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Veröffentlicht am 08.05.2019

Die heilende Kraft der Freundschaft

Alte Sorten
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"Alte Sorten" von Ewald Arenz erschien bei Dumont (geb., HC, 2019) und ist ein absolut lesenswerter Roman über die Lebensgeschichten zweier ungleicher Frauen, die sich gegenseitig helfen können, aus einem ...

"Alte Sorten" von Ewald Arenz erschien bei Dumont (geb., HC, 2019) und ist ein absolut lesenswerter Roman über die Lebensgeschichten zweier ungleicher Frauen, die sich gegenseitig helfen können, aus einem problembelasteten Leben einen Ausweg finden zu können und alte Verletzungen zu heilen....


Wir begegnen zum einen Sarah ( Sally); einer 17jährigen jungen Frau, die aus einer (der vielen) Kliniken entflieht, in denen sie es einfach nicht mehr aushält: Sie rebelliert (nicht ganz zu Unrecht) gegen die Welt der Erwachsenen, der sog. professionellen Helfer, was sich in Essstörungen zeigt und einem sehr negativen Selbstbild. Liss, eine ältere, Mitte40jährige Frau, lebt seit Langem alleine im elterlichen Hof, den sie selbst bewirtschaftet, sich jedoch - umgeben von Büchern - vor der Welt und den Dorfbewohnern, die sie allesamt ausser Anni, der zähen alten Bäuerin, die noch mit 80 Jahren Rad fährt, ablehnen.

Die beiden begegnen sich zufällig auf dem Weinberg von Liss und nachdem Sally hilft, den Anhänger des Traktors aus dem Graben zu ziehen, bietet Liss ihr spontan an, dass sie auf dem Hof übernachten kann. Sally bemerkt, dass diese Frau anders ist, direkt und offen - und auch wenn sie geraume Zeit "immer auf dem Sprung" ist und an ihre Grenzen stößt, wird aus einer Nacht eine längere Zeit, Wochen.....

Zeigt sich in Sallys Sprache und Handlungen deren innere Zerrissenheit anfangs, so stellt man nach und nach fest, dass ihr die körperliche Arbeit auf dem Hof gut tut und sie immer mehr in ihrer sensiblen Mitte ankommt: Sie ist intelligent und weiß oft im Voraus, welche Handgriffe beim Kartoffelernten, Keltern, Imkern, Schnapsbrennen und Weinlesen zu tun sind. Behutsam lassen die beiden unterschiedlichen Frauen sich mehr und mehr aufeinander ein, ohne sich einzuengen: Sie helfen sich gegenseitig und gewähren sich dennoch Freiheit, eine neue Erfahrung und nach alten Verletzungen eine heilende für beide! So stellen sich bei der zuvor verstörten Sally erste positive Impulse ein (Gedanken zum Septemberlicht)

"Es war, als wollte die Welt noch einmal zeigen, wie schön sie sein konnte, wie viele Farben sie hatte, wie frisch sie riechen konnte!" (S. 71)

Als Septemberkind haben mich diese Zeilen, die auch den intensiven, klaren und prägnanten, dennoch sehr atmosphärischen Schreibstil des Autors kennzeichnen, sehr berührt.

Der Romantitel bezieht sich auf einen verwilderten alten Garten voller Birnbäume, der von Liss verhasstem Vater angelegt worden war und von deren Bitterkeit zeugt, bevor Sally ihn kurzerhand in einen "Zaubergarten" verwandelt, der wild belassen wurde und jetzt Liss gehört - sie eröffnet damit eine neue, heilsame Perspektive für Liss, die dies "so noch nicht gesehen hatte". Liss, die viele verletzende Erfahrungen in ihrem Leben machen musste, wirkt sehr stark und dennoch auch zerbrechlich

"Ich würde so gerne erleben, einmal nur, dass ich jemand reicher gehen lassen kann, als er zu mir kommt. Reicher und gesünder". (Zitat Liss S. 174)

Dieser Roman mit seinen beiden auf ihre jeweils unterschiedliche Art starken Charaktere ist ein intensives Leseerlebnis, da auch der Hof und die Landschaften atmosphärisch dicht beschrieben werden und eigene Bilder im Leser wachrufen. Wird es Sally und Liss gelingen wie bei der Bestäubung der Bienen mit Puderzucker, die "Milben der Vergangenheit" allesamt hinter sich zu lassen, um ein freies, eigenständiges und glückliches Leben zu führen?

