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Veröffentlicht am 26.06.2025

Eine Ärztin in einem destruktiven Gesundheitssystem - schockierend und hart

Emotional Female
4

Yumiko Kadota studiert in Australien Medizin und möchte unbedingt Chirurgin werden. Als Tochter japanischer Eltern lebte sie in Singapur, London und Melbourne. Mit Bestnoten schließt sie die Schule ab ...

Yumiko Kadota studiert in Australien Medizin und möchte unbedingt Chirurgin werden. Als Tochter japanischer Eltern lebte sie in Singapur, London und Melbourne. Mit Bestnoten schließt sie die Schule ab und auch im Studium läuft es erstmal gut. Als Frau mit ausländischen Wurzeln in der Chirurgie wird sie nur allzu oft "emotional" genannt. Die angebliche weibliche Emotionalität zeichnet sie als gute Ärztin aus - jedoch steht ihr das auch in einem kompetetiven Gesundheitssytem allzu oft im Weg. Letztlich kann sie dem Druck nicht mehr standhalten und zieht sich mit einem Burnout, wie bereits im Untertitel zu lesen, aus dem Gesundheitssystem zurück. Sie gewährt dabei sehr persönliche Einblicke in diese Zeit voller Umbrüche.

Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht, man begleitet sie zunächst in einem Epilog mit einem beginnenden Arbeitstag und direkt wird klar: das kann kein Mensch auf Dauer aushalten. Yumiko Kadota erzählt aus ihrer Perspektive und das hat mir auch gut gefallen: man bekommt Eindrücke und Gefühle der Autorin mit und das Buch wirkt sehr persönlich dadurch. Die Geschichte ist in drei große Teile mit einigen Unterkapiteln gegliedert. Sie erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend und sofort wird klar, dass sie den Drang, immer die Beste sein zu wollen, gemocht zu werden und beliebt zu sein, bereits ihr ganzes Leben hat. Auch durch ihren kulturellen Hintergrund geprägt möchte sie die Karriereleiter steil nach oben erklimmen. Pausen gönnt sie sich auch im Studium kaum, passiert ihr ein Fehler, ärgert sie sich danach unglaublich und strengt sich noch mehr an, noch besser zu sein.

Bereits im Studium und anschließendem Praktikumsjahr zeigt sich, dass sie als Frau anders in der zwischenmenschlichen Ebene agiert als die zumeist männlichen Kollegen. Die Geschichte zeigt deutlich, was in wahrscheinlich den meisten Gesundheitssystemen falsch läuft und riesige Probleme darstellt: Misogynie, Rassismus, sexuelle Übergriffe und Belästigungen und Leistungsdruck sind an der Tagesordnung. Yumiko Kadota schiebt diese Probleme, die gerade sie als Frau noch mehr betreffen, stets beiseite und konzentriert sich auf Studium und später die Arbeit.
Das ist leider auch ein großer Kritikpunkt für mich: sie arbeitet ihre Vergangenheit als Ärztin nur auf indem sie ihre Geschichte "runter schreibt". Eine Reflexion oder lösungsorientiertes Denken fehlt hier, es scheint eher, als hätte sie Tagebücher und Einträge aus der Vergangenheit zusammen geschrieben und in ein Buch verpackt. Vom Klappentext und der Leseprobe her hätte ich mir eine andere Geschichte vorgestellt. Mir haben hier Expertenmeinungen, Statistiken und Meinungen von Kollegen und (Pflege)Personal gefehlt, die das Ganze runder und stimmiger gemacht hätten. So bleibt es eine Aneinanderreihung von verschiedenen "Stationen" auf der Karriereleiter der Autorin, die sie systematisch abhakt. Als Leser bekommt man einen guten Einblick in das Leben als (Jung)Ärztin, die mit vielen Hürden zu kämpfen hat, aber es bleibt eben alles auf einer sehr subjektiven Ebene ohne Reflexion.
Als Leser bemerkt schon früh, dass die Autorin geradewegs in ein Burnout steuert und möchte sie am liebsten schütteln und zur Pause und zum Innehalten regelrecht zwingen. Oft nüchtern erzählt sie aus ihrem Alltag und ihren verschiedenen Stationen, ein Privatleben gibt es so gut wie gar nicht, sodass sich ihr Leben im Krankenhaus abspielt. Passiert eine Ungerechtigkeit oder ein Fehler, hält sie nicht inne oder nimmt sich den Raum um mit Abstand auf die Situation zu schauen sondern bleibt in einer Art Empörung, die ihren Drang nach Perfektion nur weiter anstachelt. Dieser Umstand hat mir oft das Weiterlesen schwer gemacht, denn in diesem Stadium verharrt die Autorin den größten Teil der Geschichte.

