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Veröffentlicht am 31.05.2020

Dunkle Abgründe in Island

DUNKEL
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Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Die Kommissarin Hulda Hermannsdottir soll ihren Ruhestand antreten und somit ihren Platz für einen jüngeren Ermittler freimachen. Zum Abschied darf sie sich allerdings ...

Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Die Kommissarin Hulda Hermannsdottir soll ihren Ruhestand antreten und somit ihren Platz für einen jüngeren Ermittler freimachen. Zum Abschied darf sie sich allerdings noch einen Cold-Case-Fall aussuchen und entscheidet sich für den Tod einer Asylbewerberin, die vor einem Jahr in einer Bucht ertrunken sein soll. Selbstmord oder ein Unfall? Für Hulda definitiv Mord und so kommt sie in ihren letzten Tagen als Ermittlerin den dunklen Abgründen Islands immer näher, bis sie sich selbst in großer Gefahr befindet...

Die Geschichte wird in 3 Teile unterteilt, wobei es sich um die Anzahl der Ermittlungstage handelt. Man begleitet hierbei die Kommissarin Hulda und erhält Einblicke in ihre Gedankenwelt, die sich besonders um ihren bevorstehenden Ruhestand dreht. Dabei erfährt man allerdings auch Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit, die zusätzlich Spannung erzeugen.
Anfänglich wirkte Hulda auf mich wie eine sympathische Frau, die nebenbei noch als kompetente Ermittlerin gilt. Dieses Bild hat sich leider im Laufe der Geschichte in meinen Augen negativ entwickelt. Hulda erschien mir zunehmend unüberlegt und rücksichtslos, womit sie nicht nur die Ermittlungsarbeit ihrer Kollegen, sondern auch sich selbst gefährdet hat.
Daher habe ich mich immer mehr von der Protagonistin entfernt, worunter mein gesamtes Leseerlebnis zum Glück nicht gelitten hat.
Das Erzähltempo des Thrillers wird eher ruhig gehalten, entwickelt aber dank des flüssigen Schreibstils einen regelrechten Sog.
Der Autor versteht es, eine besondere Atmosphäre zu erschaffen, die langsam ihre Abgründe zum Vorschein bringt.
Das Ende konnte im Gegensatz zum Rest der Geschichte seine Außergewöhnlichkeit hervorheben und hält somit das, was ich mir von Anfang an von diesem Thriller versprochen habe. Dadurch entsteht eine interessante Ausgangssituation für die nachfolgenden Teile der Reihe, die meiner Meinung nach einen Leserblick wert sind.

Fazit: "Dunkel" konnte mich nicht vollständig überzeugen, schafft allerdings trotz meiner Kritikpunkte eine besondere Leseatmosphäre, deren Sog ich mich nicht entziehen konnte. Das Ende macht neugierig auf die nachfolgenden Reihenteile.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2020

Strahlend wie ein Regenbogen

Halte mich. Hier
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Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Zelda liebt bunte Haare, Nagellack und ausgefallene Kleidung, somit gilt sie als das unangepasste Nesthäkchen einer reicher Familie, die sehr auf Etikette bedacht ...

Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Zelda liebt bunte Haare, Nagellack und ausgefallene Kleidung, somit gilt sie als das unangepasste Nesthäkchen einer reicher Familie, die sehr auf Etikette bedacht ist. Sie ermöglichen ihr zwar mit finanziellen Mitteln ein Studium, doch versuchen sie mit Kupplungsversuchen zu kontrollieren und in ihrem Lebensstil einzuschränken. Zelda führt daher ein Art Doppelleben und in ihrer "freien" Welt lernt sie über gemeinsame Freunde Malik kennen. Dieser stammt aus einer armen Großfamilie, die ihn trotz seiner Zeit im Gefängnis bedingungslos unterstützt und ihm seine Ausbildung zum Koch ermöglicht. Obwohl sie aus unterschiedlichen Welten stammen, bilden sie ein traumhaftes Paar, das gegen alle Widerstände vonseiten Zeldas Familie kämpft und dabei ihre eigenen Träume verwirklicht ...

Die Geschichte wird abwechselnd aus Zeldas und Maliks Sicht erzählt. Dadurch erhält man authentische Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelten, wodurch die Charaktere nahbarer werden.
Zelda nahm mich mit ihrer übersprudelnden positive Art sofort für sich ein. Ihre Lebensfreude konnte man an jeder Stelle des Buches fühlen. Sie beweist außerdem großen Kampfgeist und bietet ihren Widersachern die Stirn. An manchen Stellen zeigt sie sich von einer verletzlichen Seite, vor allem im Bezug zu ihrer Familie und Zukunftsperspektive, wodurch sie noch menschlicher wirkt.
Malik nimmt in dieser Beziehung den Ruhepol ein und daher harmonieren die beiden auch so gut. Trotz seiner kriminellen Vergangenheit beweist er ein großes Herz, das vor allem für seine Geschwister und natürlich für Zelda schlägt.
Die Gefühle der beiden entstehen zu Beginn beinahe aus dem Nichts, doch das nimmt ihrer Beziehung nicht die Glaubhaftigkeit. Die Autorin hat es geschafft, die ganze Palette an Emotionen auch auf den Leser zu übertragen, denn ich konnte mit den beiden lachen, weinen und mitfiebern.
Mit viel Feingefühl, aber auch einer guten Portion Humor, schildert Kathinka Engel daher eine berührende Geschichte über Rassismus, Vorurteile, Träume und Freundschaft. Sie erfindet das Rad zwar nicht neu, doch bringt so viel Freude und Begeisterung mit, wodurch sich die Geschichte für mich zu einem richtigen Wohlfühlbuch entwickelt hat.

Fazit: "Halte Mich. Hier" überzeugt mit authentischen Charakteren, viel Feingefühl und Humor. Die Handlung weicht zwar kaum von typischen New-Adult-Verlauf ab, allerdings konnte ich mich dank der vorhin erwähnten Punkte völlig in die Geschichte fallen lassen und einfach die Lesestunden genießen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2020

Schwarze Augen beobachten dich

Mädchentod
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Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Die 17-Jährige Tessa wird gemeinsam mit knochigen Überresten anderer Mädchen auf einem Feld lebendig begraben. Als einzige Überlebende der sogenannten "Schwarzäugigen ...

Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Die 17-Jährige Tessa wird gemeinsam mit knochigen Überresten anderer Mädchen auf einem Feld lebendig begraben. Als einzige Überlebende der sogenannten "Schwarzäugigen Susannen" gelangt sie zu fragwürdigem Ruhm. Zwei Jahrzehnte später wünscht sie sich für ihre Teenagertochter und sich nichts als Ruhe, doch die Hinrichtung des vermeintlichen Peinigers erregt erneutes Aufsehen. Allerdings erhält Tessa kurz darauf verstörende Hinweise, die nahelegen, dass der wahre Täter noch immer auf freiem Fuß ist und ein Unschuldiger in Haft sitzt. Verzweifelt versucht Tessa, die Wahrheit ans Licht zu bringen, sonst wird jemand sterben ...

Die Geschichte wird in drei Teile unterteilt und findet auf unterschiedlichen Zeitebenen statt. Zuerst lernt man die erwachsene Tessa kennen, die einige Wochen vor der Hinrichtung des Beschuldigten, die Wahrheit ans Licht bringen möchten. Darauf folgt die Sicht der 17-Jährigen Tessie, kurz nach den traumatischen Erlebnissen und man begleitet sie bei ihren Therapiestunden. Zudem bekommt man Einblicke in die Vorbereitung auf ihre Aussage und in den Gerichtsprozess, der durch Protokolle ergänzt wird. Der Aufbau des Buches erzeugt eine gewisse Grundspannung, doch die Handlung wird dadurch leider kaum voran gebracht.
Das liegt sicherlich auch an Julia Heaberlin´s verworrenem Schreibstil, denn sie baut gerne Rätseln ein, die sich mir während des Lesens leider nicht erschlossen haben.
Die Autorin hat darüber hinaus versucht, ihre Recherchearbeit bis ins kleinste Detail einfließen zu lassen. Anfänglich konnten mich die neu gewonnenen Informationen noch begeistern, doch mit der Zeit wurde es mir zu langatmig und die Spannung blieb auf der Strecke.
Mir fehlte zudem das Gefühl, mit den Charakteren, insbesondere Tessa mit zu fiebern, denn sie blieb mir bis zum Ende suspekt. Ihre Gedankengänge konnte ich nicht nachvollziehen und mich beschlich ständig das Gefühl, dass sie etwas verschweigt, wodurch mein Misstrauen gestiegen ist. Die restlichen Charaktere blieben mir ebenfalls undurchschaubar.
Man könnte meinen, dadurch war die Auflösung nicht vorhersehbar, doch dies war leider nicht der Fall. Am Ende kam mir der Gedanke, dass ich einfach zum dritten Teil springen hätte sollen, denn da wäre ich der langatmigen, kaum vorangetriebenen Handlung entgangen und hätte trotzdem die Antwort auf meine Fragen bekommen.

Fazit: Bis ins kleinste Detail recherchierter Psychothriller, der Einblicke in Therapiestunden, Gerichtsmedizin und Gerichtsprozesse bietet, doch dabei geht die Spannung unter. Wer nach einem fesselnden Pageturner sucht, sollte nicht zu "Mädchentod" greifen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2020

Mehr als nur ein Kuss

Kissing Lessons
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Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Stella scheint aufgrund ihres Asperger-Syndroms kaum Erfahrungen in der Liebe zu haben. Allerdings lastet der gesellschaftliche Druck auf ihren Schultern, dem sie ...

Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Stella scheint aufgrund ihres Asperger-Syndroms kaum Erfahrungen in der Liebe zu haben. Allerdings lastet der gesellschaftliche Druck auf ihren Schultern, dem sie mit einer Übungsbeziehung entgegen wirken möchte. Deshalb heuert sie den Escort Michael an, der ihr Nachhilfe in Sachen Liebe geben soll. Doch hält diese rein geschäftliche Vereinbarung den prickelnden Gefühlen stand?

Die Geschichte wird aus der dritten Person erzählt, wechselt jedoch gekonnt zwischen Stella und Michael, wodurch man einen guten Einblick in ihre Gefühls-und Gedankenwelt bekommt.
Helen Hoang beschreibt die Beziehung der beiden mit viel Feingefühl, Humor und liebevollen Details, die sicherlich auch auf ihre eigene Erfahrungen mit dem Asperger-Syndrom zurückzuführen sind.
Der Protagonisten Stella wird dadurch eine besondere Authentizität verliehen. Mit ihrer unbeholfenen, dennoch direkten und fokussierten Art ist sie mir ans Herz gewachsen. Michael schätzt diese positiven Eigenschaften ebenfalls an ihr und baut zu ihr eine großartige Beziehung auf. Er zeichnet sich durch sein Einfühlsvermögen und seine Hilfsbereitschaft aus, denn er kümmert sich hingebungsvoll um die Menschen, die ihm wichtig sind.
Aufgrund dieser tollen Merkmale konnte ich seine dominante und bestimmende Art in einigen Situationen nicht nachvollziehen. Grundsätzlich gefallen mir Protagonisten mit Ecken und Kanten, allerdings müssen diese Macken mir trotzdem sympathisch erscheinen, dies war bei Michael nicht ganz der Fall.
Neben dieser kleinen Sympathie-Schwäche sind mir leider noch weitere "Mängel" aufgefallen. Stella wird zwar der Hintergrund eines Asperger-Syndroms gegeben, doch rückt dieses vor allem während der intimeren Szenen, in denen ich mir die größten "Schwierigkeiten" erwartet hätte, ziemlich in den Hintergrund. Durch die zahlreichen, durchaus expliziten Sexszenen, ging meiner Meinung nach auch im Mittelteil die Persönlichkeitsentwicklung von Stella und Micheal unter.
Darauf hätte man noch intensiver eingehen können, da sich beide von Anfang selbst Weg stehen und darunter ihre Beziehung leidet.
Meiner Meinung nach baut die Geschichte zudem stark auf nervtötenden Missverständnissen auf, die durch ehrliche Gespräche rascher gelöst hätten werden können und mir als Leserin somit das "negative" Gefühl genommen hätten.
Das Ende konnte jedoch den Weg von Stella und Michael gut zeichnen, auch wenn es leicht überhastet wirkt und zu sehr nach gezwungenem Happy-End "schreit".

Fazit: Helen Hoang schafft gekonnt die Balance zwischen ernsten Themen und erfrischender Liebesgeschichte. Sie erzählt die Geschichte mit viel Feingefühl, Humor und liebevollen Details, die trotz Schwächen auf die weiteren Teile der KISS, LOVE & HEART- Reihe Lust machen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2020

Ich sehe was, was du nicht siehst... und das ist unheimlich

Ich sehe was, was du nicht siehst
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Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Die 16-jährige Emma verschwindet nach einem Schulfest, seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Monate danach beschließen ihre Freundinnen Mabel, Anouk, Lilly ...

Beginnen wir mit der Anfangssituation.
Die 16-jährige Emma verschwindet nach einem Schulfest, seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Monate danach beschließen ihre Freundinnen Mabel, Anouk, Lilly und Bo den langgeplanten Urlaub in Südfrankreich ohne Emma anzutreten, doch bald bekommen sie das Gefühl beobachtet zu werden. Jemand hat es auf die Mädchen abgesehen und dieser jemand scheint der Mörder von Emma zu sein…

Die Geschichte ist in verschiedene Erzählperspektiven gegliedert, in denen man die vier Mädchen Mabel, Anouk, Lilly und Bo besser kennen lernen soll.
Grundsätzlich gefällt es mir, wenn eine Geschichte aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt wird, allerdings konnte ich in diesem Buch keine spürbare Verbindung zu den Charakteren eingehen.
Man lernt Lilly als besonders ängstlich kennen, die das Verschwinden von Emma am wenigsten zu verkraften scheint. Dazu kommt Anouk, die eine übernatürliche Gabe zu besitzen glaubt und daher besonders empfindlich auf die unheimlichen Ereignisse reagiert. Mabel scheint die Einfühlsame in der Gruppe zu sein, die sich um die anderen Mädchen kümmert. Die letzte im Bunde, nämlich Bo gibt sich hingegen taff und vorlaut, eckt bei ihren Freundinnen an und nimmt keine Rücksicht auf deren Gefühle.
Mir wurde bei den vier Mädchen leider zu sehr an der Oberfläche gekratzt und zu wenig in die Tiefe gegangen.
Der Unterschied zwischen ihnen wird trotzdem stark deutlich und daraus entsteht eine interessante Problematik, die durch die Geheimnisse der Mädchen verstärkt wird.
Zwischen den Kapiteln aus der Sicht der vier Freundinnen kommt es im Aufbau der Geschichte zu Unterbrechungen, in Form von Zeitungsartikeln, Notizen des Täters und Abschnitten aus Emmas Sicht.
Diese Einwürfe bringen eine Brisanz mit sich, lassen den Leser jedoch weiterhin im Dunkeln tappen.
Mel Wallis de Vries hat es daher gekonnt geschafft, mich auf falsche Fährten zu locken und mich mit einem raffinierten Plot-Twist zu überraschen.
Hinzu kommt ihr lockerer, leicht verständlicher Schreibstil, der einen nur so über die Seiten fliegen lässt, ohne an Spannung zu verlieren.
Allerdings bleiben meiner Meinung nach am Ende ein paar Fragen ungeklärt, wodurch ich mir eventuell zusätzliche Seiten gewünscht hätte; das schmälert meine Begeisterung für die Auflösung jedoch nicht.

Fazit: „Ich sehe was, was du nicht siehst“ weist kleinere Schwächen auf, wie beispielsweise die Charaktere, überzeugt aber aufgrund einer spannenden Handlung, die überraschende Wendungen beinhaltet. Mir hat die Geschichte aufregende, leider etwas zu kurze (aufgrund der geringen Seitenanzahl) Lesestunden bereitet.
Das Buch eignet sich meiner Meinung besonders für Thriller-Einsteiger oder jüngere Leser.

  • Cover
  • Geschichte
  • Spannung
  • Erzählstil