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Veröffentlicht am 21.02.2021

Geheimnisvolles und spannendes Familiengeheimnis!

Die verlorene Frau
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Im Mittelpunkt dieses zweiten hervorragenden Romans von Emily Gunnis steht Rebecca, die bereits als 13jährige 1960 den gewaltsamen Tod ihrer Eltern Harriet und Jakob miterleben musste. Jahre später heiratet ...

Im Mittelpunkt dieses zweiten hervorragenden Romans von Emily Gunnis steht Rebecca, die bereits als 13jährige 1960 den gewaltsamen Tod ihrer Eltern Harriet und Jakob miterleben musste. Jahre später heiratet sie ihren Jugendfreund Harvey und bekommt die Tochter Jessie. Nach der Scheidung haben Rebecca und Harvey neue Partner und Rebecca bekommt noch eine weitere Tochter Iris. 2014 ist Jessie schwanger und besucht ihre Mutter, zu der sie bislang so gut wie keinen Kontakt hatte, an einem Freitag auf, bevor sie im Krankenhaus ihr Kind zur Welt bringt. Doch Jessie, selbst depressiv, verschwindet kurz nach der Geburt spurlos aus dem Krankenhaus mit dem Neugeborenen, das jedoch dringend Medikamente braucht. Rebecca bittet verzweifelt Iris, Jessie zu suchen. Viel Zeit bleibt nicht…..

Emily Gunnis schildert über drei Generationen hinweg das Leben von Harriet, Rebecca und Jessie. Immer wieder gibt es Zeitsprünge in die Vergangenheit, beginnend mit dem Jahr 1945. Jakob überlebt den Zweiten Weltkrieg, leidet aber an posttraumatischer Belastungsstörung und kurze Zeit später in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Anfang der 1950er Jahre wird er entlassen. Damit endet jäh die bis dahin ruhige und schöne Zweisamkeit von Harriet und Rebecca. In den Kapiteln über Harriet erfahren wir viel darüber, wie sie in diesen Zeiten ihre Familie ernährte und wie sie Jakobs heftige und brutalen Gefühls- und Gewaltausbrüchen erlebte. Harriet nutzt dazu ein Tagebuch, deren Inhalte widergegeben werden.

In der Gegenwart des Jahres 2014 sind nur zwei Tage maßgebend, Freitag, der 14.11. und Mittwoch, der 19.11. Am 14.11. hat Jessie mit Rebecca gesprochen. Hier muss es einen Auslöser für Jessies Verschwinden gegeben haben. Am Mittwoch, den 19.11. wird das Verschwinden von Jessie sowie deren Suche durch die Polizei, Harvey und Iris geschildert. Nach und nach wird ein Familiengeheimnis gelüftet.

Und dann gibt es auch Kapitel, in der rätselhafterweise eine Person aus der Ich-Perspektive erzählt. Das trägt wunderbar zur Verwirrung und Spannung bei.

Emily Gunnis hat hier eine wunderbare Geschichte geschrieben, ihr Schreibstil ist wunderbar leicht und bildhaft, man fiebert bei der Suche mit und fragt sich, was im Gespräch zwischen Jessi und Rebecca an diesem Freitag erzählt worden ist. Nach und nach ergeben die Puzzleteile ein Bild. Die Frauenfiguren wirken zerbrechlich, in manchen Szenen unbeholfen und hilfesuchend, aber sie sind auch starke Persönlichkeiten mit ihren Ecken und Kanten, bei denen es nicht immer nur glatt und problemlos im Leben zugeht. Gunnis behandelt die Themen häusliche Gewalt, Kriegstraumata, Psychosen und schildert wie die Gesellschaft mit psychisch Kranken umgegangen ist. Hier ist nur das Stichwort Elektroschocktherapie zu nennen. Das Buch ist kein Thriller oder Kriminalroman, aber durchaus auch spannend.

Ein wunderbar erzählter Roman, dem ich 5 von 5 Sternen vergebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2021

Rache auf schwedisch!

