Profilbild von SophiaDango

SophiaDango

Lesejury Star
offline

SophiaDango ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SophiaDango über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.10.2024

Der große Traum Chinas - hochspannender Thriller und ein absoluter Pageturner!

Die Übermacht. Nominiert für den GLAUSER 2025 in der Kategorie bestes Debüt
0

Die chinesische Wissenschaftlerin Jun Ji Bao möchte in einer deutschen Livesendung "das größte Geheimnis Chinas" enthüllen. Sie stirbt jedoch unerwartet mitten in der Sendung und niemand weiß zunächst, ...

Die chinesische Wissenschaftlerin Jun Ji Bao möchte in einer deutschen Livesendung "das größte Geheimnis Chinas" enthüllen. Sie stirbt jedoch unerwartet mitten in der Sendung und niemand weiß zunächst, was es damit auf sich hat. Robert Forster, ehemaliger BND-Mitarbeiter, soll herausfinden, was die Chinesin enthüllen wollte.
In China erhält Maria, die Nichte Jun Ji Baos, eine Videobotschaft, in der ihre Tante sie auffordert, mit einem USB-Stick mit geheimen Dokumenten nach Berlin zu reisen und diese Dokumente öffentlich zu machen. Schon bald wird Maria Staatsfeind Nummer eins in China und sie muss, mithilfe von Komplizen, aus China flüchten und gerät immer wieder in gefährliche Situationen. Robert und Maria müssen zusammenarbeiten um das Geheimnis aufzudecken, das die chinesische Regierung mit aller Macht und Gewalt zu vertuschen versucht. Wird ihnen das gelingen?

"Die Übermacht" ist Stefan Grebes Debüt - ein gelungener Thriller mit aktuellen Themen und viel Spannung. Allein das Cover zieht den Blick auf sich und verspricht eine spannende Handlung mit China im Mittelpunkt.
Die Kapitel sind meist nur wenige Seiten lang und spielen an verschiedenen Orten in verschiedenen Ländern. Zunächst fällt es schwer, den vielen Personen und Orten zu folgen, man findet jedoch sehr schnell in die Geschichte hinein. Durch die schnellen Szenenwechsel entsteht eine unglaublich gut aufgebaute Dynamik und die Kapitel enden meist mit einem Cliffhanger, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Der Schreibstil ist sachlich, vermittelt aber gut die Spannung und Bedrohlichkeit, die stets im Raum schwebt. Stefan Grebe versteht es, den Leser einzufangen und eine düstere Atmosphäre zu schaffen, in die man als Leser vollends eintaucht.
Auch die Figuren sind allesamt detailliert gezeichnet und man sich stets gut in sie hinein fühlen. Man fiebert mit ihnen und alle Personen werden ausreichend gut beschrieben.

Man merkt der Geschichte an, dass Stefan Grebe unglaublich gut recherchiert hat zu dem Thema. Es ist beängstigend zu lesen, wie wenig man im Allgemeinen über China und seine verborgenen Machenschaften weiß - auch wenn der Thriller fiktional ist, lässt er einen als Leser doch schaudernd zurück.
Ich empfehle dieses Debüt jedem, der einen gut konstruierten Thriller sucht mit viel Spannung. Man lernt zudem viel über China als Machtzentrum und Weltmacht. Absolut lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 17.10.2024

Langatmige und nicht auserzählte Handlung mit Charakteren ohne Tiefe

Das Wohlbefinden
0

1907: Anna Brenner ist eine einfache Arbeiterin, die in die Heilstätten Beelitz geschickt wird. Sie besitzt anscheinend übernatürliche Kräfte und wird in den Heilstätten als Medium und Hellsichtige angefeindet. ...

