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Veröffentlicht am 08.10.2025

Ein wirklich außergewöhnliches Kinderbuch

Aali muss los
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Der Europäische Aal ist Fisch des Jahres 2025 und vom Aussterben bedroht – Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass dieser in 20-30 Jahren in Europa nicht mehr vorkommen wird. Umso wichtiger, dass diese ...

Der Europäische Aal ist Fisch des Jahres 2025 und vom Aussterben bedroht – Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass dieser in 20-30 Jahren in Europa nicht mehr vorkommen wird. Umso wichtiger, dass diese faszinierende Tierart, deren Leben bis heute ungelöste Rätsel birgt, mit „Aali muss los“ auch bei den Kinderbüchern ins Bewusstsein rückt.

Der Blankaal Aaali lebt im Nord-Ostsee-Kanal zusammen mit seinem Kumpel Frankie, als ihn eines Tages eine unbekannte Sehnsucht in Form eines Ziehens packt. Er folgt diesem neuen Gefühl und macht sich auf eine abenteuerliche Reise, die ihn auf den letzten Abschnitt seines Lebens zum Laichplatz führen wird.

Das Autorenduo Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreibt auffallend gefühlvoll, in beinahe poetischer Weise und dennoch mit humorvollem Unterton. Außergewöhnlich ist die stark auktoriale Erzählperspektive, in der die „Geschichtenerzählerin“ immer wieder selbst hervortritt und ihre Gedanken zum Geschehen äußert. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedem Kind gefallen, weil es die Illusion der Realität immer wieder aufhebt und ein „Auftauchen“ aus der Handlung mit sich bringt. Besonders sind auch Nele Brönners ganz in Grün- und Gelbtönen gehaltene Illustrationen, die mir sehr gut gefallen haben und sich vom Mainstream abheben.

Durch Aaalis Reise erfährt man viel Wissenswertes zum Lebenszyklus eines Aals, insbesondere über das letzte der insgesamt vier Lebensstadien, den Blankaal. Auch die menschgemachten Bedrohungen, denen Aale auf ihrer Laichwanderung ausgesetzt sind, werden thematisiert, etwa Wasserschleusen, Klimawandel, verschmutze Gewässer und Stress durch Schiffslärm und Schiffschrauben. So ergibt sich eine sehr gelungene Mischung aus Sachbuch und einer unterhaltsamen, sensibel erzählten Geschichte rund um Freundschaft, Aufbruch und die Kraft der inneren Stimme.

Das Buch richtet sich laut Verlag an Kinder ab 7 Jahren. Die Altersempfehlung empfinde ich inhaltlich als passend, allerdings sollte man als Leser schon etwas geübt sein, da schwierigere Begriffe wie Sargassosee, Färöer-Plateau und Kontinentalschelf vorkommen, oder das Buch gemeinsam mit einem Erwachsenen entdecken.

„Aali muss los“ sticht auf jeden Fall aus der Vielzahl an Kinderbüchern sehr angenehm heraus, und es hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich würde es vor allem Kindern empfehlen, die Freude an ruhigeren und etwas anspruchsvolleren Geschichten haben.

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Hase und Igel sind zurück!

Wir zwei - Geschichten zum Einkuscheln
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Mit „Wir zwei – Geschichten zum Einkuscheln“ erscheint ein weiteres Buch aus der beliebten Hase-und-Igel-Welt von Michael Engler. Die elf Geschichten lassen sich unabhängig voneinander lesen und laden ...

Mit „Wir zwei – Geschichten zum Einkuscheln“ erscheint ein weiteres Buch aus der beliebten Hase-und-Igel-Welt von Michael Engler. Die elf Geschichten lassen sich unabhängig voneinander lesen und laden dazu ein, es sich zusammen gemütlich zu machen, ob untertags als kleine Kuschel-Auszeit oder abends als Gute-Nacht-Ritual. Dank des praktischen Lesebändchens ist die richtige Stelle auch schnell gefunden.

Jede Geschichte greift ein Thema auf, mit dem sich die Kinder identifizieren können, etwa den Umgang mit starken Gefühlen wie Angst, Trauer und Wut, die eigenen Unsicherheit oder den Wunsch nach Zugehörigkeit und Freundschaft. Hierbei gefällt mir besonders gut, dass die Handlung Raum für Interpretationen und Gespräche lässt und die Botschaften nicht mit dem pädagogischen Holzhammer vermittelt werden. Lediglich bei einer Geschichte hatte ich den Eindruck, dass der Ausgang etwas unglücklich gewählt ist und Fehlverhalten zu belohnen scheint. Auch hierüber kann man natürlich mit dem Kind oder der Kindergruppe diskutieren. Gerade in der KiTa könnte ich mir dieses Buch auch sehr gut vorstellen.

Illustriert wurde das Buch wieder von Joëlle Tourlonias, deren unverwechselbarer Stil mir ausgesprochen gut gefällt. Ich hätte mir lediglich etwas abwechslungsreichere Zeichnungen gewünscht, die in stärkerem Zusammenhang mit der Handlung stehen. Zwei Spielvorschläge runden das Buch wunderbar ab. Ein wirklich schönes und umfangreiches Kinderbuch!

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Humorvoller und wendungsreicher Krimi

Der Tote im Kamin
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Inspector Frank Grasby aus York ist bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen, weil er einen Einsatz vermasselt und dabei versehentlich zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlassen ...

