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Veröffentlicht am 04.02.2020

Gute Idee, leider ist die Umsetzung nicht gelungen

Die Geliebte des Kaisers
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Rom, im Jahr 1001. Otto III., römisch-deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, liegt im Sterben. Es ist Winter, und er und seine Getreuen sind auf der Flucht aus Rom, wo Unruhen ausgebrochen ...

Rom, im Jahr 1001. Otto III., römisch-deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, liegt im Sterben. Es ist Winter, und er und seine Getreuen sind auf der Flucht aus Rom, wo Unruhen ausgebrochen sind. Ottos letzte Bitte an seine Geliebte Mena: Sie soll dafür sorgen, dass sein Herz nach Augsburg gelangt. Der Grund: Sie trägt sein ungeborenes Kind unter dem Herzen, den letzten Spross und Erben seiner Linie, und das Herz ist ihr einziger Beweis.
Mit dem Mut der Verzweiflung schließt sich Mena einem Trupp wagemutiger Kaufleute an, die mit Schlitten dem Winter trotzen und als Erste im Jahr die Alpen zu überqueren versuchen. Doch sie wird gejagt, denn der Kampf um Ottos Nachfolge hat begonnen und ihre Gegner sind unberechenbar …

Hallo allerseits!

Ich bin ein großer Freund, historischer Romane. Da ich mich selbst viel mit dem Mittealter beschäftige, scheint es nur logisch, dass ich auch bei Büchern gern in diese Welt abtauche. Deshalb hatte ich mich für ein Rezensionsexemplar von diesem Buch beworben und mich wirklich sehr gefreut, als ich das Manuskript endlich in meinen Händen halten durfte.

Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Recht schnell fielen mir Logikfehler oder einfach schlecht recherchierte Sachen in dem Roman auf. So sehr ich auch die Geschichte um Mena verfolgen wollte, es fiel mir doch unheimlich schwer, darüber hinweg zu sehen. Die Idee der Geschichte ist durchaus spannend, ein Roman zur Zeit dieses geschichtlichen Umbruchs hat viel Potential für spannende Begegnungen und Wendungen. Doch leider gelingt es dem Autor nicht, diese vollständig auszuschöpfen.

Die Charaktere bleiben fad, gesichtslos. Selbst die Hauptprotagonistin Mena schafft es nicht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ihre Motive sind unklar ebenso wie sie anscheinend nicht in der Lage ist, tiefe Emotionen zu fühlen. Als dann Gefühle am Ende des Buches auftauchen, wirken diese eher künstlich und übertrieben. Einer störendsten Charaktere ist Ewalt, der ehemalige...ja, was denn eigentlich? Ich denke, er und Mena liebten einander, bevor der Kaiser sie zu sich rief, doch auch das bleibt im Unklaren. Ewalt jedenfalls ist ein rechtes Fähnchen, der sich immer so dreht, wie es ihm gerade passt. Seine Handlungen sind zum Teil mehr als unlogisch, sein Antrieb bleibt ein absolutes Rätsel bis zum Schluss. Keiner weiß, wer er ist und was er tut. Schade eigentlich, da hätte ich mir mehr erhofft.
Einige Charaktere tauchen auf nur um wenige Seiten später wieder vollkommen in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Das Buch zeichnet ein hartes Bild des 11. Jahrhunderts, das auch nur in Teilen wahr ist. Meistens übertreibt der Autor um das Bild des "dunklen, finsteren Mittelalters" aufrecht zu erhalten. Dennoch war die Recherche nicht immer sehr ausgiebig oder intensiv. Es werden Kleidungstücke erwähnt, die erst 400 Jahre später in Mode kommen, dafür sind Schlitten etwas gänzlich Neues, die es aber schon wesentlich länger gegeben hatte.
Der Schreibstil liest sich dennoch flüssig und man bleibt nicht an komischen Satzkonstruktionen oder Rechtschreibfehlern hängen. Mich persönlich haben noch die recht kurzen Kapitel, die teilweise nur 3 Seiten lang sind, gestört, für mich unterbricht das meinen Lesefluss doch recht stark.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass es ein spannendes Buch hätte werden können, denn die Idee ist gut. Leider hapert es an der Umsetzung. Es liest sich gut, doch ist es nichts, was mir länger im Gedächtnis bleibt oder mich auf irgendeine Art und Weise berührt hätte.

  • Authentizität
  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil