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Veröffentlicht am 31.07.2021

Freundschaft oder Zweckgemeinschaft?!

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Seit ihrer Jugendzeit sind Susi, Elli, Ute und Helma im selben Freundeskreis. Ende der 1970er Jahre gehörten zu dieser Clique auch noch Frankie und Marie, wobei letztere inzwischen leider verstorben ist. ...

Seit ihrer Jugendzeit sind Susi, Elli, Ute und Helma im selben Freundeskreis. Ende der 1970er Jahre gehörten zu dieser Clique auch noch Frankie und Marie, wobei letztere inzwischen leider verstorben ist. Frankie hingegen ist nach einem verhängnisvollen Abend aus dem Leben der Frauen verschwunden, jahrelang hat kein Kontakt mehr bestanden. Dann erfahrt der Freundeskreis, dass Frankie sich das Leben genommen hat – und die Vergangenheit holt die Frauen ein.
Das Cover von „Heldinnen werden wir dennoch sein“ passt optisch gut zu einem Vorgängerbuch der Autorin und hat somit Wiedererkennungswert. Mir persönlich ist es allerdings etwas zu schlicht und unauffällig. Die Farbkombination aus grau und rostrot gefällt mir persönlich nicht besonders, allerdings mag ich die Kirschen. Sie erinnern mich an den Sommer und rufen in Zusammenhang mit dem Titel irgendwie Nostalgie hervor. Den Titel finde ich ehrlich gesagt etwas sperrig und auch nicht unbedingt passend, auch wenn am Ende darauf referenziert wird.
Die Struktur des Buches fand ich sehr interessant aufgebaut: Jeder Freundin ist abwechselnd ein Kapitel gewidmet, so dass der Leser sie nach und nach immer tiefer kennen und verstehen lernt. Auch kursiv gedruckte, briefartige Kapitel von Frankie finden zu Beginn, am Ende sowie zwischen den Kapiteln über die Frauen Einzug und geben der Geschichte einen Rahmen und roten Faden. Hinter jeder Person verbirgt sich mehr, als es zunächst den Anschein macht und diese Hintergründe und deren Einfluss auf die Entwicklung und Gegenwart der Freundinnen nach und nach zu begreifen fand ich sehr interessant. Zunächst war ich etwas überfordert mit der Vielzahl an Personen, die relativ schnell zu Beginn des Buches eingeführt wurden, aber hier wurde clever durch die Grafik unterstützt: In der vorderen Buchklappe befindet sich eine Kurzvorstellung jeder der Freundinnen, auf die ich des Öfteren zurückgegriffen habe. Toll gemacht! Auch das Interview mit der Autorin auf der Innenseite der Buchrückseite war gelungen eingebaut. Es wechseln jedoch nicht nur die Perspektiven, sondern auch die Zeiten. Trotzdem blieb es zu jeder Zeit verständlich und übersichtlich. Nach und nach lernt man so die Geschehnisse aus der Vergangenheit mit deren Auswirkungen auf die Gegenwart einzuschätzen und versteht, wie es zu Frankies Selbstmord kommen konnte.
Leider brauchte ich etwas, um in die Geschichte hinein zu kommen, die Beziehungsgeflechte zu durchdringen und mit den meisten Figuren warm zu werden. Sie wurden doch an vielen Stellen etwas klischeehaft dargestellt und waren mir zunächst bis auf Helma und Frankie eher unsympathisch. Auch hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, gerade in Hinblick auf das Thema der enttäuschten Freundschaft und des Verrats, das mehr Potenzial hatte, als genutzt wurde. Einige Stellen waren dann doch recht unglaubwürdig und wirkten konstruiert. So wirkten z.B. auch viele Dialoge sehr „geschrieben“. Dennoch liest sich die Geschichte spannend und lebhaft, ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Durch zahlreiche Andeutungen wurde meine Neugier ins Unermessliche gesteigert und ich wollte unbedingt herausfinden, was damals geschehen ist und die Frauen so zusammengeschweißt hat – dass ihr Aneinander-Festhalten nicht allein aus freundschaftlichen Gefühlen besteht wurde nämlich sehr deutlich. Die „Clique“ kam mir – sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart mehr wie eine Zweckgemeinschaft vor. In schwierigen Situationen war kein Zusammenhalt spürbar und auch die gegenseitige Empathie lässt zu wünschen übrig. Nach und nach wird die Vergangenheit enthüllt und somit ihre Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen bis hin in die Gegenwart nachvollziehbar. Dieses Rätseln und Entschlüsseln hat mir großen Spaß gemacht. Etwas seltsam erschien mir die kurze, beiläufige Abhandlung der Corona-Zeit. Diese Kapitel wirkten sehr eingeschoben und ich kann mir gut vorstellen, dass sie erst im Nachhinein noch hinzugefügt wurden. Das Ende war dann wieder sehr versöhnlich, Frankies Abschiedsbrief hat vieles abschließend erklärt und die Geschichte rund gemacht. Für mich wäre das ein guter Schluss gewesen, stattdessen wurden noch neue Handlungsstränge eingebaut, um noch lose Fäden abzuschließen, die für meinen Geschmack hätten offen bleiben können. So wirkte der Schluss mit den vielen Versöhnungen und Vergebungen etwas zu gewollt harmonisch für mich.
Insgesamt hat mir das Buch dennoch gut gefallen, da es zum Nachdenken darüber anregt, was Freundschaft und Zivilcourage ausmacht und wie sich zwischenmenschliche Beziehungen über die Jahre hinweg entwickeln können. Auch fand ich schön, wie die Charaktere der Protagonistinnen sich erst nach und nach zusammengesetzt haben und sich von unsympathisch bis hin zu authentisch-nachvollziehbar entwickelt haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Anspruchsvolle und anstrengende Charaktere