Inspector Frank Grasby aus York ist bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen, weil er einen Einsatz vermasselt und dabei versehentlich zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlassen hat. Daher wird er kurz vor Weihnachten 1952 in ein verschlafenes Nest namens Elderby versetzt, um eine Einbruchsserie bei einem Lord aufzuklären. Hierbei kann ja nicht allzu viel schief gehen – sollte man meinen. Doch kaum ist Grasby in Elderby eingetroffen, fällt ihm einem Leiche aus dem Kamin des Lords vor die Füße, und das ist erst der Anfang…

„Der Tote im Kamin“ ist der erste Band der dreiteiligen Reihe um Inspector Frank Grasby aus der Feder des leider 2025 verstorbenen Denzil Meyrick. Verfasst ist der Krimi in der Ich-Perspektive Franks, ergänzt durch Auszüge aus Polizeiberichten und Protokollen. Der Schreibstil ist flüssig und höchst unterhaltsam, gespickt mit viel britischem Humor. Frank liebt schöne Frauen, Bier und Sportwetten, was ihm schon die eine oder andere Schwierigkeit im Leben beschert hat. Er ist kein großer Held und schiebt auch beruflich gern eher eine ruhige Kugel. Trotz allem ist er von sich selbst recht überzeugt – im Gegensatz zu seinem Umfeld. Umso mehr bringen ihn die Ereignisse in Elderby in die Bredouille, zumal er auf seine etwas tollpatschige Art von einer Gefahr in die nächste gerät.

Der Fall bleibt bis zum Schluss spannend und hält vor allem in der zweiten Hälfte viele überraschende Wendungen bereit. Allerdings entwickelt er sich in eine Richtung, die ich anhand des Klappentextes so nicht erwartet hatte. Gegen Ende ist es zuweilen nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten, und manches wirkt auf mich etwas konstruiert.

Insgesamt ist „Der Tote im Kamin“ ein sehr kurzweiliger und abwechslungsreicher Krimi, der vor allem durch seine Erzählweise besticht. Ich würde auf jeden Fall gerne mehr von Frank Grasby lesen und hoffe, dass die beiden weiteren Bände zeitnah auf Deutsch erscheinen werden.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

verschenkt leider viel Potential

Die Spur der Vertrauten
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Als Fan dystopischer Romane war ich sehr neugierig auf „Die Spur der Vertrauten“ von Christelle Dabos. Die Geschichte begann zunächst vielversprechend, zog sich gegen Ende des ersten Teils jedoch hin. ...

Als Fan dystopischer Romane war ich sehr neugierig auf „Die Spur der Vertrauten“ von Christelle Dabos. Die Geschichte begann zunächst vielversprechend, zog sich gegen Ende des ersten Teils jedoch hin. Die im Roman entworfene Welt blieb verworren und undurchsichtig, und ich empfand die Erzählweise als langatmig. Der zweite Teil brachte dann mehr Abwechslung und Spannung, die Handlung wurde vorangetrieben und konnte mich stärker fesseln. Gegen Ende wurde die Handlung jedoch so abstrus, dass ich letztendlich sehr ernüchtert zurückblieb.

Individualität gegen absoluten Gemeinsinn, freier Wille gegen Instinkt, Ich gegen Wir – die Grundidee hatte viel Potential für einen tiefgründigen Roman zu ethisch und gesellschaftlich relevanten Aspekten. Was ist eine gute Tat wert, wenn sie nicht aus freier Entscheidung begangen wird, sind wahre Liebe und Nächstenliebe nur möglich, wenn ein freier Wille existiert? Leider bleibt das Konzept aber recht oberflächlich, und je länger ich über die Handlung nachdenke, desto mehr logische Ungereimtheiten fallen mir auf. Insbesondere die letzten Kapitel waren für mich nur noch unglaubwürdig und auch im Rahmen der Romanwelt nicht mehr plausibel.

Etwas unklar blieb für mich die Zeit, in der die Handlung angesiedelt ist. Die technischen Gerätschaften wie Walkman, Kassetten, Beeper und das typisch französische Minitel wirken aus heutiger Sicht recht angestaubt und erinnern eher an die 1980er Jahre. Positiv hervorheben möchte ich die Erzählweise, die durch die ständigen Perspektivwechsel Einblick in die Gedanken vieler Charaktere bietet.

Insgesamt konnte mich „Die Spur der Vertrauten“ jedoch leider nicht überzeugen und ich vergebe knappe 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Toll!

Fahr Rad!
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„Fahr Rad“ von Ondřej Buddeus ist ein wirklich außergewöhnliches Buch, das mit umfangreichem Wissen über das vielleicht beste Fortbewegungsmittel überhaupt aufwartet. Ob historische Entwicklung, unterschiedlichste ...

„Fahr Rad“ von Ondřej Buddeus ist ein wirklich außergewöhnliches Buch, das mit umfangreichem Wissen über das vielleicht beste Fortbewegungsmittel überhaupt aufwartet. Ob historische Entwicklung, unterschiedlichste Radtypen, technische Details, Arten von Stürzen, der Kampf der Frauen für das Recht Rad zu fahren, Radausflüge, Ökologie, Radrennen oder Radeln in der Stadt: nahezu jeder Aspekt des Fahrradfahrens wird hier beleuchtet. Besonders sind auch die ausdrucksstarken Illustrationen des preisgekrönten Jindřich Janíček, die durch den speziellen Zeichenstil und die Farbgebung in warmen Gelb- und Orangetönen ins Auge fallen und den Text wunderbar unterstreichen.

Die Altersempfehlung ab 10 Jahren empfinde ich als sehr passend. Durch den unterschwelligen Humor, der immer wieder durchblitzt, wirkt das Sachbuch nie trocken, sondern lädt Groß und Klein zum Schmökern ein. Für alle Fahrradfans sehr empfehlenswert!

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