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Veröffentlicht am 08.11.2020

ein ganz wunderbares Buch mit einer liebenswerten Protagonistin

Amy und die geheime Bibliothek
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Amy und die geheime Bibliothek ist eine wahrlich wundervolle Lektüre, insbesondere für bekennende Bücherwürmer, die man im Endeffekt aber viel zu schnell gelesen hat.
Zu Beginn ist die Protagonistin Amy ...

Amy und die geheime Bibliothek ist eine wahrlich wundervolle Lektüre, insbesondere für bekennende Bücherwürmer, die man im Endeffekt aber viel zu schnell gelesen hat.
Zu Beginn ist die Protagonistin Amy noch sehr introvertiert und spricht aus verschiedenen Gründen so gut wie nie das aus, was sie wirklich denkt. Wenn man als Leser eher extrovertiert ist, hat man damit zunächst ein paar Schwierigkeiten, weil man schlicht nicht nachvollziehen kann, warum sie sogar ihren Eltern gegenüber nicht offen und ehrlich sagt, wenn sie etwa stört. Im Verlauf der Handlung ändert sich das jedoch allmählich als Amy beginnt anderen ihre Ansicht mitzuteilen und dabei überrascht feststellt, dass Kommunikation manchmal der Schlüssel zum Erfolg ist und durchaus eine Veränderung herbeiführen kann.

Abgesehen davon ist Amy natürlich schon allein aufgrund ihrer Liebe zu Büchern überaus sympathisch. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in der Schulbibliothek und das Lesen ermöglicht es ihr ihrem chaotischen Leben für kurze Zeit zu entfliehen. Amy hat nämlich zwei jüngere Schwestern, die nahezu immer ihren Willen bekommen, während Amy als vorbildliche große Schwester häufig zurückstecken muss. Die fünfköpfige Familie lebt in einem recht kleinen Haus und Amy muss sich ein Zimmer mit ihrer Schwester Alexis teilen, weshalb sie sich verzweifelt nach einem Rückzugsort sehnt.

Erst als unter anderem ihr Lieblingsbuch aus der Schulbibliothek verbannt wird, da die Mutter eines Mitschülers es für ungeeignet hält, kommt Amy aus sich heraus und fängt an sich für etwas einzusetzen. Sie kann dieses Vorgehen nicht verstehen und lehnt sich deshalb dagegen auf. Sie findet, dass jedes Kind ihr Lieblingsbuch lesen können sollte bzw. allein die Eltern darüber entscheiden dürfen, welche Bücher ihre Kinder lesen, wohingegen eine generelle Verbannung aus der Bibliothek alle Kinder trifft. Infolgedessen muss sie es dann allerdings ohne zu widersprechen hinnehmen, dass ihre Eltern ihr noch nicht erlauben Die Tribute von Panem zu lesen.

Nachdem ihr Vater ihr ein eigenes Exemplar von Gilly Hopkins kauft, verleiht sie dieses aus Protest an andere Mitschüler. Außerdem will sie nach und nach alle anderen verbannten Bücher lesen, zum einen aus Neugier und zum anderen, weil sie die Schädlichkeit dieser Bücher anzweifelt. Ein paar Mitschüler stellen Amy zu diesem Zweck eigene Exemplare verbannter Bücher zur Verfügung, die sie nach dem Lesen wiederum weiterverleiht. Das ist der Beginn der G.S.B., der geheimen Schließfachbibliothek, denn ironischerweise führt die Verbannung einiger Bücher schließlich dazu, dass mehr und mehr Kinder genau diese Bücher lesen wollen und sie sogar die Schüler zum Lesen bringt, die normalerweise selten freiwillig zu einem Buch greifen – eigentlich ein sehr erfreulicher Nebeneffekt.

