Eine fundiert-sachliche Polemik
Mohren, Missionare und MoralistenDer Autor ist einer der namhaftesten deutschen Kolonialhistoriker Deutschlands. Als Wissenschaftler ist er insbesondere an afrikanischen Universitäten geschätzt, weil er sich mit Kolonialismus wie dem ...
Der Autor ist einer der namhaftesten deutschen Kolonialhistoriker Deutschlands. Als Wissenschaftler ist er insbesondere an afrikanischen Universitäten geschätzt, weil er sich mit Kolonialismus wie dem Neokolonialismus auskennt. Er sagt zwar, dass die schlechte Lage Afrikas etwa 500 Jahren europäischen Kolonialismus‘ geschuldet ist – doch mit der gleichen Direktheit kritisiert er auch Haltungen und politische Entscheidungen afrikanischer Staaten, deren korrupte Oberschichten sich den Spielregeln des industriellen Nordens unterwerfen und damit als Kollaborateure die Unterdrückungspolitik der alten Kolonialmächte fortsetzen. Das wiederum macht ihn in den Augen bestimmter Kreise in Deutschland suspekt, die jede Kritik an Afrikanern schon als rassistisch denunzieren und die sachliche Anerkennung deutscher Forschungsreisender zur Kolonialzeit in die rechte Ecke stellen. Als wollte van der Heyden das verbrecherische deutsche Kaiserreich zurück. Ursache für solche Attacken ist immer und überall die Unwissenheit. So ist der Streit etwa um die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße einer zwischen kundigen Leuten auf der einen Seite, die den positiv konnotierten Ursprung dieser Bezeichnung kennen, und ideologisch motivierten Bilderstürmern auf der anderen Seite, die einzig durch ihre Unkenntnis der Geschichte und durch Lautstärke und medialen Einfluss qualifiziert sind. Den ignoranten Umgang mit historischen Fakten der kolonialen Vergangenheit – modisch „Critical Whitenesse“ genannt – ist für van der Heyden im Kern ein „Krieg gegen die Wissenschaften“. In seinem aufklärenden Buch nennt er Themen und Schlachtfelder, auf denen dieser Krieg geführt wird. Er macht das sachlich und belegt jede Quelle. Damit macht er zugleich sichtbar: Dummheit und Ignoranz sind in allen politischen Lagern beheimatet. Seine Streitschrift ist ein konstruktives Plädoyer für Bildung, Bildung, Bildung …