Weil sich Menschen nicht an „Likes“ messen lassen
Please unfollowSherry ist keine normale 17jährige: Seit ihrer Geburt wird sie in all ihren Lebenslagen auf den sozialen Medien präsentiert, ihre Eltern haben mir ihr eine große Reichweite und somit erfolgreiche Marke ...
Sherry ist keine normale 17jährige: Seit ihrer Geburt wird sie in all ihren Lebenslagen auf den sozialen Medien präsentiert, ihre Eltern haben mir ihr eine große Reichweite und somit erfolgreiche Marke aufgebaut. Nach außen wirkt ihr Leben perfekt: viele Follower, Aufmerksamkeit, ein tolles Familienleben und keinerlei finanzielle Probleme. Doch hinter der glänzenden Online-Fassade geht es Sherry zunehmend schlechter, da der Druck, ständig Inhalte zu posten und ein ideales Leben darzustellen, immer größer wird. Ihr privates Umfeld in Schule und Familie besteht auch zunehmend aus konfliktbehafteten Beziehungen. Sherry beginnt, sich selbst zunehmend zu hinterfragen und versucht sogar, aus ihrer Online-Welt auszubrechen – mit verheerenden Folgen.
„Please Unfollow“ von Basma Hallak ist ein Jugendroman, der sich sehr direkt, intensiv und eindringlich mit brandaktuellen Themen rund um die Social Media-Welt, der Influencer-Kultur und der Frage nach digitaler Identität auseinandersetzt. Im Zentrum steht der Druck, online sichtbar zu sein, sich ständig zu inszenieren und gleichzeitig die Kontrolle über das eigene Leben und Selbstbild nicht zu verlieren.
Was das Buch besonders macht, ist der schonungslose Blick auf die Mechanismen hinter Likes, Reichweite und öffentlicher Wahrnehmung, der mich des Öfteren sehr betroffen gemacht hat. Gerade die Bloßstellung durch die eigenen Eltern hat mir Tränen der Wut, Hilflosigkeit und des Mitleids für das arme, unschuldige Kind in die Augen getrieben. Dabei wirkt die Geschichte so realitätsnah, dass ich mir leider gut vorstellen kann, dass Kinder in ähnlichen Konstellationen in den sozialen Netzwerken vermarktet werden.
Der Schreibstil des Buches ist direkt und leicht zugänglich geschrieben, was zur Zielgruppe und zur Thematik passt. Dementsprechend ist auch die Sprache modern und jugendlich gehalten. Die Handlung ist teilweise etwas vorhersehbar und manche der Figuren bleiben leider etwas blaß, dennoch überzeugt das Buch inhaltlich durch seine Relevanz. Themen wie Cybermobbing, Selbstwert, Vergleichsdruck und digitale Abhängigkeit bilden das Fundament der Geschichte und reißen die Leser emotional mit. Besonders gelungen ist die Darstellung der inneren Zerrissenheit der Hauptfigur zwischen öffentlichem Image und privater Realität.
Insgesamt ist „Please Unfollow“ ein Roman, den ich vor allem als Schullektüre für Jugendliche empfehlen würde.