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Veröffentlicht am 14.01.2026

Die Idee lieben wir doch alle!

Ein Erbe zum Verlieben
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Auf dieses Buch bin ich durch den, meinem Empfinden nach, kuriosen Klappentext aufmerksam geworden. Dazu natürlich auch, weil ich schon die Serie „Bachelorette“ aus dem Fernsehen kannte. Gelesen hatte ...

Auf dieses Buch bin ich durch den, meinem Empfinden nach, kuriosen Klappentext aufmerksam geworden. Dazu natürlich auch, weil ich schon die Serie „Bachelorette“ aus dem Fernsehen kannte. Gelesen hatte ich aber noch kein Buch, das die Idee aufnimmt.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen.

Charaktere:
Anna ist zunächst das graue Mauerblümchen und man hört nur davon, dass sie früher ganz anders war. Nach und nach vollzieht sich eine Veränderung, die es mich hat glauben lassen. Sie musste einfach wahnsinnig viel mitmachen. Dadurch, dass dem Leser dies immer wieder gut erklärt wird, sind Annas Handlungen nachvollziehbar und es fiel mir leicht, mich in sie hineinzuversetzen. Obwohl noch so viele andere Kerle in dem Roman eine Rolle spielen, ich war da zu Anfang sehr skeptisch, ob das funktionieren kann, hat die Autorin es geschafft, jedem einen eigenen Charakter zu verleihen. So musste man sich ganz zu Anfang vielleicht noch ein bisschen orientieren, aber das musste auch Anna. Nach und nach konnte ich sie aber immer sehr gut einordnen und dadurch auch besser einschätzen. Was Anna ihnen gegenüber denkt, lässt sie den Leser oftmals nur durch Ausflüchte oder vage Andeutungen wissen. So entstand viel Spannung. Auch Robert, den Ex, konnte ich gut „nicht mögen“:) Durch seine Handlungen und die Beschreibungen wurde es für mich als Leser nachvollziehbar, weshalb Anna ihn nicht ausstehen kann.

Zu der Geschichte allgemein:
Anfangs war ich etwas skeptisch. Das Buch schmeißt einen doch recht schnell in die etwas kuriose Idee der Großmutter. Das klang dann für mich zunächst alles doch sehr abgehoben, aber es machte mich auch neugierig. Zudem zogen sich für mich die ersten zwanzig Prozent des Buches ein bisschen, weil es dort hauptsächlich um Anna und ihr mangelndes Selbstbewusstsein ging. Das war vielleicht einen Ticken zu lang. Danach aber wurde es von Seite zu Seite spannender und auch tiefgehender. Genau wie Anna lernte man die Kerle in der Villa lieben und es fiel mir überaus schwer mich da auf einen festzulegen. Dieses Gefühl war für die Geschichte aber sehr förderlich, wie ich finde. Schließlich musste auch Anna dadurch. Zu der Haupthandlung kamen viele liebevolle Details, lustige Szenen und unerwartete Wendungen. Besonders schön fand ich, dass das Geschehen in der Villa nicht isoliert wurde. Stattdessen ging Annas Alltag weiter, die Jungs hat sie dort mit eingeflochten und auch die Sorgen wurden nicht einfach weggeschoben. So wirkte es sehr realistisch und echt und das Ende bildete dazu dann den krönenden Abschluss.

Fazit:
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten. Das Ende fand ich super für die Geschichte und die Entwicklung von Anna wurde wirklich super nachvollziehbar beschrieben. Den Stern Abzug gibt es aber leider, weil es sich anfangs doch etwas zog.

4 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Humor, Spannung pur & soo viel Tension!

Velvet Falls, but the Gods forgot to die (Velvet-Dilogie 1)
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Zur Info: Dies ist der erste Band einer Dilogie. Macht euch also darauf gefasst, dass ihr auch noch den zweiten Band lesen wollt, um die ganze Geschichte zu erfassen.

Schreibstil:

Julia Dippels Schreibstil ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer Dilogie. Macht euch also darauf gefasst, dass ihr auch noch den zweiten Band lesen wollt, um die ganze Geschichte zu erfassen.

Schreibstil:

Julia Dippels Schreibstil macht mir beim Lesen einfach immer nur Spaß. Er ist hier leicht roh, passend zur Protagonistin, und einfach unheimlich lebendig und mitreißend. Die Figuren interagieren mit so viel Sarkasmus und Ironie und die Dialoge sind oft sehr lustig. Dazu noch die Beschreibungen, die nicht nur sofort ein Bild im Kopf erzeugen, sondern manchmal so ungewöhnlich den Nagel auf den Kopf treffen, dass man schmunzelt und gleichzeitig sofort weiß, was gemeint ist.

Die Geschichte: Dämonenjägerin mit großem Geheimnis trifft auf den Mann, der alles regeln kann

Ich war wirklich erstaunt, wie lange man begeistert eine Geschichte lesen kann, ohne das man so richtig weiß, was es mit der Protagonistin auf sich hat. Es ist ein sich reinfinden in die Story, aber auf die kompromisslose, mitreißende Art und Weise. Denn Velvet als eher mürrische Antagonistin und Hauptperspektive der Story lässt Zweifel an ihren Handlungen gar nicht erst aufkommen. Entweder, man kommt mit oder man lässt es bleiben. Typisch Velvet und perfekt für das Buch, denn ich wollte es nicht mehr aus der Hand legen.

