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Veröffentlicht am 11.09.2021

Die Gedanken sind frei

Berlin Monster - Nachts sind alle Mörder grau
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In dem Roman „Berlin Monster“ von Kim Rabe geht es um Sagengestalten. Nein, dies ist kein Fantasy-Roman, zumindest nicht direkt. Es ist eher ein Fantasy-Krimi. Denn besagte Sagengestalten sind in die reale ...

In dem Roman „Berlin Monster“ von Kim Rabe geht es um Sagengestalten. Nein, dies ist kein Fantasy-Roman, zumindest nicht direkt. Es ist eher ein Fantasy-Krimi. Denn besagte Sagengestalten sind in die reale Welt gekommen. Durch eine Omega-Bombe wurden die erdachten Figuren der Menschheit ins Leben katapultiert und leben seither unter den Menschen, haben normale Jobs, müssen Rechnungen bezahlen…und werden ermordet.
An dieser Stelle kommt Privatdetektivin Lucy Wayne ins Spiel. Sie selbst ist an dem selben Tag geboren worden, an dem die Bombe hochging und die Sagengestalten (auch „Superstitions“, kurz „Stifs“) auftauchten.
Lucy erhält den Auftrag nach einer vermissten Freundin einer spanischen Sagengestalt zu suchen. Doch dieser Fall scheint ebenfalls mit den „Werwolf-Morden“ zu tun zu haben, die momentan durch die Presse gehen. Sagengestalten werden ermordet, bei jeder Leiche fehlt das Herz. Dabei gibt es schon lange keine Werwölfe mehr. Wer steckt hinter den Morden und was hat das alles mit der vermissten Lia zu tun?! Mit der Unterstützung von Freunden und ehemaligen Arbeitskollegen der Polizei kommt Lucy der Wahrheit immer näher.

Dieses Buch hat mich sehr schnell für sich begeistern können. Ich liebe Fantasy und ein spannender Krimi oder Thriller muss auch immer mal wieder sein. Hier wurde beides miteinander kombiniert. Die Idee, dass durch eine hohe Omega-Strahlung und durch unsere Gedanken die Figuren, die wir uns seit Anbeginn der Menschheit vorstellen, auf einmal in der realen Welt landen, ist ein wirklich genialer Einfall von Kim Rabe! Hierzu kam in dem Buch auch eine Zeile aus einem sehr bekannten Volkslied vor: „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten. […] Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen, es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei.“ (S. 252). An dieser Stelle habe ich direkt Gänsehaut bekommen. Es fasst die Situation sehr gut zusammen. Denn in dieser Welt sind die Stifs die neue Minderheit, die mit Diskriminierung, Benachteiligung und Hass zu kämpfen hat. Stifs können nicht so leicht getötet werden, da sie sehr starke Selbstheilungskräfte besitzen. Und sie sind aus unseren Gedanken, aus unseren Wünschen und Träumen und aus unserer Angst entstanden – Die Gedanken sind frei.

Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Man kommt auch schnell in die Geschichte hinein, bekommt alles sehr gut erklärt und plötzlich ist es selbstverständlich, dass man Pixies und Dämonen begegnet. Der Hintergrund der Geschehnisse wird gut erläutert und die Geschichte kommt zu einem guten Abschluss. Ein paar Seiten mehr hätten mir persönlich besser gefallen, da die Story zum Schluss recht hektisch wirkte und es schneller vorbei war, als ich gehofft hatte. Trotzdem ein klasse Mix aus Fantasy und Krimi. Ich hoffe, dass Kim Rabe uns vielleicht nochmal in diese verrückte Welt bringen wird.

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Veröffentlicht am 06.06.2021

Die Macht der Karten

All Our Hidden Gifts - Die Macht der Karten (All Our Hidden Gifts 1)
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„All our hidden gifts – Die Macht der Karten“ von Caroline O’Donoghue ist der erste Teil einer Reihe, in der es um Maeve Chambers geht.
Maeve ist nicht sonderlich gut in der Schule. Manchmal wird sie auch ...

„All our hidden gifts – Die Macht der Karten“ von Caroline O’Donoghue ist der erste Teil einer Reihe, in der es um Maeve Chambers geht.
Maeve ist nicht sonderlich gut in der Schule. Manchmal wird sie auch etwas impulsiv und wirft mit ihren Schuhen Richtung Schultafel. Das bringt ihr nichts, außer ein weiteres Mal nachsitzen. Dabei wird sie dazu verdonnert, den Schulkeller aufzuräumen. Sie findet dabei allerhand cooles Zeug, darunter einen alten Walkman zusammen mit einer Kassette, die die Aufschrift „Frühjahr 1990“ trägt. Diese hört sie, während sie aufräumt. Da findet sie aber erst den Gegenstand, der ihr Leben verändern sollte: ein Set Tarotkarten.
Prompt nimmt sie die Karten mit nach Hause, beschäftigt sich ein wenig mit ihnen und stellt fest, dass ihr die Bedeutungen der einzelnen Karten erstaunlich leicht im Gedächtnis bleiben. Schon bald fängt sie an, für die Schüler ihrer Schule die Karten zu legen und beängstigend genaue Vorhersagen zu tätigen. Alles lief gut, bis es dazu kommt, dass Maeve mehr aufgezwungen als freiwillig ihrer ehemals besten Freundin Lily die Karten legen soll. Maeve und Lily sind schon lange keine besten Freunde mehr, sie reden nicht einmal mehr miteinander, seitdem Maeve sich von Lily abgewendet hat. Lily zieht ihre drei Tarotkarten und Maeve bestimmt die ersten beiden. Doch die dritte Karte..ist seltsam. Maeve hatte sie sogar schon aus dem Deck genommen. Doch da war sie wieder: die Mamsell. Eine Frau in weißem Kleid, lange schwarze Haare, ein Messer im Mund und ein gruseliges Grinsen auf den Lippen. Maeve weiß nichts über diese Karte. Zwischen Lily und Maeve fallen viele böse Wörter und Anschuldigungen – und am nächsten Tag ist Lily spurlos verschwunden! Hat die Mamsell etwas damit zu tun oder ist Lily nur ein weiterer Teenager, der von zu Hause wegläuft?

Dieses Buch hat mich sehr schnell an sich gefesselt. Es hat keine zwei Tage gedauert und ich hatte es beendet. Der Schreibstil ist es flüssig und die Charaktere sind realistisch geschrieben. Was mir sehr gut gefallen hat, ist, dass das immer noch sehr aktuelle Problem der LGBTQ+-Szene mit in die Geschichte eingeflossen ist. Dabei handelt es sich um körperliche Angriffe, Beleidigungen und generell keine Akzeptanz. Maeve muss dies nicht nur bei ihrem Freund Roe erleben, sondern auch bei ihrer großen Schwester.
Das Cover ist ein echter Blickfang. Es wird auf den ersten Blick klar, dass es sich hier um etwas magisches handelt. Die Farben sind sanft gehalten und ich hoffe, dass die folgenden Teile ein ähnliches Cover haben werden.
Hoffentlich müssen wir nicht allzu lange auf den zweiten Teil warten. Ich finde, dass die die Geschichte im ersten Teil einen guten „Abschluss“ gefunden hat. Es bleibt kein brennendes Jucken im Hinterkopf, weil irgendetwas noch völlig unklar ist. Aber man sehnt trotzdem schon einen weiteren Teil herbei.
Eine klare Leseempfehlung für jeden, der sich auf etwas übersinnliches einlassen möchte!

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Die drei Musketiere gegen den fiesen Magnetiseur

Die Romanfabrik von Paris
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Der historische Roman „Die Romanfabrik von Paris“ von Dirk Husemann beschäftigt sich mit Alexandre Dumas, dem Schöpfer von „Die drei Musketiere“.
Als die im Rollstuhl sitzende Anna Moll aus Baden-Baden ...

Der historische Roman „Die Romanfabrik von Paris“ von Dirk Husemann beschäftigt sich mit Alexandre Dumas, dem Schöpfer von „Die drei Musketiere“.
Als die im Rollstuhl sitzende Anna Moll aus Baden-Baden bei einer deutschstämmigen Familie in Frankreich angestellt wird, um deren Kinder zu unterrichten, fallen sie ihr zum ersten Mal in die Hände – die Romane von Alexandre Dumas. Sofort will sie gegen diese furchtbaren Texte angehen, denn sie handeln oft von hilflosen Frauen, die von starken Männern gerettet werden müssen. Oft ist auch Gewalt im Spiel. Das gehört nicht in die Hände von Kindern oder sonst wem, denkt sich Anna und macht sich auf den Weg, um gegen Dumas zu handeln. Zusammen mit der Zensur-Behörde begibt sie sich zu Dumas‘ Anwesen, um ihn zur Rechenschafft zu ziehen. Doch dort erblickt Anna eine Person aus ihrer Vergangenheit, die ihr viel Kummer bereitet und die sie tot geglaubt hat. Dies ist Monsieur Lemaitre, der von Dumas 3 Amulette haben möchte, die Dumas von seinem Vater geerbt hat, mit welchem Lemaitre ebenfalls in Verbindung stand. Doch Lemaitre ist hinterlistig und ist bereit, wirklich alles für die Amulette zu tun, weshalb er auch nicht davon zurückschreckt, einen Mord zu begehen, diesen Dumas anzuhängen und ihn so zu einem Staatsfeind zu machen. Dumas und Anna tun sich etwas widerwillig zusammen, um Lemaitre das Handwerk zu legen und verfolgen ihn über den halben Globus. Ein aufregendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.
Selten hatte ich einen Roman, bei dem mit alle Charaktere in ihrer Rolle gefallen. Dies ist hier der Fall. Die Figuren sind durchweg gut geschrieben und ihre Rollen gut durchdacht. Natürlich hat mit Olaf Schmaleur am besten gefallen. Von ihm wurde Anna als Lehrerin für seine Kinder angestellt, er war stets hilfsbereit, freundlich und auch für Spaß zu haben, sehr zur Freude seiner Kinder, aber seiner Frau gefiel dies nicht. Obwohl er nur wenig vorkommt, gefällt mir diese Figur doch sehr.
Anna und Dumas sind sehr gegensätzliche Charaktere, die sich aber im Laufe der Geschichte immer besser ausgleichen und ein Band zwischen sich knüpfen. Sie sind beide auf ihre Art zielstrebig, aber auch bereit, Kompromisse einzugehen, wenn sie die Bedingungen noch etwas für sich abändern können. Auch wenn sie sich zu Beginn nicht ausstehen können, so werden sie ein wunderbares Team im Verlauf der Geschichte.
Lemaitre ist klar als „Bösewicht“ dieses Romans zu betrachten. Der Magnetiseur ist hinterhältig und schreckt nicht davor zurück, andere auszunutzen. Wenn er sie nicht mehr braucht, lässt er sie fallen wie eine heiße Kartoffel und ihm ist egal, was mit ihnen passiert. Das einzige, was ihm wirklich wichtig ist, sind die Amulette von Dumas senior. Doch muss er erkennen, dass seine Gegner Alexandre Dumas und Anna Moll mit allen Wassern gewaschen sind und sich gegen ihn stellen.
Der Handlungsablauf in dem Roman gefällt mir sehr gut. Zu Beginn ist es nicht vorstellbar, dass die Geschichte aus Paris heraus weiter gehen könnte. Doch nach und nach wird der Leser in diese Richtung geleitet und das zwar direkt, aber nicht so plötzlich, dass man sofort wusste, wie es weiter geht. Dirk Husemann hat unvorhersehbar geschrieben. Zwar hatte ich beim Lesen immer eine Vorstellung davon, was als nächstes passieren könnte. Aber ich wurde doch jedes Mal überrascht, weil es entweder etwas oder doch sehr anders gekommen ist, als ich dachte.
Generell wurde der Spannungsbogen gut aufrecht gehalten. Der Handlung konnte ich als Leser durchgängig gut folgen. Auch der Schreibstil gefällt mir wirklich gut. Ich mag es, wenn man die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven von unterschiedlichen Figuren sieht. Also hatte man hier auch die Sicht des Bösewichts dabei, was ich wirklich gut fand. Und trotzdem wusste man nie so recht, was er als nächstes vorhat – gut gelungen!
Der Titel hat mich im Verlauf der Geschichte immer wieder stutzig gemacht. „Die Romanfabrik von Paris“, jedoch befinden wir uns nur zu Beginn des Romans einmal dort und danach nicht mehr. Aber zum Schluss wird es doch klar, warum diese Titel passend ist. Mit der Romanfabrik hat alles begonnen und dort endet es auch. Mehr möchte ich da nicht verraten.
Das Buch hat mir gut gefallen. Es war mein zweiter historischer Roman und so langsam gefällt mir dieses Genre wirklich gut. Auch, wenn man von Dumas selbst nichts gelesen hat oder nicht viel weiß, findet man sich in der Geschichte zu recht. Dass zum Schluss auch nochmal vom Autor erläutert wurde, welche Begebenheiten aus dem Roman als Fakten betrachtet werden können und welche hinzugedichtet wurden, mag ich wirklich sehr.
Rundum ein gelungenes Buch, welches ich Interessierten empfehlen kann. Es war sehr angenehm zu lesen, es hat zwischendurch auch immer mal etwas zum Lachen gegeben und war generell eine interessante Geschichte um den berühmten Alexandre Dumas.

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Veröffentlicht am 25.10.2020

Alles für die Katz!

