DAs Leben und die LIebe haben viele Facetten
Fast ein LebenAuf dieses Buch aufmerksam wurde ich durch das interessante Cover. Ein Eyecatcher, der dem Betrachter bereits auf den ersten Blick in etwa beschreibt, was ihn in diesem Roman erwartet. Laure und Erica ...
Auf dieses Buch aufmerksam wurde ich durch das interessante Cover. Ein Eyecatcher, der dem Betrachter bereits auf den ersten Blick in etwa beschreibt, was ihn in diesem Roman erwartet. Laure und Erica werden bereits auf dem Cover in ihrer jeweiligen Persönlichkeit perfekt dargestellt.
Mit ihrer Sprache landet die Autorin einen Volltreffer. Ihr Umgang mit Wort und Ausdruck ist der jeweiligen Situation angepasst. Mal derb bis hin zu brüskierend und dann wieder zart und empfindsam. Es ist spannend, sich darauf einzulassen.
Den ersten Teil des Romans könnte man auch als Entwicklungsroman bezeichnen. Es ist reiner Zufall, dass sich Laure und Erica in Paris begegnen. Zuerst wechseln sie nur wenige Worte, die zurückhaltende und naiv daherkommende Erica aus England und die forsche, egoistische Laure, die sofort weiß was sie von Erica will. Am nächsten Tag treffen sich Erica und Laure, sowie deren Freunde. Ein erster, vorsichtiger Kuss auf den Mund, ausgehend von Laure. Ein Herantasten. Anfängliche Zurückhaltung von Erica und dann die Erwiederung. Innerhalb kürzester Zeit entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung, die alles Sonstige ausblendet. Laure, lebt ihre Exzentrik und ihren Egoismus voll aus. Dass ihre früheren Liebhaberinnen leiden - geschenkt. Es zählt nur das Jetzt. Egoismus zu zweit. Ab und zu denkt Erica mal an zu Hause und was ihre Eltern sagen würden - doch die sind weit weg und bekommen nichts mit. Sie leben wie in einem Rausch. Erst als Erica erwähnt, dass sie demnächst nach Hause fahren wird um ihr Studium zu beginnen, tauchen Laure und Erica wieder aus ihrer Blase auf. Während sich Erica auf den neuen Lebensabschnitt freut, fällt Laure in eine tiefe Traurigkeit, Depression und innere Zerrissenheit. Diesmal ist das geschehen, was sie nie wollte: Sie hatte sich heftigst in Erica verliebt. Alkohol wird 24 Stunden am Tag der Begleiter von Laure. Der Absturz. Selbst von einer Liebhaberin verlassen zu werden ist für sie neu und unerträglich.
Dieser erste Teil des Buches ist die Grundlage, aus der sich das jeweilige Leben von Laure und Erica entwickelt.
Auch wenn beide Frauen beim Abschied versprachen sofort zu schreiben und Kontakt zu halten, ist nichts mehr wie es war. Es dauert lange, bis sie brieflich in Kontakt treten. Jede mit Entschuldigungen von viel Arbeit, weshalb der erste Brief so lange auf sich warten ließ. Und es dauert noch länger, bis sich Laure und Erica wieder treffen. Sie haben sich beide weiter entwickelt. Nicht gemeinsam sondern getrennt voneinander und in unterschiedliche Richtungen. Unübersehbar. Fast sind sie sich fremd geworden. Eine greifbare, wenn auch unsichtbare und doch trennende Wand begleitet sie während der Zeit des Treffens.
Laure und Erica gehen getrennt auf ihrem jeweiligen Lebensweg weiter. Trotzdem bleibt zwischen ihnen immer eine Verbindung bestehen, die mitunter recht schwierig ist. Halt mich fest - lass mich los, scheint ihre unausgesprochene Devise zu sein. Laure wäre nicht Laure, würde ihr weiteres Leben geradlinig verlaufen. Politisiche Wirren, ihr unstetes Leben sind speziell und passen zur kapriziösen Laure.
Dagegen entwickelte sich in Erica bereits während ihres ersten Aufenthaltes in Paris eine ungefähre Vorstellung darüber, wie sie sich ihr zukünftiges Leben vorstellte. Nicht mit Laure, sondern mit Familie und Kindern.
Vielleicht war es ihre Unterschiedlichkeit, die Laure und Erica gegenseitig anzog und ihr ganzes Leben immer wieder miteinander verband. Eine tief empfundene Liebe, die abflachte, aber nie völlig zerbrach und egal was gerade geschah, immer einen latenten Halt gab.
Mehrmals fragt man sich beim Lesen, was wäre geschehen, hätten sich diese beiden Protagonistinnen in bestimmten Situationen anders verhalten, eine andere Entscheidung getroffen bzw einen anderen Weg eingeschlagen? Alles hätte möglich sein können.
Sich darüber Gedanken zu machen, "was wäre wenn....", dazu lädt dieses Buch auch nach der letzten Seite ein.