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Veröffentlicht am 22.07.2025

Großes Jahreshighlight - vielschichtige Geschichte und unglaublich spannend

Der Gott des Waldes
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1961: der achtjährige Bear von Laar verschwindet im Naturreservat seiner Familie in den Adirondacks spurlos. Der Familie gehört das gesamte Naturreservat, in dem sie jeden Sommer ein Sommercamp für Jugendliche ...

1961: der achtjährige Bear von Laar verschwindet im Naturreservat seiner Familie in den Adirondacks spurlos. Der Familie gehört das gesamte Naturreservat, in dem sie jeden Sommer ein Sommercamp für Jugendliche veranstalten. Die van Laars sind extrem reich, jedoch bleibt Bear trotz groß angelegter Suchaktion verschwunden. Mutter Alice zerbricht fast daran, Vater Peter, von Natur aus verschlossen, macht den Verlust mit sich selbst aus.
1975: die 13-jährige Barbara van Laar gilt als schwer erziehbares Kind. Sie ist die Tochter der van Laars und würde nur zu gerne ein Mal am Sommercamp teilnehmen. Diesen Sommer ist es soweit und die Leiterin des Camps, T.J. Hewitt, wird ein besonderes Auge auf sie haben, wie sie Mutter Alice verspricht. Doch am letzten Abend des Camps verschwindet auch sie spurlos. Wiederholt sich nun die Geschichte wie vor vierzehn Jahren? Zudem ist ein Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat, aus dem Gefängnis ausgebrochen und auf dem Weg in die Adirondacks...

Ich kann nur sagen: wow! Das Buch hat mich komplett umgehauen und ist seinen Hype definitiv wert!
Liz Moore hat hier eine unglaublich dichte und spannende Geschichte geschaffen, die mehr ist als nur eine Gesellschaftskritik sondern ebenso Thriller und Familientragödie. Dazu tragen sowohl die Erzählweise als auch die Charaktere bei. Die Geschichte spielt in mehreren Zeitebenen und wird aus der Sicht mehrerer Personen erzählt. Das alleine macht das Ganze schon sehr lebendig und abwechslungsreich, die Kapitel sind gut strukturiert und man wirft die Charaktere und Zeitebenen beim Lesen nicht durcheinander. Außerdem werden die Figuren unglaublich gut und detailliert beschrieben, z.B. von Alice erfahren wir die Lebensgeschichte seit dem Kennenlernen von Peter.
Von Anfang an herrscht eine bedrohliche, kribbelnde und schwer greifbare Spannung, die das Lesen zum Genuss macht. Sie verdichtet sich immer weiter, man ahnt beim Lesen, dass ein oder mehrere schlimme Ereignisse passieren werden, aber immer, wenn ich dachte, ich habe die Geschichte durchschaut, schlägt sie eine ganz andere Richtung ein. Bis zur allerletzten Seite bleibt die Geschichte extrem spannend und unvorhersehbar.

Zudem gefallen mir die eingeflochtenen Themen besonders gut: die Rolle der Frau in der (damaligen) Zeit, zerrüttete Familienverhältnisse, Schuld und Trauerbewältigung sind nur ein paar wichtige Themen, die vorkommen. Die Atmosphäre ist stets fast mit den Händen greifbar, die Natur, die Personen und Gefühle werden so treffend und präzise beschrieben, dass man fast meint, man wär selbst im Camp zu Gast.

Für mich ein großes Highlight dieses Jahr, an dem man nicht vorbei kommt und das den Hype wert ist! Lasst euch nicht von den vielen Seiten abschrecken, es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Großartige, leiser und intensiver Roman, der mich tief berührt hat und lange nachhallt

Für Polina
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Hannes Prager wird allein von seiner Mutter groß gezogen, die in einer alten Villa auf dem Land beim älteren Heinrich Hildebrand wohnt. Mit Polina und ihrer Mutter, die ebenfalls alleinerziehend ist, verbringt ...