Ab und an gibt es Perspektivwechsel hin zu Kashmere, dessen Gedankenwelt ebenso geheimnisvoll aber nicht weniger spannend war. Ich fand es super, dass er manchmal zur Perspektive wurde, es aber gleichzeitig so selten blieb, dass man hauptsächlich in Velvet steckte und ihn so nicht so gut durchschauen konnte.

Velvet – Dämonenjägerin, Einzelgängerin, Kashmeres Exfreundin

Was an Velvet besonders spannend ist, ist, dass sie uns Leser:innen nicht gefallen will. Sie ist Einzelgängerin und macht nichts zum Gefallen für irgendjemanden. Dadurch kommt sie sehr ruppig rüber, man merkt aber auch schnell, dass sie mit ihrer Art irgendwelche Wunden zu verstecken versucht. Ich sage mal, wer gar nicht damit umgehen kann, dass man die Protagonistin nicht ab Seite 1 komplett ins Herz geschlossen hat, der wird hier nicht glücklich. Denn es dauert tatsächlich seine Zeit, bis man sie verstanden hat und dann auch mitfühlen kann. Velvet ist dafür aber ihren Prinzipien sehr treu und man weiß trotz allem, was man von ihr erwarten kann. Dadurch hatte ich gar keine Probleme mit ihr, sondern war vielmehr sehr neugierig auf das, was sie als nächstes tut und was ihre Hintergründe sind. Denn ehrlich: wir lesen meist von Protagonist:innen, die uns schnell gefallen. Da schleicht sich schnell eine Art Selbstverständlichkeit und damit auch Rollenmuster ein. Bei Velvet ist es anders: alles, was sie macht, war für mich neu und spannend.

Wie oben schon angedeutet, hat sie außerdem eine Menge Geheimnisse, auf die sie uns nur sehr häppchenweise Hinweise gibt. Das macht den Rätselaspekt an dieser Story umso größer. Mit jedem neuen Puzzleteil habe ich wieder versucht, ein Bild herzustellen, dass am Ende dann doch wieder gescheitert ist, weil das nächste Puzzleteil nicht passen wollte. Velvets Charakterentwicklung und Geschichte sind echt Teile der Geschichte, die man erst zum Ende hin im Ganzen richtig zusammenfügen kann. Und genau deshalb ist die Handlung schon nur auf dieser Ebene so spannend.

Kashmere – Göttersohn, unsterblich, hat überallhin Kontakte

Einen passenden Love Interest bzw. Gegenspieler zu Velvet zu entwickeln, habe ich mir gar nicht so leicht vorgestellt. Da Velvet förmlich der Inbegriff von „harte Schale, weicher Kern“ ist, prallt normalerweise jeder Kerl bei ihr ab. Vor allem, weil die Logik hinter dem Dämonenjägertum tatsächlich vorsieht, dass Lebensenergie durch S** wieder aufgefüllt wird.

Kashmere aber kennt Velvet noch aus der Zeit davor. Als ihr Ex-Freund gibt es zwei Velvets in seinem Kopf und nur so, schafft er es, langsam Zugang zu ihr zu bekommen.

Aber keine Angst, das läuft nicht langsam und behutsam ab. Denn Kashmere ist ebenfalls alles andere als normal. Als Göttersohn hat er Kräfte, die vor allem am Anfang überhaupt nicht einschätzbar sind. Dazu kommt, dass er unsterblich ist, wahnsinnig gute Kontakte hat, Geld überhaupt kein Problem ist und er unheimlich klug ist. Achja und er sieht noch sehr gut aus. Was will man mehr?

In dieser Story ist allerdings eher die Frage: Was will Kashmere?

Ich mochte ihn total gerne, weil er nicht nur heiß und spannend ist, sondern weil man früh merkt, dass er ein gebrochenes Herz hat und das zu verstecken versucht und weil er Velvet etwas entgegenzusetzen hatte. Die beiden geben sich wirklich keinen Zentimeter freiwillig.

Dämonenjägerin x Gottessohn – voller krasser Tension, mit viel Schmerz & harter Background-Story

Man merkte irgendwie schnell, dass sie jeweils ihr wunder Punkt sind, aber da ist so viel Angestautes zwischen den beiden, dass es sich erstmal in einer krassen Spannung zwischen den beiden aufbaute. Die beiden sind wirklich explosiv miteinander – und dadurch passiert es dann auch, dass sie sich gegenseitig verletzen oder nicht richtig zuhören. Ehrlich gesagt hatte ich die ganze Zeit ein wenig Angst, dass Misscommunication hier das große Ding ist und sich alles am ende mit einem Gespräch klärt. Aber tatsächlich steckt da etwas Großes hinter und beide tragen dazu bei, dass das nicht sofort auf den Tisch kommt.

Ich fand es grandios, wie sie dazu gezwungen sind, miteinander Zeit zu verbringen, obwohl sie es nicht wollen, und sich dadurch auch mit ihren Gefühlen für den jeweils anderen auseinandersetzen mussten. Zudem fand ich es gut, dass es hier echt nicht so viel um Spice ging, sondern dass ihre Beziehung zueinander vorrangig aus schlagfertigen Wortgefechten besteht, die mich zum Schmunzeln und Zusammenzucken gebracht haben. Man möchte natürlich, dass beide irgendwie glücklich werden, aber gleichzeitig lassen beide nicht viel zu und, das sagte ich ja bereits am Anfang, bleiben sehr geheimniskrämerisch. So angelt man hier nach den kleinsten Hinweisen und wird einfach von den beiden mitgerissen.

