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Veröffentlicht am 28.07.2018

Engländer wollen in einem französischen Dorf Fuß fassen

Monsieur Papon oder ein Dorf steht kopf
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und geraten ins Zentrum des dörflichen Interessenkonflikts.

Lorna und Paul Webster erwerben im kleinen Pyrenäendorf Fogas eine abgewrackte Gaststätte mit angehängtem Hotel und planen dort einen neuen ...

und geraten ins Zentrum des dörflichen Interessenkonflikts.

Lorna und Paul Webster erwerben im kleinen Pyrenäendorf Fogas eine abgewrackte Gaststätte mit angehängtem Hotel und planen dort einen neuen Anfang - optimistisch und gut gelaunt, bis sie ins Kreuzfeuer der Dorfbewohner geraten und vor allem vom Bürgermeister Monsieur Papon, der bei der Neueröffnung der Auberge eigene Interessen verfolgt, angefeindet werden.

So weit, so gut - die Grundlagen für einen weiteren atmosphärischen Roman im dörflichen Frankreich sind gelegt, der Leser freut sich auf ein britisch-französisches Feuerwerk.

Aber... es passiert nichts, oder sagen wir, kaum was, da die Autorin versäumt bzw. nicht fähig ist, den Figuren Leben und Charakter und dem dörflichen Setting die erhoffte Atmosphäre einzuhauchen. Dazu eine unglückliche Wahl des deutschen Titels: Monsieur Papon spielt keineswegs eine so exponierte Rolle, wie man das aufgrund dessen erwarten würde - nein, das Dorf, seine alten und neuen Bewohner insgesamt, prägen diesen Roman. Und damit ist schon ein weiteres Problem benannt: es sind einfach viel zu viele "Mitspieler", die hier herumwuseln, der Leser verliert rasch die Übersicht.

Es ist schade, aber Julia Stagg hat es verpasst, dem literarischen Reigen zum Thema französische Dörfer ein weiteres Kleinod hinzuzufügen und das lässt sich nicht nur ihre Nationalität entschuldigen, haben doch ihre Landsleute Rose Tremain mit ihrem spannungsgeladenen Roman "Ein unausweichlicher Tag" und Martin Walker mit seiner wundervollen Krimireihe über den Dorfpolizisten Bruno Maßstäbe gesetzt, was die Beschreibung des Dorflebens in Frankreich durch Briten anbelangt.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Boah, wat is dat lecker!

Knödel-Blues
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Ich habe alle niederbayerischen Krimis von Rita Falk mit Begeisterung verschlungen, habe mit dem Franz gelitten, wenn der Leopold oder Kollegen ihn genervt haben, ihn verflucht, wenn er die bezaubernde ...

Ich habe alle niederbayerischen Krimis von Rita Falk mit Begeisterung verschlungen, habe mit dem Franz gelitten, wenn der Leopold oder Kollegen ihn genervt haben, ihn verflucht, wenn er die bezaubernde Susi wieder einmal auflaufen ließ... und natürlich Tränen gelacht über die Oma; Sparstrumpf und Kochexpertin der Familie. Und jedesmal, wenn die Familie um den Tisch saß oder der Franz sich auch nur beim Simmerl eine Leberkässemmel geholt hat, ist mir das Wasser im Munde zusammengelaufen, auch wenn die Gerichte für mich als Nichtbayerin häufig böhmische Dörfer waren.

Doch nun hat sich Rita Falk der ausgehungerten Leserschar, ihrer Eberhofer-Fangemeinde, erbarmt und Abhilfe geschaffen - durch ein wundervolles Kochbuch, das nur so strotzt vor vielversprechenden Rezepten und natürlich - wie könnte es bei dieser Autorin anders sein - vor Humor. Viele Rezepte werden von Oma Eberhofers Kommentaren begleitet, auch der Franz, sein Bruder Leopold, sein beatlesverrückter Vater und natürlich die bezaubernde Susi kommen immer mal wieder zu Wort. Nicht zu vergessen das Vorwort, natürlich aus Omas Sicht! Und die Rezepte sind professionell abgefasst und machen so auch den Neulingen den Einstieg in die bayerische Küche leicht möglich.

Aber was das Buch zu einem besonderen Schmankerl macht, sind die optischen Details: von fast jedem Rezept gibt es ein Foto - für mich ein wichtiges Kriterium für ein gutes Kochbuch. Doch das ist noch nicht alles: immer wieder sind Fotos aus der bayerischen Provinz, auch aus dem Alltag eines Polizisten eingebaut, die den Rezipienten dieses Kochbuchs - ich würde ihn nicht als Leser, sondern als sinnlichen Genießer bezeichnen wollen - so richtig in der Welt der Eberhofers schwelgen lassen.

Und so sage ich als Kölnerin aus vollem Herzen: Boah, wat ein leckeres Kochbuch! Und wer das Rheinland kennt, der weiss, dass sich bei uns "lecker" nicht allein auf die kulinarischen Genüsse beschränkt, sondern quasi allumfassend ist und sinnliche Freuden aller Art, also auch optische und "erlesene" einbezieht. Wunderbar für die Fans von Rita Falks Krimis, doch auch Quereinsteiger werden auf ihre Kosten kommen und vielleicht sogar - quasi verkehrtherum - den Weg zu den niederbayerischen Krimis der Autorin finden.

Veröffentlicht am 28.07.2018

EinSCHNITT in ein Kinderleben

Schnitt
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Eine Zäsur in seinem bisherigen Leben erfährt der 11jährige Gabriel durch eine fürchterliche Entdeckung, die er im Keller des elterlichen Hauses macht. Es erfolgt ein nachhaltiger Einschnitt in sein Leben ...

Eine Zäsur in seinem bisherigen Leben erfährt der 11jährige Gabriel durch eine fürchterliche Entdeckung, die er im Keller des elterlichen Hauses macht. Es erfolgt ein nachhaltiger Einschnitt in sein Leben und in seine kindliche Seele, der alles bisher Dagewesene verändert - und das wahrlich nicht zum Vorteil. Seine Eltern werden am selben Abend ermordet - möglicherweise von ihm selbst. Gabriel wird von seinem kleinen Bruder David getrennt, kommt in eine psychatrische Klinik, später dann wird er rausgeholt von Juri, dem Inhaber eines Sicherheitsdienstes, der bis zu seiner Volljährigkeit seine Vormundschaft übernimmt und ihm Arbeit in der Firma verschafft, die er über Jahre ausübt.

Doch was hat Gabriel eigentlich gesehen? Er hat nicht den Hauch einer Erinnerung, auch nicht daran, was mit seinen Eltern geschah. Er wächst zu einem verhärteten Mann heran, erst die Journalistin Liz findet - wenn auch nur langsam - Zugang zu ihm. Sie erwarten ein gemeinsames, zunächst von Gabriel ungewolltes Kind... doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Es finden Entführungen, Verhaftungen und Jagden durch das ganze Land statt.

Ein saftiger Thriller mit allem Drum und Dran? Nun, für mich leider nicht. Die Figuren sind zwar eindringlich, aber doch sehr bemüht gezeichnet. Der Autor hat aus meiner Sicht nicht die sprachliche Ausdruckskraft, die Vorgänge mitreißend zu schildern und flüchtet sich allzu oft in Schilderungen von Brutalität und Gefühlskälte, die - zumindest für mich - auch bei einem Psychothriller nicht in einem solchen Ausmaß vorhanden sein müssen. Überhaupt, zum Thema Psycho - ich finde, die Psyche sowohl der Romanfiguren als auch des Lesers wird in diesem Buch gar schmählich vernachlässigt - plakativ, ja fast roboterhaft agieren die Figuren, reiht sich Ereignis an Ereignis. Für Liebhaber des eher harten Psychothrillers mag es hier Neues geben - für mich war es leider kein Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Lost in Africa

Mission Munroe - Die Touristin
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Eine Touristin, die junge Amerikanerin Emily, die mit 2 Gefährten durch verschiedene afrikanische Länder reiste, verschwindet - und der gramgebeugte Stiefvater beauftragt Vanessa bzw. Michael Munroe, knallharte ...

Eine Touristin, die junge Amerikanerin Emily, die mit 2 Gefährten durch verschiedene afrikanische Länder reiste, verschwindet - und der gramgebeugte Stiefvater beauftragt Vanessa bzw. Michael Munroe, knallharte Frau für alle Fälle, sie zu finden. Inzwischen sind bereits vier Jahre vergangen, die Mutter des Mädchens ist nicht mehr, nur einer der Reisegefährten ist wieder zurückgekehrt, befindet sich seitdem aber in der geschlossenen Psychatrie und ist Munroe keine Hilfe.

Diese reist also nach Afrika - und bei ihren Reisezielen handelt es sich nicht um kuschlige Ressorts, sondern um die knallharte Realität bspw. in Kamerun und Äquatorialafrika, also die brutale Seite Schwarzafrikas - um vor Ort zu ermitteln. Es erweist sich, dass Munroe über beste Ortskenntnisse verfügt, da sie als Missionarstochter selbst eine langjährige afrikanische Vergangenheit hat. Der Leser begegnet Gestalten aus Munroes früherem Leben, wobei vor allem Francisco Beyard nachhaltig in Erscheinung tritt und zu ihrem Begleiter wird, zudem wird ihr vom Auftraggeber ein weiterer Reisegefährte, Miles Bradford, an die Seite gestellt - der offiziell als Beschützer, aus Munroes Sicht als Aufpasser fungiert. Beide erscheinen der passionierten Einzelgängerin als Last, zudem weiss sie nicht, ob sie ihnen vertrauen kann.

Vertrauen, das ist neben Verrat, Rache und körperlichen und seelischen Narben eines der großen Themen, das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Dazu kommt die Bedrohung von vielen Seiten, der Munroe während der Erfüllung ihres Auftrags unentwegt ausgesetzt ist. Vieles ist verwirrend sowohl für Romanfiguren als auch für Leser, einiges ist anders als es zunächst scheint. Spannend ist die Geschichte, wenn auch gelegentlich schwer zu glauben: die erfahrene und extrem professionelle Munroe ist erst 23 und spricht 22 Sprachen - zur Erschließung weiterer Sprachen benötigt sie lediglich eine Woche. Zudem boten sich für Munroe zu Beginn ihrer Ermittlungen viele verschiedene Ansätze dar, nicht alle erwiesen sich als relevant und wurden von daher nicht weiter vefolgt - ich persönlich fand einige davon recht anregend und hätte doch sehr gerne vom weiteren Verlauf bzw. Schicksal der damit verknüpften Figuren erfahren.

Lost in Afrika - das ist im vorliegenden Buch nicht nur die verschollene Emily, nein, auch Munroe, Beyard, Bradford und einige andere sind es - jeder auf seine Weise!

Wer sich von den erwähnten kleinen Unregelmäßigkeiten nicht beeinflussen lässt und den etwas schwerfälligen Anfang übersteht, den erwartet ein spannender, nicht anspruchsloser Thriller in ungewöhnlichem Setting. Harte Zeiten mit intellektuellem Pfiff - Freunde aktionsreicher Erzählkunst kommen hier klar auf ihre Kosten. Für sie mag es perfekte Spannungsliteratur sein, für mich war es dann doch ein bisschen zu hart.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Pragmatisch, praktisch - asiatisch gut!

Asiatisch gut gekocht
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Dieses Kochbuch ist das Richtige für Einsteiger, die sich mit asiatischer Küche beschäftigen wollen, aber auch für Köche/Köchinnen, die mit asiatischer Kochkunst bereits Erfahrungen gesammelt haben, nun ...

Dieses Kochbuch ist das Richtige für Einsteiger, die sich mit asiatischer Küche beschäftigen wollen, aber auch für Köche/Köchinnen, die mit asiatischer Kochkunst bereits Erfahrungen gesammelt haben, nun aber auch mal Rezepte haben wollen, für die man auf einfachem Wege Zutaten beschaffen kann und die für eine breitere Schar von Essern geeignet sind. Hier von Fusion-Kitchen zu sprechen, wäre falsch, doch sind die Rezepte durchaus an den europäischen Markt und den deutschen Gaumen angepasst - Eigenschaften, die ich durchaus zu schätzen weiß. Einführungen werden sowohl im Hinblick auf relevante Bestandteile - sowohl Küchenutensilien als auch Zutaten kulinarischer Art - der asiatischen Küche wie auch auf ihre wichtigsten Zubereitungsarten (Pfannenrühren - Schmoren - Dämpfen - Fritieren) gegeben, dann folgt der Rezeptteil. Hier entspricht die Gliederung eher einem klassischen deutschen Kochbuch: auf kleine Speisen (Suppen, Salate & Snacks) folgen Gemüse, Currys als Spezifikum der asiatischen Küche, Fisch, Fleisch, Nudeln etc. und Desserts.

Kurzum, der Leser kann, was den Gebrauch dieses Kochbuchs angeht, sowohl an alten Gewohnheiten festhalten als auch Neues erkunden. Ein besonderes Schmankerl sind die über das ganze Buch verteilten Exposés zu den kulinarischen Eigenarten von 11 asiatischen Ländern. Dass hier nun gerade die beiden, die ich am besten kenne - Kambodscha und Laos - fehlen, ist ein unglücklicher Zufall, der selbstverständlich bei der Bewertung nicht ins Gewicht fällt.

Auch gefällt die Markierung der Gerichte mit kleinen runden Emblemen, die auf Herkunft und Zubereitungsart der jeweiligen Speise hinweisen. Dazu kommen stimmungsvolle Fotos - allein das in Schwarz-Rot gehaltene Cover mit Wok, Budda und Stäbchen wirkt elegant, stimmungsvoll und vielversprechend und macht Lust auf das Buch. Ich kann nur sagen, es lohnt sich - auch im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich freue mich schon auf die Zubereitung von Gerichten wie Fisch-Sambal, Hosomaki-Sushi und Veggi-Curry, aber auch als Geschenk ist das Buch aus meiner Sicht ist es sehr gut geeignet - solo oder zusammen mit ein paar grundlegenden kulinarischen Zutaten für einen asiatischen Abend: ich werde mir diese Idee für die nächste Hochzeit, auf der ich eingeladen bin und das Brautpaar keine Geschenkeliste vorbereitet hat, vormerken.