Golden Cage. Die Rache einer Frau ist schön und brutal
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Der Untertitel zu dem Buch „Die Rache einer Frau ist schön und brutal“ beschreibt den Inhalt und die Zielrichtung des Buches absolut zutreffend. Ich habe hier die Taschenbuchausgabe mit insgesamt 384 Seiten ...

Der Untertitel zu dem Buch „Die Rache einer Frau ist schön und brutal“ beschreibt den Inhalt und die Zielrichtung des Buches absolut zutreffend. Ich habe hier die Taschenbuchausgabe mit insgesamt 384 Seiten gelesen und parallel das Hörbuch gehört.

Es geht in diesem Thriller um die Rache einer verschmähten Ehefrau, die wegen des beruflichen Erfolgs ihres Ehemannes und für die Familie ihre eigenen Ziele und Wünsche aufgegeben hat. Das Buch gliedert sich in 3 Teile. Im ersten Teil zeigt die Autorin den Werdegang von Faye bis zu dem Zeitpunkt, in der sie erkennt und ihr deutlich gemacht wird, dass ihre Ehe gescheitert ist. Im 2.Teil plant sie ihre Rache und im 3.Teil wird diese eindrucksvoll ausgeführt. Dazwischen gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Einmal in die Zeit von 2001 als sie Jack kennen lernte. Zum anderen noch weiter zurück als sie ihren Wohnort aus zunächst nicht bekannten und unheilvollen Gründen verlassen hatte, um nach Stockholm zu gehen und ihr Glück zu machen.

Die Autorin zeigt im ersten Teil überaus deutlich die persönliche Abhängigkeit von Faye zu ihrem Mann, ihre fast schon als Besessenheit zu nennende Hingabe und Liebe zu Jack, die aber nicht erwidert wird, sondern mit Füßen getreten wird. Hier konnte ich Faye teilweise nicht verstehen, mir war sie manchmal unsympathisch, weil sie wie eine Klette an ihrem Mann hing und nicht erkannte, dass alles vergebene Liebesmüh gewesen ist. Sie gibt viel zu viel auf und verliert sogar ihre eigene Persönlichkeit. Das hat die Autorin wirklich außerordentlich gut beschrieben. Ich muss aber leider sagen, dass mir dieser erste Teil viel zu lange dauerte. Das hätte man auch kürzer darstellen können. Der nächste Abschnitt entschädigt aber die Leser. Der letzte Abschnitt schließlich hat mich sehr gepackt. Eine große Rolle in diesem Buch spielt die sehr sympathische Chris, die beste Freundin von Faye, die mit ihr durch dick und dünn geht. Das Schicksal ist manchmal unerbittlich. Was Camilla Läckberg hier zu den beiden Frauen geschrieben hat, die das Schicksal bis zum Schluss aneinander gekettet hat, hat mich emotional sehr gepackt. Das war sehr überzeugend geschrieben. Und schließlich ist auch der Racheplan außerordentlich packend dargestellt und umgesetzt und erfährt im Schlußteil sogar noch eine weitere unerwartete Wendung. Dieser letzte Teil war großartig.

Der Schreibstil ist gut und verständlich und sehr genau. Die Autorin schafft es, die unterschiedlichen Gemütslagen von Faye, Chris und Jack glaubhaft darzustellen.
Ich gebe dem Buch hier 3,5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2021

Heckenschütze in Berlin!

Als die Nacht begann
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Mitten in Berlin wird am helllichten Tag eine junge Frau aus dem Hinterhalt durch einen Heckenschützen erschossen. Hauptkommissar Jan Tommen wird an den Tatort gerufen und nimmt erste Ermittlungen auf. ...

Mitten in Berlin wird am helllichten Tag eine junge Frau aus dem Hinterhalt durch einen Heckenschützen erschossen. Hauptkommissar Jan Tommen wird an den Tatort gerufen und nimmt erste Ermittlungen auf. Ein zufällig gedrehtes Handyvideo eines Touristen bringt scheinbar keine Ergebnisse. Die Ermittlungen verlaufen ins Leere, dann wird eine weitere Person auf gleiche Weise an einem See erschossen. Treibt ein Heckenschütze in Berlin sein Unwesen und plant er weitere Morde? Jan Tommen und sein Team stehen heftig unter Druck…..

