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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2024

Erschütternd und bedrückend - ein Lesehighlight, das eindrücklich ist

Notizen zu einer Hinrichtung
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Ansel Packer sitzt in den USA als zum Tode Verurteilter im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung, die in zwölf Stunden stattfinden soll. Er hat mehrere Frauen ermordet und immer wieder versucht, sein ...

Ansel Packer sitzt in den USA als zum Tode Verurteilter im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung, die in zwölf Stunden stattfinden soll. Er hat mehrere Frauen ermordet und immer wieder versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen und sein Trauma aus der Kindheit zu verarbeiten. Er weiß, was er getan hat und dass er schuldig ist, aber er möchte gehört und verstanden werden. Abwechselnd wird die Geschichte seiner Mutter, seiner Schwägerin und der leitenden Polizeikommissarin in seinem Fall erzählt.

Das ist das Besondere am Roman: das Hauptaugenmerk wird nicht, wie in den meisten Büchern, auf den Täter gelegt sondern auf die Frauen in seinem Umfeld und deren Angehörige. Auch die Ermittlungsarbeit oder die Beschreibungen der Täter geraten in den Hintergrund, die Geschichte ist vor allem den Frauen und Opfern gewidmet.
Es ist wahrlich eine Sammlung von "Notizen", die zeigen, wie die Frauen in Anselm Umfeld ihn kränkten, auf ihn heran fielen, ihm vertrauten und gelitten haben. Es wird kein konkreter Auslöser für Ansels Wesen und seine Taten beschrieben, ein möglicher Anhaltspunkt liegt in seiner schwierigen Kindheit. Es ist ein sehr gelungener Roman, der besonders ist und viele Einblicke gewährt. Dies wird durch gekonnte Sprünge in der Zeit, unterschiedliche Charaktere und persönliche Szenen erzeugt. Trotzdem zeigt die Autorin nicht mit dem Zeigefinger auf den Täter wie es oft der Fall ist. Vielmehr gibt sie den Frauen eine Stimme, die normalerweise ungehört bleiben.

Für mich ist dieses Buch ein absolutes Lesehighlight, Danya Kukafka gelingt ein hervorragender Umgang mit einem sensiblen Thema und durch die ungewöhnliche Erzählweise kann man das Buch kaum aus der Hand legen. Absolute Empfehlung!

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Tolle Zeitreise in das Paris der 1950er Jahre mit sympathischen Charakteren

Ein Tropfen vom Glück
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16.09.1954: In Charmally-les-Vignes wird der Winzer Pierre Chaveau nach einem feuchtfröhlichen Abend auf dem Nachhauseweg von einem gleißenden Licht geblendet - und seitdem nie wieder gesehen.
September ...

16.09.1954: In Charmally-les-Vignes wird der Winzer Pierre Chaveau nach einem feuchtfröhlichen Abend auf dem Nachhauseweg von einem gleißenden Licht geblendet - und seitdem nie wieder gesehen.
September 2017: Die vier Bewohner eines Hauses in Paris finden sich nach einem verhinderten Einbruch zusammen im Keller wieder. Hubert findet eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954, die er gemeinsam mit den anderen öffnet und leer trinkt. Am nächsten Tag scheint zunächst alles normal, doch nach und nach merken die vier, Hubert, Magalie, Julien und Bob, dass sie sich nicht mehr im Jahr 2017 befinden sondern im Jahr 1954. Nach dem ersten Schock versuchen sie gemeinsam, eine Möglichkeit zu finden, wieder in ihr "altes" Leben zurückkehren.

Das Cover finde ich, wie fast alle von Antoine Laurain, sehr gut gestaltet. Den Anfang des Buchs musste ich zwei Mal lesen, weil es darin um das Verschwinden Pierre Chaveaus im Jahr 1954 geht. Direkt danach wechselt man ins Jahr 2017 und lernt die vier Charaktere kennen, die alle im Haus wohnen und teilweise auch arbeiten. Huberts Vorfahren bauten das Haus und er ist stolz, immer noch Teil des Hauses zu sein. Bob ist Amerikaner und hat sich dort allein ein Zimmer gemietet, er spricht etwas französisch und kommt schnell mit den anderen Bewohnern ins Gespräch. Magalie, die von allen nur Abby genannt wird, kleidet sich im Gothic-Stil, ist Restauratorin und hat einen kleinen Laden im Erdgeschoss. Julien ist der Enkel von Pierre Chaveau, der damals verschwand und interessiert sich, auch wegen aller möglichen Theorien über das Verschwinden, sehr für Ufos und trägt alles an Literatur zusammen, was er dazu finden kann.
Die Charaktere sind einem allesamt sofort sympathisch, es ist eine bunte Gruppe, die sich unter normalen Umständen kaum zusammen finden würde. Das Buch lebt für mich von der schönen Erzählweise, gerade in das Paris der 1950er Jahre kann man sich sehr gut zurück versetzen.
Auch die Abenteuer, die die vier erleben, wird gut beschrieben. Mein Kritikpunkt ist allerdings, dass das Buch gerne noch einige Seiten mehr vertragen könnte. Ich hätte mir noch mehr Überraschungen und Wendungen gewünscht.

Alles in allem trotzdem ein tolles Buch für alle, die sich gerne in die Stadt der Liebe hinein lesen möchten und Antoine Laurain so oder so als Autor bereits schätzen!

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Veröffentlicht am 10.10.2024

Verwirrend und langatmig - konnte mich leider nicht überzeugen

So ist das nie passiert
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Willa ist ein Teenager als ihre kleine Schwester Laika spurlos verschwindet. Sie gibt nie die Hoffnung auf, Laika zu finden. Willa vernachlässigt ihre Beziehungen und ihr Umfeld immer mehr und sehnt sich ...

Willa ist ein Teenager als ihre kleine Schwester Laika spurlos verschwindet. Sie gibt nie die Hoffnung auf, Laika zu finden. Willa vernachlässigt ihre Beziehungen und ihr Umfeld immer mehr und sehnt sich nach einem Familienidyll, das sie so nie hatte. Heute, zwanzig Jahre später, trifft sie auf einer Dinnerparty eine Frau, von der sie glaubt, dass es Laika sein könnte. Das zwanglose Essen unter Freunden und Bekannten wird zu einem denkwürdigen Abend, der das Leben aller, vor allem Willis, für immer verändern wird.

Das Cover fand ich ansprechend, weil es so ungewöhnlich war, alltäglich und trotzdem sticht es ins Auge. Leider konnte mich dafür der Inhalt nicht überzeugen.
Die Geschichte wird kapitelweise aus der Sicht von verschiedenen Personen erzählt. An sich eine tolle Ausgangslage, aber hier fängt das Problem an: die unkontrollierten Zeitsprünge ohne Angabe zu Beginn des Kapitels machen das Lesen mühsam. Ich konnte den Beziehungen der Personen und den fehlenden Zeitangaben nicht folgen und musste gerade am Anfang oft zurückblättern und Passagen nochmal lesen. Obwohl Willa die Hauptfigur der Geschichte ist, erscheint oft Robyn, ihre Freundin und Gastgeberin der Party, eher im Zentrum. Sie ist mir von allen Figuren noch am sympathischsten, Willa wirkt meist emotionslos und anders, als ich sie vor dem Lesen eingeschätzt hätte.
Auch das Thema von Erinnerungen und wie diese im Laufe der Zeit immer weiter verfremden, fand ich sehr interessant. Das wurde für mich im Roman leider nicht gut umgesetzt und nur angerissen und geht im Chaos der Dinnerparty unter. Gerade dieses Thema und die Charaktere hätten mehr Aufmerksamkeit und Tiefe verdient, was dem Buch gut getan hätte. Die Auflösung und das Ende waren daher auch nicht wirklich fulminant und man hat es immer mehr vorhersehen können.

Für mich ein mittelmäßiges Buch, das wegen der vielen Zeitsprünge, undurchsichtigen Beziehungen und Charaktere und nicht zuletzt wegen der fehlenden Emotionen nicht wirklich überzeugen konnte! Schade!

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Veröffentlicht am 09.10.2024

Eine ältere Frau und ein jüngerer Mann - trotz guter Ausgangslage eher enttäuschend

The Idea of You
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Solène ist Anfang vierzig, Galeristin und wohnt mit ihrer Teenagertochter zusammen. Sie ist von ihrem Ex-Mann Daniel geschieden. Als sie ihrer Tochter und deren Freundinnen auf ein Konzert der angesagtesten ...

Solène ist Anfang vierzig, Galeristin und wohnt mit ihrer Teenagertochter zusammen. Sie ist von ihrem Ex-Mann Daniel geschieden. Als sie ihrer Tochter und deren Freundinnen auf ein Konzert der angesagtesten Musikband begleitet, gibt es dort auch ein Meet and Greet mit den Stars. Solène unterhält sich lange mit dem Sänger Hayes - der mit Anfang zwanzig fast halb so alt ist wie sie. Die beiden merken, dass da mehr ist zwischen ihnen und sie treffen sich von da an immer wieder, wie es ihre beiden Terminkalender zulassen. Kann diese Liebe trotz Altersunterschied, Berühmtsein und Verpflichtungen bestehen?

