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Veröffentlicht am 25.03.2026

Von der Suche nach einem (vermeintlich) guten Leben

Das gute Leben
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"Ein gutes Leben" von Nadine Schneider erschien im S. Fischer-Verlag (2026, HC, geb., 304 Seiten) und beschäftigt sich (wie ich recherchierte, da mir die Autorin mit deutsch-rumänischen Wurzeln bisher ...

"Ein gutes Leben" von Nadine Schneider erschien im S. Fischer-Verlag (2026, HC, geb., 304 Seiten) und beschäftigt sich (wie ich recherchierte, da mir die Autorin mit deutsch-rumänischen Wurzeln bisher nicht bekannt war) auch in diesem Roman mit der Geschichte einer Auswanderung von Rumänien nach Deutschland.

In diesem Roman tritt die Hauptprotagonistin Anni in Erscheinung, die Mitte der 60er Jahre (sie ist gerade mal 22 und schwanger) beschließt, nach Deutschland zu emigrieren, da sie für sich und ihr Kind keine Perspektive in Rumänien sieht (was ich persönlich als sehr mutig empfinde und der Hauptgrund war, diesen Roman lesen zu wollen).

Anni gelingt es, die Hürde, ausreisen zu dürfen, nehmen zu können (sie ist nicht gerade auf den Mund gefallen; kann auch sehr bestimmt auftreten) und plagt sich dennoch mit Schuldgefühlen, da sie sich fragt, was aus ihrer Mutter werden soll, wenn sie ohne sie zurechtkommen muss (der Bruder ist bereits in Deutschland). So führt ihre Reise (Mitte der 60er Jahre) über Österreich, wo sie nach 20 Jahren ihren Vater erstmals wiedersieht, nach Nürnberg, wo auch der Bruder lebt: Wie sich herausstellt, ist die kleine Wohnung sehr eng und düster; Anni kann sich nicht vorstellen, dass dies für längere Zeit mit ihrem Kind das Richtige sein wird. Die "Sippschaft" (die Anni nicht mag), hat jedoch keinen Platz für sie und ihr Kind und so bleibt sie erst einmal beim Bruder, dessen Leben aus viel Arbeit besteht; die beiden haben kaum Berührungspunkte.

Die Situation ändert sich, als Anni sich mithilfe der ihr mutmachenden Kati, einer Ungarin, die ihre erste Freundin werden sollte, im Versandhaus Quelle vorstellt: Sie wird kurz darauf als Verpackerin eingestellt und steht tagaus, tagein in einer großen und lauten Halle mit vielen KollegInnen, die die Pakete ins Wirtschaftswunderland versenden. Nun beginnt Anni, die bisher alleine und einsam war, sich vorwiegend um ihre Tochter Helene kümmerte, Hoffnung zu sehen, "dass es aufwärts geht". Ein Onkel versprach ihr zumindest, dass sie nach seinem Tod sein Haus erben solle; was dieser auch eingehalten hat.

So arbeitet Anni über 35 Jahre bei Quelle bis kurz vor der Schließung 2009 und zieht nicht nur Helene, ihre Tochter, alleine groß - sondern auch ihre Enkeltochter Christina, die sich hier nach dem Tode Annis in Rückblicken an ihre Großmutter erinnert. Die Frage ist, ob sie das Haus von Anni verkaufen sollte - und ob sie bereit dazu ist, sich dem Loslassen zu stellen, da sie in Berlin lebt und arbeitet.

Ein Teil des Gartens ist von Weinreben bedeckt: Diese hat Anni einst von ihrer Mutter aus Rumänien mitgebracht; ob er auch in Berlin anwächst? Diesen Romanteil fand ich irgendwie tröstlich, da sehr viel Einsamkeit, Ängste, Fremdsein, auch Überforderung aus den Zeilen sprach: Trotz aller Zerrissenheit der Familie (die Mutter von Christina, Helene, lebt in Florida) hat dieser Weinstock, der stets "mitwandert", eine Bedeutung. Er ist quasi eine Verbindung zwischen Rumänien, Deutschland (Nürnberg und jetzt Berlin) und eine wunderschöne Metapher.