Fazit:

Ein Roman voller sprachlicher Tiefe, Ewald Arenz verfügt über einen ausgesprochen klaren, schnörkellosen Schreibstil, der alles Unwesentliche bewusst beiseite lässt - dafür aber die Vorstellungskraft und die Sinne des Lesers aktiviert. Eine sehr intensiv erzählte Geschichte über die aufkeimende Freundschaft zwischen zwei verletzten, ungleichen Frauen, die sich einander annähern und denen es durch ungesagte Zuneigung gelingt, einander zu helfen! Emotional, aufwühlend, nachdenklich stimmend - und letztendlich optimistisch. Sehr lesenswert! Daher von mir 5* sowie eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 26.12.2018

Mehr als eine fantastische Reise durch die Welt der Sprache...

Der Wortschatz
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Dieser fantastische Roman ist - dies vorneweg - eine Reise wert: Es ist in der Tat mehr als eine Reise durch die Welt der Wörter und der Sprache: Es ist ein Versuch der Selbstfindung mittels sprachlicher ...

Dieser fantastische Roman ist - dies vorneweg - eine Reise wert: Es ist in der Tat mehr als eine Reise durch die Welt der Wörter und der Sprache: Es ist ein Versuch der Selbstfindung mittels sprachlicher Metaphern und wundervoller Wortspiele. Optisch noch weiter aufgewertet wird jedes Kapitel (und das wunderschöne Cover ohnehin) durch sehr schöne Ilustrationen von Julia Maria Stolba.


Die Reise teilt sich in nicht allzulange 11 Kapitel und jedes von ihnen steckt voller (sprachlicher) und auch inhaltlicher Überraschungen! Die Reise beginnt am Küchentisch von "Wort", dessen Vater in der Forschung tätig ist und behauptet, dass Wörter Menschen brauchen: An diesem Vormittag vergisst unser Wort seine Bedeutung, seinen Sinn und macht sich auf die nicht ungefährliche Suche nach ihnen...

So lernen wir "Zeig" kennen, den tauben Freund von Wort und erkennen die Verfolger, die sich an die "Verse" bzw. Fersen von Wörtern hängen, die in dieser Welt ihre Bedeutung verloren haben oder durch andere ersetzt wurden: Vor ihnen muss "Wort" sich hüten! Im Romantext kann man getrost und oft das Wort mit dem Menschen assoziieren, wenn es etwa heißt:

"... ohne Familie und ohne Sinn im Leben bist du nichts" (....)

So tritt unser Wort mutig seinen Weg an, um seinen Sinn (wieder) zu finden; es gerät in den Sprachfluss und in die Stadt Sprachen, in der gerade Wortspiele ausgetragen werden, die großen Erzähl- und auch durchaus "olympischen" Charakter aufweisen! Können die stattfindenden Spiele dem Wort helfen, die Gefahr zu bannen und seinen Sinn zu finden?

