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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2026

Hier ist wenig, wie es scheint

Die Tote von Nazaré
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Maren Berger, Hauptkommissarin aus Köln, ist vor wenigen Monaten bei einem Banküberfall durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden. Nach wie vor leidet sie an Erinnerungslücken, die vor allem die Ermittlungen ...

Maren Berger, Hauptkommissarin aus Köln, ist vor wenigen Monaten bei einem Banküberfall durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden. Nach wie vor leidet sie an Erinnerungslücken, die vor allem die Ermittlungen kurz vor dem Überfall betreffen. Sie beschließt, kurzerhand in den portugiesischen Küstenort Nazaré zu fahren um sich dort zu erholen. Kaum dort angekommen, "stolpert" sie dort schon über die erste Tote, die sie vorher schon kurz gesehen hatte. Als die örtliche Polizei eintrifft, ist die Leiche weg und die portugiesischen Kollegen glauben ihr nicht. Nur Inspetor Ferreira, der einige Jahre in Deutschland gelebt hat, glaubt ihr.

Als wenig später ein deutscher Polizist ermordet wird und sich herausstellt, dass es eine Verbindung zu Maren gibt, gerät sie in den Fokus nicht nur in die Ermittlungen der portugiesischen Ermittler sondern auch ein deutscher Kollege reist an. Es scheint, dass dieser sich auf Maren als Täterin einschießt.

Meine Meinung:

Miguel Silva, der Name ist das Pseudonym eines deutschen Autors, ist mit diesem Krimi ein fesselnder Reihen-Auftakt gelungen. Die Handlung ist in Nazarè, einem Ort an der Küste, der für seine spektakulären Wellen bekannt ist.

Der Krimi ist sehr gut zu lesen. Der Spannungsbogen hoch gehalten. Die Charaktere haben Ecken und Kanten. Besonders Maren, die neben den Folgen der Schussverletzung weitere persönliche Probleme mit sich herumschleppt, ist gut gezeichnet (im wahrsten Sinn des Wortes). Es bleibt zu hoffen, dass sie sich von ihrem aktuellen Lebenspartner trennt. Mit Inspetor Ferreira hat der Autor eine weitere Hauptfigur geschaffen, die stimmig in diese Geschichte passt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem interessanten Krimi, der mich sehr gut unterhalten hat, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Regt zum Nachdenken an

Ererbte Wunden erkennen
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Regt zum Nachdenken an
Die Therapeutin Katharina Drexler lädt uns in ihrem zweiten Buch ein, auf unsere Traumata zu schauen, ob sich da vielleicht eine ererbte Wunde verbirgt.


Diese Traumaforschung ...

Regt zum Nachdenken an
Die Therapeutin Katharina Drexler lädt uns in ihrem zweiten Buch ein, auf unsere Traumata zu schauen, ob sich da vielleicht eine ererbte Wunde verbirgt.


Diese Traumaforschung ist eine noch recht junge Disziplin und wurde für die Generation Kriegsenkel bzw. Kriegskinder entwickelt. Sabine Bode hat dazu mehrere Bücher geschrieben.


In diesem Buch lernen wir Techniken kennen, die uns erkennen lässt, ob wir die eine oder andere „unversorgte“ seelische Wunde eines Eltern- oder Großelternteils mit uns herumtragen. Manchmal bekommen Kinder bzw. Enkel, ohne dass sie es wissen, die Leiden aufgebürdet.


Neben der Erklärung zur Methodik erhalten wir Einblick in so manche Fallgeschichte.


Fazit:


Sehr spannend, ich werde wohl das andere Buch der Autorin „Ererbte Wunden heilen. Therapie der transgenerationalen Traumatisierung“ besorgen und lesen. 5 Sterne

Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine Leseempfehlung!

Anbandelt
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In ihrem 6. Gartenkrimi rund um Hilda und Vera Horwath finden wir uns plötzlich Ereignissen aus den 1970er-Jahren gegenüber, die einen Einblick in das Leben einer Kommune gewährt. Doch der Reihe nach!

Zunächst ...

In ihrem 6. Gartenkrimi rund um Hilda und Vera Horwath finden wir uns plötzlich Ereignissen aus den 1970er-Jahren gegenüber, die einen Einblick in das Leben einer Kommune gewährt. Doch der Reihe nach!