Annis Ängste, ihr Fremdsein und auch ihre Einsamkeit in den ersten Jahren werden sehr gut sprachlich dargestellt; allerdings ist der Roman eher prosaisch und sehr nüchtern geschrieben. Zu einem ernsten, anspruchsvollen Thema wie diesem passt dieser zwar, jedoch muss man sich recht viel emotional 'zusammenreimen', besonders Helene oder Nebenfiguren wie den Bruder oder die Urgroßmutter betreffend. Stilistisch ist er eine Herausforderung, da er viel Konzentration des Lesers erfordert: Zeitlich gibt es unglaublich viele Sprünge, so dass das Lesen für mich zwar interessant, aber auch eher anstrengend war. Hier hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht; etwa ein Roman auf mehreren Zeitebenen, in denen man sich dann gleich zurechtfindet, da man sie besser zuordnen kann. Der Stil ist aber auch atmosphärisch und flüssig, so dass man relativ schnell in der Handlung ankommt. Auch stellt man sich die tiefgehende Frage, ob Anni das Leben gefunden hatte, das sie suchte, als sie in den 60er Jahren nach Deutschland kam: Ich empfand Ärger, dass diese mutige junge Frau zeitlebens als Verpackerin arbeiten sollte und hinter ihren beruflichen Möglichkeiten zurückbleiben musste, da sich hierfür zu dieser Zeit sicher keine Chancen auftaten. Zu denken gibt auch, dass eine offene, nicht schüchterne junge Frau in der Fremde eher 'kleinlaut' wird, aus sprachlichen Gründen fortan leise spricht; nicht zu hören ist (und sich auch niemals beschwert). Diese Punkte hat Nadine Schneider hervorragend in den vier Romanteilen herausgearbeitet.

Fazit:

Ein bewegender und auch betroffen machender Roman, der die Emigration einer rumänisch-deutschen jungen Frau sehr gut darstellt und hierbei in prosaischer Weise in die Tiefe geht; auch anspruchsvoll und lesenswert ist. Allerdings verlangen zahlreiche abrupte Zeitsprünge dem geneigten Leser einiges an Konzentration ab, die das Lesen auch anstrengend machen. Ich hätte mir z.B. verschiedene Zeitstränge, die zusammenlaufen, besser vorstellen können. "Das gute Leben" erhält von mir 3,5 * und eine Empfehlung an alle LeserInnen, die sich mit dem Thema Emigration, Fremdsein, reale Lebensläufe in den 60er Jahren bis heute (und politische Verhältnisse, die hier auch Erwähnung finden) beschäftigen möchten und diese Themen interessant finden.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Die Bücherdiebe des Graphischen Viertels zu Leipzig

Das Antiquariat am alten Friedhof
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"Das Antiquariat am alten Friedhof" von Kai Meyer ist der Ort, an dem der 4. Band um Geheimnisse des Graphischen Viertels angesiedelt ist. Der Roman erschien 2025 im Knaur-Verlag (geb., HC, 510 Seiten).

"Die ...

"Das Antiquariat am alten Friedhof" von Kai Meyer ist der Ort, an dem der 4. Band um Geheimnisse des Graphischen Viertels angesiedelt ist. Der Roman erschien 2025 im Knaur-Verlag (geb., HC, 510 Seiten).

"Die Bücherstadt Leipzig, 1930: Inmitten unruhiger Zeiten versammeln sich vier junge Männer in einem Antiquariat im Graphischen Viertel. Alle sind Söhne aus gutem Haus, alle sind vom Leben gelangweilt. Statt ihrem Studium nachzugehen, gründen Felix, Vadim, Julius und Eddie den "Club Casaubon". Getrieben von ihrer Leidenschaft für Literatur und der Lust am Abenteuer werden sie zu Bücherdieben, spezialisiert auf kostbare, okkulte Bände. Doch als die rätselhafte Eva zum Club stößt, werden sie immer tiefer in die Pläne erbarmungsloser Mächte hineingezogen.

Fünfzehn Jahre später, 1945: Nach dem Krieg arbeitet Felix als Bibliothekar für die Amerikaner, um Millionen von geraubten Büchern zu katalogisieren. Seine Mission führt ihn zurück in das zerstörte Leipzig. Die Freunde von damals sind verschollen - oder nicht wiederzuerkennen. Und ist Eva wirklich tot? Während die Stadt unter dem Druck der nahenden sowjetischen Besatzung steht, gerät Felix in ein Netz aus Intrigen und tödlichen Geheimnissen, das seinen Ursprung in den finstersten Winkeln seiner Vergangenheit hat."

(Quelle: Buchrückentext des Knaur Verlages)

Wie die Vorgängerbände, die in der Reihe um das Graphische Viertel bereits erschienen sind (und alle unabhängig voneinander äußerst lesenswert sind), geht es auch hier um Geheimnisse, um Freundschaft und Verrat im Bann der Bücher; wobei okkulte Bücher (die tatsächlich existieren, von denen ich aber noch nie gehört hatte) hier eine besondere Rolle spielen. Die vier Freunde nehmen eines Tages einen "Spezialauftrag" an, der sich als äußerst gefährlich erweisen sollte. Felix, das Hauptprotagonist, ist vor 15 Jahren nach Amerika ausgewandert und soll auf Patmos geraubte Bücher sichten und in Sicherheit bringen. Er ist Mitarbeiter der Publication Control Branch und wird eines Tages wieder nach Leipzig berufen (das er zerstört und voller Ruinen vorfindet; das graphische Viertel wurde 1943 dem Erdboden gleichgemacht), da dort ein ominöser Vorleser in amerikanischem Gewahrsam ist, der behauptet, es gäbe eine Privatbibliothek Hitlers und nur er könne Felix (und er möchte nur mit ihm sprechen) anvertrauen, wo sich diese befindet: Im Gegenzug verlangt er jedoch ebenfalls etwas. Ist der Mann hinter der Maske (das Gesicht wurde bei einem Luftangriff zerfetzt) wirklich Vadim Seewald, der Eigentümer des alten Antiquariats?

Dies und vieles mehr herauszufinden, ist Aufgabe des geneigten Lesers, der hier Zeitgeschichte zwischen 1930 und 1945 gepaart mit viel Spannung, Agenten, okkulten Büchern, einer Gruppe abenteuerlustiger Studenten und einer mutigen Frau konfrontiert wird. Diverse Personen selbst zu recherchieren (etwa den Zauberer Aleister Crowley), dem man im Buch kurz begegnet, oder die Geschichte des Krystallpalasts (Feierbabylon genannt) in Leipzig fand ich äußerst spannend. Meyer lässt den Leser lange im Dunkeln, was die Zusammenhänge der agierenden Personen betrifft, während die beiden Zeitstränge immer mehr aufeinander zulaufen und mehr und mehr Helligkeit ins (oft auch grausame) Dunkel bringen. Auch von "Litéraire automatique" hatte ich nie zuvor gehört. Schön fand ich, dass man Figuren aus früheren Bänden hier wiedertrifft: Cornelius Frey und noch jemanden tauchen im Roman auf. Die spannendsten Seiten waren für mich die Reise mit Eva im Lazarettzug quer durch die Karpaten, die es aus dem Osten kommend nach Deutschland gegen Kriegsende tatsächlich gab (über Bibliothekswaggons konnte ich leider wenig finden). Hier ist das Nachwort des Autors interessant, dessen Großvater als Arzt in diesen Lazarettzügen mitfuhr.

Um nicht zu spoilern, möchte ich nicht mehr über den Inhalt dieses grandiosen Romans erzählen, der den Leser ins historische Leipzig führt, auch nach Patmos und für eine kurze Zeit an die Amalfiküste. Man sollte sich diese spektakuläre, erdachte Geschichte, die jedoch reale Persönlichkeiten und eine atmosphärische Historie in Leipzig beinhaltet, selbst erlesen (inclusive einem fulminanten Ende und einem Showdown in der Villa Bittner, der es in sich hat.

Fazit:

Ich habe sämtliche Vorgänger mit Begeisterung gelesen und hatte den Eindruck, dass das meisterhafte und gekonnte Verweben verschiedener Genres (Historie, Mystery, Fantasy und Spannung) noch eine Steigerung erfahren hat, von mir also eine absolute Leseempfehlung für alle Fans dieses außergewöhnlichen Autors! 5*

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Linda Lundin's 1. Fall im winterlich-frostigen Lappland

Tod unter Nordlichtern
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Vorneweg möchte ich sagen, dass ich die Autorin bereits aus dem belletristischen Bereich kannte und sie wegen ihrer authentischen, atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen Lapplands sehr schätze ("Helle ...

Vorneweg möchte ich sagen, dass ich die Autorin bereits aus dem belletristischen Bereich kannte und sie wegen ihrer authentischen, atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen Lapplands sehr schätze ("Helle Tage, helle Nächte"). Daher war ich auf diesen Kriminalroman und den 1. Fall für Linda Lundin mehr als gespannt! Erschienen ist der Kriminalroman im Oktopus Verlag, Zürich (tb, 317 S., 2025).

Worum geht's?

"Jokkmokk am Polarkreis. Ein einsamer Landstrich. Die Zweige der Kiefern biegen sich unter den Schneemassen, auf dem zugefrorenen See finden Husky-Rennen statt. Man sollte meinen, bei Temperaturen bis zu Minus 25 Grad gehen nur die aus dem Haus, die unbedingt müssen. Aber die Einheimischen bereiten wie jedes Jahr vorfreudig den samischen Wintermarkt vor. Bis ein junger Mann aus ihren Reihen ermordet wird. Linda Lundin aus dem südschwedischen Lund tritt gerade erst ihren Job als Kriminalkommissarin des größeren Ortes Gällivare an, als sie für die Ermittlungen nach Jokkmokk berufen wird. Wer hat den 19jährigen Lucas getötet, der bei allen so beliebt war? War der tragische Tod seines besten Freundes Emil, der im Dezember im See ertrank, gar kein Unfall? Muss das Dorf mit weiteren Morden rechnen?"

(Quelle: Buchrückentext des Oktopus-Verlags)

Meine Meinung:

Ein spannender Kriminalfall entrollt sich vor den Augen des Lesers in Jokkmokk, einem sonst eher ruhigen Ort mit leichten Delikten. Es ist die Zeit des Wintermarktes und die Bewohner bereiten wie jedes Jahr das traditionelle samische Fest vor, als ein Mord geschieht: In einem früheren Café auf dem Berg wird Lucas gefunden, ein 19jähriger Abiturient, der bei allen beliebt war. Ein Schock für Per-Ante, den Enkelsohn der alten Satu, die fortan besorgt ist um die Sicherheit ihres Enkels. Als Julla, eine Journalistin, die einen Bericht über die Medizin der Samen schreiben möchte, in Jokkmokk eintrifft, kann sie sich bei Satu einquartieren und nimmt teil an den nun einsetzenden spannenden Ermittlungen. Linda, noch nicht lange im Polizeidienst und zur Kriminalkommissarin aufgestiegen, wird kurzerhand nach Jokkmokk zur Ermittlung berufen und lernt vor Ort, dass die Polizei dünn gesät ist - und zudem das Büro völlig ausgekühlt ist, da die Heizung ausfiel. Zur Seite steht ihr Bengt Karlsson (der sich neben Linda, die ebenfalls sehr sympathisch ist, zu meiner Lieblingsfigur entwickelt) und zwei weitere Hilfspolizisten. Doch der Fall ist vertrackt: Emil, Per-Ante und Lucas waren Freunde. Emil hatte einen Scooter-Unfall und ertrank auf tragische Weise im See. War es ein Unfall oder Mord? Was sind die Hintergründe, die dazu führten, dass Lucas wenig später erstochen aufgefunden wird; mit einem Messer, das eine - wenn auch in diesem Falle ungeschickte - samische Hand gefertigt hat? Ist der Besitzer der Mordwaffe, die von der Spurensuche gefunden wird, auch gleichzeitig der Mörder von Lucas? Und was hat es mit den vielen Kronen auf Lucas Konten auf sich: Woher hatte ein 19jähriger Abiturient so viel Geld auf der Bank?

