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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2020

Spannend, Mitreißend, Packend!

Die schwarze Schar
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Hallo allerseits!

Ich mag Fantasy. Vor allem, wenn es dieses dreckige, graue, nicht immer faire Fantasy ist. Ich bin kein Freund von "Heile-Welt-Fantasy", sondern bei mir darf es ruhig mal ein bisschen ...

Hallo allerseits!

Ich mag Fantasy. Vor allem, wenn es dieses dreckige, graue, nicht immer faire Fantasy ist. Ich bin kein Freund von "Heile-Welt-Fantasy", sondern bei mir darf es ruhig mal ein bisschen härter zu gehen. Die Geschichte über eine junge Frau, die sich einer Söldnertruppe anschließt war da ganz nach meinem Geschmack. Noch eben die ersten zwei Kapitel als Leseprobe gelesen und -Zack!- hatte mich Nicholas Eames komplett in Beschlag genommen. Als dann die Zusage kam, dass ich tatsächlich ein Rezensionsexemplar bekommen würde, war meine Freude umso größer.

Nicholas Eames hat einen unglaublich tollen Schreibstil. Er ist witzig, ohne albern zu sein und ernst, ohne den Moralapostel zu spielen. Ich war nicht in der Lage das Buch aus der Hand zu legen und wollte unbedingt wissen, wie es mit Tam, Rose, Freiwolk, Cura, Brune und Roderick weiter geht. Auch schafft er es, unglaubliche Geschöpfe so zu beschreiben, dass sie vor dem inneren Auge zum Leben erwachen. Klar bedient er sich auch bekannter Fabelwesen wie Zyklopen, Oger und Goblins, doch er erschafft auch Wesen, die absolut abenteuerlich sind (Zum Beispiel Druine, die wie Menschen mit Hasenohren sind, die abenteuerliche Fähigkeiten haben).

Die Geschichte beginnt verträumt und man belächelt die junge Tam, die von Abenteuern träumt und die Söldner bewundert, wie heutzutage Schauspieler oder Rockstars bewundert werden. Doch recht schnell muss sie lernen, dass die schillernde Welt der Söldnertruppen, die in den Arenen gegen Monster kämpfen, recht wenig mit den Geschichten und Liedern zu tun hat, die Tam ihr ganzes Leben lang gehört hat. Die Entwicklung der naiven jungen Frau zu einer Überlebenden, einer Heldin, die in der Truppe eine Art Familie findet, ist zu jedem Zeitpunkt glaubhaft und nachvollziehbar. Und wie habe ich die restlichen Mitglieder der Truppe geliebt. Gerade Freiwolk und Brune haben es mir angetan und ich vermisse sie jetzt schon, obwohl ich das Buche gerade vor ein paar Stunden beendet habe.

Ich kann schlicht und ergreifend keine Kritik äußern, da "Die schwarze Schar" eines der tollsten Fantasybücher war, die ich je gelesen habe. ich konnte komplett in der Geschichte abtauchen und habe mit den Protagonisten mitgefiebert. Das nebenbei noch ernste Themen wie Rassismus, Traumata und Drogenmissbrauch angesprochen wurden, gab dem Ganzen noch einen schönen Bezug zur Realität. Und doch drängten sich diese Themen nicht in den Mittelpunkt, sondern blieben als subtile Gedanken im Hintergrund, die aber nachhaltig zum Nachdenken anregen.
Also alles in allem eines meiner bisherigen Highlights für dieses Jahr!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.05.2020

Gut recherchierter und sehr unterhaltsamer Roman

Dragonerkind
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Hallo allerseits!

Ihr wisst ja mittlerweile, dass ich mit historischen Romanen immer ein wenig kritisch bin. Oft nerven mich schlecht recherchierte Romane, die vor Klischees einfach nur so tropfen (wie ...

Hallo allerseits!

Ihr wisst ja mittlerweile, dass ich mit historischen Romanen immer ein wenig kritisch bin. Oft nerven mich schlecht recherchierte Romane, die vor Klischees einfach nur so tropfen (wie der berühmte Ritter, der vom Pferd fällt und einfach auf dem Rücken liegen bleibt oder von allein nicht auf sein Pferd steigen kann). Umso entzückter war ich, als ich durch eine Freundin auf den A-Verlag aufmerksam gemacht wurde: Einen Verlag, der es sich auch die Fahne geschrieben hat, historisch akkurate Bücher zu veröffentlichen. Die Autorin von "Dragonerkind" betreibt selbst Living History in der Zeit (d.h. sie beschäftigt sich intensiv mit dem Thema und geht mit ihrer recherchierten Darstellung auch auf Museumstage und so). Damit war dann auch mein Interesse geweckt, immerhin ist es schwierig, Wissen zu vermitteln und dennoch ein Buch unterhaltsam zu gestalten.

So tauchte ich in die Geschichte des jungen Jean ein, der seine ärmliche Herkunft hinter sich lässt um in den Dienst des jungen Leutnant Philippe zu treten. Eine wirklich spannende Geschichte, die mich regelmäßig zum Schmunzeln gebracht hat. Sei es die erfrischende Naivität des 12 Jährigen Jean oder die Herzlichkeit des Schotten James, der noch eine ziemlich große Rollen spielen wird.

Die Charaktere sind sehr lebhaft und liebenswert beschrieben. Die beiden Hauptakteure Jean und Philippe haben sich innerhalb weniger Seiten in mein Herz geschummelt. Die Dynamik zwischen den beiden ist einfach herzerwärmend, scheinen sie doch immer zu spüren, was der andere gerade braucht. sie helfen sich gegenseitig, was wirklich nett zu beobachten ist. Auch die ganzen Nebencharaktere wie Madame LeBlanc oder besagter Highlander James sind toll beschrieben und erwachen vor dem inneren Auge zum Leben.

Auch die ganzen historischen Erklärungen, die Karola Briese immer wieder eingestreut hat, wirken nie aufgesetzt oder lehrerhaft, sondern fügen sich nahtlos in die Geschichte ein. Der Aufbau eines dragoner-Regiments wird ebenso anschaulich beschrieben wie die politischen Verwicklungen zu der Zeit. Und währenddessen ist es kein bisschen trocken, sondern zieht einen immer tiefer in die Geschichte hinein, immerhin braucht man das alles, um den Geschehnissen folgen zu können.

Das war nur Teil Eins, Teil Zwei und Drei liegen ebenfalls bei mir im Regal und warten begierig darauf, gelesen zu werden. Auch ich bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht und was unsere beiden Helden noch so alles erleben. Diesen band kann ich für alle empfehlen, die sich für diese zeit interessieren oder einfach mal wieder in einen guten historischen Roman abtauchen wollen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.05.2020

Ein berührender Jugendroman, der zum Nachdenken anregt

Sieh mich an
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Hallo allerseits!

Bei manchen Büchern ist es das Cover, das einen anspringt, bei manchen der Klappentext, bei manchen eine Leseprobe. Bei "Sieh mich an" war es alles drei. Die Geschichte ist ungewöhnlich ...

Hallo allerseits!

Bei manchen Büchern ist es das Cover, das einen anspringt, bei manchen der Klappentext, bei manchen eine Leseprobe. Bei "Sieh mich an" war es alles drei. Die Geschichte ist ungewöhnlich und normalerweise bin ich auch kein großer Freund mehr von Jugendromanen, doch dieser hatte sofort mein Interesse geweckt. ich wollte mehr über das Leben der jungen Ava wisse, wollte wissen, wie sie mit ihrem Leben nach dem Brand zu recht kommt. Die Antwort ist einfach wie ernüchternd: Gar nicht.

Zuerst lernen wir Ava kennen, deren Haut zu 60% bei dem Unfall verbrannt ist. Sie wird gezwungen, sich wieder mit ihrem Leben auseinander zu setzen, obwohl sie sich eigentlich nur verstecken möchte. Sicherlich verständlich, jeder von uns hat sich sicher schon einmal erwischt, wie er jemanden, der offensichtliche Narben oder Verletzungen hat, angestarrt hat, neugierig oder mitleidig. Niemand möchte diesen Blicken ausgesetzt sein. Und gerade Teenager sind da besonders grausam, geht es doch in dieser Phase des Lebens meistens darum, wer hübscher, schöner und beliebter ist. Und doch ist Ava nicht allein. Neben ihrem Onkel und ihrer Tante lernt sie noch Piper kennen, die ebenfalls von einem Unfall betroffen ist, der sie sogar in den Rollstuhl gezwungen hat. Piper ist all das, was Ava nicht ist: laut, provokant und selbstsicher; Wenigstens auf den ersten Blick.

Die Geschichte ist sehr gut erzählt und man kann schnell in die Geschichte abtauchen. Ich wollte immer wissen, wie es weiter geht und wollte gerade gegen Ende das Buch auch gar nicht mehr aus der Hand legen. Gerade Avas Liebe für Musicals hat mich natürlich angesprochen (auch wenn ich ausgerechnet Wicked nicht zu meinen Lieblingsmusicals zählen kann, aber in diesem Zusammenhang passt es natürlich wie die Faust aufs Auge). Die Charaktere sind gut beschrieben und man kann sie sich gut vorstellen. Etwas Bedenken bereitet mir aber dennoch ausgerechnet die Freundschaft zwischen Piper und Ava. Natürlich holt Piper Ava aus ihrer Komfortzone und schubst sie wieder ins Leben, doch ist sie für meinen Geschmack teilweise ein wenig übergriffig. Sie ist zu dominant und zu bestimmend. Ich habe mich oft damit nicht wirklich wohl gefühlt und hätte Ava lieber eine andere Freundin gewünscht, aber anscheinend war Piper genau das, was sie gebraucht hat.

Ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen, es liest sich gut und regt auch zum Nachdenken an. Gerade den Satz "Du bist mehr als dein Körper" blieb mir im Gedächtnis, da in der heutigen Zeit Frauen ja oft einfach nur über ihren Körper und ihre Maße definiert werden. Diese Schönheit, die Ava nicht in sich finden kann aufgrund der Narben, ist die selbe Schönheit, die Übergewichtige, Untergewichtige, Kleine Frauen und große Frauen oft nicht finden können. "Jeder hat Narben. Manche sind nur besser zu sehen." beschreibt es wirklich gut.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2020

Leichte Sommerlektüre zum Wegträumen

Indie.Pop.Liebe
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Hallo allerseits!

Sehnt ihr euch auch so sehr nach dem Sommer? Nach der Leichtigkeit, der Sonne und dem Gefühl von Freiheit, was einem gerade jetzt so verloren geht? Mir zumindest geht es so. Da kam mir ...

Hallo allerseits!

Sehnt ihr euch auch so sehr nach dem Sommer? Nach der Leichtigkeit, der Sonne und dem Gefühl von Freiheit, was einem gerade jetzt so verloren geht? Mir zumindest geht es so. Da kam mir das buch von Erin J. Steen gerade Recht, denn damit konnte ich dem Alltag ein wenig entfliehen, wenn es auch "nur" nach Schleswig-Holstein war (was mir als Nordlicht im Herzen auch genauso Recht war, wie ferne Strände in Kualalumpur)

Die Geschichte um Jana und Finn ist eine leichte Sommer-Romanze, die sich sehr gut lesen lässt. Erin Steen schafft es, die Umgebung so bildlich zu beschreiben, dass man sich fühlt, als würde man selbst an diesem Strand am See oder in der belebten Kieler Innenstadt stehen. Ein perfektes Buch, wenn man mal für ein paar Stunden abtauchen möchte. Die 460 Seiten fühlen sich nicht wirklich lang an, sind aber auch nicht wirklich anspruchsvoll: Perfekt für nette, laue Sommerabende (oder Frühlingsabende in meinem Fall), am besten mit einem kühlen Getränk nach Wahl.

Dennoch ist die Geschichte nicht wirklich spannend, es plätschert so vor sich hin und man hat auch kein schlechtes Gewissen, wenn man es mal zur Seite legt und erst ein paar tage später weiter liest. Zu mal mir teilweise das Hin und Her bei Jana ein wenig auf den Keks gegangen ist. Dieses "Nein, ich komme grade aus einer Beziehung und möchte nichts neues" gegen die immer wiederkehrende Erkenntnis, wie toll und attraktiv Finn ist, ist zeitweise ein wenig anstrengend und man möchte Jana in den Hintern treten, damit sie sich endlich entscheidet. Und wenn sie sich dann mal entscheidet, wirft sie diesen Entschluss ein paar Seiten später wieder über den Haufen. Für jemanden, der eine Ferienhaussiedlung managt kein besonders erwachsenes Verhalten.

Dennoch hatte ich Spaß beim Lesen, ich habe mich unterhalten gefühlt und konnte mich aus den eigenen vier Wänden weg träumen. Leichte Lektüre für Zwischendurch ist auch immer ganz nett, aber ob ich dieses Buch ein zweites Mal lesen werde, ist fraglich. Doch ich bin sicher, dass sich Liebhaber von klassischen Romanzen hier angesprochen fühlen und dieses Buch verschlingen werden.

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Veröffentlicht am 14.04.2020

Interessant, aber teilweise etwas langatmig

Vardo – Nach dem Sturm
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Hallo allerseits!

Viele schieben Hexenverbrennungen ins tiefste Mittelalter, doch seinen Höhepunkt hatte diese Grausamkeit im 17. Jahrhundert, als überall, sogar in nach Amerika, Frauen der Hexerei angeklagt ...

Hallo allerseits!

Viele schieben Hexenverbrennungen ins tiefste Mittelalter, doch seinen Höhepunkt hatte diese Grausamkeit im 17. Jahrhundert, als überall, sogar in nach Amerika, Frauen der Hexerei angeklagt und verbrannt worden. Ein Thema, das bei mir gleichermaßen Ehrfurcht, wie auch Interesse weckt. Die Schmerzen, die diese Frauen ertragen haben müssen und die Lächerlichkeit dieser "Verhandlungen" sind heute kaum vorstellbar. Mir war nicht bewusst, dass dieses Thema auch in Skandinavien so heiß gehandelt wurde. Umso interessierter war ich an diesem Roman, der einen Einblick in diese Zeit gewährte. Die Tatsache, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht, ließ mir einen Schauer den Rücken hinunter jagen.

Die Geschichte um Maren und Ursa, zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, ist spannend und stimmungsvoll erzählt. Die Entwicklung, die beide Frauen durchlaufen, sind bemerkenswert und doch zu keinem Zeitpunkt überzogen. Es wirkt realistisch und nachvollziehbar. Gut gefallen haben mir auch die norwegischen Begriffe, die immer wieder eingestreut wurden. Diese haben die Stimmung noch dichter gemacht und einen noch mehr in die kalten Nächte auf Vardo gezogen.

Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Perspektivsprünge zwischen Maren und Ursa sind teilweise schwierig nachzuvollziehen . Ich muss auch für meinen Teil gestehen, dass ich mich schwer tue, wenn die Bücher im Präsens geschrieben sind. Es fällt mir dann teilweise schwerer, der Geschichte zu folgen. Obwohl die Geschichte spannend ist, weist das Buch teilweise Längen auf, Seitenweise passiert nicht viel und ich musste mich richtiggehend motivieren, weiter zu lesen.

Die Charaktere sind gut gelungen. Sei es die stolze Kirsten, die eifersüchtige Toril oder selbst der grausame Absalom, jeder hat seine Momente. Viele Handlungsstränge werden am Ende offen gelassen und doch fühlt es sich nicht so an, als würde der Leser allein gelassen. Viel mehr befeuert es die eigene Fantasie. Und ja, das Ende. Schon ab der Mitte des Buches hat man die ungute Ahnung, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Man kann den Sturm, der sich über der kleinen Insel zusammenbraut, als Leser schon quasi riechen. Und doch fühlt es sich richtig an. Ein Happy End hätte zu dieser Art von Geschichte nicht gepasst.

Dafür, dass die Autorin sich sonst nur mit Kinderbüchern beschäftigt hat, ist das ein wirklich düsteres und erwachsenes Buch. Es beleuchtet ziemlich gut die Unmenschlichkeit der Hexenverfolgungen und auch ihre Absurdität. Die Missgunst zwischen den Frauen konnte schließlich ihr friedliches Leben zum Einsturz bringen und hat damit die Hexenjagd erst richtig angefacht, ebenso wie Angst vor dem Fremden. Traurigerweise beides Themen, die uns auch in der heutigen Zeit nicht fremd sind.

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