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Veröffentlicht am 03.09.2021

Die Himmelslichter tanzen zu einem Lied, das niemand hört ...

Das Zeichen der Erzkönigin
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"Ich bin ein Bastard ... Ich habe keine Reichtümer und keinen Titel, ich habe nicht einmal einen Namen. Ich habe nichts außer meinen Fähigkeiten. Ich tue schreckliche Dinge und diese Dinge mache ich besser ...

"Ich bin ein Bastard ... Ich habe keine Reichtümer und keinen Titel, ich habe nicht einmal einen Namen. Ich habe nichts außer meinen Fähigkeiten. Ich tue schreckliche Dinge und diese Dinge mache ich besser als jeder andere."

"Das Zeichen der Erzkönigin" ist der Auftakt zu einer fantastischen High-Fantasy-Reihe und gleichzeitig das Debüt von der deutschen Autorin Serena J. Harper. Es wundert mich nicht, dass die Autorin für diesen Roman einige Preise eingeheimst hat, dieses Buch ist nämlich rundheraus ein Meisterwerk. Wahnsinn, was die Autorin da für eine großartige Geschichte gezaubert hat.

Inhalt: Norfaega wird von der grausamen Königin Lamia sadistisch in Alleinherrschaft regiert. Niemand kann sie aufhalten, denn es ist tausende Jahre her seit die letzte Erzkönigin über den Kontinent geherrscht hat und mit ihren mächtigen Kriegern leibt sich die schreckliche Königin Lamia Hof für Hof jedes Stück Land und somit auch Macht ein. Ihre gefährlichste Waffe ist der Blutritter Rodric, denn er trägt die schwarze Rún auf seinem Arm und ist somit der mächtigste Krieger des Reiches.
Als Prinzessin eines der letzten freien Höfe von Norfaega muss die kleine Lyraine mit ansehen, wie ihr Zuhause zerstört und ihre Familie ermordet wird. Sie kann entkommen und gemeinsam mit dem Seher Varcas beginnt eine Flucht, die das Leben sehr vieler Lebewesen verändern wird, denn das Schicksal ist bereits gewoben und für jeden die Zeit gekommen eine Entscheidung zu treffen.

Cover und Design: Das Buch ist mit seinen etwa 800 Seiten recht dick und ich bin sehr froh, dass dafür als Format ein broschiertes Taschenbuch gewählt wurde. Für dicke Fantasy-Bücher ist das die beste Wahl, denn es ist nicht zu schwer in der Hand, der Buchrücken bricht aber auch nicht so schnell wie bei einem herkömmlichen Taschenbuch. Leider muss ich gestehen, dass mich das Cover des Buches nicht sofort angesprochen hat. Hätte ich nicht schon etliche positive Stimmen darüber gehört, dann hätte ich vermutlich niemals dazu gegriffen. Die Farbgestaltung des Buches und die Schriftart des Titels sind zwar schön gewählt, jedoch stört mich das Zepter im Vordergrund des Covers. Das Zepter nimmt zwar Bezug auf die Story, jedoch wirkt das Design des Covers dadurch etwas "billig" und hätte durch eine aufwändigere Einarbeitung ins Gesamtbild besser ausgearbeitet werden können.
Leider befindet sich trotz der komplexen und weitreichenden Geschichte keine Karte dieser High-Fantasy-Welt. Schade, denn Karten sind in diesem Genre sehr hilfreich um sich alles besser vorstellen zu können. Gerade am Anfang hat es einige Zeit gedauert bis man sich in der komplexen Welt zurechtfindet und mit einer Karte geht das natürlich noch ein bisschen schneller.

Meine Meinung: Ich kann es einfach nicht glauben, dass dieser Roman das Debüt der Autorin ist. Wahnsinn, was Serena J. Harper hier für ein Meisterwerk geschaffen hat. Ein Fantasy-Epos vom Feinsten mit einer komplexen und spannenden Handlung, starken und einzigartigen Charakteren und einer fantastischen, noch nie da gewesenen Fantasy-Welt. Der Schreibstil ist flüssig, aber auch nicht zu einfach gehalten. Vor allem zu Beginn benötigt man etwas Aufmerksamkeit bis man in die Welt eingeführt wird und alle Charaktere kennen gelernt hat. Dann verfliegen aber die Seiten und man kann das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Zartbesaitete Seelen sollten aber die Finger von dem Buch lassen, die Autorin nimmt nämlich kein Blatt vor dem Mund und es gibt etliche brutale und herzzerreißende Szenen, die einen wirklich schockieren. Wer aber kein Problem mit blutigen und grausamen Szenen hat, den erwartet hier ein Epos, das den bekanntesten Fantasy-Größen in nichts nachsteht. Ich würde es als eine Mischung zwischen "Game of Thrones", "Das Reich der sieben Höfe" und "Herr der Ringe" beschreiben, aber eigentlich wird das Werk einem Vergleich nicht gerecht weil es natürlich etwas völlig eigenständiges und nur schwer zu beschreiben ist. Diese High-Fantasy-Welt wird nämlich von Königinnen beherrscht, die ihren Thron nicht erwählt oder beerbt bekommen, sondern der Thron fällt an die junge Frau, dessen Hand die Rún der Königin ziert. Jeder Mensch und jedes Geschöpf in Norfaega erhält im jugendlichen Alter eine Rún, welche den Beruf und den Stand dessen Trägers bestimmt. Diese Rún erscheinen willkürlich und sind nicht beeinflussbar. Wie mächtig der Träger der Rún ist, zeigt sich an der Farbe der Rún. Weiß bedeutet, dass keinerlei Magie vorhanden ist, schwarz dagegen ist die mächtigste Farbe. Die Königin ist mit ihrem Land verwurzelt und das Land ernährt sich sozusagen von der Macht der Königin. Ein Land ohne Königin geht somit langsam aber sicher zu Grunde. Ich habe bisher noch nichts Vergleichbares gelesen und mir hat diese außergewöhnliche und gut durchdachte Welt stark beeindruckt.
Auch die unterschiedlichen Völker von Norfaega waren mal etwas Anderes. Grundsätzlich wird der Kontinent von Alben bewohnt, Geschöpfe, die mit Elben oder Fae vergleichbar sind, diese werden aber noch in spezifischere Gattungen eingeteilt. Es gibt z.B. Lichtalben mit hellen Haaren und heller Haut, Sturmalben mit mächtigen Schwingen und Erdalben mit dunklen Hörnern und Haut. Außerdem ist die Welt gespickt von geheimnisvollen Sagen, Märchen und Legenden, die nicht nur sehr detailreich und überzeugend ausgearbeitet sind, sondern auch Bezug in die Story nehmen.

Das Buch wird aus der Sicht von mehreren Protagonisten geschrieben, die alle eine tragende Rolle in der Geschichte spielen und zwei Zeitsprünge teilen das Buch in drei Hauptteile ein. Diese Zeitsprünge waren aber nicht störend, sondern im Gegenteil sogar sehr hilfreich. Da die Wesen in dieser Welt sehr langsam altern und Zeit somit eine andere Rolle spielt als in der menschlichen Welt, konnten dadurch viele Dinge in die Story eingebaut werden, die ansonsten nicht möglich gewesen wären und die Handlung wird dadurch noch komplexer und grandioser.

Die Ausarbeitung der Charaktere war einzigartig und unglaublich detailliert mit Wiedererkennungswert.
Unsere Protagonistin Lyraine trägt die Farbe Rosé und hat somit so gut wie keinerlei Macht in sich. Die Rún hat sich noch nicht entwickelt, dafür ist sie noch zu jung, sie ist sich aber ziemlich sicher, dass auf ihrer Hand die Träne der Heilerinnen entstehen wird und fühlt sich zu diesem Beruf stark hingezogen, dementsprechend selbstlos ist auch ihre Persönlichkeit. Lyraine musste trotz ihrer jungen Jahre schon die grausamsten Dinge erleben, trotzdem gibt sie immer ihr Bestes und Aufgeben ist für sie keine Option. Wir begleiten im Buch Lyraine seit ihrer Kindheit über beinahe 100 Jahre hinweg und somit bekommen wir ihren Wachstum und ihren Reifeprozess hautnah mit und können ihren Charakter beim entwickeln zusehen. Lyraines Entwicklung von der ängstlichen, verwöhnten, kleinen Prinzessin zu einer starken, selbstbewussten, jungen Frau war beeindruckend und ich habe ihre Geschichte sehr gerne verfolgt. Mit sehr jungen Charakteren habe ich oftmals meine Probleme, vor allem wenn die Handlung aus der Sicht von Kindern geschrieben wird. Die Autorin hat Lyraine aber so gestaltet, dass mich das kein einziges Mal gestört hat. Ihr kindlicher Charakter hat mich überzeugt, obwohl sie aus gegebenen Umständen sehr früh erwachsen werden musste. In gewisser Weise wächst man während dem Lesen mit Lyraine mit.

Auf ihrer Reise begleitet wird Lyraine von Varcas, einem Seher der die Farbe Grau trägt, eine der mächtigsten Farben der Rún. Er ist sogar für Norfaega's Verhältnisse alt und trägt sehr viel Vergangenheit auf seinem Buckel. Eine Weissagung führt ihn zu Lyraine und er sieht es als seine Bestimmung an, dieses Mädchen zu retten. Einige düstere Geheimnisse ranken sich um Varcas, aber er versucht seine Dunkelheit von Lyraine fern zu halten. Mit Varcas habe ich mich von allen Charakteren am schwersten getan, weil ich mich nicht so gut mit ihm identifizieren konnte, was aber eher an seinem Alter und seiner Reife lag, als an seinem Charakter.

Dann gibt es da noch Tyran und Rodric. Zwei Sklaven in den Händen von der schrecklichen Königin Lamia, verdammt dazu sich ihrem Willen zu beugen. Tyran, ein rothaariger Sturmalb und Rodric, der dunkle Blutritter sind wahrlich Stoff für Träume. Beide Charaktere haben unglaublich starke und einzigartige Persönlichkeiten und obwohl sie beste Freunde und zum Teil auch Seelengefährten sind, sind sie trotzdem vom Wesen her völlig verschieden und einzigartig. Ich habe jede gelesene Seite aus deren Sicht genossen, habe mit ihnen geweint und Hoffnungen gesponnen, die einmal zertrümmert und dann wieder ramponiert zusammen geklebt wurden. Die beiden haben mich zwar ein bisschen an die Figuren von Sarah J. Maas erinnert, da die Welt aber eine völlig andere ist, hat mich das nicht weiter gestört. Es kann in der Buchwelt nicht genug mächtige Männer mit Schwingen und dunkler und gepeinigter Seele geben, ansonsten wäre mein Booknerd-Herz am Weinen. 😂

Das Buch glänzt aber natürlich nicht nur mit der großartigen Handlung und dem fantastischen Wordbuilding, sondern auch mit einer dramatischen und wundervollen Liebesgeschichte, die das Romantasy-Herz höher schlagen und jedes noch so kalte Herz zum erwärmen bringt.

Die Charaktere, die brutalen und dramatischen Handlungsverläufe haben mich mehrmals an den Rand der Tränen gebracht und wirklich mitgenommen. Ich habe das Buch nicht nur geliebt, sondern auch gelebt und gebe somit eine riesige Leseempfehlung ab. Lasst euch von Serena J. Harper und ihrer fantastischen Welt verzaubern und macht euch auf eine wendungsreiche High-Fantasy-Story gefasst, die ihr so schnell nicht vergessen werdet. Ich kann eigentlich nur Schwärmen und das Buch landet direkt zu meinen Fantasy-Lieblingen. Leider wurde noch kein Erscheinungsdatum für Band 2 bekannt gegeben aber ich hoffe, dass sich die Autorin dafür nicht all zu lange Zeit lässt, weil ich es kaum erwarten kann wieder in diese Geschichte einzutauchen. Diesmal hoffentlich mit einer detailreich illustrierten Karte von Norfaega. 😉
Eine fantastische Welt mit spannungsreichen und unerwarteten Wendungen, brutalen und herzzerreißenden Szenen und einzigartigen, starken Charakteren - Ein absolutes Jahresghighlight für mich und eine riesige Buchempfehlung für Fans von düsteren High-Fantasy-Stories. Sarah J. Maas- und J. R. R. Martin-Fans sind hiermit auf jeden Fall bestens bedient!

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Veröffentlicht am 19.08.2021

Verlasse mich nicht ...

Götterfunke 3. Verlasse mich nicht
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"GötterFunke - Verlasse mich nicht" ist der dritte und finale Teil der "GötterFunke"-Reihe von der deutschen Autorin Marah Woolf. Normalerweise bin ich ein großer Fan von Marah Woolf, mit diesem Reihenabschluss ...

"GötterFunke - Verlasse mich nicht" ist der dritte und finale Teil der "GötterFunke"-Reihe von der deutschen Autorin Marah Woolf. Normalerweise bin ich ein großer Fan von Marah Woolf, mit diesem Reihenabschluss konnte sie mich aber leider nicht überzeugen. Ich war gelangweilt von den Charakteren und der Handlung und war froh als es schließlich vorbei war.

Inhalt: Caydens größter Wunsch, auf den er so lange hingearbeitet und für den er alles geopfert hat, hat sich endlich erfüllt und Zeus hat ihn in einen Menschen verwandelt. Doch schnell muss er erfahren, dass das sterbliche Leben vergänglich ist und er sich das Leben als Mensch viel leichter vorgestellt hat. Jess kann Caydens Verrat nicht verzeihen und will endlich mit ihm abschließen. Doch nur gemeinsam können Jess und Cayden Zeus und die olympischen Götter vor dem Thronsturz bewahren und den Untergang der Menschheit verhindern.

Cover: Zum Cover des dritten Teils der Reihe werde ich nicht mehr viel sagen. Es hat sich zu seinen Vorgängern nämlich lediglich in der Farbe geändert. Mir gefällt das Blau des Hintergrunds dieses Covers sehr viel besser als seine Vorgänger, weil die goldenen und weißen Verschnörkelungs-Ornamente dadurch viel besser zur Geltung kommen.
Am Beginn des Buches findet sich ein Gedicht über "Prometheus" von Johann Wolfgang von Goethe. Ich lese zwar nicht viele Gedichte, aber als Einstieg in einen Roman hat mir das Gedicht sehr gut gefallen und war auch gut gewählt.
Am Ende des Buches findet sich wieder ein Stammbaum der Götter und das Glossar, wo alle wichtigen Begriffe und Gottheiten aus der griechischen Mythologie in Marahs eigenen Worten sehr verständlich erklärt werden. Auch ein Rezept zum Nachbacken findet sich auf den letzten Seiten. Dieses zusätzliche "Zuckerl" gefällt mir immer ganz besonders gut. Schade nur, dass Hera das Rezept für ihren berühmten Zitronenkuchen nicht bekannt gegeben hat. 😉

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin ist toll und bleibt auch so flüssig und bildhaft zu lesen, wie alle ihre vorherigen Bücher. Ich muss aber leider sagen, dass ich dem Finale dieser Romantasy-Reihe rund um die griechische Götterwelt nichts abgewinnen konnte. Der Verlauf der Story hat mich gelangweilt, die Charaktere haben mich genervt und das Ende war mir zu rosarot. Ich war von Beginn an nicht der größte Fan der Reihe, aber da mir der zweite Band eigentlich recht gut gefallen hat, habe ich auf einen fulminanten Abschluss gehofft. Leider wurde ich sehr enttäuscht.

Es beginnt eigentlich relativ spannend. Nach dem gemeinen Cliffhänger von Teil 2 starten wir direkt im Geschehen und Caydens Wunsch hat sich endlich erfüllt und er ist sterblich. Die Sterblichkeit muss er aber sehr schnell auf schmerzlichste Weise erfahren, denn im Kampf zwischen den olympischen Göttern und Agrios wurde er sehr schwer verwundet und kämpft um sein Leben. Mit einem Bein bereits in der Unterwelt, handelt Jess einen Deal mit Hades aus und dieser verschont Cayden. Warum genau Hades seinen Job nicht gemacht hat, habe ich nicht ganz verstanden, denn seien wir uns mal ehrlich, Cayden hat nicht wirklich viel im Kampf gegen Agrios beigetragen. Genau so wie der Rest der Götter, denn alles bleibt an Jess hängen und sie muss ständig die Arbeit der Götter erledigen. Die griechischen Götter sind zwar uralt und angeblich sehr mächtig, aber sie bekommen rein gar nichts auf die Reihe, sondern müssen ständig Jess um Hilfe bitten. Vor allem die Darstellung von Zeus hat mir in diesem Band extrem gestört. Er war komplett unnütz und hilflos, obwohl er der mächtigste Gott im Olymp sein sollte. Sicher, er wurde von seinem Sohn gestürzt, aber vielleicht sollte er seinen A... in die Hand nehmen und etwas TUN, anstatt nur rumzuheulen und ein minderjähriges Teenager-Mädchen um Hilfe anzuflehen. Ich fand die Darstellung des Göttervaters lächerlich und unglaubwürdig.
Was mir allerdings sehr gut gefallen hat, war, dass endlich auch die anderen Gottheiten einen Platz in der Geschichte bekommen haben. Wir lernen nicht nur endlich Hermes persönlich kennen, sondern auch Aphrodite, Artemis, Hades uvm. Diese Götter haben mir sehr gut gefallen, vor allem Hades und Aphrodite, die wurden für meinen Geschmack genau richtig charakterisiert. Grundsätzlich hat es mich aber gestört, dass die Götter so menschlich dargestellt wurden. Es hat ja einen Grund warum sie als Götter gelten, von deren unsterblicher Macht hat man aber leider nicht viel mitgekriegt. Wie gesagt, die ganze Arbeit musste Jess im Alleingang erledigen.


Die Spannung vom Anfang hat leider sehr schnell nachgelassen und bis zum Schluss fand ich das Geschehen und den Fortgang der Geschichte unnötig und total langweilig. Kurz war ich am überlegen, ob ich das Buch sogar abbrechen sollte, aber ich war dann doch zu neugierig auf das Ende. 400 Seiten lang war Jess am Überlegen ob sie Zeus nun den Götterstab überreichen soll oder nicht, bevor sie es am Schluss schließlich tat und das eingetreten ist, was bereits am Anfang des Buches getan hätte werden können. Also war der gesamte Inhalt des Buches ziemlich unnötig. Es diente einzig dem Zweck Cayden und Jess wieder zusammenzuführen. Ein bisschen mehr Story hätte aber schon sein dürfen.

Was jedoch positiv erwähnt werden muss, ist Jess Charakterentwicklung. Sie zeigt nämlich endlich mehr Rückgrat und scheint plötzlich vernünftiger als die gesamte Götterwelt. Ich konnte mich mit ihrem Charakter hier sehr viel besser identifizieren und es hat mir sehr gut gefallen, dass sie Cayden mal ein bisschen hat zappeln lassen. Der hat es nämlich echt nicht verdient, dass man ihm verliebt hinterherrennt und alles verzeiht. Ich weiß nicht ... Cayden war für mich von Anfang an kein Traummann, aber nach diesem Abschluss der Reihe finde ich ihn wirklich zum Davonrennen. Er ist überhaupt nicht liebenswürdig, sondern besitzergreifend und schrecklich eifersüchtig. Jess hätte es verdient von Cayden auf Händen getragen zu werden, bei allem was sie für ihn getan hat. Zum Glück ist Jess nicht so anspruchsvoll wie ich, denn sonst wäre das niemals was geworden zwischen den Beiden. Zum Schluss wurde es dann doch ein bisschen romantisch und emotional, das konnte die Lovestory für mich aber auch nicht mehr retten.

Am Ende der Geschichte wurde es zwar doch noch richtig spannend, das epische Finale wurde bei dem ganzen langatmigen Davor aber zu schnell abgehandelt und mit dem rosaroten Ende war ich nicht einverstanden. Hades hat anscheinend noch weniger Lust seine Arbeit zu erledigen als alle Anderen. Die olympischen Gottheiten haben schon sehr viele Kriege miterlebt, haben den Untergang Trojas, die Liebesgeschichte von Helena und Paris, Romeo und Julia gesehen und viele andere dramatische Momente erlebt, aber Jess Schicksal hat sie so sehr bewegt, dass sie alle Prinzipien auf den Kopf gestellt haben. Ich fand das einfach nicht richtig und ich hätte mir definitiv ein anderes Ende gewünscht.

Langweilig, nervtötend, unnötig - Leider konnte mich der Abschluss der Reihe nicht überzeugen. Ohne Marahs tollen Schreibstil hätte ich das Buch vermutlich sogar abgebrochen. Insgesamt hat mich diese Reihe und vor allem das Finale wirklich enttäuscht - ich bin sehr viel Besseres von Marah Woolf gewohnt, immerhin zählt sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Diese Reihe ist definitiv für sehr viel jüngere LeserInnen gedacht, die noch nicht so viele Ansprüche an die Liebe und die Story haben. Ich kann die Reihe nicht empfehlen, da gibt es sehr viel bessere Romantasy-Lektüren mit griechischer Mythologie.

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Veröffentlicht am 18.08.2021

Wenn der König fällt, fallen wir alle.

Ophelia Scale - Die Welt wird brennen
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"Diese Welt ist ein Gefängnis ohne Hoffnung ... Jemand muss die Mauern einreißen."

"Ophelia Scale - Die Welt wird brennen" ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie und gleichzeitig das Debut der deutschen ...

"Diese Welt ist ein Gefängnis ohne Hoffnung ... Jemand muss die Mauern einreißen."

"Ophelia Scale - Die Welt wird brennen" ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie und gleichzeitig das Debut der deutschen Autorin Lena Kiefer. Am Talent der Autorin bleibt kein Zweifel offen und die Geschichte ist einzigartig und bietet sehr viel Potential, mit der Protagonistin hatte ich aber so meine Probleme.

Inhalt: Ophelia lebt in einer Welt, in der die digitale Technik von einem Tag auf den anderen strengstens verboten wurde. Schuld daran ist der König, der diktatorisch jeden digitalen Fortschritt strengstens verfolgt. Verbittert schließt sich Ophelia dem Wiederstand an und als eine Auswahl zur Leibgarde der Monarchie ausgerufen wird, wittert sie ihre Chance dem König und der Tyrannei ein Ende zu setzen. Doch als sie den jungen und geheimnisvollen Lucien kennenlernt, scheint sich ihre ganze Welt und ihre Ansichten auf den Kopf zu stellen und sie muss sich Fragen welche Seite eigentlich im Recht ist.

Cover: Das Cover des Buches ist leider gar nicht ansprechend auf mich. Das Gesicht der jungen Frau wirkt unscheinbar und das Gesamtbild ist in meinen Augen nichtssagend. Das einzige spezielle Detail sind die Wolkenkratzer über dem Schriftzug, ansonsten könnte es das Cover jedes x-beliebigen Jugendbuches sein. Die Bearbeitung des Covers dieser Dystopie hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, um genauso herauszustechen wie die einzigartige Geschichte, die sich dahinter verbirgt.

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin ist wahnsinnig gut und da es sich hierbei um ihr Debüt handelt, kann man sofort das Talent von Lena Kiefer erkennen. Die Geschichte ist spannend, ideenreich, emotionsvoll und voller Gefühl. Die Seiten fliegen nur so dahin und es wird nie langweilig. Einige Plotttwists drehen die Story immer wieder in eine andere Richtung und als LeserIn steht man immer wieder vor der Frage, wer oder was nun eigentlich die "richtige" Seite ist? Die Autorin hat sehr gut dargestellt, dass es immer, auch in einem Krieg, zwei Seiten gibt, die beide glauben im Recht zu sein und das es eigentlich keine gute und schlechte Seite gibt. Jeder kämpft für seine Sache und Licht existiert nur mit Dunkelheit.

Die Idee hinter der Story ist neu und ich habe noch nichts vergleichbares gelesen. Der König des zukünftigen Europas hat die digitale Technik eingedämmt und strengstens verboten. Die Bevölkerung hat sich aber nicht, wie vermutet, rückschrittlich ins Mittelalter zurück katapultiert, sondern lebt zivilisiert und eigentlich recht zufrieden zusammen. Da sich aber vor allem die jugendliche Generation sehr stark von der modernen Technik abhängig gemacht hat, gibt es so einige Probleme als plötzlich nicht nur alle Bildschirme schwarz wurden, sondern auch im Körper eingebaute Hilfsmittel, wie z.B. für besseres Sehen oder zielstrebigeres Denken, zerstört wurden. Man kann sich vorstellen welch ein Chaos in so einer Situation ausbrechen sollte. Arbeitslosigkeit, Krankheiten und Hilflosigkeit waren die Folgen, welche von der dortigen Regierung aber sofort im Keim erstickt und gar nicht so schlecht gelöst wurden. Armut und Arbeitslosigkeit sinken auf ein Minimum und jeder muss seinen Beitrag leisten um in der Gemeinschaft einen Platz zu haben. An und für sich kein schlechtes System, das funktioniert, wäre da nicht die diktatorische Politik.

Wir verfolgen die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Ophelia Scale, der ich leider nicht so viel abgewinnen konnte. Ophelia ist stur, zickig, glaubt alles besser zu wissen und hat keine eigene Meinung. Bereits zu Beginn war sie mir mit ihren engstirnigen und zum Teil gemeinen Ansichten total unsympathisch. Sie hält sich für was Besseres als ihre Stiefmutter, weil diese sich gut in die neue Gesellschaft eingewöhnt hat und einen ökologischen Beitrag leisten will. Menschen, die auf die Natur und den Ackerbau, anstatt moderner Technik, setzen, werden von ihr belächelt und synthetische Lebensmittel sind ihr lieber als eine reife Tomate. Ophelia hält stur an ihren Ansichten fest, die in meinen Augen zum Teil lächerlich sind, und rebelliert still und heimlich in einer Widerstandsbewegung. Zuerst lässt sie sich nichts sagen, außer dieser jemand ist wichtig, dann ändert sie plötzlich ihre Meinung von 0 auf 100, bevor sie nach einem Rückschlag wieder engstirnig herumschmollt. Die Makel ihres Charakters macht sie zwar mit Mut und Entschlossenheit wieder weg, genervt hat sie mich aber dennoch oft. Ich weiß auch nicht ... Ophelia war einfach nicht mein Liebling und ich werde mich wohl niemals mit ihrem wankelmütigen und naiven Charakter identifizieren können. Dennoch habe ich die Geschichte aus ihrer Sicht sehr gerne verfolgt, wer weiß also, was die Fortsetzungen noch bringen werden und ob ihr Charakter nicht doch noch eine positive Entwicklung haben wird. Immerhin ist sie noch ein Teenager, der aus ihren Fehlern lernen kann.

Die eingebaute Liebesgeschichte ging mir persönlich etwas zu schnell, war aber sehr gefühlvoll und voll tiefer Emotionen. Der erste Kuss ging so schnell, dass ich wirklich gar nicht damit gerechnet habe und Schwupps-die-Wupps ... landeten die Beiden auch schon im Bett. Einerseits sehr erfrischend, weil es kein ewiges Hin und Her gab, andererseits aber doch etwas verwunderlich. Dabei bleibt es aber jugendfrei, detaillierte Sexszenen gibt es keine. Obwohl die Lovestory mich nicht ganz abgeholt hat und ich mich gerne mehr in Lucien verliebt hätte, hat mein Herz doch tiefe Emotionen erfahren und ich habe sehr mit den Charakteren mitgelitten.

Die Story der Geschichte lässt sich in zwei Teilen aufspalten. Zu Beginn lernen wir die dystopische Welt kennen und bekommen einen sehr überschaubaren und umfangreichen Einblick in diese futuristische Welt. Maia nimmt an einem Auswahlverfahren teil, der aber trotz den Wettkämpfen noch zum Einblick in die Geschichte dient und recht schnell abgehandelt wird. Danach kommt der größere Teil, der sich in der Hauptstadt des Königreichs, im Herzen der Monarchie, abspielt. Und ab diesem Moment wird es richtig spannend und auch geheimnisvoll. Mir hat die dystopische Welt, die politischen Ansichten und der Einbau von Geheimdiensten sehr gut gefallen. Zwischen all den Dystopien bietet Lena Kiefer Abwechslung und bereitet einige spannende Lesestunden.

Wie bereits erwähnt bietet die Handlung einige Plotttwists, aber auch einen gemeinen Cliffhänger. Das Ende spaltet einen das Herz und hat mich sehr betrübt zurück gelassen, hinterlässt aber auch Vorfreude auf die Fortsetzung. Man sollte Teil 2 also unbedingt gleicht zur Hand haben. 😉

Ich kann diese Reihe, trotz der gewöhnungsbedürftigen Protagonistin, wirklich empfehlen. "Ophelia Scale" sticht bei all den Jugend-Dystopien mit der einzigartigen und wendungsreichen Handlung heraus. Es gab zwar einige Makel, die mir unlogisch erschienen, über die konnte ich aber getrost hinwegsehen und ich war an den Seiten gefesselt. Ein tolles Buch für einige atemberaubende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 18.08.2021

Ein etwas enttäuschendes Finale der Dilogie. Der Zauber ging verloren ...

Bestickt mit den Tränen des Mondes (Ein Kleid aus Seide und Sternen 2)
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"Von heute an würde alles anders sein. Von heute an würde ich dem Schicksal erhobenen Hauptes begegnen, wenn es an meine Tür klopfte, und es mir zu eigen machen.
Von heute an würde ich kein Herz mehr haben."

"Bestickt ...

"Von heute an würde alles anders sein. Von heute an würde ich dem Schicksal erhobenen Hauptes begegnen, wenn es an meine Tür klopfte, und es mir zu eigen machen.
Von heute an würde ich kein Herz mehr haben."


"Bestickt mit den Tränen des Mondes" ist die Fortsetzung und gleichzeitig der Abschluss von "Ein Kleid aus Seide und Sternen" von der amerikanischen Autorin Elizabeth Lim. Leider konnte mich der Abschluss der Reihe nicht wirklich begeistern, auch wenn es geniale Ansätze und einen tollen Schreibstil hatte.

Inhalt: Nachdem Maia die drei Kleider der Sonnengöttin für die Braut des Kaisers geschneidert und sich dabei den Fluch eines Dämons aufgehalst hat, befindet sie sich wieder im Kaiserpalast und das ganze Volk sehnt sich nach der Hochzeit des Kaisers und dem damit verbundenen Frieden. Ihre große Liebe Edan musste flüchten und der Fluch des Dämons Bandur trifft sie Tag für Tag schlimmer und Maia erkennt, dass sie sich selbst und ihr Land nur beschützen kann, wenn sie sich ihrem Schicksal stellt.

Cover: Traumhaft, bezaubernd, wundervoll - Das Cover dieses Buches ist wirklich eines der schönsten Cover aller Zeiten. Nicht nur das optische Design ist wunderschön, sondern auch die Aufbereitung und kleinen Details mit silbernen Glanz-Ornamenten sind sehr aufwändig und machen das Buch zu einem wahren Schmuckstück. Ich finde es sehr schade, dass mich der Inhalt des Buches nicht ganz überzeugen konnte, das Cover des Taschenbuches konnte es aber zu 1000%.
Im Innenteil der Klappenbroschur findet sich wieder eine illustrierte Karte zu Maias Welt A'landi. Leider wurde die Karte nicht an den zweiten Teil angepasst, sondern einfach aus dem ersten Band übernommen. Ich habe mehrmals Orte, welche in der Geschichte vorkamen und in denen sich Maia sogar relativ lange aufhielt, auf der Karte gesucht aber leider nicht gefunden. Der Sinn einer illustrierten Karte erschließt sich mir nicht wirklich, wenn man die Orte darauf nicht finden kann. Sehr schade, dass diese nicht für den zweiten Band überarbeitet wurde.

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin blieb unverändert flüssig zu lesen und leicht verständlich. Leider haben sich die Manko, die mich bereits im ersten Band der Geschichte gestört haben, nicht verbessert, sondern sogar noch verschlimmert. Zu viel passiert auf einmal, das Potential der fantastischen Geschichte wurde leider nicht genutzt. Im ersten Band der Reihe war die Story noch märchenhaft und bezaubernd und hatte diesen "Mulan"-Flair, dem ich sofort verfallen bin. Diese zauberhafte Atmosphäre geht im zweiten Band verloren und macht Platz für etwas Dunkles und Episches. Maia kämpft mit ihrem inneren Dämon und was vorher hell war, wird plötzlich düster und in ihrem Inneren kämpft Licht gegen Dunkelheit. Diese Entwicklung der Story hat mir sehr gut gefallen. Ich mag düstere Geschichten genau so gerne, wie zauberhafte Märchenadaptionen und da Dämonen in der asiatischen Sagenwelt eine große Rolle spielen, hat dieser zweite Band sogar ein bisschen mehr asiatischen Flair versprüht als der erste Band der Reihe. Die Story hatte also sehr viel Potential, an der Umsetzung scheiterte es aber gewaltig. Mir hat Maias hilflose Einstellung nicht gefallen und ihr mutiger Charakter, den wir im ersten Band lieben gelernt haben, zeigte sich leider erst am Ende.

Am Beginn der Geschichte passiert gefühlt gar nichts und es startet sehr zäh und langweilig. Dann wird es kurz spannend und die Geschichte entwickelt sich sehr interessant. Leider hat die Autorin das Potential dieser wirklich fantastischen Idee nicht ausgeschöpft und es ging langatmig weiter, bevor sich die Ereignisse am Ende überschlugen und viel zu schnell abgehandelt wurden. Die Autorin hat eine epische Schlacht eingebaut, die in viel zu wenigen Seiten im Chaos versank. Das Ende bietet dann eine große Überraschung und hat mir zuerst eine Gänsehaut beschert und ich dachte WOW mit diesem epischen Plotttwist hat die Autorin die ganze Geschichte für mich gerettet und die zähen Seiten zuvor haben sich doch noch gelohnt. Leider wurde ich schlussendlich aber doch enttäuscht und ich konnte dem Ende nicht viel abgewinnen. Es wurde alles auf einen Haufen geworfen und unschlüssige Erklärungen geliefert, damit es ein rosarotes Happy-End geben konnte. Naja ... ein düstereres Ende hätte mir besser gefallen. Maia wäre als Legende und Märtyrerin in die Geschichte eingegangen und das Ende hätte zwar kein rosarotes Bilderbuch-Happy-End, aber ein episches und gänsehautbringendes Finale wäre im Gedächtnis geblieben.

Die Liebesgeschichte zwischen Edan und Maia hat sich in meinen Augen positiv entwickelt und ich habe sehr viel mehr Liebe gespürt als im ersten Band, jedoch kamen die tiefen Gefühle noch immer nicht wirklich bei mir an. Trotz einiger bewegenden Liebesszenen, blieben OCHs und AAHHs in meinem Herzen leider aus. Ich kann gar nicht sagen woran das genau liegt, weil die Autorin liefert mit einigen zauberhaften Liebes-Zitaten definitiv Stoff für Schwärmerei. Ich habe Edan und Maia und dessen Liebesgeschichte zwar gerne verfolgt, jedoch konnten mich die Gefühle dabei nicht ganz abholen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut und die Idee war fantastisch. Der Plotttwist am Ende des ersten Bandes hat mich vorfreudig zurückgelassen aber leider wurde das Potential der einzigartigen Geschichte nicht ausgeschöpft und ich blieb etwas enttäuscht zurück.
In meinen Teenager-Jahren hätte mir das Buch bestimmt sehr gut gefallen, mittlerweile bietet der Markt aber sehr viel bessere Bücher, vor allem mit asiatischem Setting. "Bestickt mit den Tränen des Mondes" wird seinem Cover nicht gerecht und ist zwischen all den Büchern mit asiatischem Fantasy-Setting leider nur mittelmäßig.

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Veröffentlicht am 14.08.2021

Sturmwolken sind dreifach verflucht ...

Gehetzt
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"Das Universum ist genau so groß, wie Ihre Seele es zulässt."

"Gehetzt" ist Band 1 und somit der Auftakt zu "Die Chroniken des Eisernen Druiden" vom amerikanischen Schriftsteller Kevin Hearne. Ich habe ...

"Das Universum ist genau so groß, wie Ihre Seele es zulässt."

"Gehetzt" ist Band 1 und somit der Auftakt zu "Die Chroniken des Eisernen Druiden" vom amerikanischen Schriftsteller Kevin Hearne. Ich habe von dieser Reihe schon sehr viel gehört. Wenn man sich für Fantasy-Büchern mit mythologischen Einschlägen interessiert, kommt man um diese Reihe einfach nicht drum herum und ich muss sagen, dass sich meine Erwartungen zum größten Teil erfüllt haben. "Gehetzt" erinnert an "Percy Jackson" für Erwachsene mit ganz viel Humor und spannenden, aber auch blutigen Szenen und natürlich mit ganz vielen GÖTTERN.

Inhalt: Atticus ist alt - genauer gesagt uralt. Er ist nämlich in Wahrheit ein Druide aus der keltischen Vorzeit, auch wenn er sich als junger Buchhändler und Inhaber eines Esoterik-Shops tarnt. Die alten Götter kennt er persönlich und auch wenn heutzutage keiner mehr an die mythischen Legenden und Sagen glaubt, weiß er, dass sie alle tatsächlich existieren. Doch auch wenn man so viel gesehen und erlebt hat wie Atticus, kann man sich nicht mit Allen gut stellen und Feinde treten immer wieder auf. Blöd nur, dass es diesmal Aengus, der keltische Gott der Liebe, des Einfallsreichtums und der Gerissenheit, auf ihn abgesehen hat, denn wenn man einen Gott erzürnt, ist plötzlich das halbe Volk der mächtigen "Tuatha Dé Danann" hinter einem her und man endet als Spielball der Götter.

Meine Meinung: Ich habe das Buch in digitaler Version als Ebook gelesen, weil mich der Preis der deutschen Taschenbücher sehr erschreckt hat. Die Bücher der Reihe kosten zwischen 17 und 19 Euro und ich kann nicht ganz nachvollziehen wie dieser Preis für ein Taschenbuch gerechtfertigt ist. Die Aufmachung ist zwar robust, aber nicht außergewöhnlich und das Cover wurde vom englischen Original übernommen. Da habe ich mich lieber für die billigere, digitale Variante entschieden, auch wenn ich die Bücher gerne in meiner Büchersammlung gesehen hätte. Das Cover des Buches ist sehr ansprechend und passend zur Geschichte. Wir sehen Atticus, genau so wie er vom Autor beschrieben wird. Der Schauspieler für das Cover wurde perfekt gewählt inklusive Tätowierungen und Schwert.