Das Buch ist daher auch ein Plädoyer für Bibliotheken im Allgemeinen. Sie ermöglichen es allen Menschen Bücher zu lesen; jene, die es sich aus verschiedenen Gründen nicht leisten können sich die gewünschten Bücher einfach selbst zu kaufen eingeschlossen. Verbannt man ein Buch aus einer Bibliothek, ist es jedoch zahlreichen Menschen nicht mehr zugänglich, darunter solche, die längst alt genug sind, um selbst darüber zu entscheiden, welche Bücher sie lesen. Wie man durch das Nachwort erfährt, hat die Geschichte also einen ersten Hintergrund. In den USA werden nämlich tatsächlich regelmäßig Bücher aus Bibliotheken verbannt – aus den absurdesten Gründen.

Insofern ist es durchaus interessant zu lesen, welche Bücher aus welchen Gründen verbannt werden. Dadurch wird deutlich, dass man im Prinzip für jedes Buch einen solchen Grund finden kann, wenn man es auf die Spitze treibt, sogar für ein Wörterbuch. Statt abzuschrecken hat die Liste der verbannten Bücher auf den Leser somit den gegenteiligen Effekt, genau wie bei Amy. Einige Bücher auf der Liste hat man sicher schon gelesen, andere kennt man womöglich nur dem Titel nach und von manchen hat man noch nie gehört. Daran wird man nach dem Lesen aber zumindest teilweise etwas ändern wollen, da viele der Bücher sich ziemlich gut anhören.

Die Liebe zum geschriebenen Wort ist nahezu auf jeder Seite spürbar und es gelingt Alan Gratz auf wundervolle Weise zu zeigen, welche Macht Bücher haben können. So hilft Amy zum Beispiel einem Mitschüler seine Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen zu bewältigen, indem sie ihm ein (verbanntes) Buch empfiehlt. Darüber hinaus können Bücher nicht nur neues Wissen vermitteln, sondern einen dazu ermutigen die eigenen Träume zu verwirklichen.

Dementsprechend fiebert man mit Amy und ihren Freunden mit und verfolgt gebannt ihre Pläne die Bücher erst im Rahmen der G.S.B. in Amys Schließfach zu befördern und dann in die richtige Bibliothek zurückzuholen. Zudem bewundert man die Kreativität, die die Schüler an den Tag legen, um die G.S.B. geheim zu halten, unter anderem indem sie sich für jedes Buch einen falschen Titel ausdenken und spezielle Einbände entwerfen.

Am Ende sorgt Amy allerdings nicht nur dafür, dass die Verantwortlichen einsehen, wie falsch es ist Bücher wegen der Beschwerde einzelner Personen aus der Bibliothek zu verbannen, sie lernt auch selbst etwas dazu, beispielsweise dass man andere Mitschüler nicht aufgrund der Handlungen ihrer Eltern verurteilen darf. Außerdem gelangt sie zu der für ihr Alter schon recht reifen Erkenntnis, dass nicht alles immer nur schwarz oder weiß ist. Möglicherweise hatte sogar die Person, die für die Verbannung ursächlich war, im Grunde gute Absichten, nur eben den falschen Ansatz.

Abschließend sind noch zwei Aspekte in puncto Diversität überaus lobend zu erwähnen: Zum einen sind die Protagonistin Amy und natürlich ebenso der Rest ihre Familie schwarz. Das fällt einem als Leser sofort auf, obwohl dieser Umstand allenfalls am Rande thematisiert wird, was wiederum dafür spricht, dass es immer noch viel zu selten vorkommt, vor allem bei Büchern, in denen es nicht explizit um Rassismus geht. Zum anderen ist es in der heutigen Zeit sehr schön zu sehen, dass der Autor keine klischeehafte Rollenverteilung innerhalb der Familie vornimmt. In der ersten Szene, in der Amys Vater auftaucht, steht dieser am Herd und kocht – ohne deshalb gleich Hausmann zu sein oder „unmännlich“ zu wirken. Ganz im Gegenteil, laut Amys Schilderungen scheint der muskulöse Bauhandwerker beim anderen Geschlecht ziemlich gut anzukommen. Die Mutter ist ebenfalls berufstätig und beide Eltern teilen die täglichen Aufgaben – wer welches Kind zum Ballett fährt, zur Schule bringt, usw. – gleichmäßig unter sich auf.

