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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2018

Thriller???

Zu nah
2

Frankie Sheehan, Detective bei der Dubliner Gardai, ist gerade wieder in ihren Dienst zurückgekehrt, nachdem sie in ihrem vorigen Fall schwer verletzt wurde und die psychischen Folgen noch nicht vollständig ...

Frankie Sheehan, Detective bei der Dubliner Gardai, ist gerade wieder in ihren Dienst zurückgekehrt, nachdem sie in ihrem vorigen Fall schwer verletzt wurde und die psychischen Folgen noch nicht vollständig überwunden hat. Ihr wird alsbald trotz Bedenken von Seiten ihres Chefs die Ermittlung in einem neuen Todesfall übertragen, da die Dubliner Polizei gerade unter Personal- und Geldmangel leidet. Was zunächst wie Selbstmord aussieht, entpuppt sich schnell als brutaler Mord. Im Laufe der Ermittlungen, während es noch weitere Opfer gibt, fällt es Frankie zunehmend schwer, konzentriert zu ermitteln, da sie immer noch traumatisiert ist. Zudem handelt es sich um äußerst brutale Morde, mit sadomasochistischen Zügen.
Die Story mit ihren Hintergründen ist originell und hätte durchaus Potenzial für einen nervenaufreibenden Thriller, aber leider wird die Spannung nur ganz langsam aufgebaut, eigentlich erst ab dem letzten Drittel. Vorher laufen die Ermittlungen zu langatmig, und die traumatisierenden Ereignisse des vorigen Falls treten in Flashbacks immer wieder in den Vordergrund. Frankie ist noch nicht gänzlich in der Lage, zuverlässig im Team zu arbeiten, macht vieles im Alleingang und ertränkt ihre Probleme in Alkohol und Tabletten.
Im letzten Drittel gibt es schließlich einige Verdächtige und man fängt an mitzurätseln, wer es denn gewesen sein könnte (endlich die gewünschte Spannung!), aber dann kommt der Showdown - und man ist total enttäuscht...Auch im Verlauf der Handlung sind einige Szenen unglaubwürdig und inkonsequent.
Richtig sympathisch ist mir keiner der Protagonisten, auch nicht die Hauptermittlerin. Irgendwie verfällt sie oft in Selbstmitleid anstatt wieder neu durchzustarten...Die anderen Personen werden nicht intensiv genug vorgestellt, um Sympathie oder Antipathie zu fühlen. Einige Personen, die Erwähnung finden, hätten ruhig weggelassen werden können, da sie für den Handlungsverlauf unerheblich bleiben.
Lobend hervorheben kann ich die Leistung der Sprecherin Sabine Godec, die ihre Stimme personenbezogen variierte und auf die jeweilige Szene abstimmte. Ich habe ihrer Lesung gern zugehört und kann sie jedem empfehlen.
Alles in allem würde ich diesen Krimi als mittelmäßig einstufen, keine nervenaufreibende Spannung, aber ein origineller Fall. Ich hätte mir vom Setting mehr landeskundliche Informationen über Irland gewünscht, was leider überhaupt nicht zutraf. Aber davon abgesehen, meine Empfehlung für alle Krimifans, die es eher ruhig mögen....

  • Cover
  • Stimme
  • Spannung
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 01.08.2020

Obsession ohne Ausweg

Ich will dein Leben
1

Schon seit ihrer Kindheit ist Tamsyn (16) von dem Haus auf den Klippen fasziniert, denn hier ist sie oft mit ihrem Vater gewesen. Dieser ist nun seit Jahren tot, aber die Faszination ist geblieben, mehr ...

