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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2021

Einfach wonnig

Wein muss rein!
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anders kann ich dieses wundervolle Buch nicht bezeichnen. Liebe geht durch den Magen, vor allem aber durch die Zeichnungen von Peter Gaymann, deren riesiger Fan ich bereits seit Jahrzehnten bin und die ...

anders kann ich dieses wundervolle Buch nicht bezeichnen. Liebe geht durch den Magen, vor allem aber durch die Zeichnungen von Peter Gaymann, deren riesiger Fan ich bereits seit Jahrzehnten bin und die vor allem anderen den Charme dieses "Kochbuchs plus" ausmachen.

Ich mag auch sehr gerne die einfachen, gleichwohl üppigen Rezepte von Léa Linster, die mit der herkömmlichen, oft - zumindest in Bezug auf die alles andere als reichhaltigen Portionen - minimalistischen Nouvelle Cuisine so gar nichts zu tun haben. Sie kommen eher aus der traditionellen luxemburgischen Küche und werden kreativ abgewandelt - in diesem Falle mit Alkoholischem.

Bei der Durchsicht des Kochbuchs habe ich immer wieder gestoppt und mir das eine oder andere Rezept zum baldigen Nachkochen herausgefiltert. Hähnchen in Wein, Moules frites auf Léas ganz besondere Art - und dann gibt es noch eine ganze Reihe ganz außergewöhnlicher und kreativer Nachspeisen, wobei ich hier ganz besonders auf die Apfeltarte mit ganz viel Calvados schiele.

Doch Léa wäre nicht Léa, wenn es nicht auch einen ganz ausführlichen Teil zu den Grundlagen wie Brühe, Saucen etc. gäbe - mit Rezepten, versteht sich. Und Gaymann wäre natürlich nicht Gaymann, wenn er nicht seinen ganz besonderen Humor voll ausleben würde, den ich - ich oute mich jetzt mal - alle zwei Wochen in seiner gezeichneten Brigitte-Kolumne "Die Paar Probleme" genieße. Neben "menschlichen" Cartoons gibt es hier auch welche mit Flaschen! Als begnadeten Hühnerzeichner kennen wir Gaymann ja bereits, nun hat er sich in das Flaschen-Métier eingearbeitet und wie!

Sie sehen, ich komme gar nicht heraus aus dem Schwärmen und habe definitiv ein neues Lieblingsbuch. Zu empfehlen nicht nur für Schluckspechte - aber achten Sie trotz überbordender Begeisterung auf die unvermeidliche Altersbegrenzung - mein eigenes Patenkind, das ich gerne verwöhne, ist erfreulicherweise bereits Student und kann an allen meinen gekochten Schandtaten aus diesem Buch partizipieren!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Der Vegan-Papst in Bella Italia

Vegan Italian Style
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Wer in Deutschland zumindest den Begriff "vegan" gehört hat, kennt meist auch Attila Hildmann, den medienwirksamen Koch und Kochbuchautor, der untrennbar mit der veganen Küche verbunden ist und - man mag ...

Wer in Deutschland zumindest den Begriff "vegan" gehört hat, kennt meist auch Attila Hildmann, den medienwirksamen Koch und Kochbuchautor, der untrennbar mit der veganen Küche verbunden ist und - man mag von ihm denken, was man will - mehr als maßgeblich dazu beigetragen hat, diese in Deutschland bekannt und vor allem auch interessant zu machen.

Ich selbst bin keine Veganerin, nicht einmal Vegetarierin, ernähre mich jedoch hauptsächlich fleisch- und fischlos. Zu viel Eier und Milchprodukte tun Haut und vielen anderen Regionen des Körpers nicht unbedingt gut, daher lag es auf der Hand, sich auch mit der veganen Küche auseinanderzusetzen. Da ich selbst und auch andere Familienmitglieder die italienische Küche lieben, lag es auf der Hand, Hildmanns neuestes Werk "Vegan Italian Style" unter die Lupe zu nehmen.

Zunächst eine Einführung, selbstverständlich mit einer, nein, einer ganzen Reihe von Botschaften, ganz wie es sich für einen Papst ziemt. Und - ganz nach der Facon von Jamie Oliver - einer Reihe von Bildern des Kochs selbst, allerdings diesmal im Kreise seiner italienischen "Familie". Erfreulicherweise ändert sich das im Rezeptteil - was keineswegs in jedem Hildmann-Buch der Fall ist - wo dann jedes Rezept von einem schönen Foto begleitet wird, das Lust aufs Kochen und Essen macht.

