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Veröffentlicht am 15.12.2025

Eine heimelige Wintergeschichte, die zum Mitmachen einlädt

Komm mit, Weihnachtseselchen
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„Komm mit, Weihnachtseselchen“ ist ein liebevoll illustriertes, warmherziges Kinderbuch, das auf jeder Seite zum Mitmachen anregt. Ob pusten, reiben, zeigen, Mut zusprechen – auf vielfältige Weise können ...

„Komm mit, Weihnachtseselchen“ ist ein liebevoll illustriertes, warmherziges Kinderbuch, das auf jeder Seite zum Mitmachen anregt. Ob pusten, reiben, zeigen, Mut zusprechen – auf vielfältige Weise können die Kleinsten selbst aktiv Teil der Geschichte werden. Die gewählten Farben sind warm und heimelig, und beim Durchblättern kommt sofort Winterstimmung auf. Die Tiere sind sehr niedlich gezeichnet, ohne übertrieben zu wirken und erzeugen sofort eine freundliche Atmosphäre.

Der Begriff „Weihnachtseselchen“ ist allerdings etwas irreführend: Auch wenn Ochs und Esel einem Stern folgen und in einem Stall ein Lämmchen vorfinden, ist der Bezug zur Weihnachtsgeschichte doch eher lose, da weder Maria, Josef und Jesus noch Engel oder die Heiligen Drei Könige vorkommen. Für die Altersgruppe ab 2 Jahren dürfte das jedoch eher nebensächlich sein.

Fazit: Wer keinen explizit religiösen Bezug sucht, findet mit diesem Buch ein perfektes Winter-Mitmachbuch für die Allerkleinsten!

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Im Leben nebenan 
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Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni ...

Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni eines Tages plötzlich in einem Haus ihres Heimatdorfes anstatt in ihrer gewohnten Stadtwohnung. An ihrer Seite ist nicht ihr Freund Jakob, sondern ihre Jugendliebe Adam, und neben ihr liegt Hannah, offenbar ihr gemeinsames Baby.

Anne Sauer erzählt kapitelweise abwechselnd von Tonis Leben mit Jakob und der surrealen Situation, in der sich Toni (in diesen Kapiteln Antonia genannt) plötzlich als Mama und Ehefrau von Adam wiederfindet. Während sie als Antonia versucht, ihre Mutterrolle zu finden, unterzieht sich Toni einer Kinderwunschbehandlung, ohne sich wirklich sicher zu sein, ob sie tatsächlich ein Kind möchte oder lediglich versucht, den allgemeinen Erwartungen an sie als Frau gerecht zu werden.

Die Ausgangssituation klang sehr spannend, und so bin ich mit großer Neugier an das Hörbuch herangegangen. Leider konnte mich die Umsetzung der Idee durch die Autorin nicht überzeugen. Die Protagonistin bleibt mir in beiden Szenarien zu passiv und selbstbezogen, geradezu selbstmitleidig. Ich kann keine echte Entwicklung erkennen, und auch eine Kommunikation mit ihren Partnern findet quasi nicht statt. In Antonias Kapiteln geht es zudem großteils darum, dass sich die Protagonistin fragt, wie sie plötzlich in diese Lage geraten ist. Das ist zwar verständlich, hat jedoch mit der Realität nichts zu tun. Viel mehr hätte mich gereizt, darüber zu lesen, wie Toni bzw. Antonia mit den unterschiedlichen Herausforderungen als Mutter bzw. kinderlose Frau umgeht. Welche Chancen und Konfliktpotentiale bieten sich in den jeweiligen Situationen für Beruf, Partnerschaft, Freundschaften? Verläuft das alternative Leben als Mutter und Ehefrau so, wie es sich die kinderlose Toni vielleicht ausmalt, und umgekehrt? Diese Fragen kommen mir zu kurz und der Roman schöpft hier sein Potential leider bei weitem nicht aus.

Das Hörbuch wird von Chantal Busse mit sehr angenehmer Stimme und Geschwindigkeit eingesprochen. Es gelingt ihr gut, die Figuren zu verstimmlichen und ich habe ihr sehr gerne zugehört. Dass mich das Buch an sich nicht überzeugen konnte, lag keinesfalls an der Sprecherin.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Die eigene Seele verkaufen

Chamäleon
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Shai Tamus ist ein gemäßigt-linker israelischer Journalist, dessen beruflicher Stern seit Jahren im Sinken begriffen ist. Einst wurden seine Artikel vielbeachtet und er war ein gern gesehener Gast in Fernsehstudios, ...

Shai Tamus ist ein gemäßigt-linker israelischer Journalist, dessen beruflicher Stern seit Jahren im Sinken begriffen ist. Einst wurden seine Artikel vielbeachtet und er war ein gern gesehener Gast in Fernsehstudios, doch inzwischen interessiert sich kaum noch jemand für ihn, jüngere Kollegen haben ihn längst überholt. Auch Shais Kinder führen ein zunehmend eigenes Leben. Gleichzeitig läuft die Karriere seiner Frau als Kuratorin in einer Galerie so richtig an, und der reiche und weltgewandte Galeriebesitzer scheint sie sehr zu beeindrucken. Shai fühlt sich unverstanden und ungerecht behandelt, und entfremdet sich dadurch mehr und mehr von seinem gewohnten intellektuellen Milieu. Immer stärker wendet er sich dem rechten Spektrum um die neue Regierung zu, und als er die Chance erhält, im rechtspopulistischen Channel als Fernsehgast aufzutreten, ergreift er diese.

Shai ist ein Opportunist, der bereit ist, für Anerkennung und Aufmerksamkeit seine Überzeugungen zu verkaufen. Er lässt sich einflüstern, was er zu schreiben und vor den Kameras zu sagen hat und dürstet danach, von den Mächtigen wahrgenommen zu werden. Als Protagonist war er mir alles andere als sympathisch, da ihm Charakterstärke und Rückgrat fehlen, doch er wirkt sehr menschlich. Shais Verhalten zeigt, wie ein geringes Selbstwertgefühl, verletzter Stolz, gekränkte Eitelkeit und der Glaube, vom Leben benachteiligt zu werden, dazu führen, dass sich Menschen extremen Parteien zuwenden und sich von starken Führungspersönlichkeiten angezogen fühlen. Auch wenn „Chamäleon“ natürlich in erster Linie besonders auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage in Israel Bezug nimmt, zeigen sich hier generelle Mechanismen, die sich auf andere Situationen und Länder übertragen lassen.

Es werden zwar keine Namen genannt, doch es ist offensichtlich, welche politischen Personen im Roman gemeint sind. Auch Kanal 14 ist deutlich erkennbar. Yishai Sarid kritisiert mit klaren Worten die aktuelle israelische Regierung und beschreibt, wie Journalisten instrumentalisiert und zur Marionette degradiert werden. Sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 30.11.2025

einfühlsam erzählt

Und mir bleibt der hässliche Hund
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Felix (16) verliert bei einem Verkehrsunfall von einem Moment auf den anderen seine Eltern und seine Schwester. Lediglich Bolt, der Familienhund, mit dem Felix bisher nie etwas anfangen konnte, überlebt. ...

Felix (16) verliert bei einem Verkehrsunfall von einem Moment auf den anderen seine Eltern und seine Schwester. Lediglich Bolt, der Familienhund, mit dem Felix bisher nie etwas anfangen konnte, überlebt. Um mit der Situation fertigzuwerden, beginnt Felix schließlich eine Therapie, wo er im Wartezimmer auf den gleichaltrigen Mo trifft. Die beiden freunden sich an und lernen durch Zufall Marie kennen, die in einer Drogerie jobbt. Gemeinsam verbringen sie den Sommer, und Mo und Felix beginnen, sich in Challenges ihren Ängsten zu stellen.

Franziska Hörner gelingt es, ein schwieriges Thema rund um Ängste, Trauer und Verlust hoffnungsvoll und leicht zu erzählen. Felix und Mo beschließen, auf eigene Faust eine Art Konfrontationstherapie zu machen, um ihre Ängste und Panikattacken zu überwinden – das ist nicht ohne Risiko. Zum Glück begleitet sie dabei Marie, die warmherzig und besonnen alles im Blick hat. Ganz nebenbei entwickelt sich noch eine einfühlsam erzählte, zarte Liebesgeschichte.

Das Buch ist nicht ganz frei von Klischees: So werden deutsche Familien eher emotional unterkühlt dargestellt, im Gegensatz zur überschwänglichen Herzlichkeit arabischer Familien. Während es die deutschen Figuren kaum schaffen, etwas halbwegs Genießbares auf den Tisch zu bringen, schmeckt es bei Mos Familie immer fantastisch. Diese Stereotype haben mich beim Lesen leider gestört.

Aufgrund des ernsten Hintergrunds und der nachdenklichen Grundstimmung halte ich die Altersempfehlung von 13 Jahren aufwärts für sehr passend, zumal auch erste sexuelle Erfahrungen thematisiert werden.

Ich würde dieses Buch vor allem jugendlichen Leser:innen empfehlen, die sich auf eine leise erzählte, ernsthafte Geschichte einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Eher zäh und mit Schwächen in der Konstruktion

Das Geheimnis der weißen Weihnacht
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Da ich ein großer Fan der Kriminalromane von Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers bin und auch Gladys Mitchell immer wieder zu diesem Kreis gerechnet wird, war ich neugierig auf „Das Geheimnis ...

Da ich ein großer Fan der Kriminalromane von Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers bin und auch Gladys Mitchell immer wieder zu diesem Kreis gerechnet wird, war ich neugierig auf „Das Geheimnis der weißen Weihnacht“. Für mich war es der erste Roman der Autorin.

Hauptfigur ist die Psychiaterin Mrs Bradley, die wohl in mehreren von Mitchells Romanen ermittelt. Sie verbringt die Weihnachtstage bei ihrem Neffen und dessen Frau in den Cotswolds, wo die beiden seit kurzem ein Gut besitzen. Über die Feiertage werden einige Gäste erwartet. Es kommt zu merkwürdigen Vorfällen, anonyme Briefe tauchen auf, und nach einem heftigen Wintereinbruch gibt es einen Toten. Mrs Bradleys Neugier ist geweckt und sie beginnt, eigene Hypothesen aufzustellen und zu ermitteln.

So vielversprechend die Ausgangslage klingt, wurde ich mit diesem Krimi leider nicht warm. Die Figuren blieben blass und wenig greifbar, die Handlung drehte sich immer wieder im Kreis und wurde zusehends langatmiger, so dass es für mich eine eher zähe Lektüre war und die Spannung auf der Strecke blieb. Die ausgedehnten Beschreibungen von Landschaft, Spaziergängen und einer Treibjagd machten es nicht besser. Auch sprachlich konnte mich Mitchell nicht überzeugen, da sich einige Phrasen immer wieder wiederholen. Von der Leichtigkeit und dem feinen Humor einer Christie oder Sayers ist auch nichts zu spüren.

Ärgerlich fand ich, dass man als Leser:in über den genauen Wortlaut der anonymen Briefe im Dunkeln gelassen wird und so weniger Wissen hat als die Figuren im Buch. Man erfährt lediglich in vagen Andeutungen, worum es geht. Für mein Empfinden sind die Theorien, die Mrs Bradley im Buch verfolgt, teils recht abwegig und auch logisch widersprüchlich. Da der Roman um das Jahr 1950 spielen dürfte (definitiv nach dem Zweiten Weltkrieg), fragte ich mich auch, ob es damals in Bezug auf Gerichtsbarkeit, polizeiliche Ermittlungen, Testamentsvollstreckung und gewisse Rechtsgeschäfte tatsächlich in England so stümperhaft zuging, dass diese Theorien überhaupt eine realistische Grundlage gehabt haben könnten.

Konzeptionell kann Mitchell für mich nicht mit Christie und Sayers mithalten. Mir fehlen ein klarer roter Faden, Rafinesse und eine stringente Handlung. Auch nach Beendigung des Buches konnte mich der Fall in der Rückschau nicht überzeugen.

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