Schon seit ihrer Kindheit ist Tamsyn (16) von dem Haus auf den Klippen fasziniert, denn hier ist sie oft mit ihrem Vater gewesen. Dieser ist nun seit Jahren tot, aber die Faszination ist geblieben, mehr noch entwickelt sich die Begeisterung in eine regelrechte Obsession, denn die Beobachtung dieses Hauses von einem Felsplateau aus wird zum Lebensinhalt für das Mädchen. Eine reiche Londoner Familie, die Davenports, benutzt das Haus als Ferien- und Wochenendhaus, und Tamsyn beobachtet mit Begeisterung das luxuriöse Leben der Familie und träumt sich in ihre Mitte. Als sie deren Tochter Edie kennenlernt und sich sogar etwas wie Freundschaft entwickelt, fühlt sich Tamsyn im siebten Himmel, denn nun ist sie oft Gast im Haus auf den Klippen und sieht sich schon fast als Familienmitglied. Doch die schöne Fassade bröckelt, und das Schicksal nimmt seinen Lauf....
Mir hat das Buch weitgehend gut gefallen, denn es ist spannend geschrieben, nicht im kriminalistischen Sinne durch ständige Action-Elemente, sondern durch Tamsyns Steigerung in die Obsession ergeben sich immer wieder neue Überraschungsmomente und psychosoziale Aspekte. Auch die Stimmung ist sehr atmosphärisch, und man hat von Beginn an das Gefühl, dass etwas Unberechenbares passieren wird. Ich habe immer ins nächste Kapitel hineingelesen, bevor ich das Buch beiseite legte, um zu sehen, wie es weitergeht.
Die Autorin hat viel Herzblut in die Darstellung der verschiednen Protagonisten gelegt, um ihre Charaktere herauszuarbeiten, z.B. die unglaubliche Naivität und Gutgläubigkeit Tamsyns wie auch die Arroganz und Hinterhältigkeit Edies. Leider ist ihr dies nur zum Teil gelungen, denn manches wirkt aufgesetzt und unglaubwürdig. Sympathisch wirkt auf mich keine der Hauptfiguren, denn alle haben ihre abgründigen Geheimnisse.
Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich. Die Autorin bedient sich der Perspektivenwechsel, so dass der Plot von allen Seiten beleuchtet wird, was die Geschehnisse erklärt bzw. abrundet. Nach und nach erschließen sich dem Leser so Details aus der Vergangenheit, als der Vater Tamsyn versprach, dass sie eines Tages im Haus auf den Klippen wohnen würden. Außerdem wird allzu deutlich, dass Tamsyn psychiatrische Hilfe dringend braucht, weil sie den Tod des Vaters nicht allein verarbeiten konnte.
Alles in allem hat mich das Buch gut unterhalten und in Spannung versetzt, auch wenn mir nicht alles authentisch vorkam. Ich vergebe deshalb vier Sternchen.

  • Cover
  • Handlung
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2020

Wie im Märchen

Pandatage
1

Danny hat vor kurzem durch einen Unfall seine Frau verloren und lebt nun allein mit seinem 11-jährigen Sohn Will. Dieser war bei dem Unfall seiner Mutter auch im Auto und hat seitdem zu sprechen aufgehört. ...

Danny hat vor kurzem durch einen Unfall seine Frau verloren und lebt nun allein mit seinem 11-jährigen Sohn Will. Dieser war bei dem Unfall seiner Mutter auch im Auto und hat seitdem zu sprechen aufgehört. Sein Vater findet keinen Zugang zu ihm, nur mit seinem Freund Moe verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis. Und es kommt noch schlimmer, denn Danny, der sein Leben nicht im Griff hat, verliert seinen Job als Bauarbeiter und weiß nicht, wie er die nächste Miete verdienen soll. Auf der Suche nach Arbeit kommt er in einen Kostümladen und kauft sich dort für wenig Geld ein Pandakostüm. Durch Straßenauftritte möchte er nun Geld verdienen, aber die Resonanz ist sehr gering. Durch Zufall beobachtet er im Park, wie sein Sohn Danny von Klassenkameraden gemobbt wird. Er hilft ihm als Panda und gewinnt so das Vertrauen des Jungen. Danny erfährt auf diese Weise, was den Jungen so belastet, dass er nur noch schweigt und kann ihm helfen. Aber das Problem ist, dass der Junge nicht weiß, dass der Panda sein Vater ist.....
Auf den ersten Blick scheint alles wie im Märchen, alle Probleme lösen sich, wenn auch langsam und auf Umwegen. Die Story ist sehr gefühlsgeladen und wohltuend. Auf den zweiten Blick jedoch fragt man sich, wie das alles sein kann. Vieles erscheint zu sehr konstruiert, um glaubhaft zu erscheinen. Z.B. kann ich mir nicht vorstellen, dass ein 11-jähriger die Sache nicht durchschaut, wenn sein Vater ihm plötzlich alle Wünsche erfüllt, die er dem Panda anvertraut hat. Und da gibt es noch einiges mehr.....
Der Schreibstil ist einfach, jedoch sehr humorvoll. Viele skurrile Elemente, typisch für den englischen Humor, finden sich und lassen einen immer wieder schmunzeln. Danny erweist sich in den Dialogen als typischer Engländer, der überall seinen trockenen Humor platziert. Das hat mir sehr gut gefallen und ließ mich schnell in die Geschichte hineinfinden.
Was mir nicht gefallen hat, sind einige Protagonisten, allen voran die Stangentänzerin Krystal, die Danny das Tanzen beibringt und deren Ausdrucksweise sehr zu wünschen übrig lässt...Beschimpfungen, Kraftausdrücke, Beleidigungen, bis hin zum Mobbing. Danny lässt sich in meinen Augen von ihr erniedrigen, und das stört mich sehr. Auch der brutale und nahezu kriminelle Vermieter passt nicht ins Bild. Und auch Will macht eine sensationelle Verwandlung durch, zuerst bemitleidenswert in seiner Trauer, Sensibilität und Einsamkeit, dann plötzlich tatkräftig und schlagfertig und bereit, mit seinem Vater zu tanzen. Das geht mir etwas schnell!
Außerdem ziehen sich einige Passagen in die Länge, z.b. die Tanzproben, oder auch die Beschreibung des Straßenkünstlerwettbewerbs. Das hätte mehr gestrafft werden können, da es zur Kerngeschichte wenig beisteuert.
Alles in allem hatte ich mir von der Erzählung etwas mehr Tiefe versprochen, hier bleibt vieles nur an der Oberfläche. Die psychologische Seite nach dem Verlust der Mutter hätte auf jeden Fall mehr Gewicht haben sollen. So ist es eine unterhaltsame Geschichte, aber auch nicht mehr.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2020