FAZIT
Mit Amy und die geheime Bibliothek hat Alan Gratz ein ganz wunderbares Buch mit einer liebenswerten Protagonistin geschrieben, die im Verlauf der Geschichte lernt, dass es sich lohnt sich für etwas einzusetzen, das einem am Herzen liegt. Außerdem zeigt der Autor auf sehr anschauliche Weise, wie wichtig Bibliotheken noch immer sind und dass man die Verbannung von Büchern nicht einfach hinnehmen sollte.

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Veröffentlicht am 08.11.2020

ein empfehlenswertes Sachbuch für jung und alt mit wunderbaren Illustrationen

Tierleben – Auf der Wiese, im Wald und am Wasser
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Mit Tierleben – Auf der Wiese, im Wald und am Wasser hat die Autorin und zugleich Illustratorin Hannah Dale erneut ein ganz zauberhaftes Sachbuch für große und kleine Tierfreunde geschaffen, das zwar schnell, ...

Mit Tierleben – Auf der Wiese, im Wald und am Wasser hat die Autorin und zugleich Illustratorin Hannah Dale erneut ein ganz zauberhaftes Sachbuch für große und kleine Tierfreunde geschaffen, das zwar schnell, dafür aber voller Begeisterung ausgelesen ist. Infolgedessen freut man sich nach der letzten Seite bereits auf weitere Bücher dieser Art.
Im Unterschied zum Vorgänger, Flügge – Die ersten Tage kleiner Tierkinder, sind nun meist ausgewachsene Tiere abgebildet, die dank der hinreißenden Illustrationen allerdings nicht weniger wundervoll anzusehen sind. Der zarte Stil von Hannah Dale ist wahrlich einzigartig und man könnte die einzelnen Bilder stundenlang anschauen.

Die unterschiedlichen Tierarten sind wieder in verschiedene Kategorien entsprechend ihres Lebensraums eingeordnet und am Schluss in alphabetischer Reihenfolge in einem Register mit den dazugehörigen Seitenzahlen aufgeführt. Die Doppelseiten sind ein weiteres Mal nach dem gleichen Schema aufgebaut: Rechts ist stets eine Zeichnung des Tieres abgebildet, während sich links der Name der Tierart, die lateinische Bezeichnung sowie etwa eine halbe Seite mit aufschlussreichen Informationen über die jeweilige Art befinden. Auf den wenigen Zeilen ist natürlich nur Platz für einige ausgewählte, sowohl wissenswerte als auch überraschende Fakten, doch diese sind alle sehr interessant und waren einem zuvor oft noch nicht bekannt. Man lernt beim Lesen also abermals etwas dazu. Besonders faszinierend ist es zum Beispiel, dass es offenbar Tiere gibt, die bereits nach gerade einmal fünf Stunden ohne Nahrung tatsächlich schon drohen zu verhungern.

Die Vorliebe der Autorin für Vögel ist auch in Tierleben – Auf der Wiese, im Wald und am Wasser unschwer erkennbar, denn in dem Buch sind erneut zahlreiche fliegende Arten enthalten. Dadurch erfährt man unter anderem, dass es ziemlich intelligente Vögel mit bemerkenswerten Fähigkeiten gibt. Eine Art kann sogar zählen, wohingegen erstaunlich viele Vögel Werkzeuge benutzen, um an Nahrung zu gelangen. Außerdem bleiben Paare nicht nur bei Schwänen ein Leben lang zusammen. Beim nächsten Blick zum Futterhäuschen wird man sich daher ganz genau ansehen, welche Vögel sich da gerade bedienen und wenigstens versuchen sie richtig einzuordnen. Die Autorin liefert dafür schon erste entscheidende Hinweise, beispielsweise die Farbe des jeweiligen Gefieders.

Neben den verschiedenen Vögeln sind aber mindestens ebenso viele Säugetiere vertreten, von der winzigen Zwergmaus bis zum majestätischen Rothirsch, von denen einige ebenfalls über ungeahnte Talente verfügen. Nahezu alle Arten kennt man zumindest dem Namen nach, doch sonst weiß man zum Teil nur sehr wenig über diese heimischen Tiere. Über ein paar dieser Arten möchte man anschließend gern noch mehr erfahren und wird sich zu diesem Zweck womöglich weitere Sachbücher besorgen.