Es geht in diesem Büchlein um Zweifel und Ängste, aber auch um Mut und Zuversicht, um Freude an Abenteuern, Freundschaft und Lebensfreude, die allesamt mit fantasievollen und außergewöhnlichen Sprachideen und -einfällen von Elias Vorpahl prätentiös und teils sehr humorvoll zum Ausdruck gebracht werden: Vieles von dem, was unser "Wort", das wie sich herausstellt, durch seinen Artikel "weiblich" ist und den Leser herausfordert, seinen Sinn zu erraten, könnte auch für die Reise durch das eigene Leben stehen, für die Flussschnellen und auch die ruhigeren Fahrwasser, in die es uns zuweilen bringt. Ich fand diese Verbindung von tiefgründiger Poesie und Weisheit und der überbordenden Fantasie sehr gelungen - und erfreulich zu lesen! Besonders gefallen hat es mir bei den Wortspielen in "Sprachen", der Erwähnung "des stets schlechtgelaunten Imperativs" und die über allem stehende Sinnfindung: Eingerahmt wird die Geschichte von einem "alten Mann mit Papier und Feder" - ein Synonym für die Literatur und eine Hymne auf das geschriebene Wort? - der seinerseits unserem Wort auf die Silben und Buchstaben hilft - und den Leser am Schluss noch in magischer Weise miteinbezieht in die Handlung. Chapeau! Das hatte ich SO auch noch nicht ;)

Fazit:

Eine wirklich lesenswerte fantastische Geschichte über den Sinn im Leben und dass Wörter (zur richtigen Zeit ausgesprochen) ihre Wirkung wie pure Magie entfalten können. Von mir gibt es mit einem Kompliment an den Autor und Dank für schöne Lesestunden 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.04.2017

Die Liebe zum Regen - oder der Mut zum Neuanfang...

Die Liebe zum Regen
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"Die Liebe zum Regen" von Claire Hoffmann erschien (Paperback) 2017 im Diana-Verlag. Es handelt sich um das Début der Autorin, die auf sehr unterhaltsame Weise aus dem (durchaus wandelbaren) Leben der ...

"Die Liebe zum Regen" von Claire Hoffmann erschien (Paperback) 2017 im Diana-Verlag. Es handelt sich um das Début der Autorin, die auf sehr unterhaltsame Weise aus dem (durchaus wandelbaren) Leben der 57jährigen Vera Klapproth erzählt...

"In Veras wohlgeordnetem Leben bricht aus heiterem Himmel das Chaos ein. Hals über Kopf flüchtet sie nach England - als Au-pair. Ziemlich gewagt mit 57 Jahren. Doch auch in London ist die Welt nicht heil. Drei eigensinnige Mädchen machen es ihr alles andere als leicht, der Vater glänzt durch Abwesenheit, und sie spürt, dass die Familie ein Geheimnis hat. Als Vera beschließt dahinterzukommen, muss sie erkennen, dass sich auch ihre eigenen Wahrheiten nicht ewig vertagen lassen." (Quelle: Buchrückentext)

Vera ist mit Gernot, einem verknöcherten, etwas egozentrischen und sehr unaufmerksamen Richter, seit vielen Jahren verheiratet. Einerseits mag sie (Zitat) "das bequeme Leben an seiner Seite", die Restaurantbesuche jeden Montag und die Sicherheit, die sie durch ihre Ehe mit ihm erfährt; andererseits weiß sie, dass sie einen hohen Preis zahlt: Den der Anpassung.

Sie gerät etwas ins Wanken, als Gernot ihr eröffnet, dass er eine lange Auszeit in Afrika verbringen will; als ein Mädchen ihr den flyer einer Au-Pair Agentur für Grannys in die Hände drückt. Sie ergreift die Chance, die sich ihr bietet und verlässt bereits am nächsten Tag das Haus; Ziel: London und die Familie Hastings.

Dort nimmt sich Zoe, die jüngste Tochter, Vera an - mit dem Wissen, dass das neue Kindermädchen von Ruby und vor allem Amanda, ihren ältesten Schwestern, nichts Gutes zu erwarten hat.... Die kleine Zoe ist die sympathischste Romanfigur und ist mit ihren 5 Jahren sehr klug und einfach liebenswert: Die mittlere Schwester steht etwas im Schatten von Amanda (14), die in der Familie die Mutterrolle übernommen hat. Bis zur Romanhälfte wird nun in allen Nuancen geschildert, welche Machtkämpfchen sich Vera, die entschlossen ist, sich hier durchzubeißen, mit Amanda liefert. Sie spürt allerdings auch, dass sich ein Unverständnis in ihr breit macht, da die Situationsschilderung, wo denn die Mutter abgeblieben ist, vehement ausbleibt. Diese Frage, die um die Mutter der drei Mädchen kreist, ist auch ein Kernpunkt des Romans, der letztendlich zum Schluss zur Auflösung gebracht wird.