Unglaubhafte Entscheidungen und fehlende Tiefe

Die verlorene Tochter der Sternbergs
1

Amanda, eine Jüdin in Berlin kurz vor dem 2. Weltkrieg, hat einen kleinen Buchladen, bis die Nazis ihre Bücher verbrennen. Ihr Mann ist Kardiologe und in Amandas Augen so hoch geschätzt, dass das Paar ...

Amanda, eine Jüdin in Berlin kurz vor dem 2. Weltkrieg, hat einen kleinen Buchladen, bis die Nazis ihre Bücher verbrennen. Ihr Mann ist Kardiologe und in Amandas Augen so hoch geschätzt, dass das Paar nicht an Flucht denkt wie viele andere Juden. Im Gegenteil, sie gründen eine Familie und bekommen zwei Töchter. Die Lage wird immer bedrohlicher, Amandas Mann wird interniert, und nun muss Amanda handeln. Geplant ist, dass die beiden Mädchen zu einem Verwandten nach Kuba geschickt werden, während Amanda zunächst in Frankreich bei einer Bekannten der Familie unterkommt. Kurz bevor das Schiff den Hafen verlässt, entscheidet Amanda, nur ein Kind an Bord zu schicken und das andere nach Frankreich mitzunehmen. Wie kann eine Mutter eine solche Entscheidung treffen?
Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich noch ein spannendes und emotionsgeladenes Buch erwartet, aber ich wurde enttäuscht. Was nun folgt, ist eine Aneinanderreihung vieler Geschehnisse, die aber im Sande verlaufen, für die man keine Erklärung findet und die viele Fragen offen lassen. Zunächst nimmt man noch an, dass der Autor später wieder auf die Ereignisse zurückkommen wird, aber eindeutig Fehlanzeige! Wir lernen Menschen kennen, erfahren aber nicht, was aus ihnen wird, wir erleben Situationen, die ohne weiteres Hintergrundwissen einfach unverständlich sind und wir erleben Entscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind.
Auf diese Weise kommt keine emotionale Bindung an die Protagonisten auf, und selbst die geschilderten Gräueltaten der Nazis nimmt man nur als Sachverhalt wahr, ohne wirklich Entsetzen zu empfinden. Die Personen sind farblos dargestellt, ohne wirkliche Höhen und Tiefen, eher ergeben sie sich willenlos ihrem Schicksal. Das macht das Buch spätestens nach dem ersten Drittel langatmig und lässt keine Leselust aufkommen. Schade! Teilweise sind in meinen Augen die Kinder nicht altersgemäß geschildert, sie wirken wie frühreife Erwachsene.
Vieles wird ausschweifend erzählt, hat aber keine Bedeutung für die Gesamthandlung, z.B. das Herumstöbern der Kinder im Kloster, während historisch bedeutende Entwicklungen, wie z.B. die Arbeit der Résistance in Frankreich, nur gestreift werden. Das lässt mich unzufrieden zurück.
Was ich positiv finde, ist die Recherche des Autors zum historischen Hintergrund, was auch im Anhang Erwähnung findet, und auch die Idee der Einbettung der Erlebnisse in eine aktuelle Rahmenhandlung. Aber leider ist die Umsetzung in meinen Augen misslungen.
Ich gebe zwei Sterne für die Idee und die Historie, mehr ist nicht drin, da letztendlich doch alles sehr an der Oberfläche bleibt und nicht weiter verfolgt wird.