Der Weg in den Burnout war von daher so gut wie vorgezeichnet, spätestens hier hätte ich mir mehr Reflexion, mehr Innehalten und Abstand ihrerseits gewünscht. Es kam mir vor als würde sie auch diesen Umstand, nun arbeitsunfähig zu sein, als Challenge sehen, die sie mit Bestleistung bestehen muss. Einen Weg aus Depression und Burnout zu finden ist ein steiniger Weg, den die Autorin allerdings wie immer schnellstmöglich abhandeln möchte ohne sich Gedanken machen zu müssen. Das Nachwort der Autorin hat dann für mich Einiges erklärt, es wäre allerdings als Vorwort zu Beginn des Buches besser aufgehoben gewesen, weil einem als Leser dadurch Einiges klarer wird in Bezug auf Kadotas Schilderungen.

Insgesamt ist "Emotional Female" eine Geschichte, die einerseits einen interessanten Einblick in das destruktive Gesundheitssystem gibt, die aber andererseits nur von den Schilderungen und Erzählungen der Autorin lebt und daher auf einer subjektiven Ebene verharrt ohne zu reflektieren oder ein Fazit zu ziehen.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Authentisch, ehrlich und ermutigend - grandioser Debütroman!

No Hard Feelings
1

Penny ist Ende zwanzig und wenn sie so auf ihre Freundinnen schaut, läuft es nicht wirklich rund: sie wäre gerne erfolgreicher im Job, aktuell führt sie eine On-Off-Beziehung mit Max und wohnt bei einem ...

Penny ist Ende zwanzig und wenn sie so auf ihre Freundinnen schaut, läuft es nicht wirklich rund: sie wäre gerne erfolgreicher im Job, aktuell führt sie eine On-Off-Beziehung mit Max und wohnt bei einem Bekannten in dessen Haus in einer Art WG. Sie stolpert durchs Leben, sagt oft die falschen Dinge und ist hart zu sich selbst. Penny jedoch möchte weiter kommen, ihre Panikattacken in den Griff bekommen und endlich das Leben leben, von dem sie träumt.

Erstmal: Wow! Was für ein Debütroman! Ich selbst bin Anfang dreißig und konnte mich in Penny SO gut wiederfinden.
Penny als Ich-Erzählerin muss man gelesen haben. Mit viel Sarkasmus und Selbstkritik lässt sie uns an ihrem Leben teilhaben. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich die ein oder andere Situation genauso erlebt habe - umso sympathischer ist es zu lesen, dass man damit nicht alleine ist. Ich habe mit Penny gelacht und geweint, manchmal wollte ich sie in den Arm nehmen und manchmal schütteln und sagen, was sie für ein toller Mensch ist und warum sie sich selbst oft so im Weg steht. Man fährt mit ihr durch alle Gefühlsebenen, mal heiter, mal rau und unangenehm, aber immer zu 100% authentisch.
Genevieve Novak greift hier so viele wichtige Themen auf: das Leben als Single-Frau in den Zwanzigern, Freundschaft, Selbstkritik, Selbstakzeptanz und gesellschaftlicher Druck. Mit Penny als Protagonistin webt sie diese Themen so gekonnt in die Geschichte ein, dass ich oft dachte, ich wäre selbst (als Freundin) dabei. Auch die Nebenfiguren wie ihre besten Freundinnen und ihr Mitbewohner sind toll gezeichnet. Sehr gut fand ich auch die Kapitel, in denen Penny bei der Psychotherapeutin Dr. Minnick sitzt - so herrlich erfrischend, ehrlich und wahr, dass man sich sofort ebenfalls einen Termin buchen möchte. Die Sitzungen helfen Penny, allmählich klarer zu sehen, zu akzeptieren und sich zu fokussieren. Es wird gezeigt, dass es gut ist, sich Hilfe zu suchen, wenn es nicht mehr geht und das ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je.
Auch das Ende hat mich komplett abgeholt, es war ehrlich und "aus dem Leben", denn es zeigt, was kleine Veränderungen, die im Kopf beginnen und für die man manchmal etwas Hilfe benötigt, bewegen können.

Das Buch ist einfach - toll! Ehrlich, authentisch und mit einer guten Prise Humor legt die Autorin hier einen grandiosen Debütroman vor, der bei mir nachhallt. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Surferidylle vor den Kulissen Marrakeschs - spannend und bedrohlich

The Surf House
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Bea ist 23 Jahre alt und Model. Bei einem Job in den Gassen Marrakeschs wird ihr in der drückenden Hitze und Kleidung klar, dass sie so nicht mehr weiter machen kann. Sie flieht Hals über Kopf aus dem ...

Bea ist 23 Jahre alt und Model. Bei einem Job in den Gassen Marrakeschs wird ihr in der drückenden Hitze und Kleidung klar, dass sie so nicht mehr weiter machen kann. Sie flieht Hals über Kopf aus dem Hotel und verirrt sich in den dunklen Gassen, die immer unheimlicher werden. Als sie zwei junge Männer einkreisen und sie in einer Sackgasse sitzt, weiß sie nicht mehr weiter. In letzter Sekunde eilt ihr eine Frau herbei und flieht mit ihr. Sie stellt sich als Marnie vor und nimmt Bea zunächst mit in ihr Hotel, dem "Surf House". Da Bea alles an Wertgegenständen gestohlen wurde, steht sie ohne Pass und Geld da. Marnie bietet ihr an, im "Surf House" zu helfen und so lange zu bleiben, wie Bea braucht um wieder nach Großbritannien zurück zu kommen. Bea ahnt noch nicht, in welche Gefahr sie sich begibt, denn im "Surf House" ist bereits eine junge Frau verschwunden. Als deren Bruder auftaucht um nach seiner Schwester zu suchen, beginnt auch Bea nachzuforschen und das gefällt nicht jedem dort.

Mir hat das Cover sehr gut gefallen, ich hatte zuvor auch noch nichts von Lucy Clarke gelesen. Das Setting ist toll angelegt und die drückende Hitze, das Gewimmel Marrakeschs und das vermeintliche Urlaubsparadies werden toll beschrieben, sodass man Leser mittendrin ist. Auch das Leben als Aussteiger und das Surfen werden einem nahe gebracht, der Surfjargon hat mich nicht gestört.
Bea blieb mir leider die meiste Zeit unsympathisch, ich konnte auch viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehen, z.B. warum sie nach dem Diebstahl nicht eine Botschaft aufsucht. Oft stolpert sie naiv und leichtgläubig durch die Geschichte. Auch Marnie blieb mir undurchsichtig, sie hatte oft etwas an sich, was man nicht greifen konnte. Da die Handlung aus Beas Perspektive erzählt wird, bleibt alles sehr subjektiv, was aber zur Geschichte gepasst hat. Unterbrochen werden die Kapitel von Tagebucheinträgen der verschwundenen Savannah, die das Ganze abwechslungsreich gestalten. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, denn die Geschichte nimmt, sobald Bea im "Surf House" wohnt, nur langsam an Fahrt auf.

Im "Surf House" verkehrt eine ganz eigene Community, alles wirkt entschleunigt und ich konnte den Zauber des Surfers und des Wassers (als Nicht-Surferin) meist nicht ganz nachvollziehen. Als Savannahs Bruder Seth in diese Community platzt, kommt Spannung in die Geschichte, denn er ist das komplette Gegenteil der locker-leichten Surfergemeinde und wirkt fehl am Platz. Vielleicht hätten einige Kapitel aus Maries oder Seth' Sicht dem Ganzen noch mehr Spannung und Abwechslung verliehen. Die Handlung an sich ist oft vorhersehbar, doch das Ende fiel dann anders aus als ich erwartet hätte. "The Surf House" ist für mich kein typischer Thriller, man erwartet dann doch mehr von einem Thriller.

Ich werde mir noch andere Bücher Lucy Clarkes vornehmen, die Geschichte hier konnte mich nicht komplett überzeugen als Thriller, aber das Urlaubsfeeling und das Geheimnis der verschwundenen Savannah macht vieles wieder wett.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Sommer 2006: Ein toller Roman über Freundschaft und Erwachsenwerden

Das Leben fing im Sommer an
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Solingen im Juni 2006: Chris Kramer ist fünfzehn Jahre alt und wäre gerne so beliebt wie seine anderen Klassenkameraden um bei seinem Schwarm Debbie zu landen. Er spielt ziemlich gut Fußball, ist aber ...

Solingen im Juni 2006: Chris Kramer ist fünfzehn Jahre alt und wäre gerne so beliebt wie seine anderen Klassenkameraden um bei seinem Schwarm Debbie zu landen. Er spielt ziemlich gut Fußball, ist aber aus dem Nachwuchskader von Bayer 04 Leverkusen geflogen - zu schmächtig. Das alles setzt ihm zu, aber wenn er mit seinen besten Freunden Salvo und Johnny zusammen ist, wird die Welt gleich wieder ein bisschen besser. Gemeinsam quatschen sie auf dem Hof der Eltern und lassen die Seele baumeln. Als es zu DER Party des Jahres kurz vor den Sommerferien kommt, ist sich Chris sicher: sie müssen dorthin, denn Debbie ist auch da. Als Debbie und er sich annähern ist für ihn klar: das wird der Sommer, der sein Leben verändern wird.

