Eine leise Hymne ans Erwachsenwerden
Beste ZeitenMit „Beste Zeiten“ gelingt Jenny Mustard ein stilles, introspektives Coming-of-Age-Porträt, das vor allem durch Atmosphäre, stilistische Feinheit und eine glaubwürdige Protagonistin überzeugt. Erzählt ...
Mit „Beste Zeiten“ gelingt Jenny Mustard ein stilles, introspektives Coming-of-Age-Porträt, das vor allem durch Atmosphäre, stilistische Feinheit und eine glaubwürdige Protagonistin überzeugt. Erzählt wird aus der Perspektive von Sickan, Anfang 20, die aus einer kleinen schwedischen Stadt nach Stockholm zieht, um dort zu studieren und, wie sich bald zeigt, um sich selbst zu finden.
Sickan ist eine äußerst sympathische und authentische Protagonistin, deren Selbstzweifel und Ängste viele von uns nur zu gut kennen. Mustard gelingt es auf beeindruckende Weise, ihre inneren Konflikte, ihre Unsicherheit im Umgang mit anderen und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit zu vermitteln. Ihre erste Freundschaft mit der einzigartigen, aber großzügigen Hanna und die vorsichtige erste Beziehung zum sensiblen Abbe fangen auf subtile Weise die Komplexität von menschlichen Verbindungen ein, sowohl die Freuden als auch die Unsicherheiten. Es sind gerade die leisen, alltäglichen Szenen, in denen Mustards erzählerisches Talent zur Geltung kommt: Ein missglücktes Gespräch, ein wortloser Blick, eine stille Nacht allein in der Stadt; Momente, die für mich lange nachhallen. Mir hat auch der gesellschaftskritische Subtext sehr gefallen: Klassenzugehörigkeit, Mobbing und Diskriminierung, all das sind Themen, die nie im Vordergrund stehen, aber immer mitlaufen. Stockholm ist dabei nicht nur Kulisse, sondern auch ein Ort des sozialen Wandels.
Jenny Mustards Schreibstil ist dabei durch und durch ein Vergnügen: Sie erzählt ruhig, präzise und voller Empathie, sodass man sich als Leser*innen ganz selbstverständlich in Sickans Welt verliert. Ihre Fähigkeit, starke, aber unaufdringliche Atmosphären zu schaffen, lässt einen immer wieder innehalten und nachdenken.
Fazit:
„Beste Zeiten“ ist ein herausragender Coming-of-Age-Roman, der die Herausforderungen und die Schönheit des Erwachsenwerdens mit einer seltenen Intensität und Echtheit einfängt. Jenny Mustard beweist hier ihre außergewöhnliche Fähigkeit, tief in die psychologischen Nuancen ihrer Figuren einzutauchen und eine Geschichte zu erzählen, die sowohl intim als auch universell ist. Ein wunderschöner, nachdenklicher Roman für alle, die sich nach einer feinfühligen und intensiven Lektüre sehnen.