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Veröffentlicht am 30.07.2019

Gut erzählte Geschichte und viele historische Zusammenhänge

Das goldene Palais
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Allgemeines:

Natasha Solomons legt mit Das goldene Palais ihren fünften Roman vor. Ihre Großeltern sind 1936 vor dem Naziregime von Berlin nach England geflüchtet. Ihren ersten Roman schrieb sie über ...

Allgemeines:

Natasha Solomons legt mit Das goldene Palais ihren fünften Roman vor. Ihre Großeltern sind 1936 vor dem Naziregime von Berlin nach England geflüchtet. Ihren ersten Roman schrieb sie über die Integration jüdischer Flüchtlinge in die englische Gesellschaft; für ihn erhielt sie 2010 den „Galaxy Book Award New Writer of the Year‘“. Der Roman wies autobiografische Züge auf, denn ihrem Großvater gelang diese Integration. Das goldene Palais ist ein Familienroman, der das Leben der Familie Goldbaum im beginnenden 20. Jahrhundert und während des Ersten Weltkriegs erzählt. Das goldene Palais erschien am 23.07.2019 im Rowohlt Verlag als Hardcover und umfasst 605 Seiten.

Inhalt:

„Ein opulenter Roman über eine jüdische Bankiersfamilie, die nicht zufällig an die Rothschilds denken lässt. Eine packende Saga über Macht, Liebe und Familienbande.

Wien, 1910. Die alte, über ganz Europa verteilte Familie Goldbaum hat ihren enormen Reichtum Bankgeschäften zu verdanken. Greta, das jüngste Kind, ist ein eigenwilliges Wesen. Ihr droht eine Ehe mit Albert, dem Spross des englischen Zweigs der Familie, von dem es heißt, er sei spröde und sauertöpfisch, noch dazu ein leidenschaftlicher Schmetterlingsjäger. Doch Greta beschließt, die Sache auf sich zukommen zu lassen – und tut gut daran.

Während das private Glück unverhofft über Greta hereinbricht, zeigen sich immer bedrohlicher die Vorboten eines großen kriegerischen Konflikts. Ein Konflikt, in den die Goldbaums als Teil der politischen Aristokratie und Finanziers von Waffengeschäften tief verstrickt sind …“ (Quelle: Rowohlt Verlagsseite)

Meine Meinung:

Natasha Solomon legt mit ihrem Roman eine Geschichte vor, die das Leben der jüdischen Bankiersfamilie Goldbaum zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien und dem übrigen Europa zum Inhalt hat.

Im Mittelpunkt steht die junge Wienerin Greta, die mit dem aus England stammenden Albert, der zu dem britischen Teil der Goldbaums gehört, verheiratet werden soll. Greta ist eine für die damalige Zeit emanzipierte Frau, die sich traut, sich gegen die herrschenden Konventionen aufzulehnen. Sie entscheidet sich sehr bewusst für die Ehe mit dem ihr völlig unbekannten Albert.

Das für mich eigentlich Interessante an Solomons Roman ist der historische Kontext, der rund um die erzählte Handlung eine wichtige Rolle spielt. Solomon hat genau recherchiert und gibt einen guten Einblick in das jüdische Leben des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Als Bankiers und Geldgeber hoch geachtet, in anderen Belangen aber gesellschaftlich oft unerwünscht und zurückgewiesen, so sieht das Leben der Familie Goldbaum – stellvertretend für das vieler jüdischer Familien – aus. Das folgende Zitat sei hierfür ein Beispiel (Henri, Banker und ein Mitglied der Familie Goldbaum möchte nach Russland reisen, um den Winterpalast zu sehen. Zudem haben die Goldbaums geschäftliche Beziehungen zu Russland.):

