Profilbild von Tine

Tine

Lesejury Star
offline

Tine ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Tine über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2025

Rundum gelungen

Das Antiquariat am alten Friedhof
0

Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel ...

Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel bei ihren Bücher-Diebstählen und verkaufen die Sammlerstücke über Vadims Antiquariat. Eva bringt die Gruppe in Aufruhr und bald müssen sie sich auch entscheiden, wie weit sie mit ihrem diebischen Zeitvertreib gehen wollen… Der Protagonist Felix ist während des Krieges nach Amerika ausgewandert und kommt nun, 1945, als Bibliothekar zurück um die von den Nazis geraubten Bücher zu katalogisieren. In Leipzig trifft er auf einige seiner alten Freunde und geht der Frage nach, was mit Eva in den letzten Jahren geschehen ist.

Ich finde es überaus spannend, wie Kai Meyer die 15 vergangenen Jahre und Geheimnisse immer weiter entfaltet und Hinweise gibt. Der Protagonist Felix möchte unbedingt herausfinden, was mit Eva geschehen ist und auch wie es seinen ehemaligen Freunden geht. Parallel erzählt der Autor sehr spannend und ereignisreich die Erlebnisse der letzten Jahre bis in Felix‘ Gegenwart. Hier werden auch bald Verbrechen entdeckt, die das zerbombte Leipzig in Atem halten. Die Geheimnisse und Geschehnisse werden nach und nach aufgedeckt und entfaltet. Die Geschichte hat sich wirklich flüssig wie ein historischer Krimi lesen lassen (was es teilweise auch ist).

Was mir am besten an der Geschichte gefallen hat, ist der Vibe. In der älteren Zeitebene sehe ich immer noch die vier Freunde auf der Empore des Antiquariats sitzen, wo sie fachsimpeln, trinken und sich gegenseitig necken. Die Gruppe hat durch die verschiedenen Charaktere eine ganz einzigartige Dynamik. Währenddessen überblicken sie den Verkaufsraum des Antiquariats, den Friedhof außerhalb des Fensters und die immerwährenden Rauchschwaden des Graphischen Viertels - mystisch. Auch in der Zeit nach dem Krieg herrscht eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre, während Felix nach seinen Freund/innen sucht, überall zerstörte Häuser in Schutt und Asche liegen und bald auch ein Verbrechen eine große Rolle spielt.

Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der direkt nach dem Krieg spielt und fand es hier überaus interessant und anschaulich dargestellt, wie die Menschen nach einem entbehrungsreichen Krieg gelebt haben. Das trostlose Stadtbild mit Schutthaufen hat dies auch gut verbildlicht.


Fazit:
„Das Antiquariat am alten Friedhof“ ist eine sehr spannende historische Geschichte, die mit einem fesselnden Kriminalfall, verschiedenartigen Charakteren und düsteren sowie gefährlichen Momenten punkten kann. Am meisten hat mir die mystische und geheimnisvolle Atmosphäre gefallen.

Veröffentlicht am 31.12.2025

Zu viel und zu wenig

The Nightmare Before Kissmas
0

Coal ist der Weihnachtsprinz und soll während der Weihnachtszeit seiner besten Freundin Iris, der Prinzessin von Ostern, den Hof machen um sie zum großen Fest zu heiraten. Doch von der arrangierten Ehe ...

Coal ist der Weihnachtsprinz und soll während der Weihnachtszeit seiner besten Freundin Iris, der Prinzessin von Ostern, den Hof machen um sie zum großen Fest zu heiraten. Doch von der arrangierten Ehe seines Vaters Santa hält Coal nichts. Insbesondere, als Hex auftaucht, der Prinz von Halloween, der Coal schwer beeindruckt hat. Wie kommt er aus dem Dilemma wieder raus?

Ich hab erwartet, dass dieses Buch die perfekte Lektüre für den November ist. Während es um Weihnachten spielt und der Halloween-Prinz ein wichtiger Protagonist ist, habe ich mich auf viel festliche Weihnachtsstimmung mit einem Hauch düsteren Vibe gefreut. Den düsteren Vibe gibt es, nur liegt das nicht an Halloween, sondern den dunklen Machenschaften von Santa Claus und diese verdecken auch noch die weihnachtlichen Momente (denn Schlittenrennen, Krawatten mit Kürbislaternen, die Weihnachtsmützen tragen und viele weitere kleine passende Details gibt es). Die Probleme in der Geschichte sind einfach zu viele. Die arrangierte Ehe wäre genug, aber Santa Claus ist wirklich, wirklich teuflisch. Auch die Mutter von Coal und Kris, die einfach abgehauen ist, spielt immer und immer wieder eine Rolle. Das ist mir einfach zu viel gewesen.

Die Witze in der Geschichte sind auch oft einfach... niveaulos. Coal spielt erstens gerne Streiche und zweitens geht ihm einiges schief. Obwohl er im Laufe des Buches eine Entwicklung durchmacht und die Anliegen der royalen Feiertagsfamilien ernster nimmt, ist er oft zu naiv. Die Liebesgeschichte zwischen Coal und Hex ist süß, aber die spicy Szenen waren überhaupt nicht meins. Es folgen zwei direkt aufeinander, Coal labert die ganze Zeit und den Rest empfand ich als verkrampft und fast schon unangenehm. Es gibt so viel Potenzial in diesem Buch und die Idee, dass hinter jedem Feiertag ein Königshaus steckt und die den Menschen gebrachte Freude wieder zurückkommt und für Magie genutzt werden kann, ist einfach megagut! Aber so vieles wurde zu wenig erklärt oder geschildert. Das Ende endet auch einfach... zu einfach, vieeel zu einfach! Ich mein, ehrlich? Das ergibt einfach keinen Sinn, ist zu gewollt und konstruiert!


Fazit:
Statt eines schönen Weihnachtsromans mit düsteren Halloweenvibes habe ich nur einen unreifen Protagonisten und viel zu viele Probleme bekommen, die die Stimmung trüben und viel zu einfach aus der Welt geschafft werden können. Die Geschichte wollte zu viel, hat zu viele dunkle Themen, zu wenig Worldbuilding und zu wenig nachvollziehbare Entwicklung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2025

Ich bin begeistert!

Wer die Toten stört
0

James beginnt sein Medizinstudium in Oxford, da diese Uni 1828 die fortschrittlichste in dem Bereich ist. Doch das Studium ist nur theoretisch, die praktische Übung müssen sich die angehenden Ärzte in ...

James beginnt sein Medizinstudium in Oxford, da diese Uni 1828 die fortschrittlichste in dem Bereich ist. Doch das Studium ist nur theoretisch, die praktische Übung müssen sich die angehenden Ärzte in privaten chirurgischen Lehranstalten holen, die aber auch eine Menge Geld kosten. James‘ finanzielle Unterstützung wird immer geringer, weshalb er durch Aneurins Hilfe einen ungewöhnlichen Weg wählt, um sich diese zusätzliche unabdingbare Bildung zu leisten. Direkt zu Beginn des Studiums trifft er in seiner Unterkunft auf Charlie und seine Clique, mit denen er oft den Abend ausklingen lässt.

Ich mag die Atmosphäre des Buches sehr! Realistisch gesehen sind die damaligen Zustände in der Medizin und wie manche Erkenntnisse erlangt wurden, schockierend, aber in einem Buch sind die Anfänge der modernen Medizin total faszinierend und auch die Leichenraube auf dem Friedhof ein passendes Detail. Manchmal makaber, aber auch sehr abenteuerlich tragen so einige Momente zu einem düsteren Dark Academia-Vibe bei. Wobei ich finde, dass die Geschichte auch viel Augenmerk auf die Charaktere legt. James‘ Art ist einfach unglaublich sympathisch und seine Entwicklung schön mitzuverfolgen. Auch wenn seine Clique aus Kommilitonen und Mitbewohnern immer mehr untergeht, ist es eine tolle Truppe mit so einigen Eigenheiten. Die Liebesgeschichte hat mir auch unglaublich gut gefallen, weil man einerseits am Anfang noch nicht erahnen kann, in wen sich James verliebt (diese Tatsache ist ungewöhnlich und sehr erfrischend) und die beiden eher unspektakulär zusammen finden und es auch keine expliziten spicy Szenen gibt, sodass die Liebesgeschichte einfach nur herzerwärmend ist. Und absolut spannend ist die Geschichte natürlich ebenfalls. Für die Leichenräuber wird es einige Male ganz schön knapp, ich habe bei einigen actionreichen Szenen die Luft angehalten, später wird es zunehmend gefährlich und die Autorin konnte mich auch oft überraschen.

»Was denn? Leichen sind keine unangenehme Gesellschaft. Sie sind zwar miserable Gesprächspartner, aber ich kann bestätigen, dass sie ausgezeichnete Zuhörer sind.« S. 107

Ich bin kein großer Fan davon, wenn Protagonisten uns Leser/innen ansprechen, aber hier gefällt es mir. Diese Andeutungen von James machen mich eher noch neugieriger. Der Schreibstil der Autorin ist total lebendig und James‘ Erzählung bereitet mir dadurch noch mehr Spaß. Der Protagonist ist vornehm und deshalb auch teilweise unbedarft und unwissend, auf eine liebenswerte Weise. Ich finde es lustig, wenn er sich über den Kleidungsstiel Gedanken macht oder entrüstet ist, wenn jemand nicht seinem gewohnten Standard der Höflichkeit entspricht. Ich finde das Buch hat einige amüsante Momente, weshalb ich schon öfter schmunzeln musste. Ja, die Geschichte ist mit den Leichenrauben und Sektion düster und manchmal makaber, aber sie hat eben auch eine gewisse Leichtigkeit und macht einfach Spaß.

Fazit:
„Wer die Toten stört“ ist eine großartige und total fesselnde Geschichte! Mit einem anschaulichen Schreibstil, Humor, liebenswerten Charakteren, einer sanften Liebesgeschichte und so einigen erschreckenden und abenteuerlichen Momenten, hat diese Geschichte alles, was man sich nur wünschen kann. Ich bin begeistert von A. Rae Dunlaps Dark Academia-Geschichte und möchte unbedingt mehr von ihr lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 03.12.2025

Ruhig, romantisch, spicy

Mayfair Ladys - Drei Junggesellen für Lady Beatrice
0

Beatrice ist mittlerweile Mitte 20 und gilt als alte Jungfer. Durch einen Unfall in der Kindheit hat sie eine Narbe im Gesicht, die potenzielle Heiratskandidaten abgeschreckt hat. Doch Beatrice hat ein ...

Beatrice ist mittlerweile Mitte 20 und gilt als alte Jungfer. Durch einen Unfall in der Kindheit hat sie eine Narbe im Gesicht, die potenzielle Heiratskandidaten abgeschreckt hat. Doch Beatrice hat ein Händchen dafür, wer gut mit wem zusammenpasst und schon einige ihrer Freundinnen verkuppelt. Deshalb bittet sie die Dowager Marchioness of Bayne für ihre drei Söhne geeignete Frauen zu finden.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus Beatrices Sicht erzählt, gelegentlich aber auch von anderen Charakteren, wie Francis. Lady Beatrice beobachtet auf den Bällen die drei jungen Männer, macht sich treffsicher ein Bild von deren Geschmack und stellt ihnen nacheinander potenzielle Kandidatinnen vor. Naja, zumindest zwei von ihnen, denn Francis weiß sie länger nicht einzuschätzen. Dabei haben die beiden schon relativ früh ein Auge aufeinander geworfen. Eigentlich hätte ich erwartet, dass Beatrice ihm eine junge Dame nach der anderen vorstellt, während die beiden ihre Gefühle entwickeln. Dadurch wurde der Plott für mich nicht langweilig, aber doch etwas langwierig. Ich habe Beatrices Bemühungen und ihre Gedanken zum Verkuppeln sehr gerne gelesen. Wie Beatrice und Francis sich näher kommen, finde ich wirklich schön und romantisch. Als er Lady Beatrice zuerst in Gedanken und dann auch ihr gegenüber mit dem Spitznamen „Bea“ angeredet hat, ist mein Herz geschmolzen. Spicy wird es dann auch zwischen den beiden, wobei mir Francis am Ende zu sehr an sein Vergnügen gedacht hat. Der Konflikt im letzten Drittel konnte mich überraschen und ein Detail am Ende hat mir ein Lächeln entlockt.


Fazit:
„Drei Junggesellen für Lady Beatrice“ ist ein schöner Regency-Roman über eine Saison mit vielen Wer-mit-wem-Momenten. Die Geschichte liest sich leicht und amüsant. Ich hätte einen etwas anderen Verlauf der Geschichte erwartet, aber trotzdem sehr gerne über die romantische, heimliche und teils sogar spicy entwickelnde Beziehung der beiden Protagonisten gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 22.11.2025

Hää? (Ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal so einen wortgewandten aussagekräftigen Titel nutze)

Die Spur der Vertrauten
0

In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen ...

