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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2021

Gott weist den Weg

Dein Licht durchbricht die Dunkelheit
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Wir begegnen hier Wren, der Hauptfigur aus Sharon Garlough Browns Roman "Spuren Deines Lichts", die sich weiterhin auf dem Weg der Besserung von ihrer schweren psychischen Krankheit befindet. Sie erlitt ...

Wir begegnen hier Wren, der Hauptfigur aus Sharon Garlough Browns Roman "Spuren Deines Lichts", die sich weiterhin auf dem Weg der Besserung von ihrer schweren psychischen Krankheit befindet. Sie erlitt einen Rückfall, da ihr bester Freund freiwillig aus dem Leben schied.

Wren befindet sich nach wie vor bei ihrer Tante Kit, einer Pastorin, die sich viel Zeit für sie nimmt. Denn auch Wren ist tief gläubig und ihre Tante hilft ihr, über den Glauben Heilung zu finden.

In diesem kurzen, doch eindringlichen Band geht es um den Kreuzweg Jesu, den Kit jedes Jahr an Ostern mit ihrer Gemeinde nachgeht. Diesmal bereitet sie die einzelnen Stationen gemeinsam mit Wren, einer begabten Malerin vor, die für jede der acht Positionen ein Bild anfertigt. Noch ist Wren voller Zweifel, doch die Gespräche über Glauben und Kunst, vor allem über den von Wren hochgeschätzten Vincent van Gogh, helfen ihr weiter.

Auch ein Gedenkgottesdienst für ihren Freund bringt Kraft und neue Impulse, wenn auch leider aufgrund von äußeren Entwicklungen nicht nur positive.

Doch auch Kit hat schwierige Zeiten durchlebt - dadurch, dass sie diese mit Wren teilt, heilt sie sich auch selber.

Anhand des Miteinanders der beiden Frauen ist der Autorin Sharon Garlough Brown eine tiefe und innige Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens und Gott - wenn nicht sowieso beides Ein und dasselbe ist - gelungen.

Mein Fazit: eine stimmungsvolle, dabei tiefgreifende religiöse Erzählung, auf die man sich ganz und gar einlassen muss.

Veröffentlicht am 19.02.2021

Meine erste Bekanntschaft mit Rabbi Klein

Der böse Trieb
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2021
Dieser Band, mittlerweile der sechste um den Zürcher Rabbi, war mein erster, somit ist meine Bekanntschaft mit ihm auch sehr frisch. Rabbi Klein ist ein ungewöhnlicher Typ, der zuhört. Und der einen ...

2021
Dieser Band, mittlerweile der sechste um den Zürcher Rabbi, war mein erster, somit ist meine Bekanntschaft mit ihm auch sehr frisch. Rabbi Klein ist ein ungewöhnlicher Typ, der zuhört. Und der einen ganz speziellen Blick auf seine Mitmenschen richtet.

Hier geht es um einen jüdischen Zahnarzt, nämlich Viktor Ehrenreich, der schon seit einigen Jahren immer wieder, einemal im Jahr, zu einem vertraulichen Gespräch zu ihm kommt. Nun ist er in seinem eigenen Haus ermordet aufgefunden worden. Seine Witwe Sonja ist sich sicher, dass der Schuldige der Sohn eines Patienten war, dem er eine Wiedergutmachung verweigert hat. Doch auch sie selbst hatte nicht das beste Verhältnis zu ihrem Mann, da er sein Leben nicht ihrem schon an Fanatismus grenzenden Kinderwunsch nicht unterordnen wollte. Oder gibt es hier andere Möglichkeiten.

Ich habe mich mit diesem Buch - das in wunderschöner Aufmachung im Kampa Verlag erschienen ist - etwas schwer getan. Diese ganze jüdische Gemeinschaft, sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland, wurde aus meiner Sicht eher schwerfällig vermittelt. Und ich habe schon etliche Bücher zu dem Thema gelesen, wo das kein Problem war. Auch wenn Rabbi Klein ohne Frage eine charismatische Gestalt ist - er lenkt nicht genug ab vom Bild der Frauen in diesem Roman, das aus meiner Sicht nicht gerade zeitgemäß ist. Diese sind - außer einer Forscherin, die aber nicht sehr weiblich wirkt - ausgesprochen abhängig von ihren Männern. Ein weiteres Problem hatte ich mit den zahlreichen jiddischen Begriffen, von denen einige übersetzt waren, andere wieder nicht. Und das waren keineswegs Wörter bzw. Redewendungen, die in aller Munde sind.

Schade, dass ich dadurch der spannenden Geschichte nicht so gebannt folgen konnte wie von mir angestrebt!