Ich habe den Film dazu nicht gesehen, aber nachdem der Film raus kam, wollte ich unbedingt das Buch dazu lesen. Leider konnte es mich nicht überzeugen. Die Ausgangslage ist erstmal nicht verkehrt: eine Frau und Mutter, die mitten im Leben steht und erfolgreich im Job ist, lernt einen der bekanntesten Sänger einer Band kennen, der auch noch halb so alt ist wie sie. Ganz realistisch und alltäglich ist dies natürlich nicht, aber ich fand es dennoch interessant und war gespannt, wie die Autorin dieses Setting ausbaut. Mal eben eine Luxusuhr oder ein Gemälde für mehrere 10.000 Dollar kaufen, weil der Andere es einfach schön fand? Kein Problem für beide.
Das Buch ist aus Solènes Sicht geschrieben, vielleicht auch deshalb fehlte mir etwas beim Schreibstil. Der Altersunterschied ist stets präsent, aber ebenso die Anziehung zwischen den beiden. Leider baut sich diese nur auf Körperlichkeiten auf, sodass kaum Raum für tiefere Gefühle bleibt. Sobald ein Probleme auftaucht, landen die beiden wieder im Bett. So geht es bis zum Schluss, es ist ein Hin und Her zwischen ihnen.
Irgendwann ist Solène mir richtiggehend auf die Nerven gegangen und wurde zunehmend unsympathischer. Sie möchte kaum Gefühle zulassen und handelt viel zu oft unreif und überstürzt. Während Hayes sich Mühe gibt, selbst für ihre Tochter da ist, ihr die Lage empathisch und ruhig erklärt, schafft es Solène nicht, sich eine Beziehung mit Zukunft aufzubauen.
Das Ende konnte mich leider auch nicht wirklich überzeugen auch wenn es mehr Dynamik und Emotionen beinhaltet als der Rest des Buches.

Für mich ein oberflächlicher und von Körperlichkeit geprägter Roman, der trotz ganz gutem Settings viele Schwächen hat und die Emotionen und das Thema des großen Altersunterschieds nicht genügend ausbaut.

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Hochspannender und gut konstruierter Krimi - nicht nur für Jugendliche!

A Good Girl’s Guide to Murder
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Vor fünf Jahren verschwand die damals 17-jährige Andie Bell. Ihr Freund Sally Singh wurde beschuldigt, sie ermordet zu haben. Er gestand die Tat und beging Selbstmord. Der Fall war sowohl für die Polizei ...

Vor fünf Jahren verschwand die damals 17-jährige Andie Bell. Ihr Freund Sally Singh wurde beschuldigt, sie ermordet zu haben. Er gestand die Tat und beging Selbstmord. Der Fall war sowohl für die Polizei als auch die Bewohner der Kleinstadt Little Kilton in Großbritannien klar und schnell abgeschlossen. Zurück ins Jetzt: Pip kannte Sam aus der Schule, er war einige Klassen über ihr vor fünf Jahren. Sie glaubt an Sals Unschuld und beschließt, ihr Schulprojekt der Aufklärung der Tat von damals zu widmen. Es entwickelt sich immer mehr zu etwas Größerem und nicht jeder in der Stadt möchte, dass Pip weiter forscht und Geheimnisse aufdeckt...

Ich war zunächst skeptisch vor dem Lesen aufgrund des Hypes ob mir dieses Buch gefällt. Aber es hat sich zu einem absoluten Pageturner und Highlight entwickelt! Das Buch ist zwar ab 14 Jahren empfohlen, aber man kann es in jedem Alter lesen!
Holly Jackson hat hier eine unglaublich gute Geschichte geschrieben, die sowohl Liebesgeschichte und Thriller als auch Krimi in einem ist. Die ganze Story ist unheimlich klug und psychologisch konstruiert, sodass man bis zuletzt mitfiebert und unbedingt weiterlesen muss. Sowohl die Figuren als auch die Orte sind großartig beschrieben, man ist immer wie "live" dabei. Als Leser sympathisiert man mal mit dem einen, mal mit dem anderen Charakter, die Fäden von allen Handlungssträngen hat jedoch stets Pip in der Hand. Sie ist mir sofort sympathisch gewesen: ehrgeizig und empathisch verfolgt sie ihr Ziel, den wahren Mörder Andie Bells zu finden. Sie lässt sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen und findet in Ravi, Sals Bruder, einen Freund und "Co-Ermittler". Gerade ihn hat Sals Tod tief getroffen. Er und seine Eltern werden von den meisten Bewohnern Little Kiltons gemieden. Wie Pip glaubt auch er, dass hinter Andies und Sals Tod mehr steckt und der wahre Mörder noch frei herum läuft. Nebenbei decken die beiden noch etliche weitere Geheimnisse zu der Tat damals auf und die Lage spitzt sich immer weiter auf das große Finale hin zu, das wirklich meisterhaft geschrieben ist!

Von mir eine absolute Leseempfehlung für Krimi-und Thriller-Fans, das Buch ist den Hype auf jeden Fall wert!

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