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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2025

Vorwissen empfehlenswert

Rainer Maria Rilke. 100 Seiten
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Ich kannte bisher weder ein Buch aus der 100-Seiten-Reihe noch habe ich mich eingehender mit Rilkes Werk beschäftigt. Mein Wissen zu Rilke beschränkte sich auf das Wenige, das mir noch aus dem GK Deutsch ...

Ich kannte bisher weder ein Buch aus der 100-Seiten-Reihe noch habe ich mich eingehender mit Rilkes Werk beschäftigt. Mein Wissen zu Rilke beschränkte sich auf das Wenige, das mir noch aus dem GK Deutsch am Gymnasium bekannt ist. Die damals gelesenen Gedichte hatte ich in sehr positiver Erinnerung, und so wollte ich gerne mehr über Rilke erfahren. Allerdings wurde mir sehr schnell klar, dass ich nicht Zielgruppe dieses Büchleins bin. Auch wenn Clemens J. Setz erstaunlich humorvoll und lebendig schreibt, sollte man doch bereits über ein größeres Vorwissen zu Rilkes Leben und Werk verfügen, um seine Ausführungen zur Gänze verstehen zu können. An einigen Stellen kann ich auch die Argumentation des Autors nicht nachvollziehen, insbesondere, was die These betrifft, dass Puppen und Kuscheltiere viel Liebe empfangen, aber nichts zurückgeben würden, und Puppen für Kinder gar „etwas wie Drogen [sind], von deren Wirkung sie nie mehr ganz genesen“. Das erscheint mir doch etwas arg weit hergeholt und obendrein auch als These fragwürdig.
Insgesamt habe ich durch Clemens J. Setz‘ Werk einen interessanten Blick auf Rilke als Mensch bekommen, auch wenn er mich dadurch nun deutlich unsympathischer ist als zuvor.
Fazit: In erster Linie für Rilke-Kenner eine interessante Lektüre.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

tolles Sachbuch über die faszinierende Welt der Ozeane

Biome der Meere
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Dieses außergewöhnliche Sachbuch widmet sich in elf Kapiteln den unterschiedlichen Biomen der Meere. Nach einer sehr persönlichen Einleitung, in der die Autoren ihre Motivation für dieses Thema erläutern, ...

Dieses außergewöhnliche Sachbuch widmet sich in elf Kapiteln den unterschiedlichen Biomen der Meere. Nach einer sehr persönlichen Einleitung, in der die Autoren ihre Motivation für dieses Thema erläutern, zeigt eine Weltkarte mit farbigen Markierungen, wo welche Biome anzutreffen sind. Diese finden mein Sohn (11) und ich besonders praktisch, weil sie einen ersten Überblick verschafft.

Die einzelnen Kapitel sind übersichtlich aufgebaut und bieten einen gelungenen Mix aus detailreichen, farbenfrohen Illustrationen und informativen Textabschnitten, die allerhand Wissenswertes und Faszinierendes vermitteln. Da immer wieder schwierige Wörter oder Fachausdrücke verwendet werden (zB Chloroplasten, Fotosynthese), empfinde ich die Altersangabe ab 10 als sehr passend. Jüngere Kinder haben sicher auch Freude an den tollen Illustrationen und spannenden Fakten, benötigen aber sicher die ein oder andere Erklärung. Hervorzuheben ist auch das ausführliche Glossar am Ende des Buches.

Auch wenn uns dieses Buch viel Freude bereitet und wir einiges gelernt haben, sind uns leider auch zwei Kritikpunkte aufgefallen: Zum einen ist die Farbwahl mitunter etwas unglücklich. Auf der Übersichtskarte gleich zu Beginn ähneln sich die Farben der einzelnen Biome teilweise so stark, dass für uns nicht immer erkennbar war, welche Markierung nun welchem Biom zuzuordnen war. Auf einigen Seiten ist der Kontrast zwischen Schriftfarbe und Hintergrund leider nicht besonders gut. Im Zeichen der Inklusion sollte dieser stärker sein. Mein Sohn und ich konnten den Text zwar gut lesen, die Großeltern allerdings nicht mehr. Der zweite Punkt betrifft den sehr empfindlichen Einband, bei dem auf eine Folierung verzichtet wurde. Hierdurch sieht das Buch schnell „gebraucht“ aus, und das Buch ist auch nicht abwischbar. Für mich ist das bei Kinderbüchern ein sehr wichtiges Kriterium.