Hannes Prager wird allein von seiner Mutter groß gezogen, die in einer alten Villa auf dem Land beim älteren Heinrich Hildebrand wohnt. Mit Polina und ihrer Mutter, die ebenfalls alleinerziehend ist, verbringt Hannes den größten Teil seiner Kindheit. Er entdeckt das Klavierspielen für sich und komponiert sogar ein Stück nur für Polina. Die beiden werden jedoch getrennt und Hannes schlägt sich als Klavierträger durch. Immer wieder denkt er an Polina, aber die beiden können einfach nicht zueinander finden, so viel ist passiert. Er muss Polina wiedersehen, denn ihm bleibt nur die Musik und die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit.

Ich habe zuvor noch nichts von Takis Würger gelesen, werde mir aber noch die anderen Bücher von ihm vornehmen, denn dieses Buch hat mich total umgehauen!
Der Autor hat eine wunderbare Geschichte entworfen, die leise ist, aber genauso kraftvoll nachhallt. Mit leisen Worten und einer fast schon nüchternen Erzählweise zeichnet er eine Geschichte, die ein ganzes Leben umspannt - melancholisch, traurig und trotzdem voller Hoffnung.
Im Mittelpunkt steht Hannes, der ruhig und schüchtern ist und in einem ungewöhnlichen, aber unglaublich liebevollen Umfeld aufwächst. Durch ein tragisches Ereignis wird sein Leben auf den Kopf gestellt und auch die plötzliche Trennung von Polina setzt ihm zu. Man leidet beim Lesen mit, man hofft aber genauso mit ihm, dass am Ende alles gut wird. Auch die Nebenfiguren sind toll und detailreich gezeichnet und fügen sich perfekt in die Geschichte ein. Vor allem hat mir der Umfang des Zeitraums gefallen, in dem die Geschichte spielt, denn man verfolgt Hannes' Leben bis ins Erwachsenenalter, was ihn uns als Leser unglaublich nah bringt.
Takis Würger behandelt in seinem Roman viele Themen, die geschickt miteinander verwoben werden: Erwachsenwerden, Verlust, Trauer und Melancholie. Es zeigt, dass das Leben nicht geradlinig verläuft sondern Höhen und Tiefen hat, Schicksalsschläge und Rückschläge bereit hält. Das Ende hat mich ebenfalls überzeugt, es wird der Geschichte gerecht und passt zur zarten und trotzdem intensiven vorangegangenen Handlung.

Der Roman hat mich sprachlos zurück gelassen, er schafft eine ganz eigene und besondere Atmosphäre und hat mich mit seinem Gefühl und der tollen Erzählweise restlos begeistert. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Über Freundschaft, Erinnerungen und Schuld - toller Roman mit wichtigen Themen

Before we were innocent
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Als Joni nach zehn Jahren vor Bess' Tür steht, stellt das Bess' Leben direkt auf den Kopf. Die beiden haben sich seit fast zehn Jahren nicht gesehen, denn im Jahr 2008 hat ein tragisches Ereignis die beiden ...

Als Joni nach zehn Jahren vor Bess' Tür steht, stellt das Bess' Leben direkt auf den Kopf. Die beiden haben sich seit fast zehn Jahren nicht gesehen, denn im Jahr 2008 hat ein tragisches Ereignis die beiden auseinander getrieben. Joni und Bess waren zusammen mit Evangeline beste Freundinnen. Nach der Highschool wollten die drei einen letzten Sommer zusammen verbringen und sind nach Griechenland gereist, wo sie im leer stehenden Haus von Evangelines Eltern wohnen konnten. Die Stimmung kippte allmählich jedoch immer mehr und während einer ausschweifenden Party stürzt Evangeline einen Fels am Strand hinunter in den Tod. Bess und Joni verarbeiten den Verlust gemeinsam. Doch jede geht auf Dauer anders damit um und die beiden entfremden sich. Als Joni Bess nach zehn Jahren um ein Alibi bittet, kommen die Geister der Vergangenheit zurück und Bess muss sich erneut Schmerz und Erinnerungen stellen.

Das Cover ist toll gestaltet und lässt schon einiges auf die Geschichte schließen. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: 2008 und 2018, die sich mit jedem Kapitel abwechseln. Diese Erzählweise hat mir gut gefallen, denn es bringt Abwechslung in die Handlung und als Leser kann man so immer wieder die Charaktere mit dem zeitlichen Abstand vergleichen. Die Kapitel sind übersichtlich lang und in beiden Zeitebenen wird aus der Ich-Perspektive von Bess erzählt. Man bekommt beim Lesen so einen sehr guten Eindruck ihrer Emotionen und Erinnerungen, Joni dagegen als zweite Hauptfigur blieb mir bis zuletzt fremd, sie bleibt "die Geheimnisvolle", was auch den Reiz der Freundschaft ausmacht. Die Figuren sind allesamt gut gezeichnet und durch Bess bekommt man zwar einen subjektiven Eindruck der Freundschaft, aber man kann auch einige Handlungen und Ereignisse besser nachvollziehen. Denn ein zentrales Thema des Buchs ist für mich die Frage, inwieweit man seinen Erinnerungen und die Interpretationen daraus vertrauen kann - vor allem zehn Jahre später. Die Autorin greift dieses Thema sehr gut auf und verflechtet es in eine Geschichte, die mehr ist als nur ein Roman über Freundschaft: es geht um Trauer, Schmerz, (toxische) Freundschaften und oft hatte ich das Gefühl, von einem True-Crime-Fall zu lesen, weil sowohl die Ereignisse in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart miteinander zusammen hängen.
Ein großer Kritikpunkt sind für mich allerdings die Längen, die das Buch gerade in der ersten Hälfte hatte. Zu Beginn fiel es mir schwer, die Charaktere zuzuordnen, denn sowohl Bess' als auch Evangelines Familie spielen eine wichtige Rolle, die Nebenfiguren konnte ich in der Gegenwart noch nicht richtig einordnen. Zum Ende hin nimmt das Buch nochmal an Fahrt auf und die Handlung legt an Tempo zu. Das Ende hätte ich mir persönlich anders gewünscht, es passt aber zum Stil der Geschichte und zu den Charakteren an sich. Der Erzählstil ist trotz der Ich-Perspektive abwechslungsreich, die Autorin baut einige tolle Textstellen ein, die nachhallen und zum Nachdenken anregen.

Nicht umsonst wurde das Buch von "Reese's Book Club" empfohlen, ich kann es jedem empfehlen, der gerne in zwei Zeitebenen eintaucht und über Freundschaft, Erinnerungen und Trauer liest. Man sollte sich nicht vom zähen Anfangsteil abschrecken lassen, denn das Buch ist mehr als spannend und toll geschrieben.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Beklemmend und düster - etwas zu vorhersehbar

Confession Room
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Willkommen im Confession Room! Auf dieser Internetseite können Benutzer anonym ein Geständnis ablegen. Die ehemalige Polizistin Emilia verfolgt gebannt dem Confession Room, denn ihre Schwester wurde vor ...

Willkommen im Confession Room! Auf dieser Internetseite können Benutzer anonym ein Geständnis ablegen. Die ehemalige Polizistin Emilia verfolgt gebannt dem Confession Room, denn ihre Schwester wurde vor einem Jahr getötet und der Täter wurde nie gefunden. Als eines Nachts ein Mord angekündigt wird, beginnt Emilia mit der Recherche und Suche nach den Drahtziehern der Seite. Es werden jedoch die beiden Leichen der angekündigten Opfer gefunden. Die Polizei kommt mit ihren Ermittlungen kaum weiter und als immer mehr Mordankündigungen eintrudeln, ist auch Emilia in immer größerer Gefahr...

