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Veröffentlicht am 28.04.2021

Humor trifft Ernsthaftigkeit - eine Gesellschaftssatire mit Erdmännchen in den Hauptrollen

Der Wald ruft
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Das hätten sich die Erdmännchen des Berliner Zoos niemals träumen lassen: weil das Geld fehlt, werden sie kurzerhand an einen Baumarkt in Oslo verscherbelt. In letzter Sekunde gelingt ihnen eine halsbrecherische ...

Das hätten sich die Erdmännchen des Berliner Zoos niemals träumen lassen: weil das Geld fehlt, werden sie kurzerhand an einen Baumarkt in Oslo verscherbelt. In letzter Sekunde gelingt ihnen eine halsbrecherische Flucht und letztendlich finden sie sich im deutschen Wald wieder. Doch von Ruhe und Entspannung keine Spur, denn schnell bahnen sich Konflikte an. Die Waldbewohner, allen voran Keiler Herrmann, hätten es nämlich gerne, dass der deutsche Wald auch deutsch bleibt. Da stören die fremden Erdmännchen selbstredend das Idyll.

Es ist der sechste Teil der Ray & Rufus Reihe und kommt ebenso lustig und amüsant daher wie seine Vorgänger, die allerdings eher Krimis sind. Zusammen mit dem menschlichen Detektiv Phil lösen die Erdmännchen-Brüder Ray und Rufus dort einige knifflige Fälle, erleben spannende und urkomische Abenteuer. In „Der Wald ruft“ geht es zwar auch wieder humorvoll daher, allerdings weiß man manchmal nicht, ob man nicht doch vielleicht eher weinen sollte. Denn die Clanmitglieder werden unfreiwillig zu Flüchtlingen aus ihrer Heimat, verlieren dabei alles und müssen sich als Migranten im Wald integrieren und bewehren. Dabei stoßen sie mitnichten nur auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, sondern werden eher mit jede Menge Misstrauen, Vorurteilen, Fremdenfeindlichkeit und Hass konfrontiert. Die Ungerechtigkeit schreit förmlich zum Himmel, sodass aller Charme und Humor von Ray, Rufus und Co. doch arg getrübt wird.

Dabei sind vor allem besagte Erdmännchen sowas von putzig und possierlich. Ray ist loyal, nicht immer mutig, aber doch bereit über seinen Schatten zu springen, wenn es nötig ist. Für seine Familie und Freunde würde er alles tun. Sein Bruder Rufus ist das Genie des Clans, er kann sogar lesen und ein Smartphone bedienen. Natürlich hat er auch kein Problem damit diesen Umstand anderen bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben. Clan-Chef Rocky dagegen ist - naja, etwas schwer von Begriff - dafür aber wagemutig und besonders in diesem Band teilweise sogar ziemlich cool drauf.

Die Bewohner des Waldes hingegen sind nicht alle sympathisch. Dort wird aufgewiegelt, angeprangert, fremdenfeindliche Parolen gegrunzt (besonders eben von einer Rotte Wildschweinen). Andere tun nicht unbedingt etwas schlimmes, sehen aber einfach weg und grade dieses Nichts-Tun ist auch nicht wirklich besser. Es handelt sich um eine Gesellschaftssatire, in der allerdings Erdmännchen die Hauptrollen übernehmen. Hier trifft also Humor auf Ernsthaftigkeit. Alles wird überspitzt dargestellt, was teilweise ziemlich erschreckend ist und zum Nachdenken anregt. Auf der anderen Seite unterhält der Autor aber eben auch durch seine goldigen Protagonisten, auf deren Seite man sich gerne schlägt, auch wenn selbst die sich nicht immer vorbildlich verhalten.

Bisher habe ich alle Teile der Reihe als Hörbuch gehört, was ich auch jedem nur wärmstens empfehlen würde! Christoph Maria Herbst erweckt die Tiere gekonnt zum Leben. Jeder Charakter erhält seine eigene Stimme, was alleine schon schreiend komisch ist. Für mich macht grade diese Umsetzung die Geschichte besonders hörenswert und nochmal doppelt so amüsant als sie sowieso schon wäre.

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Veröffentlicht am 28.04.2021

Bunt, facettenreich und magisch

Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte
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Linus Baker arbeitet seit Jahren in der Sonderabteilung des Jugendamtes, die für das Wohlergehen magisch begabter Kinder und Jugendlicher zuständig ist. Er ist ein vorbildlicher Mitarbeiter: er ist nie ...

Linus Baker arbeitet seit Jahren in der Sonderabteilung des Jugendamtes, die für das Wohlergehen magisch begabter Kinder und Jugendlicher zuständig ist. Er ist ein vorbildlicher Mitarbeiter: er ist nie krank, gibt keine Widerworte und ist bei seinen Überprüfungen stets objektiv, gründlich und genau. Schließlich erhält er einen geheimen Auftrag, welcher ihn auf eine abgelegene Insel führt. Dort soll er das Waisenhaus eines gewissen Mr. Parnassus' genau in Augenschein nehmen, doch er merkt schnell, dass seine übliche Vorgehensweise hier nicht funktionieren wird. Widerwillig lässt er sich auf die etwas speziellen Bewohner ein, die seine eintönige Welt ganz schön ins Wanken bringen.

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an direkt in seinen Bann gezogen. Jeder der Charaktere ist einfach der absolute Hammer. Die Geschichte ist aus Linus Sicht geschrieben. Am Anfang hat er ganz schön eingefahrene Meinungen und ist irgendwie ziemlich spießig. Dementsprechend betritt er die Insel und das Waisenhaus auch mit einigen Vorurteilen. Kein Wunder, dass man ihm gegenüber auch erstmal ein wenig misstrauisch ist. Von Beginn an ist allerdings klar, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Er möchte immer das Beste für die Kinder und Jungendlichen, hat sich andererseits aber auch nie gefragt, was mit ihnen passiert, wenn es auf seine Empfehlung hin tatsächlich zu Schließungen der Waisenhäuser kommt. Er setzt Vertrauen in die Vorschriften und das Regelwerk der Behörde.

Beim Ankommen auf der Insel habe ich sofort an „Die Insel der besonderen Kinder“ gedacht. Zwar war dieses Buch hier ebenso besonders, aber eben auch ganz anders. Einzige Gemeinsamkeit waren die Kinder mit besonderen Fähigkeiten oder Aussehen. Mehr oder gar zu viel möchte ich über sie gar nicht erzählen, das muss man einfach selber lesen. Aber das lohnt sich so sehr! Jedes einzelne Kind ist wirklich toll, einzigartig und liebenswert. Schnell wird klar, dass sie an das Gute glauben (möchten). Einigen von ihnen sind schon sehr unschöne Dinge passiert und dennoch geben sie nicht auf und hoffen auf ein besseres Leben. Sie selber sind erstmal vorurteilsfrei und das obwohl ihnen selber so viel Misstrauen, so viele vorgefertigte Meinungen, Angst, Hass oder Ausgrenzung entgegenschlagen. Denn die Menschen fürchten die magischen Wesen. Es ist ein Trauerspiel, das einem im Herzen weh tut und zum Himmel schreit vor Ungerechtigkeit.

Dennoch ist die Geschichte für mich ein absolutes Highlight und Wohlfühlbuch. Auch wenn man sich ständig aufregt und an der Menschheit zweifelt, machen die Inselbewohner und auch Linus selber all das wieder wett. Sie sind immer wieder für ein Schmunzeln oder einen Lacher gut und erwärmen einem mit ihrer Art das Herz.

Das schöne an dem Buch sind außerdem seine wichtigen und weisen Botschaften. Zusammen mit dem flüssigen und auch sehr emotionalen Schreibstil hat mir „Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte“ wirklich außerordentlich gut gefallen. Es ist wie das Leben auf der Insel: bunt, facettenreich und magisch.

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Veröffentlicht am 21.04.2021

Für Gamer ein Muss und für Fans des Genres auch absolut lesenswert!

Cryptos
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Die Welt wurde von den Menschen völlig ausgebeutet, es kam zum Klimawandel und zu unberechenbaren Naturkatastrophen. Weite Teile der Erde sind unbewohnbar. Lebensraum, Ressourcen, Nahrungsmittel und Wasser ...

Die Welt wurde von den Menschen völlig ausgebeutet, es kam zum Klimawandel und zu unberechenbaren Naturkatastrophen. Weite Teile der Erde sind unbewohnbar. Lebensraum, Ressourcen, Nahrungsmittel und Wasser werden knapp. Das Leben in der Wirklichkeit ist trostlos, heiß und gefährlich. Deshalb flüchten die Menschen sich nahezu komplett in virtuelle Realitäten. Um ein sehr weit entwickeltes VR-System zu nutzen kleiden sie sich in Ganzkörperanzüge und steigen in Kapseln, durch die sie in Fantasywelten, bereits zerstörte Städte, vergangene Zeitalter oder sogar Kriegsszenarien reisen können. Was das Herz auch begehrt, es ist für jeden etwas dabei. Man kann sein, wer und wo man will.

Jana ist Weltendesignerin. Sie erschafft an ihrer Designstation alternative Realitäten, die sich täuschend echt anfühlen. Als ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein Mord geschieht, will sie unbedingt herausfinden, wer dahinter steckt. Dabei stößt sie auf Wahrheiten, die sie an allem zweifeln lassen, woran sie bisher geglaubt hat.

Weil ich selber sehr gerne PC-Games spiele und Virtual Reality sehr faszinierend und spannend finde, war das genau das richtige Buch für mich. Als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich: das muss her und zwar schnell! Ich wurde definitiv nicht enttäuscht, denn ich habe es geliebt mit Jana die verschiedenen Welten zu besuchen, Hinweise zu sammeln, Gefahren zu trotzen und Kämpfe auszufechten. Es war teilweise vielleicht ein bisschen langatmig, nur um dann wieder rasant das Tempo anzuziehen und dem Leser unerwartete Wendungen um die Ohren zu hauen. Einzig die merkwürdig konstruierte und für mich völlig aus der Luft gegriffene Liebesgeschichte hätte ich nicht gebraucht.

Es handelt sich um eine Dystopie, die ebenso Science-Fiction-Elemente wie auch Gesellschaftskritik enthält. Es ist eine düstere, beängstigende und gar nicht so weit hergeholte Zukunftsvision, die doch ziemlich zum Nachdenken anregt. Für Gamer ein Muss und für Fans des Genres auch absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 19.04.2021

Dystopie trifft Wilden Westen

Scarlett & Browne - Die Outlaws
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Scarlett ist eine geschickte Bankräuberin, hervorragende Kämpferin und Meisterschützin. Außerdem ist sie auch eine Einzelgängerin. Daher passt es ihr gar nicht, dass Albert ihr auf Schritt und Tritt folgt ...

Scarlett ist eine geschickte Bankräuberin, hervorragende Kämpferin und Meisterschützin. Außerdem ist sie auch eine Einzelgängerin. Daher passt es ihr gar nicht, dass Albert ihr auf Schritt und Tritt folgt nachdem sie ihn aus einer verzwickten Lage befreit hat. Der Junge ist schlaksig und tollpatschig, redet ohne Unterlass und scheint völlig weltfremd und dementsprechend hilflos durchs Leben zu tapsen. Als wäre all das nicht genug, stellt sich schnell heraus, dass ihm Verfolger auf der Spur sind und so beginnt eine rasante und gefährliche Flucht durchs ganze Land.

Es handelt sich um eine Dystopie, die im England der Zukunft spielt. Was genau passiert ist wird nicht ganz klar. Die Tatsache, dass viele Fragen bezüglich dem wie und warum offen geblieben sind, hat mich nicht allzu sehr gestört. Da es sich hier um den Auftakt handelt, werden wir bestimmt in den nächsten Bänden Antworten bekommen.

Weite Teile des Landes sind unbewohnbar weil sie entweder zerstört, verseucht oder überschwemmt wurden. In der Wildnis gibt es verschiedene Bedrohungen wie beispielsweise mutierte blutrünstige Tiere oder die geheimnisvollen, aber gefürchteten „Gezeichneten“. Die verbliebenen Menschen leben größtenteils in den verbliebenen Städten, die schwer bewacht werden und in denen die Glaubenshäuser strenge Regeln aufstellen. Jeder der anders ist, wird verstoßen und meist dem Tod überlassen. Dazu gehören Menschen, die besondere Fähigkeiten haben, aber auch solche, die nur einen körperlichen oder geistigen Makel haben.

Mir hat das Worldbuilding sehr gut gefallen. Es erinnert irgendwie an den Wilden Westen in einer teils urbanen, teils dystopischen und postapokalyptischen Welt. Banküberfälle, Verfolgungsjagden und Schießereien lassen die Geschichte niemals langweilig werden. Die Atmosphäre und der Schreibstil haben mich direkt in ihren Bann gezogen. Andererseits ist das Szenario aber auch erschreckend und beängstigend. Denn obwohl die Umwelt schon menschenverachtend genug ist, tun sich die Überlebenden gegenseitig immer noch furchtbare Dinge an.

Die beiden Protagonisten fand ich toll. Scarlett ist ein toughes und starkes junges Mädchen, das schon viel zu lange auf sich allein gestellt ist. Anscheinend ist in ihrer Vergangenheit etwas tragisches passiert, worüber sie auf keinen Fall reden möchte. Sie ist sehr klug, redet nicht viel und wirkt oft ziemlich kaltschnäuzig und schroff. Dennoch merkt man, dass sie das Herz am rechten Fleck hat. Albert hingegen ist das komplette Gegenteil von ihr: er ist immer gut drauf, von allem begeistert und sehr höflich. Allerdings wäre er alleine völlig aufgeschmissen, weil er keine Ahnung von der Welt hat, nicht besonders gut kämpfen kann und eben einfach ziemlich ungeschickt ist. Die beiden sind ein sympathisches Duo, das sich gut ergänzt (auch wenn Scarlett das niemals zugeben würde), sich witzige Schlagabtausche liefert und den Leser bestens unterhält. Schön finde ich auch, dass die Perspektive immer wieder wechselt, sodass man Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelten beider Protagonisten erhält.

Der Verlag nennt eine Altersempfehlung ab 13 Jahren. Dem würde ich nicht unbedingt zustimmen wollen, weil das Buch doch teilweise ziemlich blutig und brutal ist. Für ältere Leser hält es aber auf jeden Fall eine halsbrecherische und manchmal nervenaufreibende Geschichte bereit. Action, Tempo und Spannung kommen definitiv nicht zu kurz!

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Veröffentlicht am 19.04.2021

Ohana: Allie und Kale

Jeder deiner Atemzüge
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Allie verbringt den Sommer 2004 bei ihren Großeltern auf Kauai. Es ist das Jahr, in dem ihre ältere Schwester Tara spurlos verschwindet. Die Familie ist am Boden zerstört und jeder versucht auf seine eigene ...

Allie verbringt den Sommer 2004 bei ihren Großeltern auf Kauai. Es ist das Jahr, in dem ihre ältere Schwester Tara spurlos verschwindet. Die Familie ist am Boden zerstört und jeder versucht auf seine eigene Art und Weise mit dem Verlust umzugehen. Allie trifft Kale, einen merkwürdigen Jungen, dem das Meer wichtiger ist als alles andere. Sie selber findet Wasser nicht so toll und kann auch eigentlich nicht besonders gut schwimmen. Doch zu Kale spürt sie dennoch eine seltsame Verbindung, die sie auch in den kommenden Jahren nicht mehr loslässt. Und so kommt es, dass sie im zarten Alter von 12 Jahren bereits ihr Herz verliert ohne es wirklich zu ahnen oder zu verstehen. Sie kehrt immer wieder auf die Insel zurück und zwischen den beiden entsteht etwas ganz Großes. Es könnte alles so schön sein, doch sie muss Kale mit seiner zweiten Leidenschaft teilen: dem Meer, das er versucht als Apnoetaucher zu bezwingen. Die Tiefe des Ozeans zieht in wie magisch an und Allie fürchtet, ihn irgendwann daran zu verlieren.

Die Geschichte zwischen Allie und Kale erstreckt sich vom Sommer 2004 bis ins Jahr 2019. Dabei kommt es oft zu großen Zeitsprüngen, die meist ein oder mehrere Jahre umfassen, weil ihre Freundschaft von räumlichen Trennungen bestimmt wird, da Kale auf Hawaii und Allie auf dem Festland lebt. Wir erleben alles aus Allies Sicht und können ihre Sehnsucht, Verzweiflung, Hingabe und Angst für und um Kale sowie sämtliche anderen Gefühle hautnah nachempfinden. Man bemerkt sehr gut, dass Allie über die Jahre reift, erwachsener wird und sich auch ihre Gedankengänge und Emotionen verändern. Sie wächst zu einer starken, mutigen und gütigen jungen Frau heran, die man gerne zur Freundin hätte.

Ich mochte Allie als Protagonistin sehr gerne. Sie und Kale sind allerdings sehr unterschiedlich. Allie, die nie einen besonderen Draht zu Wasser und dem Meer hatte, kann ihm nicht so richtig in seine Welt folgen und lebt dementsprechend in ständiger Angst um ihn. Diese steigert sich über die Jahre immer weiter und die Frage ist, ob sie irgendwann gegen seine große Leidenschaft verlieren wird oder ob sie ihn halten kann.

Auf der anderen Seite bleibt Kale für mich immer ein bisschen geheimnisvoll und unnahbar, weil es keine Perspektivenwechsel gibt. Wir lernen ihn so kennen wie Allie ihn beschreibt. Er ist zwar ein total sympathischer Typ mit guten Ansichten, der Allie vergöttert, wenn er nicht grade mit dem Tauschen beschäftigt ist. Sie ist der Grund, warum er wieder aus den Tiefen des Meeres zurückkehren möchte und das merkt man auch. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich ihn manchmal (ebenso wie Allie) nicht verstehen konnte. Er wirkte dann ein wenig egoistisch. Er verlangt von ihr, dass sie ihn niemals vor eine Entscheidung stellen soll. Ich finde das eigentlich ganz schön unfair Allie gegenüber, weil es so wirkt als wäre sie immer die zweite Wahl. Natürlich soll er für sie nicht seine Träume aufgeben oder sich total verändern, aber ein bisschen Rücksicht ist jawohl nicht zu viel verlangt. Ich finde es toll, dass Allie ihn dennoch so sehr unterstützt, obwohl sie seine Begeisterung für das Meer und die Tiefe nicht teilen kann. Aber genau das macht sie eben auch aus: sie würde für ihre Lieben alles tun.

„Jeder deiner Atemzüge“ ist eine sehr schöne, sanfte und dennoch intensive Liebesgeschichte. Sie entführt uns nach Hawaii, an die schönsten Strände, in ein Urlaubsparadies. Uns wird die hawaiianische Kultur näher gebracht, in der Ohana (also Familie) besonders wichtig ist. Ich liebe das Miteinander von Allies Familie und Freunden auf Hawaii! Neben den Örtlichkeiten werden beispielsweise auch Gerichte und Traditionen beschrieben, man möchte am Liebsten sofort selber dorthin reisen. Außerdem erfahren wir einiges über das Apnoetauchen. Es ist aus verschiedenen Gründen sehr gefährlich, aber ebenso faszinierend wie beängstigend. Auch das Thema Umwelt und Umweltschutz wird groß geschrieben. Kale, der das Meer über alles liebt, regt sich unter anderem ständig über Plastikmüll, Überfischung und das Korallensterben auf und setzt sich auch dagegen ein.

Es ist eine Geschichte, die soviel schönes, spannendes und wichtiges vereint: Freundschaft und Liebe, Ohana (Familie), Erwachsen-werden und Selbstfindung, das Verfolgen von Zielen und Träumen, Akzeptanz, Trauer, Vergebung, Apnoetauchen, Umweltschutz. Das Ganze spielt an einem wunderschönen Setting und besticht mit tollen Protagonisten sowie Nebencharakteren. Absolute Leseempfehlung!

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