Fazit: Inhaltlich ein wirklich hervorragendes Buch, bei dem ich leider für die Farbgestaltung und den Einband einen Stern abziehe.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

spirituelle und religiöse Umwälzungen im 1. Jahrhundert n. Chr.

Pompejis letzter Sommer
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Gabriel Zuchtriegel hat mich 2023 mit seinem Buch „Vom Zauber des Untergangs“ sehr begeistert, so dass ich mit großer Vorfreude an „Pompejis letzter Sommer“ herangegangen bin.

Der Schreibstil ist wie ...

Gabriel Zuchtriegel hat mich 2023 mit seinem Buch „Vom Zauber des Untergangs“ sehr begeistert, so dass ich mit großer Vorfreude an „Pompejis letzter Sommer“ herangegangen bin.

Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr lebendig und kurzweilig, und die Seiten fliegen nur so dahin. Es ist wirklich faszinierend, welche Erkenntnisse über das Leben in Pompeji etwa aus antiken Wandkritzeleien und Graffiti gewonnen werden können.

Ob Sexualität und Prostitution, die Anfänge des Christentums, die Verbreitung ägyptischer Gottheiten im römischen Reich, Sklaventum, Mysterienkult, Mänaden oder die Wasserversorgung in Pompeji: Der Autor deckt die unterschiedlichsten Themen ab und springt teilweise recht unvermittelt zwischen ihnen her. Hier hätte ich mir manchmal etwas mehr Stringenz und klare Abgrenzung gewünscht. Der Mysterienkult und die dionysischen Riten sowie die religionstheoretischen Ausschweifungen nahmen mir etwas zu viel Raum ein und wirkten auf mich stellenweise sehr assoziativ und weitschweifig. Etwas „handfestere“ Themen rund um das alltägliche Leben, Verwaltung, Recht, Landwirtschaft und auch die technischen Errungenschaften hätten mich mehr interessiert. Das Buch bleibt hier leider recht vage (etwa bei der Wasserversorgung) bzw. sparte diese komplett aus.

Erwähnenswert ist der umfangreichen Bildteil, der die im Buch thematisierten Objekte, Fresken, Statuen usw. beinhaltet.
Insgesamt empfehle ich dieses Buch vor allem jenen Leser:innen, die sich für die religiösen und spirituellen Entwicklungen der damaligen Zeit interessieren.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

ziemlich schräger Krimi-Internats-Fantasy-Mix

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Maggie Fishbone wächst bei Nonnen in einem Waisenhaus auf. Da sie bei Hand- und Hausarbeiten wenig Talent hat und sich aus Sicht der Nonnen immer wieder diverse Vergehen leistet, liefern diese sie kurzerhand ...

Maggie Fishbone wächst bei Nonnen in einem Waisenhaus auf. Da sie bei Hand- und Hausarbeiten wenig Talent hat und sich aus Sicht der Nonnen immer wieder diverse Vergehen leistet, liefern diese sie kurzerhand im Midwatch-Institut ab: einem düsteren und traurigen Ort für unerwünschte Mädchen. So ist es zumindest nach außen hin bekannt. Doch hinter verschlossenen Türen geht es alles andere als trostlos zu: Die Betreuerinnen und Lehrkräfte kümmern sich liebevoll um die Mädchen und bringen ihnen allerhand Nützliches bei – oder das, was sie als nützlich erachten, wie etwa Schweizerdeutsch oder vor einem Krokodil zu fliehen. Zudem ermitteln die Schülerinnen immer wieder verdeckt in Kriminalfällen: Als Kinder, die von Erwachsenen kaum beachtet werden, sind sie perfekt getarnt. Maggie findet in Nell, Sofie und den anderen Mädels ihres Jahrgangs schnell Freundinnen, und gemeinsam stecken sie schon bald in einem äußerst kniffligen Fall um eine verschwundene Orchideenliebhaberin und ein gruseliges Nachtmonster, das im Reichenviertel sein Unwesen treibt.

Ich habe dieses Buch zusammen mit meinem knapp 12-Jährigen Sohn gelesen, der eine Vorliebe für Internatsgeschichten hat. Zeitlich dürfte der Roman zu Beginn es 20. Jahrhunderts angesiedelt sein. Das Setting des Romans klingt ziemlich skurril, und so entwickelt sich auch der gesamte Fall. Die Charaktere sind alle ziemlich schräg, und die Mischung aus realer Welt und einzelnen Fantasy-Elementen empfanden wir als gewöhnungsbedürftig. Es hätte uns deutlich besser gefallen, wenn der Roman entweder komplett in der Wirklichkeit oder einer Fantasy-Welt angesiedelt gewesen wäre. So wirkte es wie Flickwerk, das nicht recht zusammenpassen wollte. Die Figuren blieben charakterlich blass und austauschbar, so dass wir keinen echten Bezug zu ihnen herstellen konnten. Insbesondere mir war die Geschichte deutlich zu abgedreht und ich war ehrlicherweise froh, als wir das Buch beendet hatten. Mein Sohn hat sich weniger daran gestört, allerdings hat ihn die Geschichte auch nicht begeistert.

Sehr negativ aufgefallen ist mir der ziemlich einfache und eintönige Schreibstil, der überwiegend aus kurzen, immer gleich aufgebauten Hauptsätzen besteht. Ein echter Lesefluss kommt hier kaum zustande. Die Ausrufe „Meine Güte!“ und „Heiliger Strohsack!“ kommen gefühlt auf jeder Seite vor.

Positiv hervorheben möchte ich die überaus schönen und zahlreichen Illustrationen. Für ein Buch, das sich an Kinder ab 10 Jahren richtet, ist das sehr außergewöhnlich.

Insgesamt konnte uns Midwatch leider nicht begeistern und wir vergeben knappe 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Eindrucksvoll und bewegend

Der brennende Garten
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V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in ...

V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in die 1980er Jahre in Jaffna. Sashi ist zu Beginn 16 Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern und drei älteren sowie einem jüngeren Bruder. Die Familie ist wohlhabend, gebildet und eher progressiv, das Familienleben ist harmonisch. Die Kinder bereiten sich auf die Universität vor, schätzen Musik und Literatur und möchten Ärzte bzw. Ärztin oder Ingenieur werden. Als der Bürgerkrieg ausbricht, verändert das Sashis Leben radikal, und sie ist plötzlich mitten im Geschehen. Zwei ihrer Brüder schließen sich der LTTE an, und der Nachbarsjunge, in den Sashi verliebt ist, nimmt eine ranghohe Stellung bei den Tamil Tigers ein. Auch wenn Sashi Gewalt verabscheut und mit vielem bei den Tamil Tigers nicht einverstanden ist, findet sie sich doch immer wieder zwischen den Fronten wider.

Eindrucksvoll schildert Ganeshananthan, wie aus normalen jungen Menschen Mitglieder einer Terrormiliz werden. Die wechselseitigen Kriegsverbrechen von Singhalesen, verschiedenen tamilischen Rebellengruppen, den Regierungstruppen Sri Lankas und den indischen Friedenstruppen vertiefen die Gräben und verschärfen das Leid der Zivilbevölkerung. Junge Männer werden von den Rebellen zwangsrekrutiert, wahllose Hinrichtungen sind an der Tagesordnung und Frauen sind sexueller Gewalt ausgesetzt.

Die Autorin erzählt eindringlich und berührend aus der Ich-Perspektive, wobei sie immer wieder den Leser bzw. die Leserin mit „Ich will, dass Du verstehst (…)“ bzw. „Du musst verstehen (…)“ direkt anspricht. Auch wenn ich grundsätzlich nachvollziehen kann, warum sie dies tut, wirkt es aufgrund der Häufigkeit aufgesetzt und von oben herab. Das hat mich beim Lesen leider etwas gestört.

Da immer wieder tamilische Begriffe fallen, wäre ein Glossar wünschenswert gewesen. Auch ein einordnendes Nachwort, bei dem die Autorin darauf eingeht, welche Figuren oder Ereignisse real sind oder fiktiv, hätte ich sehr hilfreich gefunden. Ganeshananthan erwähnt im Nachwort, dass sie ein kompliziertes Verhältnis zu Erklärungen hat. Das ist schade, denn sie hätte zB klarer darstellen können, dass Rajani Thiranagama als reales Vorbild für die Figur Anjali Premachandran diente.

Ungeachtet dieser kleinen Kritikpunkte ist „Der brennende Garten“ ein sehr lesenswertes und bewegendes Buch, das einen jahrzehntelangen Konflikt, der hier im Westen eher am Rande wahrgenommen wurde, in den Mittelpunkt rückt.

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