Mich haben das Cover und der Klappentext direkt angesprochen. Die Idee eines anonymen Beichtforums fand ich düster und spannend zugleich. Emilia wirkt sympathisch, denn sie hat immer noch Schuldgefühle wegen des Mordes an ihrer Schwester. Die Kapitel sind kurz und übersichtlich, insgesamt ist das Buch in drei Teile aufgeteilt. Sehr interessant ist dabei der Mittelteil, der für mich auch am spannendsten gemeinsam mit dem Ende des ersten Teils war. Emilia als Hauptcharakter ist gut gezeichnet, die Nebenfiguren bleiben zu dünn und ohne Tiefe. An manchen Stellen hat mich die Handlung an Horrorbücher und -filme wie "Saw" erinnert. Ich lese sehr gerne Thriller, auch Düsteres, aber oft war die Handlung zu horrorreich und unrealistisch.
Die Frage, wann man Opfer und wann Täter ist, greift Lia Middleton hier gekonnt auf. Emilia und viele andere, die einen Menschen verloren haben oder die Gewalt erfahren haben, möchten sich natürlich an den Tätern rächen. Macht es sie mit der Androhung schon zum Täter? Die Grenzen von Gut und Böse verschwimmen hier.

Die Idee des Buchs ist nicht neu und allgemein wurde sie gut umgesetzt, mir hat jedoch der Wow-Effekt gefehlt und eine Wendung am Schluss, der mich leider nicht zufrieden stellen konnte. Fans von (Horror)Thrillern mit viel Düsternis werden sicherlich mit "Confession Room" gut bedient sein.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Umgekehrte Geschichte - tolles Gedankenexperiment

Blondes Herz
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Doris wird als Mädchen in England von ambossanischen Sklavenhändlern verschleppt und nach Aphrika gebracht um als Sklavin verkauft zu werden. Aphrika ist die Weltmacht und Europa komplett kolonialisiert. ...

Doris wird als Mädchen in England von ambossanischen Sklavenhändlern verschleppt und nach Aphrika gebracht um als Sklavin verkauft zu werden. Aphrika ist die Weltmacht und Europa komplett kolonialisiert. Sie erlebt die schlimmsten menschenunwürdigen Dinge auf dem Schiff "Neue Welt", auf dem sie mit hunderten Anderen ausharren muss. Als Sklavin bei einem reichen ambossanischen Händler bekommt sie eine Arbeit als Sekretärin - weit über dem durchschnittlichen Standard, den sie als Sklavin normalerweise bekommt. Sie plant jedoch ihre Flucht und landet auf einer Zuckerrohrplantage, auf der sie harte körperliche Arbeit verrichten muss. Wird sie ihren Fluchtplan nochmals aufnehmen um aus dieser Hölle zu entkommen?

In diesem Gedankenexperiment wird die Geschichte umgedreht: was wäre, wenn Afrika, im Buch als Aphrika beschrieben, die Weltmacht darstellt und alle Weißen versklavt werden? Die Grundidee gefiel und gefällt mir sehr gut, die Autorin führt hier einen provokanten Gedanken weiter. Sie zeigt die Grausamkeit und Menschenverachtung, die Menschen zu Eigentum abstuft - egal, welche Hautfarbe man hat oder woher man abstammt. Sie entwirft eine detailreiche und durchdachte Welt, die immer wieder Anspielungen auf Europa beinhaltet wie die Großstadt Londolo oder das Land Großambossanien.
Der Großteil der Geschichte wird aus Doris' Ich-Perspektive erzählt, was einen guten Einblick in die Gefühlswelt bietet und das Geschehen nahbar macht. Sehr interessant ist auch der Mittelteil, der mithilfe einer Pseudo-Wissenschaft erklärt, warum die Weißen einen geringeren Intellekt haben und die Schwarzen klar überlegen sind.

Die Geschichte konnte mich trotzdem emotional nicht wirklich erreichen. Doris bleibt dem Leser fremd und distanziert. Dazu trägt wahrscheinlich auch die oft nüchterne Schreibweise bei. Auch das "Denglisch" im letzten Drittel des Buches hat den Lesefluss gestört und wirkte zu bemüht und schwierig zu folgen.

"Blondes Herz" ist ein Roman mit einem tollen Gedanken, den die Autorin gekonnt weiter verfolgt und dabei wichtige Themen anschneidet. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht ganz erreichen und es fehlte mir an emotionaler Tiefe.

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