Es handelt sich hier bei „Als die Nacht begann“ bereits um den 7.Thriller des Autors Alexander Hartung. Auch wenn ich die vorherigen Thriller nicht gelesen hatte, konnte ich recht schnell das Team um Jan Tommen gut und schnell einschätzen. Hartung hat hier ein interessantes Team zusammengestellt. Da ist zum einen Tommen selbst, der gerade mitten in seiner Hochzeitsvorbereitung steckt, aber sofort die Ermittlungen leiten muss, wohl eher freudig als traurig. Daneben stellt Hartung die gradlinige Rechtsmedizinerin Zoe, die scheinbar vor nichts Angst hat und den Rauchmelder in der Pathologie abstellt, um rauchen zu könne. Da ist des Weiteren der Computernerd Max, der kongenial Tipps und Tricks auf Lager hat, um Tommen bei seinen Ermittlungen zu unterstützen. Und schließlich gibt es noch Chandu, der als Spitzel in der Berliner Unterwelt zum Einsatz kommt und immer kurz vorm Enttarnen steht.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da es kein Motiv zu geben scheint, zu unterschiedlich sind die Lebensweisen und berufliche Tätigkeiten der beiden Opfer gewesen. Durch einen Zufall gehen die Ermittlungen weiter. Immer wieder gibt es neue Ermittlungsansätze, die ins Leere laufen. Dennoch wird es nie langweilig. Interessant sind die Hinweis auf Spezialsoftware zur Erkennung von bevorstehenden Straftaten. Klingt wie Zukunftsmusik, ist aber scheinbar in Ansätzen im Einsatz.

Der Schreibstil ist einfach, die Geschichte flüssig und spannend geschrieben. Allerdings treiben die Ermittlungen ab und an ins scheinbar Illegale, die Grenzen rechtsstaatlichen Handelns werden mehr als einmal ausgereizt oder gar überschritten. Das scheint mit manchmal ein wenig übertrieben. Gegen Ende der Story wird es wieder spannend und die Auflösung ist nachvollziehbar und interessant.

Insgesamt ein empfehlenswerter Thriller, dem ich 4 von 5 Sternen gebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.02.2021

Spannend, düster, Sogwirkung

Eisenkind
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Lieber Arne M. Boehler, was hast Du da geschrieben? Ich bin richtig begeistert von diesem Psychothriller, der ist Dir richtig gut gelungen. Gleich vorne weg: volle Punktzahl und somit volle 5 Sterne!
Warum ...

Lieber Arne M. Boehler, was hast Du da geschrieben? Ich bin richtig begeistert von diesem Psychothriller, der ist Dir richtig gut gelungen. Gleich vorne weg: volle Punktzahl und somit volle 5 Sterne!
Warum ist das so? Weil Du mich mit dieser Geschichte von Anfang an in den Bann gezogen hast. Zunächst war ich ein wenig erschrocken, weil Du „im Präsens“ geschrieben hast und mir das eigentlich nicht so zusagt. Aber was sage ich, das war hier genau richtig. Wenn ich nicht zwischenzeitlich auch im Homeoffice arbeiten, ab und an mal essen und schlafen müsste, dann hätte ich das Buch in einem Zug durchgelesen.
Emil Thälmann hat vor vielen Jahren das Showgeschäft verlassen und hat über eine Stiftung ein Kinderheim gegründet. Die rasanten Jahre sind vorbei. Thälmann beendete die Karriere allerdings recht abrupt noch während eines Liveauftritts in den USA. Die Rockband ist Geschichte, die Bandmitglieder heillos zerstritten. Und nun hat sein kleiner Sohn einen schweren Verkehrsunfall, liegt mit gebrochenem Rückgrat im Krankenhaus. War es nur ein Unfall? Und dann wird Thälmann gegen ein großzügiges Honorar gebeten, ein letztes Konzert für einen recht zwielichtigen Milliardär zu geben. Thälmann versucht alles, um dies zu verhindern. Er fürchtet sich vor dem Konzert, so ganz genau wird das zu Beginn nicht klar, warum. Er hat immer wieder Alpträume, fürchtet sich vor angeblichen - oder doch existierenden? - Dämonen, wohl Folgen des jahrelangen Rauschgiftkonsums. Alles wirkt irgendwie unterschwellig unheimlich und düster. Es scheint so, dass der Milliardär etwas gegen ihn und die anderen Bandmitglieder in der Hand hat. Doch das ist eine Geschichte. Eine andere ist die Jagd nach dem nie gefassten sog. Nagelmörder. Jener hatte vor weit über 20 Jahren Frauen vergewaltigt, ermordet und ihnen dann postmortal Nägel in die Füße gerammt. Polizeikommissarin Hedwig Papst konnte diesen Mörder nie fassen. Und just ereignet sich nun im Umfeld der ehemaligen Rockband ein bestialischer Mord. Hier kommen beide Handlungsstränge dann nach und nach zusammen. Arne, wie bist Du auf diese Szene mit dem Mord gekommen? So etwas habe ich noch nie gelesen, wow, erschreckend, absolut. Da musste ich kurz innehalten. Die Protagonisten und der gesamte Plot haben mir außerordentlich gut gefallen, sehr authentisch dargestellt, die Entwicklung der Figuren und der Story sind logisch, und was dann passiert, Hut ab. Klasse. Mehr kann ich nicht sagen, da ich sonst spoilern würde.
Diesen Thriller kann ich uneingeschränkt empfehlen. Ich gebe 5 Sterne.

  • Cover
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Veröffentlicht am 17.01.2021

Spannende Fortsetzung der Trilogie!

Das Ritual des Wassers
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Mit „Das Ritual des Wasser“ liegt Band 2 der Trilogie von Eva Garcia Saenz vor. Ich empfehle hier, den ersten Band „Die Stille des Todes“ zu lesen. Nicht nur, um die Protagonisten kennen zu lernen. Sondern ...

Mit „Das Ritual des Wasser“ liegt Band 2 der Trilogie von Eva Garcia Saenz vor. Ich empfehle hier, den ersten Band „Die Stille des Todes“ zu lesen. Nicht nur, um die Protagonisten kennen zu lernen. Sondern auch deshalb, weil der zweite Band unmittelbar an die Ereignisse aus dem vorherigen Band anschließt. Und um Euch vorzuwarnen: Inspector Unai Lopez de Ayala, genannt Kraken, leidet an den Folgen der Verletzungen, die er im ersten Teil davon getragen hat. Die Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen gestaltet sich daher schwierig.

Dieser Thriller ist unheimlich gut geschrieben, der Schreibstil ist absolut einnehmend. Rasantes Tempo, tiefgehend, detailliert und authentisch. Selten habe einen so guten Thriller gelesen. Egal, ob es sich um die Personen in diesem Plot handelt oder um die Beschreibungen der Landschaft und des Klimas in Vittoria oder an der Küste. Alles kann man sich bildlich sehr gut vorstellen. Ich hoffe, auch dieser Thriller wird wie der erste verfilmt werden. Um die Story auch weiter verfolgen zu können, habe ich zwischenzeitlich auch das Hörbuch gehört.

Die Ermittlungen führen zunächst in die eine oder andere Sachgasse. Es gibt aber immer wieder Wendungen im dem Fall, die spannend bleiben. Sehr interessant sind immer wieder die historischen Bezüge zu den keltischen Ritualen, die in diesem Buch eine große Rolle spielen. Der Fall hat Bezüge zur Vergangenheit von Ayala. 24 Jahre zuvor waren Ayala und seine Freunde in einem Ferienlager. Dort lernten sie die später Ermordete kennen und lieben. Nach und nach kommen diese Erinnerungen aus der Vergangenheit hoch und helfen dabei, den Mord aufzuklären.

Es handelt sich bei diesem Thriller um den klassischen Pageturner. Für mich bereits eines meiner Highlights in 2021.

Daher bekommt der Thriller von mir volle 5 Sterne.

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