Ab diesem Zeitpunkt stellt sich Vera demonstrativ auf die Seite der Kinder und das Blatt wendet sich: Ein wenig hat mich der zweite Teil des Romans (der mir erheblich besser gefiel als die erste Hälfte) an eine Art Remake von "Mary Poppins" erinnert, was ich jetzt nicht negativ meine. Die Granny Au-pair ist allerdings hier etwas unruhig, da ihr gesundheitlicher Zustand nicht ganz geklärt ist....
Der Stil der Autorin, die hier ihr literarisches Début vorstellt, ist sehr unterhaltsam, gut und flüssig zu lesen; allerdings hat mich der stets sehr aufgeregte (innere) Ton Veras zuweilen etwas genervt, da die emotionalen ups and downs sich in kürzester Zeitfolge stetig abwechselten; die frühere Freundin Evelyn war da sicher aus anderem Holz geschnitzt. Dennoch gefiel mir die Entwicklung, die die recht mutige Protagonistin machte und sich aus ihrer Komfortzone bewegte. Besonders in der zweiten Hälfte des Romans, den ich Frauen in ähnlicher Situation, die Neues wagen möchten - aber sich vielleicht nicht trauen, empfehlen kann, nahm die Geschichte eine stimmige und sehr positive sowie menschliche Wendung.

Fazit:

Ein lesenswerter, erfrischend geschriebener und stimmiger Roman über eine Granny Au-pair in London, die sowohl bei Vera selbst als auch bei der Familie Hastings neue Lebensimpulse und -akzente setzt, in dem sich alle Akteure der Wahrheit stellen (müssen).Die zweite Romanhälfte gefiel mir allerdings wesentlich besser als die erste, von mir gibt es für's ansonsten recht gelunge Début 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.03.2017

Der letzte Überlebende - Gegen das Vergessen!

Der letzte Überlebende
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Bei Sam Pivnik's "Der letzte Überlebende" (erschienen bei Theiss, 2017) handelt es sich um eine bewegende, nein: erschütternde Autobiografie des Autors, der am 1. September 1926 in Loslau, Polen geboren ...

Bei Sam Pivnik's "Der letzte Überlebende" (erschienen bei Theiss, 2017) handelt es sich um eine bewegende, nein: erschütternde Autobiografie des Autors, der am 1. September 1926 in Loslau, Polen geboren wurde. Im Prolog beschreibt Sam Pivnik die Begegnung mit dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele im Lager Auschwitz-Birkenau...

In den 15 Kapiteln dieses zeitdokumentarisch sehr wichtigen Buches beschreibt Pivnik sein Leben. Seine Kindheit nennt er fortan "Der Garten Eden".Sam Pivnik wuchs als Sohn eines Schneiders mit vielen Geschwistern in einem liebevollen Elternhaus auf, An seinem 13. Geburtstag marschierten die Deutschen in Polen ein (1.9.1939) und der 2. WK begann; seither feierte Sam niemals mehr seinen Geburtstag...

In den ersten Kapiteln wird deutlich, wie die Welt, die er kannte in Kindes- und Friedenszeiten, nach und nach zerbrach; der Druck auf die jüdische Bevölkerung und die antisemitischen Anweisungen aus Berlin immer größer wird: Wie Schindler gelingt es vorerst Alfons Rossner, den Vater und Sam als 'kriegswichtige' Arbeiter einzusetzen, um Uniformen zu nähen (1940/41). Bereits in der Besatzungszeit werden viele Juden deportiert (die offizielle Nazi-Variante lautete 'Umsiedlung in den Osten') und Familie Pivnik landet eines Tages wie die anderen jüdischen Familien in einem ehemaligen Steinbruch namens Kamionka; de facto all ihrer Habe beraubt. Aus Kamionka führt der Leidensweg von Sam und seiner Familie ins Lager Auschwitz-Birkenau. In dieser Hölle schubst ihn die geistesgegenwärtige Mutter (gibt es dafür überhaupt ein Wort in irgendeiner Sprache? Ich glaube eher nicht...) in die Reihe der 'arbeitsfähigen' Männer, zu dieser Zeit ist Sam 17 Jahre alt: Seine Familie sollte er nie mehr wieder sehen...