  • Cover
  • Thema
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 01.02.2020

Der Mensch Peter Maffay - eine etwas andere Biographie

Hier und Jetzt
1

Peter Maffay kenne ich schon seit Teenagerzeiten, damals als Schmusesänger mit dem Lied 'Du'. Ich konnte beobachten, wie er sein musikalisches Talent vielschichtig ausgebaut hat, so z.B. als harter Rockmusiker, ...

Peter Maffay kenne ich schon seit Teenagerzeiten, damals als Schmusesänger mit dem Lied 'Du'. Ich konnte beobachten, wie er sein musikalisches Talent vielschichtig ausgebaut hat, so z.B. als harter Rockmusiker, aber auch mit dem traumhaften Tabaluga-Musical. Letzteres und auch so mancher Song haben mir gut gefallen. Und nun Peter Maffay als Autor dieser Biographie, die aber so ganz anders ist als herkömmliche Biographien.
Der Untertitel lautet 'Mein Bild von einer besseren Welt', und dies trifft es sehr genau. Es ist eine Auseinandersetzung mit aktuellen Themen unserer Zeit und dem Leben im Allgemeinen. Wer jetzt meint, dass es sich um abgehobene philosophische Abhandlungen handelt, liegt falsch, denn Peter Maffay vermittelt auf sehr anschauliche und ansprechende Weise seine Sicht der Dinge. Sein Biohof Gut Dietlhofen bietet ihm die Grundlage, sein Lebenskonzept zu realisieren. Hier findet er alles, was für ihn das Leben lebenswert macht, insbesondere die innige Verbindung zur Natur. Diesen Hof nutzt er jedoch nicht allein für sein eigenes Wohlbefinden, sondern er möchte teilen, vielen Menschen soll er als Wohlfühloase dienen.
Der Hof wird so detailliert und liebevoll beschrieben, dass man sofort Lust bekommt, einen Ausflug dorthin zu machen, um alles mit eigenen Augen zu sehen, und vor allem abzutauchen, denn "es gibt nichts Sinnvolleres und Schöneres im Leben, als die Natur zu erleben und zu fühlen" (Peter Maffay). Der Sänger hat diesen Hof zu einem Ort der Begegnung gestaltet, der allen Menschen offen steht, egal aus welcher Kultur und aus welcher sozialen Schicht, für ein friedvolles Miteinander. Ich denke, jeder kann hier etwas 'mitnehmen', z.B. Respekt vor der Natur, gesunde Ernährung, praktizierter Tierschutz, gegenseitiges Vertrauen.
In seinen Auführungen zu Themen der Zeit, wie z.B. die Religion oder der Flüchtlingsstrom, erläutert er seinen jeweiligen Standpunkt und gibt dazu auch die passenden Argumente und Beispiele. Ich muss sagen, er spricht mir oft aus der Seele. Hätten wir mehr Menschen auf dieser Welt, die Peter Maffays Einstellung und Lebensweise praktizierten, gäbe es weniger Probleme im sozialen Miteinander. Was mir auch gefällt, ist der Optimismus, den er ausstrahlt. Er sieht immer ein Licht im Dunkel, auch bei ernsten Sachlagen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig, man hat keine Verständnisprobleme. Das Cover zeigt uns einen anderen Peter Maffay, als wir ihn bisher kannten, mit frisch gepflücktem Salat auf der Schulter, und untermauert damit den Inhalt des Buches, genau wie die schönen Bilder im Mittelteil, die uns dem Hof noch näher bringen. Auch so manche Anekdote aus Peters Leben bereichert zusätzlich, hier gefällt mir besonders die Beschreibung seiner Rituale, bei denen man ein Schmunzeln nicht umgehen kann.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, und ich werde noch öfters darin lesen, denn Peter Maffays Bild von einer besseren Zukunft entspricht meinen Wunschvorstellungen, und es ist realisierbar! Ich spreche eine ganz klare Lesempfehlung aus, denn dieses Buch eröffnet vielversprechende Sichtweisen des Lebens, die auch die Zukunft lebenswerter gestalten können.


  • Cover
  • Thema
  • Erzählstil