All' diese Fragen stellen sich Linda und es macht Spaß und ist sehr interessant, auf welche Schlussfolgerungen sie und ihr Kollege Bengt kommen. Die Krimihandlung ist sehr spannend, durchwebt mit interessanten Charakter und stimmig: Sie ist aber auch weit mehr als "bloß" ein guter Krimi! Das Buch begeisterte mich wiederum mit vielen Fakten, die ich über die Samen nicht wusste (etwa, dass sie eigentlich 8 Jahreszeiten haben, die sich an den Rentieren orientieren). Auch ist es kulturell ein Gewinn, Hiltrud Baier, die selbst über zwei Jahrzehnte in Lappland zu Hause ist, vieles Interessante über die Kultur der Samen, hier z.B. des Winterfestes in Jokkmokk, zu lesen. So besucht man ein Eishotel, nimmt an einem Hundeschlitten-Rennen teil und ist immer wieder begeistert von den faszinierenden, wunderschönen Landschaftsbeschreibungen, die 'ganz nebenbei' in den Kriminalroman mit einfließen. Zum Ende wird es - wie meist in guten Krimis - besonders spannend und es gibt überraschende Wendungen, die so nicht vorhersehbar waren. Mir hat "Tod unter Nordlichtern" sehr gut gefallen und mir die nordische samische Kultur überdies näherbringen können.

Fazit:

Für den spannenden, unterhaltsamen und sehr atmosphärischen Kriminalroman, der auch kulturell eine Bereicherung darstellt (das Volk der Samen) vergebe ich die volle Punktezahl und 100° auf der Krimi-Couch sowie eine absolute Empfehlung. Ich freue mich bereits auf weitere Fälle von Linda Lundin im Hohen Norden!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Undurchsichtiger Fall bei Eiseskälte und im nordischen Nebel...

Lügennebel
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Auch ich bin, wie viele andere hier, seit Beginn der Hanna-Ahlander-Reihe Fan dieser Serie - und mag den Schreibstil von Viveca Sten, der sich durch hohe Spannung (die bis zuletzt gehalten wird!) und kurzen ...

Auch ich bin, wie viele andere hier, seit Beginn der Hanna-Ahlander-Reihe Fan dieser Serie - und mag den Schreibstil von Viveca Sten, der sich durch hohe Spannung (die bis zuletzt gehalten wird!) und kurzen Kapiteln widerspiegelt.

Der 4. Fall für Hanna Ahlander und ihren sympathischen Teamermittler Daniel Lindskog ist von Beginn an nebulös: Während Hanna sich anlässlich ihres Geburtstags in Kurzurlaub befindet, erhält sie die Info ihres Kollegen Daniel, dass eine junge Frau tot im Schnee eines Grundstücks gefunden wurde und man nicht wisse, ob es sich hier um einen Unglücksfall oder um ein Verbrechen handele.

Kurzerhand unterbricht Hanna ihren luxuriösen Aufenthalt mit ihrem derzeitigen Lebensgefährten Henry, der sich einiges einfallen ließ, um sie zu überraschen und kehrt in den Ermittlerkreis zurück: Es handelt sich um eine Gruppe junger Studenten, die im Haus von Willes Eltern, ihrerseits sehr vermögend, in Are einige Tage Urlaub machen wollen, Skifahren und feiern. Während Olivia, Wille, Emil, Amir und Pontus im selben Studiengang sind, ist Fanny eine Jurastudentin, die mit Olivia eng befreundet ist. Am ersten Abend feiern alle in der prächtigen Villa unweit der Skipiste, die sie auch am nächsten Tag befahren wollen, als der Abend mit viel Alkohol, Drogen und Spielen aus dem Ruder läuft: Am nächsten Morgen wird Fanny im Schnee aufgefunden, die Ermittlungen setzen wenig später an....