In dieser Welt steht das Wir über allem. Die Gesellschaft ist auf die Gesamtheit fokussiert und der/die Einzelne ist nicht wichtig, nur als kleines Zahnrad für das große Wir. Die Menschen haben alle einen Instinkt, der sich in der Kindheit entwickelt. Claire ist eine Vertraute, schenkt also jedem ihr Ohr, und Goliath ein Schützer, muss also die Menschen in seiner Umgebung vor Gefahren retten. Ja, muss! Denn der Instinkt hat eine gewisse Reichweite und die Personen üben ihn auf Autopilot aus. Claire und Goliath befinden sich in ihrem letzten Schuljahr, als beiden auffällt, dass andere Schüler/innen verschwinden. Die beiden fangen zunächst einzeln an nachzuforschen und suchen später gemeinsam nach den verschwundenen Jugendlichen. Dabei sind sie ein ziemlich gegensätzliches Paar, denn Claire hat ein Geheimnis und Goliath setzt alles daran, in der Rangfolge dieser Welt aufzusteigen.

Die Idee dieser Dystopie ist wirklich faszinierend und außergewöhnlich. Anfangs muss man sich erst darin einleben, denn wir sind alle daran gewohnt, dass unser Leben genauso wichtig ist, wie jedes andere auch. Hier aber zählt nur das Wir, der/die Einzelne ist quasi nur eine kleine Ameise für den riesen Bau. Der Instinkt ist stark, sodass die Menschen wie unter Zwang agieren. Wenn Goliath als Schützer z. B. sieht, dass ein Haus brennt, muss er hineinlaufen um alle aus den Flammen befreien, auch wenn er dabei selbst umkommen könnte. Diese Welt ist manchmal wirklich erschreckend und sehr krass. Mir hat die Idee von Christelle Dabos sehr gut gefallen. Der Weltenaufbau ist auch teilweise komplex, sodass man oft konzentriert lesen muss, keine Geschichte für zwischendurch. Die Protagonisten sind aber sympathisch, anschaulich und nahbar dargestellt, sodass man ihnen gut folgen kann. Außerdem sind die Geschehnisse richtig spannend und faszinierend, sodass ich sie kaum aus der Hand legen konnte.

Kurz vor der Hälfte hat die Geschichte einen kleinen Cut, der einige Monate überspringt und sich auch von der Erzählung ganz anders anfühlt. Als würde das Buch aus zwei Teilen bestehen. Nachdem es etwas gemächlicher beginnt, wird es aber wieder total spannend. Wobei ich mir manchmal auch dachte, dass man daraus gut eine Dilogie mit mehr Erläuterungen und Zeit zum Einfinden hätte machen können. Zwischen Claires und Goliaths Kapiteln gibt es auch einige wenige, aus anderen Erzählperspektiven. Diese sind sehr spannend und man merkt danach bald, um welche Person es sich handelt. Es werden immer wieder spannende Charaktere eingeführt und einiges aufgedeckt.

Die Idee der Geschichte hat mich wirklich beeindruckt, sodass ich dem Buch schon 5 Sterne geben wollte… Die Welt ist komplex, aber ich hatte immer das Gefühl sie verstanden zu haben; bis die letzten Kapitel kamen. Zum Schluss gibt es einen spannenden Showdown und sogar ein Kapitel, das sich wie ein Prolog liest. Aber es gibt keine Erklärung für das Ende. Für das, was passiert ist. Dafür, warum und wie es passiert ist. Ich habe einiges verstanden, ja, aber ich habe noch so viele offene Fragen. Für mich hat das Buchende gar nichts beendet. Man kann doch keine so komplexe Welt erschaffen, die dann irgendwie sinnfrei endet. Ich bin total enttäuscht und ratlos von dem Schluss. Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen beendet und frag mich immer noch, ob die Lesezeit es wert war.


Fazit:
„Die Spur der Vertrauten“ ist eine thematisch faszinierende und absolut spannende Dystopie. Die Welt ist zwar komplex, sodass man aufmerksam lesen muss, aber auch unfassbar spannend, mitreißend und erschreckend. Ich war wirklich begeistert von dem Buch, weil es etwas Besonderes ist, aber das Ende hat mich maßlos enttäuscht. Ich bin so ratlos und habe zu viele offene Fragen. Wie kann man nur so ein tolles Gedankenexperiment zu Papier bringen und es dann völlig sinnfrei enden lassen?