Die italienischen Rezepte, besonders die Pizzen und die Pastagerichte, wirken einladend und köstlich und sind bereits mehrfach von mir nachgekocht worden - alle mit durchschlagendem Erfolg. Auch die - allerdings nicht so zahlreich wie erhofft vorhandenen - Salate sind köstlich. Was allerdings vollkommen fehlt, sind Suppen und das hat mich dann doch ziemlich schockiert, sind sie doch gerade in der Herbst- und Winterzeit das A und O unserer heimischen Alltagsküche - und ich kenne sie durchaus zahlreich aus anderen italienischen Kochbüchern wie auch aus italienischen Restaurants. Auch die "Secondi" sind aus meiner Sicht nicht richtig repräsentativ und enthalten zudem auch Gnocchi und Risotti, die beide m.E. auch - wie Pasta - als Zwischengang gereicht werden. Mit Blick auf den ersten Teil wie auch auf einige der Desserts ist dies aber durchaus ein Kochbuch, das viele "nützliche" Gerichte enthält, die ich langfristig in unseren Speiseplan eingliedern werde, da sie unaufwändig und bekömmlich sind und zudem gut schmecken!

Doch eines stört mich wirklich und irgendwie passt es wirklich gut zu den vielen Hildmann-Fotos: Hier ist nicht die Rede von Bioläden bzw. Biosupermärkten, nein, es sind Biodealer, der Leser wird durchgehend geduzt, alles schmeckt super und man ist auch nicht hungrig, sondern wird vom Hunger gepackt.... nein, ich mag es definitiv lieber, wenn es sprachlich einerseits nicht ganz so lässig, andererseits nicht so aufgesetzt zugeht. Ich gebe offen zu, dass Attila Hildmann mich ein kleines bisschen nervt. Das macht es mir anstrengend, mich länger auf dieses Buch einzulassen - gottseidank ist es diesmal nicht ganz so präsent wie in einigen anderen Hildman

Veröffentlicht am 17.09.2021

Ein Krimi der ruhigen Art

Totenrausch
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Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Nein, dies ist ein auf reduzierte Art überaus rasanter Krimi, auf den sich einzulassen ...

Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Nein, dies ist ein auf reduzierte Art überaus rasanter Krimi, auf den sich einzulassen lohnt.

Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits in den Vorgängerbänden "Totenfrau" und "Totenhaus"- ist auf der Flucht: jede Menge Leichen haften ihr an. Diesmal führt ihr Weg über den Umweg in den hohen Norden geradewegs nach Hamburg - und Blum wäre nicht Blum, wenn sie nicht schnurrstracks auf der Reeperbahn und im Rotlichtmilieu landen würde - und das mit ihren beiden Töchtern im Schlepptau!

Dass sie bald nicht mehr Blum, sondern Marie Müller heißt und dem brutalen Zuhälter Schiele auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist - das müssen Sie nicht verstehen. Jetzt noch nicht - erst, wenn Sie der Geschichte von Brünhilde Blum/ Marie Müller literarisch gefolgt sind.

Weitere Figuren tauchen auf - sie alle als schräg zu bezeichnen, ist - gelinde gesagt - eine Untertreibung sondergleichen! Und die Handlung wird blutig und hart - auch wenn es viel um innere Entwicklungen geht, sind es große Themen, die hier angesprochen werden: es stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wer man selber ist - vom gesamten Umfeld gar nicht zu Reden. Blum jedenfalls bereitet sowohl sich als auch anderen jede Menge Schwierigkeiten - wobei nur der kleinere - durchaus nicht geringe Teil - hausgemacht ist.

Ein ruhiger, aber heftiger Thriller und damit eine ausgesprochen ungewöhnliche, umso wirkungsvollere Kombination. Teilweise sind die Entwicklungen dennoch ein wenig langsam. Das bezieht sich aber ausschließlich auf den Schreibstil, wenn man sich vergegenwärtigt, was da so los ist, geht es eindeutig Knall auf Fall.

Ein Buch für anspruchsvolle Thrillerfreunde, die wollen, dass es kracht und dass blut fließt und die nicht zu empfindlich sind. Im Gegensatz zum Vorgänger "Totenhaus", der meinen Geschmack nur teilweise getroffen, bin ich diesmal so ziemlich auf meine Kosten gekommen. Und empfehle die Geschichte mit Brünhilde/Marie, die mit diesem Band vollendet bzw. abgerundet wird, von ganzem Herzen!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Geschüttelt, nicht gerührt

Shaking Salad Low Carb
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Von tochteralice
werden hier alle vorgeschlagenen Salate - Snacks, die man sich für die Mittagspause mit ins Büro nehmen soll. Unkomplizierte Mahlzeiten, die zudem nach dem "Low carb" Prinzip zusammengestellt ...

Von tochteralice
werden hier alle vorgeschlagenen Salate - Snacks, die man sich für die Mittagspause mit ins Büro nehmen soll. Unkomplizierte Mahlzeiten, die zudem nach dem "Low carb" Prinzip zusammengestellt sind, also wenig Kohlenhydrate beinhalten. Dadurch soll der Esser beim Abnehmen unterstützt werden, aber sich auch sonst wohlfühlen. Es werden dem Körper besonders wertvolle Nährstoffe zugeführt, die sich auf alle Funktionen aus, also auch auf den Geist, auswirken. Ein neuer Mensch soll da geboren werden, so scheint es!

Kann das sein? Einfach die Ernährung umstellen und mir nix, dir nix ein anderer Mensch werden? Hatten wir doch schon, bspw. bei Weight Watchers, der Brigitte Diät und anderen Methoden. Immer noch bin ich entsprechend misstrauisch, kann diesem Salate-System, das die Autorin so begeistert vorstellt, noch nicht so recht vertrauen. Wobei das Buch definitiv keinen ganzheitlichen Ernährungsansatz propagiert, sondern eine bzw. einige Komponenten davon.

Die zubereiteten Mahlzeiten locken zugegebenermaßen, sind ausgesprochen köstlich - aber auch ausgesprochen komplex. So gibt es zum Beispiel Sojapfannkuchen mit Avocado, Erbsen mit roten Zwiebeln und Würstchen, Mandelmehlkuchen mit Zitronenthymian. Alles im Glas, im Stile von Salaten. Für mich sowohl in der Zubereitung wie auch als Mittagssnack viel zu üppig und zudem an einem normalen Werktag, an dem ich meist schon vor fünf Uhr aufstehe, um zur Arbeit zu eilen, nicht zu realisieren. Also, wenn ich damit beginnen würde, käme ich zu nichts anderem mehr. Und dann stelle ich mich mit meinem Lieblingskollegen, der ebenfalls die Kantine meidet, in der Mittagspause vor:
Er: "Hmmm, lecker Salami-Käsebrot. Ich habe es mir angetoastet und ein paar Coctailtomaten dazu, das ist schon was Feines."

Ich: "Pöh, komm mir bloss nicht damit, hier siehst Du ein Glas mit Jacobsmuscheln mit Himbeeren und Macadamianüssen, für danach Pecannusscrumble mit Meerettichcreme und Erdbeeren. Und morgen gibt es Schweinebauch mit Asiasalat. Aber ich kann heute nicht länger bleiben und mit Dir die Anträge durchsehen, sonst schaffe ich es mit der Zubereitung nicht."

Nein, das ist alles ganz schön weit weg von meiner (Küchen)Welt!

Mein Fazit: ein Kochbuch voller gut verträglicher Köstlichkeiten, die in vielen Fällen von verlockenden Fotos begleitet werden Aber die Zubereitung im Alltag erscheint mir völlig unrealistisch. Leider. Deswegen werde ich wahrscheinlich auch nie erfahren, ob ich durch den Genuss dieser oft üppigen Mahlzeiten tatsächlich mein Wohlfühlgewicht (von dem ich derzeit noch um Einiges entfernt bin) erlangen werde!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Einst zog der Angstmann durch die Lande

Der Angstmann
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oder vielmehr durch Sachsen. Aber wer war er wirklich, dieser Mann (?), der junge Frauen mordete - was war ihre Gemeinsamkeit?

Der Krimi spielt im Dresden der letzten Kriegsmonate, bzw. nimmt er genau ...

oder vielmehr durch Sachsen. Aber wer war er wirklich, dieser Mann (?), der junge Frauen mordete - was war ihre Gemeinsamkeit?

Der Krimi spielt im Dresden der letzten Kriegsmonate, bzw. nimmt er genau dort seinen Anfang! Wir lernen Kommissar Max Heller kennen, einen wahrhaft aufrechten Deutschen und zwar im besten Sinne des Wortes: eben keinen Nazi, sondern einen, der versucht auch in den letzten Kriegsmonaten noch (mit)menschlich zu sein, gerade auch als Polizist. Ja, auch das gab es: Ein Mann aus dem Leben, aus dem Volk, der um seine Söhne bangte, die im Krieg waren, verschollen verweißwo, wenn überhaupt noch am Leben, der um seine Essensrationen kämpfte, alte Nachbarn und Freunde nicht aufgab, auch wenn sie Juden oder erwiesene Regimegegner waren und dennoch irgendwie durchkam - gerade so, versteht sich.

Während, aber auch nach der Kriegszeiten war es in Dresden so, wie wohl in den meisten deutschen Städten: viele, ja die allermeisten, hatten Dreck am Stecken und sie waren eher selten auf der falschen Seite - nein, es waren diejenigen, die irgendwie immer durchkamen.

Gerade dies ist der Hauptverdienst des Autors Frank Goldammer: die Schilderung des historischen Teils, die wahrhaft meisterlich recherchiert und mit Leben gefüllt wurde. Die kriminalistische Handlung hingegen verdient immer mal wieder Abzüge in der Logik, in den Zusammenhängen und Übergängen - hier ist noch ordentlich Luft nach oben. Dennoch würde ich nur zu gerne wieder mit Max Heller, einem wahrhaft eigenwilligen Typen, ermitteln!