Dies ist mein erstes gelesenes Werk des Autors und wird ganz bestimmt nicht mein Letztes sein. Mit seinem humorvollen und sarkastischen Schreibstil konnte er mich überzeugen und die Geschichte rund um Atticus, seinem Wolfshund Oberon und den machthungrigen Göttern hat mich sofort gefesselt. Der Autor hat da wirklich Einfallsreichtum erwiesen, denn bei all den Göttern, Sagen und Legenden kann man schnell mal den Überblick verlieren. Hier hat sich der Autor aber eine spannende Geschichte überlegt, in der die Mythologien perfekt eingewoben wurden. Hauptaugenmerk bei "Gehetzt" liegt auf der irischen Mythologie mit seinen keltischen Gottheiten und ich war von der ersten Minute, als die MORRIGAN als Krähe in Atticus Laden geflogen kam, beeindruckt. Ich habe zwar schon sehr viele Fantasy-Bücher mit mythologischen Einschlägen gelesen, bisher aber nur sehr wenige mit der keltischen Mythologie. Über die keltische Mythologie ist ja leider nicht so viel bekannt, wie z.B. über die Griechische, aber sie hat sehr viel Potential, vor allem für düstere Fantasy-Romane und der Autor hat hier wirklich alles gegeben und die irischen Götter sehr detailliert in eine abenteuerliche, humorvolle aber auch blutige Geschichte eingearbeitet. Der Schreibstil und die Art der Geschichte hat mich an meine Jugend-"Percy Jackson"-Zeit erinnert, nur blutiger und erwachsener. Das Buch lässt sich sehr schnell lesen, auch wenn man vor allem zu Beginn mehr Aufmerksamkeit und Konzentration benötigt. Und keine Angst - dieses Buch ist auch für Neulinge der keltischen Mythologie geeignet, weil die Gottheiten und keltischen Legenden sehr schön und humorvoll erklärt werden. Die Spannung lässt zu Beginn zwar zu wünschen übrig - in den letzten Seiten aber wird sie dafür übermächtig und es gibt gegen Ende einige Wendungen und Überraschungen. Götter sind halt einfach nicht vertrauenswürdig und sie verfolgen immer nur die eigenen Ziele. 😉

Mit Atticus haben wir einen "jung" gebliebenen, uralten Druiden als Protagonisten, der als Held beinahe schon zu mächtig ist. Da seine Feinde als Götter aber noch sehr viel mächtiger sind, war das schon in Ordnung, auch wenn man seinen Werdegang zum Druiden und zur Macht nicht verfolgt hat. Die Geschichte wird in der ICH-Person aus Atticus Perspektive erzählt und da Atticus einen wundervollen Humor hat, trieft der Schreibstil der Geschichte vor Spott und Sarkasmus. Das ist natürlich nicht für Jedermann etwas, ich habe es aber geliebt. Es war zwar nicht so, dass ich vor lauter Lachen Tränen in den Augen hatte, aber dieser erfrischende Schreibstil hatte so viel Charakter, dass ich Atticus Geschichte unglaublich gerne verfolgt habe.
Das Herz der Geschichte ist aber Atticus Wolfshund Oberon, dem er das gedankliche Sprechen beigebracht hat und mit dem er sich telepathisch unterhalten kann. Oberon ist wirklich eine Nummer für sich. Die Idee dahinter fand ich total genial, auch wenn mir der Hund ein bisschen zu sehr vermenschlicht wurde. Ich bezweifle nämlich, dass ein Hund gerne Kamillentee trinken würde, wenn er auch die Möglichkeit auf andere Leckereien hätte. Da ich selbst Hundebesitzerin bin, weiß ich wie triebgesteuert Hunde nun mal sind und wie schnell sie sich ablenken lassen. Wenn da ein Würstchen in der Nähe ist, ist alles andere plötzlich vergessen. 😄 Aber Oberon sorgt mit seinem Charme für eine erfrischende Abwechslung zur blutigen Handlung und macht den Protagonist als "Herrchen" noch sehr viel sympathischer.

Wie bereits erwähnt, wurden auch die Götter und mythischen Sagenwesen sehr detailliert und einzigartig ausgearbeitet. Jeder Charakter hat sein eigenes Wesen und mir hat besonders die Darstellung der keltischen Göttin der Jagd gefallen, weil sie so wild und natürlich war. Kevin Hearnes Darstellung der Götter war für mich perfekt. Genau so stelle ich mir Götter vor: mächtig, charakterstark, ICH-Bezogen, das mickrige Menschlein nur ein Wimpernschlag in ihrer göttlichen Existenz. Bei "Gehetzt" wird das Augenmerk zwar nur auf die irische Mythologie gesetzt, aber es werden auch bereits Götter und Sagengestalten aus anderen Kulturen erwähnt, denn es existieren wirklich ALLE Mythen und Legenden. Allah ist ebenso real, wie Luzifer, Buddha, Zeus oder Shiva. Und ich hoffe inständig dass Atticus in den Folgeteilen auch in Kontakt mit anderen Kulturen kommt. Wie geil wäre es, wenn die Figuren aus verschiedenen Mythologien miteinander kämpfen oder sich unterstützen? Ich bin schon voller Vorfreude und hoffe wirklich, dass sich Atticus Geschichte mit den Mythen anderer Kulturen vermischt.

Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen, auch wenn mir das Ende zu leicht gelöst und der Protagonist ein bisschen zu übermächtig war. Für "Percy Jackson"-Fans ist diese Reihe ein MUSS und jeder Urban-Fantasy-Fan und Liebhaber von mythologischen Fantasy-Geschichten kommt hier garantiert auf seine Kosten. Es handelt sich aber trotz dem humorvollen Schreibstil nicht um ein Jugendbuch: der Protagonist ist eindeutig erwachsen, ist sexuell aktiv und hat keinerlei Hemmungen für blutrünstige und brutale Taten. Viele Taten des Protagonisten sind moralisch fragwürdig, aber ein jahrtausendalter Druide ist eben abgehärtet und in der damaligen Zeit wurde mit dem Tod noch ganz anders umgegangen als heute. 😉 Ich weiß zwar noch nicht wie sich die Reihe noch entwickeln wird, aber den Auftakt zu "Die Chroniken des Eisernen Druiden" kann ich auf jeden Fall weiter empfehlen!

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