dem Sarg liegt nämlich Neil Topham, Leiter des Museums, in dem das Event stattfinden sollte; über diese stolpert Ruth, die etwas zu früh vor Ort ist - und um die Lösung dieses Rätsels geht es hauptsächlich, wer für den Tod dieses bis dato gesunden Mannes verantwortlich ist:

Eine wie immer sehr "versponnene", aber durchaus liebenswerte Rolle spielt hier wieder Cathbad; mit bürgerlichem Namen Michael Malone, der wie durch ein Wunder immer an der richtigen Stelle erscheint, wenn "Not am Mann" oder an der Frau ist. Diese Figur habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen.


Befreundet ist Cathbad auch mit Bob Woonunga, dem Australier, der direkt neben Kate im abgeschiedenen Salzmoor ein Haus mietete und sich dafür einsetzt, dass die Knochen seiner Ahnen - den Aborigines - wieder in die heimatliche Erde kommen, um in die Traumzeit einzugehen. Denn nur dort finden sie ihren Frieden. Interessantes erfährt der Leser hier über die australischen Aborigines und deren Kultur, besucht mit Ruth (und Cathbad) spirituelle Seminare und findet schließlich, dass vielleicht doch nicht alles "Hokus Pokus" ist: Dies zeichnet die Kriminalromane der Autorin aus und machen sie überaus lesenswert. Auch die menschlichen Verflechtungen und Beziehungen werden immer in authentischer Weise vermittelt und die Figuren haben klare Konturen; ihr Verhalten wirkt echt.

Ich freue mich als Nächstes auf "Grabesgrund" und hoffe, auch an den weiteren Ruth Galloway-Bänden in deutscher Übersetzung (ein Dank an die Übersetzerin Tanja Handels!) demnächst meine Freude (und schöne sowie auch spannende Lesestunden) haben zu können! Ich werte mit 4,5 * oder 94° auf der "Krimi-Couch".

Veröffentlicht am 04.11.2019

Köstlicher Suppen- und Eintopfzauber in nur 30 Minuten...

Schnell und einfach zum Suppenglück
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Das 160 Seiten starke "Suppenglück" von Annette Heisch erschien in reizvollem Cover und handlich, toller Aufmachung im Reader's Digest Verlag Das Beste in einer überarbeiteten Neuausgabe (2019, broschiert).

Das ...

Das 160 Seiten starke "Suppenglück" von Annette Heisch erschien in reizvollem Cover und handlich, toller Aufmachung im Reader's Digest Verlag Das Beste in einer überarbeiteten Neuausgabe (2019, broschiert).

Das Kochbuch für Suppenfans enthält nicht nur köstliche und schnell zubereitete Suppen, sondern auch sehr leckere Eintöpfe. Allen Rezepten liegen frische Zutaten zugrunde, die man meist im Haus (oder im Garten/auf dem Balkon) hat: Ein gut strukturiertes Inhaltsverzeichnis gibt einleitend wertvolle Tipps über die Basis aller Suppen und Eintöpfe sowie über Würzvorräte und Vorräte für die Suppenküche.

Der Hauptteil des Suppenkochbuchs umfasst

- klare Suppen und Einlagen

- Cremige Suppen

- Hauptgerichte aus dem Suppentopf

- Internationale Suppen und Eintöpfe

und schließt mit Besonderheiten zu Klößchen, süßen Suppen und pikanten und eiskalten Suppen die einzelnen Rubriken ab. Ein Register erleichtert das Finden des Rezepts, nach dem man gerade sucht und es ist wirklich für jeden etwas Passendes dabei. Besonders gut gefiel mir die jeweilige Illustration und auch die Ausgewogenheit und Vielfalt der einzelnen Suppenrezepte, besonders lecker fand ich (bzw. die ganze Familie) die Klassiker wie Kartoffelsuppe mit Schnittlauch-Schmand und Bohnentopf mit Aprikosen und Lamm (ein Gedicht!). Auch die internationelen Suppen haben es uns angetan, z.B. der Indische Currytopf mit Reis und der Provenzalische Gemüse-Rindfleisch-Topf! Die Gerichte sind leicht nachzukochen und bieten sogar Variationsmöglichkeiten, was mir ebenfalls angenehm auffiel.

Fazit:

Jedem Fan einer köstlichen Suppe oder eines schnellen Eintopfs (gerade jetzt in der kälteren Jahreszeit) kann ich "Suppenglück" sehr empfehlen. Wenn's mal schnell gehen muss - und trotzdem lecker und gesund sein soll, findet man das passende Rezept! Tolle Idee und Umsetzung, die ich mit 5* bewerte.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Van Veeteren meets Barbarotti

Der Verein der Linkshänder
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"Der Verein der Linkshänder" von Hakan Nesser erschien (HC, gebunden) im btb-Verlag, 2019 und das Besondere dieses außergewöhnlichen Kriminalromans (obgleich Roman auf dem Cover steht) ist für viele Fans ...

"Der Verein der Linkshänder" von Hakan Nesser erschien (HC, gebunden) im btb-Verlag, 2019 und das Besondere dieses außergewöhnlichen Kriminalromans (obgleich Roman auf dem Cover steht) ist für viele Fans des schwedischen Bestseller-Autors mit Sicherheit, dass hier sowohl Van Veeteren (aus der gleichnamigen Reihe vielen bekannt) als auch Barbarotti (dito) gemeinsam ermitteln und recherchieren, wenn auch erst am Ende des Buches, das in drei Teile gegliedert ist und mich wie bereits zuvor "Der Fall Kallmann" zu begeistern und aufs Trefflichste zu unterhalten wusste....
(Sowohl auf die Van Veeteren-Romane als auch die Barbarotti-Romane des Autors darf ich mich noch größtenteils freuen, da ich sie noch nicht kenne).

Inhalt:

"Kommisar Van Veeteren - mittlerweile im Ruhestand, aber so legendär wie eh und je - bereitet sich innerlich darauf vor, seinen 75. Geburtstag zu feiern, als ein früherer Kollege auftaucht, um ihm von einem alten Fall zu berichten. Damals waren in einer Pension in Oosterby vier Menschen ums Leben gekommen, die nur eines gemeinsam hatten: Die Mitgliedschaft in einem "Verein der Linkshänder". Da das fünfte am Treffen heimlich teilnehmende Mitglied verschwunden war, wurde der Mann schnell als Täter identifiziert, aber niemals gefunden. Nun ist überraschend nach Jahren seine Leiche aufgetaucht, offensichtlich wurde er zur selben Zeit ermordet wie die anderen. Mit anderen Worten: Van Veeteren und seine Kollegen haben damals versagt, der Mörder ist weiter auf freiem Fuß. Bald danach wird eine weitere Männerleiche gefunden - mit den Ermittlungen hier betraut: Ein gewisser Inspektor Barbarotti...."
(Quelle: Klappentext)

Meine Meinung:

Dieser stilistisch ganz unaufgeregt und dennoch sehr spannende Roman entführt den Leser ins schwedische Oosterby Ende der 60er Jahre: Marten Winkelstroop und Rejmus Fiste, beide Linkshänder, die in der Schule mit einem sog. "Korrekturhandschuh" dazu gezwungen werden, mit der rechten Hand zu schreiben, gründen einen "Verein der Linkshänder", dem später noch Quintus Maasenegger und Kuno Blavasky sowie die Zwillinge Clara und Birgitte Behrens beitreten werden. Wer diese Zeit erlebte, findet sich selbst in Erinnerungen wieder - oder so wie ich, Erinnerungen an den "Clubkeller" meiner älteren Geschwister und von Jugendlichen jener Zeit, in dem Musik gehört, Feste gefeiert und auch Marihuana konsumiert wurde. Nesser gelingt es, die Protagonisten sehr lebendig darzustellen und ihre Gedankengänge offenzulegen, auch die Zweifel und Ungereimtheiten. Clara und Birgitta (äußerlich so gut wie nicht voneinander zu unterscheiden, sehr wohl jedoch von ihrer unterschiedlichen Charakteristik; während Clara stark und mutig ist, erscheint Birgitte eher zurückhaltend und ängstlich) betreuen die Kinder eines reichen Ehepaars, das in der Filmbranche arbeitet, um sich ihr Taschengeld aufzubessern. Eines Tages entwickeln einige in der Gruppe einen Plan, um endlich mehr Geld für Schallplatten und andere Träume zur Verfügung zu haben - wird er gelingen?

Der Krimi spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen; Ende der 60er, im Jahre 1991, als alle Mitglieder des "Vereins der Linkshänder" eingeladen werden, um sich erneut in Oosterby zu treffen, und in der Gegenwart bzw. 2012, als Van Veeteren nicht umhin kommt, sein damaliges Versagen als leitender Ermittler mit einem erfolgreichen Finden des wahren Mörders ad acta zu legen; seine Ehre als lebende Legende wäre sonst angekratzt. Nesser erzählt die Geschichte des VdL, des Treffens über 20 Jahre später und die Arbeit der Polizisten und Ermittler in der jetzigen Zeit sequenzgemäß, in den drei Zeiten immer wieder wechselnd, so dass trotz ruhiger Erzählweise (oder gerade deswegen?) immer mehr Spannung aufgebaut wird. Auf literarisch hohem Niveau versteht es der Autor, den Leser miträtseln zu lassen und die Hauptprotagonisten sehr detailliert zu zeichnen. Ich bin von diesem Stil sehr fasziniert und freue mich bereits auf weitere Werke von ihm!

Auch trockener Humor, der Van Veeteren zu eigen ist und auch die liebevolle Beziehung zu Ulrike, die dem fast 75jährigen ermittlungstechnisch und psychologisch zur Seite steht (und selbst großen Gefallen an dieser Aufgabe hat), durchzieht den Roman auf positive Weise, besonders was die eigene Vergänglichkeit betrifft. Im letzten Teil trifft man auf Barbarotti und Backman, die ebenfalls verliebt ineinander sind und mehr als Kollegen (nach außen hin jedoch schon). Der Kriminalroman lebt durch seine, teils auch humorvollen, Dialoge, die sehr viel Lebendigkeit in die jeweilige Person transportieren. Es wird klar, dass bei einer Person die Fäden letztendlich zusammenlaufen - und den Ermittlern wenig Zeit bleibt, einen weiteren Mord noch zu verhindern... Nesser lässt schlussendlich den Mörder selbst zu Wort kommen, der emotionslos, kalt und abgebrüht ist, dessen Motivation jedoch nicht im Unklaren bleibt.
Dank Barbarottis "Intuition" kommen sie ihm gemeinsam auf die Schliche; der Plot ist stimmig - und offene Fragen sind geklärt. Ein wahres Lesevergnügen für jeden Fan guter Kriminalromane!

Fazit:
"Der Verein der Linkshänder" liest sich wie das Zurückspulen eines Tonbandes (in den 60er in jedem Clubkeller vorhanden wie auch der Schallplattenspieler) oder auch einer Musikcassette, wobei immer mehr Details der Verbrechen sowohl 1969 als auch 1991 offenkundig werden, wenn auch die Lösung lange auf sich warten lässt und nicht vorhersehbar ist. Nesser zu lesen ist von tiefgründiger, subtiler Spannung erfüllte Lesewonne! Mich konnte sowohl der Autor als auch "Der VdL" vollkommen überzeugen und ich empfehle ihn absolut weiter! 5* und 100° auf der "Krimi-Couch".