Mir hat das Cover schon sehr gut gefallen, Christoph Kramer kannte ich noch von der Fußball-WM 2014 und als späteren Fußballexperten. Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht, Chris erzählt "von der Seele weg" aus der Ich-Perspektive. Man ist mittendrin im Geschehen, der 15-jährige Chris schildert seine Probleme, Sorgen und Gefühle so authentisch und toll, dass ich mich sofort selbst in meine Jugend zurück versetzt gefühlt habe. Er hat mit Akne am Rücken zu kämpfen, strebt eine Karriere als Fußballprofi an und wäre gerne beliebter. In vielen Situationen konnte ich mich selbst wieder finden, ich war 2066 ein Jahr jünger als der Protagonist. Der Autor erzählt so gekonnt aus der Zeit, dass man schnell merkt, dass er, das Meiste zumindest, selbst erlebt haben muss. Oft schwingt Nostalgie beim Erzählen mit, denn die Jugend ist eine Zeit des Umbruchs, die jeder anders erlebt hat, aber an den Sommer 2006 mitten in der Fußball-WM wird sich jeder zurück erinnern können.

Chris ist ein ganz normaler Teenager, aber aus seinem Blickwinkel wird die Geschichte besonders, man leidet mit, freut sich mit ihm und möchte ihn unbedingt weiter begleiten. Auch seine Freunde sind wunderbar authentisch gezeichnet. Die Zerrissenheit und der Umbruch, in denen Chris sich gerade befindet, werden eingänglich beschrieben, er findet Worte für Gefühle und Gedanken, die ich selbst in dem Alter nicht hatte. Auch die Widmung des Autors hat mich sehr berührt.

Von mir gibt es eine große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Sommerroman über Freundschaft, das Erwachsenwerden und die besondere Atmosphäre eines Sommers in der Jugend!

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Absoluter Pageturner - psychologisch vielschichtig und unglaublich spannend

Blaues Wunder
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Walter Bronstein ist Chef einer Privatbank und lädt gemeinsam mit seiner Frau Rachel seine beiden besten leitenden Angestellten samt Ehefrauen auf seine Yacht ein. Gemeinsam mit dem erwachsenen Sohn der ...

Walter Bronstein ist Chef einer Privatbank und lädt gemeinsam mit seiner Frau Rachel seine beiden besten leitenden Angestellten samt Ehefrauen auf seine Yacht ein. Gemeinsam mit dem erwachsenen Sohn der Bronsteins möchte Walter einen Kurzurlaub auf dem Meer verbringen - scheinbar, denn schnell wird klar, dass unter dem aufgesetzten Lachen und all dem zur Schau getragenen Luxus etwas enorm Wichtiges im Gange ist. Was, weiß zu Beginn noch niemand, aber niemand auf der Yacht spielt mit offenen Karten.

Das Cover ist großartig gestaltet und der Klappentext lässt nicht vermuten, welche Geschichte sich in dem Buch verbirgt. Das Setting erinnert an ein Kammerspiel: die gesamte Handlung spielt auf der Yacht mitten auf dem offenen Meer. Abgesehen von ein paar unscheinbaren Angestellten sind die sieben alleine. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der drei Ehefrauen geschrieben, was sehr interessant gestaltet ist und die Spannung konstant oben hält.
Schnell wird klar, dass vor allem die Frauen ihre Rolle als Frau an der Seite eines reichen und einflussreichen Ehemanns bis zur Perfektion spielen können: lachen an den richtigen Stellen, immer gut gekleidet sein, Small-Talk beherrschen. Dabei macht jede auf ihre eigene Art deutlich, was sie davon hält. Die patriarchale Struktur in dieser ganz eigenen Welt der Reichen beschreibt Anne Freytag hier grandios und authentisch. Die Frauen werden oft belächelt für ihre Rolle als "Frau von", sie sind aber feine Beobachterinnen, die jedes Geschehen und jede Regung der anderen und ihrer Männer im Blick haben. Die Autorin schafft es hervorragend, diese Rolle als stille Beobachterin in dreifacher Ausführung auszufüllen. Gerade Rachel, die im größten Luxus von allen lebt, ist im Innern todtraurig. Oder wie sie an einer Stelle schreibt: nur eine lächelnde Hülle ohne Kern.
Auf der Reise treten schnell die ersten Risse in der Urlaubsidylle auf und die Fassade eines jeden bröckelt. Die Spannung wird bis zur letzten Seite hoch gehalten, denn stets schwingt eine bedrohliche und düstere Atmosphäre mit, die am Schluss zur großen Explosion führt.

Ich war von dem Buch gefesselt und habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Anne Freytag hat einen Roman geschrieben, der zugleich Kammerspiel, Roman und Thriller ist und mit seinem Tiefgang begeistert. Ein Highlight dieses Jahres für mich, unbedingt lesen!

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