Spannendes Comeback mit kleinen Längen
Erebos 3Es ist zurück. Schon wieder. Erebos lässt einfach nicht locker. Nachdem uns die ersten beiden Teile mit einer faszinierenden Mischung aus Spiel, Realität und dunkler Manipulation gefesselt haben, ist Erebos ...
Es ist zurück. Schon wieder. Erebos lässt einfach nicht locker. Nachdem uns die ersten beiden Teile mit einer faszinierenden Mischung aus Spiel, Realität und dunkler Manipulation gefesselt haben, ist Erebos 3 nun der dritte Streich von Ursula Poznanski und auch wenn er nicht ganz an die Originalität des ersten Bandes heranreicht, bleibt er dennoch durchweg unterhaltsam.
Der Schreibstil? Wie gewohnt angenehm flüssig, locker, spannend. Poznanski schafft es auch hier, Leser:innen mühelos in ihre Welt zu ziehen. Man blättert Seite um Seite, will wissen, was als Nächstes passiert, und hat gleichzeitig dieses vertraute Erebos-Feeling, das Fans der Reihe sofort wiedererkennen werden.
Inhaltlich knüpft der dritte Teil an die Geschehnisse der Vorgänger an, wobei sich alles noch eine Spur tiefer in Richtung Daten, Überwachung und Kontrolle entwickelt. Das Spiel ist gewachsen, intelligenter geworden, unheimlicher. Es hat sich weiterentwickelt, doch irgendwie ist es immer noch das alte, manipulativ-gefährliche Erebos, das seine Spieler:innen mit ihren eigenen Ängsten, Wünschen und Geheimnissen konfrontiert. Die Thematik ist brisant und hochaktuell, was definitiv für das Buch spricht.
Besonders gelungen ist die Weiterentwicklung der Hauptfigur , Nick. Er ist älter, reifer, aber das Spiel trifft ihn immer noch mit voller Wucht. Man spürt förmlich, wie sehr ihn die Ereignisse aus den vorherigen Teilen geprägt haben. Seine innere Zerrissenheit, das Misstrauen gegenüber Erebos, aber auch die Faszination, die es weiterhin auf ihn ausübt, machen ihn zu einem glaubwürdigen, vielschichtigen Protagonisten. Auch die Nebenfiguren, einige altbekannte, einige neue, tragen zur dichten Atmosphäre bei, ohne jedoch zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Es sind vor allem Nicks Entscheidungen, Zweifel und Ängste, die die Geschichte tragen. Man kann sich gut in ihn hineinversetzen, selbst wenn man nicht jede Handlung gutheißt, genau das macht ihn menschlich und spannend.
Allerdings, und hier kommt mein größter Kritikpunkt, hat Erebos 3 nicht mehr diesen Überraschungseffekt, den besonders der erste Band so genial ausgespielt hat. Vieles wirkt vertraut, manchmal sogar etwas zu vertraut. Und an einigen Stellen zieht sich die Handlung ein wenig. Man hat das Gefühl, dass die Story teilweise auf der Stelle tritt, bevor sie wieder Fahrt aufnimmt. Die Spannung bleibt grundsätzlich erhalten, aber nicht auf konstant hohem Level.
Trotzdem: Die Charaktere sind gut gezeichnet, die Dynamik zwischen Realität und Spiel bleibt spannend, und das Thema „digitale Kontrolle“ wird auf eine beunruhigend realistische Weise dargestellt. Fans der Reihe bekommen genau das, was sie erwarten, nur eben nicht unbedingt viel Neues.
Fazit: Erebos 3 ist ein gelungener Abschluss (oder vielleicht doch nicht?) einer faszinierenden Reihe. Sprachlich stark, inhaltlich relevant, wenn auch mit kleinen Längen und weniger Innovation als in den vorherigen Teilen. Für Fans absolut lesenswert, aber natürlich auch für Neulinge ab Band 1.
Ich hatte auf jeden Fall eine schöne Lesezeit mit diesem Buch.
Und optisch passt es so schön zu den ersten beiden Ausgaben die ich schon im Regal habe.