Dies ist nicht der erste Roman für mich, der sich mit dem Holocaust und der widerwärtigen, menschenverachtenden 'Endlösung', dem Mord an über 6 Millionen Juden während der Nazi-Diktatur Hitlers beschäftigt - aber er ist (mit dem Tagebuch von Anne Frank) einer der Authentischsten, da es die Erinnerungen eines heute 90jährigen Mannes widerspiegelt, der die Hölle, den Sadismus und die Brutalität der SS und Nazi-Schergen beschreibt, die er erleben musste.
Die Betroffenheit, das Fehlen von Wörtern, die dieses dunkelste Kapitel deutscher Geschichte in mir wachrufen wie auch das ungute Gefühl, dass in Deutschland wie auch anderen europäischen Staaten derzeit Populisten und Nationalisten abermals auf dem Wege sind, "Stimmen zu fangen", lässt sich kaum benennen.

Sam muss nach weiteren sog. "Selektionen", die nur die stärksten Häftlinge überlebten, auf der 'Rampe' arbeiten, wo er den hilflos Ankommenden (und unterwegs mangels Essen und Trinken sowie durch Entkräftung bereits Verstorbenen) gegenübertreten muss....
In der Mitte des Buches verstärken und ergänzen Fotos seiner Familie und aus dem Lager die Aussagekraft dieser Autobiografie. Auch die preussische Detailversessenheit, die Listenführungen und die teuflische Bürokratie des Nazi-Regimes wird gut beschrieben und anhand 2 Listen im Anhang deutlich gemacht.

Man ist als Leser mehr als bewegt, wenn man sich das spätere Zusammentreffen Sam's mit seinem Bruder Nathan vorstellt. Dafür gibt es wohl keine Worte, die dies emotional beschreiben könnten. Der Autor gibt auch viele Hintergrundinfo's zur Zeit, als sich der 2. WK dem Ende naht; allerdings beurteilt er die Schweizer positiver, als mir dies zu Ohren kam: Soviel ich weiß, wurden Juden, die sich in die neutrale Schweiz retten wollten (bis auf sehr wenige Ausnahmen mutiger Zollbeamter), von diesen zurück "ins Reich" und damit in den sicheren Tod geschickt wurden.

Er beschreibt die Nachkriegsjahre, seine Zeit in London, seine Zeit als Soldat um die Gründung des heutigen Israels (Staatsgründung 1949) und bedauert ebenso wie ich, dass Auseinandersetzungen und Kämpfe zwischen Palästina und Israelis bis heute andauern. Er kehrt nach London zurück (worüber er jedoch keine Gründe angeben möchte) und lebt heute in einem Altersheim. Quellen, Literaturhinweise, ein Anhang mit Tabellen und ein Register runden die Autobiografie ab.

Fazit:

Sam Pivnik ist mit der Veröffentlichung seiner Autobiografie und seinem Überlebenswillen im Holocaust, dem dunkelsten Kapitel jüngerer deutscher Geschichte, ein Denkmal und ein literarischer "Stolperstein" gelungen, der von jedem gelesen werden sollte. Ein Buch gegen das Vergessen; unbedingt lesens- und empfehlenswert!Ich vergebe 5 * und 100° auf der "Histo-Couch".

Veröffentlicht am 06.06.2019

Die (bedrohte) Artenvielfalt erhalten - Nützlingen Raum geben!!