Und zur Aufklärung ihres Backgroundes: das war härter, als ich gedacht hatte, und hat dann auch die Zweifel vorher komplett ausradiert.

Achja und wenn ihr die Geschichte lest, werdet ihr außerdem schnell merken, dass schon ihr Wesen an sich in dieser Welt eigentlich nicht als Paar vorgesehen ist. Zum Glück ist den beiden sowas von komplett egal, was andere über sie denken oder was sich gehört.

Die Mission – klare Aufgabe, interessante Verstrickungen & wilde Ausflüge auf dem Weg dahin

Ich mochte es, dass die Handlung eigentlich recht einfach aufgebaut war und sich so drumherum einfach noch viel entwickeln konnte. Denn ganz runtergebrochen suchen die beiden nach Zutaten und wissen auch schon, wo sie sie finden. Und ganz so schwierig bei Odysseus ist es bei ihnen nicht. Was bei ihnen aber dazukam, waren die Nebenfiguren, die einfach unheimlich charismatisch und interessant waren, genauso wie der Fakt, dass man die Welt einfach immer besser kennenlernte. Denn Kashmere weiß zum Beispiel fast gar nichts über Dämonenjäger:innen, ähnlich wie wir, und Velvet hat sich zu sehr von ihm ferngehalten.

So kommen Komplikationen ganz überraschend und auch, worauf es am Ende hinläuft, kann man lange Zeit nur ganz vage Zusammenspinnen. Ich mochte es einfach, wie ich durchweg an den Seiten klebte, der Humor mich zum Lachen brachte und die beiden Hauptfiguren sich immer verletzlicher und echter zeigten, bis es dann echt zum großen Crash kam, bei dem nochmal alles in Frage gestellt wurde.

Die Welt – Dämonenjäger:innen, Atax, Hexen und Hexer, Wächter und Menschen

Es ist lange her, dass ich überhaupt von Dämonen gelesen habe. Cool ist hier gleich, dass Velvet eine totale Badass-Dämonenjägerin ist. Sie kümmert sich nicht darum, welche Vorgaben sie eigentlich einhalten sollte, lehnt ihren Lehrling einfach ab und bewahrt sowieso ein Geheimnis vor den Obersten, das so nicht existieren dürfte. Es ist also durchaus spannend, mit ihr dann einen Blick auf die „normalen Dämonenjäger:innen“ zu werfen. Gleichzeitig macht sie es so aber natürlich auch möglich, viel weiter aus der Bubble zu treten. Einige der Arten wie Hexen usw. kamen hier in der Erklärung noch etwas kurz, aber tatsächlich lief der Fokus auch einfach auf der Mission und den daran Beteiligten. Und so treten viele nur in Randszenen auf – erklärt und eingeschätzt von Velvet.

Ich mochte die Welt total, weil sie so vielseitig, aber auch etwas random und wild war. I mean: Die Götternamen wurden per Volksabstimmung vergeben und der Gott des Geldes, wahrscheinlich ein Äquivalent zu Krösus, heißt jetzt einfach Mr. Million XD. Das ist schon lustig und beschreibt ganz gut, wie Julia Dippel ihre Art zu schreiben und zu unterhalten in diese Welt eingebaut hat. Gleichzeitig geht es oft um Leben und Tod. Die Motive vieler Figuren sind keinesfalls durchsichtig, eher im Gegenteil. Es ist eine Welt, in der jede/r seine/ihre eigenen Werte verfolgt und dabei wenig Rücksicht auf andere nimmt.

Ein perfekter Schauplatz für eine Liebesgeschichte, die schon tiefe Wunden aufzuweisen hat.

Fazit:

Ein absolutes Highlight! Die Story, die Tension zwischen den Figuren, die Charaktere an sich, die ganze Welt und dann das Ende, das komplett unerwartet kam. Wer ein komplexes, aber sehr humorvoll geschriebenes Buch mit viel Spannung, einem vernünftigen Maß an Spice und vor allem einer Badass-Protagonistin sucht, der ist hier richtig!

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!



3 Gründe, warum du dieses Buch lesen solltest

1. Weil Velvet eine Protagonistin ist, die nicht gefallen will

2. Weil die Tension zwischen Dämonenjägerin und Gottessohn extrem gut funktioniert

3. Weil Welt & Handlung perfekt miteinander verzahnt sind



Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Ein Wohlfühlbuch mit Tiefgang

The Friend Zone
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Weshalb Abby Jimenez mittlerweile meine absolute Wohlfühlautorin ist und ich immer gerne zu ihren Büchern greife? Weil sie es versteht, mich an Themen heranzuführen, mit denen ich mich noch viel zu wenig ...

Weshalb Abby Jimenez mittlerweile meine absolute Wohlfühlautorin ist und ich immer gerne zu ihren Büchern greife? Weil sie es versteht, mich an Themen heranzuführen, mit denen ich mich noch viel zu wenig beschäftigt habe und mir gleichzeitig eine Geschichte liefert, dich mich zum Lachen und Weinen gleichermaßen bringt. „The Friend Zone“ musste also hohe Erwartungen erfüllen:)

Zur Info: Die Bücher von Abby Jimenez sind alle unabhängig voneinander lesbar. Besonders aber dieser Band, denn er nimmt keinerlei Beziehung zu früheren Büchern.

