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Veröffentlicht am 18.02.2021

Rückblick

Ganz oben Ganz unten
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"Ganz oben ganz unten" von Christian Wulff vermittelt dem interessierten Leser einen guten Einblick, wie es hinter den Kulissen der Politik zuging - vielleicht noch immer zugeht. Wahrscheinlich hätte ...

"Ganz oben ganz unten" von Christian Wulff vermittelt dem interessierten Leser einen guten Einblick, wie es hinter den Kulissen der Politik zuging - vielleicht noch immer zugeht. Wahrscheinlich hätte dieses Buch gut 500 Seiten dick sein können und es wäre trotzdem nicht alles gesagt worden, was von Bedeutung war. Vor allem nicht über die Rolle der Medien/Journalisten. Inzwischen haben ja auch schon bekannte Journalisten öffentlich zugegeben, dass sie sich für das, was sie damals schrieben, heute zutiefst schämten. Hinterher ist man eben immer schlauer.

Natürlich schreibt Herr Wulff dieses Buch aus seiner Sicht, so wie die jeweiligen Journalisten damals aus ihrer Sicht berichteten. Ich denke, von niemandem kann man eine völlige Objektivität erwarten.

Zu Beginn geht Herr Wulff auf seinen Werdegang in der CDU, als auch die Vorbereitungen zur Wahl des Bundespräsidenten ein. Er war der Wunschkandidat von Frau Merkel. Ich habe mir zig aussagekräftige Sätze notiert, doch es würde den Rahmen sprengen, wollte ich diese komplett hier aufführen.

Christian Wulff war der bisher jüngste Bundespräsident. Sein Pech, Herr Gauck war der Favorit des Hauses Springer (S.44). Ch. W. geht zu Beginn des Buches auf die Medien und deren Berichterstattung ein. Auf S. 46 können wir lesen:"...Was den Spiegel und das Haus Springer jenseits aller Links-Rechts-Kategorie einte, war der Wunsch, Politik zu machen. Sie wollten nicht mehr über Stärken und Schwächen nominierter Kandidaten berichten, sondern selbst nominieren und Einfluss nehmen auf den Ausgang der Wahl. ...." Auf Seite 48 wird Frank Schirrmacher (FAZ) zitiert, "...Es fällt nicht schwer, in der aktuellen, völlig unpolitischen Debatte Züge des Selbshasses eines bürgerlichen Milieus zu sehen, dessen größtes Abenteuer das Bungee-Springen in Australien war". "Für dieses Publikum, das nach Unterhaltung lechze, sei Joachim Gauck der ideale Kandidat: Wie ein Romanheld lenke er das Publikum ab von seiner eigenen Bequemlichkeit: Der Selbstbetrug der Gesellschaft ist abenteuerlich".

Als Präsident war Ch. W. die Außenpolitik und ein gutes Miteinander der Staaten wichtig. Viele seiner Begegnungen mit anderen Staatsmännern kommen in dem Buch zur Sprache. Im Mai 2011, im Rahmen einer Informationsreise mit dem Diplomatischen Korps auf das Hambacher Schloss machte er auf einige Parallelen zwischen dem arabischen Frühling und dem langen beschwerlichen Weg Deutschlands zur Einheit in Freiheit und Frieden aufmerksam. " Deutschland ist eine junge Nation, die auf dem Weg zur Demokratie viele Rückschläge hinnehmen musste. Wir vergessen das gelegentlich, wenn wir draußen in der Welt mit erhobenem Zeigefinger aufteten". (S. 104)

Sehr interessant und verbindend seine Worte zu den Religionen. Ch. W. weist auf S. 154 des Buches darauf hin, "...dass Joseph Kardinal Frings 1965 türkischen Arbeitsmigranten die Seitenschiffe des Kölner Doms für ihre Gottesdienste zur Verfügung stellte. Damals gab es nicht genügend Moscheen in Köln, und so breiteten hunderte Muslime Ihre Gebetsteppiche im Kölner Dom aus, um das Ende des Fastenmonats Ramadan mit einem Gottesdienst zu feiern...." Ich glaube, den meisten Menschen in diesem Land war dies - genau wie mir - bis dato unbekannt.

Mit großem Interesse las ich seine Sicht auf die damalige Wirtschaftskrise. Vieles hat Ch. Wulff als Bundespräsident angestoßen, was von den Nachfolgern in diesem Amt vollendet wurde. Vielleicht war er dem Denken der damaligen Zeit einfach schon voraus.

Spannend wie ein Krimi lesen sich die Kapitel "Die Jagd" als auch "Die letzte Kugel". Es wird (S.177) eine überlieferte Anekdote des verstorbenen Spiegereporters Jürgen Leinemann zitiert, die das Verhältnis Journalisten - Politiker aufzeigt. Interessant auf der gleichen Seite:"....Als Hans Leyendecker im Namen der Redaktion der Süddeutschen Zeitung im Mai 2012 den Henri-Nannen-Preis für investigativen Journalismus ablehnte, um so gegen die gleichzeitige Auszeichnung der Bild-Zeitung für ihre angebliche Rechercheleistung in meinem Fall zu protestieren - eine Auszeichnung, die nach Meinung der Süddeutschen allen journalistischen Standdards Hohn sprach -, wurde dies von der Zunft als unsolidarisch gebrandmarkt. Die Jury sah sich mit der grundsätzlichen Frage konfrontiert, wie man eine journalistische Leistung bewertet und was mehr zählt: Die Solidarität der Recherche oder die beabsichtigte Wirkung."

Wie heißt es allgemein, "später ist man immer schlauer". So auch Ch. W., der auch seine eigenen Fehler darlegt, zu späte erkannte, dass er Situationen falsch einschätzte und in einigen Fällen auch falsch reagierte.

Inzwischen weiß man, dass Herr Wulff in langwierigen Prozessen völlig rehabilitiert wurde. Siehe das Kapitel "Das Recht". Auf Seite 256 findet dieser Polit-Krimi ein Ende und im letzten Absatz dankt Christian Wulff von ganzem Herzen allen Menschen, die ihm in dieser schwierigen Zeit beigestanden haben Christian Wulff hat inzwischen neue Betätigungsfelder gefunden. U. a. ist er im Auftrag der Kanzlerin für die Bundesrepublik Deutschland im Ausland unterwegs.

Ein Bildteil in der Mitte des Buches zeigt viele seiner politischen Stationen. Das letzte Bild wurde nach dem Freispruch am 27. Februar 2014 aufgenommen.

Während des Lesens dieses fesselnden Buches kam mir immer wieder ein altes deutsches Sprichwort in den Sinn, welches mein Opa - ein politisch interessierter und begeisterter Tageszeitung-Leser - sehr oft im Munde führte: "Einer ist dem Anderen sein Teufel".



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Veröffentlicht am 06.02.2021

Weder Kitsch noch Klischee

Miss Bensons Reise
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Das Buch "Miss Bensons Reise" von Rachel Joyce beginnt in einem englischen Pfarrhaus - mit einem lauten Knall. 1914 war Margery Benson 10 Jahre alt, ihre vier Brüder waren alle im Krieg, als sie von ihrem ...

Das Buch "Miss Bensons Reise" von Rachel Joyce beginnt in einem englischen Pfarrhaus - mit einem lauten Knall. 1914 war Margery Benson 10 Jahre alt, ihre vier Brüder waren alle im Krieg, als sie von ihrem Vater in dessen Arbeitszimmer gerufen wurde und erstmals von dem goldenen Käfer in Neukaledonien hörte. Sofort war ihre Neugierde geweckt. Kurze Zeit später klingelt es an der Haustür und ein Bote brachte ihrem Vater die Schreckensnachricht. (Seite 13) > "Alle?", sagte er. "Wie? Alle vier?" Er nahm etwas aus der Schublade und ging durch die Terrassentür hinaus, und bevor Margery begriff, was passiert war, hatte er sich erschossen.<

Beim Lesen dieses Buch hatte ich die Empfindung, dass diese ganz lapidar erzählte Episode im Hintergrund Margerys Leben mitbestimmte. Bei allem was sie in ihrem Leben antrieb, führte dieses Erlebnis auf eine hintergründige Art Regie.

Der Roman beginnt 38 Jahre später. Margery ist Hauswirtschaftslehrerin - ein Beruf, den sie im Grunde gar nicht mochte. Ihr tatsächliches Interesse gehörte seit diesem denkwürdigen Tag im Pfarrhaus ausschließlich den Insekten.

Unter ihren Schülern kursierte an diesem Morgen eine Karikatur von ihr, die so präzise ihr skurriles Wesen und ihre verschrobene Persönlichkeit abbildete, dass sie selbst über das was sie sah, erschrak. So sahen ihre Schüler also Margery Benson! Es war einer dieser Aha-Momente, die ein ganzes Leben verändern können. Margery beschloss, ihr bisheriges Leben zu verlassen und den goldenen Käfer in Neukaledonien zu suchen. Ein wenig erinnert mich das an Mundus in "Nachtzug nach Lissabon", der auch von einem Moment zum anderen aus seinem Leben ausstieg.

Ganz gezielt ging Margery von nun an vor. Ihr war klar, allein konnte sie diese Expedition nicht schaffen. Also suchte sie mit einer Annonce eine Begleitung für ihre Reise. Am Tag der Abreise hat Margery keine andere Wahl als Enid Pretty mitzunehmen, die in ihrem Hütchen und dem engen, pinkfarbenen Kostüm eher einer Sexbombe gleicht als einer Abenteurerin.

Marge und Enid - gegensätzlicher können zwei Frauen gar nicht sein. Und doch sind sie sich in ihrem Innersten sehr ähnlich. Allerdings entspinnt sich dies erst im Laufe des Romans, als die beiden Frauen Freundinnen werden und sich gegenseitig sowohl traurige als auch glückliche Momente ihres Lebens anvertrauen. Man sollte als Leser eine Faible für skurrilen, englischen Humor mitbringt, damit man diesen - in einigen Passagen - völlig überzogenen Roman genießen kann.

In Neukaledonien zeigt sich Enids Organisationstalent als es gilt, auf sehr unkonventionelle und nicht legale Art die Ausrüstung für die Expedition zu beschaffen. Das Rechtsbewusstsein von Marge bekommt gewaltige Risse.

Hier, am anderen Ende der Welt finden wir uns auf Partys der snobistischen Kolonialherren, der Upperclass von Neukaledonien wieder. Deren gelangweilte Gattinnen müssen irgendwie die Zeit totschlagen, dabei gleichzeitig die Hoffnung hegen, ihrem öden Alltag einen Kick verpassen zu können. Detektiv spielen bietet sich da geradezu an. Und da ist auch Mundic, ein Kriegsveteran aus England, der in den geheimsten Winkeln seines Hirns noch immer glaubt in einem Gefecht in Burma zu kämpfen. Mundic ist das Paradebeispiel des vom Militär vergessenen Kriegsteilnehmers, für den das Land keine Verwendung mehr hatte und um dessen Probleme die Regierungsseite glaubte, sich auch nicht mehr kümmern zu müssen. Anfangs war mir nicht klar, wie dieser durchgeknallte Mann in das gesamte Geschehen passen sollte. Immer wieder taucht er wie ein Schatten von Enid und Marge auf und gibt sich seinen skurrilen Gedankengängen hin, entwickelte Strategien, die nur er verstand. Doch für das Ende dieses Romans ist Mundic unverzichtbar.

Das Buch beinhaltet viele kluge Sätze, wie z. B. auf Seite 247: "Was immer an vernichtender Traurigkeit in einem steckte, reiste mit."

Ach ja, das Ende! Irgendwie gefiel es mir als Leser nicht sonderlich. Doch wäre es anders, würde ich von Kitsch oder Klischee reden. Beides wäre in diesem Buch fehlt am Platz. Versöhnlich dagegen das letzte Kapitel als Anhang.

Dies ist ein Buch für Leser die das Abenteuer lieben. Nichts ist alltäglich was hier geschieht. Der ganze Roman ist auf seine spezielle Art außergewöhnlich. Wäre dieses Buch - insbesondere gegen Ende zu - nicht diesen Touch zu stark überzogen, ich würde 5 Sterne dafür geben. So sind es 4,5.

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Veröffentlicht am 22.01.2021

Was "Douglas" tatsächlich so groß machte, bleibt verborgen

Die Douglas-Schwestern
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Bei der Bewerbung für dieses Hörbuch hatte ich leider ganz andere Vorstellungen. Dass auch Liebe eine Rolle spielen würde dachte ich mir zwar und nahm es billigend in Kauf. Aber man muss ja nicht gleich ...

Bei der Bewerbung für dieses Hörbuch hatte ich leider ganz andere Vorstellungen. Dass auch Liebe eine Rolle spielen würde dachte ich mir zwar und nahm es billigend in Kauf. Aber man muss ja nicht gleich so auf die Pauke hauen.

Allein der Schriftzug "Douglas" erzeugte schon bestimmte Bilder in meiner Vorstellung und wunderbare Düfte in meiner Nase. Ich hatte gehofft, etwas mehr von dem Erfolgs-Geheimnis dieser Parfümerie-Kette zu erfahren. Doch in erster Linie geht es bei diesem Hörbuch dann doch um Herz-Schmerz. Am Ende erfährt die Hörerin - ich glaube nicht, dass Männer dieses Hörbuch wählen - dann auch, dass von dem Werdegang "Douglas" und den Personen die von Beginn an hinter diesem Lable stehen, nicht sehr viel bekannt ist. Also musste die Autorin ihre Phantasie bemühen, eine Geschichte zu kreieren. Was "Douglas" tatsächlich ausmacht, bleibt mir nach wie vor verborgen. Schade!

Viel Phantasie hat die Autorin aufgebracht, diesen Frauen-Roman zu schreiben. Was dabei herauskam ist nicht so mein Ding. Doch jetzt das große ABER, weshalb ich doch bis ans Ende hörte: Ab dem 2. Weihnachtstag lag ich krank im Bett und konnte die Augen zum Lesen nicht aufhalten. Auch mit der Konzentration haperte es. Und da kam dieses Hörbuch gerade zur richtigen Zeit ins Spiel. Der Inhalt ist recht banal und ich musste mich nicht konzentrieren - konnte mich von der Sprecherin einfach mit Worten berieseln lassen. Wenn ich mal einen Satz lang weg döste machte es auch nichts. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die erste CD zweimal hörte, damit ich nicht zu sehr den Faden verlor. Aber auch beim 2. Hören empfand ich das Hörbuch nicht unbedingt als meins. Liebe, Herz, die ganze Inhaltspaletten der Frauenromane sind hier vereint. - Für meine Begriffe zu viel davon. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Allerdings, dadurch passt es nicht in mein bevorzugtes Genre. Wobei ich allerdings einräumen muss, dass dieses Hörbuch wiederum ideal war, die Genesungszeit im Bett tot zu schlagen. Beim Hören verlangte es mir nichts ab. Ich könnte mir auch vorstellen, dieses Hörbuch auf einem Langstreckenflug zu hören oder auf einer langen Autofahrt.

Deshalb kommen von mir 3 Sternchen.

Jedoch, wer auf herzerweichende Frauen/Liebesromane in Hörbuchform steht, der wird wahrscheinlich mehr auf seine Kosten kommen als ich. Denn davon bietet dieser Roman sehr viel.

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Veröffentlicht am 22.01.2021

Wer kennt nicht das Museum of Modern Art?

Miss Guggenheim
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Wohl jeder hat schon mal von dem Guggenheim Museum in New York gehört oder gelesen. Mir war durch dieses Museum der Name Guggenheim ein Begriff und ich ging mit ganz bestimmten Vorstellungen an dieses ...

Wohl jeder hat schon mal von dem Guggenheim Museum in New York gehört oder gelesen. Mir war durch dieses Museum der Name Guggenheim ein Begriff und ich ging mit ganz bestimmten Vorstellungen an dieses Hörbuch. Wahrscheinlich war dies mein größter Fehler, denn nach knapp der Hälfte von "Miss Guggenheim" von Leah Haydan, wünschte ich mir nur noch, dass es doch bald zu Ende sei.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, beginnt im Jahre 1957 in Venedig und wandert zurück in die Kriegszeit, als Miss Guggenheim in Europa weilte. Sie ist Jüdin und nur ihr amerikanischer Pass schützt sie vor der Verhaftung. Hier lernt sie auch den Maler Max Ernst kennen, mit dem sie später in New York lebte. In der Welt der Kunst hatte sie schon lange einen guten Namen als Kunstkenner und Sammlerin. Peggy hatte ein Gespür dafür. Allerdings muss man sich dies auch leisten können. Und sie konnte es, dafür hat ihr Großvater gesorgt und Peggy mit einem dicken finanziellen Polster ausgestattet das ihr ermöglichte, ein Leben in Luxus zu führen. Doch für sie bedeutet Luxus nicht so sehr Mode oder Schmuck und Brillanten, sondern moderne Bilder kaufen zu können, die ihr gefielen - egal was diese kosteten.

Im Grunde wurde in dem Hörbuch nur ihre Zeit mit Max Ernst zum Thema. Das waren mal gerade drei Jahre. Dass sie vorher schon einmal verheiratet war und auch Nachwuchs hatte, erwähnt die Autorin immer mal wieder nebenbei. Dieser Teil des Lebens von Miss Guggenheim bleibt eher schemenhaft.

Damit wäre ich auch schon bei den Mängeln des Buches. Geschrieben ist dieses Buch im typischen Stil von Frauenromanen. Alles wirkt auf mich etwas "süßlich". Bekannt ist, dass Peggy Guggenheim kein Kind von Traurigkeit war und in ihrem Leben gerne und öfters die Männer wechselte. Doch beschrieben wird sie von der Autorin als sei sie in ihrem Auftreten hausbacken und bieder. Diese Beschreibung und das, was über Peggys Leben bekannt wurde, ist nicht deckungsgleich. Allerdings hat mich dieses Hörbuch neugierig auf die tatsächliche Peggy Guggenheim gemacht und ich machte mich im Internet auf die Suche nach dieser Kunstsammlerin. Dort wurde ich dann auch fündig.

Für mich ist es ein Hörbuch, das mich nicht zu fesseln vermochte und über dem ich regelmäßig eingeschlafen bin. Dazu trug allerdings auch diese gleichförmige und monotone Stimme der Sprecherin bei.

3 Sternchen Bewertung, ist sogar etwas mehr, als mir dieses Hörbuch gefällt. Einräumen möchte ich allerdings auch, wer voll auf Frauenromane steht, dem wird dieses Hörbuch ganz sicher besser gefallen als mir.

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Veröffentlicht am 03.12.2020

Aus Sicht von Ada: "Meine Familie, wo seid ihr gewesen, als ich euch brauchte?"

Ada, wo bist du?
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"Ada, wo bist du?" von Melanie Kleinloh ist ein sehr emotionales Buch. Wer bereits schon mal Bücher des fontis Verlages gelesen hat der weiß, dass einen keinen dieser Allerweltsromane erwartet. Dieses ...

"Ada, wo bist du?" von Melanie Kleinloh ist ein sehr emotionales Buch. Wer bereits schon mal Bücher des fontis Verlages gelesen hat der weiß, dass einen keinen dieser Allerweltsromane erwartet. Dieses Buch hat auch sehr viel Gottesbezug.

Das Buch wird vom Ende her erzählt, als sich Ada mit dem Fahrrad auf den Weg zu einer Verabredung mit ihrer Tochter und ihrem Enkel macht. Gegenwart und Vergangenheit fließen ineinander. Das Heute wäre nichts ohne das Gestern.

Im Mittelpunkt stehen Ada und Johan die sich bei einer christlichen Jugendfreizeit kennenlernen. Von der Autorin sehr schön beschrieben, wie sie sich Zeit lassen und die Liebe zwischen ihnen langsam aber stetig wachsen kann. Haben sie von Anfang an gewusst, dass es die Lieben fürs Leben ist? Man könnte es fast glauben, wie beharrlich sie sind. Ada im Schwarzwald beheimatet und Johan in Berlin.

Der Weg führt beide nach Afrika in ein fremdes und auch aufregendes Leben. Das Glück lebt mitten unter ihnen und scheint vollkommen, als nacheinander drei Kinder zur Welt kommen. Doch wo Glück ist, gibt es auch Kummer. Ihr kleiner Sohn ist ein schwaches Kind, das viel Zuneigung und Fürsorge braucht. Trotzdem liegt er eines morgens tot in seinem Bettchen. Plötzlicher Kindstod.

Das Glück ist aufgebraucht. Gerade jetzt brauchten die beiden Mädchen ihre Mutter, doch sie ist nicht erreichbar. Lebt in ihrer tiefen Trauer. "Ada, wo bist du?" könnte man erstmals fragen.

Zurück in Deutschland leben sie ein ganz normales Familienleben. Vater, Mutter und zwei Kinder. Der Tod des Sohnes scheint überwunden. Doch etwas läuft nicht richtig. Haben sie zu wenig über ihre Gefühle, ihre Trauer gesprochen? Das die jüngste Tochter im Leben keinen richtigen Halt findet, mit Drogen in Kontakt kommt, bleibt lange unbemerkt. Sie strebt aus dieser Familie. Nur weg.

"Ada, wo bist du?", könnten Johan und ihre Kinder fragen, als in frühen Jahren bei Ada Alzheimer diagnostiziert wird und sie langsam aber stetig in ihrer eigenen Welt versinkt, immer weniger für ihre Familie erreichbar ist. Endlich ist sie wieder glücklich. Alles Belastende ist abgefallen. Sie ist frei.

Unglücklich und sehr oft ungehalten ist Johan, an dem nun alles hängt. Sein Beruf als Architekt und das Leben mit Ada, die er kaum mehr alleine zu Hause lassen kann.

"Ada, wo bist du?" fragt Johan, als er von der Arbeit nach Hause kommt und feststellt, seine Frau ist weg. Die sofort eingeleitete Suchaktion bleibt erfolglos. Es sind die kleinen, unglücklichen Zufälle des Lebens, dass sie nicht schnell genug gefunden wird.

Es ist, als hätte es dieses Verschwinden Adas bedurft, damit sich Johan der Liebe, die so schwierig geworden war, zu seiner Frau wieder bewusst wird.

Es ist ein sehr berührendes Buch. Wie ist es, wenn der Ehepartner oder die Mutter zwar physisch anwesend ist, sich jedoch als Person endlos weit entfernt hat, nicht mehr erreichbar ist?

Die Handlung des Buches und wie es der Autorin gelingt die einzelnen Situationen einzufangen ist auf jeden Fall fünf Sterne wert. Allerdings erinnert mich der Schreibstil der Autorin stellenweise an einen Schulaufsatz. Doch das ist nur eine Kleinigkeit als Makel.

Es ist ein lesenswertes Buch. Zeigt es doch, wie nah das große Glück und das tiefe Leid im Leben beieinander liegen.

"Ada, wo bist du?". Aus Adas Sicht könnte es auch heißen: "Meine Familie wo seid ihr gewesen, als ich mich verlor?".

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