Wo die wilden Nützlinge wohnen
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Mit "Wo die wilden Nützlinge wohnen" - erschienen im Löwenzahn-Verlag (HC, gebunden, ISBN 978-3-7066-2645-3; Seiten: 320) hat die promovierte Landschaftsplanerin Sonja Schwingesbauer mit ihrem Sach- und ...

Mit "Wo die wilden Nützlinge wohnen" - erschienen im Löwenzahn-Verlag (HC, gebunden, ISBN 978-3-7066-2645-3; Seiten: 320) hat die promovierte Landschaftsplanerin Sonja Schwingesbauer mit ihrem Sach- und Gartenbuch (Untertitel "Gärtnern für eine bunte Tier- und Pflanzenwelt") ein äußerst spannendes, informatives und mit tollen Fotografien versehenes Gartenbuch für BiogärtnerInnen, Selbstversorger, Küchengärtner, BalkonbegrünerInnen und Urban Gardener vorgelegt, das sich unbedingt zu lesen lohnt!


Das Sachbuch besteht aus 3 Teilen; wovon Teil I die Definition des "Nützlingsgartens" erklärt und die Vorteile für Mensch und Tier hervorhebt (naturnah, pflegeleicht, tierfreundlich, Schutz und Förderung von Artenvielfalt, ein Ort der Freude und zum Leben).

Teil II befasst sich mit den Tieren (die in Fotoporträts genial vorgestellt werden), die im wilden Nützlingsgarten leben. Es geht um emsige 'Gourmets' und umtriebige Genießer (Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Ameisen, Eichhörnchen, Vögel, Igel, Fledermäuse, Eidechsen, Frösche, Schlangen etc.) wie auch um Beutefänger wie Spinnen, Käfer, Wespen, Libellen etc.

Besonders beeindruckt haben mich die Bodenbereiter und "Recyclingspezialisten" wie Regenwürmer, Asseln, Springschwänze etc., die allesamt, besonders die Regenwürmer als Bodenlockerer gern gesehene Gartengäste bei Gärtnern sind....

Teil III beschäftigt sich mit dem wichtigsten Anliegen dieses Gartenratgebers: Die wichtigsten Informationen und sehr wertvolle Erfahrungen und Tipps der Autorin, wie der eigene Garten ein Nützlings-Schlaraffenland wird: Es geht auf über 200 Seiten um die Gestaltung und Umsetzung verschiedener Projekte, die benannt und bestens erklärt werden: Wie eine Wildblumenwiese anzulegen ist, vertikales Grün geschaffen werden kann, Wasserstellen installiert werden können, Futter- und Nisthilfen für Nahrungsaufnahme und Unterschlupf für Igel & Co gebaut werden können, um diesen ein Überleben zu sichern.

In einzeln beschriebenen, übersichtlichen Schritten hat Sonja Schwingesbauer jedes Projekt oder Vorhaben - samt Pflanzenangaben, die sich eignen) genau dargestellt und somit eine große Hilfe für angehende NützlingsgärtnerInnen geschaffen, die jeweiligen Projekte im eignen Garten, auf dem Balkon oder auch in der Umgebung realisieren zu können. Die Übersichtlichkeit und ansprechende, strukturierte, höchst effiziente Darstellungsweise habe ich SO noch in keinem anderen Gartenbuch oder Ratgeber finden können: Chapeau an die Autorin!

Fazit:

Ein informativer, gut umsetzbarer, da sehr gut strukturierter Gartenratgeber und ein absolut empfehlenswertes Sachbuch für alle BiogärtnerInnen, denen in Zeiten des Bienen- und Insektensterbens, ja sogar des Artensterbens sehr daran gelegen ist, im eigenen Garten, auf dem Balkon oder in der Umgebung den schützenswerten Nützlingen Raum zur Entfaltung und Erhaltung der Arten zu geben! Eine absolute Leseempfehlung von mir für diesen wunderbaren, sehr informativen und mit tollen Fotografien versehenen Sach/Garten-Ratgeber! 5*****