Die Aussagen der einzelnen Jugendlichen der Studentengruppe sind spärlich, Hanna und Daniel wissen zunächst nicht, was wirklich dazu führte, dass Fanny tot unweit des Hauses aufgefunden wurde. Der Hausmeister, der durch einen Code jederzeit Zugang zu den von ihm betreuten Häusern hat und Nachbarn werden befragt, doch die beiden versierten Ermittler tappen im Dunkeln bzw. stehen im Neben:

Wer lügt sie bei den Vernehmungen an und wer lässt Wichtiges aus? Diese Fragen stellen sich Daniel und Hanna bei so mancher Vernehmung (und mit ihnen der Leser); auch die klirrende Kälte bei -15°C lässt einen beim Lesen dieses hochspannenden und dramatischen Krimis erschauern; die Autorin versteht es hervorragend, viel Atmosphäre zu der ohnehin spannenden Entwicklung des Kriminalromans einzuflechten. Besonders gefallen haben mir (Abfahrtsski gehört für mich zu den schönsten Sportarten, ich hätte viel früher damit anfangen sollen und öfter Ski fahren sollen, als ich dies getan habe ;) die Beschreibungen der Pisten, die sich die Studenten vorgenommen haben: Hier kommt die ebenfalls etwas gruselig anmutende Gruppendynamik sehr klar zum Vorschein!

Ebenfalls eingeflochten sind Gedanken und Gefühle der unglaublich gut harmonierenden und aufeinander eingespielten Ermittler Hanna und Daniel, die sich in jedem Band weiterentwickeln; auch der Kollege Anton ist ein großer Sympathieträger, der hier einen gewaltigen Schritt nach vorne geht und auch beweisen will, dass er in die Abteilung Schwerkriminalität gehört (was ihm fast zum Verhängnis hätte werden können). Einen kleinen Kritikpunkt habe ich: Der äußerst noble (auch sympathisch rüberkommende) Henry passte für mich nicht unbedingt zu Hanna - die sich von Geld und Besitz im Grunde nicht blenden lässt. Ob diese Verbindung lange Bestand haben wird? Hier hält uns Viveca Sten weiter hin und man wünscht sich, dass zwei zusammenfinden mögen, die sich optimal ergänzen und längst Gefühle füreinander hegen ;) Ich hoffe auf einen baldigen Nachfolger dieses sehr lesenswerten schwedischen Krimis, auf den ich mich schon jetzt freue! Von mir 4,5 * und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Fesselndes Familien- und Gesellschaftsportrait der deutschen Nachkriegszeit

Hanne. Die Leute gucken schon
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ch habe auch den zweiten Band begeistert zu Ende gelesen: Ein authentisches Stück Zeitgeschichte, in der man sich in die Nachkriegszeit der 50er und 60er Jahre zurückversetzt fühlt.

Die Autorin hat einen ...

ch habe auch den zweiten Band begeistert zu Ende gelesen: Ein authentisches Stück Zeitgeschichte, in der man sich in die Nachkriegszeit der 50er und 60er Jahre zurückversetzt fühlt.

Die Autorin hat einen fesselnden und auch berührenden Schreibstil und auch kritische Äußerungen kann man dem Buch entnehmen. Zum Beispiel das große "Schweigen" der Elterngeneration zum Geschehen (und Mitwirken?) im 2. Weltkrieg; der Tatsache, dass viele "Würdenträger" wie Richter u.ä. wieder auf ihren Posten sassen, als ob nichts gewesen wäre.

Die Stimmung der 50er und 60er Jahre wird in der Familie, der Minna und Hanna entstammen, sehr gut veranschaulicht und porträtiert. Besonders schön auch die Freundschaft zwischen Minna und Fannie - ihres Zeichens Sinti, die mit viel Glück als einzige den Horror des Dritten Reichs überlebte und sich schon immer mit Minna verstanden hat. Ein Kapitel, das recht düster ist, findet auch hier Raum:

Die TBC-Kranken der Nachkriegszeit, hier hat auch Hanne vieles mitzumachen, das ihre Persönlichkeit vermutlich sehr verändert hat. Sie wirkt sehr angepasst und naiv, findet jedoch später doch noch ihren Weg, wenn auch mit Hindernissen gespickt. Romy, ihrer aufmüpfigen Tochter, ist nun der 3. Band gewidmet, ich bin sehr gespannt darauf und freu mich schon!

Die Trilogie hat ihren Ursprung in der Familiengeschichte der Autorin Felicitas Fuchs aka Carla Berling, die darüber hinaus auch Krimis schreibt und Ostwestfälin ist. Chapeau von mir für den sehr gelungenen und fesselnd geschriebenen, authentischen Roman und die Trilogie! 5* und 95° auf der Histo-Couch.

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