Schicksal
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Die Geschichte zweier Frauen in Israel, die indirekt miteinander verbunden sind: Atara sucht nach dem Tod ihres Vaters, zu dem sie kein gutes Verhältnis hatte, nach dessen geheimnisvoller erster Frau. ...

Die Geschichte zweier Frauen in Israel, die indirekt miteinander verbunden sind: Atara sucht nach dem Tod ihres Vaters, zu dem sie kein gutes Verhältnis hatte, nach dessen geheimnisvoller erster Frau. Über Rachel durfte nicht gesprochen werden und alles was Atara über sie herausfand war rätselhaft. Als es Atara schließlich gelingt, Rachel aufzuspüren verläuft die Begegnung ganz anders als verhofft. Und dann schlägt das Schicksal zu und schafft Verbindungen zwischen den Frauen und ihren ewig andauernden Schuldgefühlen.
Das Cover von „Schicksal“ ist schlicht gehalten und zeigt eine Frau, die melancholisch und geheimnisvoll auf mich wirkt. Das Cover ist stimmig zur Geschichte, in der es ja auch primär um Atara geht, ansonsten mag ich allerdings keine Gesichter auf Covern, da ich mir die Personen lieber selbst vorstelle. Gut gefällt mir allerdings die Farbgebung, das Gelb im Kontrast zum Schwarz-weißen wirkt eindrucksvoll. Seltsam erscheint mir lediglich, dass der Autorenname in Größe und Farbe den Buchtitel doch sehr stark überstrahlt.
Die Sprache des Buches ist sehr besonders und herausfordernd. Sie ist sehr literarisch, beinahe poetisch und voll von Metaphern – mal passend, mal weniger nachvollziehbar. Ich fand das Buch an vielen Stellen zäh und mühselig zu lesen. Viele Satzkonstruktionen waren kompliziert. Keine leichte Lektüre war es zudem, da über der gesamten Geschichte ein melancholischer Nebel aus Trauer, Sehnsucht, Ohnmacht, verpassten Chancen und verbrauchtem Leben hängt. Es hat mich schon etwas schwermütig werden lassen. Gut fand ich, dass ich als Leser nebenher etwas über die israelische Geschichte lernen konnte, insbesondere durch das Glossar zu verschiedenen Begrifflichkeiten im Anhang.
Im Buch wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt, der von Atara und der von Rachel. Innerhalb dieser Kapitel wird aber auch des Öfteren unvermittelt zwischen den Zeiten sowie Erleben und Reflexion gesprungen, so dass es mir an manchen Stellen schwer fiel den Kontext einzuordnen und die Handlung zu erfassen. Noch dazu wird sehr viel Nebensächliches bis ins kleinste Detail beschrieben, dass es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Am meisten gestört hat mich allerdings, dass unglaublich wenig passiert. Das Buch hat sich sehr gezogen und die vielen (unnötigen) Geheimnisse voreinander, Streitigkeiten und die traurige Stimmung haben es mir nicht ermöglicht, mich wirklich auf das Buch einlassen zu wollen.
Was mich aber am meisten gestört hat war die Protagonistin selbst: Atara hat mich in ihrer Art unheimlich abgestoßen! Ständig kreist sie nur um sich selbst, bemitleidet sich und ist in unendlicher Reflexion und Aufarbeitung. Alles andere gerät ihr dabei völlig aus dem rein selbstbezogenen Blick. Sie ist sprunghaft, streitlustig und ruhelos, verlangt Dinge von anderen, die sie selbst nicht umsetzt. Diese Lebenskrise war mir zu ausgeschlachtet, ihr Selbstmitleid zu überbordend und ich wollte irgendwann einfach nichts mehr von ihrer Charakterstudie hören. Auch sämtliche andere Charaktere waren mir unsympathisch und wurden primär durch ihre negativen Eigenschaften charakterisiert.
Insgesamt empfand ich das Buch als ungemein anstrengend und Atara als die unsympathischste Protagonistin seit langem. Ich kann verstehen, dass anderen Leser sicherlich die Wortgewandtheit der Autorin und ihr literarisch-sprachliches Können gut gefallen, meinen Geschmack hat sie dabei leider aber überhaupt nicht getroffen. Schade, der Kern der Geschichte hatte Potenzial, aber die Ausführung konnte mich alles andere als überzeugen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.07.2021