1907: Anna Brenner ist eine einfache Arbeiterin, die in die Heilstätten Beelitz geschickt wird. Sie besitzt anscheinend übernatürliche Kräfte und wird in den Heilstätten als Medium und Hellsichtige angefeindet. Dies wird auch für den Leiter immer mehr zum Problem. Johanna Schellmann ist wohlhabend und Schriftstellerin. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann Clemens, der Arzt ist und zwischenzeitlich auch in den Heilstätten forscht und ihren beiden Kindern zusammen. Für die Recherche zu einem Roman reist Johanna nach Beelitz und lernt dort Anna kennen. Zwischen den beiden ungleichen Frauen entsteht eine Verbindung.
1967: Die mittlerweile über 80-jährige Johanna möchte noch einmal einen erfolgreichen Roman schreiben und versucht, die Vergangenheit aufzuarbeiten.
2020: Vanessa, Johannas Urenkelin, lebt in Berlin und sucht verzweifelt eine Wohnung. Durch einen Makler bekommt sie ein Manuskript und Notizen ihrer Urgroßmutter in die Hand.

Wegen des Covers und Klappentextes wollte ich das Buch sehr gerne lesen - auch die Nominierung zum Deutschen Buchpreis 2024 ließ mich mit großen Erwartungen in die Lektüre starten. Leider wurde ich enttäuscht und hätte ich das Buch nicht innerhalb einer Leserunde gelesen, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen.
Aufgrund der drei Zeitebenen war ich gespannt, wie die Autorin den Bogen spannen möchte: drei Frauen in drei Epochen. Der Einstieg fällt leicht und der Schreibstil ist der jeweiligen Zeit angepasst. Man startet im Jahr 1907 und erhält einen guten Einblick in die Arbeit der Heilstätten Beelitz - ein Grund, warum ich das Buch lesen wollte. Nach etwa einem Drittel flacht die Handlung aber leider ab und man fragt sich als Leser, wo die Autorin einen eigentlich mit der Geschichte hinführen möchte. Die Figuren, allesamt mit großem Potenzial, bleiben blass und ohne Tiefe. Alle drei Frauen bleiben einem unsympathisch und keine ruft große Emotionen oder Empathie hervor.
Auch die Handlung bleibt leider unklar. In der zweiten Hälfte plätschert sie so dahin und vermeintlich wichtige Dinge und Situationen werden angerissen, aber nicht weiter verfolgt und unwichtige Handlungen werden in die Länge gezogen. Das Ende konnte mich ebenfalls nicht überzeugen, es wirkt konstruiert und zu vieles, gerade in Bezug auf Anna, bleibt unklar. Oft kam es mir beim Lesen vor, als wären die Handlungsstränge von Johanna im Jahr 1967 und Vanessa im Jahr 2020 noch dazu erfunden worden um die Handlung aus dem Jahr 1907 in die heutige Zeit zu holen. Sie wirken eher unnötig und geben der Geschichte keinen Mehrwert.

Positiv fand ich, dass die Autorin in die Recherche sehr viel Zeit und Mühe investiert hat, man merkt, dass sie sich mit diesem Thema auseinander gesetzt hat, auch wenn die Geschichte rund um die Heilstätten Beelitz zu kurz kommt.

Ich habe mir einen Roman um zwei starke Frauen in der damaligen Zeit im Kaiserreich erhofft und eine besondere Verbindung der beiden, die intensiv beschrieben wird. Leider wurde ich dahingehend trotz viel Potenzial enttäuscht und die Nomierung für den Deutschen Buchpreis und die Longlist kann ich nicht nachvollziehen. Schade!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2024

Letzter Band einer Reihe um den Ort Valentine und das Liebesglück

Sweet Valentine / Liebesglück in harter Schale
0

In Valentine haben ist alle Singles die große Liebe gefunden - bis auf Joshua und Mackenzie. Joshua ist Sozialarbeiter, ruhig und wohnt noch bei seinen Eltern, weil das Gehalt kaum zum Leben reicht. Mackenzie ...

In Valentine haben ist alle Singles die große Liebe gefunden - bis auf Joshua und Mackenzie. Joshua ist Sozialarbeiter, ruhig und wohnt noch bei seinen Eltern, weil das Gehalt kaum zum Leben reicht. Mackenzie ist das genaue Gegenteil: sie hat Tattoos und Piercings, ist laut und rebellisch und lässt sich von keinem etwas sagen. Sie führt gemeinsam mit ihrer Mutter ein Hotel in Valentine, aber die beiden verstehen sich alles andere als gut. Nach einem Streit zieht sie kurzerhand bei ihrer Großmutter Elaine ein. Dort arbeitet auch Joshua und hilft Elaine bei allen Belangen. Joshua und Mackenzie treffen nach langer Zeit aufeinander und so unterschiedlich die beiden auch sind, verbringen sie doch immer mehr Zeit miteinander. Können sie mit diesen Unterschieden zusammenkommen und -bleiben?

Ich hatte vorher noch nichts von der "Sweet Valentine"-Reihe gelesen. Es ist wahrscheinlich von Vorteil, wenn man die vorigen neun Bände gelesen hat um die Entwicklung aller Figuren und des Städtchens Valentine mitverfolgen zu können. Das Cover lässt auf einen Wohlfühlroman schließen und ist eher einfach gehalten. Das Buch ist jeweils abwechselnd aus der Sicht von Joshua und Mackenzie geschrieben, was mir gut gefallen hat, da man so einen guten Einblick in die Gefühlswelt der beiden bekommt. Jedoch geht es mir gleich zu Beginn der Geschichte viel zu schnell mit den Ereignissen. Allgemein ist die Handlung sehr rasant und verläuft schnell, so verliert sie oft an Glaubwürdigkeit. Auch die Figuren konnten mich nicht überzeugen, wirken sie oft sehr konstruiert und überzogen.

Der Erzählstil ist einfach und gut, da komplett aus der Ich-Perspektive beschrieben wird, bekommt man einen guten Einblick in die Gefühle. Mir hat es allerdings an Tiefe der Charaktere gefehlt, aber das ist wahrscheinlich auch dem Genre geschuldet. Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen, es wirkt wenig glaubwürdig. Ich habe gelesen, dass die Autorin die zehnteilige Reihe um "Sweet Valentine" in einem Jahr geschrieben hat, vielleicht hätte ein bisschen mehr Zeit dem Buch gut getan.

Wer einen klassischen Wohlfühlroman mit viel Liebe sucht, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Es lässt sich gut weg lesen, wird mir aber auch nicht lange im Gedächtnis bleiben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2024

Erschütternd und bedrückend - ein Lesehighlight, das eindrücklich ist

Notizen zu einer Hinrichtung
0

Ansel Packer sitzt in den USA als zum Tode Verurteilter im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung, die in zwölf Stunden stattfinden soll. Er hat mehrere Frauen ermordet und immer wieder versucht, sein ...

Ansel Packer sitzt in den USA als zum Tode Verurteilter im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung, die in zwölf Stunden stattfinden soll. Er hat mehrere Frauen ermordet und immer wieder versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen und sein Trauma aus der Kindheit zu verarbeiten. Er weiß, was er getan hat und dass er schuldig ist, aber er möchte gehört und verstanden werden. Abwechselnd wird die Geschichte seiner Mutter, seiner Schwägerin und der leitenden Polizeikommissarin in seinem Fall erzählt.

Das ist das Besondere am Roman: das Hauptaugenmerk wird nicht, wie in den meisten Büchern, auf den Täter gelegt sondern auf die Frauen in seinem Umfeld und deren Angehörige. Auch die Ermittlungsarbeit oder die Beschreibungen der Täter geraten in den Hintergrund, die Geschichte ist vor allem den Frauen und Opfern gewidmet.
Es ist wahrlich eine Sammlung von "Notizen", die zeigen, wie die Frauen in Anselm Umfeld ihn kränkten, auf ihn heran fielen, ihm vertrauten und gelitten haben. Es wird kein konkreter Auslöser für Ansels Wesen und seine Taten beschrieben, ein möglicher Anhaltspunkt liegt in seiner schwierigen Kindheit. Es ist ein sehr gelungener Roman, der besonders ist und viele Einblicke gewährt. Dies wird durch gekonnte Sprünge in der Zeit, unterschiedliche Charaktere und persönliche Szenen erzeugt. Trotzdem zeigt die Autorin nicht mit dem Zeigefinger auf den Täter wie es oft der Fall ist. Vielmehr gibt sie den Frauen eine Stimme, die normalerweise ungehört bleiben.