„Am folgenden Nachmittag erhielt Henri einen unangenehmen Besuch vom russischen Botschafter. Claire Bouchard [Anm.: Henris Lebensgefährtin] wäre als Gast von Nikolaus, dank der Gnade Gottes Herrscher und Regent aller Russen, willkommen. Henri Louis David Goldbaum allerdings nicht. Juden, und seien sie noch so reich, war die Einreise nach Russland nicht gestattet.“ (S. 74)

Schauplätze des Romans sind Österreich, Frankreich, die Schweiz, Russland und England. Bis auf Russland Länder, in denen die weitverzweigte Familie Goldbaum lebt. Solomons erzählt chronologisch, lässt aber unterschiedlich viel Zeit zwischen den unterschiedlichen Kapiteln vergehen, das ist ein wohltuender Stil, da die erzählte Geschichte sich so auf Wesentliche Ereignisse fokussiert. Mit Beginn der Kriegshandlungen 1914 bis hin zum Eintritt der Vereinigten Staaten von Amerika verdüstert sich das Schicksal der Goldbaums parallel zum Kriegsgeschehen: Der Antisemitismus nimmt zu. Die Fremdenfeindlichkeit der Engländer gegen die Deutschen aber auch, was Greta, obwohl Österreicherin, empfindlich zu spüren bekommt. Die Geschichte der Goldbaums ist wirklich bewegend, zeigt sie doch, dass das Schicksal dieser großen Bankiersfamilie mit dem Zeitgeschehen eng verquickt ist. Das alles erzählt Solomons, ohne Schuldzuweisungen vorzunehmen. Sie hat vielmehr intensiv bezüglich der historischen Geschehnisse recherchiert und baut auf Fakten, die sie ausgesprochen glaubwürdig als Rahmen ihres Romans nutzt. Somit liest man nicht nur ein wirklich packendes Buch, sondern lernt eine Menge über finanzielle Verstrickungen von Bankhäusern und Politik, gegenseitige Ausbeutung und auch Verrat. Die Einblicke in das jüdische Alltagsleben und die damit zunehmend verbundenen Ängste, haben mich sehr beeindruckt. Zudem sind die verschiedenen Lebensentwürfe der Goldbaums ein gutes Beispiel für gegenseitigen Respekt und Toleranz.

Fazit:

Ein Buch, das ich jedem empfehlen kann, der sich nicht nur für eine gut erzählte Geschichte, sondern auch für historische Zusammenhänge interessiert.

Veröffentlicht am 06.07.2019

Ein Marzi, der wie gewohnt zum Träumen von fantastischen Welten einlädt

Mitternacht
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Allgemeines:

Am 04.06.2019 war es für alle Marzi-Fans soweit: Mitternacht ist erschienen. Das Taschenbuch hat 320 Seiten und wurde von Piper herausgebracht.

Christoph Marzi ist ein bekannter und vielfach ...

Allgemeines:

Am 04.06.2019 war es für alle Marzi-Fans soweit: Mitternacht ist erschienen. Das Taschenbuch hat 320 Seiten und wurde von Piper herausgebracht.

Christoph Marzi ist ein bekannter und vielfach ausgezeichneter Fantasyautor, viele von euch werden zum Beispiel seine Lycidas-Reihe kennen. Lange Zeit war es still um Marzi und auch Mitternacht war eigentlich bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Warum das so ist, erzähle ich euch im Abschnitt „Meine Meinung“.

Bei der Gestaltung des Covers hat Piper sich etwas einfallen lassen. Mich persönlich hat das Cover direkt angesprochen – meine Neugier war bereits nach wenigen Sekunden geweckt und ich wollte unbedingt wissen, was mich zwischen den Seiten erwartet.

Inhalt:

„Es gibt einen Ort, an dem die Geister leben, eine Welt, die unsere berührt, eine Stadt, in der mit Geschichten und Albträumen Handel getrieben wird. Ein Missgeschick lässt Nicholas James, den alle nur den »gewöhnlichen Jungen« nennen, diese Welt betreten – und alles ändert sich: Peter Chesterton, ein reisender Geist, nimmt sich seiner an. Das Findelgeistmädchen Agatha stiehlt sein Herz. Und etwas, das im Dunkeln lauert, gewinnt an Macht. Die Wege, die Nicholas beschreitet, führen ihn dorthin, wo alle Hoffnungen geboren und alle Träume gestorben sind, an einen Ort, den die Geister voller Ehrfurcht »Mitternacht« nennen. Eine Geschichte von der Macht der Bücher und der Gefahr des Vergessens, in einer Welt der Geister.“ (Quelle: Piper)

Meine Meinung:

Mitternacht ist ein Buch, das zum Träumen einlädt. Stellt euch vor, dass auch der Protagonist des Buches träumt. Er träumt von einer Geschichte. Und sobald er erwacht, lässt er diese Wirklichkeit werden. Er beginnt, die Worte zu Sätzen zu verknüpfen. Nach und nach reiht er die Sätze aneinander. Und nach einiger Zeit hat er die Geschichte aus seinen Träumen niedergeschrieben. Sie wird gedruckt, hat Erfolg und irgendwann wird er wieder von einer Geschichte träumen. Entspringt die Inspiration für diese Geschichten wirklich nur seinen Gedanken und Träumen? Oder steckt vielleicht mehr dahinter…?

Diesen Fragen ist Marzi in Mitternacht nachgegangen. Was wäre, wenn wir selbst gar nicht für das verantwortlich wären, was wir schreiben. Wenn Autoren keinen Einfluss auf ihre Romane hätten? Und was wäre, wenn wir damit Leben retten könnten? Klingt vielleicht verworren, mehr kann ich euch aber nicht verraten, ohne die Spannung der Geschichte zu nehmen. Wer bisher noch nicht neugierig geworden ist, macht etwas falsch.

Ihr Leser werdet entführt in eine Stadt aus Nebel. Eine Stadt, in der euch so manch übernatürliches Wesen begegnen wird. Schaurig schön und zugleich ein wenig unheimlich ist dieser Schauplatz. Zudem entführt Marzi euch erneut in sein geliebtes London. Durch seine Romane habe ich London mit all seinen versteckten und geheimnisvollen Schauplätzen auch ins Herz geschlossen. Geht es euch auch manchmal mit Schauplätzen aus Romanen so?

Marzis Schreibstil ist wie gewohnt leicht und doch verträumt. Er benutzt schöne Worte, um seine Geschichten zu spinnen. Wenn Marzi schreibt, wirkt es elegant und zugleich mutet es zuweilen altmodisch an. Dieser Schreibstil ist wohlbekannt, aber trotzdem sein ganz eigener. Zum Ende hin gibt es in diesem Fluss einen Bruch. Ich habe mich sehr gewundert, plötzlich wird die Geschichte zu einem schnellen Ende gebracht, beinahe abgehackt abgehandelt. Ich war doch noch gar nicht fertig mit meinen Träumen, mit den Verbindungen, die ich zwischen den Handlungssträngen gezogen habe. Marzi aber schon. Und gleichzeitig auch nicht. Wie Marzi im Nachwort des Romans erzählt, ist er während des Schreibens an Mitternacht schwer erkrankt. Lange Zeit war nicht klar, ob die Geschichte überhaupt beendet werden könnte. Das Ende zu schreiben, ist ihm sehr schwergefallen. Obwohl er auf dem Weg der Besserung ist. Ich hoffe sehr, dass Marzi sich wieder vollständig erholt. Wir alle wünschen uns doch noch viel mehr seiner verwunschenen Geschichten und klugen Gedanken!

Fazit:

Ein Marzi, der wie gewohnt zum Träumen von fantastischen Welten einlädt.

Veröffentlicht am 05.07.2019

Sprich!

Sprich
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Allgemeines:

Sprich ist ein realistischer Jugendroman. Am 21. Juni 2019 ist er erstmals als Taschenbuch bei dtv in der Reihe Hanser erschienen. Das Taschenbuch hat 288 Seiten. Der Originaltitel Speak ...

Allgemeines:

Sprich ist ein realistischer Jugendroman. Am 21. Juni 2019 ist er erstmals als Taschenbuch bei dtv in der Reihe Hanser erschienen. Das Taschenbuch hat 288 Seiten. Der Originaltitel Speak ist bereits im Jahr 1999 erschienen.

Die deutsche Ausgabe zieht Blicke auf sich. Man hat sofort Assoziationen und Bilder zum Inhalt im Kopf und möchte wissen, was sich für eine Geschichte hinter dem Cover verbirgt.

Inhalt:

„Wehr dich! Sprich!

Es ist Melindas erstes Highschool-Jahr, darauf hatte sie sich gefreut. Doch jetzt ist alles wie ein böser Traum: Von ihrer Freundin wird sie geschnitten, die neuen Mitschüler reagieren abweisend. Melinda gilt als Zicke, seit sie auf jener Party die Polizei gerufen hat, aber nicht sagen wollte, warum. Sprechen kann und will sie nicht darüber. Es dauert ein Jahr, ein ganzes Schuljahr, bis Melinda ihre Sprache wiederfindet – und mit ihr die Kraft, sich zu wehren.“ (Quelle: dtv)

Meine Meinung:

Sprich.

Du musst sprechen.

Sonst bemerken sie es nicht.

Sie bemerken nicht, was mit dir geschieht. Sie bemerken nicht einmal, dass etwas mit dir geschieht. Oder geschehen ist. Wenn du nicht sprichst, nimmt deine Umwelt dich nicht wahr. Wenn du nicht sprichst, deine Meinung nicht äußerst und nicht verrätst, was in dir vorgeht, wird es niemand wissen. Niemand wird wissen, was passiert ist. Vielleicht beginnen sie sich zu wundern. Bemerken nach einigen Monaten Veränderungen. Aber naja, Menschen verändern sich eben, das ist doch völlig normal, oder?

Du weißt, was zu tun ist. Lass es raus. Sprich doch einfach!

Das geht nicht?

Du bist aber komisch.

So oder so ähnlich empfinden viele Menschen auf der Welt Situationen, mit denen sie nicht umgehen können. Auch Protagonistin Melinda ergeht es so. Ihr ist das für sie Unaussprechliche passiert und sie kann nicht damit umgehen. Als Leser begleiten wir Melinda in ihrem Highschool-Jahr DANACH. Nachdem ES passiert ist. Schnell ist uns klar, was Melinda passiert ist. Worüber sie nicht sprechen kann. Was sie zwar einordnen, aber nicht verarbeiten kann. Sie hat ja schließlich die Schuld. Nicht einmal ihren Eltern kann sie ES anvertrauen. Zudem geht ES auf die gleiche Schule wie Melinda. Sie kann den Begegnungen nur schwer entrinnen. Irgendwann fragt man sich, wieso sie schlechte Noten hat. Sie ist doch sonst nicht so. Aber keiner fragt: Was ist dir passiert, Melinda?

Ich habe mich als Leserin ohnmächtig gefühlt. Ohnmächtig ob Melindas Erlebnissen und Gedanken, die mit Sicherheit so manchem (jungen) Menschen passieren. Ohnmächtig in Hinblick darauf, dass niemand hilft. Niemand genauer hinschaut. Gleichzeitig motiviert es mich aber auch, genauer hinzuschauen. Nicht wegzusehen, wenn mir etwas komisch vorkommt. Und da zu sein, wenn jemand sprechen möchte.

Laurie Halse Anderson gelingt es, eine beklemmende Atmosphäre zu kreieren. Man möchte alle Charaktere anschreien, ihnen zurufen, was passiert ist. Obwohl es schon so lange her ist, dass Sprich geschrieben wurde, ist es immer noch brandaktuell. Ich kann euch nur ermutigen, es zu lesen und auch genauer hinzusehen. Zu sprechen und füreinander da zu sein.

„wenn ES passiert ist

schreiben Stifte nicht mehr

werden Scheren stumpf

lädt der Akku nicht

die Welt hängt sich auf

wie der Strandball, der endlos rotiert

während du auf Antwort wartest

irgendeine Antwort“

(S. 5)

Abschließend liegt es mir am Herzen, dass ihr Sprich nicht einfach so in euren Schulklassen lest. Seit es Tote Mädchen lügen nicht gibt, werden Bücher, die in eine solche Richtung gehen, vermehrt und beinahe inflationär in den oberen Klassenstufen gelesen. Es findet jedoch nur selten eine wirkliche Aufarbeitung der Ereignisse mit engmaschiger Betreuung möglicherweise bereits betroffener Schüler statt. Bitte lest solche Bücher nicht leichtfertig oder unreflektiert mit euren Schülern. Sie gefallen den meisten zwar vermutlich, aber Ihr tut damit niemandem einen Gefallen. Denn ohne Verarbeitungsstrategie können sie nicht damit umgehen, ob es Melinda gelingen wird, ES zu verarbeiten.

Fazit:

Während der Lektüre wünscht man sich nur eines: Melinda soll sprechen. Äußerst spannend und berührend beschreibt Anderson ihr Highschool-Jahr.

Veröffentlicht am 01.07.2019

Epischer zweiter Band

Der Bruder des Wolfs
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Allgemeines:

Der Bruder des Wolfs ist der zweite Band der Weitseher-Trilogie von Robin Hobb. „Dieses Buch ist bereits unter dem Titel »Des Königs Meuchelmörder« im Bastei-Lübbe Verlag erschienen und unter ...

Allgemeines:

Der Bruder des Wolfs ist der zweite Band der Weitseher-Trilogie von Robin Hobb. „Dieses Buch ist bereits unter dem Titel »Des Königs Meuchelmörder« im Bastei-Lübbe Verlag erschienen und unter dem Titel »Der Schattenbote« im Heyne Verlag.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Und nun ist das Buch im Oktober 2017 bei Penhaligon erschienen. Es scheint sich also seit der Entstehung des Originals im Jahr 1996 immer wieder in die Hände der Leser zu schleichen und hat es nun auch endlich zu mir geschafft. 896 Seiten im Taschenbuchformat findet ihr im zweiten Band vor. Wirklich nur etwas für Vielleser und Menschen mit größeren Händen oder einer Leselotte zum Ablegen des Buches.

Inhalt:

„Fitz Chivalric hat bei der Verteidigung seines greisen Königs seine Gesundheit und beinahe auch seinen Verstand verloren. Doch König Listenreich bietet ihm keine Rache oder wenigstens Genugtuung. Schließlich war der Drahtzieher hinter Fitz‘ Verletzungen dessen eigener Onkel, der Sohn des Königs. Und der hat seine Pläne, um den Thron an sich zu reißen, nicht aufgegeben! Verzweifelt bemüht sich Fitz, die Intrigen des Prinzen zu durchkreuzen – und ahnt nicht, dass sein Schicksal längst besiegelt ist.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)
Meine Meinung:

Die Weitseher-Reihe ist eine, die erst durch ein Gewinnspiel in meinen Fokus geraten ist. Ich nehme des Öfteren auf Instagram an buchigen Gewinnspielen teil und hatte dort das Glück, den ersten Band der Reihe zu gewinnen. Er parkte dann einige Zeit auf meinem Sub, da es für jedes Buch die richtige Zeit gibt. Und als die Zeit für Die Gabe der Könige gekommen war, habe ich es direkt verschlungen. Ich konnte einfach nicht lange auf den zweiten Band warten und habe ihn beinahe direkt im Anschluss gelesen.

Wer Die Gabe der Könige oder Der Bruder des Wolfs lesen möchte, der muss sich auf Robin Hobb und ihre Komplexität einlassen können. Wer kein Fan dicker Bücher und verstrickter Zusammenhänge ist, sollte nicht zu dieser Autorin greifen. Sie spinnt ein Netz voller Intrigen, in denen sich die einzelnen Charaktere mehr und mehr verheddern und verstricken. Nach und nach werden verschiedene Blickwinkel auf die Handlung deutlich gemacht und wir lernen so viel mehr über die sich entwickelnden Figuren und die Welt als im ersten Band. Dem ein oder anderen mag manche Passage des Buches lang werden, ich habe jede einzelne Seite als notwendig betrachtet, um die Gesamthandlung zu verstehen. Schließlich vergehen während der Handlung ja auch nicht nur ein paar Monate, sondern Jahre! Ein solch detaillierter Einblick in die Gedanken und Beweggründe der Figuren ist selten gegeben. Trotzdem ist das Buch mitnichten vorhersehbar und konnte mich an vielen Stellen überraschen. Genial gemacht!

Fitz entwickelt sich, wird vom schmächtigen Jungen zum Kämpfer. Teilweise beinahe skrupellos, aber immer hinterfragender und bedachter handelnd. Immer mehr wird er zum Spielball der Mächtigen, bemerkt dies anfangs kaum und handelt erst, als es beinahe zu spät ist. Obwohl er sich verliebt und den Bund mit einem besonderen Bruder schließt, weiß man über lange Teile der Handlung hinweg nicht, wie es wohl mit ihm weitergehen wird. Alles gipfelt in den Ereignissen, die zum Ende hin geschehen. Hobb lässt uns mit einem so miesen Cliffhanger zurück, dass ich das Buch beinahe wütend beiseitegelegt habe. Wie kann sie so etwas tun? Wie kann sie mich so neugierig machen? Ich denke die Antwort darauf ist leicht: Robin Hobb kann und tut solche Dinge einfach.

Sie beweist Mut und lässt in gewohnter GoT-Manier (ich spreche stets von den Büchern…) auch mal den ein oder anderen Charakter zu viel über die Klinge springen. Äußerst verstörend, aber im Rückblick sympathisch!

Fazit:

Ein epischer zweiter Band voller Intrigen und Machtgeplänkel. Fesselnd bis zur letzten Seite!

PS: Ist Nachtauge nicht toll???

Veröffentlicht am 24.06.2019

Ließ mein Leserherz höher schlagen!

Die Glocke von Whitechapel
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Allgemeines:


Heiß ersehnt und sehnsüchtig erwartet: Der neue Peter Grant-Roman ist endlich da! Am 24.05.2019 ist der nächste Band um den Zauberlehrling aus London erschienen. Auf 416 Seiten wird die ...

Allgemeines:


Heiß ersehnt und sehnsüchtig erwartet: Der neue Peter Grant-Roman ist endlich da! Am 24.05.2019 ist der nächste Band um den Zauberlehrling aus London erschienen. Auf 416 Seiten wird die Handlung vorangebracht. Anders als bei Geister auf der Metropolitan Line handelt es sich nicht um ein Zwischenspiel.

Fans können sich freuen. Bereits im September erscheint ein weiterer Kurzroman von Ben Aaronovitch. Worum es dort geht, werde ich hier aber nicht verraten…

Inhalt:

„Constable und Zauberlehrling Peter Grant steht vor seiner größten Herausforderung: Das Schicksal Londons steht auf dem Spiel. Der gesichtslose Magier, verantwortlich für grauenvolle übernatürliche Verbrechen, ist zwar endlich demaskiert und auf der Flucht. Doch er verfolgt einen perfiden Plan, der ganz London in den Abgrund stürzen könnte. Um den Gesichtslosen zu stoppen, muss Peter all seine magischen Kräfte aufbieten – und einen bösen alten Bekannten kontaktieren: Mr. Punch, den mörderischen Geist des Aufruhrs und der Rebellion.“ (Quelle: dtv Verlag)

Meine Meinung:

Einen Peter Grant-Roman zu lesen ist stets ein wenig wie das Gefühl, nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen, die Beine hochzulegen und alle kleinen oder großen Lasten des Alltags von sich abfallen lassen zu können. Aaronovitch schreibt bereits seit einigen Jahren an dieser Reihe, die anfangs eigentlich nur ein einzelner Roman werden sollte. Viele zweifeln mit Sicherheit daran, dass er die Qualität der Bücher halten kann, obwohl die Reihe damals nicht mehrteilig angelegt war. Er kann es jedoch, das stellt er in Die Glocke von Whitechapel erneut unter Beweis. Ihm gelingt es stets, seine Leser ohne Schwierigkeiten in den neuen Roman eintauchen zu lassen. Die beste Voraussetzung für das Lesen des Romans ist natürlich ein freier Nachmittag mit anschließendem gemütlichen Abend. Solltet ihr so etwas Optimales nicht zur Verfügung haben, könnt ihr das Buch natürlich auch auf mehrere Tage verteilen…

Doch was passiert im Roman?

Eigentlich kann ich euch das nicht verraten. Schließlich seid ihr noch kein Aaronovitch-Fan. Oder täusche ich mich da? Bevor ihr also an dieser Stelle weiterlest, solltet ihr alle vorher erschienenen Romane der Reihe kennen. Nachher erfahrt ihr sonst etwas, das ihr lieber noch nicht wissen solltet.

Nightingale, Peter und seine Mitstreiter sind in der Glocke von Whitechapel etwas Großem auf der Spur. Zunächst rasant, im Mittelteil etwas ruhiger und detaillierter. Abschließend wird es dann so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Ein langersehnter Auftritt findet endlich statt. Der Fall bringt die Handlung wirklich voran und ist kein Zwischenfall. Aaronovitch wirft uns Handlungsbröckchen und Details zu. Beispielsweise über Lesley. Sie ist ein so spannender Charakter, keiner weiß, wer sie wirklich ist und warum sie tut, was sie tut. Mein Leserherz schlug höher als ich das Gefühl hatte, mehr über sie zu erfahren. Doch dieses Gefühl wurde nach und nach getrübt. Ließ mich der Autor doch eigentlich noch ahnungsloser als zuvor zurück. Geschickt gemacht – ich will unbedingt mehr wissen!!!

Neue Charaktere lernt ihr natürlich ebenfalls kennen. Fingerhut solltet ihr nicht aus den Augen lassen, sie war für mich das Highlight des Buches. Besonders spannend ist es wie immer mit den Flüssen und natürlich auch im Folly. Eine neu gegründete Ermittlungsgruppe namens Jennifer soll mit vereinten Kräften Licht ins Dunkle bzw. ins Gesicht des Gesichtslosen bringen. Mittlerweile bilden beide Schauplätze ein Netz von Charakteren und Nebenhandlungen, die man sich nur erschließen kann, wenn man stets aufmerksam liest. Es wurde eine Komplexität geschaffen, an die Aaronovitch nur noch anknüpfen muss. Alles ist da, er muss es in die von ihm gewünschten Bahnen lenken und wir werden, wenn ihm das gut gelingt, vermutlich noch so einige Romane lesen.

Aber welche Rolle spielt denn eigentlich die Glocke von Whitechapel?

Ein Geheimnis voller abstrusem Scheiß, das ich euch leider nicht verraten kann. Sie ist auf jeden Fall mächtig, wichtig und ein bisschen verrückt. Vielleicht spielt dabei der ein oder andere Bewohner Londons eine Rolle, der ganz und gar nicht menschlich ist. Vielleicht aber auch nicht. Das weiß wohl nur Peter selbst.

Fazit:

Ein weiterer Fall voller abstrusem Scheiß, der mein Leserherz höher schlagen ließ. Ich freue mich schon auf den Kurzroman Oktobermann, der im September (warum eigentlich nicht im Oktober?) 2019 erscheinen wird!