Absolute Leseempfehlung für dieses eindrückliche Buch!
Die schönste VersionOstdeutschland in den 2010er-Jahren: Jella ist Anfang zwanzig und wohnt mit ihrem Freund Yannick zusammen, es ist die erste große Liebe. Jella studiert, Yannick ist Künstler, muss aber noch zusätzlich ...
Ostdeutschland in den 2010er-Jahren: Jella ist Anfang zwanzig und wohnt mit ihrem Freund Yannick zusammen, es ist die erste große Liebe. Jella studiert, Yannick ist Künstler, muss aber noch zusätzlich auf Montage gehen um die Wohnung zu finanzieren. Die Beziehung hat mehr Tiefen als Höhen und so kommt es eines Tages zu einer heftigen Auseinandersetzung mit körperlicher Gewalt. Jella flüchtet zu ihrem Vater und erstattet Anzeige gegen Yannick bei der Polizei.
Ich kann nur sagen: Wow! Das Buch hat mich komplett in seinen Bann gezogen und ich habe es schon mehrmals weiterempfohlen. Das Cover gefällt mir sehr gut und hebt sich von der breiten Masse der sonstigen aktuellen Cover ab. Das Rosa lässt nicht erahnen, welche gewaltige Geschichte in dem Buch steckt.
Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht, man begleitet Jella auf der Polizeistation als sie gerade die Anzeige aufgeben möchte. Das Buch ist komplett aus ihrer Perspektive geschrieben, was unglaublich gut die Gefühlslage widerspiegelt und die Sprache und Handlung authentisch macht.
In Rückblenden erinnert sich Jella an ihre frühe Jugend, sie möchte gefallen und begehrt werden, dazugehören und verstellt sich oft. Schonungslos und eindrücklich, aber auch authentisch erzählt sie in ihrer eigenen Weise von dem für sie damals normalen Alltag, der sich darum dreht, gerade der Männerwelt zu gefallen. Jella steht beispielhaft für die Sozialisierung von Mädchen und Frauen, die leider immer noch genau so passiert und normal ist. Da ihre Eltern getrennt leben und sie bei ihrem Vater lebt, kümmert sie sich mehr oder weniger früh um sich selbst. Sie lernt, wie sie sich verstellen muss, was sie anziehen muss, wie sie schauen muss um den Männern zu gefallen. Mit Yannick scheint sie endlich ihr Glück gefunden zu haben, doch auch in dieser Beziehung erkennt man beim Lesen nach und nach, dass es bereits früher gewalttätige Auseinandersetzungen gab und die Beziehung mehr als toxisch ist.
Ich habe mit Jella mehr oder weniger sympathisieren können, aber das spielt auch keine Rolle, denn sie erzählt ihre Geschichte so realistisch und echt. Man erlebt ihre Zerrissenheit und ihr Schwanken: war der Angriff von Yannick wirklich so schlimm? Muss nicht ich mich entschuldigen, ihn so provoziert zu haben? Und die wichtigste Frage: soll ich ihm verzeihen und die Anzeige zurück ziehen?
Der Autorin gelingt es hier grandios, so wichtige Themen wie toxische Beziehungen, häusliche Gewalt und die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft so eindrücklich und authentisch zu verpacken, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Ja, es ist an einigen Stellen hart zu lesen und auch die Sprache bedient sich einiger Formulierungen und Beschreibungen, die an einigen Stellen heftig sind, aber gerade das macht die Geschichte aus.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses aktuelle und wichtige Buch, für mich wäre hier auch der Buchpreis sehr verdient gewonnen gewesen.