Zunächst wollen die Mitglieder des Gartenklubs eigentlich nur den spektakulären Wüstengarten des Ehepaares Wurglitsch besichtigen, als sie über den leblosen Körper von Uwe Rohbeuschel stolpern. Eigentlich müsste er tot sein, doch Rohbeuschel erwacht im Leichensack. In seiner Empörung erzählt er von Weinberghexen, die ihn attackiert hätten. Nun ja, mit knapp 5 Promille sieht einer weiße Mäuse und ein anderer eben Weinberghexen. Sofort beginnt der Klub zu recherchieren

Nahezu gleichzeitig zettelt Hilda eine Protestaktion gegen die Schließung des örtlichen Supermarkts an, rammt dabei einen dabei einen Gegner solcher Aufstände, Ludwig, der ihr wenig später aus vollem Herzen dafür dankt, bekommt er doch wegen dieses „Attentates“ sofort eine künstliche Hüfte, statt Monate darauf zu warten. Doch Ludwig hat noch andere Sorgen. Seine Schwester wollte ihn hier im Südburgenland treffen und ist bislang nicht aufgetaucht. Mit Hilfe von Vera und der Kriminalbeamtin Marlies Murlasits gelingt es, (auf nicht immer ganz legalen Wegen) eine Spur zu der Vermissten zu finden, deren Mietwagen seit längerem auf dem Parkplatz vor dem Lokal des örtlichen Gin-Produzenten, dem Dunkel Tom, den auch Vera besser kennt, als ihr gut tut, geparkt ist. Die einzige Spur zu Ludwigs Schwester sind zahlreiche SMS, die Drohungen gegen das Ehepaar Wurglitsch ausstoßen und tief in die Vergangenheit zu einer Sekte in die 1970er-Jahre führt.

Meine Meinung:

Was für ein kolossales Durcheinander! Keine Angst, Schritt für Schritt wird alles penibel aufgelöst. Die Gemeinschaftsarbeit Kriminalpolizei, Journalistin Vera sowie Hilda und die Gartenfreundinnen, die von nun an durch Felix Csar, Tierarzt im benachbarten Buchenschachen, verstärkt werden, führt uns tief in die Vergangenheit einer Kommune, die an jene von Otto Mühl und seinen Friedrichshof angelehnt ist, wie Autorin Martina Parker im Nachwort erzählt.

Auch Oma Hildes Protestaktion zur Rettung des Nahversorgers hat ein reales Vorbild. Als im August 2023 ein Supermarktkonzern ausgerechnet jene Filiale, die in rund 750 Schritt Entfernung zum Oberwarter Pensionistenheim liegt, schließen will, machen die Pensionisten mobil. Unterstützung erhalten die wehrhaften Rentner vom Oberwarter Bürgermeister Georg Rosner, den ich ganz gut kenne.

Wie immer bevölkern zahlreiche skurrile Charaktere den Krimi. Zu den bekannten Originalen kommt mit Chefinspektor Marvin Pauser, der den, auf Reha weilenden Vorgesetzen von Marlies, Franz Grandits, vertritt, ein besonders fieses Exemplar an Frauenhass und Eigenbrötelei, ans Tageslicht. Das Gute ist, seine Tage sind gezählt, aber bis dahin hat Marlies einiges an blöden Machosprüchen auszuhalten.

Wie schon in den fünf Vorgängern gibt es zu Beginn jedes Kapitels eine interessante Information zu Flora oder Fauna. Ebenso dürfen einzelne Einheimische im südburgenländischen Dialekt sprechen, eine Übersetzung wird natürlich angeboten.

Wie es mit Hilda und Ludwig weitergeht, erfahren wir hoffentlich bald in einem 7. Band.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der beste Krimi-Unterhaltung ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Galavakis letzter Fall?

Undurchsichtiges Kreta
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In diesem 8. und vermutlich, wie die Autorin andeutet, letzten Krimi für Kommissar Hyeronimos Galavakis kommt es für den als schrullig verschrieenen Ermittler knüppeldick. Zum einem liegt seine Yaya, also ...

In diesem 8. und vermutlich, wie die Autorin andeutet, letzten Krimi für Kommissar Hyeronimos Galavakis kommt es für den als schrullig verschrieenen Ermittler knüppeldick. Zum einem liegt seine Yaya, also Großmutter, knapp vor ihrem 100. Geburtstag im Sterben und zum anderen erreicht ihn, kaum dass der Mordfall gelöst ist, eine weitere Hiobsbotschaft. Grund genug für Nikola Vertidi, den Ermittler in ein Sabbatical zu schicken. Doch von Beginn an!

Die Ägäis und damit die Insel Kreta werden häufig von Erdbeben unterschiedlicher Stärke heimgesucht. Das wäre nun nichts Besonderes, doch diesmal wird in einem eingestürzten Haus im verlassenen Bergdorf Kalami die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der ist allerdings nicht durch das Erdbeben ums Leben gekommen, sondern ist nicht nur kaltblütig erschossen. sondern zuvor auch gefoltert worden. Als sich ein Zusammenhang mit dem verlassenen Ort Kalami ergibt, denkt man an einen Racheakt. Denn die Familie des Toten ist mit der Geschichte Kalamis unrühmlich verbunden: Vor vielen Jahren hat man die gesamte Bevölkerung zwangsenteignet und abgesiedelt, um ein dort ein Stauseeprojekt zu verwirklichen, für dass viel Fördergeld aus der EU geflossen ist. Wie häufig in Griechenland, ist aus dem Stausee-Projekt nichts geworden und die Geldmittel in dunklen Kanälen versickert.

Galavakis sieht sich in einen undurchsichtigen und emotionalen Fall voller Intrigen und politischer Verwicklungen verstrickt. Kann er die losen Fäden verknüpfen, obwohl er auch privat extrem gefordert ist?

Meine Meinung:

Autorin Nikola Vertidi spricht in ihren Kreta-Krimi immer wieder die mafiösen Strukturen in Griechenland an, in denen sich einige wenige Familien schamlos auf Kosten der EU und/oder der armen Bevölkerung bereichern. Diesmal erwähnt sich nicht nur das Bauprojekt Stausee in Kalami sondern den Betrug mit Schafherden, die nur auf dem Papier weiden und für die dennoch Fördergelder der EU kassiert werden. Die Chuzpe, mit der hier kassiert wird, ist schier unerträglich.

Obwohl Galavakis durch den nahen Tod seiner Großmutter emotional schwer angeschlagen ist, ermittelt er wie gewohnt, unterstützt von Penelope Demostaki, der Gerichtsmedizinerin sowie seinem Mitarbeiter Zacharis Zentakis.
Das unerwartete Auftauchen einer früheren Freundin, die schon als Stalkerin unangenehm aufgefallen ist, bringt Galavakis Gemütszustand in zusätzliche Troubles.

Berührend ist der Brief seiner Yaya, die Hyeronimus erhält. Grundsätzlich ist dieser Band ein würdiger, wenn auch trauriger Abschluss der Reihe. Allerdings hätte dieser Brief genug Potenzial und vielleicht auch Sprengkraft, die Reihe fortzusetzen. Aber, schauen wir einmal, ob und wie es nach dem Sabbatical weitergeht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem emotionalen Krimi 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine Leseempfehlung!

Der letzte Sommer der Tauben
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Eine Parabel auf das Beschneiden der Freiheit
Dieser Roman, in dem der 14-jährige Noah vom letzten Sommer seiner Tauben erzählt, kann als Parabel für die Menschen im Irak ab dem Jahr 2006 gelten. Nach ...

Eine Parabel auf das Beschneiden der Freiheit
Dieser Roman, in dem der 14-jährige Noah vom letzten Sommer seiner Tauben erzählt, kann als Parabel für die Menschen im Irak ab dem Jahr 2006 gelten. Nach der Machtübernahme des Islamischen Staates und der Ausrufung des Kalifates werden die Freiheiten der Menschen ebenso beschnitten wie dies die Taubenzüchter mit den Schwungfedern ihrer Tauben tun.

Die Familie von Noah ist gleich mehrfach betroffen: Der Vater, ein Textilhändler darf nur mehr Kleidung verkaufen, die den strengen Vorschriften der Sittenwächter entspricht, Mutter und Schwester dürfen nur in männlicher Begleitung das Haus verlassen und haben sich zu verhüllen und Noahs älterer Bruder ist längst zum neuen Regime gewechselt. Nachdem sein Schwager Polizist der gestürzten Regierung war, sitzt er in einem Umerziehungslager, weshalb seine schwangere Frau wieder bei ihrer Familie eingezogen ist. Und dann ist da noch Noahs Onkel Ali, ein ehemaliger Kaffeehausbesitzer, der nun zur Untätigkeit verdammt scheint und sich ausschließlich seinen Tauben und Noah widmet.

Längst sind Mobiltelefone, Fernsehgeräte, Bücher abseits des Korans, Tabak, Musik, Tanz und Lachen verboten. Dann geraten Onkel Ali und Noah ins Visier der Machthaber. Man hat entdeckt, dass mit Hilfe der (Brief)Tauben eifrig kommuniziert wird. Wenig später wird auch das Tauben züchten verboten, Onkel Ali verschwindet und Noah von der Polizei abgeholt ...

Meine Meinung:

Wie immer bei einem Regimewechsel fragen sich die Leute später, wieso man nichts bemerkt hat, wieso niemand Widerstand geleistet hat. Einige Figuren, wie Onkel Ali, Noah und dessen Schulfreund Mohammed versuchen sich aufzulehnen und wandeln dabei zwischen Angst und dem Willen zu Widerstand. Freunde, Bekannte und Schulkollegen verschwinden und je mehr Vorschriften das Leben der Menschen einengen, desto bedrückender wird die Stimmung. Man versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, denn jeder, der auffällt, ist in Gefahr.

Das Buch beschreibt den letzten Sommer Noahs mit seinen Tauben sehr eindrücklich und berührend. Den Wert von Freiheit und Demokratie lernt man erst dann zu schätzen, wenn man beides verliert. Wir müssen daher unbedingt darauf achten, nicht auf die politischen Rattenfänger, die uns das Paradies versprechen und die Hölle liefern, hereinzufallen.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Parabel der zurecht gestutzten Bevölkerung, 5 Sterne.