Schreibstil:
Abby Jimenez schreibt einfach wundervoll. Sehr locker und humorvoll und dennoch voller Emotionen. Sie schafft es, schwierige Themen authentisch und ernst rüberzubringen, ohne das Ganze zu einem Tragödie zu machen. Vielmehr geht es bei ihr um Mitgefühl und Hoffnung – und genau das hat sie auch bei diesem Buch geschafft. Ich konnte mich super in die Figuren hineinversetzen, habe verstanden, worum es wirklich ging und hatte einfach Spaß beim Lesen.

Die Geschichte: Doppeldating at its best?

Ein Absatz und ich war von der Geschichte gebannt. Josh und Kirsten treffen sich nämlich direkt auf den ersten Seiten in einer äußerst alltäglichen Situation. Ab dann fliegen die Funken und ich konnte nur voller Eifer weiter und weiter lesen.

Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven beider Hauptprotagonisten. So werden auch die Teile der Geschichte, in denen die beiden in eine kleine Funkstille fallen, gut überbrückt. Man kann die Gefühle und Gedanken beider Hauptfiguren nachvollziehen und sie beide immer irgendwie verstehen.

Kirsten – hat Myome in der Gebärmutter, wurde streng erzogen, führt einen eigenen Online-Shop & hat eine Fernbeziehung

Kirsten ist so eine Protagonistin, die man erst so gar nicht einzuschätzen weiß, weil sie sich sehr hinter ihrer Fassade versteckt und ihr ganzes Sein fast gegenteilig ist. Zum Beispiel ist sie klein, stellt Hundetreppchen her und hat einen Mini-Hund namens Stuntman Mike. Wer auch immer jetzt eine Klischeeschublade aufgezogen hat, kann diese aber gleich wieder schließen, denn Kirsten ist auch direkt, eine wahre Powerfrau und hat einen Velociraptor, der ihr in schwierigen Situationen zur Seite steht. Was das bedeutet, werdet ihr noch früh genug erfahren^^.

Ich mochte an ihr, dass sie sehr prinzipientreu ist und immer genau das sagt, was sie meint. Gleichzeitig ist aber gerade der erste Teil auch der, der für Probleme sorgt, denn ihre Prinzipien definiert sie selbst. Und das vielleicht ein ganz wenig zu selbstlos. Es ist ein auf und ab mit ihr, aber stets begründet, denn sie hat Probleme mit etwas, was nicht gerade leicht zu verarbeiten ist und ihr Umgang damit beweist immer wieder, wie stark sie eigentlich ist.

In Bezug auf den Handlungsverlauf ist es mit ihr vielleicht nicht immer ganz einfach, weil sie blockt, wo man eigentlich gerne Fortschritt sehen wollen würde, aber ich fand es nachvollziehbar und habe mich deshalb nicht daran gestört.

Josh(ua) – Feuerwehrmann, gutherzig, Tischler & Stuntmans bester Freund

Würde ich Josh auf offener Straße begegnen, würde ich ihn wahrscheinlich direkt heiraten. So ungefähr denkt auch KirstenXD Und das vollkommen berechtigt, denn Joshua ist eigentlich viel zu gut für diese Welt. Ein Kerl voller Green Flags, der super viel Vertrauen schafft und Kirsten jederzeit zur Seite steht. Das klingt vielleicht im ersten Moment langweilig, war es aber gar nicht. Man merkte ihm an, wo er sich entwickeln wollte, sah, wo er mitdenkt und Zeit schenkt, aufmerksam ist und sich verliebt – ein Mann, der einfach gut so ist, wie er ist und damit spannend genug. Die Spannung bei ihm ergibt sich daraus, wie er mit Kirsten interagiert. Ich habe gebannt mitverfolgt, wie die beiden sich verliebt haben, wie sie versucht haben, ihre gegenseitigen Grenzen auszuloten und wie sie am Ende in den Kampfmodus geschaltet haben. Das war es, was diese Geschichte lebendig gemacht hat.

Protagonistin mit einem Freund? – Fernbeziehung vs. bester Freund

Interessant an der ganzen Liebesgeschichte war von Anfang an, dass Kirsten eigentlich einen Freund hat, der allerdings im Ausland dient. Und der wird zunächst sehr positiv dargestellt. Er klingt sympathisch am Telefon, Kirsten ist ihm treu und sie wartet auf ihn. Für uns Leser:innen und für Josh ist also schnell klar: daran lässt sich nichts rütteln. Josh kann nur bester Freund sein, nicht mehr.

Ich fand es sehr gut, dass nach und nach immer besser rauskam, was Kirsten sich eigentlich wünscht, weshalb Josh vielleicht eher ihr Mann ist und was sie vom Leben erwartet. Dazu kam die tieferliegende Thematik, die stets in all ihre Entscheidungen mit reinspielte. Die Spannung war da, der Kitzel auch, aber gleichzeitig war für alle klar, dass es so nicht mehr werden würde und trotzdem war es spannend und interessant. Der Humor, den die beiden teilen, ließ mich immer wieder schmunzeln und auf das Beste für alle hoffen. Und ganz nebenbei gibt es ja auch noch die Nebenfiguren, die nicht weniger liebenswert sind.

Mein Freund möchte Kinder. Ich kann keine Kinder bekommen. – Eine Frage, die viel Schmerz erzeugt

Das Grundthema dieser Geschichte ist Kirstens Unfähigkeit, Kinder zu bekommen. Wenn ich mit meinen Freundinnen rede, dann kommt es uns leicht über die Lippen, dass man das schon früh beim Daten klären sollte: Kinder, ja oder nein? Aber was ist, wenn eine/r ein Kind möchte, es aber nicht haben kann? Genau darum geht es hier.

Das Thema ist nicht einfach und mit vielen Gedanken und Emotionen verbunden. Die Autorin hat es aber mal wieder geschafft, dieses Thema sehr einfühlsam und authentisch zu vermitteln. Ich habe mitgelitten und gleichzeitig weitergedacht. Mich beeindruckt es immer wieder, wie die Autorin diese Themen so in ihre Geschichten einbindet, dass man sie ganz natürlich mitliest und trotzdem nach Beenden des Buches unheimlich viel davon mitnimmt. Ich glaube, wen man nicht selbst betroffen ist, dann hat man nun zumindest sehr viel mehr Verständnis für Betroffene und allein das ist eine Leistung.

Schön ist es einfach, dass der Geschichte trotzdem nicht die Leichtigkeit fehlte und man hier keine dramatische Tragödie liest, sondern auch dieses Pärchen wieder vor Liebe und Leben pulsiert.

Ganz kleiner Kritikpunkt zum Ende hin (oder vielleicht vielmehr eine Anmerkung): Kirsten muss hier wirklich hart überzeugt werden. Es geht darum, dass sie sich selbst im Weg steht. Gleichzeitig ist „überzeugen von“ natürlich auch mit Vorsicht zu genießen. Wer weiß schon wirklich, was das Beste für jemanden ist? Wann ist es freiwillig und wann aufgedrängt? Kirsten balanciert da sehr schmal an der Grenze. Meiner Meinung nach, ist es alles sehr nachvollziehbar und begründet, weshalb ich es nicht als negativ aufgefasst habe. Aber man darf diese Art und Weise, wie Josh mit ihr umgeht, keinesfalls normalisieren. So viel sei gesagt:)

Fazit:
Mit diesem Buch konnte mich Abby Jimenez wieder vollkommen von sich überzeugen. Eine Geschichte, die jede Seite wert ist. Ein wichtiges Thema wieder authentisch und nachvollziehbar in einen Handlungsverlauf verwoben, der durch Humor und Emotionen, Spannung und charakterstarken Figuren gezeichnet ist. Besonders gefreut hat mich, wie die Autorin mit dem Thema Fernbeziehung und neuverlieben und Best-Friends-To-Lovers umgegangen ist. Das sind eigentlich nicht meine Lieblingstropes, hier war ich aber einfach nur begeistert.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Absolut fesselnd!

To Cage a Wild Bird
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Zur Info: Dies ist der erste Band einer Reihe. Macht euch darauf gefasst, dass ihr weiterlesen wollen werdet.

Schreibstil:

Brooke Fast ist selbst Buchbloggerin und ganz vielleicht hätte ich ein paar ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer Reihe. Macht euch darauf gefasst, dass ihr weiterlesen wollen werdet.

Schreibstil:

Brooke Fast ist selbst Buchbloggerin und ganz vielleicht hätte ich ein paar Vorurteile gehabt, wenn ich das früher gewusst hätte. So habe ich es erst im Nachhinein erfahren und kann sagen: das Buch fühlt sich keineswegs nach einem Debüt an! Der Schreibstil ist klar und roh. Es brauchte hier nicht viele Wörter, um starke Emotionen ganz unterbewusst zu vermitteln. Ich mochte es, wie flüssig und spannend es geschrieben war und wie gut ich die Welt durch die Beschreibungen fassen konnte.



Die Geschichte: Tahereh Mafi meets Tribute von Panem & macht es zu was ganz eigenem!



Ich muss gestehen, dass ich mich nach den ersten Seiten gefühlt habe, als würde ich in eine bekannte Welt treten. Eine Mischung aus Bekanntem, die Spannung einzig darauf aufbauend, dass ich nicht wusste, wie genau das System dahinter verändert wurde.

Diesen Gedanken habe ich aber wirklich schnell verworfen, denn es wurde schnell zu etwas eigenem, das mich absolut fesseln konnte!

Erzählt wird aus zwei Perspektiven: Raven und Vale. Beide sind sehr bedächtig in dem, was sie aussprechen oder denken. Sie wirken fast distanziert. Vielmehr versteht man aber schnell, dass es Vorsicht ist, die die beiden zurückhält und damit hat man den Grundvibe des Buches: hier zählt jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Wort für die Figuren.



Raven – Kopfgeldjägerin, ältere Schwester, beschützend & taff, aber auch distanziert



Man wird direkt in die Geschichte hineingeworfen und verfolgt Raven bei einer Verhaftung, die sie als Kopfgeldjägerin öfters durchführt. Zunächst fühlte ich mich dadurch natürlich etwas orientierungslos, aber ich war auch direkt in der Handlung drin, habe mir Gedanken gemacht, Vermutungen angestellt und war gierig nach jedem Fitzelchen Hintergrundinformation.

Diese kommen dann auch bald: Raven ist die ältere Schwester von Jed. Und der kommt in das Gefängnis, das den Tod bedeutet. Es ist keine Frage, dass sie ihm folgt. Und genau das beschreibt sie sehr gut. Raven tut immer alles für ihren Bruder. An sich selbst denkt sie selten. Beziehungen zu anderen Menschen sind Schwächen. Die taffe Kopfgeldjägerin wird zu schnell zu einer starken Figur, der ich gerne gefolgt bin, da sie selbst noch so viel zu lernen hat und viel Entwicklungspotential in ihr schwärte. Das bestätigte sich zum Glück auch. Ich habe gerne von ihr gelesen:)



Vale – empathisch, hilfsbereit, Gefühl für Unrecht & ein durchtriebener Denker



Wenn man nie weiß, ob man einer Figur gänzlich vertrauen kann, dann ist das potentiell schwierig, mit ihr Freundschaft zu schließen als Leser:in. Bei Vale allerdings zweifelt zwar Raven, ich war aber sofort von seinem Herzen überzeugt. Nicht nur, weil wir durch seine Perspektive direkt in seinen Kopf gucken können (was aufgrund der gut überlegten Informationsweitergabe auch nicht unbedingt Allwissenheit garantiert), sondern vor allem durch seine Taten und seine Beziehungen zu den Nebenfiguren der Geschichte. Ich mochte an ihm, dass er alles tut, was in seiner Macht steht. Dass er nicht zögert. Dass er immer einen kühlen Kopf bewahrt und Raven mit Gefühlen vertraut macht, die sie selbst nicht wahrhaben möchte. Und dabei geht es nicht nur um die Gefühle innerhalb ihrer Liebesbeziehung.

Ich fand einfach, dass er der Typ Kerl war, an den man sich anlehnen kann und weiß, dass man komplett in Sicherheit ist und der gleichzeitig alles für seine Freunde tut, ohne kopflos zu werden. Oh und nicht zu vergessen: der dabei auch noch unfassbar sexy ist. Wer könnte ihn nicht mögen? XD



Endlock – grausames Gefängnis, Schmelztiegel aller Emotionen, Ort für Freundschaften & Tod



Das Prinzip rund um Endlock, in dem sich Vale und Raven und all die anderen treffen, die ich ebenfalls sofort ins Herz geschlossen habe, ist grausam. Gleichzeitig war es für mich als Leserin aber auch erfrischend und super spannend. Irgendwie war es umso schlimmer, dadurch, dass die Insass:innen immer wieder in die Jagd geschickt werden. So lange, bis sie nicht mehr sind.

Für Raven ist Endlock aber auch der Ort, wo sie sich gezwungenermaßen mit Menschen auseinandersetzen muss und vor allem mit ihren Gefühlen zu ihnen. So entstehen Freundschaften, die Aufopferungsbereitschaft erfordern, und eine Liebe, die einen Vertrauensvorschuss benötigt. Es dreht sich nicht mehr alles nur um sie und ihren Bruder.

Man könnt jetzt mäkeln, dass alles ein wenig zu glatt im Gefängnis läuft. Alle kennen die passenden Personen, kommen an die passenden Informationen und haben das passende Wissen – aber ich persönlich fand das nicht so aufdringlich verharmlost. Vielmehr war ich so an die Seiten gebannt, dass ich voller Spannung mitverfolgt habe, wie alle Hoffnung sammeln und Niederschläge hinnehmen, um dann… ja, was? Wie endet es? Ich kann nicht so viel dazu sagen, ohne zu spoilern, aber ich kann sagen, dass sich diese Dystopie nicht ihrer brutalen Realität entzieht.



Liebe zwischen einer Insassin & einem Wächter – unmöglich, leidenschaftlich & voller Gefahren



Das Besondere an Raven und Vale ist, dass die Anziehung von Anfang an da ist. Es ist kein langsames Verlieben, es ist eine starke Anziehung zueinander, die immer stärker wird. Also wer gerne Romance liebt, kommt hier definitiv auf seine/ihre Kosten!

Ich fand es total gut aufgebaut, wie beide erst ihre Unsicherheiten zum jeweils anderen ablegen müssen und sich lernen müssen, zu vertrauen. Denn auch, wenn die Anziehung stark ist, so sind die äußeren Umstände keinesfalls leicht. Für die ein oder anderen mag die Liebesgeschichte hier fast zu viel Raum eingenommen haben, ich mochte es so aber richtig gerne. Es ist quasi eine dystopische Romance-Geschichte, die noch dazu richtiges Knistern liefert und es leicht macht, nicht nur mit der Haupthandlung, sondern auch mit den beiden Liebenden mitzufiebern.

Für mich war es passend und hat die gesamte Handlung sinnvoll ergänzt.



Der Handlungsverlauf – viel Planen, viele Rückschläge & emotionale Blocker



Ich weiß nicht so genau wieso, aber ich habe das Buch in einem durchgelesen. Für mich gab es keine Längen. Vielleicht aber vor allem deshalb, weil ich immer sehr viel Verständnis für emotionale Blocker aufbringe. Und die gibt es in diesem Buch an so mancher Stelle.

Das, was die Figuren in Endlock vorhaben, ist nicht an einem Tag geschafft. Man könnte das Buch fast als Kammerspiel bezeichnen, so stark konzentriert es sich auf diese eine Sache. Dadurch kann es auf einige vielleicht etwas langweilig wirken, schließlich kommen sie nicht voran. Für mich allerdings war es genau so passend, wie es war, denn ich fand es überaus authentisch erzählt. Zu ihrem Plan gehören viele Überlegungen, Informationssammlung und Ausprobieren – und das alles funktioniert natürlich nicht reibungslos. So gehört hier warten ganz natürlich dazu. Es hat mir Spaß gemacht zu lesen, wie sich nach und nach die Puzzleteile zusammenfügen. Immer mehr komplexe Hintergrunderzählstränge kamen hinzu und machten die Welt immer größer und verzwickter. Das bedeutete nicht nur mehr Power für diesen Band, sondern auch gehöriges Potential für die Fortsetzung, auf die ich schon sehr gespannt bin!



Fazit:

Für mich eine wirklich spannende Dystopie mit starkem Romance-Anteil, deren Figuren ich schnell ins Herz geschlossen haben und deren Schreibstil mich hat durch die Seiten fliegen lassen. Ich fand es sehr interessant, in die Welt von Dividum einzutauchen und nach und nach immer mehr über die Hintergründe und Menschen darin zu erfahren. Und dann noch das Knistern zwischen den Hauptprotagonisten… es waren einfach wirklich schöne Lesestunden!

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Feminismus, Romantasy & Mental Health

A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)
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Hallo ihr Lieben ❤

ich glaube nicht, dass ich schonmal so begeistert von einem Buch war, dass andere in meinem Umkreis so gar nicht mochten. So war es mit dem ersten Band dieser Dilogie, weshalb ich nun ...

Hallo ihr Lieben ❤

ich glaube nicht, dass ich schonmal so begeistert von einem Buch war, dass andere in meinem Umkreis so gar nicht mochten. So war es mit dem ersten Band dieser Dilogie, weshalb ich nun die Einzige bin, die auch unbedingt den zweiten Band lesen wollte. Und zwar unbedingt, denn ich fand dieses Buch so erfrischend anders, dass ich mir den zweiten Band niemals entgehen lassen hätte.

Zur Info: Dies ist der zweite Band einer Dilogie. Lest also unbedingt vorher Band 1:)

Schreibstil:

Ava Reid schreibt wunderschön. Sehr verdichtet, ruhig und erzähltechnisch so konstruiert, dass die Grenzen zwischen fiktiver Realität und Fiktion verschwimmen. Das macht die Geschichte nicht nur besonders mystisch, sondern auch zu einem wahren literarischen Erlebnis. All das führt aber auch dazu, dass recht langsam erzählt wird. Die Figuren machen viel mit sich selbst und ihren Gedanken aus. Handlungen sind Ergebnisse von Prozessen, nicht die tragenden Elemente der Geschichte. Ich persönlich war so fasziniert von dem ganzen Setting, den Figuren, der Handlung und dem Schreibstil, dass es für mich so perfekt war. Ich könnte mir aber vorstellen, dass andere genau mit dieser geringen Geschwindigkeit ihre Probleme haben.



Die Geschichte: Magisch, Traum vs. Realität & die Angst davor, sich selbst zu verlieren



Erzählt wird aus zwei Perspektiven, immer am Kapitelanfang angeführt mit einem Zitat aus einem der Bücher der fiktiven Welt. Wer Band 1 gelesen hat, wird wissen, wie sehr es mich gefreut hat, dass man endlich auch in Prestons Kopf blicken kann. Und tatsächlich ist auch er dieses Mal die Hauptfigur. Er ist der Entdecker, während Effy zwar auch noch Effy so ist, wie ich sie kennengelernt habe, sie gleichzeitig aber noch verarbeiten muss, was in Band 1 passiert ist. Einerseits hätte ich es natürlich gerne gehabt, dass sie stark ist und das einfach so wegsteckt. Aber andererseits war es genau so total passend. Denn was Effy erlebt hat, ist nicht alltäglich. Und trotz allem trägt sie auch hier ihren Teil zu der Geschichte bei.

Preston – Feind Llyrs?, Träumer & Gutmensch mit starken Emotionen

Ich habe etwas gebraucht, um mich in Preston einzufinden. Dass er sehr auf seine Forschung und die Belegung von Thesen konzentriert ist, das wusste ich ja schon aus Band 1. Jetzt aber kamen auch seine ganzen Gefühle dazu und die waren ganz schön im Widerstreit. Zum einen hat er wahnsinnig damit zu kämpfen, dass er aus Argant kommt. Nicht nur nach außen hin, sondern auch ihn ihm selbst. Wie fühlt man sich, wenn man als der Feind angesehen wird? Wenn alles, was man tut, direkt darauf geschoben wird? Wenn das eigene Land, die eigene Familie verteufelt wird? So wie Effy in Band 1 für die Frauen kämpfte, und es immer noch tut (für sich und für andere), so geht es in diesem Band mehr darum, Nationalstolz und Herkunft, Identität und Feindseligkeiten gegenüber zu stellen. Preston ist dafür perfekt, denn er ist nicht nur eine zwiegespaltene Person innerhalb seiner Mitstudent:innen, sondern forscht gleichzeitig an dem, was Llyr als Nation stolz macht. Und dabei kommen natürlich nicht die Ergebnisse raus, die ihn besser dastehen lassen.

Effy – labil, kämpft für die Frauen & dagegen, krank zu sein

Effy hat in diesem Band eine sehr spezielle Rolle, denn sie ist quasi Prestons Muse. Bei ihr fühlt er sich sicher, sie ist die einzige Konstante in seinem Leben und die Person, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und genauso ist Preston auch Effys Antrieb und Sicherheit. Nur fällt es ihnen beiden schwer, sich das einzugestehen, bzw. dem anderen einzugestehen. Denn wer kann schon sagen, was Magie möglich machen könnte? Was ist Sicherheit überhaupt? Und wenn es mir selbst schlecht geht, wie kann ich dem anderen dies dann aufbürden, wo alles doch gerade so schwer ist?

Effy gerät dadurch in eine Gedankenspirale, die gar nicht einfach zu verstehen ist als Leserin. Erst war ich verwirrt, weshalb sie sich so hängen ließ. Aber mehr und mehr kam dann die Erkenntnis und es machte Sinn. Spannend fand ich, dass Effy sich hier sehr ängstlich zeigt und definitiv zu kämpfen hat, sie aber dennoch wieder in den Kampf für die Rechte der Frauen tritt und liest und nachforscht und ganz unbewusst zu Prestons Erkenntnissen beiträgt. Sie arbeiten zusammen, ohne es zu wissen.

Fantasy – wenn Träume sich in die Realität mischen, Lethargie zu Obsession wird & einem alles über den Kopf wächst

Das Haupthandlungselement dieses Bandes sind Träume. Oder sagen wir besser mal ein Traum. Denn Preston ist nicht nur Hauptfigur, er ist dieses Mal auch der, der mit dem klassischen „Was ist Fiktion, was Realität?“ zu kämpfen hat. Wie schon in Band 1 schafft es die Autorin, dies fließend ineinander übergehen zu lassen. Man weiß zwischendurch nicht mehr, was was ist. Gibt es in dieser fiktiven Welt überhaupt Magie oder ist alles nur ein Traum? Oder gar erschwindelt? Auch Preston setzt sich genau damit auseinander und mehr und mehr kam dadurch viel Spannung in die Story. Ich wollte wissen, wohin es führt, wie sehr er sich davon einnehmen lassen wird und ob er Effy währenddessen überhaupt wahrnimmt.

Literaturwissenschaft – die Wissenschaft, die Effy und Preston verbindet & Fantasy mit Realität verschmelzen lässt

Gekoppelt sind die fantastischen Handlungselemente stets an die literaturwissenschaftliche Forschung. Ich war ja von Anfang an davon begeistert, dass beide Figuren Literaturwissenschaftler:innen sind und stets einen Text zur Hand haben, den sie hinterfragen. Und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. So ist das Versmaß, der Druck, die Herausgeberschaft, das eigentlich Geschriebene und die Intention dahinter Grund zur Forschung, aber auch die Hintergründe der Entstehung. Sowohl Preston als auch Effy arbeiten jeweils an ihren eigenen Texten und wir Leser:innen werden Stück für Stück mit Textschnipseln gefüttert, die sich in das große Ganze einfügen und uns der Wahrheit immer näher führen. Ich fand das wieder brillant gemacht und war begeistert davon, wie professionell die Autorin diese Quellen formuliert hat und welche Gedankengänge die beiden Figuren dazu durchmachen. Es war, als lese man eine lebendig gewordene Quellenanalyse, die einen nicht nur in die Köpfe der Forscher, sondern auch in die untersuchte Welt selbst zieht und genau das ist es, was dieses Buch so besonders macht.

Anfang, Ende & das Dazwischen

Der Anfang der Geschichte war für mich ein klein wenig mühselig, weil ich mich erstmal wieder einfinden musste und es sich ein wenig zog, weil bei Effy so wenig, bei Preston so viel geschah, sie aber ja beide abwechselnd erzählen. Erst, als dann das Fantastische einzog und die Forschungen zu einem Katz und Maus-Spiel wurden, zusätzlich noch zu einer Jagd nach der Wahrheit, die einigen Nebenfiguren nicht besonders zugesagt hat, wurde es spannender und die Geschichte begann so richtig zu fließen. Das Ende war nochmal richtig gut, weil nicht nur die das Thema dieses Buches einen Abschluss fand, sondern auch vieles, was aus dem ersten Buch noch nicht gänzlich geklärt geblieben war und auch Effys und Prestons Beziehung zueinander hat ein zufriedenstellendes Ende genommen.

Fazit:

Ich habe es geliebt, wieder in Effys und Prestons Welt abzutauchen, zwischen Fiktion und Realität zu schweben und in diese literaturwissenschaftlich verdichtete Handlung einzusteigen. Am Anfang war es mir alles noch etwas zu lang gezogen, aber dann konnte die Geschichte mich richtig packen und ich finde es super, wie es letztlich geendet ist. Ein gelungener Abschluss der Dilogie, besonders, da wir jetzt auch Preston gehört haben.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest

- Weil Fantasy hier literarisch gedacht wird

- Weil Identität, Herkunft und Ausgrenzung vielschichtig verhandelt werden

- Weil du Band 1 mochtest und dich nicht vor verschwimmenden Grenzen fürchtest

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