Veröffentlicht am 19.02.2021

Ganz normal!

Die Einwilligung
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Als ganz normal empfanden das Umfeld der erst 13jährigen V., wie sich Vanessa Springora in ihrem bitteren Tatsachenbericht selbst nennt, ihre Beziehung mit dem fast 30 Jahre älteren G.M., der volle Name ...

Als ganz normal empfanden das Umfeld der erst 13jährigen V., wie sich Vanessa Springora in ihrem bitteren Tatsachenbericht selbst nennt, ihre Beziehung mit dem fast 30 Jahre älteren G.M., der volle Name ist schnell gegoogelt. Ihre eigene Mutter erlaubte ihr, in den jungen Jahren mit dem Mann zusammenzuleben, obwohl sie sich doch denken konnte, was dort stattfand. Und nicht nur sie, es wurden von den berühmtesten der Berühmten der französischen Kulturszene Petitionen unterschrieben, die derartige Verbindungen befürworteten.

Und G.M. schrieb völlig offen darüber, jahrelang! Und obwohl man inzwischen in Frankreich etwas anders auf die Dinge blickt, ist er bis heute nicht strafrechtlich verurteilt worden. Und in den 70er und 80er Jahren wurde er zu diversen Fernsehshows eingeladen, in denen seine "Neigung" durchaus wohlwollend diskutiert wurde.

Kein Wunder, dass V. ihre Beziehung - man konnte sie durchaus als eine feste bezeichnen - jahrelang selbst als vollkommen normal empfand, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Rolle sie selbst darin einnahm: definitiv keine gleichberechtigte, zumal G.M. durchaus noch was nebenher am Laufen hatte.

Das er sie ihrer Jugend beraubte, das ist ihr erst Jahre später klar geworden. Wobei das nur eine seiner Untaten war. Sie berichtet fast lakonisch darüber, wenn es auch gelegentlich aus ihr herausbricht. Ich konnte stellenweise kaum weiterlesen, fühlte mich ebenso ohnmächtig wie dankbar, dass meine Eltern das alles gottseidank schon damal ganz anders gesehen haben. Schwere und wichtige Kost - und alles andere als normal!

Veröffentlicht am 16.02.2021

Ein kleiner Mann mit Halbglatze und Brille

Auf Wiedersehen, Kinder!
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Das war Ernst Papanek, Sozialst und Pädagoge, mehr noch aber Freund und vor allem Fürsprecher der Kinder und zwar ALLER Kinder. Ein Mann, der mit den wichtigsten aller Welt verkehrte, dem über einen gewissen ...

Das war Ernst Papanek, Sozialst und Pädagoge, mehr noch aber Freund und vor allem Fürsprecher der Kinder und zwar ALLER Kinder. Ein Mann, der mit den wichtigsten aller Welt verkehrte, dem über einen gewissen Zeitraum eine ganze Menge Leute von Weltruhm zuhörten und dem dennoch nichts wichtiger war als das Wohl von Kindern. Vor allem von solchen, die aus unterschiedlichen Gründen in Not geraten sind. Er kümmerte sich in Österreich um Kinder aus bedürftigen Familien und in den Vereinigten Staaten um juvenile delinquents. Am meisten jedoch setzte er sich - und sein Leben und dazu das seiner gesamten Familie - für die ein, die eigentlich am Ende angelangt waren. Im Jahr 1939 schuf er vier Kinderheime in der Nähe von Paris für jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich. Solche, deren Todesurteil eigentlich schon gefällt war und die ohne seine Hilfe und die seiner Mitstreiter gar nicht mehr aus ihrem jeweiligen Heimatland herausgekommen waren. Und die von ihren Eltern ausgeschickt worden waren, damit wenigstens sie überleben.

Also Kinder, die schwer traumatisiert waren, die in ihren jungen Jahren schon ungeheuer viel erlitten hatten. Ernst Papanek wollte viel mehr, als einfach nur ihr Leben retten. Er wollte sie - soweit möglich - heilen, ihnen helfen, ihr Leben wieder als lebenswert zu empfinden.

Und das hat er geschafft, für alle diese unterschiedlichen Kinder, denen er im Laufe seines Lebens so begegnete - zunächst noch vollkommen ohne pädagogische Ausbildung. Aber das hinderte ihn an überhaupt nichts, denn er war der geborene Pädagoge. Und ein Traumtänzer, dem allerdings - halten Sie sich fest - so mancher dieser Tänze auch gelang. Sozusagen ein Nurejew der Pädagogik. Einer, der viel angegriffen wurde, den man zu stoppen versuchte - und dem niemand nicht einmal annähernd das Wasser reichen konnte.

Wie ich dazu komme, ein derartiges Loblied auf Ernst Papanek, nein: Doktor und dann auch noch Professor Ernst Papanek, den viel zu wenig Leute kennen, zu singen?

Nun, ich möchte Sie dazu verführen, ihn ebenfalls kennen- und schätzen zu lernen: "To know, know, know him - is to love, love, love him" um mit seinen späteren Landsleuten, den Amerikanern zu sprechen.

Aber: und jetzt halten Sie sich fest - diese liegt in deutscher Sprache vor - verfasst - nein: erschaffen von der wunderbaren Historikerin Lilly Maier. Sie schreibt nicht über die von ihr ausgewählten Personen, sie streichelt sie mit ihren Worten. Denn sie widmet sich denen, über die es noch viel zu wenig zu lesen gibt - und ihre Recherchen sind unglaublich. Das Buch steckt voller Wissen, Fotos, weiterführender Ideen und ist spannender als jeder Roman!

Ich empfehle jedem, der einen wirklich guten und wertvollen Menschen auf die eindringlichste Art, die man sich vorstellen kann, kennenlernen möchte, diese wundervolle Lektüre. Sie werden sehen, Ernst Papanek war ein Mensch mit Ecken und Kanten, ein richtiger Typ, aber er war in jeder Lebenslage ein MENSCH, was man längst nicht von allen Menschen behaupten kann.

Ernst Papanek: das ist gelebter Sozialismus mit Herz, vor allem zum Wohle von Kindern! Der Wiener Historikerin Lilly Maier ist eine mehr als lesenswerte Biographie gelungen!

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Veröffentlicht am 15.02.2021

Kriegskinder im Osten wie im Westen

Lebenssekunden
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Angelika aus Kassel und Christine aus Ost-Berlin haben eines gemeinsam: beide sind sie im Sommer 1940 geboren, ziemlich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs also. Ihre bewusste Kindheit und die Jugend ...

Angelika aus Kassel und Christine aus Ost-Berlin haben eines gemeinsam: beide sind sie im Sommer 1940 geboren, ziemlich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs also. Ihre bewusste Kindheit und die Jugend sind von den Nachkriegsjahren geprägt.

Angelika wächst in einer sehr liberalen Künstlerfamilie auf - mit der Schule hat sie es nicht so, als sie allerdings hinausgeworfen wird, weiß sie zunächst nicht weiter. Doch langsam, aber sicher reift in ihr der Entschluss, ihr großes Interesse Fotografieren zum Beruf zu machen. Als Mädchen ohne Schulabschluss eine Lehrstelle finden? Geht das? Während Angelika sich noch zu finden versucht, geschieht in ihrem nächsten Umfeld ein traumatisches Ereignis, das ihre ganze Familie berührt.

Christine in Ostberlin hingegen lebt ein extrem strukturiertes Leben: schon von klein auf. Sie ist Kunstturnerin und in ihrem Leben gibt es nur Schule und Sport. Und sehr, sehr viel Druck. Nur mit allergrößter Disziplin sind verlockende Ziele wie Sportfeste in Westdeutschland oder vielleicht sogar die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu erreichen. Und dann lernt sie bei einer dieser Gelegenheiten Thomas aus Stuttgart kennen und lieben. Beziehungsweise nur lieben, denn es ist den beiden jungen Leuten nicht möglich, sich näher kennen zu lernen. Werden sie dennoch zueinander finden?

Ein Roman, der eine Sogwirkung auf mich hatte, der entlang relevanter historischer Ereignisse ab 1956 aufgebaut ist und der mich wirklich faszinierte. Zu großen Teilen jedenfalls. Ich fand es jedoch schade, dass manchmal nicht klar wurde, was von den Ereignissen Realität, was Fiktion war - mir hätte ein entsprechendes Nachwort hier sehr geholfen. Der Ausbildung nach bin ich Historikerin und möchte das daher immer genau nachverfolgen, gerade wenn die Handlung mich so fasziniert.

Autorin Katharina Fuchs schreibt wirklich eindringlich und mitreißend, ein bisschen merkwürdig finde ich allerdings, dass die bisherigen Romane alle nach dem Schema aufgebaut sind, dass es zwei Hauptfiguren gibt, deren Schicksale sich dann irgendwann kreuzen. Obwohl mir dieses Buch sehr gefallen hat, fände ich es angenehm, wenn dieser Aufbau sich nicht weiterhin in Romanen der Autorin quasi als eine Art Automatismus wiederholen würde.