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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2025

Die Liebe zur Wissenschaft und wozu diese führen kann

Hinters Licht
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Anfang des 20. Jahrhunderts: Ruth Doran ist eine von vielen klugen Frauen, die sich mehr für die Wissenschaft als für den Haushalt interessieren - und sie darf sogar studieren, allerdings nur, bis ihr ...

Anfang des 20. Jahrhunderts: Ruth Doran ist eine von vielen klugen Frauen, die sich mehr für die Wissenschaft als für den Haushalt interessieren - und sie darf sogar studieren, allerdings nur, bis ihr Vater einen Heiratsantrag für sie erhält und sie zwingt Hausfrau und Mutter zu werden. Nach dem Tod ihres Mannes - inzwischen ist der Große Krieg beendet - findet sie eine Stelle bei Thomas Bradford einem Wissenschaftler, der sich mit ihrer Hilfe dem Spiritismus zuwenden will. Ruth verliebt sich in ihre neue Tätigkeit, aber mehr noch in ihren Vorgesetzten: Sie fühlt sich von ihm als Wissenschaftlerin, aber auch als Frau ernst genommen und lebt mehr für die Zeit am Arbeitsplatz als für ihr Familienleben mit den drei Töchtern.

Für mich eine merkwürdige Leseerfahrung: den Stil der Autorin, ihren recht unkonventionellen Umgang mit Zeit und Raum habe ich sehr genossen, inhaltlich jedoch blieb für mich einiges auf der Strecke. Der Weg von der Wissenschaft zum Spiritismus wurde aus meiner Sicht unzureichend dargestellt, die dargestellten Seancen wirkten im Vergleich zur Präsentation inhaltilich eher hölzern und nicht ausreichend recherchiert. Darin war von der Wissenschaft, aus der sich das Interesse von Thomas Bradford, der im Übrigen eine reale Gestalt ist, am Übernatürlichen erst herausbildete, nichts zu spüren. Ich bin auch davon überzeugt, dass Åsa Avdic die Recherchen nicht vernachlässigt hat, eher war mein Eindruck, dass sie mit Aufbau und Darstellung ihr Pulver bereits verschossen hatte - leider, muss man sagen.

Veröffentlicht am 04.03.2025

Frech, unterhaltsam, lehrreich und absolut originell

Wilde Pflanzen essen
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Wer sich ein Bild - bzw. ganz viele Bilder von genießbaren wilden Pflanzen und allem, was sie betrifft, machen will, der vertraut sich am besten Survival Sieglinde an. Die kommt aus Thüringen, ...

Wer sich ein Bild - bzw. ganz viele Bilder von genießbaren wilden Pflanzen und allem, was sie betrifft, machen will, der vertraut sich am besten Survival Sieglinde an. Die kommt aus Thüringen, heißt in Wirklichkeit Christine Rauch und hat zusammen mit Zeichnerin Ernestine Donnersberg eine ganz wundervolle Graphic Novel zu diesem Thema erschaffen.

Es ist quasi ein Aufruf, sich in die Natur zu begeben und dort wilde Pflanzen - ganz überwiegend Kräuter diverser Art zu sammeln und diese in den Ernährungsplan zu integrieren.

Zu jeder liebevoll gezeichneten Pflanze werden mannigfaltige Informationen geliefert, dazu Rezepte und weitere Verwendungstipps.

Es macht einen unglaublichen Spaß, das Buch anzuschauen und zu lesen, die Zeichnungen sind sehr achtungsvoll gefertigt, was die Pflanzen angeht und witzig-frech in allen übrigen Belangen. Ein schönes Buch, das ich jedem Pflanzenfreund und jedem, der dies werden will oder soll (dann als Geschenk) empfehle. Ich bin sicher, dass die wenigsten sich dem Charme dieses Buches entziehen können!

Veröffentlicht am 01.03.2025

Luxusleben und der Traum davon

Ein ungezähmtes Tier
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Sophie und Arpad - ein strahlendes, glamuröses Paar; Greg und Karine - ein deutlich alltäglicheres, blasseres, was ihnen selbst am meisten bewusst ist. Wie hängen diese Protagonisten mit dem Juwelenraub ...

Sophie und Arpad - ein strahlendes, glamuröses Paar; Greg und Karine - ein deutlich alltäglicheres, blasseres, was ihnen selbst am meisten bewusst ist. Wie hängen diese Protagonisten mit dem Juwelenraub zusammen, von dem bereits ganz zu Beginn die Rede ist?

Es dauert eine ganze Weile, bis hier nähere Zusammenhänge zutage kommen, ebenso erfährt man erst spät, wer denn eigentlich das titelgebende ungezähmte Tier ist - ganz sicher ist es nicht der Hund der Nachbarn, mit dem ständig Gassi gegangen wird.

Wie immer bei Dicker finden sich die Puzzlesteine recht zögerlich zusammen, diesmal passt es nicht ganz so messerscharf wie in einigen der vorherigen Romane, sprich: sein bestes ist dies sicher nicht: eine ganze Ansammlung von Unsympathen; die Netteren werden nur kurz umrissen.

Wie so oft geht es um Leidenschaften verschiedener Art, den Drang, gewisse Dinge, teilweise mit gewissen Leuten zu tun, der aus ganz unterschiedlichen Beweggründen resultiert. Ich hatte ein bisschen den Eindruck, es eilte mit dem Abgabetermin, weswegen die Rafinesse, die ich bei Dicker bereits mehrfach kennengelernt habe, etwas zu kurz kam.

Dennoch lohnt die Lektüre, wenn auch mehr zur Unterhaltung mal so zwischendurch - 3,5 Sterne von mir!

Veröffentlicht am 01.03.2025

Die Reichen und ihre Dämonen

Die Fletchers von Long Island
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Familie Fletcher ist unglaublich reich - aber alles andere als glücklich. Es sind vor allem die drei Kinder der Familie - Bernard alias Beamer, Nathan und Jenny - die im Fokus stehen, auch wenn ...

Familie Fletcher ist unglaublich reich - aber alles andere als glücklich. Es sind vor allem die drei Kinder der Familie - Bernard alias Beamer, Nathan und Jenny - die im Fokus stehen, auch wenn der Einstieg mit der Entführung des Vaters Carl beginnt.

Zunächst hat mich die Sprache fasziniert: sie ist witzig, amüsant und auf den Punkt, doch damit ist es schnell vorbei. Nach einem ansprechenden Einstieg verliert sich die Autorin in langatmigen Beschreibungen, die dermaßen ins Detail gehen, dass kein Platz mehr für eigene Gedankengänge bleibt.

Ich fühlte mich mehr und mehr überrollt von dem Buch und seinem Inhalt, wobei die Punkte, die mich wirklich interessiert hätten und mir erlauben würden, eine Verbindung zu der Familie herzustellen, auf der Strecke blieben. Es dauerte eine Weile und eine Menge schwer zu ertragender Beschreibungen bspw. von den Perversionen Beamers, bis ich erkennen konnte, dass eigentlich die soziale Ungerechtigkeit in der US-Gesellschaft ein vordringliches Anliegen der Autorin ist bzw. sein soll.

Ich habe diese Lektüre als richtig harte Arbeit empfunden!

Veröffentlicht am 25.02.2025

Rufmord

Der Einfluss der Fasane
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Hella Karl ist eine erfolgreiche Journalistin - seit Jahren leitet sie das Feuilleton einer großen Berliner Zeitung und kann sich seit Jahren immer noch selbst in die Augen sehen: sie ist stolz darauf, ...

Hella Karl ist eine erfolgreiche Journalistin - seit Jahren leitet sie das Feuilleton einer großen Berliner Zeitung und kann sich seit Jahren immer noch selbst in die Augen sehen: sie ist stolz darauf, sich nie zu verbiegen. Doch nun liest sie eine erschütternde Nachricht: ein ehemaliger Berliner Erfolgsregisseur hat sich das Leben genommen. Den Status des Vergangenen hatte er nicht zuletzt ihr, Hella zu verdanken, die im Zusammenhang mit ihm einen Skandal aufgedeckt hatte und ihn dabei nicht schonte, zumal es gegen die Würde einer Frau, nein: viel mehr als das, ging. Sie sieht sich nun selbst einer Hetzjagd ausgesetzt - in unterschiedlicher Art und Weise. Selbst ihr eigenes Blatt wendet sich gegen sie.
Ich bin erstaunt, wie viel Antje Rávic Strubel auf wenig mehr als 200 Seiten erzählen kann - es ist nicht eine Geschichte, es sind mehrere, die diese ausgesprochen dichte Handlung beinhaltet. Ständig fühlte ich mich hin- und hergerissen, habe mich gefragt, ob Hella Karl durchgehend im Recht ist/war? Oder sind es diejenigen - und es sind nicht wenige - die ihr die Schuld an diesem Ereignis zuweisen. Oder sind es alle zusammen? Ein sehr eindringlicher, bildreicher Roman, an dem ich fast gar nichts auszusetzen hatte. Außer dem vielen Sex, der einfach nicht meins ist - ein Sinnbild für Hahnen- und Hennenkämpfe? Wohl eher für die von Fasanen. Tolle Literatur, spannender als jeder Krimi - Hat Hella Rufmord betrieben oder ist sie selbst ein Opfer?

Ein sprachgewaltiger, intensiver, fordernder und in jeder Hinsicht lohnenswerter Roman.