Für mich ist dieses Buch ein absolutes Lesehighlight, Danya Kukafka gelingt ein hervorragender Umgang mit einem sensiblen Thema und durch die ungewöhnliche Erzählweise kann man das Buch kaum aus der Hand legen. Absolute Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.10.2024

Tolle Zeitreise in das Paris der 1950er Jahre mit sympathischen Charakteren

Ein Tropfen vom Glück
0

16.09.1954: In Charmally-les-Vignes wird der Winzer Pierre Chaveau nach einem feuchtfröhlichen Abend auf dem Nachhauseweg von einem gleißenden Licht geblendet - und seitdem nie wieder gesehen.
September ...

16.09.1954: In Charmally-les-Vignes wird der Winzer Pierre Chaveau nach einem feuchtfröhlichen Abend auf dem Nachhauseweg von einem gleißenden Licht geblendet - und seitdem nie wieder gesehen.
September 2017: Die vier Bewohner eines Hauses in Paris finden sich nach einem verhinderten Einbruch zusammen im Keller wieder. Hubert findet eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954, die er gemeinsam mit den anderen öffnet und leer trinkt. Am nächsten Tag scheint zunächst alles normal, doch nach und nach merken die vier, Hubert, Magalie, Julien und Bob, dass sie sich nicht mehr im Jahr 2017 befinden sondern im Jahr 1954. Nach dem ersten Schock versuchen sie gemeinsam, eine Möglichkeit zu finden, wieder in ihr "altes" Leben zurückkehren.

Das Cover finde ich, wie fast alle von Antoine Laurain, sehr gut gestaltet. Den Anfang des Buchs musste ich zwei Mal lesen, weil es darin um das Verschwinden Pierre Chaveaus im Jahr 1954 geht. Direkt danach wechselt man ins Jahr 2017 und lernt die vier Charaktere kennen, die alle im Haus wohnen und teilweise auch arbeiten. Huberts Vorfahren bauten das Haus und er ist stolz, immer noch Teil des Hauses zu sein. Bob ist Amerikaner und hat sich dort allein ein Zimmer gemietet, er spricht etwas französisch und kommt schnell mit den anderen Bewohnern ins Gespräch. Magalie, die von allen nur Abby genannt wird, kleidet sich im Gothic-Stil, ist Restauratorin und hat einen kleinen Laden im Erdgeschoss. Julien ist der Enkel von Pierre Chaveau, der damals verschwand und interessiert sich, auch wegen aller möglichen Theorien über das Verschwinden, sehr für Ufos und trägt alles an Literatur zusammen, was er dazu finden kann.
Die Charaktere sind einem allesamt sofort sympathisch, es ist eine bunte Gruppe, die sich unter normalen Umständen kaum zusammen finden würde. Das Buch lebt für mich von der schönen Erzählweise, gerade in das Paris der 1950er Jahre kann man sich sehr gut zurück versetzen.
Auch die Abenteuer, die die vier erleben, wird gut beschrieben. Mein Kritikpunkt ist allerdings, dass das Buch gerne noch einige Seiten mehr vertragen könnte. Ich hätte mir noch mehr Überraschungen und Wendungen gewünscht.

Alles in allem trotzdem ein tolles Buch für alle, die sich gerne in die Stadt der Liebe hinein lesen möchten und Antoine Laurain so oder so als Autor bereits schätzen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere