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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2025

Auenland (fast) vor der eigenen Haustür

Deutschland für »Herr der Ringe« Fans
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Fans der "Herr der Ringe" Bücher haben sich bestimmt schon mal ins Auenland geträumt. Oder wollten so kuschelig wie die Hobbits wohnen. Wer hätte gedacht, dass man in der Pfalz fast schon im Auenland ist. ...

Fans der "Herr der Ringe" Bücher haben sich bestimmt schon mal ins Auenland geträumt. Oder wollten so kuschelig wie die Hobbits wohnen. Wer hätte gedacht, dass man in der Pfalz fast schon im Auenland ist. Und Beutelsend nahe Halberstadt liegt. Die gruseligen Totensümpfe dagegen mitten in Baden Württemberg! Und wer Mordor meiden will, der sollte auch nicht unbedingt in die Jüterboger Heide begeben. Oder vielleicht gerade deswegen? Denn dort wird man sicher nicht von so schaurigen Gestalten erwartet wie in Tolkiens Universum.

Hier kommen Tolkien-Fans voll und ganz auf ihre Kosten! Denn das Mittelerde-Erlebnis entpuppt sich als richtiggehender Reiseführer mit einer ganzen Menge von Links, Hinweisen, aber auch Anregungen zu weiteren, ähnlichen Erlebnissen.

Ich kann nur sagen: sehr gelungen! Die Fotos sind ein wahrer Traum und wenn auch die Berichte zu jedem Reiseziel nur 2-3 Seiten lang sind, geben sie nicht nur Impulse, sondern handfeste Informationen - und sei es nur in der Form eines Links. Häufig ist es aber deutlich mehr. Das Buch beinhaltet sogar ein paar unbekanntere Infos zum HdR-Universum und vor allem einen Nachhaltigkeits-Kodex! Ich empfehle es wärmstens allen reisefreudigen Fans der grandiosen Trilogie!

Veröffentlicht am 10.11.2025

Wie eine Feuerbrunst

Der brennende Garten
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Erzählt wird aus der Sicht der jungen Tamilin Sashi, die wohlbehütet in einer Familie mit vier älteren Brüdern aufwächst und kurz davor steht, ihr Studium der Medizin aufzunehmen: sie möchte ...

Erzählt wird aus der Sicht der jungen Tamilin Sashi, die wohlbehütet in einer Familie mit vier älteren Brüdern aufwächst und kurz davor steht, ihr Studium der Medizin aufzunehmen: sie möchte Ärztin werden und zieht dafür zu ihrer Großmutter, um sich mit Begeisterung in ein neues, akademisches Leben zu stürzen.

Das jedoch wird jäh unterbrochen durch den Beginn des Bürgerkrieges und sie muss miterleben, wie in der Nachbarschaft, ja gar in der eigenen Familie, die Interessen aufeinander prallen - mit häufig tödlichem Ende zumindest für eine Seite. An ein Studium ist bald für niemanden in Sri Lanka auch nur zu denken.

Als angehende Ärztin steht Sashi zwischen den Seiten, sie ist sich bald schon im Klaren darüber, was sie selbst für richtig hält, doch auch die anderen, in deren Reihen viele ihrer Freunde, Bekannten, ja, sogar ihre Brüder stehen, benötigen ihren medizinischen Beistand. Und sie folgt der Ethik der Mediziner, dass man wirklich jeden behandeln sollte und sieht daher deutlich mehr, als eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, sehen sollte. Sie bekommt durch ihre frühere Professorin eine Möglichkeit, ihren Drang nach Gerechtigkeit zu stillen, nämlich durch die Dokumetation des Grauens, der sich in ihrer Heimat vollzieht.

Ein Roman, der schmerzhaft und quälend ist - ich brauchte einige Wochen, um ihn abzuschließen, nicht, weil er mir nicht zusagte, sondern weil er mich in meinem Innersten traf. Ich hatte streckenweise das Gefühl, selbst im Krieg zu sein!

Ein starkes Buch, das nichts für schwache Nerven ist. Dennoch empfehle ich den Roman von ganzem Herzen - er zeigt klar und deutlich, was Krieg eigentlich bedeutet und was er jeden einzelnen Menschen im Einzugsbereich kostet. Trotz meines langsamen Lesens fegte er wie eine Feuerbrunst durch meine Sinne und durch meinen Geist, ich denke nicht, dass ich ihn je vergessen werde. Das hat er auch nicht verdient!

Veröffentlicht am 09.11.2025

Fiktiver Einblick in das Leben einer sehr besonderen Frau

Prinzessin Alice
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Aus meiner Sicht ist Prinzessin Alice von Battenberg, spätere Königin von Griechenland, eine außerordentlich interessante historische Figur - leider eine ausgesprochen tragische! Und zwar bereits von Geburt ...

Aus meiner Sicht ist Prinzessin Alice von Battenberg, spätere Königin von Griechenland, eine außerordentlich interessante historische Figur - leider eine ausgesprochen tragische! Und zwar bereits von Geburt an, kam sie doch bereits gehörlos zur Welt.

Quasi als Ausgleich wurde ihr (aus damaliger Sicht) ungeheure Schönheit geschenkt, aufgrund derer sie viele Männer begehrten und ebenso viele Frauen beneideten.

Was aber wahrscheinlich für die meisten Leser am interessantesten ist: sie war die Mutter von Prinz Philipp, dem langjährigen Ehemann der britischen Queen Elizabeth.

Für mich persönlich jedoch ist deutlich bemerkenswerter, dass sie in in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt wird, da es ihr während des Zweiten Weltkriegs gelang, einige Juden in ihrer damaligen recht ärmlichen Bleibe in Athen zu verstecken und damit zu retten, was allerdings Jahre nach dem hier geschilderten Lebensabschnitt von Alice geschah.

Dieser faszinierenden Person, einer Mutter von fünf Kindern, deren Mann, der griechische Prinz Andreas, sie bereits vor der Volljährigkeit der jüngsten Kinder verlies, widmet Autorin Irene Dische nun ihren neuen Roman.

Hier wird Alice, die viele Jahre lang als wunderlich oder gar schizophren galt, als leidende, gleichwohl den meisten Menschen geistig weit überlegene Person dargestellt, die nach der Abkehr ihres Gatten mittellos mit den Kindern klarkommen muss und einen ganz eigenen Weg geht. Einen, der einigen ihrer Kinder durchaus peinlich ist. Wir begleiten Alice in eine Klinik und auch wieder dort hinaus, treffen sie in Paris zunächst als mittellose Mutter, dann als von den meisten, auch von ihren Töchtern verstoßene Person, die auf die Unterstützung zweier Schwägerinnen, Mary und Edwina angewiesen ist, mit denen sie es auch nicht gerade leicht hat.

Ich glaube, wenn ich nicht schon vor Jahren eine umfangreiche Biographie über Alice gelesen hätte, wäre ich hier vollkommen verloren, wobei ich nicht weiß, ob das besser oder schlechter wäre. Denn so war ich der mehrfachen eleganten Volten der Autorin gegenüber doch sehr misstrauisch und habe überlegt, ob das nun Fiktion ist oder einen wahren Kern hat.

Ein Roman, der keine leichte Kost ist, aber durchaus lesenswert für Rezipient:innen, die auch mal gerne fiktive Werke über reale Persönlichkeiten lesen!

Veröffentlicht am 08.11.2025

Überraschende Impulse

Die 1-Minuten-Strategie gegen mentale Erschöpfung
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Ich habe sehr darauf gehofft, dass hier nicht der "übliche Mist" wiederholt wird und erfreulicherweise ist es so!

Kleine Petitessen wie weise Worte eines asiatischen Meisters, praktische Tipps für den ...

Ich habe sehr darauf gehofft, dass hier nicht der "übliche Mist" wiederholt wird und erfreulicherweise ist es so!

Kleine Petitessen wie weise Worte eines asiatischen Meisters, praktische Tipps für den Alltag oder Listen aus verschiedenen Bereichen der Selbsterkenntnis (diese brauche ich nicht unbedingt) wechseln einander ab. Mir gefallen die immer wieder eingebauten kleinen Übungen, die tatsächlich nicht länger als eine Minute dauern müssen (aber durchaus können) - kleine Erfrischungen oder auch Entspannungen immer dann, wenn es nötig ist - das sind aus meiner Sicht richtiggehende kleine Geschenke - und zwar welche für meinen Geist!

Ich kann längst nicht alles brauchen, picke mir aber so einiges raus und genau so ist es auch gut für mich. Als bereichernd empfinde ich auch die originellen Fotos, die sowohl witzig als auch zutreffend sind!

Veröffentlicht am 06.11.2025

Erschreckend - traurig -tief berührend

Da, wo ich dich sehen kann
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Es ist nicht so, dass man den neuen Roman der Autorin Jasmin Schreiber nicht als solchen erkennen könnte - an ihrer Art zu schreiben, an bestimmten, von ihr bevorzugten Themen, z.B. den Naturwissenschaften. ...

Es ist nicht so, dass man den neuen Roman der Autorin Jasmin Schreiber nicht als solchen erkennen könnte - an ihrer Art zu schreiben, an bestimmten, von ihr bevorzugten Themen, z.B. den Naturwissenschaften. Auch hier ist sie vertreten mit dem Fach Astrophysik, aber es ist eher ein marginaler Aspekt des Romans.

Liv, eine der Protagonistinnen des Romans, ist nämlich Astrophysikerin, wenngleich sie bereits seit einigen Jahren nicht mehr in der Forschung, sondern als Lehrerin tätig ist. Sie trauert wie einige andere auch um Emma, ihre beste Freundin und nicht nur das: Emma war auch Mutter, Tochter und Ehefrau und es war ihr Ehemann, der sie sterben ließ: ja, er hat sie ermordet.

Ganz schön schwere Kost also, aber ich konnte das Buch dennoch nicht aus der Hand legen, denn aus meiner Sicht stimmt bei diesem Roman eigentlich alles. Die Autorin behandelt ihr Thema mit großer Achtung, begegnet ihm dennoch mit schriftstellerischer Leichtigkeit: in meinen Augen eine große Kunst. Denn vor allem wahrt sie die Würde der Trauernden, aus deren Sicht die Handlung angelegt ist.

Denn es ist ein Buch über das "Danach". Der Leser begleitet die Menschen um Emma, diejenigen, die nun ohne sie leben müssen - egal wie es ihnen dabei geht. Und das tut sie mit dem nötigen Abstand und der erforderlichen Nähe. Ein grandioser Roman über ein furchtbares Thema: er wird sicher nicht das Richtige für Jeden und Jede sein, aber für mich war er das: ein ausgesprochener Gewinn

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