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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2019

Emma kehrt zurück

Schwarzer See
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Vor fünfzehn Jahren hat Emma Davis im Sommercamp Grauenvolles erlebt: ihre drei Hüttengenossinnen verschwanden eines Nachts und wurden nie wieder gesehen. Verständlich, dass das Camp nach diesem fürchterlichen ...

Vor fünfzehn Jahren hat Emma Davis im Sommercamp Grauenvolles erlebt: ihre drei Hüttengenossinnen verschwanden eines Nachts und wurden nie wieder gesehen. Verständlich, dass das Camp nach diesem fürchterlichen Ereignis schloss - und nicht mehr öffnete - doch jetzt hat die Leiterin Franny, die gleichzeitig die Besitzerin des Grundstücks und Herrenhauses am Lake Midnight ist, beschlossen, es noch einmal zu wagen: und lädt Emma, die mittlerweile als bildende Künstlerin recht erfolgreich ist, ein, den Mädchen im Camp Zeichen- und Malunterricht zu geben.

Sie ist längst nicht die Einzige, die bereits vor fünfzehn Jahren da war - es begegnen ihr so einige alte Bekannte - und zudem auch noch die Geister der Vergangenheit. Die sie - genau genommen - nie richtig losgelassen haben, wie sie nun feststellen muss.

Riley Sager - einem Mann - gelingt es wirklich gut, das Gefühlsleben sowohl des Mädchens als auch der Frau Emma zu darzustellen, er - und ebenso die großartige Übersetzerin Susanne Goga-Klingenberg - treffen stets den richtigen Ton. Das macht die Lektüre aus meiner Sicht authentisch und eindringlich - ein Thriller ist es jedoch nicht. Auch wenn ein paar wirklich spannende Szenen enthalten sind, würde ich dieses aus meiner Sicht durchaus gelungene Werk am ehesten als Spannungsroman bezeichnen. Einige Abläufe wie auch ein Teil der Auflösung kamen mir im Gesamtzusammenhang ein wenig fragwürdig vor, doch insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen und würde auch zu einem weiteren Werk des Autors greifen. Wer eine spannende Urlaubslektüre sucht, für den könnte dies das Richtige sein.

Veröffentlicht am 26.06.2019

Extreme, die kurz vor den Abgrund führen. Mindestens.

All das zu verlieren
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Als erschreckend empfand ich beim Lesen Sehnsüchte, Begierden und Empfindungen der Protagonistin Adéle. Und es geht weiter - all diese erfüllt sie sich: die verheiratete Frau und junge Mutter führt ein ...

Als erschreckend empfand ich beim Lesen Sehnsüchte, Begierden und Empfindungen der Protagonistin Adéle. Und es geht weiter - all diese erfüllt sie sich: die verheiratete Frau und junge Mutter führt ein Leben der Extreme, das sie immer wieder bis kurz vor den Abgrund bringt. Ob sie es irgendwann nicht mehr schafft, vorher anzuhalten? Das verrate ich hier nicht!

Adéle ist Journalistin und führt eine glückliche und erfüllte Ehe mit dem Arzt Richard. Das findet jedenfalls er - Adéle sehnt sich nach leidenschaftlichem, ja gewalttätigen Sex - eine Sehnsucht, die sie sich immer wieder erfüllt. Vorzugsweise mit unbekannten Männern - bei ihrer Auswahl sind Aussehen und Benehmen unwichtig, es geht eher um die Weckung des animalischen Reizes in ihr - und da gehört nicht viel dazu. Finde ich jedenfalls, der solche Bedürfnisse mehr als fernliegen und äußerst befremdlich vorkommen.

Stilistisch dagegen erfüllt die französische Autorin Leila Slimani meine Ansprüche in jeder Hinsicht und dies ist auch der Grund, warum ich das Buch trotz des teilweise für mich abstoßenden Inhalts beendet habe: trotz der Schilderung des oft rohen und animalischen Sexes ist die Wahl der Worte, auch der Symbole und Beschreibungen, empfindsam und ab und an sogar berührend. Gelegentlich hat sie es sogar geschafft, den Ekel, der ob der Wahl von Adéles Gespielen oder der ausführlichen Darstellung der Sexszenen in mir hochkam, zu dämpfen und mich der Handlung wieder näher zu bringen.

Um ehrlich zu sein, bin ich auch alles andere als eine Freundin detaillierter erotischer Schilderungen, das muss auf jeden Fall klargestellt werden, damit Rezipienten mit anderen Erwartungen und Vorlieben hier nicht abgeschreckt werden. Wer es offen, ehrlich und schonungslos in jeder Hinsicht liebt und einen gehobenen literarischen Stil zu schätzen weiß, der könnte mit diesem Roman richtig liegen.

Veröffentlicht am 26.06.2019

Schöne neue Welt

R.I.P.
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Die neue Welt - beziehungsweise die moderne Technik: genauer gesagt das Internet und da vor allem die sozialen Netzwerke, spielen eine wichtige Rolle in diesem Thriller.

Mobbing - das ist ein ...

Die neue Welt - beziehungsweise die moderne Technik: genauer gesagt das Internet und da vor allem die sozialen Netzwerke, spielen eine wichtige Rolle in diesem Thriller.

Mobbing - das ist ein Wort, das seit einigen Jahren oft verwendet wird - nicht selten auch vorschnell. Hier könnte es ein Grund sein für die brutalen Morde an Jugendlichen, deren Aufnahmen über soziale Netzwerke verbreitet werden. Genauso, wie im Vorfeld die Informationen gemeinster und fiesester Art, die diese jungen Leute selbst über einige ihrer Schulkameraden verbreitet haben - natürlich auch über das Netz. Aber gibt es da wirklich einen Zusammenhang? Wenn ja, dann sind sie von Tätern zu Opfern geworden. Von Mobbern, die maßgeblich am Rufmord Gleichaltriger beteiligt waren, zu Mordopfern.

Kann das wirklich der Grund sein? Wie in den beiden Vorgängerfällen "DNA" und "SOG" setzt die isländische Autorin Yrsa Sigurdardottir das mehr oder weniger unfreiwillig zueinander findende Ermittlergespann bestehend aus Psychologin Freya und Kommissar Huldar ein. Beide hatten schon mal eine Begegnung, eine der ganz anderen Art. Die zumindest Huldar ganz gerne wiederholen würde, was aber Freya für eine gar nicht gute Idee hält. Bisher jedenfalls. Aber wie lange noch?

Zumal beide auch noch an ganz anderen Fronten zu kämpfen haben - in beruflicher Hinsicht hat vor allem Huldar mit viel Konkurrenz und Mißgunst zu tun, bei Freya sind es andere Päckchen, die sie zu tragen hat.

Aber lesen Sie selbst, denn es ist wie immer unterhaltsam und originell, dabei äußerst spannend, was die isländische Autorin hier verzapft hat. Allerdings sollten Sie nicht zu zart besaitet sein, denn es ist ganz schön starker Tobak, der hier aufgetischt wird: Jugendliche spielen eine nicht unwesentliche Rolle und auch sie bzw. der Umgang mit ihnen ist ein - wenn nicht sogar DAS Thema - und wird von der Autorin nicht gerade sanft dargestellt.

Also definitiv eher was für Thrillerfans als für Freunde des klassischen Whodunnit. Und für solche, die auf überraschende Wendungen stehen, wobei es diesmal im Gegensatz zu den beiden Vorgängerfällen geradezu erschreckend realitätsnah zugeht. Auch wenn es viele perfide und für mich nahezu unvorstellbare grausame Wendungen und Geschehnisse gibt, könnten sich diese in unserer schönen neuen Technikwelt ohne Weiteres genau so oder ähnlich abspielen.

Aus meiner Sicht ein rundes, absolut gelungenes Buch: ein spannender Fall mit schrägen, gut und eindringlich dargestellten Protagonisten, den ich gern gelesen habe. Mehr noch: ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen! Ich hoffe sehr, dass Freya und Huldar, deren Nicht-Beziehung mal wieder auf die Probe gestellt wird, bald erneut zuschlagen, vielmehr ermitteln, denn ich würde gern mehr von ihnen lesen!

Veröffentlicht am 21.06.2019

Das Wüten der ganzen Welt

Kalter Strand
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Das Wüten der ganzen Welt - zentriert auf einen winzigkleinen Ort an der dänischen Küste - so empfand ich stellenweise während der Lektüre dieses aufwühlenden und ausgesprochen ungewöhnlichen Thrillers.

Kommissar ...

Das Wüten der ganzen Welt - zentriert auf einen winzigkleinen Ort an der dänischen Küste - so empfand ich stellenweise während der Lektüre dieses aufwühlenden und ausgesprochen ungewöhnlichen Thrillers.

Kommissar Tom Skagen von der Sondereinheit Skanpol, zuständig für Fälle im gesamten skandinavischen Raum, wird gemeinsam mit seiner Kollegin Jette angefordert, da das lokale Team beim aktuellen Fall - im Meer wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt - nicht so recht weiter kommt. Was durchaus auch an ihrem Vorgesetzten liegen könnte, der sofort nach Kräften beginnt, auch Tom und Jette das Leben schwer zu machen.

Wie auch der Fall, denn es ist keineswegs einfach, die Identität der Toten festzustellen und weitere Einzelheiten herauszufinden.

Parallel lesen wir von einer Familie in der Feriensiedlung, die auf unglaubliche Art und Weise terrorisiert wird - von jemandem, der sich "Das Auge" nennt.

Ein Thriller, der seinem Genre mehr als gerecht wird, denn er ist nicht nur spannend von der ersten bis zur letzten Seite, sondern konfrontiert seine Leser mit ebenso ungewöhnlichen wie unvorhersehbaren Entwicklungen. Autorin Anne Nordby hat einen mitreißenden und sehr lesenswerten Thriller mit einer ganzen Reihe von Alleinstellungsmerkmalen geschrieben und mit Tom Skagen einen ebenso vielschichtigen und faszinierenden wie auch sympathischen Protagonisten erschaffen, dessen nächster Fall hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt!

Veröffentlicht am 18.06.2019

Machtspiele

Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem. (Golden Cage 1)
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Da ich schon seit Jahren ein großer Fan von Camilla Läckbergs Krimireihe um die Autorin Erica Falk bin, wollte ich mir natürlich ihren ersten Thriller nicht entgehen lassen. Und wurde in der Hinsicht ...

Da ich schon seit Jahren ein großer Fan von Camilla Läckbergs Krimireihe um die Autorin Erica Falk bin, wollte ich mir natürlich ihren ersten Thriller nicht entgehen lassen. Und wurde in der Hinsicht nicht enttäuscht, dass auch hier mich ihr ausgesprochen eloquenter Stil gefanden nahm und ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Weil es sich so ungeheuer süffig las. Auch wenn die Themen - Machtmißbrauch und beziehungsweise durch Sex - nicht unbedingt mein Fall sind.

Aber hier fand der seltene, wenn nicht gar einzigartige Fall statt, dass ich das Buch aufgrund des eingängigen und mir sehr vertrauten Stils der Autorin schnell durchgelesen hatte, wenn mich auch der Inhalt nicht begeistert konnte.

Denn hier geht es um Rache - ein Begriff, der aus meiner Sicht immer gemeinsam mit "Vergebung" genutzt werden sollte, wovon hier aber nichts zu spüren ist.

Es geht um die Ehe von Faye und Jack, die jäh endet - einer der beiden Ehepartner sinnt auf Rache, nachdem er begriffen hat, dass er über Jahre hinweg belogen und betrogen wurde.

Machtspielchen - nicht zuletzt Sex - spielen immer wieder eine zentrale Rolle und haben nichts mit den atmosphärischen und warmherzigen Schilderungen der Autorin gemein, die ich aus der Fjällbacka-Reihe kenne und liebe. Zudem ist der Plot ausgesprochen wenig originell. Wer oft Thriller liest, wird hier nichts Neues entdecken, das war schon bei mir, die ich nur gelegentlich zu einem greife, der Fall.

Ein Buch also, zu dem man greifen kann, aber definitiv nicht muss. Als Lektüre für zwischendurch aufgrund des angenehm zu lesenden Stils ganz nett.