FAZIT
Tierleben – Auf der Wiese, im Wald und am Wasser ist ein empfehlenswertes Sachbuch für jung und alt mit wunderbaren Illustrationen, das einen kurzen und knappen, jedoch sehr gelungenen und niemals langweiligen Überblick über die in Europa heimischen Wildtiere bietet, die man mancherorts in freier Wildbahn antreffen kann, wenn man nur aufmerksam genug ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2020

ein packender Coming-of-Age-Roman, der trotz kleinerer Kritikpunkte mit einer bewegenden Geschichte und liebenswerten Charakteren überzeugen kann

Offline ist es nass, wenn's regnet
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Offline ist es nass, wenn’s regnet ist ein mitreißender Coming-of-Age-Roman über eine Protagonistin, die anfangs so auf die Darstellung ihres scheinbar perfekten Lebens fixiert ist, dass sie den Bezug ...

Offline ist es nass, wenn’s regnet ist ein mitreißender Coming-of-Age-Roman über eine Protagonistin, die anfangs so auf die Darstellung ihres scheinbar perfekten Lebens fixiert ist, dass sie den Bezug zur Realität verloren hat und erst wieder lernen muss, was im Leben wirklich von Bedeutung ist.
Der Einstieg in das Buch gestaltet sich zunächst etwas schwierig, weil es eine Weile dauert, bei man sich mit der Protagonistin Mari anfreundet. Anfangs kann man sich überhaupt noch nicht mit ihr identifizieren, da scheinbar ihr ganzes Leben oberflächlich und „fake“ ist, einschließlich ihrer angeblichen Beziehung. Ihr Verhalten in Bezug auf Social Media, insbesondere Instagram, hat schon regelrecht krankhafte Züge angenommen und man ist mehr als froh darüber, dass man selbst nicht annähernd so abhängig von der Anerkennung fremder Menschen in Form von Likes oder Ähnlichem ist wie sie.

Sollte das nicht der Fall sein, würde den entsprechenden Lesern ein solcher „Digital Detox“ sicher ebenso guttun wie Mari. Eine Handvoll echter Freunde im realen Leben sind tausenden Followern, die einen nicht wirklich kennen, nämlich definitiv vorzuziehen. Dass Mari eine vollkommen gesunde, kalorienarme Mahlzeit erst lange hübsch arrangiert und photographiert, dann aber unangetastet wegwirft, weil sie später noch ein Video aufnehmen und vorher nichts essen will, setzt dem ganzen noch die Krone auf – man selbst schwankt zwischen völligem Unverständnis und blanker Empörung.

Darüber hinaus wirkt Mari während der ersten Kapitel sehr gefühlsarm, denn der kürzliche Tod ihrer gleichaltrigen Cousine scheint sie kalt zu lassen oder jedenfalls nicht sonderlich hart zu treffen. Dieser Eindruck wandelt sich jedoch entscheidend als Mari schlagartig ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt bzw. sowohl ihr Leben als auch sich selbst verändert. Als sie anfängt sich wieder den echten und wichtigen Dingen im Leben zuzuwenden, wird sie einem fortwährend sympathischer und man schließt sie mehr und mehr ins Herz. Man fiebert mit ihr mit und begleitet sie unheimlich gern auf der beschwerlichen Wanderung auf dem John Muir Trail, bei der sie endlich ihre Gefühle und vor allem die Trauer um ihre Cousine Bri zulässt. Diese Veränderung führt gleichzeitig dazu, dass einem das Buch immer besser gefällt, bis man es schließlich gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Das ist außerdem auch dem tollen, malerischen Schreibstil von Jessi Kirby zu verdanken, deren Beschreibungen sogar die besondere Atmosphäre im Yosemite Nationalpark sehr gut einfangen. Das einzigartige Erlebnis dieser langen Wanderung wird überaus anschaulich beschrieben, sowohl hinsichtlich der wunderschönen Aussicht und der Besonderheiten der Natur als auch im Hinblick auf die damit einhergehenden körperlichen Anstrengungen sowie die Gefahren, die unterwegs lauern. Letztere werden zum Teil allerdings zu sehr heruntergespielt bzw. der Trail als zu leicht dargestellt. Bri ist trotz ihrer Erfahrung beim Training für diese Wanderung verunglückt, Mari ist dagegen vollkommen unerfahren, bewältigt mit ein bisschen Hilfe aber dennoch einen nicht unerheblichen Teil des Trails allein. Einmal entkommt sie sogar nur knapp dem Tod, das scheint sie jedoch nicht nachhaltig zu beeindrucken oder zu beunruhigen. Insofern ist ihre abgeklärte Reaktion keineswegs nachvollziehbar und wirkt ziemlich unrealistisch.

Insgesamt bewundert man die Protagonistin aber für den gewagten Schritt die Wanderung an Stelle von Bri anzutreten, wodurch sie am Ende nicht nur ihrer Cousine wieder näher kommt, sondern ebenso zu sich selbst findet. Zu Beginn hätte man Mari nicht zugetraut, dass sie diese Strapazen so lange durchhält und nicht bei der ersten Hürde gleich wieder aufgibt. Stattdessen wächst sie im Verlauf der Wanderung über sich hinaus und verarbeitet dabei zudem langsam ihren Verlust. Hierbei helfen ihr letztendlich auch die gelegentlichen persönlichen Aufzeichnungen und Briefe ihrer Cousine, die durch eine besondere Gestaltung hervorgehoben werden. Es rührt einen zutiefst, wenn Mari meint Bri draußen in der Natur spüren zu können – in einer sanften Brise oder einer nächtlichen Sternschnuppe – und sie bereut die damals von ihr selbst verursachte Entfremdung von Bri sehr. Als junger Mensch glaubt man immer, man hätte für alles noch so viel Zeit, doch das Leben kann schneller vorbei sein als gedacht. Jeder Augenblick ist kostbar, daher sollte man das Leben stets in vollen Zügen genießen, genauso wie Bri es getan hat und wie Mari es von nun an tun will.

Unterwegs trifft Mari irgendwann auf eine Gruppe gleichaltriger Wanderer, bestehend aus Josh, Beau, Colin, Vanessa und Jack, die man alle sehr schnell lieb gewinnt. Vor allem abends genießt Mari ihre Gesellschaft und fühlt sich dank ihnen nicht mehr so einsam, kann tagsüber aber trotzdem mit ihren Gedanken allein sein, wenn sie das will. Die gesamte Truppe ist freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit und als Leser freut man sich mit ihnen, wenn sie einen besonders schwierigen Abschnitt hinter sich gebracht haben. Zwischen Josh und Mari funkt es später sogar ein bisschen, der Beginn ihrer zarten Liebesgeschichte drängt sich jedoch nie in den Vordergrund, denn für beide steht erst einmal die Wanderung im Fokus. Leider traut sich Mari aus Scham zunächst nicht den anderen die Wahrheit über den Auslöser für ihre spontane Wanderung zu verraten, dabei hat im Grunde jeder von ihnen sein Päckchen zu tragen.

Die Handlung ist nur selten wirklich spannend, allerdings durchgängig fesselnd, insbesondere wegen der faszinierenden Wanderung. Man begleitet die Figuren unheimlich bei diesem beeindruckenden Vorhaben, sogar wenn man selbst nicht viel fürs Wandern übrig hat oder sich nicht vorstellen kann selbst jemals eine solche Wanderung zu machen. Das Ende ist dagegen sehr offen gehalten und überrascht einen regelrecht, denn es erwartet den Leser an einer unerwarteten, aber dennoch irgendwie passenden Stelle. Über einen abschließenden Epilog hätte man sich sehr gefreut, stattdessen muss man mit den eigenen Spekulationen vorliebnehmen. Zu gern hätte man außerdem gewusst, wie Maris Mutter eigentlich auf den Entschluss ihrer Tochter reagiert; da Mari ihre Nachrichten konsequent ignoriert, erfährt man das jedoch leider nicht.

Zum Schluss folgt noch ein bewegendes, sehr persönliches Nachwort der Autorin über die Entstehung des Buches und wie das Projekt im späteren Verlauf durch Ereignisse in ihrem eigenen Leben stark beeinflusst wurde.

FAZIT
Offline ist es nass, wenn’s regnet ist ein packender Coming-of-Age-Roman, der trotz kleinerer Kritikpunkte mit einer bewegenden Geschichte und liebenswerten Charakteren überzeugen kann. Nach diesem Buch will man gern noch andere Werke von Jessi Kirby lesen.

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Veröffentlicht am 08.11.2020

eine sehr gelungene Fortsetzung, die unglaublich neugierig auf den weiteren Verlauf dieser außergewöhnlichen und komplexen Geschichte macht

Monstress 2
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Monstress – Das Blut ist eine sehr gelungene Fortsetzung, die unglaublich neugierig auf den weiteren Verlauf dieser außergewöhnlichen und komplexen Geschichte macht.
Nicht nur die mutige Protagonistin ...

Monstress – Das Blut ist eine sehr gelungene Fortsetzung, die unglaublich neugierig auf den weiteren Verlauf dieser außergewöhnlichen und komplexen Geschichte macht.
Nicht nur die mutige Protagonistin Maika, sondern auch das Monster, das in ihr schlummert, aber inzwischen immer häufiger erwacht, ist nach wie vor auf der Suche nach Antworten, vor allem hinsichtlich ihrer jeweiligen Vergangenheit. Maika hofft diese Antworten zu finden, indem sie Nachforschungen über die Expeditionen ihrer Mutter anstellt, in Erfahrung bringt, wo sie gewesen ist, und sich schließlich auf dieselben Reisen begibt. Doch nicht alles, was sie dadurch über ihre Mutter erfährt, gefällt ihr. Am Ende bringt sie das sogar dazu ihre Beziehung oder besser gesagt die Liebe ihrer Mutter in Frage zu stellen, was mit Sicherheit kein schönes Gefühl ist.

Als Leser wird man zudem mit interessanten Enthüllungen über Maikas Herkunft konfrontiert, von denen sie selbst noch nichts ahnt. Überraschenderweise hat Maika noch einige lebende und überaus mächtige Verwandte, es wissen jedoch nicht alle um ihre Existenz bzw. ihre Verbindung.

Sowohl Maika als auch das Monster scheinen zunehmend stärker zu werden, wodurch vor allem letzteres wegen seines ständigen Hungers eine immer größere Gefahr darstellt. Maika kann es nur begrenzt kontrollieren, denn sein Überlebenswille ist extrem stark und allem Anschein nach ist es ihm völlig gleichgültig, dass es anderen dafür das Leben aussaugen muss. Früher oder später werden die beiden lernen müssen Kompromisse einzugehen und einander zu helfen statt sich gegenseitig zu bekämpfen, wenn sie am Leben bleiben wollen.

Kippa ist die einzige, die von Maika bislang stets vor dem Monster beschützt werden konnte. Das kleine Fuchsmädchen ist eine der liebenswertesten Figuren der Serie und verfügt, wie man nun erfährt, über erstaunlich nützliche Fähigkeiten. Über Tuya und ihre wahren Absichten bezüglich Maika erhält man dagegen leider keine weiteren Informationen, sodass man sich weiterhin fragen muss, ob sie nun Freundin oder Feindin ist.

Mit Thyria lernt man eine neue Stadt in der bekannten Welt kennen und in ihr begegnet man neuen, mitunter faszinierenden Charakteren sowie Kreaturen und Machtstrukturen. Damit kommen allerdings auch neue Parteien hinzu, die hinter Maika her sind und deren Absichten man nicht kennt. Manche von ihnen scheinen mehr über das Schicksal der jungen Frau zu wissen als sie preisgeben. Sie soll auf jeden Fall über das Schicksal aller Rassen entscheiden – nur wie?

Der dritte Band endet nicht direkt mit einem Cliffhanger, aber dafür mit einer Szene, die zahlreiche neue Fragen aufwirft. Dem nächsten Teil sieht man danach also erneut gespannt entgegen.

Die Zeichnungen von Sana Takeda sind wieder überaus bemerkenswert und, abgesehen von einigen gewalttätigen Szenen, stets wunderschön anzusehen. Das gilt vor allem für die ganzseitigen Illustrationen zu Beginn eines jeden Kapitels. Ihr einzigartiger Stil besticht durch filigrane Linien, florale Muster und aufwendige Details. Darüber hinaus verwendet sie überwiegend dunkle Farben, darunter vornehmlich Blautöne, die perfekt zur Atmosphäre dieser besonderen Geschichte passen.

FAZIT
Monstress – Das Blut setzt die außergewöhnliche Geschichte um die ebenso einzigartige Protagonistin Maika gekonnt fort und macht zugleich neugierig auf die weiteren Bände, die man eher früher als später ebenfalls gebannt verschlingen wird.

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Veröffentlicht am 08.11.2020

ein fabelhaftes Bilderbuch, das mit einer liebenswerten Titelfigur und wundervollen Illustrationen überzeugen kann

Der kleine Waschbär Waschmichnicht
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Der kleine Waschbär Waschmichnicht ist ein ganz wunderbares Bilderbuch, in dessen Titelfigur man sich gleich auf den ersten Blick verliebt.
Im Gegensatz zu seinen Verwandten ist der kleine Waschbär ziemlich ...

Der kleine Waschbär Waschmichnicht ist ein ganz wunderbares Bilderbuch, in dessen Titelfigur man sich gleich auf den ersten Blick verliebt.
Im Gegensatz zu seinen Verwandten ist der kleine Waschbär ziemlich wasserscheu und zweifelt daher an seiner Identität. Viel lieber sucht er sich jeden Tag ein neues Versteck, um sich vor dem Bad im Fluss zu drücken. Erst als der kleine Waschbär so schlimm stinkt, dass ein Stinktier ihn für einen Artgenossen hält, und er nach einem entsetzten Blick auf sein Spiegelbild feststellt, dass er gar nicht mehr wie ein Waschbär aussieht, nimmt er schließlich doch ein Bad. Und auf einmal findet er das Waschen tatsächlich gar nicht mehr so schlimm, ganz im Gegenteil.

Wer Waschbären nicht schon vorher liebte, tut es spätestens nach diesem amüsanten Bilderbuch, denn sogar völlig verdreckt, zerzaust und mit Eierschale auf dem Ohr ist der kleine Waschbär noch total liebenswert. Knuddeln möchte man ihn dann allerdings lieber erst nach dem Bad. Ebenso putzig ist die kleine Maus, seine ständige, aber leider namenlose Begleitung.

Das Buch bringt einen jedoch nicht nur zum Schmunzeln, es bietet auch die Gelegenheit Kindern Notwendigkeiten des täglichen Lebens schmackhaft zu machen, die sie nicht besonders mögen, wie zum Beispiel das Baden. Die Geschichte des kleinen Waschbären zeigt nämlich, dass manches am Ende gar nicht so schlimm ist wie vielleicht befürchtet und die Alternativen ebenfalls ihre (eventuell unerwünschten) Konsequenzen haben. Womöglich wird den Kindern dadurch also klar, dass es ab und an ganz sinnvoll sein kann auf die Eltern zu hören.

Die fantastischen und überaus niedlichen Illustrationen stammen von Igor Lange. Sie sind sehr farbenfroh und vor allem detailreich, sodass es auf den Zeichnungen viel zu entdecken gibt. Die jeweiligen Textzeilen wurden gekonnt in die stets doppelseitigen Bilder integriert, beispielsweise indem sie auf dafür vorgesehenen, helleren Stellen des Motivs platziert wurden.

FAZIT
Der kleine Waschbär Waschmichnicht ist ein fabelhaftes Bilderbuch, das mit einer liebenswerten Titelfigur und wundervollen Illustrationen überzeugen kann. Nach dem Lesen hofft man auf jeden Fall auf ein weiteres Abenteuer mit dem kleinen Waschbären, der nun ein waschechter Waschbär ist.

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