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Veröffentlicht am 25.04.2022

Meine und deine Dämonen

Chester
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"Chester" von Matthias Clostermann ist ein von Beginn an sehr spannendes Buch.
Hoseok Yoon, genannt Chester lebt in Los Angeles und hält sich mit Designaufträgen grade so über Wasser. Er lebt illlegal ...

"Chester" von Matthias Clostermann ist ein von Beginn an sehr spannendes Buch.
Hoseok Yoon, genannt Chester lebt in Los Angeles und hält sich mit Designaufträgen grade so über Wasser. Er lebt illlegal in einer stillgelegten Lagerhalle und hat auch nicht allzu viele Freunde. Mit der alten Leica seines verstorbenen Vaters geht er auf Motivjagd, unter anderem auch für seinen Job. Was er auf den selbstentwickelten Aufnahmen zu sehen bekommt, erscheint frisch entsprungen aus dem Reich der Dämonen.
Nach einer solchen Begegnung sucht sein bester Freund Hilfe bei ihm und ist schon kurz danach tot. Chester begibt sich auf eine Suche.
Auf der Suche ist auch der Polizist Jeremy White, er sucht nach den Verursachern einer Schwemme von neuen und hochgefährlichen Drogen.
Aus der Sicht dieser beiden, Chester und Jeremy, wird das Buch erzählt und die Spannung steigt sehr schnell an, auch weil es Chester immer wieder schafft, in sehr gefährliche Situationen zu geraten. Es ist ein Strudel von Gewalt, Drogen und Dämonen.
Chesters Dämonen sind innerlich und äußerlich und es ist sehr gut beschrieben, wie sich das für ihn anfühlt, wie die Situation kippt und eskaliert. Mich haben diese Beschreibungen sehr gefesselt. Mir gefällt sehr, wie vielfältig dieses Thema hier angegangen wird, an einigen Stellen hätte ich mir noch ein wenig mehr Tiefe gewünscht.
Der Autor schafft es, die Protagonisten lebendig werden zu lassen, ich konnte sehr viel nachempfinden und diese Eskalation hier hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen.

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Veröffentlicht am 24.04.2022

Kurze und knackige Dystopien für unsere Zukunft

Einmal kurz die Welt retten
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"Einmal kurz die Welt retten" ist eine Anthologie von dystopischen Kurzgeschichten, herausgegeben von Jennifer B. Wind.
24 verschiedene Autoren beschreiben auf ihre eigene Art und Weise einen Ausblick ...

"Einmal kurz die Welt retten" ist eine Anthologie von dystopischen Kurzgeschichten, herausgegeben von Jennifer B. Wind.
24 verschiedene Autoren beschreiben auf ihre eigene Art und Weise einen Ausblick auf die Zukunft der Menschheit. Diese Zukunft wird hier anhand verschiedener, uns allen wohl bekannten Aspekten, nicht schön geredet, sondern konsequent weiter gedacht. Das Ergebnis liest sich erschreckend, spannend und aufrüttelnd.
Egal ob es um unsere Ernährung, das Wasser, die Fortpflanzung, Flüchtlingsbewegungen, Medizin oder die Cyberwelt geht, in allen Bereichen werden hier interessante und für uns nicht sonderlich positive Entwicklungen aufgezeigt. Die Bandbreite der Themen ist hier so vielfältig, wie die Auswahl an Autoren.
Auch die Schreibweise ist dadurch sehr breit gefächert, es wird spannend, skurril, sarkastisch, bitterböse und auch voller Humor, es ist alles vorhanden.
Am erschreckendsten ist es, dass diesen Geschichte ein wahrer Kern zugrunde liegt, es gibt ja Hungersnöte, Kriege, Wassermangel, Erderwärmung, Pandemien, Flüchtlinge und andere ebenso wichtige Probleme.
Ganz eindrücklich wird hier dargelegt, dass es für uns Zeit wird, es zur Kenntnis zu nehmen und zu handeln, jeder Einzelne für uns und es absolut nichts Wichtigeres gibt und geben kann. Eine Lektüre, die unterhält, erschreckt, aufrüttelt und es aber auch schafft, Mut zu machen, um nach vorne zu schauen und zu kämpfen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, obwohl nicht alle der Geschichten die gleiche Qualität hatten, aber das ist ja Geschmackssache. Jeder wird hier viel für sich und zum Nachdenken mitnehmen können.

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Krimi mit vielen Längen

Ein Grab für zwei
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"Ein Grab für zwei" von Anne Holt habe ich als Hörbuch gehört. Dieser Kriminalroman wird gesprochen von Katja Bürkle und ist der Auftakt einer neuen Reihe,
Anwältin Selma Falck ist am Ende, beruflich genauso ...

"Ein Grab für zwei" von Anne Holt habe ich als Hörbuch gehört. Dieser Kriminalroman wird gesprochen von Katja Bürkle und ist der Auftakt einer neuen Reihe,
Anwältin Selma Falck ist am Ende, beruflich genauso wie privat. Sie hockt alleine in einer heruntergekommenen Wohnung, kämpft mit ihrer Spielsucht und hat kein Geld, auf dem Spiel steht jetzt auch noch ihre Zulassung als Anwältin. Jan Morell bietet ihr Hilfe an, wenn sie im Gegenzug beweist, dass seine Tochter unschuldig ist. Sie ist eine Siegerin im Gebiet des Skisports und wird des Dopings angeklagt und behauptet auch selber, unschuldig zu sein.
Dann wird noch ein weiterer Spitzensportler aus diesem Team tot aufgefunden und es treten Überschneidungen der Fälle zutage.
Das Buch wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, wobei mir die der Selma noch am besten gefiel. Im Laufe der Handlung wird es leider immer verworrener und ich hatte teilweise Probleme zuzuordnen, um wen oder was es grade ging. Vielleicht wäre das beim lesen einfacher als beim hören.
Hauptthemen des Buches sind Doping und Skisport, der Sport in olympischen Dimensionen, kein Hobbysport.
Trotz der länge des Buches konnte ich keine besonderen Sympathien für die Protagonisten aufbauen, bis auf Selma Falck blieben sie recht blass.
Die Sprecherin hat mich von ihrem Können überzeugt, mir fehlte aber über weite Längen die Spannung.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Die Macht der Dunkelheit

Unser Teil der Nacht
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"Unser Teil der Nacht" von Mariana Enriquez ist eine großartige Familiensaga in Argentinien, aber dieses Buch ist auch noch so viel mehr.
Wir begleiten hier Juan und seinen Sohn Gaspar bei einer Fahrt ...

"Unser Teil der Nacht" von Mariana Enriquez ist eine großartige Familiensaga in Argentinien, aber dieses Buch ist auch noch so viel mehr.
Wir begleiten hier Juan und seinen Sohn Gaspar bei einer Fahrt durch das heiße und staubige Land. Juan ist schwer herzkrank und die beiden sind alleine unterwegs. Sie sind auf der Flucht und erst nach und nach erschließt sich die ganze Geschichte beim Lesen, Warum sie fliehen und vor wem und warum diese Flucht eigentlich etwas ganz anderes ist.
Ganz langsam entsteht beim Lesen ein Bild, ein Bild einer ganz anderen Gesellschaft, ein Bild einer dunklen Macht, ein Bild des Traumes vom ewigen Leben, ein Bild eines mächtigen, geheimen Ordens.
Sehr geschickt wird die Geschichte nach und nach in verschiedenen Erzählabschnitten aufgebaut, so geschickt, dass sich das große Ganze dem Leser erst am Ende erschließt.
Mich persönlich haben die Abschnitte mit Juan und seinem Sohn am meisten gefesselt, aber auch das Leben von Rosario, der Mutter ist sehr interessant beschrieben.
Überhaupt ist der Erzählstil hier ein ganz besonderer, man taucht tief in die Psyche von Juan und Gaspar ein, man bekommt wunderbare Momentaufnahmen der argentinischen Landschaft, kurze Einblicke in die politische Lage und dann ganz schreckliche Szenen aus der Hierarchie dieses alten Ordens. Bei diesen Szenen darf man nicht zart besaitet sein, das grenzt schon stark an Horror und ist voller Gewalt. Die Autorin versteht es, eine ganz besondere, düstere Atmosphäre aufzubauen, die sehr glaubhaft wirkt.
Die Gewalt steht hier aber nicht im Mittelpunkt, ist nicht Selbstzweck, sondern soll das Wesen des Orden bewußt machen. Hier geht es um ganz dunkle Riten, bis hin zu Menschenopfern und fähige Medien, so wie Juan, werden fast wie Götter verehrt und behandelt. Es ist aber ein Teufelskreis und ein Entkommen nur schwer, wenn überhaupt, möglich.
Die Autorin hat es geschafft mich von der ersten Seite an mit dieser einzigartigen Geschichte zu fesseln, es ist eine großartige Geschichte. Man sollte sich aber nicht vom Klappentexxt davon überzeugen lassen, dass es ein historischer Roman ist, es sind wahre Ereignisse verwoben, aber das ist nicht das Hauptthema.

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Veröffentlicht am 18.04.2022

Bewegend bis in die Tiefe

Erschütterung
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"Erschütterung" von Percival Everett ist ein ruhiges Buch, das nachdenklich macht. Zach Wells ist Professor für Paläontologie und arbeitet an der Universität. Zusammen mit seiner Frau Meg, hat er eine ...

"Erschütterung" von Percival Everett ist ein ruhiges Buch, das nachdenklich macht. Zach Wells ist Professor für Paläontologie und arbeitet an der Universität. Zusammen mit seiner Frau Meg, hat er eine Tochter, die sie sehr lieben. Besonders Zach hat ein sehr tiefes Verhältnis zu seiner Tochter Sarah aufgebaut. Dann beginnt Sarah schlechter zu sehen und sie hat kleine Anfälle, eher Ausfälle. Die Eltern sind beunruhigt und suchen Fachärzte auf. Da er sich mit seiner Frau schon seit längerem auseinandergelebt hat, ist Sarah sein ganzer Lebensinhalt.
Zeitgleich findet Zach in Kleidung, gekauft bei einem großen Auktionshaus, eingenähte Hilferufe. Er geht der Sache nach und verschwindet bei seinen Recherchen, den mexikanischen Frauen zu helfen, wochenlang in der Wüste.
Zach läuft davon und kann trotzdem nicht entkommen. Der Kummer, die Not, über den bevorstehenden Verlust seiner so sehr geliebten Tochter, das ist sehr gut rausgearbeitet, das kann man mitfühlen.
Diese zweite Ebene, sein Versuch die Frauen zu retten, seine Flucht vor sich selbst, ist für mich manchmal schon etwas zu viel. Ist es ein Versuch Leben gegeneinander aufzuwiegen, ist es zusätzliche Spannung, möchte er sich selber bestrafen? Kann man sich selber retten, wenn man andere rettet?
Mir hat der erste Teil dieser Erzählung besser gefallen, aber der Titel des Buches passt perfekt. Hier wird so einiges erschüttert, auch der Leser mit seinen Gefühlen.

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