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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

Hat mich nicht überzeugt

Die Familie sehen und sterben
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Dieser Krimi, der im Tessin angesiedelt ist, und Auftakt einer Reihe ist, hat mich nicht ganz überzeugt. Warum?
Das Leben von Capitano Enzo Rossi sowie seiner Schwester, die ein Restaurant führt, das nur ...

Dieser Krimi, der im Tessin angesiedelt ist, und Auftakt einer Reihe ist, hat mich nicht ganz überzeugt. Warum?
Das Leben von Capitano Enzo Rossi sowie seiner Schwester, die ein Restaurant führt, das nur so recht und schlecht geht, plätschert so vor sich hin, während der gemeinsame Bruder Fabrizio ein Leben in Saus und Braus führt, eine gelangweilte Ehefrau und Privatjet inklusive.

Als dann zwei Leichen, weit voneinander entfernt entdeckt werden, scheint ein wenig Action in den behäbigen Alltag von Enzo Rossi einzudringen, was ihm auch nicht ganz so recht ist, schielt doch seine ehrgeizige Kollegin Gemma Crivelli auf seine Position und versucht die Ermittlungen an sich zu reißen.

Es dauert eine geraume Zeit, bis Rossi bemerkt, dass seine Familie in die beiden Verbrechen verwickelt sein könnte.
Soll oder muss er diese Ermittlungen wegen Befangenheit abgeben?

Meine Meinung:

Die Abwandlung des Sinnspruches „Neapel sehen und dann sterben“ zu „Die Familie sehen und sterben“ hat mich auf diesen Krimi aufmerksam gemacht. Doch leider bin ich mit diesem Ermittler nicht wirklich warm geworden. Enzo Rossi macht auf mich den Eindruck eines desillusionierten Ermittlers, der die letzten beiden Jahre bis zur Pensionierung nur mehr absitzen will.

Ja, es mag schon sein, dass über diverse Verstrickungen der Familie nicht gesprochen wird und dass, das eine oder andere Geheimnis nicht aufgedeckt werden soll. Letztlich steht La Famiglia vor einer Zerreißprobe.

Auch das offene Ende hat mich diesmal gestört. Für mich persönlich wirkt es als eine etwas aufdringliche Aufforderung, das nächste Buch zu kaufen.

Fazit:

Dieser Reihenauftakt hat meiner Meinung noch ein wenig Luft nach oben, weshalb es nur 2 Sterne gibt.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Nicht ganz so cosy

Gärten, Gift und kalte Rache
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Auch im fiktiven Oberdistelbrunn ist der Frühling ausgebrochen und zahlreiche Ortsbewohnerinnen (weniger die Bewohner) bewaffnen sich unter dem wachsamen Augen des Umweltreferenten mit Spaten und Schaufel, ...

Auch im fiktiven Oberdistelbrunn ist der Frühling ausgebrochen und zahlreiche Ortsbewohnerinnen (weniger die Bewohner) bewaffnen sich unter dem wachsamen Augen des Umweltreferenten mit Spaten und Schaufel, um ihren Ort zu verschönern. Man will ja den sanften Tourismus ankurbeln und dazu zählt auch das Summen von Insekten. Maßnahmen zur Biodiversiät sind also gefragt. Doch das eifrige Werkeln wird jäh unterbrochen, als wenige Tage nach dem Auffinden eines Hundeskeletts mehrere Dorfbewohner vergiftet werden. Bewohner - männlich, wohlgemerkt und jeder hat ein Zettelchen mit einem Sinnspruch einstecken.

„Ich mag Giftmorde,“ gestand der Umweltreferent, „Der Tod durch toxische Pflanzen ist so poetisch.“ (S. 129)

Die Polizei, also Dorfpolizist Kapplhuber sowie Kommissar Hartmann tappen im Dunkeln.

Daher starten Berta und Pauline ihre Ermittlungen, sehr zum Missfallen von Kommissar Hartmann, der inzwischen zum Hauptkommissar ernannt worden ist. Denn das ganze Dorf und seine Bewohner bzw. seine Bewohnerinnen sind ihm verhasst, was im übrigen auf Gegenseitigkeit beruht.

„Was kümmert mich das Insektensterben!“ fuhr der Kommissar ihn an. „Hier beißen haufenweise Menschen ins Gras. Vier Tote in zehn Tagen! Bei dem Tempo ist bis zum Winter dieses ganze verdammte Kaff ausgestorben.“ Und dabei sah er nicht aus, als würde er dies bedauern.“ (S. 278)

Meine Meinung:

In ihrem dritten Krimi rund um die Hobby-Ermittlerinnen Berta und Pauline tauchen wir wieder in die Abgründe von Oberdistelbrunn ein. Durch den Fund des Hundeskeletts kommt ein Ereignis aus der Vergangenheit ans Tageslicht, das Machenschaften, an denen zahlreiche, scheinbar honorige Bürger beteiligt gewesen sind und nun die Rechnung dafür bezahlen müssen.

Der Krimi wird als Cosy-Krimi beschrieben, was vermutlich der Beschreibung der teilweise skurrilen Persönlichkeiten, damit ist vor allem HK Hartmann gemeint, zu verdanken ist. Denn eigentlich ist das Buch die Geschichte einer eiskalten Rache. Ich habe recht bald einen Verdacht, der sich dann auch bestätigt hat, gehabt.

Diesmal ist mir das ehelichen Geplänkel zwischen Pauline und ihrem Mann ein bisschen zu viel gewesen. Aber, das ist vermutlich Ansichtssache.

Wie wir es von Autorin Klaudia Blasl gewöhnt sind, gibt es in die Handlung eingebaute Gartentipps und im Anhang die Beschreibung von Giftpflanzen. Von deren Anwendung wird jedoch dringend abgeraten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 3. Krimi rund um die Hobby-Ermittlerinnen Berta und Pauline 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine Leseempfehlung

Die Roma
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Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem ...

Madeline Potter stammt aus einer rumänischen Roma-Familie und verwebt in diesem Buch die Suche nach ihren Wurzeln und ihre eigene Biografie mit der Geschichte der Roma verschiedener Länder.

»Auf jedem Schritt meiner Reise bin ich den kraftvollen Geschichten derjenigen begegnet, die sich ihrer Ausgrenzung widersetzten und deren Leben uns bis heute inspirieren.«

Während ihrer Recherchen zu ihrer Herkunftsfamilie, die sie in zahlreiche Archive quer über den Erdball führen, begegnet sie den Aufzeichnungen zahlreicher historischer Persönlichkeiten: Musiker Django Reinhardt (1910-1953), der beim Brand in seinem Wohnwagen schwerste Brandverletzungen erlitten hat und trotzdem weiterhin virtuos Gitarre spielt, dem deutschen Meister im Halbschwergewicht Johann Rukeli Trollmann (1907-1943), dem die Nazis seinen Titel aberkannt und 1943 in einem Nebenlager des KZ Neuengamme ermordet haben oder Carmen Amaya (gest. 1963), eine spanische Romni, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts als beste Flamencotänzerin der Welt bekannt war, und die österreichische Schriftstellerin Ceija Stojka (1933-2013) vor.

Sehr interessant zu lesen ist, wodurch sich die verschiedenen Sinti- und Roma-Familien unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten, außer ihrer Verfolgung durch die Jahrhunderte, sie noch haben: Nämlich ihre Stärke und Ausdauer, ihre Fähigkeit zum Widerstand und zum Überleben mit der sie dem tief verwurzelten Hass, der ihnen auf der ganzen Welt entgegen schlägt, zu trotzen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem hoch interessanten Buch über die Geschichte der Roma und Sinti 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Die Apotheke der Hoffnung
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Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. ...

Dieser historische Roman spielt im Krakau des Jahres 1941. Schon wenige Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen Anfang September 1939 wurde die jüdische Bevölkerung verfolgt und deangsaliert. Ab November 1939 mussten sie den Judenstern tragen und im März 1941 begannen Enteignung und Umsiedlung der Juden nach Podgórze, dem südlichen Stadtteil von Krakau. Das Ghetto von Krakau bestand bis Mitte März 1943. Kurz vor der Schließung wurden arbeitsfähige Menschen in das KZ Plaszow verlegt, die anderen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Die junge Witwe Zosia Lewandowska muss ansehen, wie ihre jüdischen zunächst enteignet und wenig später in das neu entstandene Ghetto eingewiesen werden. Als sie einen Weg sucht, den verzweifelten Menschen zu helfen, bietet sich die Chance in Form einer Anstellung in der Apotheke von Tadeusz Pankiewicz an, die als einzige Apotheke im Ghetto verblieben ist. In dieser Apotheke erhalten die Ghettobewohner nicht nur die wenigen Medikamente sondern auch anderes. Die Apotheke wird zur Drehscheibe von Informationen, gefälschten Dokumenten und Menschlichkeit. Doch die Möglichkeiten zu helfen werden immer geringer, denn das NS-Regime weitet Macht und Terror weiter aus.

Der Apotheker und seine Angestellten sind in höchster Gefahr, denn Juden zu helfen, ist verboten und wird mit Lagerhaft oder Todesstrafe geahndet. Trotzdem machen sie weiter. Und Zosia erhält Unterstützung von ungewohnter Seite.

Für einige wenige erfüllt sich die Hoffnung auf Flucht und Leben, für die meisten bleibt nur die Deportation und der Tod.

Meine Meinung:

Das Krakauer Ghetto ist vermutlich nicht ganz so bekannt, wie jenes in Warschau, das durch seinen Aufstand Geschichte geschrieben hat, aber um nichts weniger grausam. Wenig bekannt ist vermutlich auch, dass Filmregisseur Roman Polanski aus dem Krakauer Ghetto entkommen ist.

Die Autorin hat rund um die reale Person Tadeusz Pankiewicz (1908-1993), der 1983 von Israel mit dem Ehrentitel „ Gerechter unter den Völker“ ausgezeichnet worden ist, sowie den drei Mitarbeiterinnen einen fesselnd und einfühlsam erzählten Roman geschrieben. Allerdings lässt Amanda Barratt auch zahlreiche reale NS-Größen wie Lagerleiter Amon Göth, der besonders grausam agiert hat, oder Wilhelm Kunde auftreten.

Die Geschichte wir aus mehreren Perspektiven erzählt, so dass wir einen Einblick in das Grauen, das die verfolgten Juden erleiden mussten, erhalten können. Besonders beeindruckend ist der Perspektivenwechsel zwischen der Polin Zosia und der Jüdin Hania. Durch die Erzählung in der Ich-Form erhält der Roman eine eindrückliche Note.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten fußt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Liebesreigen statt Verbrecherjagd

Reigen in Triest
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Wer sich angesichts des Titels an Arthur Schnitzlers „Reigen“ erinnert fühlt, liegt hier richtig. Anders als in den fünf Vorgängern tritt in diesem 6. Band aus der Reihe rund um den Inspector Bruno Zabini ...

Wer sich angesichts des Titels an Arthur Schnitzlers „Reigen“ erinnert fühlt, liegt hier richtig. Anders als in den fünf Vorgängern tritt in diesem 6. Band aus der Reihe rund um den Inspector Bruno Zabini das Verbrechen zunächst in den Hintergrund und die erotischen Lustbarkeiten dreier Paare dominieren die Handlung. Anders als in Schnitzlers Novelle, sind die Paare mit ihren erotischen Eskapaden einverstanden inklusive dem einen oder anderen Partnertausch.

Während sich die drei Paare, Luisa von Callenhoff und Bruno Zabini, Fedora und Sergio sowie Carolina und Arthur, vergnügen, schleichen dunkle Gestalten, die Böses im Sinn haben rund um die herrschaftliche Villa herum. Erst durch den Showdown am Ende bekommt der Roman etwas Krimihaftes.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist anders als die Triest-Krimis, die wir von Günter Neuwirth kennen. Damit tanzt dieser historische Roman buchstäblich aus der Reihe und stellt ein Sittenbild der gelangweilten Oberschicht der Donaumonarchie dar, die nur mehr wenige Jahre existieren wird.

Wie aus den Vorgängern bekannt, ist Inspector Bruno Zabini ein begehrter Junggeselle in Triest, der, bevor er sich endgültig für Luisa von Callenhoff entschieden hat, parallel zu ihr, ein Gspusi mit Fedora hatte.

Diese Wendung, die eine Ähnlichkeit mit Arthur Schnitzlers Novelle aufweist, wird nicht allen Fans von Bruno Zabini gefallen. Ein wenig fehlt mir auch die Darstellung der politischen Szene, die den Polizisten Zabini immer wieder gefordert haben. Diesmal ist seine Standfestigkeit auf andere Weise gefragt. Dieser Teil der Reihe kann problemlos solo gelesen werden, denn die Hauptpersonen werden sehr gut eingeführt.

Fazit:

Mich hat dieser historische Roman, der sich auf Amors Pfade begibt, ein wenig überrascht, weshalb ich 4 Sterne vergebe.