Nalas Welt
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In „Nalas Welt“ geht es um Dean Nicholson (der auch gleichzeitig der Autor ist), der ein kleines einsames Kätzchen auf einem verlassenen Hügel in Bosnien trifft. Das ist Nala und sie wird Deans Leben grundlegend ...

In „Nalas Welt“ geht es um Dean Nicholson (der auch gleichzeitig der Autor ist), der ein kleines einsames Kätzchen auf einem verlassenen Hügel in Bosnien trifft. Das ist Nala und sie wird Deans Leben grundlegend verändern.
Dean ist ein junger Mann aus Schottland. Er feierte viel, hing mit Freunden rum und wusste nicht recht, wohin es mit ihm in seinem Leben gehen soll. Da beschließt er, mit seinem Fahrrad die Welt zu bereisen. Nur er und sein Fahrrad. Doch es kommt anders, als geplant. Ein kleines Maunzen ist es, das sein Leben umkrempelt. Er trifft auf Nala. Es steht fest, dass Dean dieses kleine Lebewesen nicht alleine lassen kann und will. Sein Fahrrad wird Katzensicher gemacht und eine spannende Reise beginnt, bei der Dean lernt, dass er sich ab jetzt nicht mehr nur um sich selbst kümmern muss, sondern noch ein zweites Leben zu beschützen hat und das tut er mit Leib und Seele.

„Nalas Welt“ wird aus der Ich-Perspektive von Dean erzählt. Er verwendet niedliche Wörter, die passend zu der niedlichen Katze an seiner Seite sind.
Dean ist ein wirklich sympathischer Kerl. Er weiß, dass er auf Nala aufpassen muss und tut alles, was dafür nötig ist. Er ändert seine Reisepläne und verharrt länger an Orten, obwohl er das alles so nicht wollte. Aber das wohl seiner Katze geht vor.
Wie Dean und Nala so durch die Welt fahren, lernen sie viele nette Menschen kennen. Dieses Buch hat mir den Glauben an das Gute in den Menschen etwas zurückgegeben. Fremde nehmen ihn und Nala auf, als sie es nötig haben, geben ihm Arbeit oder sind einfach nur freundlich. Das isst bei weitem nicht mehr alltäglich heutzutage, aber ich bin froh, dass den beiden scheinbar nur nette Menschen begegnet sind.
Die Geschichte des Mannes, der ein Kitten rettet, wird durch die Seite „The Dodo“ bekannt. Sie machen ein Interview mit Dean und veröffentlichen das Video, in dem Dean Nala findet. So erreicht Dean eine unfassbar große Reichweite. Der neue Katzenpapa nutzt diese gewissenhaft. Er sammelt zum Beispiel Müll an Stränden auf und macht die Menschen darauf aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein. Das zeigt, dass man kein „Aktivist“ sein muss, um etwas gutes zu tun. Es reicht, wenn man seinen Kopf benutzt, mit offenen Augen durch die Welt geht und einfach mal ein bisschen Respekt für unseren Planeten zeigt. Seine Reichweite hat sogar geholfen, eine Adoptionsfamilie für einen Hund zu finden. Das alles stimmt Dean sehr glücklich und das kann ich nur zu gut verstehen. Man muss nur wissen, was man mit seiner „Macht“ anfangen muss.
Im Verlauf der Geschichte wird klar, dass Nala und Dean einfach für einander geschaffen sind. Sie haben sich gegenseitig gerettet und Nala hat Dean unglaublich verändert. Es macht unglaublich Spaß den beiden bei ihren Veränderungen „zuzuschauen“.
Es gibt nicht eine Stelle im Buch, die uninteressant oder langweilig war. Ständig haben die beiden ein neues Hindernis überwunden und sind noch enger zusammen gewachsen.

Dieses Buch ist einfach unfassbar schön! Eine wahre Geschichte, die direkt ins Herz trifft. Es gibt auch Fotostrecken im Buch, die nochmal alles veranschaulichen. Ich liebe es! Nala ist eine tolle Katze (und könnte vom Aussehen her mit meiner Verwandt sein) und Dean ist ein offenherziger Mensch, dessen Leben durch einen kleinen Fellball wohl um längen besser geworden ist. Absolut empfehlenswert! (1bike1world heißt der Instagram-Account der beiden, schaut unbedingt vorbei!)

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Veröffentlicht am 05.10.2019

Sie sieht alles...

Melmoth
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In dem Roman "Melmoth" von Sarah Perry, welches im Eichborn- Verlag erschienen ist, geht es um eine Sagengestalt, die für Helen Franklin immer mehr zur Realität wird. Die Rede ist von Melmoth, die Zeugin, ...

In dem Roman "Melmoth" von Sarah Perry, welches im Eichborn- Verlag erschienen ist, geht es um eine Sagengestalt, die für Helen Franklin immer mehr zur Realität wird. Die Rede ist von Melmoth, die Zeugin, die dazu verdammt ist, ewig auf der Welt zu wandeln und die Sünden der Menschen zu bezeugen.
Ein Schatten, ein Windhauch, Dohlen und Lilienduft - alles deutet auf die Anwesenheit von Melmoth hin. Helen und ihre Freundin Thea informieren sich in alten Schriften, Geschichten und Manuskripten über Melmoth. Dabei wird Helen immer bewusster, dass Melmoth auch ihre Sünde kennt und auf der Suche nach ihr sein könnte...

"Melmoth" ist kein unbekannter Name. Beispielsweise in dem Buch "Der Club Dumas" von Arturo Pérez-Reverte wird auf ein Buch verwiesen, dass "Melmoth, der Wanderer" heißt und von C.R. Maturin geschrieben wurde. In dem Buch von Sarah Perry werden mehrere Quellen angegeben. Daher liegt es nahe, dass es in anderen Kulturen eine Sage oder einen Mythos mit dem Namen Melmoth gibt. Diese Information finde ich sehr gut - das macht das Buch sehr lebendig für mich.

Die Spannung im Buch wird relativ konstant gehalten. Da es zwischendurch immer wieder Erzählungen aus der Vergangenheit bzw. aus den alten Manuskripten zu lesen gilt, und diese recht lang sind, entsteht bei manchen Menschen eventuell schnell der Eindruck von Langweiligkeit. Ich finde es gut und wichtig, dass diese Passagen nicht zu kurz geraten sind. Es soll uns Lesern schließlich mitnehmen und zeigen, wie Melmoth sich zeigt und wie sie agiert. Ebenso sollen wir natürlich auch Gefühle für die Figuren entwickeln. Das geht nun mal nicht auf 3 Seiten, da gehört schon mehr dazu. Sarah Perry hat die Balance zwischen "zu langen" und "zu kurzen" Erzählungen meines Erachtens nach gut gemeistert.

Die Geschichte hat mich voll mitgenommen. Ich bin sehr gut in die Erzählung eingestiegen und konnte dem Geschehen ebenso gut folgen. Wie schon oben erwähnt, es scheint einen reellen Hintergrund zu geben und das fasziniert mich wahnsinnig. Die Story, die Sarah Perry um die bestehenden Geschichten gesponnen hat, ist ihr toll gelungen.

Die Figuren wirken teilweise etwas unfertig. Zum Beispiel hätte ich mir bei Albína ein paar mehr Infos gewünscht. Aber im großen und ganzen war ich zufrieden mit den Figuren, die ich hier kennen lernen durfte.

Das Thema des Buches ist meiner Meinung nach, dass uns bewusst sein sollte, dass wir ein Gewissen haben und dass dieses nicht unendlich viel Kapazität hat. Bereinigt eure Seelen, seid euch darüber im Klaren, dass jede Tat auch seine Folgen hat. Melmoth ist mit ihren wachsamen Augen überall. Ich habe es so verstanden, dass Melmoth unser Gewissen darstellen soll. Sündigen wir oder machen einen Fehler, so wiegt es schwer in uns. Doch gestehen wir, tun Buße oder erleichtern unser Gewissen in sonstiger Weise, so verschwindet Melmoth, hat jedoch immer noch ein Auge auf uns.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Es wirt hauptsächlich in einer Erzähler-Perspektive geschrieben. Aber zwischendurch wird der Leser persönlich angesprochen - "Sehen Sie, schauen Sie". Das gab mir das Gefühl, dass dieses Buch mir wirklich etwas vermitteln soll und ich fühlte mich direkt mit eingebunden. Es war nicht aufdringlich oder der gleichen. Diese Anreden wurden gekonnt platziert und auch nicht zu sehr ausgereizt.

Ich werde das Buch definitiv weiter empfehlen und auch nochmals lesen. Es hat mir sehr gut gefallen. Alleine schon das Cover ist ein wahrer Hingucker, aber die Geschichte unter dem Cover ist auch nicht ohne! ;) An dieser Stelle ein großes Lob an die Person, die das Cover gestaltet hat. Wenn du dich für etwas tiefgründigere Geschichten interessiert, die auch gelegentlich Fakten aufzählen, so ist dieses Buch nach deinem Geschmack. :)

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