Das Böse in Jedem

Böse Seele: Thriller
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Ein Mann wird auf brutalste Weise ermordet und verblutet auf einem Feld vor Berlin. Das Ermittlerteam rund um Martyn Becker und Milla Rostow übernimmt den Fall mit den gewohnt unkonventionellen Methoden, ...

Ein Mann wird auf brutalste Weise ermordet und verblutet auf einem Feld vor Berlin. Das Ermittlerteam rund um Martyn Becker und Milla Rostow übernimmt den Fall mit den gewohnt unkonventionellen Methoden, die bereits des Öfteren ihren Vorgesetzen gegen sie aufgebracht hat. Doch Martyn hütet ein Geheimnis, von dem nur Milla weiß: Sein leiblicher Vater ist ein verurteilter Serienmörder, der ihm aus dem Gefängnis heraus bereits des Öfteren hilfreiche Tipps zur Lösung seiner Fälle gegeben hat. Auch diesmal scheint er eine dunkle Vorahnung zu haben - eine Vorahnung, die Martyn persönlich in den Fall involviert.
„Böse Seele“ von Ariana Lambert macht durch das auffällige Cover einer in rot gekleideten Frau auf einer Brücke Richtung Berlin auf sich aufmerksam. Die Farbgebung ist sehr geschickt gewählt, so dass das Cover bedrohlich und faszinierend zugleich wirkt. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang und aus verschiedenen Perspektiven beschrieben, so dass es sich zugig lesen lässt. Der Erzählstil könnte für meinen Geschmack etwas flüssiger sein und auch sind mir teilweise Schreibfehler und fehlende Satzelemente aufgefallen, aber inhaltlich wurden Gefühle und Gedanken gut beschrieben, was für mich persönlich wichtiger ist.
Das Buch startet direkt im Geschehen mit einem blutigen Prolog, der sofort Fragen aufwirft – ein krasser Einstieg, der nichts für schwache Nerven ist. Die Story schreitet schnell voran und wird zunehmend verwirrender. Es werden immer mehr Fragen aufgeworfen, zu denen der Leser nur häppchenweise Informationen erhält. Die Vergangenheit beider Ermittler sowie ihr Privatleben nehmen einen großen Platz ein und weben sich immer stärker in das Netz der Handlung ein. Das Ende war dann etwas vorhersehbar, hatte aber dennoch überraschende Momente. Auf jeden Fall war es absolut schlüssig und hat einen schönen Bogen zum Prolog geschaffen, ohne dass dieser noch einmal gesondert hätte erklärt werden müssen. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefgang und detailliertere Hintergrundinformationen gewünscht, auch sind einige Fragen offen geblieben. Für meinen Geschmack waren auch ein paar eingebaute Cliffhanger etwas übertrieben und wirkten konstruiert. Das Potenzial eines Serienkillers als Vater hätte ich mir noch verstärkter ausgebaut gewünscht.
„Böse Seele“ ist ein spannender Thriller voller Blut und recht vielen Leichen auf wenigen Seiten, das durch ein interessantes Ermittlerduo besticht. Das Buch hat mir schöne Lesestunden beschert, wird aber leider dennoch kein Buch sein, dass lange in Erinnerung bleibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2021

Ein tolles Buch über das Schicksal des geheimnisvollen Königreiches Alandra

Kronenkampf. Geschmiedetes Schicksal
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Das Königreich Alandra wird seit Jahrhunderten durch seine Magie von grausamen Wesen hinter der Landesmauer beschützt: Zur Kupfer- oder Eisenmagie sind nicht alle Menschen fähig und nur die Stärksten dürfen ...

Das Königreich Alandra wird seit Jahrhunderten durch seine Magie von grausamen Wesen hinter der Landesmauer beschützt: Zur Kupfer- oder Eisenmagie sind nicht alle Menschen fähig und nur die Stärksten dürfen auf den beiden Thronen sitzen und die Geschicke des Landes leiten. Die mächtigsten der Kupfernen und Eisernen werden in regelmäßigen Abständen im sogenannten Kronenkampf entschieden. Die junge Dienerin Fiana hätte sich niemals träumen lassen, einmal an diesem Kampf teilzunehmen. Seit frühester Kindheit lebt die Waise im Palast und versucht die ihr innewohnende Magie zu verbergen. Doch Kayden, der Bruder des Kupferkönigs, deckt ihr Geheimnis auf und zwingt sie somit zur Teilnahme am Kronenkampf. Dass Fiana noch ein weiteres, weitaus gefährlicheres Geheimnis innewohnt, darf er jedoch nie erfahren – auch wenn die Gefühle der beiden füreinander immer stärker werden…

Valentina Fast ist mit ihrem Romantasy-Buch „Kronenkampf“ mal wieder ein weiteres Meisterwerk gelungen! Ich liebe ihre Kreativität in der Erschaffung einer neuen Welt, welche durch eine hübsch aufbereitete Landkarte in den Klappen des Buches zum Leben erwacht wird. Auch ist die Magie von Alandra passend und realistisch mit der Menschenwelt verwoben und somit nachvollziehbar. Das glitzernde Cover ist ein absoluter Hingucker und hat mich direkt angesprochen. Schön auch, dass das Sonne-und-Mondzeichen, welches im Buch eine große Rolle spielt, zwischen den Kapiteln immer wieder aufgegriffen wird.

Des Weiteren liebe ich auch in „Kronenkampf“ wieder Valentina Fasts Schreibstil und habe das Buch dementsprechend verschlungen! Es wird aus Fianas Perspektive erzählt, mit der Valentina Fast eine taffe, sympathische Protagonistin geschaffen hat, deren Sorgen und Emotionen der Leser super mitfühlen konnte. Aber auch weitere Personen wie Kayden oder Ariana werden facettenreich und authentisch dargestellt.

In „Kronenkampf“ geht es voll umfänglich um Fianas Geschichte: Von ihrer Gegenwart ausgehend in den Kronenkampf, die darauf folgende Zeit, die Aufdeckung ihres Geheimnisses, ihre Vergangenheit, die sich andeutende Zukunft und gleichzeitig die Geschichte, die Magie und das Schicksal Alandras. Zeitgleich läuft die sich entwickelnde Liebesgeschichte mit Kayden und die ihrer Freundinnen Ariana und Dalia. Dafür, dass das Buch nur 392 Seiten hat wurde hier wahnsinnig viel an Story untergebracht. Leider ging es mir an manchen Stellen fast zu schnell und ich hätte gerne einige Seiten mit vertieften Eindrücken gelesen, z.B. zu den einzelnen Aufgaben des Kronenkampfes. Dafür, dass der Stoff aber leicht eine Triologie hätte füllen können ist es Valentina Fast dennoch super gelungen, alles im Buch unterzubringen, ohne wichtige Verknüpfungen wegzulassen – eine Leistung, die ich sehr anerkenne.

Insgesamt hat mir hat mir „Kronenkampf“ wahnsinnig gut gefallen und ich bin regelrecht in Fianas Geschichte versunken – ein wunderbares, mystisches Märchen mit der richtigen Mischung an Lovestory, Magie und Inhalt. Ich hatte eine tolle Lesezeit und viel Spaß!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2021

Die Rache des „Gehängten“

SCHULD! SEID! IHR!
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Hauptkommissar Rolf Degenhardt steht vor einer seltsamen Situation: Innerhalb von wenigen Tagen ist er mit zwei Selbstmorden konfrontiert, die auf den ersten Blick weder in Zusammenhang miteinander stehen, ...

Hauptkommissar Rolf Degenhardt steht vor einer seltsamen Situation: Innerhalb von wenigen Tagen ist er mit zwei Selbstmorden konfrontiert, die auf den ersten Blick weder in Zusammenhang miteinander stehen, noch als Verbrechen deklariert werden müssen – allerdings nur auf den ersten Blick. Denn beide Männer – ein Obdachloser ehemaliger Ingenieur und ein pensionierter Polizist – starben unter größten Qualen an einer Vergiftung. Zusätzlich stellen Degenhardt und sein Team bei beiden Opfern Tarotkarten fest, die sich auf erstaunliche Weise ähneln. Zufall oder Absicht? Und sind noch mehr Menschen in Gefahr?

„SCHULD! SEID! IHR!“ ist das zweite Buch des Autors Michael Thode, der sich um das Ermittlungsteam rund um Hauptkommissar Rolf Degenhardt dreht. Zwar gibt es an einigen Stellen Anspielungen auf den ersten Band „Das stumme Kind“, liest sich jedoch unabhängig von diesem, da der Autor dem Leser alle notwendigen Informationen gibt, um die aktuelle Geschichte problemlos zu verstehen. In mir wurde dennoch die Neugier auf die vorhergehenden Ereignisse geweckt und es hinterließ mich leider etwas unzufrieden, dass diese nicht kurz erläutert wurden.

Sehr gut gefallen haben mir indes der spannende, treibende Schreibstil des Autors sowie die Idee hinter dem Gesamtkonzept, das Buch in verschiedene Akte mit Hauptdarstellern wie in einem Theaterstück aufzubauen. Das fand ich sehr kreativ und interessant. Passend dazu die sechs Striche auf dem Cover, das somit in seiner Schlichtheit einen schönen Bezug zum Inhalt schafft. Ebenfalls toll waren die kurzen Kapitel mit ständigen Perspektivwechseln zwischen Täter, Opfer und Ermittler sowie die Rückblenden in die Zeit der auslösenden Ereignisse. Diese ständigen Wechsel haben mich nicht nur permanent mitdenken lassen, sondern auch das Tempo der Handlung permanent erhöht. Durch den Einblick in die Sicht des Täters wird dem Leser dessen Motiv und Emotionen ersichtlich und man fiebert darauf hin, dass all diese Perspektiven schlussendlich aufeinandertreffen. Auch interessant fand ich die Kapitel mit sachlichen Erläuterungen zum Tarotspiel.

Das Buch beginnt mit einem rätselhaften und bereits grausamen Prolog. Sofort war mein Interesse geweckt, wie diese Geschichte aus der Vergangenheit mit den Geschehnissen in der Gegenwart zusammenhängt. Erst danach beginnen das streng durchgeplante Vorgehen des „Gehängten“ und seine Unterteilung in sechs (Rache-)Akte. Im Folgenden wechselt die Handlung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, der Perspektive des Täters, der verschiedenen Opfer und der Ermittler. Teilweise schweift die Handlung weg vom eigentlichen Fall, in anderen Passagen liegt der Fokus eindeutig auf den polizeilichen Ermittlungen des Teams rund um Rolf Degenhardt, aus dessen Privatleben der Leser ebenfalls Einblick erhält – insgesamt wurden hier sehr viele unterschiedliche Handlungsstränge geschaffen, die aber nicht alle am Ende zusammengeführt und gelöst wurden. Gerade der private Bezug Degenhardts sowie die Abteilungsinternen Querelen seines Teams werden so für das Folgebuch des Autors noch von Relevanz sein. Für meinen Geschmack hätte der Fokus auch komplett auf dem Fall bleiben können, so kamen mir an manchen Stellen die Ermittlungsarbeit sowie deren Hintergründe etwas zu kurz. Insgesamt fand ich den Spannungsbogen dennoch gelungen und auch wenn bereits zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt der Täter enttarnt war und sein Motiv offen gelegt hat habe ich die Geschehnisse noch aufgeregt weiterverfolgt um herauszufinden, ob er sein Ziel erreichen wird oder ob die Polizei schneller sein wird. Gerade diese Einblicke in seine Psyche haben mich verstärkt mitfiebern lassen. So war auch das Ende des Buches wenig überraschend und kein fulminanter Showdown, aber das hat es meiner Meinung auch nicht gebraucht – das Ende war schlüssig und stimmig und darauf kommt es mir persönlich an. Etwas unbefriedigt zurückgelassen haben mich doch noch einige offene Fragen zum Ende, die nicht mehr aufgeklärt wurden. Auch waren es für meinen Geschmack zu viele Anspielungen auf das Vorgängerbuch.

Insgesamt hat mir „SCHULD! SEID! IHR!“ gut gefallen, vor allem der strukturierte Aufbau der Handlung und die Anspielungen auf ein Theaterstück habe ich als sehr kreativ empfunden. Für mich war es eine Mischung aus Krimi und Thriller, da zunächst mehr Wert auf die Ermittlungsarbeit und gegen Ende erst auf Spannung gelegt wurde. Auch wenn ich mir am Ende einige Antworten mehr erhofft habe hatte ich dennoch tolle Lesestunden und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung