Drückende Atmosphäre im vermeintlichen Traumhaus
Party of Liars"Party of Liars" von Kelsey Cox erscheint in der deutschen Übersetzung von Sabine Schilasky im April 2026 im Lübbe Verlag. Ich habe das Buch auf einer Bücherplattform als Rezensionsexemplar erhalten, vielen ...
"Party of Liars" von Kelsey Cox erscheint in der deutschen Übersetzung von Sabine Schilasky im April 2026 im Lübbe Verlag. Ich habe das Buch auf einer Bücherplattform als Rezensionsexemplar erhalten, vielen Dank dafür.
Ein Haus auf einem Hügel über einem kleinen Ort in Texas - verlassen, verfallen, und mit einer schaurigen Vergangenheit - bekommt neues, luxuriöses Leben eingehaucht, wird zu einem Anziehungspunkt und Sehnsuchtsort für viele, die es nur von aussen sehen. Dann finden wir uns wieder auf einer glamourösen Party mitten am Tag - eigentlich ein "Kinder"geburtstag der 16-jährigen Sophie, doch es tummeln sich mehr Erwachsene als Junge, die vielen Menschen bilden eine Art anonyme Masse, die einfach da ist. Der Champagner und die Cocktails fliessen in Strömen, die texanische Sonne brennt, und die Gedanken und das Handeln der Menschen scheinen zwischen Alkohol und Sommerhitze zu zerfliessen.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht verschiedener Personen - hauptsächlich Kim, die geschiedene Mutter von Sophie; Dani, die neue Frau von Sophie's Vater Ethan; Mikayla, Sophie's bester und langjährigster Freundin; und Órlaith, Nanny der kleinen Charlotte, dem Baby von Dani und Ethan. Gelegentlich kommt auch noch die Perspektive einer anderen Person mit dazu. Zu Beginn ist alles sehr unspektakulär - allein weil man als Leser weiss, dass das Buch in ein düsteres Genre gehört, beginnt sich von Anfang an eine Spannung aufzubauen. Phasenweise meint man selbst die texanische Hitze zu spüren, die die Menschen fast wahnsinnig machen kann. Das eigentlich wunderschöne Haus hat eine drückende Präsenz, und bald beginnt man mit den Hauptpersonen zu leiden und zu rätseln, was denn nun noch Fakt und was Einbildung ist.
Das Buch thematisiert ein ernstes Thema - Manipulation, Gaslighting und dergleichen - auf eine beklemmende Art und Weise, und gelangt zu einem für mich nicht lange vorhersehbaren Ende. Die Story ist grundsätzlich wirklich spannend, das Setting ist gut gewählt und beschrieben. Der Grund warum ich dennoch nicht mehr Sterne vergeben mag liegt im Schreibstil: Es werden sehr schnell sehr viele Personen eingeführt, so dass man sehr lange braucht, bis man einigermassen den Überblick hat, wer jetzt wer ist. Das Buch ist hauptsächlich in der 1. Person Präsens geschrieben, was für mich immer etwas von einem Schluaufsatz hat. Die Kapitel sind kurz, und in jedem Kapitel wechselt wieder die Erzählerin und damit die Perspektive. Und dann ist das Buch auch noch durchzogen mit so 1-2-seitigen Minikapiteln mit dem Titel "Danach", die so als Flashes einen Ausblick auf die Situation nach dem grossen Ereignis zeigen - diese Zwischenkapitel empfinde ich als reines Ärgernis, sie teasern etwas an, was aber noch gar keine Rolle spielt. Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Sprünge in die Vergangenheit; und auch innerhalb des Tages, an dem die Handlung hauptsächlich spielt springt die Erzhählzeit von Kapitel zu Kapitel vor und zurück. Im Mitteilteil des Buches verzettelt sich die Autorin eine zeitlang etwas - da hätte man wohl rund 50 Seiten einsparen können, die nur diese drückende, unwirtliche und oberflächliche Atmosphäre beschreiben, ohne dass etwas massgeblich Neues passieren würde. Das alles macht das Buch leider wirklich schwerfällig zu lesen - sehr schade, denn damit geht ein Teil des Reizes der Handlung einfach verloren.
Insgesamt schwanke ich hier so zwischen 3 und 4 Sternen - das Buch ist als spannender Psychothriller empfehlenswert, ist aber aufgrund der genannten Schwächen im Schreibstil kein Must Read.